Schweinehochhaus

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Das „Schweinehochhaus“ bei Maasdorf

Als Schweinehochhaus wird eine architektonische Sonderlösung einer Stallanlage bei Maasdorf (ein Ortsteil der Stadt Südliches Anhalt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld) bezeichnet. Das 1969/1970 errichtete Gebäude wird von der JSR Hybrid Deutschland GmbH betrieben. Auf insgesamt sechs Etagen werden rund 500 Hybridsauen zur Zucht gehalten. Es werden reinrassige Sauen zur Nukleuszucht und Sauen zur Vermehrungszucht gehalten. Die in der Vermehrungszucht produzierten Ferkel werden an Aufzucht- und Mastbetriebe verkauft.

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude wurde 1969/1970 in Fertigteilbauweise gebaut und galt der Führung der DDR und der Sowjetunion als Prestigeobjekt. Automatisierte Arbeitsprozesse sollten die Effizienz in der Schweineproduktion steigern. Ursprünglich konnten die Tiere mit zwei Lastenaufzügen transportiert werden. Ein Aufzug kann drei Sauen oder 50 Ferkel gleichzeitig transportieren. Derzeit ist ein Aufzug in Betrieb.[1][2][3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tierschützer prangerten im März 2015 die Haltungsbedingungen an und organisierten Demonstrationen gegen das Hochhaus. Das Landwirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt untersuchte den Fall. Es stellte zwar Mängel fest, diese seien jedoch „bei weitem nicht so gravierend wie allgemein angenommen“.[4]

Im Jahr 2016 wurden erneut Videoaufnahmen aus dem Schweinehochhaus veröffentlicht.[5] Insbesondere werden neben hygienischen Mängeln und Verletzungen die Größe der Kastenstände kritisiert. Die sachsen-anhaltische Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Die Grünen), die zu dem Zeitpunkt drei Monate im Amt war, gab dazu bekannt, „dass derartige Zustände unter ihrer Ägide nicht mehr toleriert würden, ein Weggucken dürfe es nicht geben.“[6]

Im März 2018 veröffentlichten Tierschützer erneut Videomaterial. Mit versteckten Kameras wurden über einen längeren Zeitraum die Geschehnisse dokumentiert. Zu sehen sind Mitarbeiter, die Tiere treten, schlagen und die Ferkel an den Hinterbeinen nehmen und teilweise mehrfach mit dem Kopf auf den Boden schlagen, um sie zu töten.[6][7] Bilder aus Videoaufnahmen wurden dabei 2018 der Grünen sachsen-anhaltischen Landwirtschaftsministerin Dalbert erneut vorgeführt, die diese nun als „widerlich“ und den darauf gezeigten Umgang mit den Tieren als „nicht hinnehmbar“ bezeichnete.[8] Bei einer darauf erfolgten Kontrolle wurden Mängel bei der Hygiene, dem Haltungsmanagement, beim Umgang mit kranken Tieren sowie in der Dokumentation festgestellt.[9][10] Die Staatsanwaltschaft hat daraufhin Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet.[11]

Proteste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen die Anlage und die dortigen Haltungsbedingungen gibt es immer wieder Proteste.[12][13][14]

Am 22. April 2018 demonstrierten Tierschützer für die Schließung des Schweinehochhauses.[15][16][17]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Betreiber der Anlage ließ über eine Anwaltskanzlei verkünden, dass nicht nachgezüchtet werde und der Bestand damit bis September 2018 leergefahren wird. Sollte sich eine wirtschaftliche Lösung finden, würde das Schweinehochhaus saniert.[18][19]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. dlz agrarmagazin, Per Lift zum Abferkeln (Memento vom 19. März 2015 im Internet Archive)
  2. Tierschutz-Demo gegen „Schweinehochhaus“ (Memento vom 18. März 2015 im Internet Archive)
  3. Helmut Dawal: Ferkel brutal in Transporter getrieben? In: Mitteldeutsche Zeitung,12. Dezember 2014, abgerufen am 20. März 2018.
  4. Agrarministerium in Sachsen-Anhalt: Extra-Kontrollgruppe für Schweineställe geplant. Mitteldeutsche Zeitung, 26. März 2015, abgerufen am 30. März 2015.
  5. Amtlich verordnete Tierquälerei? In: rbb-online.de. 25. August 2016, abgerufen am 17. März 2018.
  6. a b Schweinehochhaus in Sachsen-Anhalt lässt nicht nur Tierschützer erschaudern. In: stern.de. 14. März 2018, abgerufen am 19. März 2018.
  7. Landwirtschaftsministerin erschüttert über Videos vom Schweinehochhaus. In: mdr.de. 15. März 2018, abgerufen am 17. März 2018.
  8. dpa: Dalbert: Bilder aus Schweinehochhaus sind widerlich. In: volksstimme.de. Abgerufen am 16. März 2018.
  9. Horror-Schweinehochhaus im Visier der Behörden. In: TAG24. 17. März 2018, abgerufen am 17. März 2018.
  10. Mängel bei Kontrolle im Schweinehochhaus festgestellt. In: mdr.de. 16. März 2018, abgerufen am 17. März 2018.
  11. mdr.de: Verstöße gegen Tierschutzgesetz: Ermittlungen gegen Betreiber von Schweinehochhaus | MDR.DE. (mdr.de [abgerufen am 8. April 2018]).
  12. dpa: DDR-Anlage: Tierschützer protestieren gegen Schweinezucht. In: DIE WELT. 13. März 2015, abgerufen am 17. März 2018.
  13. Schweinehochhaus Maasdorf: Tierschützer protestieren erneut. In: Mitteldeutsche Zeitung. 23. Oktober 2016, abgerufen am 17. März 2018.
  14. dpa: Tierschützer protestieren gegen Schweinehochhaus. In: t-online.de. 14. März 2018, abgerufen am 17. März 2018.
  15. Tierschützer fordern Schließung von... In: rtl.de. (rtl.de [abgerufen am 22. April 2018]).
  16. Hunderte protestieren gegen Horror-Schweinehochhaus. In: TAG24. (tag24.de [abgerufen am 22. April 2018]).
  17. Sandra Simonsen: „Schweinehochhaus schließen“: Demo gegen umstrittene Zuchtanlage in Maasdorf. In: Mitteldeutsche Zeitung. (mz-web.de [abgerufen am 22. April 2018]).
  18. mdr.de: Modernisierungspläne: Schweinehochaus Maasdorf soll im Herbst leer sein | MDR.DE. (mdr.de [abgerufen am 23. April 2018]).
  19. Nach massiven Protesten - Tiere verlassen umstrittenes Schweinehochhaus. In: bild.de. (bild.de [abgerufen am 23. April 2018]).

Koordinaten: 51° 41′ 12,9″ N, 11° 57′ 40,7″ O