Schwule Sauna

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Albrecht Dürer: Männer-Bad
Domenico Cresti: Badende Männer in San Niccolo (um 1600)
F.-X. Fabre: Zwei nackte Männer (1825)

Als schwule Sauna oder Schwulensauna bezeichnet man eine Sauna ausschließlich für erwachsene Männer, in der sexuelle Kontakte ermöglicht und akzeptiert werden. Viele moderne Saunen bieten umfangreiche Wellness-Angebote, Gastronomie und laden zum Cruising ein.

Geschichte[Bearbeiten]

Charles Demuth „Türkisches Bad mit Selbstportrait“, USA 1918
Douchen-Saal (Römisches Bad 1873)
Wasserbecken im Kaiserbründl (1894)

Abgesehen von Thermen im alten Rom und orientalischen Badehäusern im nahen Osten lassen sich auch in Mitteleuropa bis ins 15. Jahrhundert zurück Badehäuser nachweisen, in denen Sozial- und Sexualkontakte unter Männern möglich und üblich waren. Doch erst seit Ende des 19. Jahrhunderts und insbesondere im 20. Jahrhundert gibt es Institutionen, die unmittelbar zu diesem Zweck bestimmt waren und sind.

Schwule Saunen in Amerika, Asien, Australien und Europa[Bearbeiten]

Schwule Saunen gibt es in Nordamerika, verschiedenen südamerikanischen Ländern, in Australien, Neuseeland, Israel, Japan, Taiwan, Thailand und Singapur sowie in den meisten europäischen Ländern.

Fast alle europäischen Großstädte verfügen über schwule Saunen. Diese Saunen sind von Bordellsaunen zu unterscheiden, da Prostitution hier eher eine Randerscheinung ist, die weder von den meisten Gästen noch von den Betreibern erwünscht ist.

Saunen in den USA

Nach Bekanntwerden von AIDS wurden viele schwule Saunen in den 1980er Jahren in den USA geschlossen, da sie für die Verbreitung des HI-Virus verantwortlich gemacht wurden; inzwischen sind jedoch neue Saunen entstanden. Regional existieren indes Unterschiede: so gibt es in San Francisco, das in den 1970er Jahren aufgrund einer lebendigen homosexuellen Kultur über sehr viele schwule Saunen verfügte, heute keine einzige Sauna mehr: die nächstgelegene befindet sich in der 20 Kilometer entfernten Universitätsstadt Berkeley. Wie alles ist auch die Saunalandschaft in San Francisco im Wandel, so findet man wieder inzwischen kleine Clubsaunen mit Tagesmitgliedschaften. Die Saunenszene in New York City ist auch nicht mehr so lebendig wie in den 1970er Jahren; Chicago andererseits, das in der Vor-AIDS-Zeit noch nicht über eine ausgeprägte Saunenkultur verfügte, besitzt heute mehrere solcher Einrichtungen.

Saunen im deutschen Sprachraum

In Deutschland wurden unmittelbar für die homosexuelle Klientel bestimmte Herrensaunen erst nach der Legalisierung der Homosexualität (1969) eröffnet. Bereits 1969 wurde mit der Vulkan-Sauna[1] die erste schwule Sauna in Hannover eingerichtet.[2] Weitere Sauneneröffnungen folgten in Deutschland Anfang der 1970er Jahre in Berlin,[3] Hamburg, München, Stuttgart und Wuppertal. Die älteste schwule Sauna in Köln ist die 1972 eröffnete Vulcano Sauna.[4] Die erste schwule Sauna Österreichs war die 1973 eröffnete Römersauna (links von Maria am Gestade am Passauer Platz) in Wien; das auch architektonisch bedeutsame Kaiserbründl wurde erst um 1980 in dieser Funktion eröffnet.[5]

Saunen in zwanzig deutschen Städten und im nahegelegenen Ausland (Hotspots in Frankreich, Italien, den Niederlanden und der Schweiz) haben sich zum Europäischen Gay-Saunabund zusammengeschlossen. Halbjährlich finden Treffen statt, um gemeinsame Anliegen zu besprechen. Zusammenarbeit gibt es mit der Deutschen Aids-Hilfe und dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD), der auch über den LSVD-Verein für europäische Kooperation e. V. die Webseite betreibt.

