Lette-Verein

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Lette-Verein Stiftung des öffentlichen Rechts
Lette-Verein am Viktoria-Luise-Platz
Schulform Fachschule (privat), Berufsfachschule (privat), Berufsschule (privat)
Schulnummer 07P03
Gründung 1866
Adresse

Viktoria-Luise-Platz 6
10777 Berlin

Ort Berlin-Schöneberg
Land Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 29′ 46″ N, 13° 20′ 28″ OKoordinaten: 52° 29′ 46″ N, 13° 20′ 28″ O
Leitung Petra Madyda
Website www.letteverein.berlin

Der Lette-Verein ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts für schulische Berufsausbildungen sowie Träger von drei Berufsfachschulen, eine Fachschule und drei Schulen des Gesundheitswesens in Berlin. Die Direktorin der Stiftung Lette-Verein ist seit 2009 Petra Madyda. Seit 1. August 2014 ist Norbert Forstmann Leiter der sieben Schulen im Lette Verein Berlin, seine Stellvertreterin ist Julia von Randow.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bericht "In der Haushaltungsschule des Lette-Vereins in Berlin" 1888 in Die Gartenlaube

Am 27. Februar 1866 gründete Wilhelm Adolf Lette den Verein zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts.[1] Der Verein stand unter dem Protektorat der Kronprinzessin Viktoria von Preußen, die den Verein auch finanziell unterstützte. Er war Mitglied im Bund Deutscher Frauenvereine.

Unverheiratete Frauen aus dem Bürgertum hatten zur Zeit der Vereinsgründung nur wenige Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt angemessen zu verdienen, so zum Beispiel als Lehrerin oder Gouvernante. Der Verein unterstützte die Öffnung weiterer Berufsfelder für Frauen. Dazu förderte er Ausbildungsstätten und -institutionen sowie Absatzmöglichkeiten für von Frauen hergestellte Produkte.

Im Unterschied zum allgemeinen deutschen Frauenverein (ADF), der sich für ähnliche Ziele einsetzte, stand der Verein zunächst unter männlicher Leitung. Der Gründungsvorsitzende, Wilhelm Adolf Lette, setzte sich für die Mädchen- und Frauenbildung ein, lehnte aber die politische Emanzipation der Frauen ab. Die Erwerbstätigkeit von Frauen sollte ihre Rolle in der Familie nicht beeinträchtigen, sondern das Leben unverheirateter Frauen sozialökonomisch sichern. In diesem Sinne arbeiteten auch die führenden Frauen des Vereins u. a. Jenny Hirsch, Ulrike Henschke, Franziska Tiburtius, Katharina von Haxthausen, die in der Ausbildung junger Mädchen und Frauen die persönliche intellektuelle Entwicklung zur Unterstützung ihres natürlichen Berufs als Mutter und Hausfrau hervorhoben. Erst in der ersten Hälfte des 20. Jh. setzte sich die Ansicht durch, dass eine Erwerbstätigkeit auch Beruf für eine Frau sein kann. Marie Kundt und Anna Köppen waren wesentlich an der Gründung und Entwicklung des ersten Berufsverbandes Technischer Assistentinnen beteiligt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie begann unter der Leitung von Clara von Simson in den 1950er Jahren eine Rolle zu spielen.

Nach dem Tod Wilhelm Adolf Lettes 1868 übernahm seine Tochter Anna Schepeler-Lette den Vereinsvorsitz. Unter ihrer Leitung wurde der Verein zum Schulträger und begann ab 1872 mit einer eigenen Lehrtätigkeit. Ausbildungen in den Bereichen Handel und textiles Gewerbe spielten zunächst eine zentrale Rolle. Es wurden Telegraphistinnen, Elektroassistentin, Handelskorrespondentinnen, Setzerinnen, Buchbinderinnen, Kunststickerinnen, Gutssekretärinnen, Diätassistentinnen, Handarbeits- und Gewerbelehrerinnen, Modezeichnerinnen und -direktricen und andere ausgebildet.

1890 wurde unter der Leitung von Dankmar Schultz-Hencke die Photographische Lehranstalt gegründet. Bürgerlichen Frauen, denen noch kein Zugang zu universitärer Bildung möglich war, konnten sich hier auf wissenschaftlicher Grundlage ausbilden lassen, um später in Forschung und Entwicklung an der Seite männlicher Wissenschaftler zu arbeiten. Es entwickelten sich zahlreiche Berufe, die auf der Technik bildgebender Verfahren beruhen und bis heute von hoher Relevanz sind. Dazu gehören die wissenschaftliche Fotografie, die Röntgenfotografie oder die Mikrofotografie und waren Ausgangspunkt für die heutige Metallographie, medizinisch-technische Assistenz und chemisch-biologische Laborassistenz.

