Sechseläutenplatz

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Sechseläutenplatz
Wappen Zürich matt.svg
Platz in Zürich
Sechseläutenplatz
Sechseläutenplatz im Januar 2014
Basisdaten
Ort Zürich
Ortsteil Altstadt
Angelegt 1896
Neugestaltet 2014
Hist. Namen Altes Tonhallen-Areal
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr
Technische Daten
Platzfläche über 15000 m²

Der Sechseläutenplatz ist ein öffentlicher Platz in Zürich.

Lage[Bearbeiten]

Der Sechseläutenplatz liegt am Rande der Zürcher Altstadt zwischen dem Bellevue und dem Opernhaus Zürich. Er wird vom Utoquai und der Theaterstrasse begrenzt. Das stark befahrene Utoquai und die dahinterliegenden Parkanlagen trennen ihn vom Zürichsee. Auf der Theaterstrasse hingegen verkehren nur öffentliche Verkehrsmittel.

Die Fläche des heutigen Sechseläutenplatzes hiess früher Sechseläutenwiese und Theaterplatz.[1] Seit seiner Neugestaltung ist er mit fast 16’000 Quadratmetern[2] nach der Plaine de Plainpalais in Genf (78’000 Quadratmeter) der grösste innerstädtische Platz der Schweiz und einer der grössten innerstädtische Plätze Europas nach dem Markusplatz, dem Petersplatz und dem Roten Platz.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Beim Bau des unterirdischen Parkhauses Opéra wurden 2009 die Überreste neolithischer Pfahlbauten gefunden, die in unmittelbarer Nachbarschaft der Feuchtbodensiedlung Kleiner Hafner im oberen Becken des Zürichsees liegen. Anstelle einer Notgrabung wurde der Bau des Parkhauses für neun Monate unterbrochen und die Siedlungsreste systematisch archäologisch erfasst.

Bebauung[Bearbeiten]

Alte Tonhalle Plan von 1846
Historische Aufnahme der alten Tonhalle
Das Areal mit Kornhaus und Hafen um 1846

Das Areal des Sechseläutenplatzes war zum Grossteil unter Wasser und wurde erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgeschüttet. Nach Schleifung des Bollwerks der Stadtbefestigung, die noch das Quartier Stadelhofen einschloss, konnte der neu entstandene Platz genutzt werden. Es entstanden Hafenanlagen, und angrenzend wurde in den Jahren 1838/39 das neue Kornhaus errichtet. Als Speicher genutzt wurde es aber nur 20 Jahre, da beim Bahnhof 1860 ein neuer Getreidemarkt eröffnet wurde, nachdem der Warentransport sich vom See auf die Eisenbahn verlagert hatte. Im ungenutzten Gebäude wurde zwischenzeitlich sogar eine Synagoge eingerichtet.[4]

1867 wurde in dem Gebäude für das Eidgenössische Musikfest die erste Tonhalle eröffnet. Nebst dem Festsaal wurde ein Palmengarten eingerichtet, der zum gesellschaftlichen Treffpunkt Zürich avencierte. In die Geschichte eingegangen ist der Tonhallekrawall vom März 1871.[4][5]

Nachdem in den Jahren 1893 bis 1895 eine neue Tonhalle jenseits der Quaibrücke erbaut worden war, wurde die erste Tonhalle 1897 abgerissen. Schon zuvor war südlich angrenzend das Opernhaus erbaut und 1891 eröffnet worden.

Sechseläutenwiese[Bearbeiten]

Sechseläuten 2007

Die Freifläche wurde in der Folge für verschiedene Veranstaltungen genutzt. Ab 1902 wurde hier jeweils am Sechseläuten der Böög verbrannt.[4][6] Jahrmärkte und Zirkusse, insbesondere der Circus Knie, waren regelmässige Gäste. In den 1920er Jahren wurde im Winter ein grosses Eisfeld angelegt. Im Zweiten Weltkrieg wurde auf der Sechseläutenwiese als Teil der Anbauschlacht mitten in der Stadt Raps angebaut. Wenn keine Veranstaltung stattfand, war der Platz aber kaum zugänglich: Anstelle einer Wiese glich der übernutzte Platz eher einem braunen Acker.[7]

Der angrenzende Theaterplatz vor dem Opernhaus diente als Parkplatz.

Namen[Bearbeiten]

Benannt ist der Platz nach dem Sechseläuten, dem Frühjahrsfest, das mit der Verbrennung des Böögs seinen Höhepunkt auf dem Platz hat.

Bis 1947 hiess der Platz altes Tonhallen-Area respektive kurz Tonhallenplatz.[8]

Umgestaltung[Bearbeiten]

Im Jahr 2003 stimmte das Zürcher Stimmvolk einer Umgestaltung des Areals zu. Geplant war, unterhalb des Platzes ein Parkhaus zu bauen. Im Rahmen des sogenannten „historischen Verkehrskompromisses“ wurden oberirdische Parkplätze im näheren Umkreis des Bellevues, so zum Beispiel beim Münsterhof, durch unterirdische ersetzt und der Sechseläutenplatz bis zum Opernhaus erweitert mit dem Ziel, „die Innenstadt dadurch für Fussgängerinnen und Fussgänger aufzuwerten und in Zürich an zentraler Lage einen Platz mit internationaler Ausstrahlung“ zu erstellen.[9]

