Circus Knie

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Das Logo des Zirkus Knie
Circus Knie in Rapperswil, 2013

Der Circus Knie ist ein Schweizer Zirkus. Die Gründer haben ihre Wurzeln in der österreichischen Circus Dynastie Knie.

Die Gründer des deutschen Zirkus Charles Knie und der österreichischen Zirkusse Circus Louis Knie und Circus Louis Knie junior entstammen ebenfalls der Knie-Dynastie.

Geschichte[Bearbeiten]

Friedrich Knie (sen.) war in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie Leibarzt der Kaiserin Maria Theresia[1]. 1784 wurde sein Sohn Friedrich in Erfurt geboren[2].

Friedrich Knie (1784–1850) gilt als Begründer der Circus Dynastie Knie. Friedrich wollte wie sein Vater Arzt werden. 1803 brach er jedoch sein Medizinstudium ab. Die Darbietungen einer Kunstreitertruppe, im Besonderen die der jungen Wilma[3], begeisterten ihn so sehr, dass er beschliesst mit der Truppe mitzuziehen. Die Liebschaft hält nicht lange an. Doch Friedrich gefällt das Artistenleben. So gründete er 1806 mit Akrobaten und eigenen Pferden ein eigenständiges Seiltänzer- und Künstlerunternehmen. Unter dem Namen "Wiener Seiltänzertruppe" gastierten sie mit ihrer ungedeckten Arena in den Ländern der Donaumonarchie, Bayern, Baden und Preußen. Er erhielt viel Lob und Anerkennung von Königen und Fürsten für seine Darbietungen und wurde berühmt. In Innsbruck lernte er 1807 Antonia Stauffer (1786–1833) kennen. Noch im gleichen Jahr wird geheiratet. Ab 1814 traten die Knies regelmässig in der Schweiz auf. Nach dem Tod von Friedrich im Jahre 1850 in Burgdorf (Schweiz) übernahm von ihren fünf Kindern Karl (1813–1860) die Leitung.

Anschlagzettel anlässlich eines Auftritts in Berlin, 16. Mai 1856

Karl war mit Anastasia Maria Staudinger (1808–1881) verheiratet. Sie hatten sieben Kinder die bereits die dritte Generation bildeten und schon alle längst im Circus eingebunden waren. Karl war als Seiltänzer und als “erster Akrobat Europas“ bekannt. Sohn Ludwig eifert dem Vater nach und wird ebenfalls ein grosser Seiltänzer. Während eines Aufenthaltes im Jahre 1860 in Freiburg im Breisgau (D) verstirbt Vater Karl. Anastasia übernimmt die Leitung.

Deutsch-Französischer Krieg 1870 bis 1871[Bearbeiten]

Zur Zeit des Deutsch-Französischen Kriegs musste die Familie Knie ihre Arena auflösen. 1872 zieht Mutter Anastasia nach Bern, wo sie 1881 stirbt.

Arena-Knie in Neustadt in der Pfalz, 1904

Sohn Ludwig (1842–1909) heiratete Marie Heim (1858–1936). Durch harte Arbeit und eisernes Sparen gelingt es Ludwig und Marie die Arena wieder aufzubauen. Bereits ab vier Jahren sind ihre Söhne Louis (1880–1949), Friedrich (1884–1941), Rudolf (1885–1933), Karl (1888–1940) und Eugen (1890–1955) in der Arena anzutreffen. Ludwig hätte gerne ein Töchterchen. So nimmt er 1896 die vierjährige Nina Zutter in seine Familie auf. Der älteste Sohn Louis verlässt die Familie und gründet eine eigene Arena in Deutschland. Ludwig war oft und gerne mit seiner Truppe für Vorstellungen in der Schweiz. So stellte der gebürtige Wiener den Antrag auf Erteilung des Schweizer Bürgerbriefs. Am 26. Dezember 1900 wurde er mit seiner Frau und den fünf Kinder in die Gemeinde Gerlikon-Gachnang[4], im Kanton Thurgau, eingebürgert. So wanderte die dritte mit der vierten Generation der Artisten Familie Knie in die Schweiz aus. Erst 1907 meldete sich Ludwig Knie in Rapperswil offiziell an. Mit Anneli Simon (*1905-†?) kommt noch ein Pflegekind zur Familie Knie. Nach Ludwigs Tod im Jahre 1909 übernimmt Marie die Leitung des Arena-Betriebs.

