Siebrand Rehberg

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Siebrand Rehberg (* 19. Dezember 1943 in Aurich) ist ein deutscher Fotograf.

Rehberg wuchs in Aurich und in Norddeutschland auf und lebt und arbeitet heute in Berlin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rehberg wurde 1943 in Aurich als Sohn von Lieselotte Rehberg (geb. Habelt) und des Kriminalisten Herbert Rehberg geboren. Er wuchs in den ersten Lebensjahren in Aurich und dann in Norden auf.

Wegen der beruflichen Veränderungen des Vaters zog die Familie nach Hannover. Er besuchte dort ab 1954 das Gymnasium Leibnizschule und ab 1961 das Athenaeum in Stade.

Rehberg absolvierte zwischen 1966 und 1969 eine Ausbildung zum Buchdrucker in Stade. Danach zog er nach West-Berlin, um Kunst zu studieren. Hier begann er, fasziniert von der Stadt und insbesondere dem Bezirk Kreuzberg,[1][2] zu fotografieren.

1971–1976 war er privater Schüler von Michael Schmidt und wurde damit „Erster Schüler“ von Schmidt, der 1976 die Werkstatt für Photographie der VHS Kreuzberg gründete.[3] Außerdem begann Rehberg 1971 seine Ausbildung zum Fotografen beim Lette-Verein in Berlin, die er 1973 abschloss. Danach war er u. a. für die ZEIT, das ZEIT-Magazin und den SPIEGEL freiberuflich tätig, dann als selbständiger Fotograf in den Bereichen Architektur, Interieur und Stadtansicht. In den Jahren 1975–2008 arbeitete er als wissenschaftlicher Fotograf an der TU Berlin. 1976 hatte er seine erste Einzelausstellung der Serie „Berliner Kiez-Fassaden“ in der Galerie Zillestraße in Berlin. Die Abzüge dafür wurden im Cibachrome-Verfahren erstellt. 1977 leitete Rehberg ein Wochenend-Seminar an der Werkstatt für Photographie in Berlin-Kreuzberg (Friedrichstraße 230/Ecke Kochstraße) über das Cibachrome-Verfahren, Frau Professor Groebler von der FU Berlin war als Gast dabei.

1980 legte er seine Meisterprüfung als Fotograf ab. Bei den Vorbereitungskursen lernte er den Fotografen Michael Sauer kennen, der bis heute fotografischer Wegbegleiter ist, und mit dem er einige Projekte und Ausstellungen vorbereitet und durchgeführt hat.

1991/92 fotografierte Rehberg einen großen Teil der Minol-Tankstellen in der ehemaligen DDR mit zwei Balgenkameras und zwei Assistenten/innen. Die Aufnahmen wurden für den Prospekt „Die Farbe Lila“ auf 6x9 cm Farbdiapositiv fotografiert, Auftraggeber war die Werbeagentur HC Andresen.

1993 entstand die Dokumentation des Hauses Ulla und Heiner Pietzsch, Berliner Kunstsammler und Mäzen, mit umfangreicher Sammlung von Werken namhafter Maler der klassischen Moderne. Ab Sommer 2009 waren große Teile der Sammlung im Rahmen der Ausstellung Bilderträume in der Neuen Nationalgalerie der Öffentlichkeit zugänglich. Danach entschloss sich das Ehepaar Pietzsch, 60 Werke aus der Sammlung der Neuen Nationalgalerie als Schenkung zu überlassen und in einem zukünftigen „Museum des 20. Jahrhunderts“ nach Umbau der Gemäldegalerie am Kulturforum dauerhaft unterzubringen. Die Fotografien wurden mit der Balgenkamera als 6x9 cm und 18x24 cm Farbdiapositiv erstellt. Der Kontakt entstand über das Architekturbüro Reinhard Mueller.

Rehberg, Siebrand: Haus Ulla und Heiner Pietzsch, 1993

Von 1978 bis ca. 2010 entstanden über 100 Dokumentationen von Berliner Bürgerhäusern, sowie Innen- und Außenaufnahmen von Apotheken in Deutschland, meist als 6×9 cm und 9×12 cm Farbdiapositiv.

