Schweinfurt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Schweinfurt
Schweinfurt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Schweinfurt hervorgehoben
Koordinaten: 50° 3′ N, 10° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Höhe: 226 m ü. NHN
Fläche: 35,7 km2
Einwohner: 53.437 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 1497 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 97421, 97422, 97424
Vorwahl: 09721
Kfz-Kennzeichen: SW
Gemeindeschlüssel: 09 6 62 000
Stadtgliederung: 15 Stadtteile
mit 23 Bezirken
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
97421 Schweinfurt
Webpräsenz: www.schweinfurt.de
Oberbürgermeister: Sebastian Remelé (CSU)
Lage der Stadt Schweinfurt in Bayern
Weiden in der OberpfalzStraubingWürzburgSchwabachSchweinfurtRegensburgRosenheimNürnbergNürnbergPassauLandshutMemmingenKaufbeurenKempten (Allgäu)IngolstadtFürthHofErlangenCoburgBayreuthBambergAugsburgMünchenAschaffenburgAmbergAnsbachLandkreis WürzburgLandkreis Wunsiedel im FichtelgebirgeLandkreis Weißenburg-GunzenhausenLandkreis Weilheim-SchongauLandkreis UnterallgäuLandkreis TraunsteinLandkreis TirschenreuthLandkreis Straubing-BogenLandkreis StarnbergLandkreis SchweinfurtLandkreis SchwandorfLandkreis Rottal-InnLandkreis RothLandkreis RosenheimLandkreis Rhön-GrabfeldLandkreis RegensburgLandkreis Pfaffenhofen an der IlmLandkreis RegenLandkreis PassauLandkreis OstallgäuLandkreis OberallgäuLandkreis Nürnberger LandLandkreis Neu-UlmLandkreis Neustadt an der WaldnaabLandkreis Neustadt an der Aisch-Bad WindsheimLandkreis Neumarkt in der OberpfalzLandkreis Neuburg-SchrobenhausenLandkreis MünchenLandkreis Mühldorf am InnLandkreis MiltenbergLandkreis MiesbachLandkreis Main-SpessartLandkreis Lindau (Bodensee)Landkreis LichtenfelsLandkreis LandshutLandkreis Landsberg am LechLandkreis KulmbachLandkreis KronachLandkreis KitzingenLandkreis KelheimLandkreis HofLandkreis HaßbergeLandkreis GünzburgLandkreis Garmisch-PartenkirchenLandkreis FürthLandkreis FürstenfeldbruckLandkreis Freyung-GrafenauLandkreis FreisingLandkreis ForchheimLandkreis Erlangen-HöchstadtLandkreis ErdingLandkreis EichstättLandkreis EbersbergLandkreis Donau-RiesLandkreis Dingolfing-LandauLandkreis Dillingen an der DonauLandkreis DeggendorfLandkreis DachauLandkreis CoburgLandkreis ChamLandkreis Berchtesgadener LandLandkreis BayreuthLandkreis BambergLandkreis Bad Tölz-WolfratshausenLandkreis Bad KissingenLandkreis AugsburgLandkreis AschaffenburgLandkreis AnsbachLandkreis Amberg-SulzbachLandkreis AltöttingLandkreis Aichach-FriedbergBodenseeSchweizÖsterreichBaden-WürttembergHessenTschechienSachsenThüringenKarte
Über dieses Bild
Marktplatz mit Rückert-Denkmal und Renaissance-Rathaus
Stadtmauer am Zürch, dem früheren Burgbezirk
Main mit nächtlicher Skyline

Schweinfurt (schweinfurterisch: Schweifert, fränkisch auch Schweifädd oder Schwainfodd) ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Unterfranken des Freistaats Bayern. Die Hafenstadt am Main ist Oberzentrum, Mitglied der Regiopolregion Mainfranken, Verwaltungssitz des Landkreises Schweinfurt, Hochschul-, Schul-, Verwaltungs- und Kunststadt (zwei größere Museen) sowie fränkischer Weinort. Mit Vororten hat Schweinfurt ca. 100.000 Einwohner.

Im Jahre 791 wurde Schweinfurt erstmals urkundlich erwähnt und gehört zu den zehn ältesten Städten Bayerns. Um 1000 beherrschten die Markgrafen von Schweinfurt eine zentrale Region im Heiligen Römischen Reich. Vom 12. Jahrhundert bis 1802 war Schweinfurt Reichsstadt und im 16. und 17. Jahrhundert ein humanistisches Zentrum. 1777 begann die 240 Jahre alte Industriegeschichte. Im Zweiten Weltkrieg erlitten die Amerikaner ihre größte Luftniederlage über der Stadt. Durch die Wiedervereinigung gewann Schweinfurt entscheidend an Zentralität und wurde zu einem Autobahnknoten in der deutschen Mitte. Die Krise der örtlichen Großindustrie um 1992 wurde erfolgreich überwunden und die Arbeitslosenquote der Region erreichte schließlich nahezu oberbayerische Werte.[2]

Schweinfurt besitzt die höchste Arbeitsplatzdichte Deutschlands (2015),[3] wurde nicht deindustrialisiert, dadurch wichtigster großindustrieller Standort Nordbayerns[4][5][6] und gilt als Welthauptstadt der Kugellager.[7] Die Stadt hat das vierthöchste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner Deutschlands (2016),[8] während beispielsweise die Stadt München auf Platz 13 zurückfiel.[8] Der größte Wälzlager-Konzern der Welt SKF, der zweitgrößte Schaeffler[9] und der zweitgrößte Automobilzulieferer der Welt ZF Friedrichshafen[10] (vormals in Schweinfurt Fichtel & Sachs AG) haben ihre wichtigsten Fertigungsstandorte in Schweinfurt.[6][5] Bei der bayerischen Gebietsreform wurden keine Vororte eingemeindet. Die Agglomeration besitzt 97.900 Einwohner (2015)[11] und das von Mittelgebirgen und Naturparks begrenzte Einzugsgebiet der Stadt ca. 600.000 Einwohner. Zum ihm gehören die Region Main-Rhön, geprägt durch fränkische Tradition, Kurbäder und Landadel[12] und der mittlere Bereich Südthüringens.

Bedeutende Erfindungen stammen aus der Stadt am Main: das Tretkurbel-Fahrrad von Philipp Moritz Fischer (1853),[13] brauchbare Kugellager von Friedrich Fischer (1883), Fahrradfreilauf (1889) und Rücktrittbremse (1903) von Ernst Sachs. In Schweinfurt wurde 1652 die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gegründet. Sie hat heute ihren Sitz in Halle (Saale) und wurde 2008 Nationale Akademie der Wissenschaften.[14]

Inhaltsverzeichnis

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr.16: Thüringer-Wald-Autobahn A 71
Erfurt – Schweinfurt, 2002 im Bau

Schweinfurt besitzt eine sehr zentrale und gleichzeitig naturnahe Lage. Die Stadt am Mittellauf des Mains ist auf der Deutschlandkarte leicht lokalisierbar, da sie am Beginn (der Nordostecke) des Maindreiecks liegt, dem flussabwärts das Mainviereck folgt. Schweinfurt liegt jeweils etwa 40 km Luftlinie von Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen entfernt, nahezu in der Mitte der Europäischen Union,[15] des deutschen Sprachraums und der DACH-Region.[16] Die Stadt liegt im nordöstlichen Bereich des Fränkischen Weinlandes und in der Mitte Mainfrankens, das mit der Rhön im Norden, den Haßbergen im Osten, dem Steigerwald im Südosten und dem Spessart im Westen von Mittelgebirgen umgeben wird. Auf Sichtweite der Stadt liegen Steigerwald, Gramschatzer Wald und Rhön.

Der niedrigste Punkt des Stadtgebietes liegt auf 202 m ü NN,[17] der höchste auf 343 m ü NN.[17][18]

In Folge des Falls des Eisernen Vorhangs änderte sich die wirtschaftsgeografische Lage Schweinfurts grundlegend. Die Stadt wurde zu einem Autobahnknotenpunkt in der bundesdeutschen Mitte und die Arbeitslosenzahlen gingen in der Region stärker als anderswo zurück und erreichten 2016 südbayerische Werte. 2005 wurde die Thüringer-Wald-Autobahn A 71 Erfurt– Schweinfurt als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 16 (VDE 16) fertiggestellt. Mit ungefähr zehn Millionen Euro pro Kilometer ist sie die teuerste Autobahn Deutschlands.[19]

2017 erlangte die Stadt durch das 10 Milliarden Euro teure Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8) weitere Zentralität. Berlin ist nun mit der Bahn von Schweinfurt unter dreieinhalb Stunden erreichbar,[20] mit Umstieg im benachbarten Bamberg in den ICE der neuen 300 km/h Hochgeschwindigkeitsstrecke. Über die westlich vorbeiführende Hochgeschwindigkeitsstrecke, mit Umstieg im benachbarten Würzburg, sind München ab 2:33 Stunden und Hamburg ab 3:57 Stunden erreichbar. Berlin und München sind nun von Schweinfurt etwa eine dreiviertel Stunde schneller als von Frankfurt a. M. zu erreichen und Paris ab 6:22 Stunden. Im Rahmen der DB-Fernverkehrsoffensive 2030 erhält Schweinfurt einen direkten IC-Anschluss, durch den neuen IC Stuttgart – Bamberg.[21]

Verkehrsprojekte Deutsche Einheit

Neue Zentralität Schweinfurts durch die Wiedervereinigung und neue Verkehrsprojekte

Dortmund 350 km
A44
Kassel 200 km
A7
O 10°
Erfurt 160 km
A71
Frankfurt/M 160 km
A3 Main N 50 °
Würzburg 45 km
Nachbargemeinden Bayreuth 120 km
N 50 ° Main A70
Bamberg 55 km
A81
Stuttgart 190 km
O 10°
A7
Ulm 230 km
A73
Nürnberg 120 km

Berlin (City-West) via A 70: 450 km, via A 71: 442 km
Die Kilometerangaben beziehen sich auf Entfernungen zwischen den Stadtzentren bei Fahrten über Autobahnen

Alle Autobahnen mit der ersten Ziffer „7“ führen in Richtung Schweinfurt (bzw. in Gegenrichtung), auch die A 72 HofLeipzig, mit Ausnahme des nördlichen Teils der A 73. Unweit der Stadt kreuzt der 50. Grad nördlicher Breite (siehe oben: N 50 °), der der Mainlinie und A 70 entspricht, den 10. Meridian östlicher Länge (O 10 °), der identisch mit der Nord-Süd-Achse Europas DänemarkNorditalien und der A 7 ist. Am Schnittpunkt der beiden Grade, 5,6 km westlich des Autobahnkreuzes Schweinfurt/Werneck, an der B 26a, befindet sich ein Schnittpunkt-Denkmal.

Raumordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bayerische Planungsregion
Nr. 3 (Schweinfurt)/Main-Rhön

Schweinfurt ist ein Oberzentrum und die mit Abstand größte Stadt der Planungsregion Main-Rhön (Nr. 3), einer von 18 Planungsregionen in Bayern. Zu ihr gehören die kreisfreie Stadt Schweinfurt und die Landkreise Schweinfurt, Bad Kissingen, Haßberge und Rhön-Grabfeld. Die Regiopolregion Mainfranken wurde am 23. Juli 2018 gegründet. Mitglieder sind neben der kreisfreien Schweinfurt und den vier obigen Landkreisen, die kreisfreie Stadt Würzburg, der Landkreis Kitzingen und der Landkreis Main-Spessart.

Von Schweinfurt laufen überregionale Entwicklungsachsen in vier Richtungen:[22]

  • Südwest/Würzburg – Straße: A 7/E 45Schiene: zweigleisig, elektrifiziert; RE, IC i. Plg.[21]Wasser: Main-Donau-Kanal
  • Ost/Bamberg – Straße: A 70/E 48Schiene: zweigleisig, elektrifiziert; RE, IC i. Plg.[21]Wasser: Main-Donau-Kanal
  • Nordost/Coburg – Straße: B 303
  • Nord/Bad Neustadt – Straße: A 71Schiene: eingleisig1; RE2

1 bis 1947/1950 zweigleisig
2 bis 1939/1945 D-Züge: D 11/12/15/16 Stuttgart–Berlin Anhalter Bahnhof, D 13/14 Schaffhausen–Berlin Anhalter Bahnhof mit Kurswagen aus Rom

Entlang der Entwicklungsachse von Schweinfurt nach Bad Kissingen läuft ein fast durchgehenden Siedlungsband durchs Obere Werntal, in dem sich die Gemeinden in der Allianz Oberes Werntal zusammenschlossen.[23]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neun Gemeinden, die alle zum Landkreis Schweinfurt gehören, grenzen an die kreisfreie Stadt Schweinfurt.

Niederwerrn Dittelbrunn Üchtelhausen
Geldersheim Nachbargemeinden Schonungen
Bergrheinfeld Grafenrheinfeld Sennfeld
Gochsheim

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweinfurter Becken, dessen Grenze durchs nordöstl. Stadtgebiet läuft Main bei Schweinfurt: rechts Schweinfurter Becken; links Schweinfurter Rhön, mit Schloss Mainberg und Weinbergen
Schweinfurter Becken, dessen Grenze durchs nordöstl. Stadtgebiet läuft
Main bei Schweinfurt: rechts Schweinfurter Becken; links Schweinfurter Rhön, mit Schloss Mainberg und Weinbergen

Der Großteil des Stadtgebiets liegt innerhalb des gering reliefierten Schweinfurter Beckens (Haupteinheit 136), das sich herzförmig beiderseits des Mains erstreckt, mit der Innenstadt nördlich des Flusses. Die östlichen und nördlichen Stadtteile Haardt, Hochfeld und Deutschhof liegen topographisch teils deutlich erhöht auf den südlichen Ausläufern der von zahlreichen Tälern durchschnittenen nördlich des Mains gelegenen Landschaft der Schweinfurter Rhön. Sie ist identisch mit dem Naturraum Hesselbacher Waldland (Haupteinheit 139). Schweinfurter Becken und Hesselbacher Waldland liegen in der Kernzone der Mainfränkischen Platten (Haupteinheitengruppe 13). Diese gehören zum südwestdeutschen Stufenland beiderseits des Oberrheingrabens (Großregion 1. Ordnung 07-23), das sich vom Pariser Becken bis nach Franken hinzieht.

Geologie und Tektonik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geologie im Stadtgebiet reicht (von älter/unten nach jünger/oben) von den harten Kalk- und Mergelsteinen des Oberen Muschelkalks über den weicheren tonig-mergeligen, von einzelnen Sandsteinen und Kalkbänken unterbrochenen Unterkeuper (Lettenkeuper) bis zu den weichen Tonsteinen des Gipskeupers. Im Bereich zwischen Bergrheinfeld und Schweinfurt befindet sich das Zentrum eines tektonischen Senkungsgebiets (Schweinfurter Mulde). Der Gipskeuper kam in das heutige Niveau des Mains, der im Quartär ein weites Becken ausräumen konnte. Im Stadtgebiet befinden sich Sande und Schotter als Reste höherer Flussniveaus. Am Ostrand des Maintals im Stadtgebiet befinden sich am Schwebheimer Wald Flugsanddünen. Sie sind mit Kiefern bewachsen und inaktiv, sodass sie nicht mehr wandern.

Nordöstlich der Innenstadt verläuft die Kissingen-Hassfurter Störungszone von Nordwesten nach Südosten, die das Hebungsgebiet des Kissingen-Hassfurter Sattels von der Schweinfurter Mulde trennt. Im Bereich der Sattelzone wurden harte Kalksteine des Muschelkalks in das heutige Niveau des Mains und seiner Zuflüsse gehoben. Das Relief ist deutlich bergiger, die Flüsse konnten nur schmale Täler formen.

Hydrologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Main-Hochwasser Januar 2011an der geöffneten Staustufe Main-Eisgang Februar 2012an der Böckleinsinsel
Main-Hochwasser Januar 2011
an der geöffneten Staustufe
Main-Eisgang Februar 2012
an der Böckleinsinsel

Auf Grund der Topografie gab es innerhalb des geschlossen bebauten Stadtgebietes bisher kein Hochwasser. Da sich zum einen der Main bei Schweinfurt bis auf 172 m[24] verbreitert und mit dem Nebenarm Saumain, dem Sennfelder Seenkranz, einem Altwasser des Mains und dazwischen liegenden Inseln und Halbinseln (siehe: Maininseln) sogar bis auf 900 m. Zum anderen liegt die Innenstadt auf einem Sockel ca. 10 bis 15 m über dem Wasserspiegel des Mains und dem Niveau des tieferen Bereichs des Schweinfurter Beckens auf der gegenüberliegenden, südlichen Mainseite, wo vereinzelte Gebäude in und um den Stadtpark (siehe: Wehranlagen) einige Male im Hochwasser standen.

Am Main selbst richtete jedoch starker Eisgang große Schäden an den Wasserbauten beim größten Hochwasser des 19. Jahrhunderts 1845 an, mit einem Pegelstand von 6,25 m.[25] Beim Hochwasser 1909, mit einem Pegelstand von 6,10,[25] stürzten die Eismassen über die Mainwehre. Die Böckleinsinsel (siehe: Maininseln) und der Stadtpark wurden überflutet.[25]

An der Innenstadt (ca. 220 m ü. NN) befindet sich am Hauptmain (Main-km 332) seit 1960 eine neue Staustufe. Oberhalb (östlich) von ihr liegt der Mainwasserspiegel auf 207,68 m ü. NN.[26] Unterhalb beträgt die normale Mainhöhe 203,1 m Ü. NN.[18] Bei Hochwasser werden bei Bedarf Wehre der Staustufe geöffnet. Der höchste Stand des Mains betrug in den letzten 100 Jahren oberhalb der heutigen Staustufe 209,72 m ü. NN;[26] seitdem war die Maininsel Bleichrasen (siehe: Maininseln) mit einer Höhe von 210,0 m ü. NN[27] noch nie überflutet[26] Zudem liegt der Saumain auf nur 203,60 ü. NN,[26] wohin sich das Hochwasser zuerst ergießt. Die tiefere, südliche Mainseite liegt im Stadtbereich auf 205 bis 209 m ü. NN[18]. Die hier ab 1963 errichteten Industrie- und Gewerbeparks Hafen-Ost, Hafen-West und Maintal, die fast vollständig unterhalb der Staustufe liegen, sind durch Deiche geschützt und waren bisher (2016) ebenfalls noch nie überflutet (siehe: Maintal#Hydrologie).

Klima und Stadtklima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klima

Typisches Kennzeichen des örtlichen Klimas ist der geringe Niederschlag. Erst in neuerer Zeit überstieg er ganz knapp die Marke von 600 mm pro Jahr und lag vor der globalen Erwärmung der letzten Jahrzehnte deutlich darunter. Begründet in der Lage der Stadt im Schweinfurter Becken, im Windschatten des westlich und nordwestlich gelegenen Landrückens RhönSpessart. Dazu kommen mitunter sehr kalte Winter und warme Sommer. Dieser Dreiklang führt zu einem Klima, das beim Kontinentalitätsgrad im Übergangsbereich zwischen Seeklima und Kontinentalklima liegt und sonst in Westdeutschland nicht vorkommt, aber in Ostdeutschland verbreitet ist. Der Spessart bildet die Klimascheide zum Seeklima.

Nur an 21 Prozent der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes, die überwiegend in Ostdeutschland liegen, werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni, 1,8-mal so viel wie im Februar. Ein Großteil des Regens fällt hierbei jedoch in kurzen Gewittergüssen und Wolkenbrüchen, weshalb trotz der geringen Jahresniederschläge die städtischen Abwasserkanäle Übergröße besitzen. Deshalb wurde auch im Jahr 2015 Schweinfurt Deutschlands Blitzhauptstadt. Mit 4,5 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer lag die Stadt vor Cottbus (4,3/km²) und Garmisch-Partenkirchen (4,1/km²).[28]

Stadtklima

Schweinfurt liegt nicht in einem Talkessel, ist verhältnismäßig locker bebaut und das Maintal führt in der Hauptwindrichtung von Ost nach West, bei Hochdruckgebieten mit Ostwind und bei Tiefdruckgebieten mit Westwind. Zudem grenzen Seen, Flussauen, Schweinfurter Rhön und Schwebheimer Wald an die Stadt (siehe: Natur). Damit besitzt Schweinfurt für Hitzesommer wesentlich günstigere topografische Faktoren als die beiden stark belasteten Nachbarstädte Würzburg und Kitzingen.[29]

Dialekt und Prägung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberdeutsche Mundarten Fränkische Subdialekte
Oberdeutsche Mundarten
Fränkische Subdialekte

Schweinfurt liegt im ostfränkischen Dialektgebiet (auf rechter Karte: Frängisch) und hier wiederum im Subdialekt Unterostfränkisch (rechts: diverse gelblichen Flächenfärbungen). Innerhalb des Unterostfränkischen gehört Schweinfurt zum Kernraum, der in neuerer Zeit als Meefränkisch (auch Meefränggisch) bezeichnet wird[30] (rechts: Unnäfrängisch), in Unterscheidung zu Mainfränkisch, das ein viel größeres Gebiet bezeichnet. Im meefränkischen Bereich wird wiederum der Schweinfurter Raum wenige Kilometer westlich der Stadt von der Schweinfurter Staffellinie begrenzt.[31]

Die weiteren Dialektdifferenzierungen sind, wie vieles andere in Franken, sehr unübersichtlich. Weshalb in Schweinfurt, im Gegensatz zum Würzburger und Bamberger Raum, fränkische Dialektbezeichnungen negiert werden: man spricht nicht fränkisch irgendeiner Art, sondern Schweinfurterisch. Auffällige Unterschiede zum restlichen Unterostfränkischen ist die Pluralbildung: z. B. statt Häusli (Häuschen) Häuslich und das n in der Endung: z. B. statt Stolle (Brot) Stollen. Roland Weger erstellte ein Wörterbuch Schweinfurterisch–Deutsch.[32]

Trotz der Lage an der Mainlinie hat Mainfranken absolut süddeutschen Charakter. Es liegt mit seiner ethnischen Prägung näher am Alpenraum als am benachbarten Frankfurt am Main, was auch die nebenstehende Karte der Oberdeutschen Mundarten veranschaulicht. Andererseits ist, im Gegensatz zum Bairischen, der örtliche Dialekt dem bis in die äußerste Nordostecke Frankreichs reichenden Südfränkischen sehr ähnlich. Dasselbe gilt für die Landschafts- und Ortsbilder.

Der Raum Schweinfurt besitzt die typischen süddeutschen Wesensmerkmale:

Der Raum um Schweinfurt, insbesondere mit den beiden protestantischen Vororten, den ehemaligen Reichsdörfern Sennfeld und Gochsheim, ist das Zentrum Fränkischer Tracht und Brauchtums, mit Plantanz, unzähligen Kirchweihen (Kerm) und Weinfesten. Hinzu kommt die typische, fränkische Mischung zwischen nebeneinanderliegenden, traditionell protestantischen und katholischen Orten, jenseits der Monostrukturen bayerisch-österreichischem und rheinischem Katholizismus oder norddeutschem Protestantismus. Zudem überlappt sich im östlichen Teil der Region Weinfranken mit Bierfranken, mit einer parallelen Wirtshauskultur, mit Biergärten und traditionellen Weinstuben, mit der fränkischen Spezialität Bäckerei und Weinstube. Durch all dies besitzt die Region um Schweinfurt, wie wohl kaum eine andere, unverwechselbares Gepräge und ein hohes Maß an Lokalkolorit.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine amtliche Stadtgliederung, mit einer Einteilung in Stadtbezirke und Ortsteile, wie beispielsweise in Bayreuth, gibt es nicht. Wegen dieses Mangels verwenden Immobilienportale eine Stadtgliederung aus dem nicht mehr aktuellen Jugendhilfeplan der Stadt Schweinfurt. Das Stadtgebiet ist hierin in 14 Stadtteile (fette Schrift in Liste) und 23 statistischen Bezirke eingeteilt.[33] Der Stadtteil Maintal aus den 1990er Jahren ist hierin noch nicht enthalten und wurde in nachfolgender Liste hinzugefügt. Im Zuge der Bayerischen Gebietsreform der 1970er Jahre wurden keine Vororte nach Schweinfurt eingemeindet, weshalb das Stadtgebiet nur die Kernstadt und das 1919 eingemeindete Oberndorf umfasst.

Stadtteile der Stadt Schweinfurt
Melderegisterbasierte Bevölkerung der Stadt Schweinfurt (Kernstadt und Oberndorf)
am 31. Dezember 2015[34]
Nr. Bezirk Einwohner Ausländer
(%)
Doppelstaatler[35]
(%)
11 Altstadt (zur Innenstadt) 2.529 17,7 6,9
12 Innenstadt-West 4.291 29,4 15,7
13 Innenstadt-Nord 3.994 23,0 13,1
21 Bergl 9.162 18,8 23,9
22 Musikerviertel 3.103 20,4 20,1
31 Nordwestlicher Stadtteil 3.314 19,1 15,5
32 Gartenstadt 2.787 6,6 9,4
33 Nördlicher Stadtteil 3.024 11,9 16,6
34 Haardt 1.779 7,4 17,4
35 Eselshöhe 2.561 4,3 13,9
41 Hochfeld/Steinberg 5.126 7,6 10,8
42 Nordöstlicher Stadtteil 2.734 7,4 8,2
43 Deutschhof-Süd 1.855 6,1 26,3
44 Deutschhof-Mitte 1.454 9,6 27,4
45 Deutschhof-Ost 962 7,3 25,7
46 Deutschhof-Nord 963 6,0 14,6
47 Deutschhof-Zeilbaum 784 1,9 11,4
51 Hafen-Ost[36] 244 7,8 7,4
52 Hafen-West[37] 22 50,0 4,5
53 Badesee am Schwebheimer Wald[38] 4 0,0 0,0
54 Maintal 2 0,0 0,0
61 Oberndorf-Süd 1.135 11,3 9,7
62 Oberndorf-Mitte 1.326 16,1 13,7
nicht zuzuordnen 47 2,1 25,5
Schweinfurt insgesamt 53.202 14,6 16,2

Innerhalb der Stadtteile gibt es zahlreiche kleinere Ortsteile, die teilweise nicht mit den 23 statistischen Bezirken identisch sind.[33] Nachfolgend sind in Klammern die Stadtteile angegeben, in denen sich die Ortsteile befinden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeit, in der Schweinfurt eine politisch überregionale Bedeutung durch die Markgrafen besaß, war um die erste Jahrtausendwende und endete spätestens bereits im Jahre 1057.

Der Raum Schweinfurt hat auf Grund seiner zentralen Lage, der Furt über den Main und fruchtbarer Böden eine lange Geschichte durch nahezu alle prähistorischen und historischen Epochen Mitteleuropas. Die Stadt umgebenden Dörfer zählen zu den ältesten Deutschlands (siehe: Dittelbrunn und Schwanfeld). Die Markgrafen von Schweinfurt unterstützen zweimal ostfränkische Könige auf ihrem Weg auf den Kaiserthron des Heiligen Römischen Reichs. So den ersten römisch-deutschen Kaiser Otto I., mit seinem Rückgriff auf die Kaiseridee Karls des Großen. Bereits spätestens 1057 endete die große historische Zeit Schweinfurts und der Markgrafen, die keine männlichen Nachkommen mehr hatten. In dem Macht-Vakuum in der Reichsmitte entstand das Hochstift Bamberg.

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siedlungsspuren lassen sich in der Stadt seit 7500 Jahren nahezu lückenlos nachweisen. Von der Linearbandkeramischen Kultur[39] (5500 bis 5000 v. Chr.), der Jungsteinzeit[39] (5500 bis 2200 v. Chr.), der Stichbandkeramik[39] (4900 bis 4500 v. Chr.), der Urnenfelderzeit[39] (1300 bis 800 v. Chr.), der Hallstattzeit[39] (800 bis 450 v. Chr.), bis zur Latènezeit[39] (450 v. Chr. bis zum Jahr 0).

Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Wüstung Affeltrach im nordwestlichen Stadtgebiet, am Ufer der Wern an der Bellevue, leitet sich wahrscheinlich vom althochdeutschen Wort für Apfelbaum, aphaltar, her. Affeltrach wäre dann die Siedlung bei den Apfelbäumen gewesen.[40] Wahrscheinlich wurde das Dorf bereits in vorchristlicher Zeit gegründet, als germanische Stämme nach Franken vorstießen; die Endung weist jedenfalls auf ein hohes Alter der Siedlung hin. Um 500 v. Chr. ist die Besiedlung durch Kelten nachgewiesen, unter anderen am Biegenbach zwischen dem Stadtteil Bergl und Geldersheim und während der Römischen Kaiserzeit an selber Stelle eine Besiedlung durch Germanen.[41] Aus der Merowingerzeit (5. Jahrhundert bis 751) ist ebenfalls eine Siedlung nachgewiesen.[39]

Frühmittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thüringer und Franken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Thüringer beherrschten das nördliche Mainfranken, bevor sie ab dem 6. Jahrhundert von den Franken zurückgedrängt bzw. überlagert wurden. Erste Siedlungen im Raum Schweinfurt wurden von ihnen wohl bereits im 5. Jahrhundert gegründet. Ortsnamen mit der Endung -ungen, wie Schonungen, Rannungen oder Jeusungen, deuten auf thüringischen Ursprung hin. Die Franken besiegten die Thüringer 531 und besiedelten daraufhin auch Schweinfurt zwischen dem Marienbach am Ostrand der heutigen Schweinfurter Altstadt und dem 1 km mainaufwärts gelegenen Höllental. Damit war auch die Christianisierung verbunden, die in Franken Ende des 7. Jahrhunderts einsetzte. Früheste archäologische Funde lassen sich heute zwischen Marienbach und Höllental bis auf das Jahr 650 datieren. Bereits für die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts bezeugt ein Reihengräberfeld hier eine Siedlung an der Furt über den Main.[41]

Herkunft des Stadtnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sennfelder Seenkranz Straßenkarte Nordbayerns um 800, in der Mitte Schweinfurt
Sennfelder Seenkranz
Straßenkarte Nordbayerns um 800, in der Mitte Schweinfurt

Die naturgegebene Verbreiterung des Mains bei Schweinfurt mit Nebenarmen und Inseln brachte seit ältesten Zeiten seichtes Wasser. Dies war bereits den Menschen in der Frühzeit bekannt. Nördlich der Furt liefen überregionale Nord-Süd-Verbindungen zusammen. Sie kreuzten unweit nördlich, in der Schweinfurter Rhön, den Hochweg, später (1195) als Königsstraße recta strata bezeugt. Eine wichtige West-Ost-Verbindung von Frankfurt am Main über das schweinfurtische Banz nach Böhmen.