Erster Weltkrieg 1914 bis 1918[Bearbeiten]

Die Zeit des ersten Weltkriegs war hart. Gastspiele im Ausland nicht möglich. Nach Kriegsende wollen die vier Söhne Friedrich, Rudolf, Karl und Eugen den längst gehegten Wunsch, die Arena in einen Zeltzirkus umzuwandeln in die Tat umsetzen. Mutter Marie verweigert jegliche finanzielle Unterstützung zu diesem “Grössenwahnsinnigen“ vorhaben. So müssen die Söhne eines ihrer Grundprinzipien brechen und kaufen ein 2'500 Personen fassendes Zweimasten-Zelt auf Pump. An der Eröffnungsvorstellung am 14. Juni 1919 auf der Schützenmatte in Bern steht über dem Eingang: Cirque Variété National Suisse Frères Knie. Der Schweizer National-Circus Gebrüder Knie war gegründet. Der Erfolg war enorm. Das Publikum wollte den neuen Circus und die Attraktionen sehen. So konnte bereits nach wenigen Monaten das geliehene Geld zurückbezahlt werden. Noch im gleichen Jahr errichteten die Knies das erste ständige Winterquartier in Rapperswil am Zürichsee, wo in der Zeit ohne Aufführungen Tierdressuren und andere Programmnummern eingeübt wurden.

Mit Friedrich (genannt Fredy) (1920–2003) und Rudolf (genannt Rolf) (1921–1997), den Söhnen aus der Ehe von Friedrich und Margrit Lippuner, sowie Eliane (1915–2000) der Tochter aus der Ehe von Eugen und Hélène Zeller, steht bereits die fünfte Generation wie gewohnt schon ab vier Jahren in der Manege.

Es geht aufwärts. 1926 sind bereits 42 Eisenbahnwagen erforderlich um die über 80 Circus Knie eigenen Fahrzeuge von einem Veranstaltungsort zum nächsten zu transportieren.

1929 erhält Fredy sein erstes eigenes Pferd. Schon bald macht er sich im In- und Ausland einen Namen als “jüngster Schulreiter der Welt“.

Nach Rudolfs Tod 1933 wird auf Karls Vorschlag, mit Zustimmung von Eugen und gegen den Willen von Friedrich, 1934 das Familienunternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt[5]. Friedrich ist verärgert. Karl bestimmt nun hauptsächlich den Kurs. Noch 1934 mietet er vom deutschen Circus Busch eine Wasserpantomime. Diese ist ein voller Erfolg. 1935 verpflichtet Karl eine 50 Artisten starke indische Truppe für eine riesen Show. Da das Publikum ausbleibt, entsteht ein finanzielles Fiasko. Nur durch Einlagen aus dem Privatvermögen von Friedrich kann die drohende Pleite verhindert werden. 1937 zieht sich Friedrich aus der Manege zurück. Sohn Fredy hat die Dressur der Pferde längst übernommen.

Zweiter Weltkrieg 1939 bis 1945[Bearbeiten]

Die Familie Knie steht bei den Nazis auf einer schwarzen Liste. Der Grund war: Beim Programm von 1938 mit dem Thema “Olympiade“ wurden auf allen Fahnen die Hakenkreuze weggelassen.

1940 nimmt sich Karl das Leben. Er leidet unter starken seelischen Depressionen. Sein Tod trifft die Familie schwer. Auch Friedrichs physische Gesundheit ist angeschlagen. Beim Tourneestart im März 1941 geht er nicht mehr mit. Er stirbt am 27. April. Seine Söhne Fredy und Rolf in der fünften Generation übernehmen die Leitung des Unternehmens.

Das Militär rekrutiert einige Zirkuspferde. Der deutsche Botschafter in Bern setzt sich für den Circus ein. Dank seiner Bemühungen können wieder Artisten aus dem Ausland engagiert werden. Die Knies werden aber verpflichtet ein Gastspiel mit ihren Tieren in Berlin zu geben. Fredy und Rolf reisen mit Pferden und Elefanten im Winter 1943 nach Berlin. Wie durch ein Wunder überleben alle das Bombardement von Berlin unbeschadet.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ist es für den Circus Knie ein leichtes, die besten Artisten zu verpflichten. Gerne arbeiten diese in der unversehrten Schweiz.

Im Herbst 1945 heiratet Fredy (sen.) Pierrette Dubois (1921–2013). 1946 kommt Fredy junior und 1949 Rolf zur Welt. Sie sind bereits die sechste Generation.

