Schweinfurt

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Schweinfurt (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Schweinfurt
Schweinfurt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Schweinfurt hervorgehoben
50.04555555555610.231666666667226Koordinaten: 50° 3′ N, 10° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Höhe: 226 m ü. NHN
Fläche: 35,71 km²
Einwohner: 51.851 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1452 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 97421–97424
Vorwahl: 09721
Kfz-Kennzeichen: SW
Gemeindeschlüssel: 09 6 62 000
Stadtgliederung: 15 Stadtteile/Stadtbezirke
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
97421 Schweinfurt
Webpräsenz: www.schweinfurt.de
Oberbürgermeister: Sebastian Remelé (CSU)
Lage der Stadt Schweinfurt in Bayern
Weiden in der Oberpfalz Straubing Würzburg Schwabach Schweinfurt Regensburg Rosenheim Nürnberg Nürnberg Passau Landshut Memmingen Kaufbeuren Kempten Ingolstadt Fürth Hof Erlangen Coburg Bayreuth Bamberg Augsburg München Aschaffenburg Amberg Ansbach Landkreis Würzburg Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Landkreis Weilheim-Schongau Landkreis Unterallgäu Landkreis Traunstein Landkreis Tirschenreuth Landkreis Straubing-Bogen Landkreis Starnberg Landkreis Schweinfurt Landkreis Schwandorf Landkreis Rottal-Inn Landkreis Roth Landkreis Rosenheim Landkreis Rhön-Grabfeld Landkreis Regensburg Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Landkreis Regen Landkreis Passau Landkreis Ostallgäu Landkreis Oberallgäu Landkreis Nürnberger Land Landkreis Neu-Ulm Landkreis Neustadt an der Waldnaab Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Landkreis Neuburg-Schrobenhausen Landkreis München Landkreis Mühldorf am Inn Landkreis Miltenberg Landkreis Miesbach Landkreis Main-Spessart Landkreis Lindau (Bodensee) Landkreis Lichtenfels Landkreis Landshut Landkreis Landsberg am Lech Landkreis Kulmbach Landkreis Kronach Landkreis Kitzingen Landkreis Kelheim Landkreis Hof Landkreis Haßberge Landkreis Günzburg Landkreis Garmisch-Partenkirchen Landkreis Fürth Landkreis Fürstenfeldbruck Landkreis Freyung-Grafenau Landkreis Freising Landkreis Forchheim Landkreis Erlangen-Höchstadt Landkreis Erding Landkreis Eichstätt Landkreis Ebersberg Landkreis Donau-Ries Landkreis Dingolfing-Landau Landkreis Dillingen an der Donau Landkreis Deggendorf Landkreis Dachau Landkreis Coburg Landkreis Cham Landkreis Berchtesgadener Land Landkreis Bayreuth Landkreis Bamberg Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Bad Kissingen Landkreis Augsburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Ansbach Landkreis Amberg-Sulzbach Landkreis Altötting Landkreis Aichach-Friedberg Bodensee Schweiz Österreich Baden-Württemberg Hessen Tschechien Sachsen ThüringenKarte
Über dieses Bild
Marktplatz mit Rückertdenkmal und Rathaus
Stadtmauer am Zürch, dem früheren Burgbezirk
Main mit nächtlicher Skyline

Schweinfurt ist eine kreisfreie Stadt und eines von drei Oberzentren im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken. Die Stadt ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises und war vom 12. Jahrhundert bis 1802 Reichsstadt. Heute ist sie wichtigste Industriestadt Nordbayerns mit dem höchsten BIP Bayerns und Zentrum der europäischen Wälzlagerindustrie. Das Einzugsgebiet der am Maindreieck liegenden Stadt ist das östliche Unterfranken (Region Main-Rhön) und Südthüringen. Schweinfurt wirbt für sich mit dem Motto Industrie und Kunst.

Bei der Gebietsreform in Bayern gehörte Schweinfurt zu den wenigen Städten, in die keine Vororte eingemeindet wurden. Die Agglomeration beträgt nach dem Zensus vom 5. September 2011 96.958 Einwohner. Die Stadt liegt hierbei an 83. Stelle in Deutschland.

In Schweinfurt wurde 1652 die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gegründet. Sie befindet sich heute in Halle (Saale) und wurde 2008 Nationale Akademie der Wissenschaften.

Inhaltsverzeichnis

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Schweinfurt (fränkisch: Schweifädd) liegt in der Mitte Mainfrankens und jeweils ungefähr 40 km von Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen entfernt. Die Stadt ist mit der Rhön im Norden, den Haßbergen im Osten, dem Steigerwald im Südosten und dem Spessart im Westen von Mittelgebirgen umgeben. Der Stadtkern und der überwiegende Teil des bebauten Stadtgebiets liegen nördlich des Mains (rechtsmainisch) auf etwa 210 m bis 300 m Höhe. Die neueren Industriegebiete Hafen und Maintal liegen südlich des Mains auf etwa 210 m Höhe. Bei Schweinfurt biegt der Main von seiner allgemeinen Ost-West-Fließrichtung nach Süden ab. Dort beginnt das Maindreieck.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Fertigstellung der „Thüringerwaldautobahn“ A 71 Schweinfurt-Erfurt 2005 (Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr.16) änderte sich die wirtschaftsgeografische Lage Schweinfurts grundlegend. Die Stadt im früheren Zonenrandgebiet wurde zu einem Autobahnknotenpunkt in der bundesdeutschen Mitte.

Raumordnung[Bearbeiten]

Schweinfurt ist das Oberzentrum der Planungsregion Main-Rhön, zu der die kreisfreie Stadt Schweinfurt und die Landkreise Schweinfurt, Bad Kissingen, Haßberge und Rhön-Grabfeld gehören. Dem Oberzentrum Schweinfurt sind folgende Mittelzentren zugeordnet: Bad Brückenau, Bad Kissingen, Bad Neustadt an der Saale, Gerolzhofen, Hammelburg und Haßfurt.

Geologie, Tektonik und Geomorphologie[Bearbeiten]

Schweinfurter Mainbogen, links Hesselbacher Waldland, rechts Schweinfurter Becken

Die Geologie im Stadtgebiet reicht (von älter/unten nach jünger/oben) von den harten Kalk- und Mergelsteinen des Oberen Muschelkalks über den weicheren tonig-mergeligen, von einzelnen Sandsteinen und Kalkbänken unterbrochenen Unterkeuper (Lettenkeuper) bis zu den weichen Tonsteinen des Gipskeupers. Im Bereich zwischen Bergrheinfeld und Schweinfurt befindet sich das Zentrum eines tektonischen Senkungsgebiets (Schweinfurter Mulde). Der Gipskeuper kam in das heutige Niveau des Mains, der im Quartär ein weites Becken ausräumen konnte. Im Stadtgebiet befinden sich Sande und Schotter als Reste höherer Flussniveaus. Am Ostrand des Maintals im Stadtgebiet befinden sich am Schwebheimer Wald Flugsanddünen. Sie sind mit Kiefern bewachsen und inaktiv, sodass sie nicht mehr wandern.

Nordöstlich der Innenstadt verläuft die Kissingen-Hassfurter Störungszone von Nordwesten nach Südosten, die das Hebungsgebiet des Kissingen-Hassfurter Sattels von der Schweinfurter Mulde trennt. Im Bereich der Sattelzone wurden harte Kalksteine des Muschelkalks in das heutige Niveau des Mains und seiner Zuflüsse gehoben. Das Relief ist deutlich bergiger, die Flüsse konnten nur schmale Täler formen. Der Großteil des Stadtgebiets liegt innerhalb des gering reliefierten Schweinfurter Beckens. Die östlichen und nördlichen Stadtteile Haardt, Steinberg, Hochfeld und Deutschhof liegen topographisch teils deutlich erhöht auf den südlichen Ausläufern des von zahlreichen Tälern durchschnittenen Hesselbacher Waldlands (Schweinfurter Rhön, Schweinfurter Oberland).

Das Schweinfurter Becken liegt in der Kernzone der Landschaft Mainfränkische Platten, einer Haupteinheitengruppe des Schichtstufenlandes, das sich vom Pariser Becken bis nach Franken hinzieht.

Klima[Bearbeiten]

Schweinfurter Becken mit Vogelschutzgebiet bei Garstadt

Infolge der Lage der Stadt östlich des Spessarts, der die Klimascheide zum maritimen Klima bildet, ist das Klima kontinental. Deshalb ist auch der Jahresniederschlag am Nord-Ost-Rand des trockenen und sommerwarmen Schweinfurter Beckens, im Windschatten des westlich und nordwestlich gelegenen Landrückens Rhön-Spessart, mit etwa 602 mm vergleichsweise niedrig und liegt im letzten Viertel der in Deutschland erfassten Werte. An 21 Prozent der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Vor der Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte lag der Jahreswert sogar deutlich unter 600 mm. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni, 1,8 mal soviel wie im Februar. Die Niederschläge variieren im Allgemeinen kaum und sind sehr gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 8 Prozent der Messstationen werden geringere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Da bei der Gebietsreform in Bayern keine Vororte eingemeindet wurden, war bisher eine Einteilung in Stadtbezirke nicht nötig. Die einzige offizielle Grenze ist die Gemarkungsgrenze zwischen dem 1919 eingemeindeten Oberndorf, auf dessen Gebiet auch der größte Stadtteil Bergl liegt und dem früheren Schweinfurt.

  • Musikerviertel
  • Oberndorf (741 erstmals urkundlich erwähnt; 1919 eingemeindet)
  • Steinberg (seit 1952)
  • Yorktown Village (ehemalige Siedlung der US-Amerikaner)
  • Zeilbaum
  • Zürch (12. Jahrhundert)

Die Hauptwohngebiete befinden sich im Nordwesten (Bergl, Gartenstadt) und im Nordosten am Rande des Schweinfurter Oberlandes (Eselshöhe, Haardt, Hochfeld, Deutschhof). Die große Industriezone mit Hauptbahnhof, Hafen, Energieversorgung und Autobahnanschlüssen liegt im Südwesten der Stadt; seit den 1960er Jahren auch südlich des Mains und seit den 1990er Jahren zudem südlich der A 70.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Erste Siedlungen[Bearbeiten]

Schweinfurt am Ostrand des Herzogtums Franken um 800

Schweinfurt ist aufgrund seiner Lage in der deutschen Mitte am Main ein Ort mit einer langen Geschichte. Siedlungsspuren im Gebiet der heutigen Stadt lassen sich für die vor- und frühgeschichtliche Zeit nachweisen. Erstes schriftliches Indiz für die Existenz einer Siedlung im 8. Jahrhundert ist die Nennung im Codex Edelini des Klosters Weißenburg.[2] Wahrscheinlich wurde damals in „Suinuurde“ bereits Weinbau betrieben. Die erste sicher datierbare schriftliche Erwähnung erfolgte im Jahr 791 anlässlich einer Schenkung an das Kloster Fulda.[3]

Um das Jahr 1000 hatten die Markgrafen von Schweinfurt, damals das mächtigste Adelsgeschlecht auf dem Gebiet des heutigen Nordbayerns, ihre Hauptburg auf der Peterstirn östlich der heutigen Stadt. Nach der Niederlage des Grafen Heinrich von Schweinfurt, auch „Hezilo“ genannt, in der Schweinfurter Fehde gegen König Heinrich II. im Jahr 1002/1003 verlor die Familie ihre dominierende Stellung. Anfang des 11. Jahrhunderts gründete Hezilos Mutter Eila ein Benediktinerkloster auf der Peterstirn. Mit Hezilos Sohn Otto starb das Geschlecht im Mannesstamm 1057 aus. Das Gut um Schweinfurt erbte Ottos Tochter Beatrix. Der Besitz bestand damals aus der Burg auf der Peterstirn und dem Dorf mit der Kilianskirche (1383 abgebrochen), das zwischen Höllental und Marienbach lag. Bischof Eberhard von Eichstätt war der letzte männliche Nachkomme der Beatrix und vermachte 1112 seinen Besitz um Schweinfurt dem Hochstift Eichstätt. 1263/65 wurde das heruntergekommene Kloster auf Betreiben des Würzburger Bischofs Iring dem Deutschen Orden übergeben.

Aufstieg zur Reichsstadt[Bearbeiten]

Reichsstadt Schweinfurt in Topographia Franconiae. Matthäus Merian, Frankfurt/M 1656

Vermutlich Kaiser Friedrich I. Barbarossa ließ in Konkurrenz westlich zur eichstättischen villa, der unterhalb der Peterstirn gelegenen Alten Stätte (heute Altstadtstraße, Höllental), jenseits des Marienbaches unter Verwendung von vorhandenem Königsgut eine neue Civitas Imperii (Reichsstadt) anlegen. Es ist die heutige Altstadt mit dem Ouartier Zürch. An dieser Stelle konnten die Furt und die Straßen vom Untermain zum Obermain und von Nürnberg nach Erfurt kontrolliert werden. Die alte Fischersiedlung Fischerrain, die außerhalb der Stadtmauern lag und einen eigenen Schultheiß hatte, wurde 1436 in die Stadt eingegliedert. Innerhalb der Stadtmauern befand sich auch die Reichsburg im ältesten Stadtteil Zürch, worauf die Namen Burggasse und Rittergasse hinweisen.

Im Kampf um die Vorherrschaft in Mainfranken zwischen den Hennebergern und dem Bischof von Würzburg wurde die Stadt zwischen 1240 und 1250 zerstört (Erstes Stadtverderben). In einem Brief König Wilhelms von Holland vom 9. Januar 1254 heißt es, Schweinfurt sei früher Reichsstadt gewesen („…Swinforde, que olim imperii civitas fuerat“). Es bleibt unklar, ob jemals der Stadt Rechte entzogen wurden oder ob nur auf die Stadtzerstörung Bezug genommen wird. Die Bemühungen der Henneberger und des Bischofs von Würzburg, die Stadt zu mediatisieren, blieben erfolglos. König Rudolf von Habsburg (1273–1308) weist in seinem Schiedsspruch vom 29. April 1282 den Anspruch des Deutschen Ordens auf die Gericht- und Vogteirechte Schweinfurts zurück. Die Grenzen zwischen Altstadt und Hilpersdorf wurden neu festgelegt. Schweinfurt wurde als Reichsstadt bestätigt.

Verpfändungen und Auslösung[Bearbeiten]

Reichsstadt Schweinfurt von Reichsvogt Johann Hermann.[4] Matthäus Merian, Frankfurt/M 1648

Die deutschen Könige verpfändeten bei Geldnot häufig ihren Besitz oder bestimmte Privilegien. Eine Vielzahl der Reichsstädte verlor bis zum Ende des Alten Reiches ihre Selbständigkeit, wenn sie nicht in der Lage waren, das Pfand auszulösen.