Nicht das Schwein, sondern der Swin hat der Stadt ihren Namen gegeben (siehe auch: Ortsname). Das Wort stammt wahrscheinlich nicht aus dem Althochdeutschen, sondern wurde von den Franken aus ihren ursprünglichen Gebieten um Maas und Schelde mitgebracht. Im Hölländischen bezeichnet Zwin (Aussprache Swin) einen Priel, einen Wasserlauf in Watt und Marsch. Das Zwin ist ein versandeter Meeresaltarm in Flandern; Swin bedeutet im eigentlichen Sinn abnehmen („schwinden“). Das Wort war auch im Altsächsischen in Gebrauch, worauf mehrere Orte namens Swinford auf den Britischen Inseln hinweisen.[42] Ferner auch Swinemünde an der Swine. Swin wird zudem auch von einem von Quellen durchzogenen Sumpfgebiet hergeleitet.[43] Die (erste) Furt wird 1,5 km östlich der heutigen Altstadt auf Höhe eines Altwassers des Mains, dem heutigen Sennfelder Seenkranz vermutet, einem Sumpf und Quellengebiet. Der Siedlungsname ist wie folgt belegt:

  • 720 Suinuurde.[42]
  • 791 Suuinfurtero (erste urkundliche Erwähnung).[42]
  • 804 Suuinfurte.[42]
  •  ? Swinfurt.[44]
  •  ? Swinvordi.[44]
  • 1254 Swinvorde
  •  ? Sweinvort.[44]
  • 1500 Sweynfurt.[45]
  •  ? Schweinfurt

Erste urkundliche Erwähnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstes schriftliches Indiz für die Existenz der Siedlung im 8. Jahrhundert ist die Nennung im Codex Edelini des Klosters Weißenburg.[46] Wahrscheinlich wurde damals in Suinuurde bereits Weinbau betrieben. Die erste sicher datierbare schriftliche Erwähnung einer Siedlung zwischen Marienbach und Höllental (siehe: Thüringer und Franken) erfolgte im Jahr 791.[47] Hiltrih übereignet einen Besitz in Suuinfurtero marcu an das Kloster Fulda.[41][48]

Jedoch wurde bereits ein halbes Jahrhundert zuvor auf heutigem Stadtgebiet Oberndorf im Jahre 741 erstmals urkundlich erwähnt, nur 37 Jahre später als die erste urkundliche Erwähnung Frankens im Jahre 704 von Würzburg. Im ersten Jahrtausend gab es auf dem Stadtgebiet noch zwei weitere erste urkundliche Erwähnungen, beide im Jahre 951, der Wüstungen Affeltrach und Hilpersdorf. Während die Reichsstadt (heutige Altstadt) erst 1254 urkundlich erwähnt wurde.

Markgrafschaft Schweinfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Reich um 1000: Markgrafschaft Schweinfurt mit Folcfelt (Steigerwaldvorland), Ratenzgowe (westl. Oberfranken) und Nortgowe (Oberpfalz) Burgberg Peterstirn(heute mit Karlsturm von 1874)
Altes Reich um 1000:
Markgrafschaft Schweinfurt mit Folcfelt (Steigerwaldvorland), Ratenzgowe (westl. Oberfranken) und Nortgowe (Oberpfalz)
Burgberg Peterstirn
(heute mit Karlsturm von 1874)

Bedeutung erlangte Schweinfurt im Jahre 941[49] mit der Nennung des Grafen Berthold als erstem Glied des Hauses der Grafen von Schweinfurt.[41] Die Herkunft der Familie ist umstritten. Schweinfurt lag in der Mitte des Ostfrankenreichs, wie auch in der Mitte des nachfolgenden Heiligen Römischen Reichs. Bertholds hauptsächliche Herrschaften lagen jedoch im Nordgau und im Radenzgau, die durch eine Kette von Burgen gesichert waren, der Volkfeldgau enthielt Streubesitz. Dadurch nahm er eine wichtige Position im zentralen Reichsgebiet, dem Herzogtum Franken, ein. Berthold gab dem König des Ostfrankenreichs Otto I. (936-973), der 962 römisch-deutscher Kaiser wurde, gegen aufständische Stammesherzöge wertvolle Waffenhilfe. Als Dank erhielt Berthold von Otto I. die Grafschaften für den Folkfeld- und den Radenzgau sowie die Markgrafschaft für den Nordgau, in etwa die heutige Oberpfalz.[50] Dadurch war er und ab 980 sein Sohn Heinrich der mächtigste weltliche Adelige auf dem Gebiet des heutigen Nordbayern. Der Machtbereich erstreckte sich bis in den Bayerischen Wald.[51] Die Hauptburg war zunächst Sulzbach im Nordgau, weshalb die Adelsgeschlechtbezeichnung "von Schweinfurt" eigentlich erst auf Otto, den Sohn von Heinrich zutrifft.

Schweinfurter Fehde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Später unterstützte Graf Heinrich, von den Geschichtsschreibern zur Unterscheidung mit einem Kinderrufnamen „Hezilo“ genannt, den ostfränkischen König Heinrich II. (1002–1024, ab 1014 römisch-deutscher Kaiser) bei der Königswahl 1002 und bekam dafür die Herzogswürde von Baiern zugesagt. Nach der Wahl löste jedoch Heinrich II. (HRR) das Versprechen nicht ein. Daraufhin kam es 1003[49] zur sog. Schweinfurter Fehde. Graf Heinrich verlor dieses schlecht vorbereitete Unternehmen, verlor erstmal seinen gesamten Besitz, die Königsüter im Rangau sowie die Grafschaften in Volkfeld-, Radenz- und Nordgau und flüchtete zum Herzog von Polen, Boleslaw Chobry, seinem Verbündeten. Die entzogenen Königsgüter bildeten den Kern des neuen Bistums Bamberg, das unmittelbar darauf von Heinrich II. gegründet und 1007 von Papst Johannes XVIII. bestätigt wurde. Nach Verhandlungen über Vermittler stellte sich Graf Heinrich und wurde von König Heinrich auf Burg Giebichenstein gefangen gesetzt. Nach intensiver Fürsprache – z. B. Bischof Gottschalk von Freising am 8. September 1004 in einer Predigt vor dem König – begnadigte er ihn ca. ein Jahr später (1004). Ob Graf Heinrich tatsächlich seine königlichen Lehen ganz verlor oder großteils restituiert wurde, ist umstritten. Die gräfliche Klosterburg in Schweinfurt war jedoch durch das persönliche Engagement von Graf Heinrichs Mutter Eila von Walbeck (siehe Die Grafen von Walbeck), von den beiden Gesandten des Königs, Bischof Heinrich von Würzburg und Abt Erkanbald von Fulda, nur symbolisch beschädigt worden. Es ist davon auszugehen, dass sie ihr Versprechen, die Schäden nach einer Begnadigung auf eigene Kosten wieder zu beheben, gehalten haben.[41]

Hezilo behielt jedoch unumstritten seinen Besitz um den Burgberg Peterstirn,[47] wo um 1015[41] Eila unterhalb der Burg ein Nonnenkloster stiftete. Nach einigen Besitzwechseln wurde das Frauenkloster um 1055[41] in ein Benediktinerkloster namens Stella Petri (zu deutsch Peterstern) umgewandelt, worauf im Laufe der Zeit Peterstirn wurde.

Hochmittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aussterben der Markgrafen von Schweinfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Judith von Schweinfurt (Mitte)
(Darstellung aus dem 14. Jh.)

Hezilos Sohn Otto von Schweinfurt wurde von König Heinrich III. (1039–1056) zum Herzog von Schwaben (Otto III.) ernannt. Eine seiner zahlreichen Töchter, Judith von Schweinfurt, wurde zu einer zentralen Figur der Alt-Schweinfurter Stadtgeschichte, bei der sich historische Überlieferungen und Legenden verbinden. Sie soll schließlich in zweiter Ehe Königin von Ungarn geworden sein und fand ihre letzte Ruhestätte im Veitsdom in Prag.

Otto von Schweinfurt heiratete aus reichspolitischen Gründen eine Tochter des Markgrafen Ulrich Manfred von Turin (Manfred von Susa), womit Verbindungen der Reichsteile nördlich und südlich der Alpen gestärkt werden sollten.[52] Nach Otto starb das Geschlecht im Mannesstamm 1057 aus und spätestens dieses Jahr markiert das unumstrittene Ende der bedeutenden Rolle der Markgrafen von Schweinfurt. Das Gut um Schweinfurt erbte Ottos Tochter Beatrix. Der Besitz bestand damals aus der Burg auf der Peterstirn und dem Dorf, das zwischen Höllental und Marienbach lag, mit der einstigen Kilianskirche (siehe: Kiliansberg). Beatrix’ letzter männlicher Nachkomme, der Fürstbischof von Eichstätt Eberhard I. von Hildrizhausen, vermachte 1112 seinen Besitz um Schweinfurt dem Hochstift Eichstätt. Dadurch kam die Stadt bis zur späteren Reichsunmittelbarkeit als Freie Reichsstadt unter geistliche Herrschaft.[53] 1263/65 wurde das heruntergekommene Benediktinerkloster an der Peterstirn auf Betreiben des Würzburger Bischofs Iring von Reinstein-Homburg dem Deutschen Orden übergeben.

Aufstieg zur Reichsstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Johannis,
Brautportal (1240)

Zu den Anfängen der heutigen Altstadt aus dem 12. Jahrhundert,[41] 1 km mainabwärts (westlich) der bisherigen Siedlung zwischen Marienbach und Höllenbach, gibt es unterschiedliche Ansichten. Die von einem allmählichen Aufbau bis zu einer geplanten Civitas Imperii (Reichsstadt), also einer Gründungsstadt, durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa, unter Verwendung von vorhandenem Königsgut, reichen.[54] Die klassische mittelalterliche Stadtanlage, mit Straßenkreuz am Marktplatz, vier Vierteln und vier Stadttoren, ist klarer strukturiert als beispielsweise die mainabwärts gelegenen Reichsstadt Frankfurt und zeugt von einem planmäßigen Aufbau. An dieser neuen Stelle der Stadt konnten die Furt über den Main und die Straßen nach Frankfurt, zum Obermain und nach Erfurt besser kontrolliert werden.

Erstes Stadtverderben und Nachweis der Stadtrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kampf um die Vorherrschaft in Mainfranken zwischen den Hennebergern und dem Bischof von Würzburg wurde die Stadt zwischen 1240 und 1250 zerstört (Erstes Stadtverderben). Es ist jedoch umstritten, ob diese Zerstörung noch in der alten Siedlung zwischen Höllenbach und Marienbach erfolgte und somit ein Grund für den Neuaufbau der Stadt an der weiter westlich gelegenen, heutigen Stelle war oder ob die Zerstörung bereits hier stattfand.[54] In einem Brief König Wilhelms von Holland vom 9. Januar 1254[47] heißt es, Schweinfurt sei früher Reichsstadt gewesen („…Swinforde, que olim imperii civitas fuerat“). Es bleibt unklar, ob jemals der Stadt Rechte entzogen wurden oder ob nur auf die Stadtzerstörung Bezug genommen wird. Jedoch ist dieser Brief der erste urkundliche Nachweis von Schweinfurt als Reichsstadt und somit auch als Ort mit Stadtrecht.[47]

Spätmittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hennebergisches Schweinfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lagekarte Grafschaft Henneberg um 1350, mit Schweinfurt (SW, unten li.) St. Johannis,gotischer Taufstein 1367
Lagekarte Grafschaft Henneberg um 1350, mit Schweinfurt (SW, unten li.)
St. Johannis,
gotischer Taufstein 1367

Die erste (innere) Stadtbefestigung der neuen Stadt wurde errichtet, deren Verlauf im Süden entlang des Mains und im Osten entlang des Tals des Marienbachs identisch mit späteren Befestigungsanlagen ist, die am Mariental heute noch weitgehend erhaltenen sind. Diese erste Stadtmauer wird erstmals urkundlich in einem Vergleich vom 17. Februar 1258 zwischen den Grafen von Henneberg und dem Würzburger Bischof Iring von Reinstein-Homburg erwähnt.[55]

Um 1200 wurde in der neuen Stadt mit dem Bau der Johanniskirche begonnen, dem ältesten, erhaltenen Bauwerk Schweinfurts und außen herum ein Friedhof angelegt. 1237 war der Nordturm vollendet, auf den Südturm verzichtete man.

1263 wird das Mönchskloster in der ehemaligen markgräflichen Burg in eine Kommende des Deutschen Ordens umgewandelt.[49] 1282[49] wurde Schweinfurt von Rudolf von Rudolf von Habsburg (1273–1291) als Reichsstadt bestätigt.[47] Durch Verpfändung kam 1309 Schweinfurt an die Henneberger, die von 1310 bis 1427 eine Reichsburg im Stadtteil Zürch unterhielten. Die Gefahr dem Reich auf Dauer entfremdet zu werden konnte nur durch Selbstauslösung (1361/1385) unter großen finanziellen Opfern gebannt werden. Nach der Auslösung trat die Stadt dem Schwäbischen Städtebund bei.[49]

In Folge stärkten zahlreiche königliche Privilegien die Kommune in rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht. So wurde 1397 durch König Wenzel (1376–1400) die Erlaubnis für Wasserbauten und einer Brücke über den Main erteilt[41] und im gleichen Jahr das Privileg der Zollfreiheit erworben. Das Recht, eine jährliche Messe abzuhalten, die am 11. November beginnen und 17 Tage dauern sollte, erwarb die Stadt 1415 von König Sigismund.[56]

Aufbau eines Territoriums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1436 wurde die unmittelbar südwestlich an die Stadtmauer grenzende alte Fischersiedlung Fischerrain, deren Ursprünge im Dunkel der Geschichte liegen, in die Stadt eingegliedert. Auf Grund positiver wirtschaftlicher Entwicklung kann die Stadt von den Brüdern Karl und Heinz von Thüngen am 26. Februar 1436 den südwestlich gelegenen Vorort Oberndorf für 5.900 Gulden erwerben. 1436/37 erhielt der Rat der Stadt vom Deutschen Orden für 18.000 Gulden die Burg auf der Peterstirn sowie das zugehörige Landgebiet mit den Dörfern Altstadt, Hilpersdorf, Zell und Weipoltshausen sowie den Höfen Deutschhof und Thomashof. Dazu gehörten auch die beiden Exklaven Ottenhausen und Weipoltsdorf.[41] Das reichsstädtische Territorium wurde 1620 [57] um Madenhausen ergänzt. Die Einwohner dieser Ortschaften waren Untertanen der Reichsstadt und besaßen in der Regel kein Bürgerrecht.

Territorien am Ende des Alten Reichs
Schweinfurt 1792.png
  • Reichsstadt Schweinfurt (evang.)
  • Reichsdörfer (evang.)
  • Reichsritterschaften (evang.)
  • Grafen von Schönborn (kath.)
  • Deutscher Orden (Brönnhof)
  • Hochstift Würzburg (kath.)
  • Durch die Zuerwerbe hatte das Territorium der Reichsstadt nun von Südwesten nach Nordosten eine Ausdehnung von 17 km. Dadurch war von der Stadt Schweinfurt über den Ritterkanton Baunach ein nahezu durchgehender protestantischer Korridor[58] durch die Hochstifte Würzburg und Bamberg ins protestantische Herzogtum Sachsen entstanden.

    Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Bauernkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Das Territorium des Hochstifts Würzburg befand sich seit April 1525 fast vollständig in der Hand aufrührerischer Bauern. Die Stadt Schweinfurt stellte sich auf ihre Seite und unterstützte sie mit Mannschaften und Lebensmitteln. Am 17. Mai 1525 wurde durch Betreiben Schweinfurts das Schloss Mainberg des Grafen Wilhelm von Henneberg durch den Bildhäuser Haufen zerstört. Das Heer des Schwäbischen Bundes hatte Anfang Juni den Würzburger Raum von den Aufständischen zurückerobert und traf am 12. Juni 1525 mit 15.000 Mann in Schweinfurt ein. Die Stadt wurde zur Aufkündigung des Bündnisses mit den Aufständischen gezwungen und musste für den Wiederaufbau des Schlosses Mainberg 4566 Gulden und für allgemeine Brandschatzung pro Haus 10 rheinische Gulden leisten.[59]

    Zweites Stadtverderben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Wiederaufgebaute Stadt 1593

    Am 22. Mai 1553 wurde Schweinfurt im so genannten Zweiten Markgrafenkrieg durch Markgraf Albrecht II. Alcibiades erstmals besetzt. Vom 1. bis 23. Juni 1553 wurde es von den Truppen Braunschweigs, Kursachsens und Würzburgs erstmals belagert und beschossen. Der große Angriff auf die Stadt erfolgte im darauffolgenden Jahr ab dem 27. März 1554. Die Bundestruppen schossen die Stadt innerhalb von zehn Wochen sturmreif und hungerten sie aus. Der Markgraf ließ am Abend des 12. Juni 1554 seine Truppen vor der Übermacht seiner Gegner abziehen. Dadurch war die Stadt ohne Schutz. Noch bevor der Rat mit den Bundestruppen Verhandlungen aufnehmen konnte, wurde die Stadt am Morgen des 13. Juni 1554 geplündert und in Brand gesetzt. Die bereits durch Hunger und Seuchen dezimierte Bevölkerung floh in Scharen ins Umland.

    Die auf Rache bedachte Landbevölkerung, die im Krieg viel zu leiden hatte und Schweinfurt die Schuld gab, drang nach dem Abzug der Bundestruppen am gleichen Tag in die Stadt ein und vollendete das Zerstörungswerk. Dies ging als Zweites Stadtverderben in die Stadtgeschichte ein (siehe: Erstes Stadtverderben).

    Der Wiederaufbau zog sich bis 1615[60] hin. In dieser Form blieb die Altstadt, mit Ausnahme später modernisierter Befestigungsanlagen, bis ins frühe 19. Jahrhundert fast unverändert. Lediglich im 18. Jahrhundert wurden viele zweigeschossige Bürgerhäuser um eine Etage aufgestockt. Zeugnisse des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Stadtverderben sind die Renaissance-Bauten Rathaus, Altes Gymnasium und Zeughaus sowie der wiederaufgebaute Ebracher Hof und die Hofanlage Metzgergasse 16.[59]

    Reformation und Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1542[57] schloss sich Schweinfurt der Reformation an und 1609[57] trat die Stadt der Protestantischen Union bei (siehe Evangelisch-lutherisch). „Schweinfurt gerät immer wieder zwischen die Fronten der großen Politik – als Vorreiterin der Reformation seit 1542 mitten im katholischen Kernland hat sich die Stadt den Status des Brennpunkts sozusagen selbst ausgesucht.“[47]

    Reichsstadt Schweinfurt in Topographia Franconiae 1656 Reichsstadt Schweinfurt 1648.Beide Bilder: Matthäus Merian, Frankfurt/M.
    Reichsstadt Schweinfurt in Topographia Franconiae 1656
    Reichsstadt Schweinfurt 1648.
    Beide Bilder: Matthäus Merian, Frankfurt/M.

    Durch die Gegenreformation von 1585 bis 1603 im Bistum Würzburg, Bistum Bamberg und Bistum Fulda wandten sich viele wohlhabende protestantische Familien nach Schweinfurt.[41] Der prominenteste unter ihnen war Balthasar Rüffer, von 1585 bis 1587 Oberbürgermeister von Würzburg.

    Im Dreißigjährigen Krieg wurde Schweinfurt häufig von den Truppen der Kriegsparteien besetzt. 1632 kam der schwedische König Gustav Adolf in die Stadt. Der Generalfeldmarschall der schwedischen Armee Karl Gustav Wrangel errichtete sein Hauptquartier in Schweinfurt am Rossmarkt. In den 1640er Jahren wurde die Stadtbefestigung von Wrangel ausgebaut. Erhalten sind aus dieser Zeit die Schanzanlagen am Oberen Wall. Beim Umbau des Ernst-Sachs-Bades zur Kunsthalle Schweinfurt stieß man auf einen Teil der Naturheilschanze von Wrangel, die in die Ausstellungsräume integriert wurde (siehe: Architektur/Kunsthalle Schweinfurt). Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt weder zerstört noch nennenswert beschädigt. Die beiden bekanntesten (nebenstehenden) Abbildungen der Reichsstadt stammen aus der Zeit unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg.

    Gescheiterter Versuch einer Universitätsgründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Altes Gymnasium, erstes Domizil des Gymnasium Gustavianum

    Die Reichsstadt Schweinfurt war eine, wenngleich mit menschlichen Schwächen behaftete, frühdemokratische, humanistische und protestantische Insel innerhalb des Hochstifts Würzburg und in Nachbarschaft zum Hochstift Bamberg, auf der ein enormer politischer Druck lag. Knapp hundert Jahre nachdem in Schweinfurt 1652 die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (heute Nationale Akademie der Wissenschaften) gegründet wurde, gab es in Würzburg die letzte Hexenverbrennung.

    Auf Weisung des schwedischen Königs Gustav II. Adolf wurde 1632 in Schweinfurt das Gymnasium Gustavianum, das heutige Celtis-Gymnasium, gegründet.[61] Zudem wollte Gustav Adolf in der Stadt als protestantischen Gegenpol zum Hochstift Würzburg eine Universität gründen. Er nahm im Dreißigjährigen Krieg dem Hochstift Ländereien weg und schenkte sie der Reichstadt zur Finanzierung der Eliteschule. Das Vorhaben wurde letztlich durch seinen Tod 1632 in der Schlacht bei Lützen vereitelt.[62][47]

    Siehe auch: Nationale Akademie der Wissenschaften

    18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Bellevue, Fabrikantenvilla (1790)

    Im 18. Jahrhundert gab es in der Reichsstadt keine kriegerischen Auseinandersetzungen. Jedoch hatte sie öfters unter dem Durchzug unterschiedlichster Truppen zu leiden, die sich verpflegen, ausstatten oder finanzieren ließen. Wirtschaftlicher Aufschwung wurde durch finanzielle Altlasten, gesetzliche Überregulierung und Korruption des Stadtrates stark gehemmt. Der wichtige örtliche Weinbau wurde 1760 durch die Einführung des Kaffees in der Stadt zurückgedrängt. Von 1770 bis 1772 verhängte das die Reichsstadt umgebende Hochstift Würzburg eine Fruchtsperre über Schweinfurt, was zu einer Teuerung führte. Ende des 18. Jahrhunderts wies der Stadtrat, aus Sorge an Bedeutung zu verlieren, das Ansinnen aus Wien ab, das Reichskammergericht von Wetzlar nach Schweinfurt zu verlegen. Was zu Protesten in der Bevölkerung führte.[63]

    Das Jahr 1777 markierte den Beginn der Industrialisierung der Stadt, durch die Errichtung einer Bleiweißmühle von J. W. Schmidt. Weitere fabrikähnliche Anlagen dieser Art entstanden an der Bellevue und im benachbarten Vorort Niederwerrn.[63]

    Späte Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Königreich Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam Schweinfurt 1802 zu Bayern, drei Jahre bevor das Königreich Bayern gegründet wurde. Oberstleutnant Joseph von Cloßmann nahm die Stadt am 6. September 1802 für Bayern in Besitz.[64] 4000 Menschen demonstrierten am Roßmarkt gegen den Anschluss.[65] Nach der zwischenzeitlichen Zugehörigkeit zum Großherzogtum Würzburg (1810–1814) fiel Schweinfurt 1814 erneut an das Königreich Bayern. Die zum reichsstädtischen Territorium gehörenden Dörfer Oberndorf, Zell, Weipoltshausen und Madenhausen wurden ausgegliedert. Dadurch verlor Schweinfurt etwa zwei Drittel seines Gebietes.

    Bahnbetriebsamt (1877) am Hauptbahnhof Luitpoldstraße, Prachtstraße zum Hauptbahnhof
    Bahnbetriebsamt (1877) am Hauptbahnhof
    Luitpoldstraße, Prachtstraße zum Hauptbahnhof

    1852[60] erfolgte mit der Eröffnung der Ludwigs-Westbahn[66] von Bamberg zum Stadtbahnhof der Anschluss ans Eisenbahnnetz. Dadurch wurde das Gebiet der ersten Siedlung der Stadt nach 700 Jahren wieder bebaut. Die Bahnstrecke wurde danach nach Würzburg (1854) und Aschaffenburg weitergebaut. Mit dem Bau der Linien nach Bad Kissingen (1871) und Meiningen (1874) wurde Schweinfurt Eisenbahnknotenpunkt. 1874 wurde 3 km westlich des Stadtbahnhofs ein großer Rangier- und Centralbahnhof errichtet, der heutige Hauptbahnhof. Danach kamen noch die Nebenlinien nach Kitzingen mit dem Bahnhof Schweinfurt Sennfeld sowie nach Gemünden hinzu. Schweinfurt entwickelte sich jedoch, anders als die Nachbarn Würzburg und Gemünden, nicht zu einer Eisenbahnerstadt. Die Bahn als Arbeitgeber spielte stets eine untergeordnete Rolle, was sich bis heute positiv aufs Stadtbild auswirkte. Der Centralbahnhof wurde in weit vorausschauender Weise inmitten von Feldern auf Oberndorfer Gemarkung als Personen- und Güterbahnhof angelegt, als die Stadt kaum über die mittelalterlichen Mauern hinausgewachsen war. Mit dem Ziel, möglichst viel Raum für die erwartete Industrialisierung um den Bahnhof zu lassen, die bis Ende der 1930er Jahre hier auch erfolgt war. Die relativ große Entfernung vom Centralbahnhof zur Innenstadt wurde ab 1895 mit der ersten kommunalen Straßenbahn Bayerns, der Straßenbahn Schweinfurt überbrückt, einer Pferdebahn. 1906 wurde der Centralbahnhof in Hauptbahnhof umbenannt.

    Fichtel & Sachs AG Werk 1, Schrammstraße (1913); ab 1929 VKF, östlicher Werksteil Schillerplatz, westliche Innenstadt (1915)
    Fichtel & Sachs AG Werk 1, Schrammstraße (1913); ab 1929 VKF, östlicher Werksteil
    Schillerplatz, westliche Innenstadt (1915)

    Durch die Industrialisierung hatte Schweinfurt zwischen 1840 (7.700) und 1939 (49.700 Einwohner) prozentual mit 635 % nach Nürnberg das zweithöchste Bevölkerungswachstum aller fränkischen Städte.[67] An die Zeit Schweinfurts im Königreich Bayern erinnern heute noch Straßen- und Brückennamen, wie Luitpoldstraße, Maxbrücke und Ludwigsbrücke. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde im Stadtwald, nördlich des heutigen Stadtteils Deutschhof, ein Truppenübungsplatz angelegt, der in Folge des Kriegsausbruchs nie benutzt wurde.

    Zwischenkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1921 wurde der Betrieb der Schweinfurter Straßenbahn infolge der Krisenzeit nach dem Ersten Weltkrieg eingestellt und ab 1925 durch Linienbusse ersetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten waren die 1930er Jahre in Schweinfurt eine der wichtigsten Epochen der Stadtentwicklung. Die Mitarbeiterzahl der metallverarbeitenden Großfirmen stieg bis 1939 auf 20.700 an. Dadurch kam es zu einem Bauboom und die Weichen für die moderne Stadtentwicklung wurden gestellt. Die Stadtplanung aus den 1920er Jahren für eine neue, weitreichende Bebauung entlang der Niederwerrner Straße wurde modernisiert und die Stadt weitläufig im Nordwesten mit Wohnvierteln und im Südwesten mit Anlagen für die Großindustrie bebaut. In der Zwischenkriegszeit entstanden das St.-Josefs-Krankenhaus der katholischen Erlöser-Schwestern (1929), das Städtische Krankenhaus (1930), das Ernst-Sachs-Bad (1932), die Hauptverwaltung der Fichtel & Sachs AG (1933) und das Willy-Sachs-Stadion (1936). Seit 1936 ist Schweinfurt Garnisonsstadt. Im Zuge der vom NS-Regime betriebenen Aufrüstung der Wehrmacht wurde an der Niederwerrner Straße die große Panzerkaserne errichtet.

    Zweiter Weltkrieg (Drittes Stadtverderben)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Overlord-Plan mit kombinierter Bomberoffensive Juni 1944:
    Schweinfurt (karierte Schraffur in der deutschen Mitte) war das einzige primäre Angriffsziel (Primary) der Alliierten in Bayern

    Der Luftkrieg über Schweinfurt unterschied sich von den anderen Städten. Nicht die einheimische Bevölkerung, sondern die angreifende Luftwaffe erlebte einen Schicksalstag. Auf Grund der kriegswichtigen Wälzlagerindustrie, einer Schlüsselindustrie, hatte Schweinfurt die beste Luftverteidigung Deutschlands. Die Eisenbahnflak, Batterien schwerer Flaks auf Waggons, war meist auf der Bahnlinie nach Erfurt westlich der Stadt postiert, wo auch ein Fliegerhorst für Abfangjäger errichtet wurde (die späteren Conn Barracks). Die United States Army Air Forces (USAAF) erlitt in Luftkämpfen über der Stadt ihre größten Verluste. Insgesamt wurde in 15 größeren und sieben kleineren Luftangriffen[68] die Stadt zu 40 % und das Industriegebiet zu 80 % zerstört,[69] was als Drittes Stadtverderben bezeichnet wird (siehe auch: Zweites Stadtverderben). Jedoch misslang die Entfachung eines Feuersturms, der auf Grund der Bauweise im Industriegebiet nicht möglich gewesen wäre, auch in der übrigen Stadt: bei einem Versuch fielen die Brandbomben auf Äcker beim nahen Sennfeld. Im Gegensatz zum benachbarten Würzburg, wo in einem einzigen Angriff durch einen Feuersturm die gesamte Stadt zu 80 % zerstört wurde.