Cousine Eliane Knie heiratet Jacky Lupescu (1919–2012). Eliane verlässt 1959 das Unternehmen. Ihr Sohn Charles Knie (*1947) gründet 1995 in Deutschland den Zirkus Charles Knie.

Rolf (sen.) heiratet 1950 Tina di Giovanni (1921–2011). 1951 wird Sohn Louis und 1954 Franco geboren.

Wie üblich steht der Nachwuchs schon sehr früh in der Manege. Mit vier Jahren reitet Fredy junior in Antwerpen vor Publikum und geht im folgenden Jahr mit auf Schweizer Tournee. 1955 gibt Louis sein Debüt als “jüngster Elefantendresseur der Welt“.

Südlich des Bahnhofs von Rapperswil bezieht der Circus 1956 sein neues Winterquartier.

Rolf Knie senior führt 1969 seine Elefanten zum letzten Mal selber vor. Nach Abschluss der Tournee zieht er sich von der Manege zurück. Sohn Louis ist auf die Übernahme längst vorbereitet.

Anfang der 1970er Jahre leben für kurze Zeit vier Knie-Generationen im Circus.

1972 heiratet Fredy junior (*1946) Mary-José Galland (*1948). 1973 wird mit Tochter Géraldine-Katharina die siebente Generation Knie begründet.

Louis (*1951) heiratet Ende 1973 die amerikanische Kunstrad-Artistin Germaine Theron (*1948). 1974 wird Sohn Louis junior geboren.

Franco Knie (*1954) heiratet in erster Ehe Doris Agostini (*1941). 1978 wird Sohn Franco junior und 1980 Tochter Doris Désirée geboren. Aus seiner zweiten Ehe mit Claudine Rey (*1949) stammt Sohn Anthony (*1989) und aus seiner dritten Ehe mit Claudia Uez (*1967) die Zwillinge Nina Maria Dora und Timothy Charles (*2009).

1975 heiratet Rolf Knie (*1949) Erica Brosi (1948–2010). Ihr Sohn Grégory-Frédéric erblickt 1977 das Licht der Welt. Als sechsjähriger feierte er seinen ersten Auftritt im Circus als “Peter Pan“ mit einer eigenen Ponydressur. Nach der Scheidung seiner Eltern im Jahre 1983 verlässt Grégory die Schweiz.

Auch Vater Rolf Knie, der als grosser Clown bei Jung und Alt beliebt war, verlässt 1983 den Circus. Zuerst versucht er sich als Bühnenkünstler, bis er sich dann für sein Hobby die Malerei entscheidet.

Ende 1992 ziehen sich die Brüder Fredy senior im Alter von 72 und Rolf senior von 71 Jahren aus den Geschäften zurück. Sie übergeben die Leitung an ihre Söhne. So wird Franz Knie (genannt Franco Knie sen.) Verwaltungsrats-Präsident und Technischer Direktor, Fredy Knie jun. Artistischer Direktor und als Finanzchef wird Richard Schärer eingesetzt. Das Unternehmen nennt sich Schweizer National-Circus.

Zum selben Zeitpunkt gibt Fredy Knie senior seinen Abschied von der Manege in der er über 51 Jahre als «Grand-Seigneur der Pferdedressur» mit Freude jede Vorstellung bestritt.

Aufgrund eines Streits im Kreise der Verwandtschaft verlässt Ende 1993 Louis Knie, mit seiner Frau Germaine und Sohn Louis, den Familienbetrieb. Er wandert nach Österreich aus und kauft den Österreichischen Nationalcircus.

Nach langer Krankheit stirbt 1997 Rolf Knie senior. Nur ein Jahr später bleibt sein Bruder Fredy Knie senior nach einem Hirnschlag halbseitig gelähmt. Erica Sigel (*1944) seine zweite Frau pflegt ihn bis zu seinem Tod mit 83 Jahren im Jahre 2003.

Der mit seinen Eltern nach Österreich ausgewanderte Louis Knie junior (*1974) und seine Frau Gipsy de Rocchi (*1975) haben mit der Geburt ihres Sohnes David Louis Knie 1999 die achte Generation der Knie-Dynastie begründet.

Mitte 2001 kommt der Sohn aus der Ehe von Géraldine Katharina (*1973) und Ivan Pellegrini (*1971) Ivan Frédéric zur Welt.