Bereits in den 1290er Jahren wurden bestimmte Rechte der Stadt Schweinfurt verpfändet. Am 3. Juli 1304 verpfändete König Albrecht von Habsburg die Stadt an Bischof Andreas von Würzburg für 2000 Pfund Heller. 1305 wurde die Summe auf 1000 Mark Silber und 100 Pfund Heller erhöht. Kaiser Heinrich VII. verpfändete am 28. Dezember 1309 die Stadt zu 1000 Mark Silber an Berthold IV. von Henneberg-Schleusingen. Kaum ein halbes Jahr später, am 31. Mai 1310, wurde diese Summe verdoppelt. Ludwig der Baier erhöhte die Pfandschaft am 21. März 1323 nochmals auf 3000 und am 26. Mai 1330 auf 5000 Mark Silber. Nach dem Tod des Grafen Heinrich VIII. am 10. September 1347 wurde die Pfandschaft in zwei Teilen an seine Witwe Jutta von Brandenburg († 1353) und seinen Bruder Johann I. vererbt. Damit war unter anderem die Teilung der Vogteirechte verbunden. Bischof Albrecht II. von Würzburg erwarb 1354 für 3000 Pfund Heller den einen Teil der Reichspfandschaft von der Tochter Juttas, Elisabeth von Henneberg. Wäre Johanns Teil ebenfalls an den Bischof von Würzburg verkauft worden, hätte die dauerhafte Entfremdung vom Reich gedroht. 1361 löste die Stadt deshalb die eine Hälfte des Pfands zu 2500 Mark Silber von Johanns Witwe aus. Als Gegenleistung gewährte Kaiser Karl IV. am 29. April 1361 der Stadt die eigene Gerichtsbarkeit und erließ ihr für 20 Jahre die Reichssteuer. Am 28. Januar 1362 versprach Kaiser Karl IV. der Stadt, die Reichsrechte in Zukunft nicht mehr zu verpfänden oder zu entfremden, was allerdings von späteren Kaisern nicht immer als bindend angesehen wurde und immer wieder von neuem erkämpft werden musste. Die Schweinfurter Bürger durften nun ihren Amtmann selbst bestimmen. Die Verhandlungen mit dem Bischof von Würzburg zogen sich über Jahre hin. Schließlich bestätigte er am 28. Juli 1386 die Auslösung des Pfandes für 15.000 Gulden.[5]

Aufbau eines Territoriums[Bearbeiten]

Territorium der Reichsstadt Schweinfurt

Schweinfurt gelang es, die Pfandschaft über die in der Reichsvogtei gelegenen Reichsdörfer Forst, Sennfeld, Gochsheim und Rottershausen zu erwerben. Diese Verpfändungen gingen bis zum Ende des alten Reiches wieder verloren. 1397 wurde die Erlaubnis zum Bau von Mühlen, Landestegen, Wehren und einer Brücke über den Main erteilt. Im gleichen Jahr wurde auch ein wirtschaftlich wichtiges Privileg, die Zollfreiheit für alle in der Stadt verkauften und alle aus der Stadt exportierten Waren, erworben. Die Lösung aus der Pfandschaft und die damit verbundene Rückgewinnung der Reichsfreiheit kostete die Stadt 30.000 bis 40.000 Gulden und führte zu einer starken Verschuldung. König Ruprecht minderte deshalb ab 1407 für zehn Jahre die Reichssteuer auf 100 Gulden. Das Recht, eine jährliche Messe abzuhalten, die am 11. November beginnen und 17 Tage dauern sollte, erwarb die Stadt 1415 von König Sigismund.[6]

Von den Brüdern Karl und Heinz von Thüngen erwarb die Stadt am 26. Februar 1436 den Ort Oberndorf für 5.900 Gulden. 1436/37 erhielt der Rat der Stadt vom Deutschen Orden für 18.000 Gulden die Burg auf der Peterstirn sowie das zugehörige Landgebiet mit den Dörfer Altstadt, Hilpersdorf, Zell und Weipoltshausen sowie den Höfen Deutschhof und Thomashof. Dazu gehörten noch die beiden Exklaven Ottenhausen und Weipoltsdorf. Das reichsstädtische Territorium wurde 1620 um Madenhausen ergänzt. Die Einwohner dieser Ortschaften waren Untertanen der Reichsstadt und besaßen in der Regel kein Bürgerrecht. Mit der Gebietsreform von 1972 wurde linksmainisch eine Teilfläche der Gemarkung Grafenrheinfeld der Stadt zugeschlagen, das heutige Industriegebiet Maintal.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Bauernkrieg[Bearbeiten]

Insel Reichsstadt Schweinfurt umgeben vom Hochstift Würzburg

Das Territorium des Hochstifts Würzburg befand sich seit April 1525 fast vollständig in der Hand aufrührerischer Bauern. Die Stadt Schweinfurt stellte sich auf ihre Seite und unterstützte sie mit Mannschaften und Lebensmitteln. Am 17. Mai 1525 wurde durch Betreiben Schweinfurts das Schloss Mainberg des Grafen Wilhelm von Henneberg durch den Bildhäuser Haufen zerstört. Das Heer des Schwäbischen Bundes hatte Anfang Juni den Würzburger Raum von den Aufständischen zurückerobert und traf am 12. Juni 1525 mit 15.000 Mann in Schweinfurt ein. Die Stadt wurde zur Aufkündigung des Bündnisses mit den Aufständigen gezwungen und musste für den Wiederaufbau des Schlosses Mainberg 4566 Gulden und für allgemeine Brandschatzung pro Haus 10 rheinische Gulden leisten.[7]

Zweites Stadtverderben[Bearbeiten]

Ebracher Hof (1431), 1554 niedergebrannt und wieder aufgebaut

Am 22. Mai 1553 wurde Schweinfurt im so genannten Zweiten Markgrafenkrieg durch Markgraf Albrecht II. Alcibiades erstmals besetzt. Vom 1. bis 23. Juni 1553 wurde es von den Truppen Braunschweigs, Kursachsens und Würzburgs erstmals belagert und beschossen. Der große Angriff auf die Stadt erfolgte im darauffolgenden Jahr ab dem 27. März 1554. Die Bundestruppen schossen die Stadt innerhalb von zehn Wochen sturmreif und hungerten sie aus. Der Markgraf ließ am Abend des 12. Juni 1554 seine Truppen vor der Übermacht seiner Gegner abziehen. Dadurch war die Stadt ohne Schutz. Noch bevor der Rat mit den Bundestruppen Verhandlungen aufnehmen konnte, wurde die Stadt am Morgen des 13. Juni 1554 geplündert und in Brand gesetzt. Die bereits durch Hunger und Seuchen dezimierte Bevölkerung floh in Scharen ins Umland. Die auf Rache bedachte Landbevölkerung, die im Krieg viel zu leiden hatte und Schweinfurt die Schuld gab, drang nach dem Abzug der Bundestruppen am gleichen Tag in die Stadt ein und vollendete das Zerstörungswerk. Diese Zerstörung Schweinfurts wird als „Zweites Stadtverderben“ bezeichnet. Der Wiederaufbau zog sich bis 1615 hin. Zeugnisse davon sind das unter der Leitung von Nikolaus Hofmann erbaute Renaissance-Rathaus, das Alte Gymnasium, der Ebracher Hof und das Zeughaus. Das damalige Stadtbild änderte sich mit Ausnahme der Befestigungsanlagen bis ins frühe 19. Jahrhundert nur kaum.[7]

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten]

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Schweinfurt häufig von den Truppen der Kriegsparteien besetzt. In den 1640er Jahren wurde die Stadtbefestigung von den Schweden ausgebaut. Erhalten sind aus dieser Zeit die Schanzanlagen am Oberen Wall.

Gescheiterter Versuch einer Universitätsgründung[Bearbeiten]

Die Reichsstadt Schweinfurt war eine protestantische, frühdemokratische und humanistische Insel inmitten des Bistums Würzburg und in der Nachbarschaft zum Bistum Bamberg, auf der ein enormer politischer Druck lag. Knapp hundert Jahre nachdem in Schweinfurt 1652 die heutige Nationale Akademie der Wissenschaften gegründet worden war, gab es in Würzburg die letzte Hexenverbrennung.

Der schwedische König Gustav II. Adolf wollte in Schweinfurt als protestantischen Gegenpol zum Hochstift Würzburg eine Universität gründen. Er nahm im Dreißigjährigen Krieg dem Hochstift Ländereien weg und schenkte sie der Reichstadt Schweinfurt zur Finanzierung der Eliteschule. Das Vorhaben wurde letztlich durch seinen Tod 1632 in der Schlacht bei Lützen vereitelt.[8][9]

Späte Neuzeit[Bearbeiten]

Königreich Bayern[Bearbeiten]

Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam die Stadt 1802 zu Bayern. Nach der zwischenzeitlichen Zugehörigkeit zum Großherzogtum Würzburg (1810–1814) fiel die Stadt 1814 erneut an das Königreich Bayern.

Gründerzeithaus in der Luitpoldstraße, der neuen Prachtstraße zum Hauptbahnhof

Öffentlicher Verkehr: 1852 erfolgte mit der Eröffnung der Ludwigs-Westbahn von Bamberg zum Schweinfurter Stadtbahnhof der Anschluss ans Eisenbahnnetz. Neben dem Stadtbahnhof errichtete der bayerische Staat ein Hauptzollamt und es entstand hier östlich der Altstadt ein kleines Industriegebiet als erster wichtiger industrieller Brückenkopf der Stadt, in dem sich heute noch in historischen Mauern eine kleine Farbenfabrik befindet. Dadurch wurde der Südrand des ersten Siedlungsgebietes der Stadt, der markgräflichen Siedlung, nach 700 Jahren wieder neu bebaut. Die Bahnstrecke wurde danach um 3 Kilometer auf einer schmalen Trasse zwischen Altstadt und Main mit zwei Gleisen nach Westen verlängert, wo ein Centralbahnhof angelegt wurde. Schließlich wurde die Strecke bis 1854 nach Würzburg weitergebaut, das damit ebenfalls Anschluss ans Bahnnetz erhielt. Mit dem Bau der Linien nach Bad Kissingen (1871) und Meiningen (1874) wurde Schweinfurt ein Eisenbahnknotenpunkt. Am Ende kamen noch die Nebenlinien nach Kitzingen mit einem weiteren Bahnhof auf Stadtgebiet, dem Sennfelder Bahnhof sowie nach Gemünden hinzu.

Kiliansberg, Viertel mit Industriellen-Villen

Der Centralbahnhof wurde zwei Kilometer westlich der Altstadt auf Oberndorfer Gemarkung als Hauptpersonen- und Hauptgüterbahnhof angelegt. Als die Stadt noch kaum über die mittelalterlichen Mauern hinausgewachsen war, wurde der Standort in weit vorausschauender Weise inmitten von Feldern gewählt, um möglichst viel Raum für die erwartete große Industrialisierung um den Bahnhof zu erhalten, mit Möglichkeiten von Industriegleis-Anschlüssen. Das alles wurde dann auch bis Ende der 1930er Jahre vollständig umgesetzt. Die große Entfernung zur Innenstadt wurde mittels der ersten kommunalen Straßenbahn Bayerns, der Straßenbahn Schweinfurt überwunden, einer Pferdebahn mit einem Straßenbahndepot am Unteren Wall. Sie wurde später nicht elektrifiziert und schließlich wurde der Betrieb in der Krisenzeit nach dem Ersten Weltkrieg ganz eingestellt. Ab 1925 verkehrten private Linienbusse auf der Strecke, die 1927 durch städtische Busse ersetzt wurden. Der Centralbahnhof wurde nach der Eingemeindung Oberndorfs im Jahre 1919 in Hauptbahnhof umbenannt.

Einwohnerwachstum: Im 19. Jahrhundert hatte die Stadt ein kontinuierliches, im Vergleich zu anderen Städten zunächst jedoch nur durchschnittliches Bevölkerungswachstum. Der Agrarsektor spielte weiterhin eine wichtige Rolle (Viehmärkte), daneben entstanden erste Fabriken, vor allem der Farbenindustrie. Seit den 1890er Jahren wurde die Entwicklung der Stadt maßgeblich von der Metallindustrie bestimmt. Durch die Industrialisierung hatte Schweinfurt zwischen 1840 (7.700 Einwohner) und 1939 (49.000 Einwohner) prozentual (635 %) nach Nürnberg das zweithöchste Bevölkerungswachstum aller Städte in Franken.[10]

An die Zeit Schweinfurts im Königreich Bayern erinnern heute noch mehrere Straßen- und Brückennamen, wie Luitpoldstraße, Maxbrücke und Ludwigsbrücke.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

Hauptverwaltung der Fichtel & Sachs AG von Paul Bonatz (1931–1933), heute ZF Friedrichshafen AG

In der Zwischenkriegszeit entstanden das St.-Josefs-Krankenhaus der katholischen Erlöser-Schwestern (1929), das Städtische Krankenhaus (1930), die Hauptverwaltung der Fichtel & Sachs AG (1931–1933), das Ernst-Sachs-Bad (1932) und das Willy-Sachs-Stadion (1936). Zudem entstanden viele weitere Industrie-Klinkerbauten im einfachen Bauhaus-Stil, die in mehreren Straßenzügen vollständig erhalten sind. Seit 1936 ist Schweinfurt Garnisonsstadt. Im Zuge der vom NS-Regime betriebenen Aufrüstung der Wehrmacht wurde an der Niederwerrner Straße eine große Kasernenanlage, vorwiegend für Panzertruppen, errichtet.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Boeing B-17 Formation über Schweinfurt, 17. August 1943

Auf Grund der kriegswichtigen Wälzlagerindustrie, einer sogenannten Schlüsselindustrie, hatte Schweinfurt die beste Luftverteidigung Deutschlands. Die Eisenbahnflak war meist auf den Schienen der Bahnlinie nach Erfurt westlich der Stadt postiert, wo auch ein Fliegerhorst für Abfangjäger errichtet wurde. Die Alliierten erlitten in Luftkämpfen über der Stadt ihre größten Verluste. Unter den Bomberbesatzungen waren die Einsätze nach Schweinfurt gefürchtet. Trotz insgesamt 22 größerer und kleinerer Luftangriffe wurde die Stadt „nur“ zu 40 % und das Industriegebiet zu 45 % zerstört. Dort sind die Straßenzüge mit den Klinkerbauten der 1930er Jahre, wo die Schäden relativ schnell beseitigt wurden, vollständig erhalten.