    Erster Angriff auf Schweinfurt mit Boeing B-17 Formation am 17. August 1943

    Der erste Luftangriff erfolgte wegen der Lage Schweinfurts in der deutschen Mitte und weit von den Stützpunkten der Alliierten im Westen entfernt, relativ spät, am 17. August 1943, im Rahmen der Operation Double Strike der USAAF mit 376 Bombern. Die deutsche Luftwaffe gab nach den verheerenden Zerstörungen bei der Operation Gomorrha in Hamburg ihren Widerstand gegen neue Waffen auf und setzte nun erstmals über Schweinfurt in größerer Zahl neue Luft-Luft-Raketen ein. 36 Bomber wurden daraufhin abgeschossen und 122 beschädigt.[70][71] Der zweite Angriff am 14. Oktober 1943 führte die USAAF in die Katastrophe, sie erlitt über Schweinfurt ihre größte Luftniederlage. Der Tag ging später als Schwarzer Donnerstag in die Geschichte der amerikanischen Luftwaffe ein. Von insgesamt 291 Bombern bei diesem Angriff verlor die 8. US-Luftflotte 77 B-17-Bomber und weitere 121 wurden so schwer getroffen, dass sie nicht mehr eingesetzt werden konnten. Unter den Bomberbesatzungen gab es mit 600 Todesopfern weit mehr als unter der Zivilbevölkerung.[72] Darauf galt bei den Alliierten Bomberbesatzungen ein Angriff auf Schweinfurt als Kamikaze-Einsatz. Die größten Angriffe fanden am 24. Februar und in der Nacht zum 25. Februar 1944 im Rahmen der Big Week mit insgesamt 1100 Bombern in drei Einzelangriffen statt, wobei die USAAF immer tagsüber und die Royal Air Force nachts ihre Angriffe flogen. Dabei wurden auch die Vororte Sennfeld und Grafenrheinfeld stärker zerstört.[68]

    Bauplan des Hochbunkers A 8,
    heute Deutsches Bunkermuseum

    Bei den Luftangriffen gab es unter der Zivilbevölkerung, ohne Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, 1079 Todesopfer.[68] Schweinfurt gehörte zu den 56 deutschen Städten, in denen Hochbunker errichtet worden. 1940 waren hier etwa 14 Bunker geplant (A 1 bis A 14) von denen zehn ausgeführt wurden. In ihnen gab es bei allen Luftangriffen kein Todesopfer.[73]

    Moderne: Amerikaner in Schweinfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    US-amerikanische Garnison Schweinfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Hauptquartier der USAG Schweinfurt bis 2014

    Am 11. April 1945 marschierte die 42. Division der 7. US-Armee[74] von Westen und Südwesten[75] in die Stadt ein, nachdem sie vorher zwei Tage lang von Artillerie beschossen wurde.[76] Am nächsten Tag starb der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt und die Amerikaner hielten noch am selben Tag in der Stadt eine große Trauerfeier vor der zerstörten Kilianskirche ab. Die Amerikaner besetzten sofort den Fliegerhorst an der Stadtgrenze,[74] die späteren Conn Barracks, beschlagnahmten Ämter und Wohnhäuser, übernahmen die Panzerkaserne und nannten sie 1946 Ledward Barracks. Hier wurde auch das Hauptquartier der Garnison, das Headquarter der U.S. Army Garrison (USAG) Schweinfurt eingerichtet. Im Mai 1948 wurde das Amerika-Haus eröffnet. In den 1960er Jahren wurde der Standortübungsplatz am Brönnhof aufgebaut.

    In den 1950er Jahren wurde das amerikanische Wohnviertel Askren Manor und um 1990 das Offiziers-Wohnviertel Yorktown Village errichtet. Bis in die späten 1990er Jahre wurde sukzessive eine zivile Infrastruktur aufgebaut, die der einer amerikanischen Kleinstadt entsprach. Zeitweise umfasste die US-Militärgemeinde Schweinfurt 12.000 Menschen, darunter rund 5000 Soldaten und über 7.000[74] Familienangehörige und Zivilangestellte. In Folge der Schließung vieler anderer deutschen US-Standorte wurden Bereiche nach Schweinfurt verlagert und dieser Standort wurde zu einem der größten Europas. Ab den 1990er Jahren wurde nochmal rund eine Milliarde US-Dollar in den Standort Schweinfurt investiert.

    Amerikanischer Unabhängigkeitstag am 4. Juli 2009 in Schweinfurt Lt. Dan Band 2008 in der Schweinfurter US Garnison
    Amerikanischer Unabhängigkeitstag
    am 4. Juli 2009 in Schweinfurt
    Lt. Dan Band
    2008 in der Schweinfurter US Garnison

    Seit den 1990er Jahren veränderte sich das Bild gegenüber der herkömmlichen Vorstellung eines US-Standorts erheblich und die USAG Schweinfurt bekam zivileren Charakter. Die Wehrpflicht war bereits 1973 in den USA abgeschafft worden. Mit den Berufssoldaten kamen viele Familienangehörige, die schließlich in der Mehrheit waren. Zudem bemerkte man den sozialen Wandel in den USA, hin zu einer multikulturelleren Gesellschaft, mit mehr Farbigen, Latinos und Asiaten. Amerikaner brachten eine multikulturelle Bereicherung, mit einer, im Vergleich zu anderen Städten, exotischeren Veranstaltungs- und Diskothekenszene. Zudem waren durch Globalisierung und subkulturellen Wandel in Mode und Lebensstil seit den 1990er Jahren Unterschiede zwischen jungen Amerikanern und Deutschen, insbesondere mit Migrationshintergrund, in der Stadt kaum mehr wahrnehmbar.[77]

    US-Konversion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Am 2. Februar 2012[78] verkündete Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé nach einem Gespräch mit dem Oberkommandierenden der US-Streitkräfte in Europa Mark Hertling, dass die US-Army die Garnison in Schweinfurt vollständig auflösen wird. Da durch die Umstrukturierung der US-Streitkräfte eine Verlagerung von schweren Truppenteilen aus Europa zurück in die USA stattfindet. Die dadurch freiwerdenden Liegenschaften gingen, mit kleinen Ausnahmen, in den Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) über. Die US-Konversion in Schweinfurt zählt aufgrund der Größe zu den fünf bedeutendsten Projekten der Bundesanstalt in Deutschland.[78] Die US-Armee verließ am 19. September 2014 Schweinfurt, mit der feierlichen Einholung der Flaggen in den Ledward Barracks. Die USAG Schweinfurt umfasste Areale von 29 km²,[78] mit unterschiedlichsten Gebäuden: Hangars, Lagerhallen, Wohnanlagen, Einfamilienhäusern, Schulen, Kirchen, Kliniken, Kaufhäusern, Tankstellen, Kino, Bowlingcenter, Veranstaltungs- und Sporthallen.

    Am 26. Februar 2015[78] erwarb die Stadt von der BImA die Ledward Barracks, mit einer Fläche von 26 ha.[78] Vom Juli 2015[78] bis 2019 ist hier u. a. eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber untergebracht, die dann durch ein Ankerzentrum in den Conn Barrack ersetzt wird, das maximal bis 2025 bestehen soll. Die Ledward Kaserne wird derzeit (2018) zum neuen Stadtteil Carus-Park umgebaut. Hauptnutzer wird die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS), mit einem Internationalen Hochschulcampus, dem i-Campus Schweinfurt. Am 29. Februar 2016[78] erwarb die Stadt von der BImA drei weitere Konversionsflächen von insgesamt 48 ha: die ehemalige US-Wohnsiedlung Askren Manor, zur Entwicklung des neuen Stadtteils Bellevue, die ehemalige US-Offizierssiedlung Yorktown Village, deren Doppelhäuser 2016 unter 800 Interessenten verlost wurden und das Kessler Field, wo in die ehemalige US-High School 2016 die International School Mainfranken einzog.[79] Die im Stadtgebiet liegenden Bereiche der Heeresstraße wurden der Stadt Schweinfurt von der BImA mitübertragen.[78] Damit hatte die Stadt insgesamt etwa 94 %[78] der ehemaligen US-Areale auf Stadtgebiet erworben. Der außerhalb des Stadtgebietes liegende Standortübungsplatz Brönnhof war mit 26 km²[78] drittgrößter Übungsplatz der US Army in Europa,[78] der 2016 flächengrößtes Nationales Naturerbe Bayerns wurde.[78]

    2016 wurde somit der endgültige Schlusspunkt in die nun 71-jährige Nachkriegsgeschichte der Stadt gesetzt.

    Schweinfurt im Spiegel der Weltgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Im Zweiten Weltkrieg erlitten die Amerikaner über Schweinfurt ihre größte Luftniederlage (siehe: Schweinfurt#Zweiter Weltkrieg). Der Kalte Krieg war im westlichen Stadtgebiet deutlich vernehmbar, da der örtliche Standort die höchste Konzentration von US-Kampf-Einheiten Westdeutschlands besaß.[75] Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem vermeintlichen Ende der Geschichte änderte sich die Situation grundlegend. An der Ledward-Kaserne wurden die Kontrollen ganz aufgehoben und jedermann konnte die zivilen amerikanischen Einrichtungen (Lokale, Kino usw.) frei nutzen. Die Terroranschläge am 11. September 2001 veränderten die Lage schlagartig. Um alle US-Einrichtungen, einschließlich der amerikanischen Wohnviertel, wurden Sperranlagen mit massiven Checkpoints (Security Gates) errichtet. Das Deutsch-Amerikanische Volksfest wurde eingestellt (siehe auch: U.S. Army Garrison Schweinfurt#11. September 2001).

    Viele in Schweinfurt stationierte US-Soldaten wurden in Kriege eingezogen: Von der 3rd Infantry Division 1990 und 1991 in den Irak und nach Kuwait und von einer späteren Division in den Irakkrieg 2003.[80] In den Conn Barracks wurden Panzer für die Kriege auf die Bahn verladen. In Schweinfurt stationierte Soldaten fielen in den Kriegen.[81] Im Westen der Stadt sah man im völlig ungewohnten Bild Kriegsverwundete US-Soldaten auf Krücken.

    Auch außerhalb der USAG Schweinfurt widerspiegelte sich Weltgeschehen in der Stadt: Als Folge der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 wurde das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld unweit der Stadtgrenze vorzeitig im Jahre 2015 abgeschaltet. In Folge des Bürgerkriegs in Syrien entstand obige Erstaufnahmeeinrichtung.

    Moderne: Deutsche Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Ernst-Sachs-Straße 1959 mit Willy-Sachs-Casino Blaues Hochhaus (1964)
    Ernst-Sachs-Straße 1959
    mit Willy-Sachs-Casino
    Blaues Hochhaus (1964)

    Ein schneller, planmäßiger Wiederaufbau der Stadt war auf Grund des Zerstörungsgrades von 40 bis 45 % nicht nötig. So blieb Schweinfurt ein tristes Stadtbild stark zerstörter Städte erspart (siehe: Stadtbild), i. Ggs. zum benachbarten Würzburg oder beispielsweise Crailsheim, Hanau, Heilbronn, Hildesheim, Köln, Mannheim oder Pforzheim.

    Wie viele andere westdeutschen Städte erlebte auch Schweinfurt in den 1950er und 1960er Jahren ein beispielloses Wirtschaftswunder und die Großindustrie boomte. Um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken wurden ab 1960 Südeuropäer, vorwiegend aus Süditalien und später aus dem östlichen Anatolien als Gastarbeiter angeworben.

    Die meisten Bauprojekte wurden unter der Ägide des Oberbürgermeisters Georg Wichtermann (1956–1974) verwirklicht, in der von der SPD mit absoluter Mehrheit regierten Stadt. Zahlreiche neue Stadtteile entstanden: Bergl (ab 1950), Musikerviertel-West (ab 1950), Steinberg (ab 1955), Hochfeld (ab 1956), Haardt (ab 1972)[82] und Deutschhof (ab 1972).[82] 1964 wurde zeitgleich zum SKF-Verwaltungshochhaus (Bild siehe Artikelanfang) das sogenannte Blaue Hochhaus, ebenfalls von der SKF, fertiggestellt. Mit 25 Geschossen anfangs das höchste Wohnhochhaus Deutschlands und mit 73 m höher als das bis dahin höchste fertiggestellte Hochhaus in Frankfurt am Main.[83] Nach 1973 wurden keine Wohnhochhäuser mehr gebaut. Durch den Sprung über den Main (ab 1963)[82] entstanden südlich des Mains der Gewerbepark Hafen-Ost und das neue Industriegebiet Hafen-West. Die Infrastruktur wurde ausgebaut: Neues Rathaus (ab 1954),[82] neuer Volksfestplatz (1958), Sommerbad (1958),[82] Friedrich-Rückert-Bau mit Volkshochschule und Stadtarchiv (1962),[82] Mainhafen (1963),[82] Theater der Stadt Schweinfurt (1966),[82] Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (1971)[82] und Bildungszentrum-West (1974).[82]

    Seit den 1970er Jahren verließen viele jüngere Familien und auch alteingesessene Bürger die engen politischen Grenzen der Stadt und zogen in die Vororte, wodurch ein Speckgürtel entstand. Die Entwicklung neuer Wohngebiete verlagerte sich nun im Zuge der Suburbanisierung aus der Kernstadt in die Vororte. 1979 begann die Altstadtsanierung, zunächst im Alten Gewerbeviertel.[84]

    1980er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1981[84] wurde das große städtische Klinikum Leopoldina-Krankenhaus eröffnet und 1982 die bisherige, historische Fußgängerzone Kesslergasse um die Spitalstraße erweitert.[41] Ab 1984[84] wurde der neue Stadtteil Eselshöhe aufgebaut und ab 1988[84] die Stadtmauer instand gesetzt und das Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt (GKS) errichtet.

    Die Ära Gudrun Grieser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Museum Georg Schäfer (2000)links Bayer. Landessozialgericht (2000) Konferenzzentrum Maininsel (2004)
    Museum Georg Schäfer (2000)
    links Bayer. Landessozialgericht (2000)
    Konferenzzentrum Maininsel (2004)

    In der von der SPD dominierten Stadt gelang es der CSU 1992 erstmals den Oberbürgermeister zu stellen, mit der politisch unverbrauchten Quereinsteigerin Gudrun Grieser, die erst kurz vor ihrer Wahl der CSU beitrat (siehe auch: Oberbürgermeister). Der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) begleitete diesen historischen Machtwechsel fördernd. Als Gegenmaßnahme zur schweren Krise der Großindustrie Anfang der 1990er Jahre (siehe: Metallverarbeitende Großindustrie) stärkte der Freistaat Bayern nun den Dienstleistungssektor. Teile des Bayerischen Landessozialgerichts und des Bayerischen Landesamtes für Statistik wurden von München nach Schweinfurt verlegt.

    Kunsthalle Schweinfurt (1933/2009)

    Während der Amtszeit der Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser (1992 bis 2010) stabilisierte sich ab Mitte der 1990er Jahre die wirtschaftliche Lage, 4500 neue Industriearbeitsplätze und rund 6000 Jobs im Dienstleistungsbereich entstanden,[3] was schließlich bis zur Weltwirtschaftskrise 2009 in einer Boom-Phase von 2005–2008 mündete. Die Gewerbesteuereinnahmen stiegen auf Rekordhöhe und die Stadt konnte Rücklagen im zweistelligen Millionenbereich ansparen. In der Grieser-Ära wurde das neue Motto der Stadt Industrie und Kunst entwickelt. Sehr viele Projekte, in Zusammenarbeit mit dem damaligen Baureferenten Jochen Müller (SPD) gaben der Stadt ein neues Gesicht, setzten in der Architektur neue, überregional beachtete Zeichen und wurden mit zahlreichen Architekturpreisen honoriert. Was einen Imagewandel der Stadt zur Folge hatte.

    In der Ära Grieser wurden folgende Projekte verwirklicht: das Gründer-, Innovations- und Beratungszentrum Schweinfurt (GRIBS) (1994),[84] der neue Industrie- und Gewerbepark Maintal (ab 1995),[84] die neue Anschlussstelle Nr. 6 Schweinfurt-Hafen der A 70, der umgestaltete Roßmarkt (1997),[84] die Fahrzeugakademie (1998),[84] das Bayerische Landesamt für Statistik (1998),[84] das Museum Georg Schäfer (2000),[84] die Zweigstelle des Bayerischen Landessozialgerichtes (2000), das Konferenzzentrum Maininsel (2004), die Restaurierung der Schweinfurter Stadtmauer Am Unteren Wall, die Stadtbücherei im Ebracher Hof (2007), die Kunsthalle Schweinfurt (2009), die Stadtgalerie Schweinfurt (2009), die Umgestaltung der Weststadt (2009), der Gesundheitspark Schweinfurt (ab 2009), der Campus 2 der Hochschule für angewandte Wissenschaften, der DB-Halt Schweinfurt-Mitte, das Jugendgästehaus (2009) und der erste Abschnitt der Umgestaltung des Mainufers östlich der Maxbrücke (2010).

    Die Ära Gudrun Grieser bleib bis heute stadtbildprägend, wie keine andere Epoche seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg und veränderte das Stadtimage nachhaltig positiv.

    Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Neue Hadergasse (2014)
    an der nordwestlichen Stadtmauer

    Unter dem neuen Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU, seit 2010) stiegen 2013 die Gewerbesteuereinnahmen auf eine neuerliche Rekordmarke von 60,462 Millionen Euro netto.[85] Die Stadt wurde schuldenfrei und konnte höhere Rücklagen ansparen. Diese werden derzeit für das Großprojekt der US-Konversion eingesetzt (siehe: US-Konversion). Bisher wurde in der Ära nach Grieser 2014 die Neue Hadergasse verwirklicht. Ein auf den Sockel einer neuen Tiefgarage aufgesetztes Geschäfts- und Wohnquartier an der westlichen Stadtmauer, mit einem Hotel, auf einer großen Baulücke aus dem Zweiten Weltkrieg. Zudem wurden 2017 das City-Karree, u. a. mit neuem Jobcenter, als Eingangstor zur Altstadt errichtet und das Luitpold-Carrée im Gründerzeitviertel, als großer, kriegsbedingter Lückenschluss. Derzeit (2018) wird die Bebauung einer weiteren, größeren Brachfläche aus dem Krieg, An den Brennöfen am Fischerrain, fertiggestellt.

    Somit ist nach 73 Jahren, mit Ausnahme einer größeren Brachfläche in der Hadergasse in der Altstadt, der Wiederaufbau der Stadt endgültig abgeschlossen.

    Weiteres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Wüstungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Innerhalb des heutigen Stadtgebietes sind mehrere Wüstungen bezeugt. Südlich des Mains auf Oberndorfer Gemarkung lag in der Nähe des Bahnhofs Schweinfurt-Sennfeld das im 16. Jahrhundert untergegangene Dorf Leinach. Nur wenige hundert Meter mainabwärts war Schmalfeld zu finden, das im 13. Jahrhundert aufgegeben wurde. Am südlichen Rand des Stadtgebiets am Schwebheimer Wald befindet sich die Wüstung Schmachtenberg. Nachdem Schmachtenberg im 15. Jahrhundert aufgegeben worden war, siedelten sich die Bewohner wohl am sogenannten Senftenhof an, der noch bis ins 17. Jahrhundert bestand. An der Straße von Schweinfurt nach Niederwerrn, in der Nähe der Ansiedlung An der Schussermühle, die seit 1830 Bellevue genannt wird, lagen einst die Ortschaften Affeltrach und Hilpersdorf. Hilpersdorf wurde in der Urkunde vom 29. Juni 1282 in einem Streit zwischen dem Deutschen Orden und der Reichsstadt Schweinfurt erwähnt. Die Stadt Schweinfurt erwarb es 1437. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf zerstört. 1661 verschwand als letzter Rest die Kirchenruine.[86]

    Eingemeindungen und Revisionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Oberndorfer Wasserturm am Bergl

    1436/37 kamen die Dörfer Oberndorf, Zell und Weipoltshausen und 1620 Madenhausen zur Reichsstadt Schweinfurt (siehe Aufbau eines Territoriums). Als 1802 durch den Reichsdeputationshauptschluss Schweinfurt an Bayern kam, wurde der Stadtstaat aufgelöst und alle vier Dörfer aus dem Stadtgebiet ausgegliedert.

    Am 1. Dezember 1919[87] wurde Oberndorf wieder eingemeindet. Die Oberndorfer Gemarkung grenzt an die Innenstadt (Landwehrstraße) und umfasst neben dem Altort auch den Hauptbahnhof, den Stadtteil Bergl und den weitaus größten Teil des heutigen Stadtgebietes südlich des Mains. 1919 lag der größte Teil der Großindustrie auf Oberndorfer Gemarkung und heute liegt auf ihr die gesamte Schweinfurter Großindustrie, mit Ausnahme des Verwaltungshochhauses der SKF. Oberndorf wurde eingemeindet, da es die Wasserversorgung der Industrie trotz des Baus eines großen Wasserturms (1911) nicht mehr gewährleisten konnte.

    Bei der bayerischen Gebietsreform hatte die Staatsregierung die Eingemeindungen der Vororte Dittelbrunn, Niederwerrn und Sennfeld bereits beschlossen. Durch Anordnung von Staatssekretär Erwin Lauerbach wurde der Beschluss wieder rückgängig gemacht.[88] Da die Stadt keine Erweiterungsflächen für ihre im Süden liegende Großindustrie hatte, musste Grafenrheinfeld ein unbesiedeltes, 2,4 km² großes Gebiet am 1. Mai 1978 an die Stadt Schweinfurt abtreten. Es ist der südliche Teil des heutigen Industrie- und Gewerbeparks Maintal.[89]

    Schweinfurt wurde dadurch zur flächenkleinsten, kreisfreien Stadt Deutschlands. Während die Stadt bei der Bevölkerungsdichte mit 1.477 Einwohnern pro km² (2016) auf Rang 44 der insgesamt 110 kreisfreien Städte liegt und dichter besiedelt ist als 30 Großstädte.

    Verzerrung statistischer Werte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Statistisch ist Schweinfurt deshalb nicht mit anderen deutschen Städten zu vergleichen. Nahezu sämtliche Werte sind mehr oder weniger stark verzerrt. In überregionalen Medien ist dieser Umstand unbekannt, weshalb meist falsche Rückschlüsse aus den örtlichen Statistiken gezogen werden. Beispielsweise wird nicht das bekanntermaßen von Rentnern bevorzugte Bad Kissingen als Stadt mit den meisten deutschen Seniorenhaushalten benannt, sondern Schweinfurt, mit einem Anteil von 53 %.[90]

    Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Einwohnerentwicklung von Schweinfurt von 1800 bis 2016

    1939 hatte Schweinfurt 50.000 Einwohner. In den 1960er Jahren wurden 90.000 Einwohner für das Jahr 2000 (ohne Eingemeindungen) prognostiziert. Jedoch wurde völlig unerwartet bereits 1970 mit nur 59.000 Einwohnern der historische Höchststand erreicht. Während nahezu alle anderen Städte demografisch bedingte Einwohnerabnahmen durch Eingemeindungen ausgleichen konnten, sank in Schweinfurt die Einwohnerzahl bis 1987 auf 52.000. Seitdem stieg sie bis 1996 in Folge der Spätaussiedler wieder auf 56.000 an. Obwohl es durch all die Jahre nahezu immer wesentlich mehr Zuzüge als Wegzüge gab, ging die Geburtenrate sehr stark zurück, da viele junge Familien aus Mangel an Baugrundstücken innerhalb der engen Stadtgrenzen in die Vororte zogen, die ab den 1970er Jahren stark anwuchsen (Suburbanisierung). Deshalb überalterte die Kernstadt zunehmend und die Einwohnerzahl fiel 2014 mit 51.600 auf den tiefsten Stand seit Anfang der 1950er Jahre.

    Danach trat, wie von örtlichen Insidern erwartet, aus mehreren Gründen eine positive Wende ein. Neben dem neuen Trend wieder in die Städte zu ziehen und der Flüchtlingswelle entstand viel freigewordener Wohnraum durch den Abzug der US-Amerikaner im Jahre 2014, die nicht in der Bevölkerungsstatistik enthalten waren. Neue Stadtteile werden derzeit auf ehemaligen US-Arealen entwickelt. Dies wurde in den statistischen Prognosen (Stand 2016) nicht berücksichtigt, zeigte sich aber bereits 2015, noch deutlicher 2016 mit einer Bevölkerungszunahme von 1,46 %, weshalb selbst die günstigsten Varianten der Prognosen für beide Jahre übertroffen wurden.[91]

    Die Agglomeration ist im Falle Schweinfurts eine bessere Vergleichsgröße zu anderen Städten. 1994 hatte sie 105.000 Einwohner,[92] sank auf 96.600 Einwohner (Zensus vom 9. Mai 2011) und stieg auf 97.900 Einwohnern (Schätzung für den 31. Dezember 2015).[11] Der statistisch nicht erfasste etwas größere Ballungsraum, mit sämtlichen Vororten (aber nur mit den stadtnahen Ortsteilen von Großgemeinden) wurde seit Jahrzehnten bis heute in den Veröffentlichungen mit 120.000 Einwohnern und in den 1970er Jahren mit 130.000 Einwohnern angegeben.

    Einwohnerentwicklung der Stadt Schweinfurt (Kernstadt, seit 1919 ohne Eingemeindungen)

    Bayerisches Landesamt für Statistik, Dienststelle Schweinfurt
    Datum Einwohner
    1800 6.045 ¹
    1. Dezember 1840 7.766 ²
    1. Dezember 1871 10.840 ²
    1. Dezember 1900 17.401 ²
    16. Juni 1925 36.336 ²
    17. Mai 1939 49.302 ²
    13. September 1950 46.128 ²
    6. Juni 1961 56.923 ²
    27. Mai 1970 58.446 ²
    25. Mai 1987 51.962 ²
    31. Dezember 1994 55.500 ³
    Datum Einwohner
    31. Dezember 1995 55.700 ³
    31. Dezember 1996 55.700 ³
    31. Dezember 1997 55.400 ³
    31. Dezember 1998 55.100 ³
    31. Dezember 1999 54.500 ³
    31. Dezember 2000 54.300 ³
    31. Dezember 2001 54.600 ³
    31. Dezember 2002 54.700 ³
    31. Dezember 2003 54.600 ³
    31. Dezember 2004 54.500 ³
    31. Dezember 2005 54.273 ³
    Datum Einwohner
    31. Dezember 2006 53.970 ³
    31. Dezember 2007 53.798 ³
    31. Dezember 2008 53.588 ³
    31. Dezember 2009 53.533 ³
    31. Dezember 2010 53.415 ³
    9. Mai 2011 52.143 ²
    31. Dezember 2011 52.118 ³
    31. Dezember 2012 52.098 ³
    31. Dezember 2013 51.851 ³
    31. Dezember 2014 51.610 ³
    31. Dezember 2015 51.969 ³
    Datum Einwohner
    31. Dezember 2016 52.724 ³

    Fett: höchster Stand
    Rot: niedrigster Stand seit Anfang der 1950er Jahre
    ¹ Angabe der Stadt Schweinfurt
    ² Volkszählung bzw. Zensus (Amtliche Einwohnerzahl)
    ³ Angabe des Bayerischen Landesamtes für Statistik (Amtliche Einwohnerzahl)
    [93]

    Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Rückert-Denkmal
    auf dem Marktplatz

    Der lateinische Name Porcivadum entspricht einer für Schweine gangbaren Furt. Der aus der Stadt stammende Humanist Johannes Cuspinian führt den Namen auf eine Furt für Schweine zurück.[44] In Folge späterer Erkenntnisse wurde diese einfache Namensableitung jedoch immer unwahrscheinlicher; siehe: Herkunft des Stadtnamens

    Friedrich Rückert kommentierte den Namen seiner Geburtsstadt:

    „Hättest Mainfurt, hättest Weinfurt heißen können, weil du führest Wein, aber Schweinfurt, Schweinfurt sollt es sein.“

    Diesen Kommentar erläuterte er wie folgend weiter:

    „Vom Jean Paulschen Bayreuth
    bis hinan zum Goetheschen Frankfurt
    Ist er in der Mitte des Laufs, wo mich geboren der Main.
    Mainfurt sollte deswegen genannt werden
    meine Geburtsstadt
    Weinfurt ist sie genannt ohne den Zischer davor“[44]

    Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Evangelisch-lutherisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Martin Luther in St. Johannis
    Evangelische Hauptkirche St. Johannis

    Schweinfurt wurde relativ spät, 1542 evangelisch,[94] da die Stadt zusammen mit benachbarten Reichsdörfern und reichsritterschaftlichen Dörfern (siehe Karte: Aufbau eines Territoriums) vollständig vom katholischen Hochstift Würzburg umgeben war. Bei einem Konfessionswechsel musste mit militärischen Übergriffen gerechnet werden. Der Schutzherr der Stadt Graf Wilhelm von Henneberg bot dafür nicht genügend Rückhalt.

