Sieglinde Hofmann

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Sieglinde Hofmann (* 14. März 1945 in Bad Königshofen, Unterfranken) ist ein ehemaliges Mitglied der terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) und gilt als eine der Leitfiguren der zweiten Generation. Sie war 1977 an der Schleyer-Entführung und 1979 am Anschlag auf den damaligen Nato-Oberbefehlshaber in Europa Alexander Haig beteiligt. 1980 wurde sie verhaftet, zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt und 1999 aus der Haft entlassen.[1][2]

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Besuch einer katholischen Mädchenschule machte sie eine Lehre als Arzthelferin. Nach ihrer Fachhochschulausbildung zur Sozialarbeiterin in Heidelberg war sie ab 1970 als Sozialarbeiterin im Bereich Drogenberatung im Geschäftsbereich der Erzdiözese Freiburg tätig.[3] Sie radikalisierte sich über ihre Arbeit als Sozialarbeiterin und schloss sich 1976 der RAF an.[4]

Im Sommer 1976 absolvierte sie zusammen mit anderen Mitgliedern der Haag/Mayer-Bande (u. a. Siegfried Haag, Peter-Jürgen Boock und Stefan Wisniewski) in einem Trainingscamp der PFLP im Südjemen eine militärische Ausbildung[5] und beteiligte sich an den ersten Planungen zur Offensive 77, deren Ziel die Freipressung der in deutschen Gefängnissen einsitzenden RAF-Mitglieder war.

Nach der Verhaftung Haags übernahm im Februar 1977 Brigitte Mohnhaupt die Führung der RAF. Hofmann wurde schnell zu deren wichtigster Vertrauter und fungierte in den folgenden Monaten und Jahren als eine Art Stellvertreterin (BKA-Chef Horst Herold bezeichnete Hofmann später als „die Stabschefin der Mohnhaupt“).[6]

Als Mitglied des engsten Führungskreises der RAF war sie maßgeblich an Planung und Ausführung der Terroranschläge der „Offensive 77“ und des Deutschen Herbstes beteiligt. Am 5. September 1977 eröffnete sie mit einem schweren Maschinengewehr das Feuer auf den Konvoi des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer[7] und gehörte in den folgenden Wochen zu Schleyers permanenten Bewachern.

Am 11. Mai 1978 wurde sie zusammen mit Mohnhaupt und Boock in Zagreb verhaftet, im November 1978 jedoch von den jugoslawischen Behörden nach Aden im Südjemen abgeschoben. Von dort kehrte sie im Frühjahr 1979 nach Europa zurück und beteiligte sich an dem versuchten Mordanschlag auf den damaligen Nato-Oberbefehlshaber in Europa Alexander Haig.

Im Mai 1980 verhandelte sie im Auftrag Mohnhaupts über den Zusammenschluss der RAF mit der Bewegung 2. Juni, wurde aber bei einem konspirativen Treffen in einer Pariser Wohnung festgenommen. Gegen Zusage Hofmann nicht wegen Mordes anzuklagen wurde sie an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert. Im Juni 1982 wurde sie wegen versuchter Geiselnahme, versuchten Menschenraubes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Verurteilung für die Beteiligung an der versuchten Entführung Jürgen Pontos basierte im Wesentlichen nur auf den Aussagen des Kronzeugen Hans-Joachim Dellwo. Später stellte sich heraus, dass sie an der Entführung Pontos nicht beteiligt und die Verurteilung für diese ein Justizirrtum war.[8]

Erst nach der Verhaftung der RAF-Aussteiger im Juni 1990 in der DDR wurde Hofmanns Führungsrolle innerhalb der RAF in ihrer ganzen Bedeutung bekannt. 1995, kurz vor ihrer regulären Haftentlassung wurde sie in Untersuchungshaft genommen und ein zweites Mal angeklagt. Noch im selben Jahr wurde sie – erneut maßgeblich auf Basis der Aussagen von Kronzeugen – als mitschuldig an der Entführung und Ermordung Hanns Martin Schleyers und wegen „verantwortlicher Mitwirkung“ am gescheiterten Anschlags auf den NATO-Oberbefehlshaber Alexander Haig zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.[9] 1999 wurde sie vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassen.[10]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.sueddeutsche.de/politik/raf-mord-an-anwalt-buback-ex-terroristen-beschuldigen-wisniewski-1.1005249
  2. http://www.berliner-zeitung.de/archiv/kronzeuge-beschuldigt-raf-mitglied,10810590,9004344.html
  3. rafinfo.de: Kurzbiographie Sieglinde Hofmann
  4. tagesspiegel.de
  5. Stefan Aust: Der Baader-Meinhof-Komplex. Seite 417
  6. Butz Peters: Tödlicher Irrtum. Seite 513
  7. Butz Peters: Tödlicher Irrtum. Seite 404
  8. Trick mit Krücke. Der Spiegel, Nr. 25/1982
    Michael Sontheimer: Terrorprozesse: Die zweifelhaften Urteile der RAF-Tribunale, Spiegel Online, 2. Mai 2010, bearbeiteter Auszug aus: Michael Sontheimer: "Natürlich kann geschossen werden". Eine kurze Geschichte der Roten Armee Fraktion. Deutsche Verlags-Anstalt, 2010
  9. Mitschuldig am Tod Schleyers, Die Welt, 27. September 1995
  10. Spiegel Online: Was aus Top-Terroristen wurde, 12. Februar 2007.