1902 bezog der Verein das von Alfred Messel errichtete Gebäude am Berliner Viktoria-Luise-Platz. Dem Gebäude, als Schulbau für eine Frauenschule konzipiert, liegt der Grundgedanke der Kommunikation und des sozialen Handelns, aber auch das Prinzip der Frauenklause zugrunde. Kreisförmig gruppieren sich um einen großen Innenhof sechs weitere Höfe, die im Grundriss die Form einer Bienenwabe ergeben. Sitzbänke in den Höfen und ausgeweiteten Flurecken schaffen Raum und Atmosphäre für Kommunikation im Sinne sokratischer Lehre. Verwaltung, Bibliothek und Speisesaal befanden sich auf der ersten Etage und bildeten das Zentrum des Geschehens.

1910 wurde eine Fotografieklasse für Männer unter Leitung von Carola Lohde eingerichtet.

1944 wurde der Verein in eine Stiftung des öffentlichen Rechts umgewandelt. Seit 1982 sind die Schulen des Lette-Vereins koedukativ. Aus den bestehenden Ausbildungsgängen und im Zusammenhang mit den neuen technischen Entwicklungen sowie den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes entstanden immer wieder neue Ausbildungsgänge wie beispielsweise Elektroassistentin, pharmazeutisch-technische Assistentin, Medieninformatik | Interaktive Animation, Ernährungs- und Versorgungsmanagement.

1984 wurde der Gebäudekomplex durch einen Neubau erweitert, in dem Labore Platz fanden. Heute ist der Lette-Verein ein koedukatives Berufsausbildungszentrum mit den aus seinen Ursprüngen entstandenen Bereichen Ernährung und Versorgung, Gesundheit, Design und Technik.

Der Lette-Verein nahm 2003 am Modellvorhaben Eigenverantwortliche Schule der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport teil. 2006 wurde ein neues Schulprogramm erarbeitet.

Ausbildungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

125 Jahre Lette-Verein: deutsche Briefmarke von 1991

Der Lette-Verein ist Träger von drei Berufsfachschulen sowie drei Schulen des Gesundheitswesens – der Berufsfachschule für Design, Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung mit der Fachschule für Ernährungs- und Versorgungsmanagement, der Technischen Berufsfachschule sowie der Schulen des Gesundheitswesens für Medizinisch-Technische Assistentinnen und Assistenten für Labor und Radiologie(MTA) und Pharmazeutisch-Technische Assistentinnen und Assistenten (PTA).

Der Lette-Verein unterliegt der staatlichen Kontrolle und die Ausbildungen am Lette-Verein sind staatlich anerkannt. In einigen Ausbildungsgängen können der MSA sowie die BBR und eBBR und die Fachhochschulreife erworben werden. Durch die Gesellschaftsform Stiftung öffentlichen Rechts hat der Lette-Verein unter anderem die Freiheit, das Lehrpersonal selbst zu wählen.

Berufsfachschule für Design[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Berufsfachschule für Design werden Foto-, Grafik- und Modedesignerinnen und -designer auf der Grundlage eines Mittleren Schulabschlusses und einer bestandenen Eignungsprüfung in theoretischen und praktischen Unterrichtsfächern drei Jahre lang ausgebildet, wobei die Ausbildungsgänge Grafik- und Modedesign derzeit modularisiert unterrichtet werden. Neben dem Erwerb von künstlerisch-gestalterischen, technischen und handwerklichen Kenntnissen und Fertigkeiten werden auch die Fähigkeiten zur selbständigen Planung, Arbeitsorganisation, Konzeptentwicklung und Ergebnisbeurteilung in einer beruflichen Erstausbildung entwickelt.

Meisterklasse Modedesign[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2016 gibt es im Ausbildungszweig Modedesign eine Meisterklasse. Jedes Jahr bekommen acht besonders talentierte Absolventinnen und Absolventen des Ausbildungsbereiches Modedesign die Möglichkeit, ein zusätzliches Jahr lang in der Meisterklasse mit Atelier in den Räumen des Lette Vereins, gecoacht zu werden. Dieses Angebot unterstützt die Talente, sich für Wettbewerbe zu qualifizieren und die persönliche Handschrift zu schärfen und häufig auch in Film- und Fernsehproduktionen Erfahrungen zu sammeln (u. a. Berlin Babylon). 2016 gewann Sascha Johrden als einer von 100 Teilnehmenden im Rahmen des Leipziger Opernballs den „Leipziger Opernball Sophisticated Fashion Award“ mit einem handgefertigten Abendkleid. Geleitet wird die Meisterklasse von Jochen Pahnke, Lette-Absolvent, Mitinhaber des Modelabels Kratzert & Pahnke in Berlin-Schöneberg und Fachlehrer für Entwurf, Schnitt und Fertigung.