Trotzdem fügten in den Jahren 1943 bis 1945 15 größere Luftangriffe der Briten und US-Amerikaner der Stadt schwere Schäden zu, am 17. August 1943 im Rahmen der Operation Double Strike mit 376 und am 14. Oktober 1943 mit 291 Bombern; bei diesem Angriff verlor die 8. US-Luftflotte 77 B-17-Bomber. Der größte Angriff fand am 24. Februar 1944 im Rahmen der Big Week mit 1100 Bombern statt. Dabei wurden auch zahlreiche Dörfer im Umland stark zerstört. Insgesamt warfen die Flugzeuge an diesem Tag 3.600 Sprengbomben und 32.500 Brand- und Phosphorbomben ab.[11][12]

US-Streitkräfte[Bearbeiten]

Amerikanisches Militärdenkmal in Schweinfurt

Am 11. April 1945 besetzten US-Truppen die Stadt, nachdem sie vorher zwei Tage lang von Artillerie beschossen worden war.[13] Die Amerikaner beschlagnahmten neben Ämtern und Schulgebäuden ganze Wohnviertel in einer Stadt, die ohnehin ein massives Wohnungsproblem hatte. 1951 zog die US-Armee in die 1936 gebauten Panzerkasernen in der Niederwerrner Straße ein, die fortan „Ledward Barracks“ genannt wurden. Die Besatzungsmacht war auch ein wichtiger gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Faktor in der Stadt. In ihren Hochzeiten umfasste die Garnison 12.000 Menschen: Soldaten, Angestellte und Angehörige. 2013/14 zogen die letzten Amerikaner ab.

Die US-Armee verließ am 19. September 2014 die US-Liegenschaften in Schweinfurt mit der feierlichen Einholung der Flaggen in den Ledward Barracks. Am 26. Februar 2015 wurde der Verkauf dieser 26,24 Hektar großen Liegenschaft von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) an die Stadt Schweinfurt für 9,1 Millionen Euro notariell bekundet. Damit war der Schlusspunkt unter die 70 Jahre lange Nachkriegsgeschichte der Stadt gesetzt.

Im Rahmen der Konversion der Liegenschaften wird derzeit in den Ledward Barracks der internationale Hochschulcampus i-Campus aufgebaut. Die Vorlesungen für das Wintersemester 2014/15 begannen mit ca. 100 Studenten im ehemaligen Abrams Club. Im Endausbau sollen auf dem Campus 2000 Studenten Platz finden.

Eiserner Vorhang und Kalter Krieg waren durch Panzer auf öffentlichen Straßen im westlichen Stadtgebiet deutlich vernehmbar. Nach dem der Fall des Eisernen Vorhangs veränderte sich die Situation auch hier grundlegend. An den Ledward Barracks wurden die Kontrollen ganz aufgehoben und jedermann konnte die zivilen amerikanischen Einrichtungen (Lokale, Kino usw.) frei nutzen. Die Terroranschläge am 11. September 2001 veränderten die Situation schlagartig. Um alle US-Einrichtungen, einschließlich der amerikanischen Wohnviertel, wurden Sperranlagen mit massiven Checkpoints errichtet. Das Deutsch-Amerikanische Volksfest, das innerhalb dieser neuen Hochsicherheitszonen lag, wurde von den Besuchern nicht mehr angenommen und schließlich ganz eingestellt.

Unmittelbar nach dem Abzug der US-Amerikaner wurde in einem kleineren Teil der Ledward Barracks eine Erstaufnahme-Einrichtung für Asylanten überwiegend aus dem syrischen Bürgerkriegsgebiet eingerichtet.

Wiederaufbau und Wirtschaftswunder[Bearbeiten]

Wie viele andere westdeutsche Städte erlebte auch Schweinfurt nach den schweren Kriegszerstörungen in den 1950er und 1960er Jahren ein beispielloses Wirtschaftswunder. Die Großindustrie stieg zu neuer Blüte auf. Architektonisch ist der Wiederaufbau von einem nüchtern-modernen Stil gekennzeichnet. Neue Stadtteile entstanden (Bergl, Musikerviertel, Hochfeld, Steinberg, Haardt, Deutschhof). Die Bevölkerungszahl stieg auf 60.000 im Jahr 1970. Die Infrastruktur wurde ausgebaut (Neues Rathaus, Schulen und Kirchen, Stadttheater, Friedrich-Rückert-Bau mit Volkshochschule, Fachhochschule, Sommerbad, Leopoldina-Krankenhaus). Seit den 1970er Jahren zogen viele Industriebeschäftigte in die Vororte, es bildete sich ein „Speckgürtel“ um die Stadt (siehe Gesellschaft und Soziales). Um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken, wurden Südeuropäer und Türken als Gastarbeiter angeworben.

Gegenwart[Bearbeiten]

Museum Georg Schäfer (2000)

Ab den 1980er Jahren begann die Altstadtsanierung und die Ausweisung der Fußgängerzone (Spitalstraße). Der schweren Krise der Großindustrie Anfang der 1990er Jahre suchte der Freistaat Bayern durch die Stärkung des Dienstleistungssektors zu begegnen. Teile des Landessozialgerichts und des Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung wurden von München nach Schweinfurt verlegt. Während der Amtszeit der Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser (CSU, 1992 bis 2010) stabilisierte sich ab Mitte der 1990er-Jahre die Lage der Industrie; 2005–2008 erlebte sie eine neue Boom-Phase und die Gewerbesteuereinnahmen stiegen auf Rekordhöhe. In dieser Zeit wurde auch das neue Motto der Stadt Industrie und Kunst entwickelt und mehrere Projekte in Zusammenarbeit mit dem damaligen Baureferenten Jochen Müller (SPD) realisiert. Darunter fallen unter anderem die neuen Museen Museum Georg Schäfer und Kunsthalle, die Freilegung und Sanierung der Wallanlagen am unteren Marienbach oder der neue Industrie- und Gewerbepark Maintal mit eigener Autobahnanbindung.

Weiteres[Bearbeiten]

Wüstungen[Bearbeiten]

Im heutigen Stadtgebiet lagen mittlerweile verschwundene Dörfer. Linksmainisch auf Oberndorfer Gemarkung befand sich in der Nähe des Sennfelder Bahnhofs das im 13. Jahrhundert untergegangene Dorf Schmalfeld. Am südlichen Ende des Stadtgebiets in Richtung Grafenrheinfeld befindet sich die Wüstung Schmachtenberg. An der Straße von Schweinfurt nach Niederwerrn, in der Nähe der Ansiedlung an der Schussermühle, die seit 1830 Bellevue genannt wird, lag einst das Dorf Hilpersdorf. Es wurde in der Urkunde vom 29. Juni 1282 erstmals in einem Streit zwischen dem Deutschen Orden und der Reichsstadt Schweinfurt erwähnt. Die Stadt Schweinfurt erwarb es vom Deutschen Orden 1437. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf zerstört. 1661 verschwand als letzter Rest die Kirchenruine.[14]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Dezember 1919 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Oberndorf eingegliedert.[15] Am 1. Mai 1978 kam ein kleines Gebiet von Grafenrheinfeld mit damals etwa 50 Einwohnern hinzu.[16]

Ortsname[Bearbeiten]

Seit 791 ist der Name Swinfurt bekannt. Er änderte sich über Suinuurde, Suinfurte, Swinvordi, Sweinvort und Sweinfurt schließlich zu Schweinfurt. Auch der lateinische Name Porcivadum entspricht einer für Schweine gangbaren Furt. Auch der aus der Stadt stammende Humanist Johannes Cuspinian führt den Namen auf Schweine zurück.[17]

Ein Heimatdichter reimte folgende Interpretation:

„Der Name Schweinfurt stammt genau
Der Chronik nach vonera Sau,
Un’ „furt“, dos stammt vom seicht’n Mee,
Da sen’ die Säu nü groß un’ klee.“
Rückert-Denkmal, Marktplatz

Friedrich Rückert kommentierte den Namen seiner Geburtsstadt:

„Hättest Mainfurt, hättest Weinfurt heißen können, weil du führest Wein, aber Schweinfurt, Schweinfurt sollt es sein.“

Diesen Kommentar erläuterte er wie folgend weiter:

„Vom Jean Paulschen Bayreuth
bis hinan zum Goetheschen Frankfurt
Ist er in der Mitte des Laufs, wo mich geboren der Main.
Mainfurt sollte deswegen genannt werden
meine Geburtsstadt
Weinfurt ist sie genannt ohne den Zischer davor“[17]

Die Ableitung des Namens vom Schwein blieb aber nicht unbestritten. So meinte Wilhelm Fuchs im Jahr 1957 in den Schweinfurter Heimatblättern, dass der Name aus der Frühzeit stamme und wohl die Furt beim/durch den Swin (von Quellen durchzogenes Sumpfgebiet) bedeute. Das Naturschutzgebiet um die ehemals einzige Brücke über den Main trägt den Namen ‚Saumain‘. Vor dem Ausbau und der Kanalisierung war der Main ziemlich flach, aber breit.

Wappen[Bearbeiten]

Das erste bekannte Wappen bestand aus einem einköpfigen schwarzen Adler auf einem gelben oder goldenen Schild, der heraldisch nach rechts, das heißt vom Betrachter gesehen aus nach links, blickte.[18] Im 15. Jahrhundert war der Adler auf dem Wappen der Stadt silberfarben auf schwarzem Hintergrund, im Jahre 1608 wurden die Farben Silber auf Violett erwähnt. Später war es wiederum ein schwarzer Adler auf goldenem Hintergrund. Seit 1771 sind die Farben Silber auf Blau.[19] Die bekannteste Darstellung des Wappens befand sich bis 1875 im Torbogen des Mühltores. Sie erlangte vor allem wegen ihrer schlichten Form der Spätgotik Berühmtheit, weil der Adler dem Betrachter den Kopf zuwandte. Wegen dieses ungewöhnlichen Anblicks hielten ihn viele Schweinfurter für eine Eule; ihm widmete Friedrich Rückert in seinem Gedicht Der Besuch in der Stadt einige Verse.[18]

Politik[Bearbeiten]

Schweinfurt war von den 1920er bis in die 1990er Jahre eine klassische Arbeiterstadt. Danach wandelte sich die Struktur in Richtung Dienstleistungen (siehe Gesellschaft und Soziales), was sich seitdem auch in der Stadtpolitik durch eine überdurchschnittliche Dominanz der CSU widerspiegelte.

Die SPD war viele Jahrzehnte die stärkste politische Kraft in der Stadt und stellte von 1920 bis 1933 und von 1946 bis 1992 den Oberbürgermeister. Nach der Wirtschaftskrise zu Beginn der 1990er Jahre und der gewonnenen Oberbürgermeisterwahl durch Gudrun Grieser (CSU) im Jahr 1992 wechselte auch die Mehrheit im Stadtrat. Seit 1990 zogen auch vermehrt Vertreter von kleineren Parteien in den Stadtrat ein. Die Zahl der im Stadtrat vertretenen Gruppierungen stieg bis zu den Kommunalwahlen 2008 auf neun an. Für die OB-Wahl am 7. März 2010 gab es sechs Kandidaten. Sebastian Remelé (CSU) gewann mit 63,39 % der Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von 42,34 %.[20] Am 16. März 2014 wurde Remelé mit 66,9 % der abgegebenen gültigen Stimmen im Amt bestätigt.[21]

Stadtrat[Bearbeiten]

Stadtratswahl 2014[22]
Wahlbeteiligung: 42,65 %
 %
50
40
30
20
10
0
48,04 %
23,11 %
7,23 %
7,15 %
6,14 %
4,27 %
2,54 %
1,52 %
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d Schweinfurter Liste – Freie Wähler
f proschweinfurt

Den Stadtrat von Schweinfurt bilden 44 gewählte Vertreter; seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 verteilen sie sich wie folgt auf die Parteien und Wählergemeinschaften:

Partei Sitze G/V1
CSU 21 + 3
SPD 10 + 1
Grüne 03 + 1
Linke 03 − 1
FDP 01 ± 0
REP 01 ± 0
Schweinfurter Liste 03 − 1
Pro Schweinfurt 02 − 1
1 G/V: Gewinn oder Verlust gegenüber der Wahl 2008

Der von den Wahlberechtigten in direkter Abstimmung gewählte Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) ist das 45. Mitglied des Stadtrats. Die vom Stadtrat aus seinen Mitgliedern gewählten Stellvertreter des Oberbürgermeisters sind Sorya Lippert (CSU), als Zweiter und Karl-Heinz Kauczok (SPD) als Dritter Bürgermeister.

Gesellschaft und Soziales[Bearbeiten]

Schweinfurt ist heute keine typische Arbeiterstadt mehr auf Grund mehrerer neuerer Entwicklungen. Der (Hoch)Schulstandort mit 19.000 Schülern und rund 4.000 Studenten hat sich weiterentwickelt und der Behördenstandort wurde durch Verlagerungen aus München weiter ausgebaut (siehe Öffentliche Einrichtungen); mit inzwischen 5.000 Beamten. Die Großindustrie verlagert seit langem einfachere Arbeiten in Billiglohnländer oder automatisiert sie, während in der Stadt schwerpunktmäßig Spezialanfertigung und Entwicklung betrieben wird. Durch Outsourcing entstanden neue Industriedienstleister und IT-Firmen. Und seit jeher pendeln viele Arbeiter von weit her ein, während in der Stadt und der nahen Umgebung bevorzugt Beamte, höhere Angestellte und Geschäftsleute wohnen.

Die Arbeitslosenquote sank von fast 20 % in den Krisenjahren 1993/94 auf unter 8 % (Frühjahr 2008). Seit Herbst 2008 stieg sie im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise wieder an und ab 2010 sank sie wieder und lag von 2012 bis 2014 im Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit Schweinfurt (einschließlich der Region) sehr stabil und nahezu exakt auf den niedrigen bayerischen Durchschnittswerten.

Bei den Aussagen über die soziale Lage der Stadt ist zu berücksichtigen, dass bei der Gebietsreform in Bayern in den 1970er Jahren Schweinfurt zu den wenigen Städten gehörte, in die keine Vororte eingemeindet wurden. Mit eingemeindeten Vororten aus dem Speckgürtel mit jungen, besser verdienenden Familien gäbe es völlig andere, mit anderen Städten vergleichbare statistische Werte. Dies ist der Hauptgrund, weshalb die Stadt im Zukunftsatlas 2007 trotz aller wirtschaftlichen Dynamik im sozialen Bereich deutschlandweit nur auf einem hinteren Platz steht und die höchste Seniorenquote verzeichnet.