Ausstattung[Bearbeiten]

Die Ausstattung moderner Saunen variiert von Fall zu Fall. Am Eingangsbereich mit Kasse erhält man meist den Schlüssel für seinen Spind im Umkleidebereich, in dem man seine Kleidung verwahren kann. Ausgekleidet wickelt man sich das Handtuch um die Hüften (vollkommen nackt ist eher bei sogenannten Nackt-Partys üblich) und kommt in verschiedene Bereiche, die oft mit verwinkelten, meist abgedunkelten Gängen verbunden sind, in denen die Besucher cruisen.

In den meisten Saunen gehören zur Ausstattung:

  • Duschen
  • WCs mit Analduschen
  • Barbereich/Lokalbereich, in welchem neben Getränken auch kalte und warme Speisen verzehrt werden können
  • Trockene, beleuchtete finnische Sauna, in denen oft regelmäßige Aufgüsse gemacht werden
  • Eine gedämpft beleuchtete Dampfsauna, in der es zu sexuellen Kontakten kommen kann (siehe auch Darkroom)
  • Whirlpool
  • Manchmal kleines Schwimmbecken oder auch Kaltwasserbecken
  • Abgedunkelte Ruhebereiche oder Ruhekabinen, die entweder allgemein zugänglich sind oder einzeln genutzt werden (von innen abschließbar)
  • Internetbereich, in welchem man an öffentlichen Computern meist kostenfrei im Internet surfen kann
  • Aufenthaltsbereiche mit Liegestühlen, Sofas und Sesseln (oft mit entspannender Musik)
  • Gleitgelspender und Papiertücher in den Kabinen und Darkrooms, sowie Kondomspender vor den Kabinen und Darkrooms oder an der Kasse
  • verschiedene Räume mit Spielwiesen (auch mit Sling)
  • Darkrooms
  • Hygieneraum/WC (Analdusche)
  • Videoraum, in dem Pornofilme zu sehen sind

Besser ausgestattete Saunen bieten darüber hinaus einige der folgenden Dinge:

  • Saunarium/Biosauna, Caldarium und/oder Tepidarium
  • Hammām, eine türkische Art des Dampfbades mit einer beheizten, großen Liegefläche
  • Fitnessraum
  • Fernsehraum (TV)
  • Massageraum (kostenpflichtige Massage)
  • Sonnenbank
  • Schaumsauna
  • Einzelne Videokabinen, oft mit Glory Holes, in denen Pornofilme zu sehen sind
  • Abgeschirmter Außenbereich mit Garten oder Dachterrasse, auch mit Swimmingpool
  • Gesundheitsterminal, ein PC, welcher nicht der Internetnutzung dient, sondern an welchem es möglich ist, Informationsseiten der AIDS-Hilfen und anderer Institutionen zur Gesundheitsförderung und Safer-Sex-Kampagnen aufzurufen

In der Regel ist es in schwulen Saunen möglich, gegen eine Leihgebühr ein Saunatuch, Badeschuhe und auch einen sterilen Duschaufsatz für die Analdusche auszuleihen, sofern man diese nicht selbst mitbringen möchte. Eine Badeschuhpflicht besteht nicht. Duschgel und Shampoo müssen in der Regel nicht selbst mitgebracht werden, da diese meist in Spendern in den Duschen vorhanden sind. Einige schwule Saunen bieten im Umkleidebereich auch Haargel und Körperlotion in Spendern zur Benutzung in der Sauna an.

Schwule Saunen veranstalten gelegentlich „Themenabende“ oft für Jüngere (meist unter 27 Jahre), für Bären (behaarte, oft etwas Ältere), besondere sexuelle Vorlieben wie Fetisch, Fisten, Natursekt oder auch Safer-Sex-Wichsparties.