    In St. Johannis wird mit dem „Gemeinen Kasten“ eine eindeutig lutherische Einrichtung eingeführt. Im April 1525 wurde das erste Kind „auf teutsch“ getauft. 1532 predigte der sächsische Hofprediger Spalatin anlässlich des Fürstentages in der Liebfrauenkirche, die 1729 in St. Salvator umbenannt wurde. Vor der Einführung der Reformation fanden die evangelischen Gottesdienste außerhalb des reichsstädtischen Gebiets auf Schloss Mainberg und in Sennfeld statt. Die Stadt erwarb 1542 das aufgelöste Karmeliterkloster. Die Ratsherren Nikolaus Sprenger und Ludwig Scheffer konnten mit Landgrafen Philipp I. von Hessen den führenden Kopf des Schmalkaldischen Bundes und Vorkämpfer des Protestantismus als Schutz- und Schirmherrn und Reichsvogt gewinnen. Der vom Landgrafen gesandte Prediger Johann Sutel, genannt Sutellius, hielt in Schweinfurt am 19. Juni 1542 den ersten protestantischen Gottesdienst und verfasste in der Folgezeit eine Kirchenordnung. Der Rat, die Pfarrer, und jeder, der das Bürgerrecht erwerben wollte, wurden fortan auf die evangelische Lehre vereidigt. Damit waren bis zum Ende der Reichsstadtzeit Katholiken vom Bürgerrecht ausgeschlossen. Stadtschreiber und Syndikus Adam Alberti († 1583) unterzeichnete 1579 für den Bürgermeister und den Rat der Stadt Schweinfurt die lutherische Konkordienformel von 1577.[95]

    Zur Zeit der Gegenreformation (1587–1631) wanderten an die 700 Glaubensflüchtlinge aus der Stadt und dem Hochstift Würzburg nach Schweinfurt aus.

    Evangelische Freikirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Im 19. Jahrhundert stand an Stelle des heutigen Landratsamtes, an der Südseite des Schillerplatzes, als eines der ersten Gebäude des Gründerzeitviertels, eine repräsentative Halle der Freien Christlichen Gemeinde. Das große Gebäude wurde spätestens ab 1868 anderweitig als Concert Halle und Theater genutzt,[96] woher auch der Name Schillerplatz abstammt.

    Bis zu Beginn der 1980er Jahre gab es in der Stadt nur eine Methodistische und eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) sowie mehrere englischsprachige Freikirchen für Angehörige der US-amerikanischen Garnison. Seitdem wurden weitere Gemeinden evangelischer Freikirchen sowie freie Gemeinden ohne Zugehörigkeit zu einem Dachverband gegründet, sowohl in pietistisch-evangelikaler als auch pfingstlich-charismatischer Prägung. Die meisten freikirchlichen Gemeinden sind in der Evangelischen Allianz vertreten.

    Römisch-katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Katholische Hauptkirche Heilig-Geist

    Der Katholizismus blieb für die kulturelle Ausprägung Schweinfurts weitgehend bedeutungslos. Mit Einführung der Reformation waren alle Kirchen der Reichsstadt evangelisch geworden. Das bayerische Religionsedikt von 1803 ermöglichte 1806 die Wiedergründung einer katholischen Pfarrei. Die katholische Gemeinde erhielt von der Stadt die Spitalkirche zum Heiligen Geist für ihre Gottesdienste. Sie wurde durch den stetigen Zuzug von Katholiken aus dem Umland mit der Zeit zu klein. Im Jahr 1902 wurde der Nachfolgebau, die Heilig-Geist-Kirche im neoromanischen Stil fertiggestellt und ist seitdem die Hauptkirche der Schweinfurter Katholiken. Durch die fortschreitende Industrialisierung ist seit dem 20. Jahrhundert der Anteil der katholischen, einstigen Landbevölkerung etwas höher als der Anteil der alteingesessenen, städtischen Protestanten.

    Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Mit dem 1212 genannten zuAbraham von Schweinfurt lässt sich ein jüdischer Bewohner der Stadt nachweisen.[97] Auch in der Folgezeit lassen sich jüdische Familien in der Stadt nachweisen, die sowohl von den Rindfleisch-Verfolgungen von 1298 als auch vom Pestpogrom von 1348/49 betroffen waren.

    Jüdischer Friedhof

    1368 erhielt die Stadt Schweinfurt vom Kaiser Karl IV. das Privileg, in ihren Mauern erneut Juden aufnehmen zu dürfen. In der Folgezeit konnten die Juden, die sich in Schweinfurt niederließen, gegen Zahlung hoher Steuern relativ frei und sicher leben. Die Familien wohnten im Alten Gewerbeviertel. Hier befanden sich auch Betstube und Tauchbad. Die mittelalterliche jüdische Gemeinde, die ihren Lebensunterhalt im Geldverleih und im Handel, besonders mit Wein bestritt, fand 1554/55 ihr Ende. Die Schweinfurter Bürger gingen gegen die Juden vor, weil sie bei ihnen stark verschuldet waren.[98] Nach der Zerstörung im Markgrafenkrieg erhielt die Stadt 1555 vom Kaiser das Recht, den Juden, die vorher in ihren Mauern gelebt hatten, den erneuten Zuzug zu verweigern.

    Erst in bayerischer Zeit durften sich nach 1814 jüdische Familien wieder in der Stadt ansiedeln; sie bildeten eine Jüdische Gemeinde und errichteten zwischen Siebenbrückleinsgasse und Roßmarkt eine Synagoge. 1874 wurde der heute noch bestehende Jüdische Friedhof Schweinfurt eröffnet, in dem es 1969 die bisher letzte Bestattung gab. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von SA-Männern verwüstet, danach anderweitig genutzt und im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das jüdische Gemeindehaus in der Siebenbrückleinsgasse überstand NS-Zeit und Krieg unbeschadet, wurde aber in den 1950er Jahren für einen Parkplatz der benachbarten Städtischen Sparkasse abgerissen. Ein Gedenkstein[99] am Parkplatz verschweigt diese Tatsache und weist diesen Platz fälschlicherweise als Standort der verwüsteten Synagoge aus.

    Islam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    In der Stadt sind vier Gemeinschaften mit ihren Moscheen vertreten: DITIB, Millî Görüş, IBV und die arabischen Gemeinde.

    Siehe auch: Kirchen in Schweinfurt

    Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Schweinfurt war in den Nachkriegsjahrzehnten neben München und Nürnberg eine der wenigen bayerischen SPD-Hochburgen, in der die SPD ständig den Oberbürgermeister stellte und die Stadtratswahlen gewann. Bis während des gesellschaftlichen Wandels in den 1990er Jahren auch in Schweinfurt die CSU die Oberhand gewann und die Stadt sogar zu einer CSU-Hochburg wurde. Die FDP war und ist in der Stadtpolitik, wie fast überall, bedeutungslos und die Grünen spielten in der Hochschulstadt ohne Universität nie eine größere Rolle. Nach wie vor ist die Industriestadt aber ein überregional bedeutendes Zentrum der Gewerkschaft und der Linken, deren Vertreter seit langer Zeit immer wieder Ämter auf Landes- und Bundesebene einnehmen.

    Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Seit 1990 zogen, wie vielerort anders, vermehrt Vertreter von kleineren, lokalen Gruppierungen in den Stadtrat ein, der aus 44 Sitzen besteht, die sich seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 wie folgt aufteilen:

    Stadtratswahl 2014[100]
    Wahlbeteiligung: 42,65 %
     %
    50
    40
    30
    20
    10
    0
    48,04 %
    23,11 %
    7,23 %
    7,15 %
    6,14 %
    4,27 %
    2,54 %
    1,52 %
    Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
    Anmerkungen:
    d Schweinfurter Liste – Freie Wähler
    f proschweinfurt
    Partei Sitze G/V1
    CSU 21 + 3
    SPD 10 + 1
    Linke 03 − 1
    Schweinfurter Liste 03 − 1
    Grüne 03 + 1
    Pro Schweinfurt 02 − 1
    REP/AfD2 01 ± 0
    FDP 01 ± 0
    1 G/V: Gewinn oder Verlust gegenüber der Wahl 2008
    2 Für REP gewählt, zur AfD gewechselt[101]

    Der von den Wahlberechtigten in direkter Wahl gewählte Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) ist das 45. Mitglied des Stadtrats. Die vom Stadtrat aus seinen Mitgliedern gewählten Stellvertreter des Oberbürgermeisters sind Sorya Lippert (CSU), als Zweiter und Karl-Heinz Kauczok (SPD) als Dritter Bürgermeister.

    Oberbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Oberbürgermeister Sebastian Remelé

    Lange Amtszeiten kennzeichnen Schweinfurts Oberbürgermeister. Die SPD war viele Jahrzehnte stärkste politische Kraft in der Stadt und stellte von 1920 bis 1933 und von 1946 bis 1992 den Oberbürgermeister. Besonders prägend für Wiederaufbau und Nachkriegszeit war Oberbürgermeister Georg Wichtermann (1956–1974). Sein Nachfolger war Kurt Petzold (1974–1992). Nach der gewonnenen Oberbürgermeisterwahl durch Gudrun Grieser (1992–2010) aus der CSU im Jahr 1992 wechselte erstmals die Mehrheit im Stadtrat zu Gunsten ihrer Partei. Sie prägte die Stadtentwicklung in außergewöhnlicher Weise und machte Schweinfurt zu einem überregional wahrgenommen Vorbild (siehe: Die Ära Gudrun Grieser).

    Für die OB-Wahl am 7. März 2010 gab es sechs Kandidaten. Sebastian Remelé (CSU) gewann die Stichwahl mit 63,4 %[102] und wurde am 16. März 2014 mit 66,9 % im Amt bestätigt.[103]

    Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Kaiserwappen mit zwei Stadtwappen am Zeughaus
    Wappen der kreisfreien Stadt Schweinfurt
    Blasonierung: „In Blau ein silberner Adler.“[104]
    Wappenbegründung: Das erste bekannte Wappen bestand aus einem einköpfigen schwarzen Adler auf einem gelben oder goldenen Schild, der heraldisch nach rechts, das heißt vom Betrachter gesehen aus nach links, blickte.[105] Im 15. Jahrhundert war der Adler auf dem Wappen der Stadt silberfarben auf schwarzem Hintergrund, im Jahre 1608 wurden die Farben Silber auf Violett erwähnt. Später war es wiederum ein schwarzer Adler auf goldenem Hintergrund. Seit 1771 sind die Farben Silber auf Blau.[106]

    Die bekannteste Darstellung des Wappens befand sich bis 1875 im Torbogen des Mühltores. Sie erlangte vor allem wegen ihrer schlichten Form der Spätgotik Berühmtheit, weil der Adler dem Betrachter den Kopf zuwandte. Wegen dieses ungewöhnlichen Anblicks hielten ihn viele Schweinfurter für eine Eule; ihm widmete Friedrich Rückert in seinem Gedicht Der Besuch in der Stadt einige Verse.[105]

    Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Schweinfurt besitzt ab etwa den 1980er Jahren eine vielfältige herkömmliche wie auch alternative Kulturszene. Die Stadt wurde zudem Produktionsstätte für Kulturschaffende und entwickelte sich ab der Jahrtausendwende zu einem überregionalen Zentrum in der Sparte Tanz.

    Carl Gustav Carus

    Stiftungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Erich-und-Erna-Kronauer-Stiftung ist eine unselbstständige Stiftung mit Sitz in Schweinfurt. Sie wurde 1999 von Erich Kronauer und seiner Frau Erna Kronauer gegründet. Die Stiftung ist eng mit dem Historiker Ernst Nolte verbunden.[107] Die Verleihung des Historikerpreises an den mit geschichtsrevisionistischen Thesen hervortretenden Stefan Scheil (2014), der mittlerweile Vorstandsmitglied ist, führte zu einer öffentlichen Kontroverse, spätestens im Zuge dessen Experten der Stiftung insgesamt eine Nähe zur Neuen Rechten attestierten.

    Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Theater der Stadt Schweinfurt Kleinkunstbühne Schrotturmkeller
    Theater der Stadt Schweinfurt
    Kleinkunstbühne Schrotturmkeller

    Museen und Galerien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Das Museum Georg Schäfer präsentiert die bedeutendste Privatsammlung deutscher Malerei des 19. Jahrhunderts und die weltweit größte Sammlung von Werken von Carl Spitzweg. Ferner werden Werke von Caspar David Friedrich, Max Liebermann, Ferdinand Georg Waldmüller, Max Slevogt, Wilhelm Leibl und anderen gezeigt.
    Mit der Bibliothek Otto Schäfer. Das Museum enthält rund 1000 illustrierte Drucke, vornehmlich des 15. und 16. Jahrhunderts, darunter die nahezu vollständige Sammlung von Dürer-Stichen in hoher Qualität. Ein zweiter Sammlungsschwerpunkt sind die Erstausgaben deutscher Literatur von der Reformationszeit bis zum Realismus.
    Sie befindet sich im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad und beherbergt die Sammlung Joseph Hierling zum Expressiven Realismus, eine Sammlung für zeitgenössische Kunst der Stadt Schweinfurt und Wechselausstellungen.
    Am Martin-Luther-Platz sollen mehrere historische Gebäude einschließlich der einstigen Galerie Alte Reichsvogtei zum Kulturforum Martin-Luther-Platz vereinigt werden. Hierin sollen neben dem dort bestehenden und wegen Umbaus geschlossenem Stadtgeschichtlichen Museum auch die derzeit andernorts geöffneten Museen Saazer Heimatmuseum und Museum Otto Schäfer ab 2021 eine neue Heimat finden.
    Geschichtsmuseum, Militärmuseum, Kriegsmuseum und Gedenkstätte im Fichtel-und-Sachs-Bunker von 1941, mit Veranstaltungen.
    Mit grafischen Werken Hundertwassers; die Privatsammlung wird durch Leihgaben aus deutschen und internationalen Galerien ergänzt; ferner Ausstellungsobjekte von Udo Lindenberg.[111]
    Sammlung Graf Luxburg, Kulturgeschichtliche Sammlung zur Entwicklung von Feuererzeugung und Beleuchtung seit der Antike und Ikonensammlung von Fritz Glöckle.[112]
    Vogelsammlung der Brüder Schuler im historischen Gebäude Harmonie am Main.
    Zeitgenössische Kunst mit Wechselausstellungen im Hauptgebäude der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge, der Schranne.
    Ehemaliges Wohnhaus und Atelier des Künstlers Gustl Kirchner, mit Kirchner-Ausstellung und Kirchner-Archiv, heute Wohnort und Atelier des Bildhauers Norbert Kleinlein und seiner Frau Heike, einer Keramikerin.[113]
    Sachs-Ausstellung der ZF Friedrichshafen AG zur Industriegeschichte der Fichtel & Sachs AG, mit den drei Abteilungen Unternehmensgeschichte, Technische Highlights, Marketing und Motorsport,[114] u. a. mit einem Prototyp für eine Automobilfertigung in Schweinfurt, die von der Firmenleitung verworfen wurde.[115]
    In der historischen Spinnmühle am Main, mit Exponaten der Schweinfurter Industriegeschichte, insbesondere der Wälzlager-Industrie.[116]
    Das Museum in einem von der Stiftung Saazer Heimatmuseum erworbenen Bürgerhaus in der Oberen Straße 8 zeigt eine Ausstellung zum Leben in Saaz (Žatec) bis 1945, der Vertreibung der Sudetendeutschen und der Aufnahme von über 28.000 Vertriebenen und Flüchtlingen in Schweinfurt.[117]

    Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der Stattbahnhof ist ein Zentrum für Konzerte, Comedy und vieles mehr. Der Name wurde vom heute noch betriebenen Stadtbahnhof abgeleitet (...statt eines Bahnhofs), in dessen einstiger, historischer Schalterhalle und den Nebenräumen das Kulturzentrum beheimatet ist. In der Zeitschrift Visions wurde der Stattbahnhof zu den Besten 50 Adressen der deutschen Clubszene gewählt. Bekannte Namen gastierten hier, wie Marla Glen oder Ten Years After.[118]

    Tonquadrat ist eine Plattform für Elektronische Musik.[119]

    Stattbahnhof Kromlek auf einem Festival
    Stattbahnhof
    Kromlek auf einem Festival

    Seit den 1980er Jahren gibt und gab es mehrere Bands aus Schweinfurt, die Alben in den Musikrichtungen Rock, Metal und Punk auf den Markt brachten. The Ghost Rockets (kurz TGR) ist eine Rock-Band, die die Alben The Ghost Rockets (2009) und Goodbye Utopia (2014) herausbrachten. Hatred (engl.: Der Hass) ist eine Power- und Thrash-Metal-Band, die die Alben Soulless (2004), Madhouse Symphonies (2008), Destruction Manual (2010) und War of Words (2015) herausbrachten und es in die Enzypedia des Rock Hard Magazins schaffte. Vendetta ist eine Thrash-Metal-Band. Sie brachte die Alben Go and Live… Stay and Die (1987), Brain Damage (1988), Hate (2007) und Feed the Extermination (2011) heraus.

    Kromlek war eine 2004 gegründete und 2012 aufgelöste Metal-Band mit antichrislicher Symbolik. 2005 fand ihr erster größerer Auftritt auf dem Newcomer Festival in Schweinfurt statt, das sie gewannen, unter anderem spielten sie auf dem Ragnarök-Festival 2007. Sie brachten zwei Studioalben heraus, Strange Rumours… Distant Tremors (2007) und Finis Terrae (2011). Tagtraum ging aus der Punk-Band Untergang hervor, wurde 1992 gegründet und beschloss 2006 ihre Trennung. Sie gab jedoch 2017 ein einmaliges Konzert im Stattbahnhof anlässlich einer Gala. Die Bandmitglieder spielen weiterhin in anderen Formationen, Jörg Holdinghausen unter anderem bei Wir sind Helden. Tagtraum brachte die Alben Trotz & Träume (1997), Feuer gratis (1998), Seelenpuzzle (1999), Augen auf und durch (2001) und Komm lass es echt sein (2003) heraus.

    1988 trat die Band Kiss im Rahmen des Monsters of Rock '88 Festivals in Schweinfurt vor 25.000 Besuchern auf den Mainwiesen auf.[120] Nach dem Konzert kam es bis zum nächsten Tag durch 2.000 Besucher zu Ausschreitungen und Legung von Bränden in der Innenstadt.

    Tanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    DDC mit Breakdance in Lederhosen DDC auf Tournee
    DDC mit Breakdance in Lederhosen
    DDC auf Tournee

    Die Schweinfurter Dancefloor Destruction Crew (DDC), die 1999 gegründet wurde und heute überwiegend aus hauptberuflichen Tänzern besteht, gehört zu den besten Breakdance-Gruppen der Welt. 2012 gewann DDC das Triple, den TAF Deutschen Breakdance Meistertitel, den IDO Europameistertitel und zum zweiten Mal den IDO Weltmeistertitel. 2013 verband DDC mit dem Berliner Regisseur und Echo-Preisträger Christoph Hagel klassische Musik mit Breakdance in ihrem Theaterstück Breakin' Mozart, das seitdem über 190 Mal im Berliner Wintergarten Varieté sowie in vielen anderen Städten aufgeführt wurde. Die Firma DDC Entertainment UG & Co. KG wurde gegründet, mit den vier Sparten DDC Breakdance – DDC Produktion – DDC Workshops – DDC Agentur. Mit der Show Breakdance in Lederhosen wurde 2014 der Gedanke des Crossover endgültig als Markenzeichen der DDC etabliert. 2015 folgte der internationale Durchbruch. DDC vertrat Deutschland im 15. Wuqiao International Circus Festival in China und erhielt einen Special Price for Excellent Performance. Ihr Kopfstandbild auf der Chinesischen Mauer ging durch die Medien.

    2006 wurde die Dance Academy Schweinfurt gegründet – eine Akademie für Hobbytänzer und für Berufsausbildungen zum Tänzer, Tanzpädagogen und DTHO-Hip-Hop-Tanzlehrer.[121]

    Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Messe

    Die ufra (Unterfrankenschau), eine Regionalmesse für Verbraucher, findet alle zwei Jahre (in den geraden Jahren) im Oktober auf dem Volksfestplatz am Willy-Sachs-Stadion statt. Mit über 400 Ausstellern und 70.000 Besuchern in 22 Hallen gehört sie zu den größeren Regionalmessen Frankens.

    Festivals

    Die Idee des Kneipenfestivals Honky Tonk wurde von der Blues Agency[122] 1993 in Schweinfurt geboren. Damals fand das erste Kneipenfestival in der Kneipenmeile um Zeughaus und Kornmarkt statt. Zum jährlich wiederkehrenden, eintägigen Honky Tonk Festival kamen schon bis zu 22.000 Besucher in derzeit über 40 Altstadtkneipen und Bühnen, mit Bands und Künstlern verschiedenster Musikrichtungen. Mittlerweile findet das Festival in über 50 Städten in vier Ländern statt und wird in sehr vielen anderen Städten unter anderem Namen kopiert, jedoch nahezu überall in kleinerer Form als in Schweinfurt. Der Name wurde von den Livemusik-Kneipen Honky-Tonk im Süden und Südosten der USA entlehnt. Der Name Blues Agency stammt von den Schweinfurter Bluestagen, die bis in die 1990er Jahre in den Altstadtkneipen zwischen Zeughaus und Kornmarkt abgehalten wurden.

    Das Musikfestival Nachsommer Schweinfurt findet alljährlich drei Wochen im September mit internationaler Besetzung statt. Bekannte Namen, wie Malia, gastierten bereits in der SKF Halle 411, mit großer Bühne und Tribüne mit 600 Sitzplätzen.[123]

    Das Internationale Varietéfestival, Europas größtes Varietéfestival, findet etwa alle drei Jahre am Sennfelder See, knapp hinter der Stadtgrenze statt; das nächste Mal im Mai 2018. Für das Festival wird immer ein großes Zelt aufgebaut.[124]

    Wein- und Bierfranken

    Im Raum Schweinfurt, nahe am Landkreis Haßberge, dem Überlappungsgebiet von Weinfranken und Bierfranken, gibt es viele traditionelle Feste, wie Kirchweihen und Weinfeste, die fränkische Lebensart widerspiegeln. Dazu kamen, wie anderswo auch, zahlreiche neuere Feste, so dass an manchen Wochenenden vom Mai bis Oktober in Stadt und nahem Umland mehrere Kirchweihen und Feste gleichzeitig stattfinden.

    Veranstaltungen im Jahreslauf

    Stadtfest 2012
    Geschmückte Gassen
    bei der Zürcher Kirchweih

    Die drei Schweinfurter Faschingsgesellschaften ESKAGE, Schwarze Elf und Antöner Narrenelf präsentieren Sitzungsabende. Am Faschingsdienstag führt der traditionelle Faschingsumzug der ESKAGE durch die Innenstadt, mit jährlich etwa 25.000 Besuchern. Im April findet das erste Fest im Freien statt, der Vogelschuss, ein kleines Volksfest einer Schützengesellschaft. Im Mai lädt Schweinfurt@night zu einer langen Einkaufs- und Kulturnacht. Das Walpurgisgericht am Fronleichnam ist ein mittelalterliches Fest mit Handwerkermarkt im Friedrich-Pfister-Park in Oberndorf. Am Freitag nach Fronleichnam startet für elf Tage das Schweinfurter Volksfest, eines der größten seiner Art in Franken.[125] Im Mai findet das Frühlings- und im Juli das Sommerweinfest des Weingut Dahms auf der sonst nicht zugänglichen Peterstirn statt. Mit Plätzen im Hof und mitten im Weinberg, mit Blick ins Maintal, gilt es als eines der schönsten Weinfeste Frankens. Das Altstadtfest wird Anfang Juli in den Wallanlagen am Zürch abgehalten. Ende August präsentiert an zwei Tagen das Schweinfurter Stadtfest auf mehreren Plätzen der Schweinfurter Altstadt Genuss und Lebensqualität der Region. Beim eintägigen Straßenmusikfestival Pflasterklang im September treten an rund 20 Orten der Altstadt Musiker aller Stilrichtungen, Jongleure, Zauberer und Straßenmaler auf. Über drei Wochen im September lädt der Nachsommer Schweinfurt in die SKF-Halle 411 (siehe: Festivals). Die Nacht der Kultur lädt im Oktober zu Musik, Theater, Tanz, Lesungen, Kabarett und Kurzfilmen an viele bekannte und unbekannte Kulturorte rund um den Marktplatz. Der Schweinfurter Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz beschränkt sich auf Kunsthandwerk und Weihnachtsschmuck und gehört deshalb zu den stilvollsten seiner Art. Traditionell kommt alljährlich das Nürnberger Christkind zu seiner ersten Auswärtsvisite auf den Weihnachtsmarkt, mit seinem Prolog vom Rathausbalkon.[125]

    Charakteristisch für Schweinfurt sind die zahlreichen Stadtteilkirchweihen. Hervorzuheben sind hier die über 300 Jahre alte Zürcher Kirchweih, die älteste Unterfrankens, im Juni, im einstigen Burgenquartier Zürch. Die Höllen-Kirchweih des Bürgervereins Altstadt im Höllental findet Mitte Juli statt.[126] Ferner sind unter den vielen Kirchweihen zwei weitere erwähnenswert, die zwar keine längere Tradition besitzen, aber im schönen Ambiente stattfinden. Die Johannis-Kirchweih der ältesten Kirche der Stadt, St Johannis findet am Wochenende um den Johannistag (24. Juni) auf dem historischen Martin-Luther-Platz statt. Die Deutschhof-Kirchweih, Anfang Juli, wurde vor einigen Jahren vom Deutschhöfer Marktplatz in den Wildpark an den Eichen verlegt.

    Die beiden traditionellsten Feste für die Schweinfurter liegen außerhalb der engen politischen Stadtgrenzen. Die zeitgleich am ersten Sonntag und Montag im September stattfindenden Kirchweihen in den ehemals kaiserlich unmittelbaren und freien Reichsdörfern Sennfeld und Gochsheim. Auch hier in der typisch fränkischen Kombnnation, im näheren Sennfeld mit Bier- und im etwas stadtferneren Gochsheim mit Weinausschank, für eine mögliche zweite Festrunde (siehe: Gochsheim, Kirchweih und Friedensfest).

    Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die kulinarischen Spezialitäten Schweinfurts sind eng mit den zahlreichen Festen und dem Schweinfurter Mainbogen (Dörfer im Schweinfurter Süden) verbunden, mit seinen fruchtbaren Böden, mit vielfältigen Erzeugnissen und einem Zentrum fränkischen Brauchtums.

    Schweinfurter Schlachtschüssel

    Schlachtschüssel-Gedeck mit Kren (Meerrettich), Salz, Pfeffer und Brot

    Die Original Schweinfurter Schlachtschüssel ist ein Gericht, das der Schweinfurter Metzgerwirt Georg Josua Schwanhäusser im Gasthof Goldener Stern in der Oberen Gasse 36 im Jahre 1856 seinen Gästen erstmals servierte. Die Schlachtplatte, fränkisch Schlachtschüssel, findet sich auf keiner Speisekarte und ist kein übliches Essen, sondern eher ein Fest in geselliger Runde, über mehrere Stunden, für einen größeren Personenkreis. Der Ablauf erfolgt nach einem genau überlieferten Zeremoniell, einschließlich traditioneller Belustigungen. Manchmal auch mit Musikbegleitung und Gesang. Die Schlachtschüssel wird ausschließlich in Wirtshäusern in und um Schweinfurt angeboten. Mit der wichtigsten Besonderheit, dass das Kesselfleisch auf bis zu fünf Meter langen Holzbrettern serviert wird, von denen auch gegessen wird, an Stelle von Tellern. Dazu gibt es nur Brot, Kren (fränkisch für Meerrettich) und Sauerkraut. Getrunken wird dazu meist Frankenwein, Weinschorle oder Most.

    Weitere meist saisonale Spezialitäten

    Sonderkulturen 2 km östlich des Marktplatzes, im Gärtnerdorf Sennfeld

    Schnickerli (Rinderpansen, der Vormagen des Rinds) ist ein weiteres, typisches Schweinfurter Gericht.

    Prägend für die örtlichen Spezialitäten sind viele Direktvermarkter vor den Toren der Stadt, die nahezu täglich in die Stadt, auf Wunsch vor die Haustüre und auf den Markt liefern und ein Essen am Tag der Ernte ermöglichen.[127] Hervorzuheben sind hier die beiden benachbarten Gärtnerdörfer Gochsheim und das unmittelbar am Stadtrand, auf einer Sandbank am Main liegende Sennfeld, dessen Spargelfelder und weiteren Sonderkulturen bereits einen Kilometer südöstlich vom Schweinfurter Marktplatz beginnen.

    Saisonaler Höhepunkt ist zudem der Herbst. Mit warmen Zwiebelplootz (Zwiebelkuchen) mit Federweißer, insbesondere zu den Erntedankfesten in Sennfeld und Gochsheim. Plootz ist ein Käsekuchen vom Blech, bevorzugt bei den Kirchweihen im Herbst. Zu dieser Zeit sind auch die Heckenwirtschaften der Winzer und Weingüter geöffnet.[128] Die Meefischli (Mainfische), winzige Weißfischedie dreimal schwimmen, im Main, im Fett und dann im Wein“, werden wie andere Fische traditionell nur in den Monaten mit dem Buchstaben r, also von September bis April verzehrt. Blaue Zipfel sind saure Bratwürste im Zwiebelsud, die vor allem im Winter, auch am Heilig Abend, gegessen werden.