Mit Fertigstellung des Parkhauses wurde die Neugestaltung des Sechseläutenplatzes angegangen. Aufgrund eines Behördenreferendums konnten die Bauarbeiten nicht im Januar 2012 starten – die Stimmberechtigten der Stadt Zürich stimmten 2012 dem Objektkredit für die Neugestaltung mit 60,7 % zu. Im Januar 2013 wurden die Hauptarbeiten aufgenommen. Die Kosten für die Neugestaltung betragen 17,2 Millionen Schweizer Franken, davon entfallen 10,25 Millionen auf die Erneuerung der Platz- und Strassenentwässerung sowie die Sanierung der Werkleitungen und des Oberbaus der umliegenden Strassen.[9]

Insgesamt 110’000 Gesteinsblöcke aus Valser Quarzit – zwischen 10 und 13 Zentimeter breit und zwischen 50 und 130 Zentimeter lang – wurden verlegt.

Der Umritt der Zünfte um den brennenden Böög fand auch während der Bauarbeiten statt.

Nutzung[Bearbeiten]

Gestaltung und Nutzungskonzept[Bearbeiten]

Bauarbeiten im April 2013, im Vordergrund der Belag für den Umritt und die Schale aus Schamottestein
Sechseläutenplatz im April 2014 mit einem der Pavillons

Der mit Stein ausgelegte Platz erhielt Schatten-spendende Bauminseln, Sitzelemente und ähnlich wie der Bundesplatz in Bern ein Wasserspiel, um ihn zu einem „grosszügigen, ästhetisch überzeugenden Stadtplatz“ zu verwandeln.[9] Der Stein wurde „eingehend und über einen langen Zeitraum getestet“ bezüglich Reinigung und Rutschfestigkeit sowie Verhalten bei lang anhaltender Sommerhitze. Um beim Verbrennen des Böögg und des Umritts anlässlich des Sechseläutens Schäden auszuschliessen, wurde eine Schale aus Schamottestein verwendet. Es wird dann jeweils ein Substrat wie bei Hallenwettbewerben im Springreiten aufgebracht, das die Gelenke der am Sechseläuten beteiligten Pferde schone. Verankerungen für das Zelt des Circus Knie sind fest in die Oberflächenstruktur integriert, wobei vorab auch die „Auswirkungen von Elefantendung“ auf den Stein getestet worden war.[9][10]

Gemäss Nutzungskonzept soll das Areal während mindestens 180 Tagen – im Sommerhalbjahr bleibt der Platz an mindestens 120 Tagen frei – pro Jahr frei von Veranstaltungen sein und seiner Hauptbestimmung als innerstädtischem Freiraum nachkommen. Veranstaltungen sind auf die Fläche der ehemaligen Sechseläutenwiese begrenzt. Der ehemalige Theaterplatz vor dem Opernhaus wird wie bis anhin der Verbindung zwischen Stadelhoferplatz und Seepromenade dienen.[9]

Parkhaus Opéra[Bearbeiten]

Das im Mai 2012 eröffnete Parkhaus bietet auf zwei Parkgeschossen 299 Parkplätze an. Die Zufahrt zum Parkhaus erfolgt über die Falken- und Schillerstrasse. Auf dem Sechseläutenplatz liegen zwei Pavillons mit den Personenzugängen. In einem der Pavillons ist ein Boulevard-Café untergebracht,[9] Einzelfunde der Grabung und eine Übersicht der gewonnenen Erkenntnisse werden im zweiten Pavillon (Archäologie im Parkhaus Opéra ) multimedial auf zwei Etagen präsentiert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sechseläutenplatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berichtigungen und Aufhebungen infolge Neugestaltung Sechseläutenplatz. Medienmitteilung. Stadtrat von Zürich, 30. November 2011, abgerufen am 19. April 2014.
  2. Sechseläutenplatz wird am 22. April 2014 eingeweiht. Medienmitteilung. In: Stadt Zürich. Tiefbau- und Entsorgungsdepartement, 15. Januar 2014, abgerufen am 1. Mai 2014.
  3. Von der heiligen Wiese zur urbanen Allmend. In: Tages Anzeiger. Tagesanzeiger online, 20. April 2014, abgerufen am 1. Mai 2014.
  4. a b c  Vom Bollwerk am Stadtrand zum begehrten Areal. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 245, Zürich 20. Oktober 1983, S. 51 (Artikel als PDF, abgerufen am 19. April 2014).
  5. Tonhalle. In: Planet-Zurich. Abgerufen am 19. April 2014.
  6. Sechseläuten. In: Zunft zum Widder. Abgerufen am 19. April 2014.
  7.  Das lange Warten auf den neuen Stadtplatz. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 91, 19. April 2014.
  8. Matthias Dürst: Die Sechseläutenplatz. In: Gang dur Züri. Abgerufen am 19. April 2014.
  9. a b c d e f Website der Stadt Zürich, Tiefbau und Entsorgungsdepartement: Neugestaltung Sechseläutenplatz, abgerufen am 2. April 2013.
  10. Tages-Anzeiger online (2. April 2013): Sechseläuten-Platz: Jetzt werden die Steine verlegt, abgerufen am 2. April 2013.

47.36618.5459Koordinaten: 47° 21′ 58″ N, 8° 32′ 45″ O; CH1903: 683638 / 246729