Die Überalterung der Bevölkerung wird für viele Vereine zunehmend zum Problem. Das relativ niedrige Preisniveau der Stadt hat sich in jüngster Zeit in manchen Branchen deutlich erhöht. Das Preisniveau für Hotels in Schweinfurt und im unmittelbaren Umfeld gilt als hoch und erreicht Großstadtniveau; einer der Gründe ist die hohe Auslastung der Betten durch Geschäftsreisende.[23]

Multikulturelles Schweinfurt[Bearbeiten]

In den 1990er Jahren konnte die Einwohnerzahl nur durch staatlich gelenkten massiven Zuzug aus Osteuropa annähernd stabil gehalten werden. Russlanddeutsche und ehemalige Gastarbeiter, vor allem aus der Türkei, stellen heute ein Viertel der Bevölkerung. In der Stadt befand sich einer der letzten großen US-Standorte in Deutschland. Insgesamt lebten im Raum Schweinfurt, wenn sie nicht gerade auf einem Auslandsaufenthalt (Irak, Afghanistan) waren, bis zu 12.000 US-Bürger. Wobei die Zivilisten (Familienangehörige und zivile Angestellte in zahlreichen Einrichtungen, die einer amerikanischen Kleinstadt entsprachen) in der Mehrheit waren. Im Rahmen einer Umstrukturierung kam es zuletzt auch in Schweinfurt zum vollständigen Abbau der US-Truppen und zur Konversion der US-Areale[24] (siehe US-Streitkräfte).

Die Stadt Schweinfurt nimmt seit der Hartz-IV-Reform als eine von 69 zugelassenen Trägern am Optionsmodell teil. Die Stadtverwaltung ist dabei seit 2005 für die Vermittlung und Leistungsbewilligung für Langzeitarbeitslose aus der Stadt zuständig. Hierzu wurde die Stabsstelle Beschäftigung und Grundsicherung gegründet.[25][26] Im Jahre 2011 wurde aufgrund der Bundesgesetzgebung diese Einrichtung dauerhaft und in „Jobcenter“ umbenannt.[27] Die vorher nur befristet eingestellten Mitarbeiter erhielten Dauerarbeitsverträge.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Religionen[Bearbeiten]

St. Johannis-Kirche, Martin-Luther-Platz
Heilig-Geist-Kirche, Schultesstraße

Christentum[Bearbeiten]

Evangelisch-lutherisch[Bearbeiten]

Schweinfurt wurde 1542, und damit im Vergleich zu anderen Reichsstädten relativ spät, evangelisch.[29] Hierfür sind folgende Gründe anzuführen:

  • Die Stadt war als kleine Reichsstadt besonders auf das Wohlwollen des Kaisers bedacht, da die Reichsunmittelbarkeit das höchste Gut darstellte.
  • Schweinfurt zusammen mit den benachbarten Reichsdörfern Sennfeld und Gochsheim und mit dem reichsritterschaftlichen Ort Niederwerrn war vollständig vom katholischen Hochstift Würzburg umgeben. Bei einem Konfessionswechsel musste mit militärischen Übergriffen durch den Bischof von Würzburg gerechnet werden. Der Schutzherr der Stadt Graf Wilhelm von Henneberg bot dafür nicht genügend Rückhalt.

In St. Johannis wird mit dem „Gemeinen Kasten“ eine eindeutig lutherische Einrichtung eingeführt. Im April 1525 wurde das erste Kind „auf teutsch“ getauft. 1532 predigte der sächsische Hofprediger Spalatin anlässlich des Fürstentages in der Liebfrauenkirche, die 1729 in St. Salvator umbenannt wurde. Vor der Einführung der Reformation fanden die evangelischen Gottesdienste außerhalb des reichsstädtischen Gebiets auf Schloss Mainberg und in Sennfeld statt. Die Stadt erwarb 1542 das aufgelöste Karmeliterkloster. Die Ratsherren Nikolaus Sprenger und Ludwig Scheffer konnten mit Landgrafen Philipp I. von Hessen den führenden Kopf des Schmalkaldischen Bundes und Vorkämpfer des Protestantismus als Schutz- und Schirmherrn und Reichsvogt gewinnen. Der vom Landgrafen gesandte Prediger Johann Sutel, genannt Sutellius, hielt in Schweinfurt am 19. Juni 1542 den ersten protestantischen Gottesdienst und verfasste in der Folgezeit eine Kirchenordnung. Der Rat, die Pfarrer, und jeder, der das Bürgerrecht erwerben wollte, wurden fortan auf die evangelische Lehre vereidigt. Damit waren bis zum Ende der Reichsstadtzeit Katholiken vom Bürgerrecht ausgeschlossen. Stadtschreiber und Syndikus Adam Alberti († 1583) unterzeichnete 1579 für den Bürgermeister und den Rat der Stadt Schweinfurt die lutherische Konkordienformel von 1577.[30]

Zur Zeit der Gegenreformation (1587–1631) wanderten an die 700 Glaubensflüchtlinge aus der Stadt und dem Hochstift Würzburg nach Schweinfurt aus. Der prominenteste von ihnen war 1588 der Würzburger Ratsherr Balthasar Rüffer.

Römisch-katholisch[Bearbeiten]

Mit Einführung der Reformation waren alle Gotteshäuser evangelisch geworden. Das bayerische Religionsedikt von 1803 ermöglicht es, dass 1806 eine katholische Pfarrei wiedergegründet wurde. Die katholische Gemeinde erhielt von der Stadt die Spitalkirche zum Heiligen Geist für ihre Gottesdienste. Sie wurde mit dem stetigen Zuzug von Katholiken mit der Zeit zu klein. Im Jahr 1902 wurde der Nachfolgebau, die Heilig-Geist-Kirche, im neoromanischen Stil fertiggestellt und ist seitdem die Hauptkirche der Schweinfurter Katholiken.

Evangelische Freikirchen[Bearbeiten]

Bis zu Beginn der 1980er Jahre gab es nur eine methodistische und eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde sowie mehrere englischsprachige Freikirchen für Angehörige der US-amerikanischen Garnison in der Stadt. Seitdem wurden weitere Gemeinden evangelischer Freikirchen sowie freie Gemeinden gegründet, sowohl in pietistisch-evangelikaler als auch pfingstlich-charismatischer Prägung. Die meisten freikirchlichen Gemeinden sind in der Evangelischen Allianz vertreten.

Judentum[Bearbeiten]

Mit dem 1212 genannten Abraham von Schweinfurt lässt sich ein jüdischer Bewohner der Stadt nachweisen.[31] Nach der Zerstörung im Markgrafenkrieg erhielt die Stadt 1555 vom Kaiser das Recht, den Juden, die vorher in ihren Mauern gelebt hatten, den erneuten Zuzug zu verweigern. Erst in bayerischer Zeit durften sich nach 1814 jüdische Familien in der Stadt erneut ansiedeln; sie bildeten eine Jüdische Gemeinde und errichteten sich in der Siebenbrückleinsgasse eine Synagoge. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Gotteshaus von SA-Männern verwüstet, danach anderweitig genutzt, im Zweiten Weltkrieg zerstört und schließlich abgerissen. Ein Gedenkstein am ehemaligen Standort, jetzt Parkplatz der Sparkasse, erinnert an die jüdischen Einwohner, die vertrieben oder Opfer der Shoa wurden.[32]

Islam[Bearbeiten]

Zurzeit gibt es in Schweinfurt drei Moscheen. Eine von DITIB, eine von Milli Görus und eine des IBD.

Kultur[Bearbeiten]

Nationale Akademie der Wissenschaften[Bearbeiten]

In der seinerzeitigen Reichsstadt Schweinfurt wurde 1652 die 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften erhobene Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina von vier Ärzten gegründet (benannt nach Kaiser Leopold I.), die heute ihren Sitz in Halle (Saale) hat. Die Gründung erfolgte noch einige Jahre bevor die entsprechenden Gesellschaften in London (Royal Society) und Paris (Academie des sciences) gegründet wurden. Das Leopoldina-Krankenhaus erinnert noch an diese Gründung.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die Nationale Akademie der Wissenschaften verleiht die Carus-Medaille für herausragende wissenschaftliche Tätigkeiten. Seit 1961 verleiht die Stadt Schweinfurt den Trägern der Carus-Medaille den Carus-Preis.

Alle drei Jahre wird der Friedrich-Rückert-Preis der Stadt Schweinfurt an herausragende Schriftsteller vergeben.

Theater[Bearbeiten]

  • Theater der Stadt Schweinfurt
  • Kulturwerkstatt Disharmonie
  • Hans-Sachs-Gruppe, Pflege des spätmittelalterlichen Fastnachtsspiels, der Literatur im Allgemeinen und des Renaissancetanzes

Museen[Bearbeiten]

Museum Georg Schäfer
Kunsthalle Schweinfurt
Museum Altes Gymnasium
Das Museum Georg Schäfer präsentiert die bedeutendste Privatsammlung deutscher Malerei des 19. Jahrhunderts und die weltweit größte Sammlung von Werken von Carl Spitzweg. Ferner werden Werke von Caspar David Friedrich, Max Liebermann, Georg Ferdinand Waldmüller, Max Slevogt, Wilhelm Leibl und anderen gezeigt.
Es enthält rund 1000 illustrierte Drucke, vornehmlich des 15. und 16. Jahrhunderts, darunter die nahezu vollständige Sammlung von Dürer-Stichen in hoher Qualität. Ein zweiter Sammlungsschwerpunkt sind die Erstausgaben deutscher Literatur von der Reformationszeit bis zum Realismus.

Die Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt betreuen folgende Einrichtungen:

Sammlung Joseph Hierling zum Expressiven Realismus, Sammlung für zeitgenössische Kunst der Stadt Schweinfurt, Wechselausstellungen
  • Museum Altes Gymnasium
Schwerpunkte der heimatgeschichtlichen Sammlung sind die Frühgeschichte seit dem 8. Jahrhundert, Darstellungen der Reichsstadtzeit, der Bürgerkultur, des Zunftlebens und des Beginns der Industrialisierung
  • Gunnar-Wester-Haus
Ikonensammlung Fritz Glöckle, Sammlung Graf Luxburg mit Gegenständen der Feuererzeugung und Beleuchtungskörper
Vogelsammlung der Brüder Schuler
  • Künstlerhof Oberndorf

Musik[Bearbeiten]

  • Kulturhaus Stattbahnhof (mit Jugendzentrum)
  • Tonquadrat (Musiker Vereinigung)

Sonstiges[Bearbeiten]

Natur[Bearbeiten]

Natur- und Landschaftsschutzgebiete[Bearbeiten]

Im Stadtgebiet gibt es zwei Naturschutzgebiete und fünf Landschaftsschutzgebiete. Das Naturschutzgebiet Spitalholz liegt am Ostrand des Schwebheimer Waldes und gehört aber zum größten Teil zur Gemeinde Gochsheim.

Mainbogen[Bearbeiten]

Der Schweinfurter Mainbogen (Bild siehe Geographie) liegt zum großen Teil auf dem Stadtgebiet und trennt das rechtsmainische Hesselbacher Waldland (Schweinfurter Oberland) vom linksmainischen Schweinfurter Becken. Er ist eine Klimascheide mit starker Thermik, weshalb sich auf den linksmainischen Mainwiesen früher ein Segelflugplatz befand. Im Mainbogen verkehrt ein Ausflugsschiff von Schweinfurt nach Mainberg. Entlang bestehender und ehemaliger Weinberge nördlich des Mainbogens verläuft der Maintalradweg und im Süden liegt der Stadtpark Wehranlagen (siehe Parks).

Maininseln[Bearbeiten]

Im Stadtgebiet befinden sich drei Maininseln und ein Teil einer Halbinsel:

  • Die Maininsel Bleichrasen
Die Maininsel Bleichrasen, auch nur „Maininsel“ oder „Bleichrasen“ genannt, ist die größte der drei Maininseln. Auf ihr befinden sich das Konferenzzentrum Maininsel (KMI) mit einem Hotel, Wohnhäuser aus unterschiedlichen Epochen und Altenheime. Die Stadtbuslinie 81 fährt auf diese Insel, auf der sich früher der Städtische Schlachthof und bis 1958 der Volksfestplatz befand. Die Anfahrt zur Insel führt über zwei Brücken.
  • Die Böckleinsinsel
Von der Maininsel Bleichrasen führt eine weitere Brücke auf die Böckleinsinsel. An der Brücke befindet sich der Prototyp des ersten Walzenwehrs der Welt, das 1903 erstmals von der Firma MAN unweit von hier am Hauptarm des Mains errichtet und 1963 wieder abgerissen wurde. Die Böckleinsinsel, die im Volksmund auch „Pfaueninsel“ genannt wird, ist seit 1806 im Familienbesitz und für Unbefugte nicht zugänglich. Auf der Insel befinden sich ein Wäldchen und eine Getreidemühle, mit Hochsilos für die EG-Vorratshaltung der Bundesanstalt für landwirtschaftliche Grundversorgung (BALG) und eine Verladeeinrichtung für Schiffe. Im Mühlenkanal wurde eine Wildwasseranlage für Kanus eingerichtet.[33]
Schleuseninsel mit dem Anker; Hinten: links Museum Georg Schäfer, ganz rechts Naturkundliches Museum
  • Die Schleuseninsel
Sie ist beim Bau des Schleusenkanals entstanden, wodurch der nördliche Bereich von der Maininsel Bleichrasen abgetrennt wurde. Nach der geografischen Definition handelt es sich hierbei um keine eigene Insel, da sie in Folge eines künstlichen Bauwerkes entstand. Sie müsste deshalb weiterhin zur Maininsel Bleichrasen gerechnet werden. Zum besseren Verständnis wird sie jedoch allgemein als „Schleuseninsel“ bezeichnet. Sie ist nicht befahrbar und für Unbefugte nicht zugänglich. Auf ihr befindet sich ein Wasserkraftwerk (siehe Energieversorgung). Außerdem verläuft über diese Insel eine Freihaltetrasse für eine mögliche zweite Schleuse, um die bestehende Schleuse bei Bedarf zur Doppelschleuse ausbauen zu können.
Auf dem östlichen Ende der Schleuseninsel steht die Monumentalskulptur der Anker von dem Berliner Künstler-Ehepaar Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff. Sie schufen auch die Skulptur in der Mitte der Berliner Tauentzienstraße aus Anlass zur 750-Jahrfeier der Stadt. Brigitte Matschinsky-Denninghoff war Assistentin bei Henry Moore. Das Künstlerehepaar hatte eine enge Beziehung zu Schweinfurt und der Stadtrat wollte eine weitere Großskulptur für 300.000 Euro in Auftrag geben. Dies wurde jedoch durch ein Volksbegehren mit großer Mehrheit verhindert. Das Künstlerpaar war schon kurz vor dieser Abstimmung wegen aus ihrer Sicht mangelnder Wertschätzung verärgert und brach alle Beziehungen zur Stadt ab. Das Schweinfurter Tagblatt betitelte die Geschichte mit: „Der Anker bleibt.“[34]
Das Projekt einer 300 m langen vierten Straßenbrücke über den Main innerhalb des Stadtgebietes, die unter anderem die Schleuseninsel und die Maininsel Bleichrasen überspannen sollte, gab der Stadtrat in den 1990er Jahren endgültig auf.
  • Die Sennfelder Halbinsel
Östlich schließt sich an die drei Maininseln eine rund einen Quadratkilometer große Halbinsel an. Sie ist durch einen Staudamm, den sogenannten Elefantenbuckel mit der Böckleinsinsel verbunden. Die Halbinsel ist mit Ausnahme eines schmalen Streifens am östlichen Ende des zwei Kilometer langen Stadtparks Wehranlagen (siehe Parks) vollständig von Gewässern umschlossen: vom Main, vom Sennfelder Seenkranz und anderen. Die Halbinsel gehört nur etwa zu einem Drittel zum Gebiet der Stadt Schweinfurt, der größere Teil zur Gemeinde Sennfeld.