Seit 2000 fotografiert er Stadtansichten, insbesondere für den Schöning-Verlag und den Schikkus Verlag. Inzwischen besteht bereits ein Archiv von ca. 13 000 Fotografien von Berlin und Potsdam[4]. Außerdem verfolgt er seit 2000 das Projekt „Berliner Vedouten“, Aufnahmen von einem erhöhten Standpunkt fotografiert, das die Stadt zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten dokumentiert. Zuerst fotografierte er dies analog mit einer Balgenkamera. Seit 2004 hat er auf die digitale Fotografie umgestellt, bei der digitalen Kameratechnik, dem Scannen von Negativen sowie der digitalen Drucktechnik unterstützte ihn Philipp Buhrtz, geb. 1981 in Wismar, der später als Philipp Baben der Erde bekannter Fotograf und nach Besuch der Filmhochschule bekannter Cinematographer wurde. Er gewann den Deutschen Kamerapreis mit dem Movie „Black Enchantment“. Die Zusammenarbeit mit ihm war von 1999 bis 2006.

2014 waren seine Bilder der geteilten Stadt Berlin aus den 1970er Jahren erstmals in diesem Umfang im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie in der Collection Regard in Berlin zu sehen.

Im dazugehörigen Bildband „Signale des Aufbruchs“[5] schreibt Erik Steffen: „Der Fotograf hat allem eine Erinnerung bewahrt, die Signale eines gesellschaftlichen Aufbruchs glimmen. In den vertrauten Bewegungen, an den vertrauten Orten seiner Wahlheimat Kreuzberg gelingen Siebrand Rehberg Momentaufnahmen von großer Intensität. Von Menschen und ihren Lebensbedingungen, von Lebensfreude und Selbstbehauptung in einer unwirtlichen Umgebung.“ Die DGPh schreibt über die Photographien: „Das Buch zeigt eine ‚street photographie‘ von großer Qualität und ist mit dem Buch ›um/around 1979‹ (DGPh newsletter September 2014) eine interessante Auseinandersetzung mit den photographischen Konzepten dokumentarischer Photographie der 1970er Jahre. Die Photographien sind ein Zeitdokument weit über die Stadt Berlin hinaus und ein wichtiger Beitrag zur ‚street photography‘ in Deutschland.“ (DB)[6][7]

2015/16 die umfangreiche Ausstellung „Europe Under Construction: Berlin 1945–2015“. Der hierzulande seit 70 Jahren andauernde Frieden und die europäische Integration haben Anlass zu einer Fotoausstellung über die Entwicklung Berlins gegeben. Es wurden Arbeiten von über 30 Fotografen/innen aus Amerika, Deutschland, Frankreich und Großbritannien gezeigt, unter anderem mit Jewgeni Chaldej, Arno Fischer, F.C. Gundlach, Barbara Klemm, Robert Lebeck, Will McBride, Jim Rakete, Henry Ries. Der Ausstellungsort war in der Chausseestraße 36, eine ehemalige Residenz preußischer Offiziere, mit 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Rehberg war mit 8 Fotografien aus West- und Ostberlin über Collection Regard beteiligt. Die Bilder der vergangenen 70 Jahre konnten den Besucher dazu inspirieren, über die Zukunft Europas nachzudenken.

Von Februar bis Juni 2018 die Ausstellung im Rathaus der Bergringstadt Teterow mit Fotografien der Mecklenburgischen Schweiz. Der Vater Herbert Rehberg wurde dort geboren. Der Bürgermeister Reinhard Dettmann eröffnete die Ausstellung und schrieb das Vorwort für den dazugehörigen Katalog. Der Publizist Erik Steffen schrieb den Text: Traumartige Bilder – Landschaft ohne Menschen. „Eine Landschaft wie eine verschwommene Erinnerung an die eigenen Herkunftswege. Siebrand Rehberg, bekannter Großstadtfotograf, hat mehr als ein Jahrzehnt die von der Eiszeit geformte Gegend dokumentiert. Entstanden sind überwältigende Bilder, die wie Seelenlandschaften wirken, eine Hommage und ein Abschied zugleich. Scheinbar unberührte Natur. Menschliche Spuren sind kaum sichtbar.“

Die fotografische Begleiterin auf den Wanderungen zu zweit in der Mecklenburgischen Landschaft sowie auch auf anderen fotografischen Exkursionen ist seit über 20 Jahren seine Frau, die Sozialpädagogin Gudrun Zerrath. Mehrere Projekte entstanden in der Vorbereitung mit ihr zusammen.