    Die Slow Food-Region um Schweinfurt namens Fränkisches Weinland Nord liegt in die Mitte der Slow Food-Regionalgruppe Mainfranken-Hohenlohe, bis 2012 die mit Abstand größte und heute (2018) mit 850 Mitgliedern nach München die zweitgrößte Deutschlands.[129]

    Siehe auch: Weinort Schweinfurt

    Süßes Kugellager

    Eine Art Schweinfurter Alternative zu Salzburger Mozartkugeln ist das Süße Kugellager, hergestellt von Konditoreien aus der Kugellagerstadt. Hochwertige Vollmilch- oder Bitterschokolade aus reiner Kakaobutter wird mit einer abgestimmten Nougatcreme gefüllt. Die süßen Kugellager sind etwa 2,5 cm dick und haben einen Durchmesser von 6 cm.[130]

    Nachtleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Kneipenszene ist, ähnlich wie der Einzelhandel, einem für Schweinfurt typischen, häufigen Wechsel unterworfen. Mit Schließungen, Leerständen, Neu- und Wiedereröffnungen, guten und schlechten Phasen und wechselndem Publikum. In der Schweinfurter Altstadt ist das Auf und Ab der Kneipen mit der Stadtsanierung untrennbar verknüpft. Weshalb in neuerer Zeit (um 2017) hier eine hohe Kneipendichte, mit vielen qualitativ guten Lokalen entstand. Nach der Sanierung des Fichtelsgartens entwickelte sich 2017 ein weiterer Schwerpunkt um das Obertor, am Nordende der Altstadt.

    Die Diskothekenszene der Stadt hat sich stark verändert. In den letzten beiden Jahrzehnten vor dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte im Jahre 2014 war Schweinfurt sehr multikulturell geprägt, auch bedingt durch den starken Wandel der US-Gemeinde (siehe: Sozialer Wandel). Die Diskothekenszene unterschied sich deshalb von den meisten anderen deutschen Städten. Die 90 m lange Großdiskothek Megadrom, die 2012 abbrannte (heute verkleinert als Club 360 Grad) zog als selbsternannter Hottest Hip-Hop-Club of Germany samstagabends ein afroamerikanisches und deutsch-amerikanisches Publikum aus weiten Teilen Deutschlands an. Das Mad (heute Club Diamond), mit damals ähnlichem Publikum, wurde nach dem Abzug der Amerikaner zu einer deutsch-russischen Diskothek. Die Rockfabrik hat sich seit Beginn der Ära von Techno und Großdiskotheken Anfang der 1990er Jahre bis heute unverändert gehalten. Der neuere Suzie Club versteht sich als Edeldiskothek.

    Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege listet für die Stadt Schweinfurt 170 Baudenkmäler, einschließlich Bauensembles und 36 Bodendenkmäler auf (Stand 20. November 2017).[131]

    Stadtbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der Baustil der 1930er Jahre ist bis heute stadtbildprägend und charakteristisch für den Westen Schweinfurts. Insbesondere die Klinkerbauten der Großindustrie im Bauhausstil,[132] die in bis heute komplett erhaltenen Straßenfronten scheinbar völlig unbeschadet den Zweiten Weltkrieg überstanden. Da mitten in einer Boomphase der Stadt der Krieg begann und kurz danach teilweise zerstörte, nur wenige Jahre alte Industriebauten rekonstruiert wurden. Zudem wurden neue Bauten anfangs noch im Stil der 1930er Jahre errichtet.

    In nahezu allen überregionalen Veröffentlichungen steht fälschlicherweise, dass Schweinfurt im Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg sehr stark zerstört worden sei, was nicht zutrifft. Die Stadt wurde zu etwa 45 % zerstört und damit genauso stark wie beispielsweise Rothenburg ob der Tauber.[133] Es gelang den Alliierten nicht, einen Feuersturm zu entfachen. Davor gab es seit 1554 (siehe: Zweites Stadtverderben) keine nennenswerte Zerstörung. Den Dreißigjährigen Krieg überstand die Stadt schadlos und es gab keinen großen Stadtbrand außerhalb kriegerischer Auseinandersetzungen. So findet man heute noch überall in der Altstadt und im Gründerzeitviertel zwischen Neubauten historische Strukturen.

    Gegensätzliches Stadtbild:
    Ehem. Reichsbank und Rückert-Center

    Nach dem Zweiten Weltkrieg war deshalb ein planmäßiger, schneller Wiederaufbau nur an einigen Stellen der Stadt nötig. Dadurch gab es für spätere Zeiten noch Gestaltungsspielraum, da die Lücken sukzessive über viele Stilepochen geschlossen wurden, über die Postmoderne der 1980er Jahre, der Renaissance des Bauhausstils seit den 1990er Jahren, bis hin zur Gegenwart.

    Die Entwicklung von einer historischen Kleinstadt über die Industrialisierung bis zum Oberzentrum für eine halbe Million Einwohner spiegelt sich auch im gegensätzlichen, spannungsreichen Stadtbild wider. So wird in der Innenstadt das Stadtbild von Osten nach Westen hin allmählich großstädtischer (in obiger Bildfolge von links nach rechts). Altfränkische Gassen in sanierten Quartieren der östlichen Altstadt gehen über in mittelstädtische, zuweilen chaotische Strukturen um den Roßmarkt, bis zu großstädtischem Stadtbild in der westlichen City. Eine Ausnahme, mit scharfen Kontrast zur östlichen Altstadt, bildet das Rückert-Center im Brutalismus der 1970er Jahre (Volksmund: Zementrum, abgeleitet vom ursprünglichen Namen Centrum). Jedoch wurde in den letzten Jahren die ursprüngliche Betonfassade zum Teil umgestaltet.

    Äußere Stadtteile

    Der äußere Westen der Stadt wird von der Bauweise der 1930er Jahre geprägt (siehe: Einleitung zum Abschnitt Stadtbild) mit großzügiger Wohnblock-Bebauung im Nordwestlichen Stadtteil, umlagert von Nachkriegs-Wohnvierteln. Den Norden und Osten der Stadt bilden das Villenviertel Kiliansberg und mehrere bürgerliche Nachkriegs-Stadtteile. Sie liegen alle auf Ausläufern der Schweinfurter Rhön, zwischen eingeschnittenen Tälern und Bächen und lagern sich fächerförmig um die Innenstadt. Diese Viertel werden von Einfamilienhäusern dominiert und umfassen fast das halbe, bebaute Stadtgebiet. Die Zentren dieser Stadtteile, mit Kirchen, Geschäften, einigen Wohnblocks und wenigen Hochhäusern, errichtete man bevorzugt auf den jeweils höchstgelegenen Bereichen. Alles überragend das 25geschossige Blaue Hochhaus, dessen Gebäudespitze (ohne Antennen) sich bereits 130 m über der Innenstadt, auf 350 m ü. NN befindet. Bei seiner Fertigstellung 1964 war das 73 m hohe Blaue Hochhaus 5 m höher als das höchste bis dahin fertiggestellte Hochhaus in Frankfurt am Main, das Zürich-Haus.

    Das erste Hochhaus der Stadt wurde Ende der 1950er Jahre am Bergl, als Wohnhochhaus mit 15 Geschossen und das letzte bereits 1973 errichtet. Die Renaissance des Hochhausbaus im 21. Jahrhundert, mit Luxuswohnungen, hat die Stadt bisher (2018) noch nicht erreicht. So entstanden seit 1973 bis heute in und um die Stadt nur noch industrielle Hochbauten, wie Kraftwerke und Hochregallager. Trotz Umstrukturierungen in der Stadt, hin zum Dienstleistungssektor, manifestierte sich dadurch die industrielle Skyline: mit dem Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt (GKS), mit seinem wuchtigen 97,5 m hohen Kamin, mehreren Hochregallagern, Getreidesilos und an der Peripherie dem 2015 stillgelegten Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG), mit den beiden 143 m hohen Kühltürmen und dem 164 m hohen Meteo-Mast. Hinter der Skyline der Industrieanlagen sieht man umliegende Höhenzüge und Mittelgebirge.

    Stadtmauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Stadtmauer Am Unteren Wall
    an Stelle der Reichsburg

    Die Schweinfurter Stadtmauer wurde 1258 erstmals urkundlich erwähnt. Die Südostecke der Stadtmauer im vermutlich ältesten Viertel der Altstadt Zürch war zugleich Umfassungsmauer der Reichsburg, die sich hier von 1310 bis 1427 befand. In den 1640er Jahren wurde im Zuge des Dreißigjährigen Krieges, den die Stadt unbeschadet überstand, die veraltete, mittelalterliche Stadtmauer vom Generalfeldmarschall der schwedischen Armee Karl Gustav Wrangel, der sein Hauptquartier am Roßmarkt hatte, zu einer modernen Befestigungsanlage mit Schanzen ausgebaut. In den 1980er Jahren wurden die Befestigungsanlagen Am Oberen Wall wieder instand gesetzt und erst seit den 1990er Jahren wurden in Folge schwerer Zugänglichkeit und Bauarbeiten immer wieder an diversen Orten Entdeckungen gemacht. Teile der Spitaltorbrücke von 1748 wurden bei Bauarbeiten Ende der 1990er Jahre wiederentdeckt und freigelegt. Im nächsten Jahrzehnt wurde die Stadtmauer Am Unteren Wall restauriert und beim Bau der Kunsthalle im Keller ein Abschnitt einer Schanze entdeckt und freigelegt. 2007 wurde ein Schalenturm, der sogenannte Jungfernkuss entdeckt, der in Teilen von einem 1367 gestifteten Karmeliterkloster (bis 1542) stammt. 2016 wurde der im Zweiten Weltkrieg zerstörte, kleine Höpperle Turm an der westlichen Stadtmauer rekonstruiert.

    Profanbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Renaissance

    Rathaus (1572) Altes Gymn. (1583)
    Rathaus (1572)
    Altes Gymn. (1583)

    Die Renaissance ist in der Altstadt der prägende historische Stil der protestantischen Reichsstadt. Einem Zentrum des Humanismus und der Aufklärung, das im scharfen Gegensatz zu den benachbarten katholisch-barocken Bistümern Würzburg und Bamberg stand.

    Der Schranne wurde als Kornspeicher 1560 errichtet. Heute sind darin die Sparkasse Schweinfurt und die Sparkassengalerie untergebracht.

    Das Alte Rathaus (1570–1572) von Nikolaus Hofmann aus Halle (Saale) gilt als Glanzleistung der profanen deutschen Renaissance. Es ist das Hauptwerk Hofmanns, einem Meister und Bauunternehmer, der am Mansfelder Bergbau beteiligt war. In dem Wappen am Erkerturm hängt Kaiser Maximilian II. in den Fängen des Doppeladlers des Schweinfurter Stadtwappens. Am Abend des 20. April 1959 stand der Dachstuhl des Alten Rathauses, das den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hatte, in Flammen. Der Ostgiebel bog sich nach außen und drohte in die Brückenstraße zu stürzen. Die Feuerwehren brachten jedoch den Brand, der vermutlich durch Schweißarbeiten ausgelöst wurde, unter Kontrolle. In den 1980er Jahren wurde in den sanierten, großen Kellergewölben der Ratskeller eröffnet.

    Zeughaus (1591)

    Das Alte Gymnasium (1582–1583) ließ Gustav Adolf II. als Gymnasium Academicum errichten, es ist seit 1934 Heimat des Stadtgeschichtlichen Museums.

    Das Zeughaus (1589–1591) war Waffenarsenal der Reichsstadt und wurde 2014 umfassend restauriert.

    Der Schrotturm (1611) ist ein vorgelagerter Treppenturm eines Renaissance-Bürgerhauses, der im 19. Jahrhundert um vier Geschosse zu einem Schrotturm erhöht wurde.[134]

    Weitere Stile

    Der Ebracher Hof wurde 1431 vom Zisterzienser Kloster Ebrach im Steigerwald als Amtssitz und Klosterhof erworben. Er ist im Zweiten Markgrafenkrieg 1554 bis auf die Außenmauern abgebrannt und erst 1578 wieder aufgebaut worden.[134] Nach Bauarbeiten im Jahre 1698 blieb der Hof bis heute unverändert. Das Stadtschreiberhaus (16.–19. Jh., Klassizismus, beziehungsweise Biedermeier) ist im Kern aus dem 16./17. Jahrhundert, ansonsten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Vorgarten ist das Johann-Christian-Schmid-Denkmal, ein kleiner Obelisk. Das Schloss Peterstirn (1873–1874, Historismus) ist ein Weinbergshaus mit zinnenbekrönten Karlsturm, Burgtor und Mauer. Es wurde auf Überresten einer alten Burg aus dem 11. Jahrhundert und eines Benediktiner-Klosters errichtet, mit dem lateinischen Namen Stella Petri (zu deutsch: Peterstern).

    Das 20. Jahrhundert mit vielen bekannten Architekten

    Friedenschule,Paul Bonatz (1908) Hauptverwaltung Fichtel & Sachs AG,Paul Bonatz (1933)
    Friedenschule,
    Paul Bonatz (1908)
    Hauptverwaltung Fichtel & Sachs AG,
    Paul Bonatz (1933)

    Zahlreiche bekannte Architekten des 20. Jahrhunderts standen mit der Stadt in Verbindung und die Verwicklungen, Probleme oder menschlichen Widersprüche mit der Zeit des Nationalsozialismus treten auch hier zu Tage. Der gebürtige Schweinfurter Theodor Fischer war an den Planungen des Berliner Reichstagsgebäudes beteiligt, distanzierte sich schließlich vom Historismus, schuf die Grundlagen für das Bauhaus-Manifest und wollte das Bauhaus im nationalsozialistischen Deutschland erhalten, was ihm nicht gelang. In Schweinfurt baute er die Wirsing Villa (1909) (Bild siehe: Ein Vater des Bauhauses). Den Werdegang des Erbauers des Stuttgarter Hauptbahnhofs Paul Bonatz kann man in Schweinfurt an Bauwerken nachverfolgen, von der noch historisierenden Ludwigschule (1908), hin zur Moderne mit dem Verwaltungsgebäude der Fichtel & Sachs AG (1933) und der Tribüne des Willy-Sachs-Stadions (1936).

    Ernst-Sachs-Bad,
    Roderich Fick (1933)

    Roderich Fick, dessen Schwager Oberbaurat der Stadt Schweinfurt war, plante als einer der anfänglichen Lieblingsarchitekten Adolf Hitlers maßgeblich den Obersalzberg und den nur in Ansätzen verwirklichten Ausbau von Linz zur europäischen Kulturmetropole. Zuvor baute er in Schweinfurt ein Wohnhaus am Löhlein 4 (1928) und sein erstes größeres Werk, das Ernst-Sachs-Bad (1933), die heutige Kunsthalle Schweinfurt. Von Ludwig Gies ist der nationalsozialistische Bronzeadler (1936) auf einem Pylon am Eingang des Willy-Sachs-Stadions, der auf einer Erdkugel krallt und der Bundesadler (1953) des Deutschen Bundestages im Bundeshaus in Bonn. Ein Hauptwerk von Olaf Andreas Gulbransson ist die Auferstehungskirche (1959) im Stadtteil Bergl. Egon Eiermanns Kaufhaus-Systemfassade aus Porzellan ist bei Horten (1963), heute Kaufhof, vertreten. Der Enkel von Ludwig Mies van der Rohe Dirk Lohan heiratete in die Schweinfurter Industriellen-Familie Schäfer ein. Mies van der Rohe entwickelte zwischen 1960 und 1963 einen Entwurf für das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, der nicht ausgeführt wurde und danach in größeren Abmessungen als Neue Nationalgalerie in Berlin umgesetzt wurde. Anfang der 1990er Jahre legte Alexander von Branca einen neuen Entwurf für das Schäfer-Museum vor, der ebenfalls nicht ausgeführt wurde.

    Bauwerke des 20. Jahrhunderts

    Beim Ernst-Sachs-Bad (1931–1933) fertigte Roderich Fick Planzeichnungen bis ins letzte Detail, so dass von Türen, Fenstern, Möbeln bis zu Leuchtkörpern und Beschlägen alles aufeinander abgestimmt wurde und seine Handschrift trägt. Die Hauptverwaltung der Fichtel & Sachs AG (1931–1933) von Paul Bonatz steht unter Denkmalschutz, orientiert sich an dem kurz zuvor geplanten Shell-Haus in Berlin von Emil Fahrenkamp und wurde um 1960 um eine Etage aufgestockt. Das Willy-Sachs-Stadion (1934–1936), mit der Sitztribüne im Bauhausstil, von Paul Bonatz, ist eine in einen Volkspark eingebettete Sportanlage unter Denkmalschutz. Das Stadion wurde einen Monat vor den Olympischen Spielen in Berlin eröffnet. Wegen seiner zeitlosen Moderne und dem großen Baumbestand gilt es als einer der schönsten Sportparks Deutschlands.

    Das Hochhaus der Deutschen Hauptverwaltung der SKF (1961–1963) ist eine Etage höher als die Hauptverwaltung in Göteborg und sollte die Vormachtstellung der Schweinfurter SKF unter seinem damaligen Generaldirektor und schwedischen Konsul Gunnar Wester repräsentieren. Das Scheibenhochhaus am Main (55 m)[135] wurde nach dem (städte)baulichen Vorbild des UNO-Hauptquartiers (155 m) am East River in New York geschaffen. Dort existierte, aber nur bis in die 1960er Jahre, eine durch das Raumlicht hinter den Fenstern geschaltete, farblose Leuchtschrift „UN“. Auch hier diente das UNO-Gebäude als Vorbild und man erzeugte das SKF-Logo jeden Abend über blaue, heruntergezogene Fensterrollos, die von außen jeweils mit einer Neonröhre bestrahlt wurden (so noch auf unterem Bild). 2014 wurde das Hochhaus komplett saniert und die Leuchtschrift auf LED umgestellt.

    Das Theater der Stadt Schweinfurt (1964–1966) von Erich Schelling wurde 2016 unter Denkmalschutz gestellt, als „einer der bedeutendsten Theaterbauten der Nachkriegszeit in Bayern […] in der Nachfolge von Alvar Aaltos Essener Theater.“[136][137]

    Neue Maßstäbe im 21. Jahrhundert

    Museum Georg Schäfer (2000) Ebracher Hof (1578)mit Stadtbücherei (2007)
    Museum Georg Schäfer (2000)
    Ebracher Hof (1578)
    mit Stadtbücherei (2007)

    Seit Ende des 20. Jahrhunderts wurden in der Architektur in Schweinfurt neue, überregional beachtete Maßstäbe gesetzt, unter der Ägide der damaligen Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser (CSU) und des langjährigen Baureferenten Jochen Müller (SPD), mit eigenem Gestaltungsvermögen abseits des Mainstreams. Besonderer Wert wurde auf Stadtgestaltung mittels Architektenwettbewerbe gelegt,[138] mit aufeinander abgestimmten Arbeiten in zeitloser Moderne, Platzgestaltung mit minimalistischen Mitteln und Harmonie zwischen Alt und Neu.

    Umgestalteter Schillerplatz (2009)
    mit Justizgebäude

    Das Museum Georg Schäfer (MGS) (1998–2000) von Volker Staab erhielt zwei Architekturpreise.[139] Das Erdgeschoss ist als Agora konzipiert, einem öffentlichen Treffpunkt mit großer Treppenhalle, Café und Museumsbuchhandlng zwischen Mainloggia und Rathausloggia. Die dem MGS gegenüberliegende Stadtbücherei (2004–2007) von Bruno-Fioretti-Marquez ist ein Um- und Ausbau des Ebracher Hofs, mit neuem unterirdischen Basisgeschoss. Es bildet mit dem Hauptzollamt (2005–2007), ebenfalls von Bruno-Fioretti-Marquez, ein Bauensemble, das zu einem neuen Wahrzeichen Schweinfurts wurde und vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt 2008 zu den 24 besten Bauwerken Deutschlands gekürt wurde.[138] Es zeigt „wie sich Tradition und Moderne […] auf das Vortrefflichste vereinen.“[140]

    Der Bau 65 (2001–2003, innerhalb eines nicht zugänglichen Werksgeländes) im Bauhausstil, von Baurconsult, steht an Stelle einer im Zweiten Weltkrieg stark beschädigten Produktionshalle der Fichtel & Sachs AG (heute ZF Friedrichshafen) und wurde in Anlehnung an die typischen Schweinfurter Industrie-Klinkerbauten der 1930er Jahre errichtet. Die Halle wird durch eine große vorgehängte Glasfassade mit Tageslicht versorgt,[141] die sich an den Fagus-Werken von Walter Gropius orientiert. Die Stadtgalerie Schweinfurt (2007–2009), mit einem 230 m langen Glasdach, ist eine 300 m lange Shopping Mall im klassischen Sinne, die aus einer einzigen, geraden Ladenpassage (in zwei Ebenen mit Galerie) besteht, deren Name sich vom Ballspiel Paille-Maille ableitet, das auf langen, geraden Bahnen gespielt wurde, auf denen später städtische Straßen entstanden. In den Komplex wurde ein SKF-Jugendstil-Portal integriert. Die Kunsthalle Schweinfurt (2008–2009) ist ein Um- und Ausbau des vormaligen Ernst-Sachs-Bades von Hartwig N. Schneider/Peter Ropertz, mit 500 m² großer Halle. Der Innenhof wurde für einen weiteren Ausstellungsraum unterkellert, wobei Reste der sogenannten Naturheilschanze integriert wurden, die der schwedische Feldmarschall und Staatsmann Carl Gustav Wrangel 1648 anlegen ließ.[142]

    Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    St. Johannis (ab 1200)Gotisches Querhaus St. Johannis,Die Mannalese (1480)
    St. Johannis (ab 1200)
    Gotisches Querhaus
    St. Johannis,
    Die Mannalese (1480)

    St. Johannis (ab 1200, Romanik, Gotik und weitere Baustile) ist das bedeutendste kunsthistorische Kirchenbauwerk zwischen Bamberg und Würzburg. Es ist die evangelische Hauptkirche und das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. 1237 war der Nordturm mit romanischer Turmkapelle fertiggestellt, auf den Südturm verzichtete man. Mit gotischem Taufstein (1367),[57] mit originaler Malerei, Barocker Kanzel und freigelegten Fresken und Malereien des Mittelalters. Nahezu alle europäischen Baustile über 8 Jahrhunderte, von der Romanik bis zum Klassizismus sind vertreten.[134]

    St. Salvator (1719, schlichter Barock) ist die Kirche für das Altstadtquartier Zürch und einstige Burgkapelle (um 1315) mit gotischem Ausbau, mit noch erhaltenen Chor. Die Reformation in der Stadt nahm hier durch eine Predigt1532[134] ihren Ausgang. St. Salvator wurde wiederholt zum Teil zerstört und zerfiel. Zum 200. Jahrestag der Reformation 1717 begann die Stadt eine umfassende Erneuerung.

    St. Johannis, gotisches Portal Heilig-Geist-Kirche, Hauptportal
    St. Johannis, gotisches Portal
    Heilig-Geist-Kirche, Hauptportal

    Die Heilig-Geist-Kirche (1897–1902, Neuromanik),[57] ist die katholische Hauptkirche der Stadt, an Stelle von Vorgängerbauten aus dem 15. und 16. Jahrhundert (Spitalkirche zum Heiligen Geist). Die Kirche hat die Form einer romanischen Kathedrale, mit Nachbildungen der Kathedrale San Vigilio in Trient (Vierungsturm und Chor). Nach der Annexion der protestantischen Reichsstadt Schweinfurt durch das Königreich Bayern 1802 wies dieses 1803 einer wieder etablierten katholischen Gemeinde die gotische Spitalkirche als Pfarrkirche zu. Durch starken Zuzug aus dem katholischen Umland in Folge der Industrialisierung wurde die Kirche zu klein und an Stelle der abgerissenen gotischen Spitalkirche und einer Zuckerfabrik[143] entstand der große Neubau, mit 56 m hohen Turm (1911).

    Die Kreuzkirche (13. Jahrhundert/1940) ist die alte evangelische Kirche des schon in historischer Zeit zur Reichsstadt Schweinfurt gehörenden Oberndorfs. Sie steht an der Stelle einer mittelalterlichen Wasserburg. Chor und Turm stammen aus dem 13. Jahrhundert und waren Teile der Burgkapelle.

    Die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche entstand im Jahr 1929 und wurde vom Schweizer Architekten Hans Hofmann geschaffen. Sie präsentierte sich zunächst ohne Turm und wurde erst in den 1930er Jahren durch eine Stiftung mit einem Chorturm mit Zwiebelhaube ausgestattet. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg stellte man das Gotteshaus bis ins Jahr 1948 notdürftig wieder her. Die Kirche ist heute Pfarrkirche einer evangelisch-lutherischen Gemeinde.

    St. Kilian (1954) wurde auf den Außenmauern der im Zweiten Weltkrieg zerstörten neubarocken[134] Kirche aufgebaut. Mit 250 m² großen Farbglasfenster, einem der größten Kirchenfenster Deutschlands,[134] von Georg Meistermann.

    St. Kilian (1954)Fenster von Georg Meistermann Auferstehungskirche (1959)von Olaf Gulbransson
    St. Kilian (1954)
    Fenster von Georg Meistermann
    Auferstehungskirche (1959)
    von Olaf Gulbransson

    Die Auferstehungskirche (1959) von Olaf Andreas Gulbransson ist die wohl außergewöhnlichste Kirche der Stadt und wurde bereits unter Denkmalschutz gestellt. Es ist das Meisterwerk von Gulbransson, in roten Sichtziegeln mit moderner Ornamentik, im Innern mit blauen Spindelsäulen und Radleuchter, der die zwölf Tore des Himmlischen Jerusalems darstellt.[144] Gulbransson schuf mit dieser Kirche das einzige Beispiel eines neuen Baustils, der Ornamentik, Kunsthandwerk und Moderne vereint und in Folge seines tödlichen Autounfalls bei anderen, postum fertiggestellten Kirchen nicht konsequent fortgesetzt wurde.

    Denkmäler und Brunnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der Ludwighsbrunnen (1830, Klassizistisch) von Johann Nepomuk Pertsch steht am Fuß der historischen Weinberge an der alten Mainleitenstraße. Von 1826 bis 1829 ließ die Stadt Schweinfurt die Straße ausbauen und pflastern. Aus diesem Anlass wurde zu Ehren des bayerischen Königs Ludwig I. dieser Brunnen errichtet.[145]

    Tafel am Walzenwehr (MAN 1903)

    Das Rückert-Denkmal (1890) am Marktplatz ist ein Bronzeguss von Wilhelm von Rümann und Friedrich von Thiersch des 1788 in Schweinfurt geborenen Dichters und bahnbrechenden Übersetzers orientalischer Dichtung Friedrich Rückert. Das Walzenwehr-Denkmal (1903/1965) ist eine Kettenaufzugsvorrichtung für das erste Walzenwehr der Welt von MAN (1903). Das Denkmal am Willy-Sachs-Stadion (1936, Neoklassizismus) ist ein Bronzeguss von Ludwig Gies zu Ehren des Stadionstifters Willy Sachs. Auf einem Pylon ruht ein Nationalsozialistischer Reichsadler von Gies, der auch den Bundesadler im Plenarsaal im Bonner Bundeshaus schuf.

    Rossbändiger-brunnen

    Der Anker vom Berliner Künstler-Ehepaar Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff ist eine Monomentalskulptur auf dem östlichen Ende der Schleuseninsel. Brigitte Matschinsky-Denninghoff war Assistentin bei Henry Moore. Das Duplikat des Great Beijing Wheel-Lagers (2012) vor dem Theater der Stadt Schweinfurt entstand, nachdem FAG Kugelfischer in Schweinfurt die beiden Pendelrollenlager für das London Eye entwickelt und gebaut hatte. Sie wurden nun beauftragt, die Lager für das größte, 208 m hohe Riesenrad der Welt, das Great Beijing Wheel im Chaoyang-Park, zu entwickeln, das jedoch nicht ausgeführt wurde. Der Innendurchmesser des Lagers entspricht exakt dem Außendurchmesser des Lagers des London Eye.[146] Der Gedenkort für die Opfer der Zwangsarbeit (2011) von Herman de Vries ist ein 3 km langer Lagerweg und Gedenkort mit drei Linden am Main in Oberndorf. Der Weg führt entlang des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers von Kugelfischer,[147] als Gedenkstätte an die über 10.000 Zwangsarbeiter, die auch aus Kriegsgefangenen rekrutiert wurden und in der Schweinfurter Rüstungsindustrie arbeiten mussten. Bei Bombenangriffen kamen viele Zwangsarbeiter ums Leben, da sie nicht in den Hochbunkern der Stadt Schutz suchen durften.

    Stadtmodell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Seit 2015 befindet sich im Stadtschreiberhaus (siehe Weltliche Bauten, Romanik bis Historismus) ein neu angefertigtes Stadtmodell, das Schweinfurt um das Jahr 1800 zeigt. In den nächsten Jahren soll das Modell bis zum Schloss Peterstirn auf 4,80 Meter Länge erweitert werden, das dann das historische Stadtgebiet (ohne Oberndorf) auf einer Distanz von knapp über zwei Kilometern abbildet.[148]

    Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der Naturraum am Stadtrand besitzt vielfältige Ausprägungen, mit unterschiedlichem Klima, Bergland, Wäldern, Weinbergen, Wiesen, Auwäldern, Schutzgebieten, fließenden und stehenden Gewässern. Ein großer Teil des kleinen, politischen Stadtgebietes besteht aus Wäldern (500 ha)[149] und Wasserflächen (148 ha).[149]

    Schutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Naturschutzgebiet
    Saumain in der Stadt Schweinfurt

    Im Stadtgebiet gibt es ein Naturschutzgebiet mit dem Namen Saumain in der Stadt Schweinfurt, zwei Landschaftsschutzgebiete, zwei FFH-Gebiete (Stand März 2016) und ein Geotop.

    Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete in der Stadt Schweinfurt, Liste der Landschaftsschutzgebiete in Schweinfurt, Liste der FFH-Gebiete in der Stadt Schweinfurt und Liste der Geotope in Schweinfurt

    Maininseln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Maininsel Bleichrasen mit dem Konferenzzentrum Maininsel (KMI)

    Die Maininsel Bleichrasen (6,93 ha) wird als größte der drei Schweinfurter Maininseln auch nur Maininsel genannt und bis in die Nachkriegszeit wurde sie auch als Bleichrasen bezeichnet. Die Insel liegt auf Höhe der nordmainischen Schweinfurter Altstadt, zwischen dem nördlich gelegenen Schleusenkanal und dem südlich gelegenen Nebenarm des Mains Saumain. 2004 wurde auf der Insel das Konferenzzentrum Maininsel (KMI) mit einem größeren Vier-Sterne-Hotel eröffnet.

    Die Böckleinsinsel (2,70 ha) wurde im Volksmund früher auch Pfaueninsel genannt und liegt unmittelbar östlich der Maininsel Bleichrasen, zwischen dem nördlich gelegenen Hauptarm des Mains und dem südlichen Saumain. Die Böckleinsinsel ist seit 1806 im Familienbesitz und für Unbefugte nicht zugänglich, auf ihr befindet sich eine Getreidemühle

    Die Schleuseninsel (4,37 ha) liegt zwischen dem Hauptarm des Mains im Norden und dem Schleusenkanal im Süden. Auf ihr befindet sich das Laufwasserkraftwerk Schweinfurt und auf dem östlichen Ende der Insel steht die Monumentalskulptur der Anker von dem Berliner Künstler-Ehepaar Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff. Brigitte Matschinsky-Denninghoff war Assistentin bei Henry Moore.

    Weinort Schweinfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der örtliche Weinbau hat nur noch sehr geringe wirtschaftliche, jedoch kulturelle Bedeutung für die Stadt. Er ist für die Selbstwahrnehmung und die lokale Lebensart wichtig. Schweinfurt ist heute ein großlagenfreier Weinort im Fränkischen Weinbaugebiet, im Bereich Maindreieck,[150] mit 3,54 ha bestockter Rebfläche (2017).[151]

    Schweinfurt Stahlstich 1847.jpg

    In Schweinfurt wird wahrscheinlich seit weit über 1000 Jahren Weinbau betrieben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Schweinfurt eine bedeutende fränkische Weinbau- und Weinhandelsstadt. Zum Ende der Reichsstadt-Zeit 1802 waren es etwa 320 ha Rebfläche, was dem größten heutigen fränkischen Weinbauort Nordheim am Main entspricht (2017: 319 ha).[151] Goethe schätzte den Schweinfurter Wein und ließ sich große Mengen liefern, allein im Jahre 1821 waren es 700 Liter. Die Verbindung Goethes zum Schweinfurter Wein geht aus sieben Goethebriefen hervor, die im Goethe-Schiller-Museum in Weimar verwahrt werden.[152] Große Teile einiger heutiger Stadtviertel, bis nahe an den Rand der Altstadt, befinden sich auf ehemaligen Weinbergen. Insbesondere der Kiliansberg, worauf auch hier die Straßenbezeichnungen Weingartenweg und Wingertstraße hinweisen.

    Weinlage Schweinfurter Peterstirn

    Die Reblaus tauchte 1902 in Franken auf.[153] Sie traf den Schweinfurter Raum besonders hart und der Weinbau ging hier noch stärker als anderswo zurück. Ab 1960 begann in Franken die Wiederbelebung des Weinbaus, die in Schweinfurt nicht stattfand. Hier betrieben auf den allermeist brach liegenden Vorkriegsstrukturen nur noch einige Nebenerwerbs- und Hobbywinzer auf Kleinflächen entlang der Mainleite Weinbau. Seit den 1980er Jahren wird wieder planmäßig, hier am Ostrand der Stadt, in den historischen Weinlagen Peterstirn und Mainleite Weinbau im zunehmenden Umfang, mit der Leitsorte Silvaner betrieben. Durch die fast vollständige Unterbrechung des Weinbaus bis zu den 1980er Jahren blieben die Weinberge von der Zuordnung zu Großweinlagen und der Flurbereinigung der 1970er Jahre verschont, bei der meist die historischen Strukturen zerstört wurden. Die kleine Wein-Kulturlandschaft am Schloss Peterstirn mit ihren Natursteinmauern und Gerätehäuschen blieb dadurch erhalten. Auf der Peterstirn befindet sich ein Weingut im Familienbesitz, wo zweimal jährlich ein Weinfest stattfindet (siehe: Regelmäßige Veranstaltungen).

    Dreifrankenblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Am oberen Ende des Weinbergs Peterstirn steht ein kleiner Aussichtsturm. Von ihm blickt man über die Mainfränkischen Platten auf den gesamten Steigerwaldtrauf, der in kleinen Teilen zu Oberfranken gehört. Bei guter Sicht ist westlich (rechts) hinter dem Schwanberg in 48 km Entfernung der Kapellenberg oberhalb des Weinortes Bullenheim in Mittelfranken erkennbar.

    Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    ZF Sachs, Firmenname 2001–2011, vor Verschmelzung beider Konzerne

    Schweinfurt ist seit den 1930er Jahren das europäische Zentrum der Wälzlagerindustrie. Die Stadt hat die wirtschaftliche Strukturkrise von 1990 bis 1994 erfolgreich überstanden, ist heute wichtigster großindustrieller Standort Nordbayerns, zählt zu den wirtschaftlich stärksten Städten Deutschlands und die Arbeitslosenquote der Region erreichte nahezu oberbayerische Werte (siehe: Artikel-Einleitung). In einer Exklusivstudie für das manager magazin untersuchte 2009 das Standortberatungsunternehmen Contor über 1000 EU-Regionen auf ihre Zukunftsfähigkeit. In diesem Europa-Ranking ohne Großbritannien belegte Schweinfurt Platz 16 und lag zwischen Paris-Stadt (Platz 15) und Stockholm (Platz 17).[154] Schweinfurt besitzt zudem mit +34.000 (2012) einen höheren Pendlersaldo als Bayerns drittgrößte Stadt Augsburg (+32.000).

    In den letzten Jahrzehnten vollzog sich in der örtlichen Wälzlagerindustrie ein Strukturwandel, weg von billiger Massenproduktion, hin zur Spezialisierung und aufwendigerer Forschung. Neben Automobilzulieferung nun auch zunehmend mit den Sparten Bergbau, Schiffbau, Luft- und Raumfahrt, insbesondere auch mit Großlagern. Zudem mit Spezialanfertigungen, wie beispielsweise dem riesigen Pendelrollenlager fürs London Eye von FAG Kugelfischer.[155] Die Energiewende, mit Großlagern für Windkraftanlagen, brachte ein weiteres, neues Geschäftsfeld. SKF eröffnete 2017 das leistungsfähigste Großlager-Prüfzentrum der Welt.[156]

    Zudem befinden sich in der Stadt wichtige Vertreter anderer Branchen, wie Fresenius Medical Care, mit der in Schweinfurt weltweit größten Produktion von Dialysegeräten und Standorte der Lineartechnik. Ferner u. a. Standorte der Fahrradindustrie (siehe auch: Erfindungen).

    Andererseits hatte in einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Schweinfurt mit über 30 Prozent den höchsten Anteil an Stellen mit hohem Substituierbarkeitspotential bayernweit, dem Anteil der Tätigkeiten, die potentiell von computergesteuerten Maschinen erledigt werden können.[157] Jedoch entstehen dadurch wiederum neue, hochwertige Arbeitsplätze zur Einstellung der Maschinen und in der Forschung, auch in Zusammenarbeit mit der örtlichen Hochschule (siehe: Wissenschaft). Durch den seit 2017 im Aufbau befindlichen i-Campus Schweinfurt im neuen Stadtteil Carus-Park soll die Zusammenarbeit von Industrie und Hochschule noch wesentlich intensiviert werden, u. a. mit dem bundesweit ersten Studiengang Roboting. Durch all dies vollzieht sich derzeit ein Wandel, weg von der klassischen Arbeiterstadt, hin zu einem Zentrum für Forschung und Entwicklung, mit immer höherem Bedarf an Spezialisten und Ingenieuren.

    Das verfügbare Einkommen ist auf Grund des günstigen, örtlichen Preisniveaus sehr hoch; höher als beispielsweise in München[158] und anderen Ballungsräumen, wo neben Umweltbelastungen und drohenden Fahrverboten zunehmend hohe Mieten zum Standortnachteil werden.[159][160] Dadurch wurde Schweinfurt neuerdings als Standort bekannt, mit Agglomerationsvorteilen, aber ohne Agglomerationsnachteile.

    Überregional bekannte Unternehmen in Schweinfurt:

    Erfindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Erfindung des Tretkurbelfahrrads von P. M. Fischer war noch nicht der Anfang der industriellen Entwicklung Schweinfurts, sondern erst die Erfindung der Kugelschleifmaschine durch seinen Sohn Friedrich Fischer. Fahrradfreilauf und Rücktrittbremse wurden nach deren Erfindung schließlich in der Torpedo-Freilaufnabe (1903) von Fichtel & Sachs integriert. Die Nabenschaltung wurde von Fichtel & Sachs nicht erfunden, aber über Jahrzehnte weiterentwickelt. Das Tretkurbelfahrrad wurde somit in Schweinfurt erfunden und in wichtigen Komponenten weiterentwickelt. 1986 begann Fichtel & Sachs mit der Entwicklung von Prototypen für Mikro-Blockheizkraftwerke und startete 10-jährige Feldversuche. Aus Fichtel & Sachs ging das Unternehmen Senertec in Schweinfurt hervor, das 1996 mit der Produktion des Dachs begann, dem ersten serienreifen Mikro-Blockheizkraftwerk.[164]

    Industriegeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Farben und Chemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1777 entstand die erste fabrikähnliche Anlage in der Stadt, eine Bleiweißmühle von J. W. Schmidt mit einer angeschlossenen Fabrikation von Essig.[63] Die weitere industrielle Entwicklung der Stadt ist eng mit dem Namen Wilhelm Sattler verbunden, dem seinerzeit reichsten und erfolgreichsten Unternehmer Bayerns,[165] der dies auch mit sozialen Engagement verband. 1810 entwickelte er einen Sago-Ersatz, der in der Zeit der Kontinentalsperre nach Frankreich exportiert wurde. Um 1825 errichtete Sattler innerhalb der Stadtmauern, an Stelle der heutigen Heilig-Geist-Kirche, eine Zuckerfabrik.[143] In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Schweinfurt ein Zentrum der deutschen Farbenindustrie. Südlich des Mains lag die Farbenfabrik Gademann. Sattler produzierte und exportierte als erster industriell das (hochgiftige) Schweinfurter Grün, das u. a. auch Pariser Grün genannt wurde, in alle Erdteile. 1814 wurde die Produktion in den Vorort Schonungen verlegt. Mit dem Aufkommen der Anilin-Farben (BASF, Hoechst AG) verlor das Schweinfurter Grün jedoch ab 1860 an Bedeutung. Heute gibt es in dieser Branche noch einige mittelständische Betriebe (siehe: Farben und Kunststoffe).[166]

    Metallverarbeitende Großindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Seit etwa 1890 wurde die Stadt jedoch von der metallverarbeitenden Industrie geprägt.[167] Mit dem ersten Global Player Ernst Sachs, der erstmals weltweit mit der Torpedo-Freilaufnabe eine Komponente patentieren ließ, ohne die niemand mehr ein modernes Fahrrad bauen konnte. Der Aufbau der Schweinfurter Großindustrie wurde vom Kapitalismus in Reinkultur geprägt, mit der Bildung eines Kartells und Feindlichen Übernahmen, befeuert von zwei Weltkriegen.

    Fichtel & Sachsim Gründungsjahr 1895 Automatische Kugelschleiferei,Fries & Höpflinger AG 1913
    Fichtel & Sachs
    im Gründungsjahr 1895
    Automatische Kugelschleiferei,
    Fries & Höpflinger AG 1913

    1883 begann die großindustriellen Entwicklung der Stadt durch die Erfindung der Kugelschleifmaschine durch Friedrich Fischer nach heute noch angewandtem Prinzip.[168] Der von Fischer und Wilhelm Höpflinger weiterentwickelte Apparat wurde 1890 zum Patent angemeldet. In Folge entstanden Die großen Drei Fries & Höpflinger (1890), Fichtel & Sachs (1895) und FAG Kugelfischer (1905), die Schweinfurt zum Zentrum der europäischen Wälzlagerindustrie machten. Die 1929 von Ernst Sachs und Georg Schäfer (II) gestaltete Neuordnung der deutschen Wälzlagerindustrie erwies sich für den Standort als Weichenstellung. Sachs verkaufte seine Wälzlagersparte (Werk 1) an die schwedische SKF, die eine aggressive Expansionsstrategie verfolgte. SKF erwarb auch die Fries & Höpflinger AG und zudem Werke in Berlin und Krefeld, die zu den Vereinigten Kugellagerfabriken (VKF) fusionierten, mit Hauptsitz in Schweinfurt. Im Aufsichtsrat saßen u. a. Ernst Sachs, Peter Klöckner, Fritz Thyssen und Günther Quandt. VKF beherrschte 80 % des deutschen Marktes. Einziger verbliebener deutscher Konkurrent war FAG Kugelfischer. SKF legte nun die Werke in Berlin und Krefeld sukzessive still. Die deutsche Wälzlagerindustrie wurde nun komplett aus Schweinfurt gesteuert, von zwei Zentralen, die nur 500 m auseinander lagen.

    Auf die Depression folgte ab 1934 ein von Arbeitsbeschaffungsprogrammen und Kriegsrüstung getragener Wirtschaftsaufschwung. Zudem nahm Fichtel & Sachs die Produktion von Kleinmotoren, Kupplungen und Stoßdämpfern auf, die Ernst Sachs mit dem Verkaufserlös der Wälzlagersparte an SKF finanzierte. Damit konnten bereits innerhalb der Stadt wichtige Bereiche der Automobilzulieferer-Industrie abgedeckt werden. Autoteile verließen bis in die Nachkriegsjahrzehnte von der Fertigung über den Großhandel bis zum Einbau in der Kfz-Werkstatt nicht die Stadtgrenzen. Auch für die städtebauliche Ordnung wirkte sich die Konzentration auf Die großen Drei positiv aus. War noch bis um 1900 die Innenstadt, wie in vielen anderen deutschen Städten, von Fabriken und Schornsteinen in nahezu allen Richtungen umgeben, konzentrierte sich jetzt die Industrie auf den Südwesten um den Hauptbahnhof und lag nun größtenteils auf Oberndorfer Gemarkung.

    Amerikanischer Luftangriff auf das Industriegebiet 1943

    Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt durch die Konzentration der kriegswichtigen Wälzlagerproduktion wiederholt das Ziel alliierter Bomberangriffe. Über 60 % der Gesamtproduktion des Deutschen Reiches dieser Schlüsselindustrie befand sich in Schweinfurt. Unter großen Anstrengungen wurde die Produktion aufrechterhalten, mit teilweise bunkerartig gegen Bomben geschützten Fabriken. Teile der Produktion wurden an andere Standorte, unter anderem nach Eltmann, Ebern und Elfershausen verlegt. 1942 begann die Organisation Todt unter der Tarnbezeichnung Baubetrieb Neustadt den Gipsstollen Neckarzimmern für die Wälzlagerproduktion der VKF (seit 1953 SKF) massiv zu erweitern. 1944 wurden große Produktionsstätten mit Verwaltungs- und Stammpersonal des Hauptwerkes in Schweinfurt und des Werkes Bad Cannstatt hierhin verlegt. Für den Stollenvortrieb und als Produktionshelfer wurden Zwangsarbeiter aus dem in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen KZ Neckarelz eingesetzt. Nach dem Krieg veranlassten die Amerikaner den Rücktransport der Maschinen nach Schweinfurt und in das (2001 geschlossene) Zweigwerk Bad Cannstatt. Die Zahl der Zwangsarbeiter erreichte Ende 1943 mit 4400 ihren Höchststand, Kriegsgefangene wurden insgesamt 4500 eingesetzt.[169]

    Mitarbeiter 1928 1932/33 1938/39 1944/45
    Fichtel & Sachs 6.800 2.300 6.700 7.100
    Fries & Höpflinger 1.900 - - -
    FAG Kugelfischer 2.200 2.800 8.000 11.700
    VKF (SKF) - 2.000 6.000 8.000

    Um 1965 erreichte die Schweinfurter Industrie mit über 30.000 Mitarbeitern ihren historischen Höchststand, bei insgesamt 57.000 Arbeitsplätzen in der Stadt. Die großen Drei FAG Kugelfischer, Fichtel & Sachs und SKF zählten in dieser Zeit zu den 100 größten Industrieunternehmen Deutschlands. Der bereits zu Beginn der 1970er Jahre einsetzende Rückgang der Beschäftigung erreichte 1993/94 mit dem Verlust von 13.000 Arbeitsplätzen seinen Höhepunkt. In den folgenden Jahren gewannen die bereits seit 1909 hier ansässige Deutsche Star, die heutige Bosch Rexroth, mit 2.200 (2008) und Fresenius Medical Care mit 1.100 Mitarbeitern (2008) ebenfalls Bedeutung und Ende 2008 waren wieder 21.000 Personen in der hiesigen Industrie beschäftigt. 2001 gab es die erste Feindliche Übernahme der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das DAX-Unternehmen FAG Kugelfischer wurde von der bis dahin unbekannten und erst seit 1946 bestehenden INA-Schaeffler aus Herzogenaurach übernommen und 2006 in den Schaeffler-Konzern integriert. Die Marke FAG blieb erhalten. INA und FAG wurden zusammen zum zweitgrößten Wälzlagerkonzern der Welt,[9] nach SKF. Schweinfurt wurde Sitz der Schaeffler Technologies GmbH & Co. KG. Damit befanden sich die jeweils größten Werke der beiden größten Wälzlagerkonzerne der Welt in Schweinfurt, aber die Konzernzentralen lagen jetzt beide außerhalb der Stadt, in Göteborg und Herzogenaurach. Die Fichtel & Sachs AG wurde ab 1987 von Gunter Sachs und Angehörigen der Familie Sachs an Mannesmann verkauft. In Folge der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone ging das Unternehmen im Jahre 2000 an ein Unternehmenskonsortium um Bosch und Siemens. 2001 wurde Sachs an ZF Friedrichshafen verkauft, in ZF-Sachs umbenannt und 2011 mit ZF Friedrichshafen verschmolzen. Der Firmenname Sachs verschwand, die Marke Sachs wird weitergeführt.

    Industrie 4.0[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Im Schweinfurter Werk von Schaeffler, dem Sitz der Sparte Industrie und Zentrum der Mechatronik, werden der Prozess Industrie 4.0 und zudem eine digitale Lernfabrik angesiedelt.[170]

    Siehe auch: i-Campus Schweinfurt#Digitale Fabrik

    Weitere Branchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Landwirtschaftlich werden 1033 ha im Stadtgebiet genutzt.[171] Zwei Aussiedlerhöfe liegen am Rande der Gartenstadt und zwei am Münzberg. Der Weinbau umfasst 2 ha an der Peterstirn (siehe: Weinort Schweinfurt). Die Wasserflächen betragen ca. 170 ha (2018), u. a Karpfenteiche westlich des Sennfelder Sees, es gibt noch einige Fischwirte. Die Waldgebiete umfassen 500 ha,[171] die abgesehen von kleineren naturgeschützten und urwaldähnlichen Zonen am südlichen Mainufer der Forstwirtschaft unterliegen.

    Mineralöle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Schubverband von Erik Walther Walther Tankstelle
    Schubverband von Erik Walther
    Walther Tankstelle

    Das Mineralölunternehmen Erik Walther hat seinen Hauptsitz in Schweinfurt, mit einem Tanklager im Hafen. Das Unternehmen betreibt rund 70 eigene Tankstellen in vier Bundesländern und verschifft die Mineralöle mit einer eigenen Tankerflotte von den ARA-Häfen (Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen) zum Hauptsitz und anderen Tanklagern.

    Kunststoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Schweinfurt ist Hauptsitz von Maincor, Hersteller von Kunststoffrohren und Sitz von Mainplastik sowie von Melaplast, das Melamin-Laminate produziert.

    Medizinische Geräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Fresenius Medical Care baut Dialysegeräte (siehe: Übersicht).

    Nahrungs- und Genussmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Firmen der Nahrungs- und Genussmittelbranche spielen im Schweinfurter Süden, insbesondere in den angrenzenden Vororten (siehe Landkreis Schweinfurt, Landwirtschaft) eine wichtige Rolle, als Folge fruchtbarer Böden und Sonderkulturen aller Art im nahen Umland. Innerhalb des Stadtgebietes befinden sich eine Getreidemühle und zwei Malzfabriken. Von den insgesamt elf Brauereien der Stadt existiert heute nur noch die Brauerei Roth (siehe: Liste ehemaliger Brauereien in Bayern#Schweinfurt). Mehrere Getreidesilos prägen das südliche Stadtbild mit. In früheren industriellen Phasen gab es eine breite Palette von Firmen der Nahrungs- und Genussmittelbranche in der Stadt, mit Herstellungen von Gelatine, Nudeln, Sago, Essig, Likören, Rum, Zucker, Malzkaffee, Margarine, Bonbons, Lebkuchen, Tabak und Schnupftabak.[166] Heute gibt es ein Weingut (siehe: Weinort Schweinfurt).

    Informationstechnologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    IBM erbrachte anfangs nur Dienstleistungen für die Werkscomputer von FAG-Kugelfischer, woraus sich die deutsche Dienstleistungszentrale IBB der IBM entwickelte, deren Hauptsitz in Schweinfurt schließlich das gesamte FAG-Verwaltungshochhaus umfasste. 2005 wurde der IBB-Hauptsitz von Schweinfurt nach Mannheim verlegt.[172] Eine kleine IBM-Niederlassung verblieb bei FAG. 1992 wurde bei FAG als Tochtergesellschaft eine SAP-Abteilung gegründet, die 1993 als FIS GmbH ein unabhängiges Unternehmen wurde. Das Wachstum machte 1996 einen Standortwechsel nach Grafenrheinfeld notwendig und Ende 2016 beschäftigte die FIS GmbH mit ihren Tochtergesellschaften über 600 Personen, davon rund 500 in Grafenrheinfeld. FIS ist SAP One-Stop-Provider und Marktführer im Technischen Großhandel der D-A-CH-Region.

    Die GPSoverIP GmbH ging 2003 aus einem 1996 gegründeten Schweinfurter IT-Haus hervor. Sie entwickelte ein neues Verfahren zur Positionsübermittlung von Geokoordinaten mit dem Namen GPSoverIP, das unter anderem in der Logistik-Branche bei LKWs und bei Formel 1-Rennwagen angewendet wird. Die GPSoverIP GmbH arbeitet im Auftrag von namhaften deutschen Unternehmen, wie Audi und BMW.

    Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Printmedien

    logo

    Die beiden Tageszeitungen Schweinfurter Tagblatt und Volkszeitung (Schweinfurt) gehören zur Würzburger Mediengruppe Main-Post, die im Bereich der Printmedien eine Monopolstellung in Mainfranken besitzt. Die einst zu Holtzbrinck gehörende Mediengruppe wurde 2010 von der Mediengruppe Pressedruck in Augsburg übernommen, zu der die Augsburger Allgemeine gehört.[173] Der Lokalteil beider Schweinfurter Zeitungen ist weitgehend identisch, vereinzelt zeigen Kommentare unterschiedliche Positionen auf. Wöchentlich werden kostenlos der Schweinfurter markt und main Sonntag verteilt. Auch diese Zeitungen gehören zur Mediengruppe Main-Post. Mittwochs und sonntags erscheinen zusätzlich die Anzeigenblätter Schweinfurter Anzeiger und Sonntagsanzeiger vom Schweinfurter SAZ-Verlag. Zweimal pro Jahr (Mai und November) erscheint für die Studenten der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt die hochschuleigene Zeitschrift BLICK, die vor allem über Themen aus der Forschung informiert.

    Fernsehen

    logo

    Schweinfurt gehörte zu den Vorreitern des Kabelfernsehens. In den 1970er Jahren wurde auf dem 25 geschossigen Blauen Hochhaus (siehe rechts) nahe dem Deutschhof eine Gemeinschaftsantennenanlage errichtet, zunächst für diesen Stadtteil, dann für weitere Gebiete. Um 1980 wurde diese Antennenanlage durch eine große Anlage am Fuße des Hochhauses ersetzt. RTL konnte bereits in Schweinfurt empfangen werden, als der TV-Sender noch in Luxemburg ansässig war, mit einem deutschsprachigen Programm nur für Rheinland-Pfalz. Ende der 1980er Jahre startete der Schweinfurter Fernsehpionier Johannes Bloching einen Versuch mit einem lokalen Programm rtu-Teleschau, als Partner der örtlichen Mediengruppe Main-Post, die sich dann zurückzog. 1990 begann Bloching mit TV 1, donnerstags mit einem Programm für Schweinfurt und die Region. 2011 wurde der Betrieb in Folge der lokalen Übermacht von TV touring eingestellt, nachdem zwei lokale TV-Sender in Stadt und Region 21 Jahre parallel liefen, was in Bayern einmalig war. Aufnahmestudio und TV-Produktion von TV 1 bleiben erhalten.[174] TV touring sendet seit 1990 für Schweinfurt und die Region Main-Rhön ein tägliches Live-Programm von 17 bis 18 Uhr, das danach alle drei Stunden wiederholt wird.

    Rundfunk

    Sendeantenne Radio Primaton

    1991 nahm Radio Primaton als privater Hörfunksender sein Programm auf, mit dem Schwerpunkt auf aktueller Chartmusik und Klassikern der internationalen Rock- und Popgeschichte. Der private Hörfunksender Radio Hashtag+ wurde 2017 gegründet, mit der Zielgruppe der 14- bis 29-jährigen und meist aktuellen Chart-Hits.[175] Der Bayerische Rundfunk (BR) unterhält ein Korrespondentenbüro in Schweinfurt und produziert für BR-Hörfunkprogramme Beiträge aus der Region Main-Rhön. Zudem hatte American Forces Network (AFN) bis 2014 ein Studio und eine Sendeanlage in der Stadt.

    Online-Zeitungen

    Im Jahr 2000 wurde die erste journalistisch produzierte und unabhängige Schweinfurter Onlinezeitung swex.de gegründet und 2014 wieder eingestellt.[176] Der Name der neueren Onlinezeitung swity.de wurde ebenfalls vom Schweinfurter Kfz-Kennzeichen SW abgeleitet, in Verbindung mit City.[177]

    Einzelhandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Kennzahlen

    Das Einzelhandels-Gesamteinzugsgebiet Schweinfurts beträgt ca. 787.000 Einwohner[178] und die Verkaufsfläche der Stadt 237.600 m² (2016). Davon entfallen 70.200 m² auf die Innenstadt, wo sich auch das größte innerstädtische Warenhaus Unterfrankens befindet, eine Filiale der Galeria Kaufhof mit rund 10.000 m² Verkaufsfläche.[179] Die Verkaufsflächendichte liegt bei hohen 4.500 m² pro 1.000 Einwohner (2016).[180] Der Umsatz stieg ständig an, von 526 Millionen Euro (2014) und 646 Millionen Euro (2016) auf einen geschätzten Wert von 685 Millionen Euro für 2018.[181] Trotzdem gibt es immer noch Leerstände in der Innenstadt (Stand Mai 2018).[182] Die Stadt besitzt aufgrund des großen Umlands und sehr leichter Erreichbarkeit mit dem Auto eine extrem hohe Einzelhandelszentralität von 219,5 Punkten (2018), noch deutlich über dem benachbarten, ebenfalls sehr einzelhandelszentralen Würzburg, mit 185,7 Punkten.[181]

    Logo

    2009 eröffnete noch weiter westlich, am Rande des Gründerzeitviertels, die Stadtgalerie Schweinfurt, eine 300 m lange Shopping Mall mit 22.500 Quadratmetern Verkaufsfläche, 100 Geschäften und 1.300 Parkplätzen auf dem Dach.[178] Wegen der befürchteten negativen Auswirkungen für den etablierten Handel in der Innenstadt war 2005 ein Bürgerentscheid durchgeführt worden. Eine knappe Mehrheit entschied sich für das Projekt des Hamburger ECE-Konzerns, das auf dem Gelände des früheren Werks 1 von SKF verwirklicht wurde. Die Stadtgalerie hat eine tägliche, durchschnittliche Frequenz von 16.000 Besuchern.[178]

    Geografie

    Die Innenstadt besitzt ein Spannungsfeld mit zwei sehr unterschiedlichen Bereichen und ebensolchem Publikum. Die Altstadt um den Marktplatz besitzt hohe Aufenthaltsqualität, mit sanierten Altstadtquartieren und hat in Folge moderater Immobilienpreise inhabergeführte Geschäfte, Straßencafés, Bars und Restaurants. Der Westen ist ein ehr großstädtisch strukturiertes Citygebiet, um Georg-Wichtermann-Platz, Roßmarkt und Jägersbrunnen, wo Kaufhäuser, Filialisten und Banken dominieren.

    Das Hauptgeschäftszentrum verlagerte sich immer weiter nach Westen. Bis 1962 war es identisch mit dem im Mittelalter angelegten Straßenkreuz um den Markt und dem Quartier Keßlergasse/Zehntstraße, eine der ältesten Fußgängerzonen Deutschlands. Die erste Westverschiebung erfolgte mit der Eröffnung des Stadtbusbahnhofes (ZOB) am Roßmarkt 1962,[183] die zweite ab 1964[184] mit der Eröffnung zweier Kaufhäuser am Jägersbrunnen und die dritte mit der Stadtgalerie Schweinfurt. 1972 wurde im Osten als Gegenpol das Centrum Schweinfurt eröffnet, das heutige Rückert-Center. So misst das innerstädtische Geschäftszentrum heute vom Rückert-Center bis zur Stadtgalerie 1,5 Kilometer Luftlinie.