Architektur[Bearbeiten]

Schrotturm, Petersgasse

Bauwerke[Bearbeiten]

Weltliche Bauten[Bearbeiten]

  • Historische Stadtmauer mit Wehrtürmen, Bastionen und Spitaltorbrücke (15.-18. Jahrhundert). Die Südostecke der Stadtmauer im ältesten Viertel der Altstadt, dem Zürch war zugleich Umfassungsmauer der Reichsburg, die sich hier von 1310 bis 1427 befand. Der Name Zürch leitet sich eventuell von Burgbezirk ab. Auch nach Schleifung der Burg hatte dieses Quartier noch einen Sonderstatus, als Sonderrechtszone.
  • Renaissance-Rathaus (1569–1572) von Nikolaus Hofmann, 1955 Erweiterungsbau von Fred Angerer
  • Ebracher Hof (1573–1578); 2004–2007 Umbau zur Stadtbücherei durch die Architekten Bruno – Fioretti – Marquez
  • Altes Gymnasium (1581–1582)
  • Zeughaus (1590)
  • Schrotturm (1611–1614, 1818)
  • Historische Altstadt (Wohnhaus Metzgergasse 16, Wohnhaus Apostelgasse 21)
  • Ernst-Sachs-Bad (1931–1933) von Roderich Fick, Brunnen von Joseph Wackerle, 2008–2009 Umbau zur Kunsthalle Schweinfurt
  • Verwaltungsgebäude Fichtel & Sachs AG (1931–1933) von Paul Bonatz
  • Willy-Sachs-Stadion (1934–1936) von Paul Bonatz und Kurt Dübbers, NS-Adler von Ludwig Gies
  • Verwaltungsgebäude FAG Kugelfischer (1952–1953) von Erich Schelling
  • Verwaltungshochhaus SKF GmbH (1961–1963)
  • Theater der Stadt Schweinfurt (1964–1966) von Erich Schelling
  • Museum Georg Schäfer (1998–2000) von Volker Staab
  • Hauptzollamt (2005–2007) von der Architektengemeinschaft Bruno-Fioretti-Marquez

Kirchen[Bearbeiten]

St. Salvator-Kirche, Frauengasse
Auferstehungskirche, Brombergstraße
  • St.-Johannis-Kirche (evangelisch), historische Stadtpfarrkirche verschiedener Bauphasen, Turm wohl 1175/1200, Querhaus 1225/1240
  • St.-Salvator-Kirche (evangelisch), 1717–1719, an der Stelle mehrerer Vorgängerbauten
  • Heilig-Geist-Kirche (katholisch), katholisch Hauptkirche, 1898–1902 im neoromanischen Stil erbaut (Portale von Georg Wrba), Innenausstattung und Turm 1910/1911
  • Gustav-Adolf-Kirche (evangelisch), 1929 erbaut
  • Kreuzkirche in Oberndorf (Schweinfurt) (evangelisch), 1938–1940 erbaut
  • St. Anton (katholisch), 1950–1952 von Hans Schädel
  • Kilianskirche (katholisch), 1952–1954 von Hans Schädel mit Glasfenstern von Georg Meistermann
  • St. Josef (katholisch) in Oberndorf (Schweinfurt), 1953/1954 erbaut
  • Maria Hilf (katholisch) im Stadtteil Gartenstadt 1955–1956 erbaut
  • Dreieinigkeitskirche (evangelisch) im Musikerviertel, 1958–1959 erbaut
  • Auferstehungskirche (evangelisch) am Bergl, 1958–1959 von Olaf Andreas Gulbransson
  • Christkönig (katholisch) am Bergl, 1964–1965 von Heinz-Günther Mömken
  • Christuskirche (evangelisch) auf der Maibacher Höhe, 1964–1965 erbaut
  • St. Peter und Paul (katholisch) am Hochfeld, 1965–1966 von Lothar Schlör
  • St. Michael (katholisch) im Musikerviertel, 1966–1968 erbaut, mit Pop-Art-Kreuzweg von Walter Gaudnek
  • St.-Lukas-Kirche (evangelisch) am Hochfeld, 1966–1969 von Johannes Gerhard Weber erbaut mit einem Altarbild von Johannes Hewel (1947–2009)
  • St. Maximilian Kolbe (katholisch) am Deutschhof, 1987–1988 von Dag Schröder

Parks[Bearbeiten]

  • Wehranlagen, eine Parkanlage am Stauwehr zum Naturschutzgebiet Saumain, einem Seitenarm des Mains, früher Exerzierplatz des reichsstädtischen Militärs und bis zum Zweiten Weltkrieg Schweinfurter Zoo[35]
  • Nach den Partnerstädten benannte Parks
    • Châteaudun-Park, nordwestlich der Stadtmauer zwischen dem Theater und der Kunsthalle
    • Motherwell-Park, östlich der Stadtmauer
    • Seinäjoki-Park im Stadtteil Deutschhof
  • Pfister-Park in Oberndorf
  • Fichtelsgarten nördlich der Altstadt und Schuttberg in der westlichen Innenstadt, beide auf Trümmern aus dem Zweiten Weltkrieg eingerichtet
  • Gutermann-Promenade am Main mit Grünanlagen, Skulpturen und Industriedenkmälern[36]
  • Erholungsanlage Baggersee südlich des Mains am Schwebheimer Wald mit einer Gesamtfläche von 60 Hektar, einem 26 Hektar großen Badesee mit einem Kilometer langen Strand, einem Hochseilgarten und einem Beachcafe.[37]

Tierpark[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

Regattastrecke[Bearbeiten]

Der Schweinfurter Ruder-Club Franken von 1882 unterhält eine 1000 Meter lange Regattastrecke auf dem Main, entlang den Wehranlagen (siehe Parks). Sie ist neben der Olympiaanlage in Oberschleißheim eine der beiden bayerischen Regattastrecken. In den geraden Jahren finden die Bayerischen Meisterschaften im Rudern auf der Olympiaanlage statt und in den ungeraden Jahren in Schweinfurt, wo auch schon die Deutschen Sprintmeisterschaften, der Deutsche Rudertag und das Deutsche Ruderwandertreffen ausgetragen wurden.[38]

Willy-Sachs-Stadion[Bearbeiten]

Hauptartikel: Willy-Sachs-Stadion
Willy-Sachs-Stadion vor einem Popkonzert 2013

Das Willy-Sachs-Stadion wurde 1936, einen Monat vor den Olympischen Sommerspielen in Berlin, eröffnet. Am Namen des Stadions, das unter Denkmalschutz steht, wird immer wieder bundesweit Kritik geübt. Der Sportpark mit seinem alten Baumbestand wurde nach dem Krieg erweitert und hat zusammen mit den Sportanlagen benachbarter Vereine und den ehemals amerikanischen Sportanlagen (siehe US-Streitkräfte) eine Fläche von etwa einen halben Quadratkilometer. „Die Stadien unserer Zeit zeichnen sich durch Kurzlebigkeit aus. Nur noch das Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt und das Volkspark-Stadion in Bamberg vermitteln bis heute ein Gefühl von der Bedeutung des Sports in den 20er und 30er Jahren, in denen er in einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel eingebettet war (…) Das Wiilly-Sachs-Stadion entspricht von der Konzeption her der Idee der Freiluftsportanlage, wie sie in den 20er Jahren häufig in Deutschland realisiert wurde. Die Anlage war als Volkspark und Aufenthaltsort für Familien gedacht.“[39]

Leichtathletik[Bearbeiten]

Zu den Olympischen Spielen 1960 in Rom fanden für die Gesamtdeutsche Olympiamannschaft die Leichtathletik-Vorentscheidungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR im Willy-Sachs-Stadion statt. Zu diesen Olympischen Spielen wurde auch die (Gesamt)Deutsche Olympiaflagge eingeführt (Schwarz-Rot-Gold mit weißen Olympischen Ringen im roten Streifen).

Fußball[Bearbeiten]

Vittorio Pozzo berief A. Kupfer und A. Kitzinger in die Weltelf
Hauptartikel: 1. FC Schweinfurt 05

Der 1. FC Schweinfurt 05 (FC 05) stellte mit Andreas Kupfer den ersten Kapitän der Fußballnationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland im Spiel gegen die Schweiz am 22. November 1950 vor 103.000 Zuschauern im Stuttgarter Neckarstadion. Die größten Erfolge des Vereins waren das Erreichen der Endrunden für die Deutsche Meisterschaft 1939 und 1942 sowie 1936 das Erreichen des Halbfinales des Tschammer-Pokals, wie der DFB-Pokal damals hieß. Mit dem Beginn der Bundesliga im Jahre 1963 wurde der FC 05 zweitklassig. Zweimal misslang danach der Versuch in die Erste Bundesliga aufzusteigen. Ein Jahr nachdem der FC Bayern München Meister der Regionalliga Süd wurde und aufstieg, wurde 1966 der FC 05 Meister dieser Liga und scheiterte in der Aufstiegsrunde. Der Verein gehörte in der Saison 2001/2002 letztmals der 2. Bundesliga an. Seitdem spielt er in diversen Amateurligen. In der Rangliste der Vereine mit den meisten Abstellungen zu A-Länderspielen belegt der FC 05 den 17. Platz. Am 12. Mai 1937, vier Tage vor der Geburtsstunde der Breslau-Elf, stellte der FC 05 in einem Testspiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Manchester City im Willy-Sachs-Stadion die gesamte Läuferreihe mit Andreas Kupfer, Albin Kitzinger und Robert Bernhard.

Hauptartikel: VfR 07 Schweinfurt

Der Lokalrivale VfR 07 Schweinfurt (VfR 07) spielte von 1939 bis 1941 ebenfalls in der höchsten Spielklasse in einem eigenen Stadion. Aus dem Verein gingen zwei Nationalspieler hervor. Der größte Erfolg des Vereins war das Erreichen der zweiten Hauptrunde des Tschammer-Pokals, in der der VfR 07 gegen Rapid Wien ausschied.

Der italienische Doppelweltmeistertrainer Vittorio Pozzo stellte erstmals eine Europäische Fußballauswahl zusammen, die am 26. Oktober 1938 im Arsenal Stadium (Highbury) in London gegen England spielte. In dieser ersten Weltelf der Fußballgeschichte waren zwei Deutsche vertreten, Andreas Kupfer und Albin Kitzinger, beide vom FC 05.[40]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Schweinfurt ist das industrielle Zentrum Unterfrankens, das über etwa 49.700 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze (2008)[41] und eine der höchsten Arbeitsplatzdichten in Deutschland verfügt.[42] Weiterhin zählt Schweinfurt zu den wirtschaftlichen stärksten Städten in Deutschland. 2013 war die Stadt gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, hinter Wolfsburg und Frankfurt am Main, drittstärkster Wirtschaftsstandort Deutschlands.[43] Die Stadt ist umgeben von einer weitgehend landwirtschaftlich geprägten Region. Hierher kommen täglich Pendler aus bis zu 40 km Entfernung. Nach einer schweren Krise am Beginn der 1990er Jahre mit dem Verlust von mehr als 10.000 Arbeitsplätzen erlebte die örtliche Industrie bis Herbst 2008 einen neuen Boom.

Das Schweizer Forschungsinstitut Prognos setzte Schweinfurt im Zukunftsatlas 2007 im Bereich Dynamik beim Vergleich von 439 deutschen Städten und Landkreisen auf Platz 1 (Zukunftsfähigkeit allgemein: Platz 19).

In einer Exklusivstudie für das manager magazin (Ausgabe Januar 2010) untersuchte die Standortberatungsfirma Contor über 1000 EU-Regionen auf ihre Zukunftsfähigkeit. In diesem Europa-Ranking ohne Großbritannien belegte Schweinfurt Platz 16 und lag zwischen Paris-Stadt (Platz 15) und Stockholm (Platz 17).

Dank hoher Gewerbesteuereinnahmen konnten in den letzten Jahren große Investitionen getätigt werden (siehe Gegenwart). Ende 2008 war die Stadt schuldenfrei.

Der Industriestandort Schweinfurt[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Schweinfurt ein Zentrum der deutschen Farbenindustrie. Wilhelm Sattler produzierte und exportierte das (hochgiftige) Schweinfurter Grün in alle Erdteile. Mit dem Aufkommen der Anilin-Farben (BASF, Hoechst AG) verlor es jedoch ab 1860 an Bedeutung. Die Farbenfabrik Deifel produziert noch in Schweinfurt.

Geprägt wurde die Stadt seit etwa 1890 von der metallverarbeitenden Industrie.[44] Größte Arbeitgeber waren der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG (ehemals ZF Sachs und Fichtel & Sachs), die beiden Wälzlagerhersteller Schaeffler AG (ehemals FAG Kugelfischer) und SKF (Svenska Kullagerfabriken) (vormals Vereinigte Kugellagerfabriken AG (VKF), Fries & Höpflinger) sowie die Bosch Rexroth AG (ehemals Deutsche Star) und Fresenius Medical Care.

Weitere Unternehmen mit Hauptsitz in Schweinfurt sind beispielsweise der Fahrradhersteller Winora, der Fahrradkomponentenhersteller SRAM (Europa-Hauptsitz), der Kunststoffproduzent Maincor und das Mineralölunternehmen Erik Walther.