Diese Fotografien wären ohne die Freundin seiner Frau, Ulrike Lindemann, und Manfred Lutzmann nicht entstanden, da sie mehrmals im Jahr in einem Zeitraum von über 10 Jahren in ihrem Haus in Waldschmidt und in einem ausgebauten Bootshaus in Bristow am Malchiner See wohnen konnten.


Im Oktober 2018 die Fotoausstellung: UNGESCHÖNT Menschen – Bewegungen – Stadtansichten mit 7 weiteren Fotografen/innen im Friedrichshain/Kreuzberg Museum. Im dazugehörigen Bildband schreibt Erik Steffen: „Siebrand Rehberg, sensibler Chronist der Kreuzberger Aufbruchzeiten vor 40 Jahren, bewegt sich mit der Kamera seit 2012 erneut durch seinen Kiez. Neugierig und rastlos. Die einst stille Admiralbrücke ist nun zum touristischen Hotspot geworden, überall Musik und der fantasievolle Kampf um Wahrnehmung oder Unterstützung an jeder Straßenecke. Bunt seine Fotografien nun, bunt ist die Welt vor der eigenen Haustür. International scheint das Bedürfnis, einfach zu leben in dieser Welt, deren Widerhaken die einen auf die Straße zwingen und die anderen auf scheinbar sicherem Terrain wandeln, wohnen und leben lassen. Eine Welt der Gegensätze.“

Siebrand Rehberg lebt und arbeitet in Berlin.

Der Sammler Marc Barbey über Rehbergs Stadtbilder der 70er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ich habe selten Bilder von den Berlinern der 70er Jahre in dieser Qualität gesehen. Man könnte fast schmunzelnd sagen: „Es sind alle da!“ Dass außerdem der Fokus insbesondere auf den Menschen und dem Stadtteil Kreuzberg gesetzt wurde, finde ich äußerst interessant und spannend. Siebrand Rehbergs Straßenfotografien haben mich auf Anhieb überzeugt, denn er hat es geschafft, einen sehr breiten Teil der Kreuzberger und Berliner Gesellschaft eindrucksvoll und einfühlsam einzufangen. Er liefert uns mit hohem fotografischen Können ein wunderbares Zeitdokument von Menschen aller Schichten, sowohl aus West- als auch Ost-Berlin. Einige Motive von Siebrand Rehberg könnten Fotografische Ikonen werden.“

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1971–76: West-Berlin, (davon 60 % Kreuzberg), Straßenfotografie: Signale des Aufbruchs
  • 1971–76: Ost-Berlin, Straßenfotografie
  • 1971–76: Kinder und Jugendliche in Kreuzberg und West-Berlin, Straßenfotografie
  • 1972–77: Berliner Kiez-Fassaden, Fotografien auf Cibachrome
  • 1973: Festival der Jugend und Studenten, Ostberlin, Straßenfotografie
  • 1974: 25 Jahre DDR, Ostberlin, Straßenfotografie
  • 1975: Der Bettler und die Berliner, Tauentzien, 1975
  • 1978–93: West-Berliner Häuser- Architektur und Interieur
  • 1991: Die Farbe Lila- Tankstellen in Ost-Berlin und der ehemaligen DDR
  • 1993: Haus Ulla und Heiner Pietzsch, Berliner Kunstsammler und Mäzen
  • 1995–2010: Apotheken in Deutschland, Architektur und Interieur
  • 1998–2019: Berlin und Potsdam Stadtansicht
  • 2000–2019: Berliner Veduten, (Fotografien von höheren Standpunkten)
  • 2003–08: TU-Bibliothek, Architektur und Interieur
  • 2003–17: Landschaft Mecklenburgische Schweiz
  • 2004: Dubai Fotografien East meet West, S-B Konzept
  • 2005–19: Natur Metamorphose, schwarz weiß
  • 2009–19: Natur Landschaft, schwarz weiß
  • 2012–19: Ungeschönt- Kreuzberg, Stadtansicht und Menschen, Straßenfotografie
  • 2012–19: Berlin, Stadtansicht und Menschen, Straßenfotografie
  • 2016: Christopher Street Day, Berlin