    Im Hafen-Ost entstand seit den 1980er Jahren eine der größten Fachmarktagglomerationen Deutschlands, in Konkurrenz zur Innenstadt. Die Stadt lässt im Hafen jedoch kein innenstadtrelevantes Warenangebot zu.

    Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Einen starken Zuwachs gab es in der Stadt 2015 bei den Übernachtungen, mit 215.181 (2014: 181.555)[185] und den Gästeankünften mit 119.540 (2014: 103.301).[185] Auch die Zahl der Beherbergungsbetriebe stieg auf 24 (2014: 21). Die Zahl der Übernachtungen erhöhte sich 2016 weiter auf 226.000.[186] Unter den Touristen finden sich insbesondere Geschäftsreisende, Teilnehmer an Konferenzen, Radtouristen auf dem vielbefahrenen Main-Radweg, Museums-Touristen und Urlauber auf dem Weg in den Süden über die Skandinavienautobahn A 7. Auf der A 7 wird nach der geplanten Fertigstellung des Fehmarnbelttunnels 2024 ein starker Zuwachs von Fernreisenden erwartet, durch eine vermutete, nahezu komplette Verlagerung des Transitverkehrs aus Skandinavien von Ostdeutschland auf die A 7.

    Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Nationale Akademie der Wissenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Logo

    In der seinerzeitigen Reichsstadt Schweinfurt wurde 1652 die 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften erhobene Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina von vier Ärzten gegründet (benannt nach Kaiser Leopold I.). Sie hat heute ihren Sitz in Halle (Saale) und ist die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt.[14] Die Gründung erfolgte einige Jahre bevor die entsprechenden Gesellschaften in London (Royal Society) und Paris (Académie des sciences) gegründet wurden. Das Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt erinnert an diese Gründung.

    Hochschule für angewandte Wissenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Hochschule für angewandte Wissenschaften Abteilung Schweinfurt, Auditorium Maximum
    Logo FH Wuerzburg Schweinfurt.svg

    In der Schweinfurter Abteilung der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt studieren derzeit (2018) ca. 3200 Studenten. Die Hochschule entstand 1971 durch den Zusammenschluss des Schweinfurter Balthasar-Neumann-Polytechnikums mit der Würzburger Höheren Wirtschaftsschule und Werkkunstschule.[187] Sie wird auch Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS) genannt und ist mit insgesamt ca. 9000 Studenten viertgrößte Fachhochschule Bayerns. In Schweinfurt wurde 2011 östlich des Campus 1 der Campus 2 am nordwestlichen Rand der Innenstadt eröffnet.

    i-Campus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    2017 begannen in Schweinfurt die Bauarbeiten für einen dritten Campus im Rahmen der Internationalisierung der Hochschule, die FHWS i-Campus genannt wird.[188] Im Carus-Park entsteht der internationale Hochschulcampus i-Campus Schweinfurt. Erste englischsprachige Vorlesungen für Studenten aus aller Welt begannen bereits im Wintersemester 2014/15 im bestehenden Campus 1. Ein Studentendorf wird angegliedert,[189] ein erstes Gebäude wurde bereits bezogen.

    Die Abteilung Schweinfurt der FHWS hat sich auf die MINT-Fächer spezialisiert, was im i-Campus fortgeführt werden soll.[190] Eine digitale Fabrik i-Factory ist derzeit auf dem Campus in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut im Aufbau.[191] Hier soll auch der bundesweit erste Studiengang Roboting etabliert werden.

    Die i-Factory soll auch Unternehmen direkten Zugang zu innovativen Forschungseinrichtungen der FHWS in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik und Mechatronik ermöglichen.[190] Die zusätzlichen Projekte i-Company und Industrie on Campus sehen eine weitere Zusammenarbeit mit Unternehmen und deren direkten Zugang zu Forschungseinrichtungen der Hochschule, bis hin zur Verschmelzung von Industrie und Hochschule vor.[190] Der Vorlesungsbetrieb im neuen Campus soll 2019 beginnen[192] und im Endausbau Raum für 2.000 bis 3.000 Studenten aus aller Welt geboten werden.

    Uni-Lehrkrankenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Das Klinikum der Stadt Schweinfurt Leopoldina-Krankenhaus ist akademisches Lehrkrankenhaus der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Es verfügt mit seinen rund 2.000 Mitarbeitern über 700 Planbetten und ist ein Akutkrankenhaus der Schwerpunktversorgung für die ganze Region. Das Klinikum bildet den Kern eines großen medizinischen Versorgungs-Quartiers, mit Instituten, Ärztehäusern und weiteren Einrichtungen. Die Leo Academie am Leopoldina-Krankenhaus bietet Mitarbeitern und externen Teilnehmern Fort- und Weiterbildungsprogramme in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen an. Mit Dozenten aus den eigenen Kliniken und externen Lehrkräften.[193]

    Bibliotheken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Schweinfurt ist eine Schulstadt, mit derzeit rund 19.000 Schülern in ca. 50 Schulen.[194] Von den acht staatlichen Grundschulen beherbergen drei eine Mittelschule. Daneben gibt es eine private Grund- und Mittelschule, in der nach der Montessoripädagogik unterrichtet wird, zwei Realschulen und die Private Real- und Wirtschaftsschule O. Pelzl.

    Musikschule

    Abitur, die Fachhochschulreife oder das Internationale Abitur kann man in neun Schulen erlangen: in fünf Gymnasien, dem Bayernkolleg Schweinfurt, der Fachoberschule, der Berufsoberschule und der englischsprachigen International School Mainfranken. Das Celtis-Gymnasium wurde 1632 auf Weisung des Schwedischen Königs Gustav II. Adolf als Gymnasium Gustavianum gegründet. Das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium war in den 1970er Jahren mit über 2.000 Schülern größtes Gymnasiums Bayerns. Die englischsprachige International School Mainfranken ist als IB World School von der International Baccalaureate Organization (IBO) zertifiziert und bietet Schülern nach der 10. Jahrgangsstufe den internationalen mittleren Schulabschluss IGCSE und nach der 12. Klasse das International Baccalaureate Diploma (IB-Diploma), vergleichbar mit einem internationalen Abitur, das in über 110 Ländern anerkannt wird.[195] Eine Besonderheit stellt das private Lyzeum der Republik Griechenland dar. Der Schulträger ist das Bildungsministerium Griechenlands und der Schulaufwandsträger die Republik Griechenland.

    Die fünf Förderschulen bieten unterschiedlichste Fachrichtungen an. Es gibt unzählige Berufsschulen und eine Fachakademie für Sozialpädagogik. Die Musikschule wurde im Jahr 1872 gegründet und zählt mittlerweile zu den größten Bayerns.[196][197]

    Gymnasien

    Internationale Schule

    Schulen des Zweiten Bildungsweges

    • Bayernkolleg
    • Friedrich-Fischer-Schule (FOS/BOS)

    Realschulen

    • Walther-Rathenau-Realschule
    • Wilhelm-Sattler-Realschule
    • Private Realschule Pelzl
    • Private Wirtschaftsschule Pelzl

    Behörden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Schweinfurt ist ein wichtiger Behördenstandort. Die Zuständigkeitsbereiche mehrerer Behörden erstrecken sich weit über die Region hinaus. In den 1990er Jahren wurden zwei bayerische Landesbehörden aus München nach Schweinfurt teilverlegt.

    Hauptzollamt Schweinfurt

    Gerichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Justizpalast: Land- und Amtsgericht

    Schweinfurt gehört zum Gerichtsbezirk des Oberlandesgerichts Bamberg. Schweinfurt ist Sitz mehrerer Gerichte unterschiedlicher Instanzen:

    Justizvollzugsanstalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    In Schweinfurt befindet eine Justizvollzugsanstalt (JVA) mit 84 Haftplätzen. Hier werden Untersuchungshaft- und Freiheitsstrafen im Erst- und Regelvollzug bis zu sechs Monate für den Landgerichtsbezirk Schweinfurt sowie Freiheitsstrafen im gleichen Umfang für den Amtsgerichtsbezirk Gemünden vollzogen.[198] Auf dem Gelände der JVA in der Altstadt, an der westlichen Stadtmauer, wurde erstmals 1884 ein Gefängnis errichtet, das im letzten Krieg zerstört wurde. Ab 1945 diente der Hochbunker A4 (Goethebunker) im Musikerviertel als Notgefängnis, bis 1957 das heutige Gebäude an einstiger Stelle fertiggestellt war.[199][198]

    Feuerwehren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    In der Stadt sind mehrere Feuerwehren ansässig. Die Ständige Wache Schweinfurt, die Freiwillige Feuerwehr Schweinfurt und die Werkfeuerwehren von Schaeffler, SKF und ZF Friedrichshafen. Zudem gab es bis zum Abzug der US-Streitkräfte im Jahre 2014 (siehe: U.S. Army Garrison Schweinfurt) eine amerikanische Feuerwehr.

    Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Maxbrücke von 1902–1945

    Mainbrücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Schweinfurt hat insgesamt 62 Brücken,[200] davon sieben Mainbrücken, die den Main oder nur einzelne Mainarme oder nur den Altmain queren. Darunter befindet sich eine Eisenbahnbrücke, alle anderen sind Straßenbrücken. Die nachfolgend von Ost nach West (mainabwärts) aufgeführten Brücken queren vollständig den Main. Die Maxbrücke ist eine dreispurige Straßenbrücke, Baujahr 1958.[201] An ihrer Stelle befand sich bereits um 1400 die erste Brücke der Stadt über den Hauptarm des Mains. Die Gerolzhöfer Brücke ist eine eingleisige Eisenbahnbrücke der Bahnstrecke Schweinfurt-Hbf–Kitzingen-Etwashausen, die derzeit, außer Güterverkehr im Raum Schweinfurt, nicht im Betrieb ist. Die erste Eisenbahnbrücke an dieser Stelle wurde 1903 errichtet. Über die Hahnenhügelbrücke, die 1964–1967 erbaut wurde,[202] führt die Bundesstraße 286. Mit über 41.800 (2011)[202] Kraftfahrzeugen am Tag bildet sie die südmainische Hauptzufahrt in die Innenstadt. Sie besitzt vier Fahrspuren und soll in einigen Jahren durch einen fünf- oder sechsspurigen Brückenneubau ersetzt werden. Die Mainbrücke Oberndorf ist eine sechsspurige Straßenbrücke (vier Fahrspuren und zwei Standspuren), Baujahr 1970/1994, der Bundesautobahn 70. Die Brücke überqueren ebenfalls über 40.000 Kraftfahrzeuge (2017) am Tag.

    Bundeswasserstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Mainhafen mit Hochtanklager

    Schweinfurt liegt am Rhein-Main-Donau-Kanal, der auch Europakanal genannt wird, einer Bundeswasserstraße und Großschifffahrtsstraße, die die Nordsee bei Rotterdam mit dem Schwarzen Meer bei Constanța verbindet. Die Häfen Schweinfurts umfassen einen Binnenhafen, eine Lände, Anlegestellen für Personenschifffahrt und Kreuzfahrtschiffe sowie Bootshäfen. Die Schweinfurter Häfen haben mit 350.132 Tonnen (2014)[203] den zweithöchsten Umschlag der Häfen des mittleren und oberen Mains. Zudem ist im Maintal ein Areal für einen möglichen Containerhafen mit Gleis- und Autobahnanschluss reserviert. Im Stadtgebiet befindet sich außerdem eine Staustufe, mit einer Schleuse (Länge 300 m, Breite 12 m) für Einzelfahrer und Schubverbände bis 185 m Länge und einer Bootsschleuse für Sportboote. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt ist eines von 39 bundesdeutschen Wasser- und Schifffahrtsämtern (WSA) und ist für die Bundeswasserstraße Main im größten Bereich Unterfrankens auf einer Länge von 202,49 km zuständig.

    Schweinfurt war von 1911 bis 1912 Endpunkt der in Mainz beginnenden Kettenschifffahrt auf dem Main (ab 1912 Bamberg). 1936 wurde sie wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt.

    Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    In Folge der deutschen Teilung geriet die Stadt im Bahn-Fernverkehr ins Abseits. Durch die Wiedervereinigung und eine neue Bahn-Initiative erfährt sie nun das Gegenteil (siehe auch: #Lage).

    Anbindung an den Fernverkehr

    Die ICE-Stationen Würzburg Hbf und Bamberg sind mit dem RE von Schweinfurt Hbf in jeweils ca. 25 Minuten erreichbar

    • RE/ICE Schweinfurt Hbf–Bamberg (Umstieg in den ICE)–Berlin; ab 10. Dezember 2017: Fahrtzeit Schweinfurt–Berlin 3 h 25 min[20]
    • RE Bamberg–Schweinfurt–(Würzburg)–Frankfurt am Main (Main-Spessart-Express); Paris-Est ist von Schweinfurt mit einmaligem Umstieg in Frankfurt erreichbar

    IC-Anschluss bis spätestens Dezember 2027

    • IC Bamberg–Schweinfurt Hbf–Stuttgart: bis spätestens Dezember 2027 erhält Schweinfurt einen direkten IC-Anschluss im Rahmen der DB-Fernverkehrsoffensive.[21][204] Dadurch gelangt Schweinfurt (seit 1939 wieder) an die schnellste Verbindung Stuttgart–Berlin, über den ICE-Anschluss in Bamberg an die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke Bamberg–Erfurt.

    Regionalexpress- und Nahverkehrsstrecken

    Haltepunkt Schweinfurt-Mitte, zwischen Hauptbahnhof und Stadtbahnhof

    Bahnhöfe

    Personenschifffahrt

    • Schweinfurter Personenschifffahrt

    Fernbusse

    • ZOB Bahnhofsplatz, Verbindungen in viele Städte Zentraleuropas

    Regionalbusse

    Stadtbusse

    • ZOB Roßmarkt, 20 Omnibuslinien der Stadtwerke Schweinfurt[206]

    Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Schweinfurt besitzt hervorragende Straßenverkehrsanbindungen, mit Autobahnrouten in alle Himmelsrichtungen, z. T. mit Varianten fürs selbe Ziel (siehe: #Lage). Die Stadt wurde zu einem neueren, staufreien Autobahnknoten, mit nur mäßiger Verkehrsbelastung, der die Stadt entlastet, die nur noch 5 % Durchgangsverkehr besitzt.[207] A 70 (Südtangente) und A 71 (Westtangente) bilden eine Umfahrung um Schweinfurt, u. a. durch das Schweinfurter Industriegebiet, mit sieben Anschlussstellen in Stadt und Vororte, in dichter, lückenloser Abfolge. Während die landschaftlich wertvollen Bereiche im Norden und Osten (Schweinfurter Rhön) von Landschaftszerschneidungen verschont blieben. Durch all dies werden die Autobahnen von der örtlichen Bevölkerung als Hilfe und nicht als Belastung empfunden, im großen Gegensatz zu Würzburg.

    Bis zum Zweiten Weltkrieg gingen die Planungen der Reichsautobahnen vollständig am Raum Schweinfurt vorbei. In Folge der deutschen Teilung und der damit verbundenen Umplanungen (siehe: Strecke 46 und Strecke 85) und der Wiedervereinigung wurde die Stadt sukzessive zu einem Autobahnknoten in der deutschen Mitte.

    Schweinfurt liegt an zwei Europastraßen (Transeuropäische Netze TEN):

    • E45 TEN Alta (Nordkap)–Gela (Sizilien). Die europäische Nord-Süd-Achse, mit fast 5000 km Länge, verläuft auf der A 7 über das Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck.
    • E48 TEN Schweinfurt–Prag. Die E 48 beginnt am Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck und war als durchgehende Autobahn von hier bis zur tschechischen Grenze bei Schirnding geplant, wo sie an die Schnellstraße R 6 über Karlsbad nach Prag anschließen sollte. Im Endausbau wurde die E 48 als durchgehende, vierspurige Schnellstraße von Schweinfurt nach Prag angestrebt. Da die Planung der Fichtelgebirgsautobahn im Januar 2009 aufgegeben wurde, verläuft die E 48 nur von Schweinfurt bis Bad Berneck über Autobahnen und läuft dann zunächst als Bundesstraße weiter.
    • A3 An die erste Autobahn durch Unterfranken erhielt Schweinfurt Anfang der 1960er Jahre seinen ersten Autobahnanschluss Schweinfurt-Süd/Wiesentheid über einen 34 km langen Autobahnzubringer. Diese Anschlussstelle wurde später für die Stadt durch drei neue, nähere Autobahnen völlig bedeutungslos und wurde deshalb in Wiesentheid umbenannt. Der sechsstreifige Ausbau der A 3 in diesem Abschnitt (Autobahnkreuz BiebelriedAutobahnkreuz Fürth/Erlangen) ist im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 (BVWP).[208]
    • A7 Sie verläuft von der dänischen zur österreichischen Grenze. Anschlussstellen Wasserlosen (vormals Schweinfurt/Niederwerrn) und Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck (A 7/A 70). Zwischen den Kreuzen Schweinfurt/Werneck und Biebelried ist der sechsstreifige Ausbau im BVWP 2030 im weiteren Bedarf mit Planungsrecht. Neue sechsstreife Brücken werden derzeit (2018) bereits errichtet und der restliche Ausbau kann bei entsprechenden Haushaltsmitteln deutlich vor 2030 beginnen.[208]
    • A70 Sie beginnt am Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck und läuft über Bamberg bis zum Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach (A 70/A 9).
    • A71 Sie endet an der Schweinfurter Stadtgrenze am Autobahndreieck Werntal (A 70/A 71) und läuft über das Autobahnkreuz Erfurt (A 71/A 4) zum Autobahndreieck Südharz (A 71/A 38) (Bild siehe: #Lage). In der Planung ist eine Verlängerung bis nach Magdeburg vorgesehen (die jedoch nicht in den BVWP 2030 aufgenommen wurde) als Teil einer im Endausbau durchgehenden Autobahnverbindung von Schweinfurt bis nach Wismar an der Ostsee und damit einer weiteren Nord-Süd-Achse zwischen A 7 und A 9.

    Die Bundesstraßen spielen für Schweinfurt im Fern- und Regionalverkehr, der hier größtenteils über Autobahnen verläuft, nur noch eine geringe Rolle, dienen meist nur als Autobahnzubringer oder dem lokalen Verkehr und wurden deshalb zum Teil im Schweinfurter Raum zu Staatsstraßen zurückgestuft. Schweinfurt liegt an, bzw. bei folgenden Bundesstraßen:

    • B19 EisenachKleines Walsertal. Sie verläuft 2 km vor der Stadtgrenze als Westtangente und wurde zwischen der A 70 und Meiningen herabgestuft.
    • B26 Riedstadt (Rhein)–Bamberg, wurde im Raum Schweinfurt zur Staatsstraße herabgestuft
    • B26a Autobahnkreuz Schweinfurt/WerneckArnstein. Bundesstraße auf neuer Trasse, ohne Ortsdurchfahrten, aber nicht kreuzungsfrei.
    • B26n im BVWP 2030.[209] Geplante Schnellstraße vom Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck zur A 3 (Anschlussstelle Helmstadt), als Umgehung des Autobahnkreuzes Biebelried. Direkte Verbindung von Schweinfurt nach Frankfurt am Main via A 3 und Stuttgart via A 81. Kreuzungsfrei, dreistreifig, mit abwechselnder Überholspur geplant.[210] Der erste Bauabschnitt ist im vordringlichen Bedarf des BVWP 2030 und befindet sich derzeit (2018) bereits in fachplanerischer Umsetzung.[208] Er verläuft zunächst auf der Trasse der B 26a bis Arnstein und dann weiter auf neuer Trasse bis Karlstadt am Main, mit fünf Anschlussstellen, zuletzt Karlstadt-Ost.[211]
    • B286 EnzlarBad Brückenau. Im Abschnitt zwischen A 3, Anschlussstelle Wiesentheid und Schweinfurt-Hafenkreuz kreuzungsfreie Schnellstraße. In diesem Abschnitt von Gerolzhofen bis zur Anschlussstelle Schwebheim dreistreifig, mit abwechselnder Überholspur und ab da bis Hafenkreuz vierstreifig.
    • B303 A 7, Anschlussstelle WasserlosenSchirnding (Tschechische Grenze bei Eger). Zwischen der A 70 bei Schweinfurt und dem Coburger Land auf neuer Trasse, ohne Ortsdurchfahrten, aber nicht kreuzungsfrei.

    Radwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    LogoMain-Radweg Logo Main-Werra-Radweg
    Logo
    Main-Radweg
    Logo Main-Werra-Radweg

    Die Stadt besitzt, besonders im westlichen Bereich, ein dichtes Radwegenetz und liegt an drei Radfernwegen:

    Der 600 Kilometer lange Main-Radweg wurde 2008 als erster deutscher Radfernweg vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) mit fünf Sternen ausgezeichnet.[212]

    Luftverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Flugplatz Haßfurt-Schweinfurt

    Schweinfurt liegt zwischen dem Frankfurter Flughafen (118 km westlich) und dem Nürnberger Flughafen (85 km südöstlich). Wegen dieser Nähe gibt es dazwischen keinen Regionalflughafen, obwohl um 1970 unweit westlich des heutigen Autobahnkreuzes Schweinfurt/Werneck ein Regionalflughafen angedacht war.

    Um Schweinfurt liegen drei Flugplätze:

    Energieversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Stadtwerke Schweinfurt betreiben in der Stadt und einigen Randgemeinden ein Stromnetz, Methangasnetz, Fernwärmenetz und ein Kabelnetz. Der Strom wird an der Börse in Leipzig gekauft und die Stadtwerke sind Miteigentümer des Wasserkraftwerkes an der Schweinfurter Main-Staustufe. Das Gas wird vollständig zugekauft. Die Fernwärme wird von der Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt GmbH bezogen, die am Schweinfurter Hafen das Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt (GKS) betreibt. Neben den Stadtwerken werden damit die größeren Industriebetriebe mit Heißdampf versorgt.

    Kernkraftwerk Grafenrheinfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG) bei Nacht, 2015 stillgelegt

    Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG), das sich 3,4 km südwestlich von der Stadtgrenze befindet, ist am 27. Juni 2015 stillgelegt worden. Die Bauarbeiten, an denen 14.000 Menschen beteiligt waren, begannen 1974 durch die Bayernwerk AG. Es wurden zwei 143 m hohe Kühltürme errichtet, die auf über 50 km Entfernung bis nach Mittelfranken zu sehen sind.[213] Am 9. Dezember 1981 ging das Kraftwerk mit einem Druckwasserreaktor und einer elektrischen Bruttoleistung von 1345 Megawatt in Betrieb, arbeitete nahezu störungsfrei und wurde überregional wenig wahrgenommen. Es gab einen Vorfall der INES-Stufe 1 der siebenstelligen Bewertungsskala, alle anderen Vorfälle lagen unterhalb dieser niedrigsten Stufe.[214] Bereits im ersten vollständigen Betriebsjahr 1983 produzierte das KKG mit 9,96 Milliarden Kilowattstunden Bruttostrom mehr als jede andere Anlage weltweit.[215] Der E.ON-Plan sieht vor, dass der Rückbau 2018 beginnt. Zunächst soll das radioaktive Material aus dem Kontrollbereich ausgebaut werden. Die beiden Kühltürme sollen bereits 2019 abgebrochen werden.[216] Bis 2028 soll der Rückbau abgeschlossen sein, so dass nur noch die restlichen Gebäude stehen und das Werk formal aus der atomrechtlichen Überwachung fällt. Der Abriss dieser Gebäude soll danach beginnen und laut Plan 2030/31 beendet sein. Die hochradioaktiven Abfälle sollen ins benachbarte Zwischenlager BELLA kommen, so lange es noch kein zentrales Endlager gibt. Die Betriebsgenehmigung für BELLA gilt bis 2046. Die mittel- und schwachradioaktiven Stoffe soll der Schacht Konrad bei Salzgitter aufnehmen. Da er noch nicht zur Verfügung steht wird am KKG eine Bereitstellungshalle BeHa errichtet. Rückbau und Abbruch werden voraussichtlich 1,2  Milliarden Euro kosten. E.on hat bislang (2018) noch kein Konzept, was danach mit dem Werksgelände geschehen soll.[217][218]

    Einer der wichtigsten deutschen Leitungsknoten der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung befindet sich am Kernkraftwerk. Er bleibt bestehen und wird seit Anfang 2015 weiter ausgebaut, als ein Ende der geplanten Stromtrasse Suedlink, als erstes Großprojekt in Erdverkabelung.[219][220]

    Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Bundespräsident Karl Carstens empfängt 1982 Fahrradsportler aus Schweinfurt

    Schweinfurt galt als Stadt des Sports. Diese Bezeichnung wird auch heute noch manchmal verwendet, obwohl der Sport hier seit Jahrzehnten keine überregionale Rolle mehr spielt. Die dreimaligen Abstiege des 1. FC Schweinfurt 05 aus der 2. Fußball-Bundesliga zwischen 1976 und 2002 führten auch zu einer Abnahme des Bekanntheitsgrades der Stadt. Durch eine ambitionierte Führung des FC 05, mit wiederholtem Einzug in die Hauptrunde des DFB Pokals, wird der Verein neuerdings wieder überregional wahrgenommen.

    Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Sportvereine der Stadt wurden, wie vielerorts, durch die Demografie und den Golfboom dezimiert und mussten teilweise neu organisiert werden. Mehrere Tennisanlagen wurden rückgebaut oder verwahrlosten.

    Willy-Sachs-Stadion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Willy-Sachs-Stadion vor einem Popkonzert 2013

    Das Willy-Sachs-Stadion wurde 1936, einen Monat vor den Olympischen Sommerspielen in Berlin, als Volkspark eröffnet. Es wurde 2001 umfassend saniert, um die damaligen Auflagen für die 2. Fußball-Bundesliga zu erfüllen.[221] Am Namen des Stadions, das unter Denkmalschutz steht, wird immer wieder bundesweit wegen der Verbindungen des Stadionstifters Willy Sachs zum Nationalsozialismus Kritik geübt. Bei der Einweihung waren die mit Willy Sachs befreundeten Heinrich Himmler und Hermann Göring anwesend. Der Sportpark mit seinem alten Baumbestand wurde nach dem Krieg erweitert und hat zusammen mit den Sportanlagen benachbarter Vereine und den ehemals amerikanischen Sportanlagen (siehe: US-amerikanische Garnison Schweinfurt) eine Fläche von etwa einem halben Quadratkilometer. Das eigentliche Fußball- und Leichtathletikstadion nimmt nur einen kleineren Teil des Sportparks ein. Es ist der sogenannte Hauptplatz, mit einem Fassungsvermögen von einst 22.500 und heute 15.060 Zuschauern.[221]

    „Die Stadien unserer Zeit zeichnen sich durch Kurzlebigkeit aus. Nur noch das Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt und das Volkspark-Stadion in Bamberg vermitteln bis heute ein Gefühl von der Bedeutung des Sports in den 20er und 30er Jahren, in denen er in einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel eingebettet war […] Das Willy-Sachs-Stadion entspricht von der Konzeption her der Idee der Freiluftsportanlage, wie sie in den 20er-Jahren häufig in Deutschland realisiert wurde. Die Anlage war als Volkspark und Aufenthaltsort für Familien gedacht.“[222]

    Anfang der 1960er Jahre, als das Willy-Sachs-Stadion noch zu den größten Sportparks in Westdeutschland gehörte, war geplant, das Bundesleistungszentrum für Leichtathletik dort zu errichten. Es wurden bereits Baupläne für eine große Sporthalle nördlich der Hauptkampfbahn veröffentlicht. Das Leistungszentrum wurde dann jedoch in Hannover verwirklicht.

    Fußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der 1. FC Schweinfurt 05 stellte mit Andreas Kupfer im Spiel gegen die Schweiz am 22. November 1950 den ersten Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland. In der Rangliste der Vereine mit den meisten Abstellungen zu A-Länderspielen belegt der FC 05 bis heute (2017) den 17. Platz. Am 12. Mai 1937, vier Tage vor der Geburtsstunde der Breslau-Elf, stellte der FC 05 in einem Testspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Manchester City im Willy-Sachs-Stadion die gesamte Läuferreihe mit Andreas Kupfer, Albin Kitzinger (beide FC 05) und Robert Bernard (VfR 07 Schweinfurt). Die größten Erfolge des Vereins waren das Erreichen der Endrunden für die deutsche Meisterschaft 1939 und 1942 sowie 1936 das Erreichen des Halbfinales im Tschammerpokal, wie der DFB-Pokal damals hieß. In den 1930er und Anfang der 1940er Jahre war der FC 05 nach dem 1. FC Nürnberg die Nummer 2 im bayerischen Fußball. Seit 1931 spielte der FC 05 ohne Unterbrechung in der höchsten nationalen Spielklasse, bis zur Einführung der 1. Bundesliga im Jahre 1963, als der Verein zweitklassig wurde. Zweimal misslang danach der Versuch in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Ein Jahr nachdem der FC Bayern München Meister der Regionalliga Süd wurde und aufstieg, wurde 1966 der FC 05 Meister dieser Liga und scheiterte in der Aufstiegsrunde. Der Verein wurde 1974 Gründungsmitglied der 2. Fußball-Bundesliga, und gleich in der ersten Saison verpasste der FC 05 mit Lothar Emmerich durch ein Unentschieden zu Hause am letzten Spieltag die beiden Relegationsspiele zur 1. Bundesliga. In der Saison 2001/02 gehörte der Verein zum dritten und bisher letzten Mal der 2. Liga an. Seitdem spielt er in diversen Amateurligen, derzeit (2017/18) in der Fußball-Regionalliga Bayern (4. Liga).