Hauptverwaltung FAG Kugelfischer 1952–1953 von Erich Schelling, heute Hauptsitz von Schaeffler Industries

Ausgangspunkt der großindustriellen Entwicklung der Stadt war die Konstruktion einer Kugelschleifmaschine durch Friedrich Fischer im Jahr 1883. In der Folge entstanden aus kleinsten Anfängen die drei Firmen FAG Kugelfischer, Fries & Höpflinger (1890) und Fichtel & Sachs (1895), die Schweinfurt zum Zentrum der europäischen Wälzlagerindustrie machten. Nach einer ersten Boomphase in den Jahren 1896/97 sank die Beschäftigtenzahl in der darauffolgenden Krise um 1900 noch einmal auf wenige hundert Arbeiter. Der industrielle Aufschwung vollzog sich ab 1903. Sowohl der Erste als auch der Zweite Weltkrieg brachten der Schweinfurter Industrie einen erheblichen Entwicklungsschub. Im Herbst 1918 hatten die drei Großbetriebe etwa 12.000 Beschäftigte (davon knapp 8.000 bei Fichtel & Sachs). Am Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise waren es Ende 1932 nur noch 7.100. Die 1929 maßgeblich von SKF, Ernst Sachs und Georg Schäfer (II) gestaltete Neuordnung der deutschen Wälzlagerindustrie hatte zunächst viele Arbeitsplätze gekostet, erwies sich mittel- und langfristig für den Standort jedoch als Weichenstellung von kaum zu überschätzender Bedeutung. Auf die Depression folgte ab 1934 ein von massiven staatlichen Investitionen (Arbeitsbeschaffungsprogramme, Kriegsrüstung) getragener Wirtschaftsaufschwung. Ab Mitte der 1930er Jahre bis etwa 1970 war Schweinfurt nach Nürnberg, Augsburg und München der viertgrößte Industriestandort in Bayern. Das Wälzlager ist für alle Fortbewegungsmittel, egal ob Fahrrad, Auto, Flugzeug, Panzer oder Schiff, ein unentbehrliches Bauteil, damit profitierten die Unternehmen von der rasant ansteigenden Motorisierung und der Kriegsrüstung[45]

  1928 1932/33 1938/39 1944/45
Fichtel & Sachs 6.800 2.300 6.700 7.100
Fries & Höpflinger 1.900 - - -
FAG Kugelfischer 2.200 2.800 8.000 11.700
VKF (SKF) - 2.000 6.000 8.000
Angriff auf das Industriegebiet; in der Mitte die Innenstadt und unten die Altstadt
BW

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt durch die Konzentration der kriegswichtigen Wälzlagerproduktion (über 60 % der Gesamtproduktion des Deutschen Reiches) wiederholt das Ziel alliierter Bomberangriffe. Unter großen Anstrengungen wurde die Produktion aufrechterhalten und wurden die Fabriken teilweise bunkerartig gegen Bomben geschützt. Teile der Produktion wurden an andere Standorte, unter anderem nach Eltmann, Ebern, Elfershausen oder in den Baubetrieb Neustadt verlegt. Die Zahl der Zwangsarbeiter erreichte Ende 1943 mit 4400 ihren Höchststand, Kriegsgefangene wurden insgesamt 4500 eingesetzt.[46] Seit September 2011 erinnert eine Gedenkstätte an das Schicksal der Zwangsarbeiter.[47] Mit Kriegsende kam die Produktion im Mai 1945 zum Erliegen, die Fabrikanlagen waren größtenteils zerstört.

Höhepunkt[Bearbeiten]

Der ab 1949 einsetzende Wirtschaftsaufschwung führte in den 1950er und 1960er Jahren zu ständig steigenden Beschäftigtenzahlen. Um 1965 erreichte die Schweinfurter Industrie mit über 30.000 Mitarbeitern bei insgesamt 57.000 Arbeitsplätzen ihren historischen Höchststand. FAG Kugelfischer, Fichtel & Sachs und SKF zählten in dieser Zeit zu den 100 größten Industrieunternehmen in Deutschland. Der bereits zu Beginn der 1970er Jahre einsetzende Rückgang der Beschäftigung erreichte 1993/94 mit dem Verlust von 10.000 Arbeitsplätzen seinen dramatischen Höhepunkt. In den folgenden Jahren gewannen die bereits seit 1909 hier ansässige Deutsche Star (seit 1987 Mannesmann bzw. Bosch Rexroth mit 2.200 Beschäftigten im Jahr 2008) und Fresenius Medical Care (2008: 1.100 Mitarbeiter) größere Bedeutung für den Industriestandort Schweinfurt. Nach einem Tiefststand im Jahr 1997 mit nur noch 17.000 Arbeitnehmern waren Ende 2008 wieder etwa 21.000 Personen in der hiesigen Industrie beschäftigt.

Erste feindliche Übernahme[Bearbeiten]

ZF Sachs in Schweinfurt, heute ZF Friedrichshafen AG

Mit der ersten feindlichen Übernahme in Deutschland des DAX Unternehmens FAG Kugelfischer durch INA-Schaeffler (2001) verlor auch das letzte der drei Traditionsunternehmen seine Selbständigkeit. Die Sachs-Erben hatten 1976 die Mehrheit am Unternehmen verkauft, die Familie Schäfer verlor 1993 die Führung bei FAG und schied aus der Geschäftsführung aus. In der dritten Generation verkauften beide Familien, Sachs 1987 und Schäfer 2001 die letzten Firmenanteile. 2006 wurde das Unternehmen FAG Kugelfischer endgültig aufgelöst und in die Geschäftstätigkeit des Schaeffler-Konzerns (Schaeffler KG) integriert. Jedoch blieb die Marke FAG in allen Geschäftsbereichen erhalten. Zudem ist Schweinfurt Hauptsitz von Schaeffler Industries (Schaeffler Technologies GmbH & Co. KG).

Die in der Wirtschaftswunderzeit als „Die großen Drei aus Schweinfurt“ bezeichneten Unternehmen werden heute von Friedrichshafen (ZF Friedrichshafen AG), Herzogenaurach (Schaeffler AG) und Göteborg (SKF) aus geführt, gleichwohl hängt die Entwicklung der Stadt nach wie vor entscheidend von ihnen ab.

Einzelhandel[Bearbeiten]

Altstadt: Spitalstraße

Die Innenstadt besteht aus zwei unterschiedlich strukturierten Bereichen. Die Altstadt im Osten um den Marktplatz mit Rückertstraße, Brückenstraße, Spitalstraße und Keßlergasse ist eine zum Teil von Stadtbussen befahrene Fußgängerzone, wo es neben Filialisten noch viele inhabergeführte Fachgeschäfte gibt. In der City im Westen um Roßmarkt und Jägersbrunnen dominieren neben Fachgeschäften und Filialisten Kaufhäuser und Banken.

Anfang 2009 eröffnete westlich der City ein 22.000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum mit etwa hundert Geschäften (Stadtgalerie Schweinfurt), das zu den größten seiner Art in Franken zählt. Wegen der befürchteten negativen Auswirkungen für den etablierten Handel in der Innenstadt war 2005 ein Bürgerentscheid durchgeführt worden. Eine knappe Mehrheit entschied sich für das Projekt des Hamburger ECE-Konzerns, das zwischen Schrammstraße und Gunnar-Wester-Straße auf dem Gelände des früheren Werkes I von SKF verwirklicht wurde. Dabei wurde der ganze westliche Rand der City mit dem Jägersbrunnen, dem Schillerplatz und der Schrammstraße als Weststadt völlig umgestaltet.

City: Jägersbrunnen

Auf Grund der topografischen Rahmenbedingungen nördlich des Mains mit dem Hesselbacher Waldland im Osten und dem Schweinfurter Becken im Westen, verschiebt sich der Schwerpunkt der Stadt seit dem Mittelalter ständig nach Westen, was sich auch massiv auf den Einzelhandel auswirkt. Bis 1960 lag das Hauptgeschäftszentrum um Markt und Spitalstraße. Die erste Westverschiebung erfolgte durch den Bau des Stadtbusbahnhofes am Roßmarkt und die zweite 1963 mit der Eröffnung eines Warenhauses am Jägersbrunnen, zu dem in den 1970er Jahren ein Textilkaufhaus dazukam, bis dann schließlich noch weiter im Westen die Stadtgalerie eröffnet wurde. Gleichzeig verödete der Ostrand der Stadt zunehmend und die Obere Straße verlor ihre Bedeutung als Einkaufsstraße. So reicht die Innenstadt heute vom Rückert-Center im Osten bis zur Stadtgalerie im Westen mit einer Ausdehnung von 1,5 Kilometer (Luftlinie).

Mit dem Sprung über den Main entstand ab 1963 südlich des Mains ein neues großes Hafen- und Industriegebiet. Das Gewerbegebiet im östlichen Teil, der Hafen-Ost entwickelte sich hierbei anders, als von der Stadt geplant. Der freie Markt sah hier, unweit der (künftigen) Autobahn A 70 ideale Voraussetzungen für Fachmärkte und so entstand eines der größten SB-Marktzentren Deutschlands, in Konkurrenz zur Innenstadt. Die Stadt lässt hier jedoch kein innenstadtrelevantes Warenangebot zu, was wiederum die angrenzende Gemeinde Sennfeld ausnutzte, zu deren Gemeindegebiet der östliche Teil des Hafen-Osts gehört, wo sie unter anderen innenstadtrelevanten Einzelhandel ansiedelte, um Kaufkraft abzuschöpfen.

Verkehr[Bearbeiten]

Main; oben links: Anlegestelle für Personenschiffe, mitte links: Einfahrt zur Schleuse

Schweinfurt ist mit einem Binnenhafen südlich des Mains, drei Autobahnen (A 7, A 70 und A 71) und drei Bahnhöfen (Schweinfurt Hauptbahnhof, Schweinfurt Mitte und Schweinfurt Stadt) der Deutschen Bahn AG und der Erfurter Bahn ins Verkehrsnetz eingebunden. Knapp außerhalb der Stadtgrenze liegt das von der Stadt an den Aero-Club verpachtete Gelände des Sportflugplatzes Schweinfurt-Süd. Unmittelbar hinter der westlichen Stadtgrenze befindet sich ein ehemaliger Militärflugplatz auf Geldersheimer Gemeindegebiet, der zu den Conn-Barracks gehört, die seit dem Abzug der US-amerikanischen Truppen 2014 nicht mehr genutzt werden. Am Verkehrslandeplatz Hassfurt ist die Stadt an der Flughafen-Gesellschaft beteiligt. Die Stadt war von 1911 bis 1912 Endpunkt der in Mainz beginnenden Kettenschifffahrt auf dem Main (ab 1912 Bamberg). 1936 wurde sie wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt.

Bundeswasserstraße[Bearbeiten]

Schweinfurt liegt am Rhein-Main-Donau-Kanal, der auch Europakanal genannt wird, einer Bundeswasserstraße und Großschifffahrtsstraße, die die Nordsee bei Rotterdam mit dem Schwarzen Meer bei Constanta verbindet. Die Häfen Schweinfurts umfassen einen Binnenhafen, eine Lände, Anlegestellen für Personenschifffahrt und Kreuzfahrtschiffe, sowie Bootshäfen. Zudem ist im Maintal ein Areal für einen möglichen Containerhafen mit Gleis- und Autobahnanschluss reserviert. Im Stadtgebiet befindet sich außerdem eine Bootsschleuse für Sportboote und eine Schleuse (Länge 300 m, Breite 12 m) für Einzelfahrer und Schubverbände bis 185 m Länge. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt ist eines von 39 bundesdeutschen Wasser- und Schifffahrtsämtern (WSA) und ist für die Bundeswasserstraße Main im größten Bereich Unterfrankens auf einer Länge von 202,49 km zuständig.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Gerolzhöfer Brücke über den Main, der Bahnlinie nach Kitzingen-Etwashausen
  • Ab Dezember 2015 erhält die Stadt durch den Main-Spessart-Express eine direkte Verbindung nach Frankfurt am Main. An Wochenenden und Feiertagen werden zwei Zugpaare auf einer elektrifizierten Strecke durch das Werntal unter Umgehung von Würzburg auf direkten Weg nach Frankfurt fahren.[48]
  • Main-Spessart-Express ab Dezember 2015: Bamberg – Schweinfurt  – (Würzburg) – Frankfurt am Main
  • Ab Dezember 2015 sind Paris-Est mit einmaligem Umstieg in Frankfurt am Main und über den Eurostar London-St Pancras erreichbar.[49]
  • Ab Dezember 2017 ist das neue Drehkreuz Erfurt in ca. 1 h 30 min und Leipzig in ca. 2 h 10 min erreichbar, da dann die neue Schnellbahnstrecke München – Berlin mit Halt in Bamberg mit einer Fahrtzeit von nur noch 3 h 55 min fertiggestellt sein wird.[50]
  • Eine Regionalbahnstrecke bindet Schweinfurt an die beiden nahen ICE-Halte in Würzburg und Bamberg an (Bahnstrecke Würzburg-Bamberg)
  • Weitere Regional- und Nahverkehrsstrecken führen von Schweinfurt in die Region und nach Thüringen
  • Auf der Bahnstrecke Schweinfurt – Kitzingen findet, abgesehen von Güterverkehr in den Schweinfurter Hafen und zu einem Gleisanschluss in Sennfeld, kein regelmäßiger Betrieb mehr statt, da die Stadt Gerolzhofen in den 1990er Jahren auf Rückfrage der Deutschen Bahn keinen Personenverkehr auf der Strecke mehr wollte. Gelegentlich fahren dort noch Sonderzüge.
  • Die elektrifizierte eingleisige Bahnstrecke Waigolshausen – Gemünden zweigt in Waigolshausen von der Hauptstrecke nach Würzburg ab. In Gemünden trifft sie auf die Hauptstrecken Würzburg – Fulda und Würzburg – Aschaffenburg und ist damit eine wichtige Umgehung des Bahnknotens Würzburg. Sie wird bis Dezember 2015 ausschließlich für den Güterverkehr genutzt (siehe Werntalbahn), danach auch wieder für den Personenverkehr (siehe Main-Spessart-Express).

Schweinfurt hat die drei Bahnhöfe Hauptbahnhof, Stadtbahnhof, Sennfelder Bahnhof (derzeit nur Güterverkehr), den Haltepunkt Schweinfurt Mitte und ein Containerterminal.

Überregionaler Busverkehr[Bearbeiten]

Fernbuslinien haben Haltestellen am ZOB vor dem Hauptbahnhof.

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)[Bearbeiten]

Der innerstädtische ÖPNV-Verkehr wird vor allem mit 20 Omnibuslinien der Stadtwerke Schweinfurt abgewickelt. Von 1895 bis 1922 verkehrte die Städtische Straßenbahn Schweinfurt mit Pferdeantrieb zwischen dem Rathaus und dem Hauptbahnhof. Außerdem gibt es eine Taxi-Genossenschaft. Die Regionalbusgesellschaft Omnibusverkehr Franken (OVF) benutzt mit ihren Frankenbus-Linien die Stadt als Knotenpunkt (ZOB Hauptbahnhof) in ihrem Regionalbusnetz. Außerdem verbindet der Regionalzug Unterfranken-Shuttle den Schweinfurter Hauptbahnhof mit den zwei Haltepunkten Schweinfurt Mitte und Schweinfurt Stadtbahnhof.

Fahrradverkehr[Bearbeiten]

Ein überörtlich ausgeschildertes Radwegenetz ist weitgehend angelegt. Das relativ flache Topographie in der Schweinfurter Innenstadt begünstigt das Fahrrad als alltägliches Transportmittel. Durch die unmittelbare Lage am 600 Kilometer langen Main-Radweg ist Schweinfurt auch Anfahrtsziel für viele touristische Radreiserouten.