2003 heiratet Franco Knie junior (*1978) die chinesische Artistin Linna Sun (*1979). Mitte 2006 war die Geburt von Chris Rui.

Géraldine heiratete 2009 ihren zweiten Ehemann, den aus Italien stammenden Artisten Maycol Errani. Im März 2011 wird Tochter Chanel Marie geboren. Im zarten Alter von gerade drei Jahren hat Chanel Marie ihren ersten Auftritt in der Circus-Manege. Mit Grossvater Fredy Knie junior (*1946) durfte sie im 2014 in der Traditionsnummer «Gross und Klein» mitwirken.

Louis Knie junior heiratete im 2010 seine zweite Frau Ilona Pistekova (*1981), eine tschechische Trapez-Artistin. Ihr Sohn Loris Franco wurde 2013 geboren.

Circus Transporte[Bearbeiten]

Als einziger Zirkus der Schweiz setzt der Circus Knie seit den 1920er Jahren noch immer auf einen weitgehenden Bahntransport. Für die Wohnwagen der Artisten, Tiertransportwagen, Zeltwagen, Generatorwagen, Verpflegungswagen, Baumaterialien, Bürowagen und vieles mehr wird mittlerweile ein stattlicher Eisenbahnzug benötigt um das ganze Material vom einen zum anderen Veranstaltungsort zu verschieben[6].

Seit 2005 werden nun aber vermehrt Strassentransporte mit neu Angeschafften Tiertransportern durchgeführt. Nicht immer ist jeder Veranstaltungsort per Bahn zu erreichen[7].

Knies Kinderzoo[Bearbeiten]

Knies Kinderzoo in Rapperswil

An Pfingsten, am 10. Juni 1962, eröffneten Fredy Knie senior und Rolf Knie senior «Knies Kinderzoo» in Rapperswil. Dieser lädt jeweils von März bis Oktober zum Besuch ein. Im Unterschied zu anderen Zoos steht der direkte Kontakt mit den über 400 Tieren aus aller Welt im Vordergrund. Ein Teil des Kinderzoos begleitet den Zirkus als Wanderzoo auf seiner Schweizer Tournee. Benjamin Sinniger führt seit 1. Oktober 2000 zusammen mit Dr. Hanspeter Steinmetz Knies Kinderzoo.

Kritik[Bearbeiten]

Über 100 Tiere leben und arbeiten im Zirkusbetrieb. Die Haltung der Tiere wird von einigen Tierschützern immer wieder als nicht tiergerecht kritisiert, während andere Tierschutzorganisationen, wie etwa der STS, die Haltung und die Aufführungen als unproblematisch einstufen[8].

Entscheid zu Gunsten der Zirkus Kultur[Bearbeiten]

Am 13. Oktober 2005 hatte das Europaparlament in Brüssel über einen Antrag der Europa-Abgeordneten Doris Pack (CDU) abzustimmen. Im Antrag wurde formuliert, dass der traditionelle Circus ein Bestandteil der europäischen Kultur sei. Es wurde gefordert, dass den traditionellen Circussen mehr Anerkennung und Unterstützung zuteil werde.

Bei der Abstimmung wurde festgestellt und beschlossen, dass beim klassischen Circus „Dressurdarbietungen mit Wildtieren und domestizierten Arten“ zum festen Bestandteil gehören. Dem Antrag wurde mit grosser Mehrheit zugestimmt[9].

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Preis für die Zwei-Mehrsprachigkeit 2011. Verliehen durch das Forum für die Zweisprachigkeit.[10]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Circus Knie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Geschichte der Dynastie Knie
  2. Stammbaum Dynastie Knie
  3. Der Schweizer National-Circus Knie, Am Anfang war die Liebe (Memento vom 29. November 2007 im Internet Archive)
  4. Gerlikon gehört heute zur Gemeinde Frauenfeld
  5. Gebrüder Knie, Schweizer National-Circus AG Rapperswil, im Handelsregister des Kanton St. Gallen
  6. Bahntransport Circus Knie
  7. Schweizer Nationalcircus Gebr. Knie, abgefufen am 20. April 2015
  8. Schweizer Tierschutz STS, Zirkusbericht 2014, Circus Knie. Abgerufen am 15. April 2015
  9. Entscheid des Europaparlament in Brüssel, vom 13.10.2005
  10. Preis für die Zwei-Mehrsprachigkeit Abgerufen am 15. April 2015.