Die Meisterklasse wird durch die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Soziales gefördert.

Schulen für Ernährung und Versorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An den Schulen für Ernährung und Versorgung werden Assistenten und Assistentinnen für Ernährung und Versorgung sowie in einer zweijährigen Weiterbildung Betriebswirtinnen und -wirte für Ernährungs- und Versorgungsmanagement ausgebildet. Außerdem gibt es in diesem Ausbildungszweig die einjährige Integrierte Berufsausbildungsvorbereitung | IBA. Während der Assistenzausbildung kann der Mittlere Schulabschluss (MSA) erworben werden. In der betriebswirtschaftlichen Ausbildung wird gleichzeitig zur Berufsqualifikation die Fachhochschulreife mit der weiteren Option auf den Ausbilderschein erlangt.

Technische Berufsfachschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Technischen Berufsfachschule werden in vollschulischer Ausbildung staatlich geprüfte Technische Assistentinnen und Assistenten für Informatik mit Schwerpunkt Interaktive Animation, staatlich geprüfte Technische Assistentinnen und Assistenten für Metallographie und Werkstoffanalyse sowie staatlich geprüfte Technische Assistenten für chemisch-biologische Laboratorien, einer Kombination aus CTA und BTA ausgebildet. Diese Ausbildungsgänge sind zweijährig für Abiturienten (außer Medieninformatik) und dreijährig für Jugendliche mit Mittlerem Schulabschluss. Letztere erwerben mit der Berufsqualifikation auch die Fachhochschulreife.

Die drei Schulen des Gesundheitswesens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schule des Gesundheitswesens für Medizinisch-Technische Assistenten (MTA) bietet zwei Ausbildungsgänge an – einen für Radiologieassistentinnen und -assistenten (MTR) und einen für Laboratoriumsassistentinnen und -assistenten (MTL). Die Schule des Gesundheitswesens für Pharmazeutisch-Technische-Assistenten (PTA) bietet einen Ausbildungsgang mit dem gleichen Namen an.

Der Lette Design Award by Schindler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2015 vergibt der Lette Verein Berlin gemeinsam mit der Firma Schindler den Lette-Design-Award by Schindler. Ausgezeichnet werden jedes Jahr die drei Design-Ausbildungsbereiche des Hauses. Als langjähriger Kooperationspartner ist die Firma Schindler Deutschland AG & Co. KG Hauptsponsor des Awards und sponsert neben der Ausrichtung der Veranstaltung auch den Publikumspreis, der aus einem Preisgeld sowie einem bezahlten Auftrag besteht. Dazu gehört unter anderem die großflächige Gestaltung der Kantine der Firma Schindler durch den Gewinner in der Kategorie Grafikdesign.

15 ausgewählte Lette-Absolventen aus den jährlichen Abschlussklassen Foto-, Grafik- und Modedesign im Lette Verein werden durch die unterrichtenden Designer nominiert. Aus den jeweils fünf Abschlussarbeiten aller drei Designrichtungen wird ein Sieger oder eine Siegerin gekürt. Alle Preise werden von erfolgreichen Absolventen vom Lette Verein Berlin vergeben. Aus diesen Vernetzungen sind seit dem ersten Lette-Design-Award by Schindler bis heute dauerhafte Geschäftsbeziehungen und Anstellungen erwachsen. Dazu gehören Unternehmen wie Foto Meyer, Michalsky, Zalando oder Agenturen wie Goldener Hirsch oder HeymannBrandt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehrende und Lernende:[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Doris Obschernitzki: Der Frau ihre Arbeit! Lette-Verein: zur Geschichte einer Berliner Institution 1866–1986. Berlin 1987, ISBN 3-926175-06-0.
  • Lilly Hauff: Der Lette-Verein in der Geschichte der Frauenbewegung. Berlin 1928
  • Jenny Hirsch: Geschichte der fünfundzwanzigjährigen Wirksamkeit (1866 bis 1891) des unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich stehenden Lette-Vereins zur Förderung höherer Bildung und Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts. Berlin 1891; d-nb.info (PDF; 88 MB)
  • Anna Schepeler-Lette. In: Die Gartenlaube. Heft 18, 1897, S. 308 (Volltext [Wikisource]).
  • Max Ring: Das Haus der Berliner Frauen. In: Die Gartenlaube. Heft 25, 1874, S. 400–402 (Volltext [Wikisource]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lette-Verein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Lette Verein Berlin, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  2. Der Ausdruck „Lehrende und Lernende“ wird im Jahresbericht des Lette-Verein, Berlin 1900 benutzt.