Oberndorfer Autobahnbrücke (A 70) über den Main

Autobahnen[Bearbeiten]

Bundesstraßen[Bearbeiten]

Schweinfurt liegt an folgenden Bundesstraßen:

Flugplätze[Bearbeiten]

Hubschrauberlandeplätze[Bearbeiten]

  • Am städtischen Klinikum Leopoldinakrankenhaus für die Notaufnahme
  • Am Flugplatz Schweinfurt-Süd
  • In den Conn-Barracks, derzeit nicht genutzt (siehe Einleitung Verkehr)

Energieversorgung[Bearbeiten]

Strukturen[Bearbeiten]

Zentrale Struktur: Die Stadtwerke Schweinfurt GmbH betreibt in der Stadt und in einigen Randgemeinden ein Stromnetz, ein Methangasnetz, ein Fernwärmenetz und ein Kabelnetz. Der Strom wird an der Börse in Leipzig gekauft, allerdings sind die Stadtwerke auch Miteigentümer des Wasserkraftwerkes an der Schweinfurter Main-Staustufe und an einer mittelgroßen Photovoltaikanlage auf dem Dach ihres Busdepots beteiligt. Das Gas wird vollständig zugekauft. Die Fernwärme wird von der Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt GmbH (GKS) bezogen, die an der (linksmainischen) Hafenmole ein kombiniertes Kohle- und Müllheizkraftwerk (GKS) sowie verschiedene Spitzenlastheizwerke im Stadtgebiet betreibt. Neben den Stadtwerken werden damit die größeren Industriebetriebe (FAG, SKF, Sachs, Bosch) mit Heißdampf versorgt. In der Industrie wird der Dampf teilweise direkt genutzt, der andere Teil wird – wie bei den Stadtwerken – in Heißwasser von bis zu 130 °C umgewandelt. Dieses wird über Rohre in Haubenkanälen oder erdverlegt zu den Nutzern transportiert und dort für Raumheizung und -kühlung sowie die Warmwasserbereitung verwendet.

Dezentrale Struktur: Außerdem gibt es im Stadtgebiet eine große Anzahl von mit Heizöl betriebenen Kesseln für Raumheizung und Warmwasser, teilweise durch thermische Solaranlagen ergänzt. Die Möglichkeit zur Einspeisung von photovoltaisch produziertem Strom (EEG) in das öffentliche Stromnetz wird auch in Schweinfurt von vielen privaten Betreibern genutzt. Die größte Anlage gehört der Firma SKF (ca. 700 kWp) und steht auf dem Dach ihrer Logistikhalle.

Großkraftwerke[Bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG), das sich 3,4 km südwestlich von der Stadtgrenze befindet, soll Ende Mai 2015 abgeschaltet werden. Der wichtige Leitungsknoten bleibt bestehen, mit dem Anschluss an das Höchstspannungsnetz und das Europäische Verbundsystemnetz und wird seit Anfang 2015 mit einem weiteren Umspannwerk ausgebaut. An dem Knoten soll die geplante Südlink Stromtrasse enden, die im Rahmen der Energiewende die Stilllegung von Atomkraftwerken durch Windkraft aus dem Norden kompensieren soll. Die Stadt Schweinfurt hat im Maintal ein sechs Hektar großes Grundstück für das Schweizer Unternehmen PQ Energy reserviert, für den Bau eines Zuschalt-Gasturbinenkraftwerkes. Es soll als Reserve für produktionsarme Zeiten Schwankungen im Stromnetz stabilisieren und vier Kraftwerksblöcke mit einer Kapazität von insgesamt 1044 Megawatt (MW) oder sechs Blöcke mit insgesamt 768 MW umfassen und bis zu etwa 500 Stunden pro Jahr laufen. Angestrebt wird eine Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Schweinfurt. Eine Projektgesellschaft PQ Energy Schweinfurt GmbH soll hierzu gegründet werden.[51][52]

Medien[Bearbeiten]

Zeitungen[Bearbeiten]

Die Würzburger Mediengruppe Main-Post verfügt im Bereich der Printmedien über eine Monopolstellung. Sie besitzt die beiden Tageszeitungen Schweinfurter Tagblatt und Volkszeitung.Der Lokalteil beider Zeitungen ist weitgehend identisch, vereinzelt zeigen Kommentare unterschiedliche Positionen auf. Wöchentlich werden kostenlos der Schweinfurter markt und main Sonntag verteilt. Auch diese Zeitungen gehören zur Mediengruppe Main-Post.

Mittwochs und sonntags erscheinen zusätzlich die Anzeigenblätter Schweinfurter Anzeiger und Sonntagsanzeiger von dem Schweinfurter SAZ-Verlag.

Monatlich erscheint das kostenlose groschenheft. Es informiert über die Veranstaltungen der Stadt und des Landkreises Schweinfurt. Das groschenheft hat eine IVW-geprüfte Auflage und ist Mitglied im Bewegungsmelderverbund.

Zweimal pro Jahr (Mai und November) erscheint für die Studenten der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt die hochschuleigene Zeitschrift BLICK, die vor allem über Themen aus der Forschung informiert.

Fernsehen und Hörfunk[Bearbeiten]

Zwei regionale Fernsehanbieter senden ein Programm für Schweinfurt und die Region Main-Rhön: TV touring ist im regionalen Kabelnetz sowie über den digitalen Satellitentransponder (Franken-SAT) auf ASRTA (19,2° Ost) zu empfangen. TV1 sendet donnerstags auf den Frequenzen von TV touring.

Das kommerzielle Hörfunkprogramm Radio Primaton (100,5 MHz) mit 0,5 kW Leistungsstärke sendet von einer Antenne auf dem SKF-Verwaltungs-Hochhaus seit 1991 regionale Berichte für die Region Main-Rhön. Betreiber ist die Schweinfurter Rundfunk GmbH & Co. Studiobetriebs-KG.

In Schweinfurt unterhält der Bayerische Rundfunk (BR) ein Korrespondentenbüro (Norbert Steiche), das für die BR-Hörfunkprogramme Beiträge mit Informationen aus der Region Main-Rhön produziert.

Der Rundfunksender der amerikanischen Streitkräfte American Forces Network (AFN) sendet von einer Antenne im Stadtteil Oberndorf (Schweinfurt) auf der UKW-Frequenz 87,7 M:Hz mit 0,1 kW Leistungsstärke. Von diesem Sender ist auch analog AFN-TV zu empfangen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Land- u. Amtsgericht Rüfferstraße

Schweinfurt ist ein wichtiger Behördenstandort. Die Zuständigkeitsbereiche erstrecken sich bei mehreren Behörden weit über die Region hinaus. In den 1990er Jahren wurden zwei bayerische Landesbehörden aus München nach Schweinfurt teilverlegt.

Gerichte[Bearbeiten]

Ämter[Bearbeiten]

Hauptzollamt, Brückenstraße (2005-2007) von Bruno-Fioretti-Marquez

Freizeit[Bearbeiten]

  • Sport- und Freizeitbad Silvana
  • Stadtbücherei im Ebracher Hof
  • Musikschule
  • Willy-Sachs-Stadion (16.500 Zuschauer)
  • Eisstadion Icedome (3.000 Zuschauer)
  • Erholungsanlage Wehranlagen
  • Badesee am Schwebheimer Wald (26 ha)
  • Kletterwald (ebd.)
  • Wildpark an den Eichen

Hochschule und verwandte Einrichtungen[Bearbeiten]

Hochschule für angewandte Wissenschaften[Bearbeiten]

Hörsaalgebäude der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Schweinfurt, von Fred Angerer

In der Schweinfurter Abteilung der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt studieren über 3600 Studenten. Die Hochschule entstand 1971 durch den Zusammenschluss des Schweinfurter Balthasar-Neumann-Polytechnikums mit der Würzburger Höheren Wirtschaftsschule und Werkkunstschule.[53]

Die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt ist mit insgesamt 8833 Studenten und 202 Professoren (WS 2012/13) die drittgrößte Hochschule für angewandte Wissenschaften in Bayern. In Schweinfurt wurde 2011 unweit des Campus I ein Campus II eröffnet.

i-Campus[Bearbeiten]

Derzeit wird von der Hochschule in Schweinfurt ein dritter Campus aufgebaut. Auf einem insgesamt 28 Hektar großen Areal einer ehemaligen US-Kaserne entsteht der internationale Hochschulcampus i-Campus. Die Vorlesungen begannen im WS 2013/14. Ein Studentendorf soll angegliedert werden.[54][55] Auf dem Campus sollen außerdem eine i-Company und eine i-Factory aufgebaut werden, wo u.a. Unternehmen direkten Zugang zu den Forschungseinrichtungen der Hochschule bekommen.[56]

Uni-Lehrkrankenhaus[Bearbeiten]

Das Klinikum der Stadt Schweinfurt Leopoldina Krankenhaus ist Lehrkrankenhaus der Universität Würzburg.

Schulen[Bearbeiten]

In Schweinfurt besuchen derzeit rund 19.000 Schüler 50 Schulen.[57] Diese Schulen untergliedern sich in acht Grundschulen, von denen drei auch eine Hauptschule beherbergen. Des Weiteren gibt es eine private Grund- und Hauptschule, auf welcher nach der Montessoripädagogik unterrichtet wird. Außerdem existieren zwei private Wirtschaftsschulen, vier Berufsschulen und eine Fachakademie für Sozialpädagogik. In Schweinfurt gibt es fünf Gymnasien und zwei Realschulen sowie die Privaten Schulen Schwarz, in der die Erste private Realschule Schweinfurt und die Private Wirtschaftsschule Müller zusammengefasst sind. Dazu gehörte von 2011 bis 2013 auch die Erste Private Fachoberschule Schweinfurt, die bereits zum Schuljahr 2013/2014 ihren Betrieb auf Grund eines Eklats im Rahmen der Abiturprüfungen 2013 wieder einstellen musste.

Das Walther-Rathenau-Gymnasium beherbergt eine Realschule (Walther-Rathenau-Realschule), das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium gilt als eines der größten Gymnasien Bayerns,[58] das Celtis-Gymnasium wird als einziges Schweinfurter Gymnasium vom Landkreis Schweinfurt finanziert. Das Olympia-Morata-Gymnasium erlangte im Schuljahr 2006/2007 kurzzeitig bundesweit Bekanntheit, als ein Lehrer den erstmals vom Ki.Ka veranstalteten Wettbewerb um den Titel des coolsten Lehrers Deutschlands gewinnen konnte. Neben diesen Schulen fällt das private Lyzeum der Republik Griechenland dadurch auf, dass der Schulträger das Bildungsministerium Griechenlands ist und der Schulaufwandsträger die Republik Griechenland.[59] Das Bayernkolleg Schweinfurt bietet die Möglichkeit, das Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg zu erwerben. Die Friedrich-Fischer-Schule besteht aus einer Fachoberschule und einer Berufsoberschule. Neben diesen Schulen gibt es auch eine Musikschule. Sie wurde im Jahr 1872 gegründet und zählt mittlerweile zu den größten Musikschulen Bayerns.[60]

Friedenschule, Ludwigstraße
Gymnasien
  • Alexander-von-Humboldt-Gymnasium
  • Celtis-Gymnasium
  • Olympia-Morata-Gymnasium
  • Walther Rathenau-Gymnasium
  • Privates Lyzeum der Republik Griechenland
Schulen des Zweiten Bildungsweges
  • Bayernkolleg
Realschulen
  • Walther-Rathenau-Realschule
  • Wilhelm-Sattler-Realschule
Haupt-/Mittelschulen
  • Friedenschule
  • Auenschule
  • Albert-Schweitzer-Schule
  • Private Montessori-Schule
Fachakademie
  • Fachakademie für Sozialpädagogik
Berufsschulen
  • Dr.-Georg-Schäfer-Schule Schweinfurt, Staatl. Berufsschule I
  • Ludwig-Erhard-Schule, Staatl. Berufsschule II Schweinfurt
  • Staatl. Berufsschule III Schweinfurt

Weinort Schweinfurt[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Die Stadt ist ein Weinort in Franken (Weinbaugebiet) im Bereich Maindreieck (Liste der Weinorte in Franken). Am Ostrand der Stadt, an den steilen Südhängen des Maintals, befinden sich die beiden kleinen, großlagenfreien Weinlagen Peterstirn und Mainleite, mit zusammen etwa drei Hektar Rebfläche und der Leitsorte Silvaner.

Geschichte[Bearbeiten]

Morgenseite mit Weinbergen 1847

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Schweinfurt eine bedeutende fränkische Weinbau- und Weinhandelsstadt. Zum Ende der Reichsstadt-Zeit 1802 waren es etwa 320 Hektar Rebfläche. Der Weinbau kam unter anderem infolge der Reblaus im Laufe der Zeit nahezu ganz zum Erliegen. Teile einiger Stadtviertel bis hin zum Rand der Altstadt befinden sich auf ehemaligen Weinbergen. Seit den 1980er-Jahren wird wieder in den historischen Weinlagen Peterstirn und Mainleite Weinbau betrieben. Am Burgberg des Schlosses Peterstirn aus dem 19. Jahrhundert mit dem Karlsturm, an der Stelle des ehemaligen Benediktinerklosters Schweinfurt, befindet sich ein Schweinfurter Weingut. Durch die Unterbrechung des Weinbaus bis zu den 1980er-Jahren blieben die Weinberge von der Flurbereinigung der 1970er-Jahre verschont, bei der vielerorts die historischen Strukturen zerstört wurden. Die kleine Wein-Kulturlandschaft am Schloss Peterstirn mit ihren Natursteinmauern und Gerätehäuschen blieb dadurch erhalten.

Goethe schätzte den Schweinfurter Wein und ließ sich große Mengen liefern, allein im Jahre 1821 700 Liter. Die Verbindung Goethes zum Schweinfurter Wein geht aus sieben Goethebriefen hervor, die im Goethe-Schiller-Museum in Weimar verwahrt werden.[61]

Dreifrankenblick[Bearbeiten]

Am oberen Ende des Weinbergs Peterstirn steht ein kleiner Aussichtsturm. Von ihm blickt man über die zentrale unterfränkische Landschaft Mainfränkische Platten auf den gesamten Steigerwaldkamm, der in kleinen Teilen zu Oberfranken gehört. Bei guter Sicht ist westlich (rechts) hinter dem Schwanberg in 48 km Entfernung der Kapellenberg oberhalb des Weinortes Bullenheim in Mittelfranken erkennbar.

Lokale Spezialität[Bearbeiten]

Schlachtschüssel-Gedeck, mit Kren (Meerrettich), Salz, Pfeffer und Brot

Die Original Schweinfurter Schlachtschüssel ist ein Gericht, das der Schweinfurter Metzgerwirt Georg Josua Schwanhäusser im Gasthof Goldener Stern in der Oberen Gasse 36 im Jahre 1856 seinen Gästen erstmals servierte. Die Schlachtplatte, fränkisch Schlachtschüssel, findet sich auf keiner Speisekarte und ist kein übliches Essen, sondern eher ein Fest in geselliger Runde, über mehrere Stunden, für einen größeren Personenkreis. Der Ablauf erfolgt nach einem genau überlieferten Zeremoniell, einschließlich traditioneller Belustigungen. Manchmal auch mit Musikbegleitung und Gesang. Die Schlachtschüssel wird ausschließlich in Wirtshäusern in und um Schweinfurt angeboten. Mit der wichtigsten Besonderheit, dass das Kesselfleisch auf bis zu fünf Meter langen Holzbrettern serviert wird, von denen auch gegessen wird, an Stelle von Tellern. Dazu gibt es nur Brot, Kren (fränkisch für Meerrettich) und Sauerkraut. Getrunken wird Frankenwein, Weinschorle oder Most; Bier ist verpönt.