    Andreas Kupfer und Albin Kitzinger,
    beide vom FC 05; die einzigen Deutschen in der ersten Weltelf (1938)

    Der italienische Doppelweltmeistertrainer Vittorio Pozzo stellte erstmals eine Europäische Fußballauswahl zusammen, die am 26. Oktober 1938 im Arsenal Stadium (Highbury) in London gegen England spielte. In dieser ersten Weltelf der Fußballgeschichte waren zwei Deutsche vertreten, Andreas Kupfer und Albin Kitzinger, beide vom FC 05.[223]

    Der Lokalrivale VfR 07 Schweinfurt (VfR 07) spielte von 1939 bis 1941 ebenfalls in der höchsten Spielklasse, der Gauliga Bayern, im Stadion am Hutrasen. Der größte Erfolg des Vereins war 1940 das Erreichen der zweiten Hauptrunde im Tschammerpokal, in der der VfR 07 gegen Rapid Wien ausschied.

    Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war Schweinfurt Gastgeber der Tunesischen Nationalmannschaft. Sie wurde Dritter der Gruppe H und erreichte das Achtelfinale nicht.

    Eis- und Rollhockey[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der Eislauf- und Rollschuhverein ERV Schweinfurt hat die derzeit mit Abstand führende Rollhockey-Abteilung Bayerns. Der ERV ist 14facher Meister der 2. Rollhockey-Bundesliga-Süd, spielte auch in der 1. Rollhockey-Bundesliga und stellte einige Zeit die meisten Rollhockey-Nationalspieler. Die Mannschaft hat sich für die neu gegründete eingleisige 2. Bundesliga ab April 2017 qualifiziert, dominierte die Liga und wurde mit großem Punktabstand Meister. Zudem gewann sie 2017 zum vierten Mal in Folge die bayerische Meisterschaft, wo sie als einziger Verein mit der ersten und zweiten Mannschaft teilnahm.

    Die größten Erfolge der Eishockey-Mannschaft (seit 2003 Mighty Dogs) des ERV Schweinfurt waren zwei Spielzeiten in der 2. Liga Süd von 1994 bis 1996, die Meisterschaft in der Oberliga Süd/Ost 2003 und die dreimalige Bayerische Eishockey-Meisterschaft 1990, 2009 und 2012. Die Spielstätte der Eishockey-Abteilung ist der überdachte Icedome neben dem Willy-Sachs-Stadion, mit einer Kapazität von 3.000 Zuschauern.

    Leichtathletik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Willy-Sachs-Stadion

    Zu den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom fanden für die gesamtdeutsche Olympiamannschaft zum ersten Mal Ausscheidungswettkämpfe statt. Die Leichtathletik-Vorentscheidungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR wurden im Willy-Sachs-Stadion ermittelt. Zu diesen Olympischen Spielen wurde auch die gesamtdeutsche Olympiaflagge eingeführt (Schwarz-Rot-Gold mit weißen Olympischen Ringen im roten Streifen).

    Faustball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die zweite Faustball-Weltmeisterschaft der Männer fand 1972 im Willy-Sachs-Stadion statt, in der die Bundesrepublik Deutschland Weltmeister wurde, vor Brasilien und Österreich. Im selben Stadion gewann 2012 die Schweiz die Faustball-Europameisterschaft der Männer, vor Österreich und Deutschland.

    Regattastrecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der Schweinfurter Ruder-Club Franken unterhält eine 1000 Meter lange Regattastrecke auf dem Main, entlang den Wehranlagen. Sie ist neben der Olympiaanlage in Oberschleißheim eine der beiden bayerischen Regattastrecken. In den geraden Jahren finden die Bayerischen Meisterschaften im Rudern auf der Olympiaanlage statt und in den ungeraden Jahren in Schweinfurt, wo auch schon die deutschen Sprintmeisterschaften, der deutsche Rudertag und das deutsche Ruderwandertreffen ausgetragen wurden.[224]

    Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Wehranlagen (Stadtpark)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Wehranlagen sind im innenstadtnahen Bereich ein Stadtpark, der nach außen in einen Waldpark und Auwald überläuft, mit urwaldähnlichen Bereichen am Main. Dieser größere, äußere Bereich ist Landschaftsschutzgebiet.[225] Die Parkanlagen ziehen sich entlang der Südseite des Schweinfurter Mainbogens insgesamt 2,5 km nach Osten hin. Sie liegen auf einem leicht erhöhtem Gebiet (siehe: Sennfelder Seenkranz#Einstige nördliche Flussinsel). Auf dem Areal lagen einst der Exerzierplatz des reichsstädtischen Militärs und am Main die Farbenfabrik Gademann.[226] Von 1869 bis 1890 wurde der Park angelegt, auf dem Gademann’schen Hügel (alte Bezeichnung Auf dem Börklein) vorwiegend mit Pflanzen aus China, Japan und Korea. Im Park befand sich zudem von 1880 bis 1944 ein Privatzoo, unter anderen mit einem Raubtierhaus.[227] 1891, im Zeitalter der Hochräder, entstand an den Wehranlagen, zum Teil auf Sennfelder Gemarkung, eine 333 Meter lange Radrennbahn.[228]

    Weitere Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Nach den Partnerstädten benannte Parks:

    Weitere Parks:

    • Alter Friedhof, an der südlichen Stadtmauer am Main
    • Fichtelsgarten, Wallanlagen nördlich der Altstadt, an der Fichtelsvilla
    • Grünanlage am Philosophengang, an der östlichen Stadtmauer am Marienbach

    Tierpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Nachdem der private Tiergarten im Schweinfurter Stadtpark Wehranlagen den Bombenangriffen 1944 zum Opfer fiel[229] wurde an anderer Stelle, im Stadtwald, im Randgebiet der Schweinfurter Rhön ab 1962 ein 18 Hektar großer städtischer Tierpark aufgebaut. Der Wildpark an den Eichen, mit freien Eintritt. 50 europäische Tierarten mit insgesamt 500 Tieren sind hier beheimatet, zudem ein Streichelzoo, Wasser- und Abenteuerspielplätze, Liegewiese, Minigolfplatz und ein Biergarten.

    Promenaden und Strände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Stadtstrand Schweinfurt, in der Mainbastion der Stadtmauer
    • Gutermann-Promenade am Main, mit Grünanlagen, Skulpturen und Industriedenkmälern.[230] (siehe auch Denkmäler und Brunnen)
    • Georg-Krug-Promenade am Main
    • Baggersee: Badesee am Schwebheimer Wald, mit 1 km langem Badestrand (teilweise Sandstrand), mit einer Gesamtfläche von 60 Hektar, dem 26 Hektar großen Badesee, Hochseilgarten, Beachvolleyball, Bootsvermietung, Kinderspielplätzen und Beachcafe.[231]

    Golfplätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Im Raum Schweinfurt gibt es eine hohe Dichte an Golfplätzen.[232]

    Die nächstgelegen Anlagen befinden sich nordöstlich der Stadt, in sommerkühleren Höhenlagen, an Waldrändern in der Schweinfurter Rhön:

    • Golf Club Schweinfurt in Löffelsterz (380–400 m ü NN): Golfplatz (18 Loch), öffentlicher Golfplatz (6 Loch), öffentliche Driving Range
    • Golfakademie am Funkturm in Hoppachshof (420 m ü NN): öffentlicher Golfplatz (3 Loch), öffentliche Driving Range

    Weitere Freizeiteinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Badesee am Schwebheimer Wald, im Süden der Stadt
    • Natureisbahn, Ludwigsbrücke
    • Rodelbahn, im Stadtwald An den Eichen
    • Kletterwald, am Badesee am Schwebheimer Wald
    • D. A. V. Kletterhalle, Sportpark Hundertäcker

    Wanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Kreuzberg, Rhön (928 m)
    45 km nördlich von Schweinfurt

    Die Schweinfurter Rhön zieht sich bis ins nordöstliche Stadtgebiet, wo ein dichtes Wanderwegenetz durch weithin unbesiedeltes Gebiet beginnt. Wege führen zu Bayerns größtem Nationalen Naturerbe am Brönnhof, zum Ellertshäuser See und bis in die Nachbarlandkreise Bad Kissingen und Haßberge.

    In der Stadt beginnen drei Fernwanderwege Richtung Norden und Nordosten, durch dünn besiedelte Naturräume und Naturparks:

    Ferienstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Schweinfurt liegt am nordöstlichen Ende des größeren, unterfränkischen Teils der Bocksbeutelstraße. Sie führt von der Stadt nach Süden, entlang des Mains, vorbei an den beiden größten Weinorten des Landkreis Schweinfurts Stammheim und Wipfeld, zum nahen Zentrum des Fränkischen Weinlands, der Volkacher Mainschleife.[233] (Siehe auch: Weinort Schweinfurt).

    Wissenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Frühester gedruckter Puppenspieltext von 1582[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der Figurenspieler Balthasar Klein aus Joachimsthal besuchte 1582 die Stadt und ließ hier den Text Ein lustiges auch kurtzes und nicht minder nutzes Spiel von der Bußpredigt Jone des Propheten zu Niniue drucken. Diese Schrift ist der älteste gedruckte Puppenspieltext und für die Theaterforschung von großer Bedeutung. Das einzige erhaltene Exemplar wurde in der Bibliothek der Universität Krakau wieder aufgefunden.[234]

    Theodor Fischer: ein Vater des Bauhauses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Wirsing Villa, Alte Bahnhofstraße Schweinfurt, Theodor Fischer 1909

    Der am 28. Mai 1862 in Schweinfurt geborene Theodor Fischer, der das humanistische Gymnasium in Schweinfurt (heute Celtis-Gymnasium) besuchte, wurde „als einflussreichster und bedeutendster Architekt vor dem Ersten Weltkrieg“ bezeichnet.[235] Fischer stellte um 1900 den General-Bebauungsplan für München auf, der bis zum Zweiten Weltkrieg verbindlich galt. Er zählt zu den wichtigsten Architekten in der Übergangsphase zwischen Historismus und Moderne. Einerseits kritisierte ihn sein Nachfolger auf dem Lehrstuhl der Technischen Hochschule Stuttgart, Paul Bonatz heftigst, als „fränkisch verknödelt“. Andererseits wandte sich Fischer von seiner Mitarbeit (1886 bis 1889) am Berliner Reichstagsgebäude unter Paul Wallot ab, distanzierte sich vom Historismus und galt schließlich als ein Vater der modernen Architektur und des Bauhauses. Seine Gedanken im Manifest für die deutsche Baukunst wurden Grundlage für das Bauhaus-Manifest. 1932 sowie in einer Rede im Oktober 1933 vor der versammelten NS-Prominenz appellierte er vergeblich für den Erhalt des Bauhauses.

    Erstes Bodybuilding-Studio Deutschlands[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der US-Amerikaner Harry Gelbfarb wurde 1951 zur Armee eingezogen und später in Schweinfurt stationiert, wo er seine spätere Frau Elly Böttcher, eine Sportlehrerin und Leichtathletin kennen lernte. Nach seiner Armeezeit traf er in Kalifornien bekannte Bodybuilder und eröffnete danach 1956 in Schweinfurt das erste Bodybuilding-Studio Deutschlands. 1959 gründete er mit Mitgliedern seines Studios den ersten deutschen Bodybuilding-Verband (DKB). 1981 organisierte Gelbfarb in seinem Schweinfurter Studio die ersten deutschen Meisterschaften im Kraftdreikampf der Frauen. Für die ersten Frauenmeisterschaften im Bodybuilding formulierte Gelbfarb die Richtlinien mit. Gelbfarb hat „das moderne Zeitalter dieser Sportart in Deutschland eingeleitet“.[236]Sie waren zu siebt, als Harry Gelbfarb im Jahr 1959 den ersten deutschen Bodybuilding-Verband gründete. Ein halbes Jahrhundert später sind es sieben Millionen Menschen, die in Fitnessstudios ihre Kraft mit Gewichten und Maschinen trainieren“.[237]

    Ludwig Mies van der Rohe und Schweinfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Neue Nationalgalerie Berlin, Rückgriff auf einen Entwurf des Museums Georg Schäfer

    40 Jahre vor der Eröffnung des Museum Georg Schäfer (MGS) beauftragte der Schweinfurter Industrielle Dr. Georg Schäfer Ludwig Mies van der Rohe für die Planung eines Museums für seine damals bereits bedeutende Privatsammlung. Der Entwurf von 1960/61 sah einen gläsernen, stützenlosen, eingeschossigen Hallenraum mit einer Stahlkonstruktion vor und sollte im Fichtelsgarten, einem Abschnitt der nördlichen Schweinfurter Wallanlagen, errichtet werden. Der damalige von der SPD dominierte Stadtrat lehnte das Geschenk des Industriellen für seine Heimatstadt wegen der zu übernehmenden Unterhaltskosten ab. Daraufhin verwirklichte Mies van der Rohe die Idee in größeren Abmessungen als Neue Nationalgalerie in Westberlin an der Potsdamer Straße in den Jahren 1965 bis 1968. Es ist das einzige Bauwerk, das Mies van der Rohe in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg umsetzte und gilt als Meisterwerk am Ende seiner langen Laufbahn. Die Bauleitung hatte sein Enkel Dirk Lohan, der mit Heidemarie Schäfer, der Tochter von Georg Schäfer, verheiratet war.[238] Wegen seiner Beziehungen zu Schweinfurt fand neben seiner Geburtsstadt Aachen im MGS von Ende Februar bis Ende Mai 2017 die einzige Ausstellung in Deutschland mit Collagen Van der Rohes als Leihgabe des Museum of Modern Art (MoMA) aus New York statt.[239]

    Gunter Sachs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Schloss Mainberg bei Schweinfurt, Geburtsort von Gunter Sachs

    Gunter Sachs wurde auf Schloss Mainberg bei Schweinfurt am 14. November 1932 geboren. Er war in den 1960er und 1970er Jahren als Prototyp des Gentleman-Playboys bekannt. Nach seiner Liaison mit der persischen Ex-Kaiserin Soraya 1962 war er von 1966 bis 1969 mit der französischen Filmschauspielerin Brigitte Bardot verheiratet. Der Fotograf und Kunstsammler führte das Nachkriegsdeutschland aus seiner Provinzialität, machte die Pop Art salonfähig und entdeckte Andy Warhol.[240] Er gehörte bis Mitte der 1980er Jahre dem Aufsichtsrat der Sachs-Gruppe in Schweinfurt an. Um den Jahreswechsel 2013/14 war in der Kunsthalle Schweinfurt die Sammlung Gunter Sachs, u. a. mit Werken von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Salvador Dalí und Max Ernst zu sehen. Die Ausstellung verstand sich „als eine Hommage der Familie Sachs an ihre Wurzeln“.[241]

    Beinamen und Mottos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Schweinfurt wird seit langem Kugellagerstadt genannt. Die beiden größten Wälzlagerkonzerne der Welt haben ihr jeweils größtes Werk in der Stadt (siehe: Einleitung). In neuerer Zeit wird Schweinfurt deshalb auch Welthauptstadt der Kugellager genannt.[7]

    Bis in die Nachkriegsjahrzehnte war der Beiname Stadt des Sports gebräuchlich, der seitdem, zumindest bis heute, nicht mehr gerechtfertigt ist (siehe: Sport).

    In der Serie der ZEIT, Unterschätzte Stadt, war 2014 Schweinfurt vertreten.[242]

    Unter der Ägide der einstigen Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser (siehe: Die Ära Gudrun Grieser) wurde das Stadtmotto Industrie und Kunst kreiert. Seitdem kommt der Beiname Kugellagerstadt in Publikationen der Stadt Schweinfurt nicht mehr vor, weil er die Weiterentwicklung der Stadt nicht beinhaltet.

    Trivia

    Da Kugellagerstadt lediglich das Graue-Maus-Image der Industriestadt der Nachkriegsjahrzehnte widerspiegelt, wird dieser Beiname für Schweinfurt im rivalisierenden Würzburg[243] nach wie vor verwendet. Während lokalpatriotisch gesinnte Schweinfurter dagegenhalten und Würzburg als Eisenbahnerstadt bezeichnen.

    Schweinfurter

    Der mittlerweile bundesweit bekannte Spitzname für den 1. FC Schweinfurt 05 Schnüdel wird in der Stadt nur als Bezeichnung für den Verein verwendet. Im Umland wird er daneben in einer zweiten Bedeutung als Spottname für die Schweinfurter benutzt.

    Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Aus Schweinfurt stammen bekannte Persönlichkeiten wie Judith von Schweinfurt, (Königin von Ungarn (?), beigesetzt im Veitsdom zu Prag), Friedrich Rückert (Dichter und Orientalist), Theodor Fischer (Architekt und ein Vater des Bauhauses), Andreas Kupfer und Albin Kitzinger (einzige Deutsche in der ersten Weltelf der Fußballgeschichte 1938) oder Stefan Marquard (Starkoch). Daneben war die Stadt aber auch Anziehungspunkt und Teil des Lebens bekannter Personen, wie Ernst Sachs (Erfinder und Industrieller), Gunter Sachs (Prototyp des Playboys, Ehemann von Brigitte Bardot und Kunstsammler), Klaus Ernst (Mitbegründer der WASG und Vorsitzender Der Linken) oder Sarah Kreuz (Sängerin). Zudem gab es Persönlichkeiten mit familiären und beruflichen Bezügen zu Schweinfurt, wie den Architekten Ludwig Mies van der Rohe und mit politischen Bezügen, wie den einstigen Bundeswirtschaftsminister und Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Schweinfurt Michael Glos.

    Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Heinrich Christian Beck: Adreßbuch der Stadt Schweinfurt. Mit vorausgeschickter Darstellung der Hauptmomente ihrer Geschichte und einer Übersicht der Sehenswürdigkeiten der Stadt. Schweinfurt 1846 (E-Kopie).
    • Heinrich Christian Beck: Chronik der Stadt Schweinfurt (publiziert 1836–1841).
      • Erster Band.
        • Erste Abtheilung, Schweinfurt 1836 (E-Kopie)
        • Zweite Abtheilung, Schweinfurt 1836 (E-Kopie).
      • Zweiter Band: Die Zeiten vom Ausgange des 30-jährigen Krieges bis zum gegenwärtigen Jahrhundert.
        • Erste Abtheilung, Schweinfurt 1841 (E-Kopie).
        • Zweite Abtheilung, Schweinfurt 1841 (E-Kopie).
    • Hubert Gutermann: Alt Schweinfurt – in Bildern, Sitten und Sagen. Schweinfurter Tagblatt, Schweinfurt 1991, ISBN 978-3-925232-09-1.
    • Thomas Horling, Uwe Müller, Erich Schneider: Schweinfurt: kleine Stadtgeschichte. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2014, ISBN 978-3-7917-2609-0.
    • Ulrike Ratay: Reise durch Schweinfurt und das Schweinfurter Land – Ein Bildband mit über 190 Bildern. Stürtz Verlag, Würzburg 2016, ISBN 978-3-8003-4178-8.
    • Rolf Schamberger, Michael Bucher, Karl-Heinz Weppert: Wie lange müssen wir noch in diesen Ängsten leben? Schweinfurt zwischen Zerstörung und Wiederaufbau: Lebenserinnerungen, Bilddokumente und Berichte. Verlagshaus Weppert, Schweinfurt 1995, ISBN 3-926879-23-8.
    • Friedrich Stein: Geschichte der Stadt Schweinfurt nebst Chronik der Stadt Schweinfurt. Verlag Rückert-Buchhandlung, Schweinfurt 1992, ISBN 3-9802305-2-X.
    • Paul Ultsch: Damals in Schweinfurt – Als die Stadtmauer noch Begrenzung war. Buch- und Idee-Verlags-GmbH, Schweinfurt 1980, ISBN 3-9800480-1-2.

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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     Commons: Schweinfurt – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 13. September 2018 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
    2. Arbeitslosenquote im Juli 2018 nach Angabe der Bundesagentur für Arbeit für die Agenturbezirke: Schweinfurt 2,7 %, Freising 1,8 %, Ingolstadt 1,8 %, München 3,4 %, Rosenheim 2,3 %, Traunstein 2,7 %, Weilheim 2,3 %
    3. a b FOCUS: Arme Stadt, reiche Stadt. Ein Besuch im Job-Paradies Schweinfurt und in der Schuldenhochburg Oberhausen. Asg. Nr. 34, 14. August 2015. Abgerufen am 26. Juli 2017.
    4. Schweinfurt wurde nach Zahl der Beschäftigten in der Großindustrie größter Standort Nordbayerns. In Folge der starken Deindustrialisierung Nürnbergs, mit bereits 2008/10 insgesamt nur noch ca. 17.500 Beschäftigten, wie folgt: Siemens 9.000 (2008), MAN 3.500 (2010), Diehl 3.000 (2010), Bosch 2.000 (2010), Tendenz seitdem weiterhin fallend. Siemens hatte in Erlangen 2008 noch 22.000 Beschäftigte, Tendenz seitdem ebenfalls fallend. FAZ.de: Siemens streicht 5.250 Stellen in Deutschland. Abgerufen am 13. August 2018. Süddeutsche Zeitung.de: Niedergang eines Industriestandortes. Abgerufen am 13. August 2018.
      Mitarbeiter in den fünf Schweinfurter Großfirmen 2017/18 insgesamt ca. 22.000, wie folgt: ZF Friedrichshafen 9.500 (2017), Schaeffler 5.400 (2017, Bayerischer Rundfunk: Mitarbeiterzahl am Standort Schweinfurt um rund 240 gestiegen, 7. März 2018), SKF 4.100 (2018), Bosch Rexroth ca. 2.000, Fresenius Medical Care 1.200 (2018, Angabe Fresenius zum Produktions- und Entwicklungsstandort Schweinfurt); Weitere Belege zu den Zahlen: siehe nachfolgende Quellen
    5. a b ZF Friedrichshafen AG Standort Schweinfurt: mit über 9.500 Mitarbeitern 2017/2018 größter Standort weltweit. Abgerufen am 9. August 2018.
    6. a b Wirtschaft in Mainfranken, August 2018, S. 63: SKF Standort Schweinfurt mit ca. 4.100 Mitarbeitern größter Standort weltweit
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    9. a b Durch die Übernahme von FAG Kugelfischer 2001 wurde Schaeffler zum zweitgrößten Wälzlagerhersteller der Welt, in: Wirtschaft in Mainfranken: Mit einer genialen Idee zum Weltkonzern, August 2016, S. 78.
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    13. a b Im Ggs. zu Pierre Michaux (1861) brachte P. M. Fischer seine im Schweinfurter Museum für Stadtgeschichte ausgestellte Erfindung nicht an die Öffentlichkeit, weshalb er in vielen Quellen zu Fahrradgeschichte bis heute nicht erwähnt wird. Die angeblichen vorhergehenden Erfindungen von Baader (1825) und Heinrich Mylius (1845) sind strittig und unbelegt.foelss.de: Die Entwicklung des Fahrrads. Abgerufen am 28. März 2018.
    14. a b Bundesministerium für Bildung und Forschung: Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Abgerufen am 12. August 2018.
    15. Der geographische Mittelpunkt der EU liegt 70 km westlich Schweinfurts in Oberwestern und nach dem Austritt Großbritanniens 35 km südwestlich Schweinfurts in Veitshöchheim
    16. Der geographische Mittelpunkt (nach der Schwerpunktermittlung) der D-A-CH-Region liegt 45 km östlich Schweinfurts, in Seßlach
    17. a b Informationsbroschüre Stadt Schweinfurt. Weka Info-Verlag, Mering 2002, S. 25.
    18. a b c Topografische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamtes 1:25.000, Blatt 5927 Schweinfurt.
    19. Die WELT: Die A 71 ist die teuerste Autobahn Deutschlands, 21. Mai 2014
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    24. Beim Bootshafen des SC 1900, Main-km 333,3; gemessen im BayernAtlas auf Parzellenkarte mit überlagertem Luftbild.
    25. a b c Paul Ultsch: Damals in Schweinfurt. Buch- und Ideeverlag, Schweinfurt, ISBN 978-3-9800480-1-9, S. 67 ff.
    26. a b c d Angabe des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen.
    27. Angabe Glöckle/RiedelBau
    28. Süddeutsche Zeitung, Online-Ausgabe vom 26. Juli 2016: Deutschlands Blitzhauptstadt, Angaben des Blitzinformationsdienstes.
    29. Im Raum Würzburg maß der Deutsche Wetterdienst (DWD) die bisher höchsten Temperaturen Deutschlands (2015: Kitzingen 40,3°, Bad Mergentheim 40,2°). Spiegel.de: 40,3 Grad in Kitzingen. Abgerufen am 22. August 2018. Die DWD-Station Würzburg liegt auf dem Neuberg, 90 m über der im Talkessel gelegenen Innenstadt, wo bis zu 5,4° höhere Temperaturen gemessen wurden, als auf einer umgebenden Anhöhe. Pressemitteilung der Universität Würzburg. Abgerufen am 23. August 2018.
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    33. a b c Die einzige bekannte Beleg der Stadt Schweinfurt zur Gliederung der Stadt ist eine veraltete Übersichtskarte im Jugendhilfeplan, in der das Stadtgebiet in 14 Stadtteile aufgeteilt ist. Die drei Bereiche Altstadt, Innenstadt-West und Innenstadt-Nord werden hier zu einem Stadtteil Innenstadt zusammengefasst. Der neuere Stadtteil Maintal ist in der Karte noch nicht enthalten. Die Grenzen der 23 Ortsteile sind nicht eingezeichnet: Übersichtskarte der Stadtteile. Abgerufen am 23. Dezember 2016.
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    35. Auch Spätaussiedler.
    36. In der Bevölkerungsstatistik der Stadtverwaltung als Schweinfurt-Süd bezeichnet.
    37. In der Bevölkerungsstatistik der Stadtverwaltung als Schweinfurt-Süd-Hafen bezeichnet.
    38. In der Bevölkerungsstatistik der Stadtverwaltung als SW-Baggersee Umgem. bezeichnet.
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    55. Peter Hofmann: schweinfurtfuehrer.de/Geschichte 1200–1300
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    65. TV Touring Schweinfurt, 29. Januar 2016.
    66. Bayer. Staatsbahnen, Ausbauzustand bis 1912.
    67. Werner Bätzing: Die Bevölkerungsentwicklung in den Regierungsbezirken Ober-, Mittel- und Unterfranken im Zeitraum 1840–1999, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung, Nr. 61, 2001, S. 196.
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    83. Bei Fertigstellung 1964 war das 73 m hohe Blaue Hochhaus 5 m höher als das höchste bis dahin fertiggestellte Hochhaus in Frankfurt am Main, das Zürich-Haus
    84. a b c d e f g h i j Informationsbroschüre Stadt Schweinfurt. Weka Info-Verlag, Mering 2002, S. 8.
    85. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, Statistik kommunal 2014.
    86. Heimatbuch Oberwerrn, Teil 1, Niederwerrn, 2006.
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    95. Vgl. BSLK, S. 765; vgl. S. 17.
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    158. Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) 2016: Soviel Wohnfläche kann sich ein Durchschnittshaushalt leisten, wenn er 25 % seines Nettolohns für Miete ausgibt: Schweinfurt: 94 m², Lkr. Schweinfurt: 116 m², Würzburg: 64 m², Lkr. Würzburg: 102 m², München: 70 m², Lkr. München: 93 m². Den schlechten Wert Würzburgs erklärte das Institut mit der Studentenstadt, mit der Kombination hoher Mieten und niedrigem Durchschnittseinkommen.
    159. Stuttgarter Nachrichten: Stuttgarts Mieten werden zum Standortnachteil. 6. März 2018. Abgerufen am 29. März 2018.
    160. Presse-Nachrichten: Hohe Mieten bringen viele an den Rand der Armut. 13. September 2017. Abgerufen am 29. März 2018.
    161. Das Werk befindet sich unmittelbar hinter der Stadtgrenze auf Sennfelder Gemarkung, wird jedoch auf der Homepage von Kühne als Werk Schweinfurt bezeichnet; Carl Kühne.de; Hier sind wir. Abgerufen am 11. April 2016.
    162. Derzeitiger Sitz im Hafen-Ost auf Sennfelder Gemarkung, wird jedoch auf der Homepage von Winora-Staiger „mit Hauptsitz am traditionellen Industriestandort Schweinfurt“ bezeichnet; WINORA.de. Abgerufen am 11. April 2016.
    163. a b FahrradZukunft.de; Geschichte von Fichtel & Sachs, Ausgabe 17, Februar 2014. Abgerufen am 24. Oktober 2016.
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    165. BR: Ein Märchenschloss verfällt. Das Elend von Mainberg. Abgerufen am 16. Dezember 2016.
    166. a b Peter Hofmann: Schweinfurtführer. Mein Schweinfurt; Industrieunternehmen nach Branchen. Abgerufen am 2. November 2016.
    167. Vgl. Thomas Horling, Die Kugellagerstadt – Ein Überblick über 100 Jahre Schweinfurter Industrie- und Stadtgeschichte. In: Frankenland 2009/2, S. 98–109.
    168. Wirtschaft in Mainfranken: Vor 125 Jahren patentiert. August 2015, S. 88.
    169. Die Zahl von 4.500 Kriegsgefangenen bezieht sich auf den Zeitraum Aug. 1941 bis Okt. 1944. Wie bei den Zwangsarbeitern war auch bei den Kriegsgefangenen eine Fluktuation zu verzeichnen. Der Zahl der gleichzeitig in der Schweinfurter Industrie beschäftigten Kriegsgefangenen lässt sich aufgrund fehlender Daten nicht exakt bestimmen. Wie bei den Zwangsarbeitern dürfte auch hier der Höchststand Ende 1943 erreicht worden sein. Vgl. Uwe Müller, Der Arbeitseinsatz ausländischer Zivilarbeiter und Kriegsgefangener im Zweiten Weltkrieg in Schweinfurt. Zahlen aus dem Stadtarchiv, in: „Dem Menschen zugewandt“. Ökumenisches und Geschichtliches nicht nur aus Schweinfurt. Zum 70. Geburtstag von Dekan i.R. Johannes Strauß, hg. von Ernst Petersen, Schweinfurt 2001, S. 119.
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