Schule von Ohrid

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Der Codex Assemanianus in glagolitischer Schrift

Die Schule von Ohrid war neben der Schule von Preslaw und derjenigen von Tarnowo während Jahrhunderte eines der geistigen Zentren des bulgarischen Kulturraumes.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gründung der Schule von Ohrid erfolgte um 886 durch Kliment von Ohrid auf Geheiß des bulgarischen Zaren Boris I. Dieser hatte 863 das Christentum angenommen. Die Schule von Ohrid setzte die Traditionen des Altkirchenslawischen als Sprache in der Liturgie fort, die Kliment aus dem Mährerreich mitgebracht hatte. In Ohrid entstanden zahlreiche Texte in glagolitischer Schrift (bis ins 12. Jahrhundert) und Texte in kyrillischer Schrift (seit dem 9. Jahrhundert). Kliment soll zwischen 886 und 893 ungefähr 3500 Schüler in der neuen Schriftsprache unterwiesen haben. Die meisten von ihnen wurden danach, in Gruppen zu je 300, als Priester und Geistliche auf die sieben bulgarischen Bistümer verteilt,.[1] 893 übernahm Naum die Leitung der Schule.

Die Schule von Ohrid hatte einen wichtigen Anteil an der Ausbreitung des Christentums in Bulgarien und der Einführung des Altkirchenslawischen als Liturgiesprache und offizielle Sprache im Bulgarischen Reich. Sie hat einen Großteil der „(alt)bulgarischen“ Literatur hervorgebracht.[2]

Im Gegensatz zu den anderen Zentren im Bulgarischen Reich, konnte sich die Schule von Ohrid auch nach dem Niedergang des Bulgarenreiches weiter entwickeln und wurde in der Folge ein überregionales geistiges Zentrum des orthodoxen Christentums in Südosteuropa. Die Errichtung des Erzbistums von Ohrid und die Gewährung seiner weitgehenden Autonomie bei der Reorganisation des Bistums im Jahre 1018 war dieser Entwicklung förderlich. Darüber hinaus bezeichnen einige Forscher die Schule von Ohrid als erste bulgarische und zugleich erste slawische Universität.[3]

Wandmalerei[Bearbeiten]

Die Maler der spätbyzantinische Morava-Schule stammen aus der Malerschule von Ohrid.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ohrid und seine Kunstschatzkammer, hrsg. vom Fonds für Tourismus Ohrid (Deutsche Übersetzung von Ivanka Krecova). Ohrid 1994.
  • Günter Prinzing: Ohrid. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 6, Artemis & Winkler, München/Zürich 1993, ISBN 3-7608-8906-9, Sp. 1376–1380.
  • Artikel Okhrī (Ohrid) in The Encyclopaedia of Islam. New Edition, Brill, Leiden Bd. 8, 1995, S. 164f.
  • Artikel Ohrid in Richard Barrie Dobson: Encyclopedia of the Middle Ages, Band 2, Verlag Routledge, 2000, S. 1044–1045.
  • Hans-Dieter Döpmann: Die Religiöse Entwicklung Makedoniens in Gabriella Schubert: Makedonien: Prägungen und Perspektiven. Band 1 von Forschungen zu Südosteuropa, Otto Harrassowitz Verlag, 2005, S. 13–31 ISBN 3-447-05277-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Dieter Döpmann.
  2. Günter Prinzing: Ohrid. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 6, Artemis & Winkler, München/Zürich 1993, ISBN 3-7608-8906-9, Sp. 1376–1380. (hier Sp. 1377: Die Schule von Ohrid … hat einen Großteil der (alt-)bulgarische Literatur hervorgebracht.)
  3. Hanswilhelm Haefs: Das goldene Reich der Pamir-Bulgaren an Donau und Wardar. 2009, S. 214.

Weblinks[Bearbeiten]