Wissenswertes[Bearbeiten]

Ein Vater des Bauhauses[Bearbeiten]

Wirsing Villa, Alte Bahnhofstraße Schweinfurt, Theodor Fischer 1909

Der am 28. Mai 1862 in Schweinfurt geborene Theodor Fischer, der das humanistische Gymnasium in Schweinfurt (heute Celtis-Gymnasium) besuchte, wurde „als einflussreichster und bedeutendster Architekt vor dem Ersten Weltkrieg“ bezeichnet.[62] Fischer stellte um 1900 den General-Bebauungsplan für München auf, der bis zum Zweiten Weltkrieg verbindlich galt. Er zählt zu den wichtigsten Architekten in der Übergangsphase zwischen Historismus und Moderne. Einerseits kritisierte ihn sein Nachfolger auf dem Lehrstuhl der Technischen Hochschule Stuttgart, Paul Bonatz heftigst, als „fränkisch verknödelt“. Andererseits wandte sich Fischer von seiner Mitarbeit (1886 bis 1889) am Berliner Reichstagsgebäude unter Paul Wallot ab, distanzierte sich vom Historismus und galt schließlich als ein Vater der modernen Architektur und des Bauhauses. Seine Gedanken im „Manifest für die deutsche Baukunst“ wurden Grundlage für das Bauhaus-Manifest. 1932 sowie in einer Rede im Oktober 1933 vor der versammelten NS-Prominenz appellierte er für den Erhalt des Bauhauses.

Ludwig Mies van der Rohe[Bearbeiten]

40 Jahre vor der Eröffnung des Museum Georg Schäfer beauftragte der Schweinfurter Industrielle Dr. Georg Schäfer Ludwig Mies van der Rohe für die Planung eines Museums für seine damals bereits bedeutende Privatsammlung. Der Entwurf von 1960/61 sah einen gläsernen, stützenlosen, eingeschossigen Hallenraum mit einer Stahlkonstruktion vor und sollte im Fichtelsgarten, einem Abschnitt der nördlichen Schweinfurter Wallanlagen, errichtet werden. Der damalige von der SPD dominierte Stadtrat lehnte das Geschenk des Industriellen für seine Heimatstadt wegen der zu übernehmenden Unterhaltskosten ab. Daraufhin verwirklichte Mies van der Rohe die Idee in größeren Abmessungen als Neue Nationalgalerie in Westberlin an der Potsdamer Straße in den Jahren 1965–1968. Es ist das einzige Bauwerk, das Mies van der Rohe in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg umsetzte und gilt als Meisterwerk am Ende seiner langen Laufbahn. Die Bauleitung hatte sein Enkel Dirk Lohan, der mit Heidemarie Schäfer, der Tochter von Georg Schäfer, verheiratet war.[63]

Schloss Mainberg bei Schweinfurt, Geburtsort von Gunter Sachs

Gunter Sachs[Bearbeiten]

Gunter Sachs wurde auf Schloss Mainberg bei Schweinfurt am 14. November 1932 geboren. Er gehörte bis Mitte der 1980er Jahre dem Aufsichtsrat der Sachs-Gruppe in Schweinfurt an. Um den Jahreswechsel 2013/2014 war in der Kunsthalle Schweinfurt die Sammlung Gunter Sachs, u.a. mit Werken von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Salvador Dali und Max Ernst zu sehen. Die Ausstellung verstand sich „als eine Hommage der Familie Sachs an ihre Wurzeln“.[64]

Festivals[Bearbeiten]

Alte Kneipenmeile Bauerngasse, Nr. 107

Die Idee des Kneippenfestivals wurde von der Blues Agency[65] in Schweinfurt geboren. 1993 fand das erste Honky Tonk (Festival) in der Kneipenmeile Kornmarkt-Bauerngasse-Zeughaus in der nördlichen Altstadt statt. Zum Festival, dass jährlich jeweils an einem Tag stattfindet, kamen bis zu 22.000 Besucher. Mittlererweile findet das Honky Tonk Festival in über 50 Städten in vier Ländern statt und wird in vielen anderen Städten unter anderen Namen kopiert. Die Kneipenmeile um die Bauerngasse ist im Laufe der Jahre in einigen Bereichen verwahrlost. Einige Lokale schlossen und alte Häuser stehen leer. Eine Altstadtsanierung soll diesem Quartier wieder neuen Aufschwung geben.

Etwa alle drei Jahre findet am Sennfelder See, knapp hinter der Stadtgrenze, auf dem Gebiet der Gemeinde Sennfeld das Internationale Varietefestival statt. Es ist Europas größtes Varietefestival.[66]

Breakdance[Bearbeiten]

Hauptartikel: Dancefloor Destruction Crew

Die Schweinfurter Dancefloor Destruction Crew (DDC) gewann 2007 und 2012 die IDO-Breakdance-Weltmeisterschaft, sowie weitere Titel. 2008 richtete sie zusammen mit einer örtlichen Tanzschule in Schweinfurt die offizielle Deutsche Meisterschaft in Breakdance aus. Mit Breakin' Mozart trat sie 2014 über mehrere Monate im Berliner Wintergarten auf. Der Name der Gruppe entstand, nachdem sie ihre erste Trainings-Location, das Schweinfurter Jugendhaus, nach schwerer Beschädigung des Bodens verlassen mussten.

Musikszene[Bearbeiten]

Sarah Kreuz

Die Sängerin Sarah Kreuz wurde von einem Lehrer in der Albert-Schweitzer-Schule im Schweinfurter Problem-Stadtteil Bergl entdeckt und gefördert. 2009 unterlag sie im knappsten Finale der DSDS-Geschichte Daniel Schuhmacher vor 7,3 Millionen Zuschauern. Sie steht bei 313 Music unter Vertrag.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Stein: Geschichte der Stadt Schweinfurt nebst Chronik der Stadt Schweinfurt. Verlag Rückert Buchhandlung, Schweinfurt 1992.
  • Heinrich Christian Beck: Chronik der Stadt Schweinfurt (publiziert 1836–1841).
    • Erster Band.
      • Erste Abtheilung, Schweinfurt 1836 (E-Kopie)
      • Zweite Abtheilung, Schweinfurt 1836 (E-Kopie).
    • Zweter Band: Die Zeiten vom Ausgange des 30jähriges Krieges bis zum gegenwärtigen Jahrhundert.
      • Erste Abtheilung, Schweinfurt 1841 (E-Kopie).
      • Zweite Abtheilung, Schweinfurt 1841 (E-Kopie).
  • Heinrich Christian Beck: Adreßbuch der Stadt Schweinfurt. Mit vorausgeschickter Darstellung der Hauptmomente ihrer Geschichte und einer Übersicht der Sehenswürdigkeiten der Stadt. Schweinfurt 1846 (E-Kopie).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schweinfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Schweinfurt – Quellen und Volltexte
 Wikivoyage: Schweinfurt – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Heinrich Wagner, Zur Gründung der Klöster Weißenburg und Echternach und ihrem Wirken in Mainfranken, in: Archiv für mittelrheinisch Kirchengeschichte 55 (2003), S. 103–146, hier S. 123f., 127
  3. Grundlegend zur Entwicklung bis 1300 und als Nachweis für alle Angaben: Achim Fuchs, Schweinfurt. Die Entwicklung einer fränkischen Villula zur Reichsstadt (Mainfränkische Studien 2), Würzburg 1972
  4. Alt Schweinfurt von Hubert Gutermann (9. Auflage) Seite 2/3
  5. Unterfränkische Geschichte, Band 2. Echter Verlag, Würzburg, 1992
  6. Übersicht der Akten im Staatsarchiv Würzburg mit Inhaltsangaben.
  7. a b Unterfränkische Geschichte, Band 3. Echter Verlag Würzburg 1995.
  8. Schweinfurt, Kleine Stadtgeschichte, Seite 40
  9. Schweinfurt. Stadt-Kultur-Themen, Seite 4. Sonderausgabe des Schweinfurter Tagblatts als Beilage für das Handelsblatt und DIE ZEIT
  10. Werner Bätzing, Die Bevölkerungsentwicklung in den Regierungsbezirken Ober-, Mittel- und Unterfranken im Zeitraum 1840–1999, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 61 (2001), S. 196.
  11. Schweinfurter Tagblatt vom 23. Februar 1984
  12. Sonderbeilage des Schweinfurter Tagblatts vom 16. März 1985
  13. Mathias Wiedemann: Ende einer 70-jährigen Nachbarschaft. Schweinfurter Tagblatt, 19. September 2014
  14. Heimatbuch Oberwerrn, Teil 1, Niederwerrn, 2006
  15.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 602.
  16.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 734.
  17. a b Karl Treutwein, Unterfranken, S. 141.
  18. a b Alt-Schweinfurt von Hubert Gutermann (9. Auflage) (Seite 1)
  19. Schweinfurt. Abgerufen am 21. Juli 2015.
  20. Ergebnis der Stichwahl auf mainpost.de
  21. Stadt Schweinfurt, Bekanntmachung zur OB-Wahl
  22. Vorläufiges Ergebnis zur Stadtratswahl 2014 am 16.03.2014. Abgerufen am 21. Juli 2015.
  23. Main Post vom 5. Mai 2014
  24. Webseite der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zu Schweinfurt
  25. Homepage der Stadt Schweinfurt (Memento vom 9. September 2009 im Internet Archive)
  26. Homepage Projekt FünfzigPLUSArbeit
  27. Absprache zwischen dem JOBCENTER und dem Amt für Soziales 23. Mai 2011
  28. a b c Partnerstädte. Stadt Schweinfurt, abgerufen am 25. Mai 2011 (deutsch).
  29. Streiflichter auf die Kirchengeschichte in Schweinfurt. Kirchengemeinde St. Johannis, Schweinfurt 1992
  30. Vgl. BSLK, S. 765; vgl. S. 17.
  31. Uwe Müller: Dokumente jüdischen Lebens in Schweinfurt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Schweinfurt 4, 1990
  32. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 192
  33. Fluß und Fleiß. Schweinfurt entdecken – Rundweg 4,5 km. Prospekt des Kulturamtes der Stadt Schweinfurt
  34. Schweinfurter Tagblatt vom 18. April 2011
  35. Die Wehranlagen. Abgerufen am 21. Juli 2015.
  36. Die Gutermann-Promenade und Mainlände. Abgerufen am 21. Juli 2015.
  37. Die Erholungsanlage am Baggersee mit Klettergarten. Abgerufen am 21. Juli 2015.
  38. Schweinfurter Tagblatt vom 18. Dezember 2010
  39. Süddeutsche Zeitung vom 7. Juli 2014
  40. WXI History: 1930-1940
  41. Schweinfurter Tagblatt vom 23. Dezember 2008
  42. Wirtschaft und Verkehr – Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Archiviert vom Original am 19. Juli 2011, abgerufen am 21. Juli 2015.
  43. Wolfsburg ist Wirtschaftshochburg. Abgerufen am 21. Juli 2015.
  44. Vgl. Thomas Horling, Die „Kugellagerstadt“ – Ein Überblick über 100 Jahre Schweinfurter Industrie- und Stadtgeschichte, in: Frankenland 2009/2, S. 98–109.
  45. Schweinfurter Tagblatt vom 11. Februar 1984
  46. Die Zahl von 4.500 Kriegsgefangenen bezieht sich auf den Zeitraum Aug. 1941 bis Okt. 1944. Wie bei den Zwangsarbeitern war auch bei den Kriegsgefangenen eine Fluktuation zu verzeichnen. Der Zahl der gleichzeitig in der Schweinfurter Industrie beschäftigten Kriegsgefangenen lässt sich aufgrund fehlender Daten nicht exakt bestimmen. Wie bei den Zwangsarbeitern dürfte auch hier der Höchststand Ende 1943 erreicht worden sein. Vgl. Uwe Müller, Der Arbeitseinsatz ausländischer Zivilarbeiter und Kriegsgefangener im Zweiten Weltkrieg in Schweinfurt. Zahlen aus dem Stadtarchiv, in: „Dem Menschen zugewandt“. Ökumenisches und Geschichtliches nicht nur aus Schweinfurt. Zum 70. Geburtstag von Dekan i.R. Johannes Strauß, hg. von Ernst Petersen, Schweinfurt 2001, S. 119.
  47. zwangsarbeit-schweinfurt.de: Unser Schwerpunkt, Zugriff am 12. November 2011.
  48. Wirtschaft in Mainfranken, Juni 2013, S.13
  49. Süddeutsche Zeitung, 20. Oktober 2010
  50. Wirtschaft in Mainfranken, Januar 2015, S. 25
  51. www.spiegel.de >Wirtschaft >Gleichstromtrasse Sued.Link: Hier soll die neue Energieautobahn verlaufen, 5. Februar 2014
  52. Gaskraftwerk: Schweinfurt ebnet den Weg. Abgerufen am 21. Juli 2015.
  53. Zur Hochschulgeschichte. Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt. Abgerufen am 24. Oktober 2012.
  54. schweinfurter, Bürgermagazin der Stadt Schweinfurt, 3. Ausgabe,S.19
  55. FHWS i-Campus. Archiviert vom Original am 8. Februar 2015, abgerufen am 21. Juli 2015.
  56. Wirtschaft in Mainfranken, März 2014, S. 28f.
  57. Stadt der Schulen. Stadt Schweinfurt, abgerufen am 3. Juli 2015.
  58. Offizielle Internetpräsenz des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums
  59. Übersicht über die Schweinfurter Gymnasien (PDF)
  60. Leitbild Musikschule. Zweckverband Musikschule Schweinfurt, abgerufen am 3. Juli 2015.
  61. Schweinfurt und der Wein. Abgerufen am 21. Juli 2015.
  62. Winfried Nerdinger zur Gedächtnisaustellung zum 50. Todestag von Theodor Fischer in München und Stuttgart.
  63. Zeitmaschine Architektur, 4. Architekturwoche Schweinfurt, 2008, S. 58–59
  64. schweinfurter, Bürgermagazin der Stadt Schweinfurt, 3. Ausgabe, S.16
  65. Blues Agency GmbH. Abgerufen am 21. Juli 2015.
  66. Internationales Varietéfestival Magische Momente. Abgerufen am 21. Juli 2015.