Gesundheitliches[Bearbeiten]

Gay bathhouse in den USA

Obwohl sich die meisten schwulen Saunen intensiv um die AIDS-Aufklärung bemühen und Safer Sex nicht selten durch die kostenlose Ausgabe von Kondomen und Gleitgel gefördert wird, sind HIV-Infektionen sowie Infektionen mit anderen Geschlechtskrankheiten in schwulen Saunen noch immer ein Problem, da es hier zu besonders vielen und unterschiedlichen Sexualkontakten kommt. Viele schwule Saunen arbeiten in der Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten jedoch eng mit der AIDS-Hilfe und dem Gesundheitsamt zusammen. In vielen schwulen Saunen sind regelmäßig (ehrenamtliche) Mitarbeiter der AIDS-Hilfe anwesend, an die sich Gäste mit Fragen rund um die Themen Safer Sex und sexuell übertragbare Krankheiten wenden und eine Beratung in Anspruch nehmen können. In einigen schwulen Saunen ist auch regelmäßig ein Arzt anwesend, bei welchem man sich nach vorheriger Beratung auf sexuell übertragbare Krankheiten untersuchen lassen kann, insbesondere da viele regelmäßige Besucher nur ungern mit ihrem eigentlichen (Haus-)Arzt über dieses Thema sprechen, da sie oft nicht geoutet sind oder von ihrem Arzt kein oder nur wenig Verständnis erwarten. Auch gibt es schwule Saunen, die regelmäßig einen Teil ihrer Einnahmen (z. B. an bestimmten Tagen oder von bestimmten Veranstaltungen) an gemeinnützige lesbisch-schwule Vereine sowie regionale AIDS-Hilfen spenden. Spendendosen der AIDS-Hilfen an den Kassen sind in schwulen Saunen auch häufig zu finden. Im Eingangsbereich vieler schwuler Saunen liegen häufig Informationsbroschüren und Flyer verschiedener Safer-Sex-Kampagnen zum Thema Safer Sex aus.

Schwule Saunen bieten in der Regel wesentlich mehr Sicherheit beim Sex als inoffizielle Cruising-Orte wie Autobahn-Parkplätze oder Parkanlagen, da Straftaten (z. B. Raub oder Körperverletzung) mit homophobem Hintergrund hier praktisch ausgeschlossen werden können.

Viele schwule Saunen, darunter auch fast alle schwulen Saunen in Nordrhein Westfalen, verzichten bewusst auf die Vorführung so genannter „Bareback“-Pornofilme in ihren Videoräumen und zeigen ausschließlich Pornofilme, in welchen Safer Sex mit Kondomen und Gleitgel betrieben wird.

Rechtliches[Bearbeiten]

Während der Betrieb von schwulen Saunen in Europa normalerweise keinen rechtlichen Sanktionen unterliegt, gelten bei schwulen Saunen in den USA je nach Bundesstaat zum Teil strengere Bestimmungen (mitunter ist wegen des nicht-öffentlichen Club-Charakters eine (Tages-)Mitgliedschaft zu erwerben).

Weblinks[Bearbeiten]

Texte[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gaysaunen: Vulkan in Hannover
  2. Schwule Männer gibts nicht erst seit heute
  3. Rundgang durch eine neue Gay Sauna In Berlin.
  4. Sauna Vulcano: Unsere Geschichte
  5. Weitere schwule Saunen in Wien neben dem Kaiserbründl: 1973 hatte als erste nur für schwule Männer bestimmte Sauna die Römersauna im ersten Bezirk nahe dem Schwedenplatz eröffnet, die 1999 geschlossen wurde. 1989 eröffnete die Apollo-City-Sauna in Wien VII, 1998 die Sportsauna in Wien VIII und 2005 die Frisco in Wien IV (Schönbrunner Straße); vgl. Georg Seiler: Die Wiener Gay-Saunas. In: XTRA, Nr. 284, S. 4–5.