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1976 Berliner Kiez-Fassaden, Galerie Zillestraße, Berlin & fotografisk gallerie, Kopenhagen
  • 2012 Augenblicke. Stillstand und Bewegung. Fotografien aus Kreuzberg, The Browse Gallery, Berlin
  • 2013 Rathaus Porta Westfalica
  • 2013 Liepnitzsee: See-Landschaft – keine Menschen, Berlin Fotofestival Browse 2013, STATION Berlin
  • 2014 Stadtmuseum Wiesbaden
  • 2014 Siebrand Rehberg – Berliner – Signale des Aufbruchs, Collection Regard, Berlin
  • 2015 Rathaus Bensheim
  • 2015 WEST:BERLIN Eine Insel auf der Suche nach Festland, Berliner Stadtmuseum, Fotografie „Jugendliche vom Georg von Rauch-Haus 1971“
  • 2015 / 2016 Europe Under Construction Berlin 1945–2015 bei Chaussee 36, Fotografien: Berliner. Signale des Aufbruchs.
  • 2015: Arles OFF 2015 – Fotohaus Berlin – Collection Regard
  • 2015: Abriss und Aufbruch am Kottbusser Tor 1945–2015, FHXB Museum
  • 2016: Signale des Aufbruchs, Galerie Rock-paper, Aufbauhaus, Moritzplatz
  • 2016: Rathaus Ingelheim, Menschen in Kreuzberg
  • 2016: Arles OFF – Fotohaus Berlin – Collection Regard
  • 2017: Made in Kreuzberg, Menschen in Kreuzberg 2012–2017, Atelier Martina Dempf in der Remise
  • 2018: Friedrichshain-Kreuzberg Museum, UNGESCHÖNT – Menschen, Bewegungen, Stadtansichten, EMOP 2018
  • 2018: Rathaus der Bergringstadt Teterow, Fotografien Mecklenburgische Schweiz

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Hettlage: Volkswagen University Library Technische Universität and Universität der Künste Berlin. (= Die neuen Architekturführer. 183). Fotografien: Markus Hilbich, Siebrand Rehberg. Berlin 2013. [1]
  • Siebrand Rehberg – Signale des Aufbruchs: Berlin-Fotografien der frühen Siebzigerjahre. Texte von Erik Steffen. Nicolai, Berlin 2014. [2]
  • Renaud Vercouter (Hrsg.): Europe Under Construction Berlin 1945–2015. Verlag Chaussee 36, Berlin 2015. [3]
  • Marc Barbey (Hrsg.): Siebrand Rehberg – West-Berlin 1972–1977. Text von Erik Steffen. ConferencePointVerlag, Hamburg 2015. [4]
  • Ellen Röhner, Erik Steffen (Hrsg.): Stillstand und Bewegung, Menschen in Kreuzberg, Fotografien aus den 70ern und 80ern, Berlin Story Verlag, Berlin 2012.[5]
  • Sophie Perl, Erik Steffen (Hrsg.): Abriss und Aufbruch am Kottbusser Tor 1945–2015., Fotografien: Siebrand Rehberg, Berlin 2015. [6]
  • Siebrand Rehberg: Mecklenburgische Schweiz., mit Original Fotografie, signiert und nummeriert. Text: Dr. Reinhard Dettmann, Erik Steffen, Gestaltung: Peter Swoboda, Auflage 500, Eigenverlag, Berlin 2017. [7]
  • Ellen Röhner, Erik Steffen (Hrsg.): UNGESCHÖNT – Menschen – Bewegungen, Stadtansichten, Friedrichshain-Kreuzberg, Fotografien 1990–2018. Berlin Story Verlag, Berlin 2018. [8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Corina Kolbe: Kreuzberger Lieblinge. spiegel.de, 27. Oktober 2014. Abgerufen am 5. Februar 2015
  2. Corina Kolbe: West-Berlin in den Siebzigern. Die Luftschlösser der Anarchisten Spiegel online, 15. März 2016. Abgerufen am 10. Mai 2019
  3. Ronald Berg: Der Duft von SO 36. taz.de, 11. Oktober 2014. Abgerufen am 5. Februar 2015
  4. Matthias Reichelt Gestern war Morgen. Der Zahn der Zeit in der Berliner Fotografie Junge Welt online – Wochenausgabe 7./8., Februar 2015. Abgerufen am 15. Mai 2019
  5. Annette Kuhn: Stillstand und Aufbruch Die Welt Kompakt, 6. Oktober 2014. Abgerufen am 15. Mai 2019
  6. Bernd Schäffner Berlin / Streets. Bilder von Geschäften, die es heute nicht mehr gibt . Abgerufen am 15. Mai 2019
  7. photo by Siebrand Rehberg Fash – Trash – Dodi Reifenberg. Abgerufen am 15. Mai 2019