Sipani

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Sipani Automobiles Ltd. war ein indischer Automobilhersteller, der überwiegend Klein- und Kleinstwagen produzierte. Nachdem es anfänglich Eigenkonstruktionen gefertigt hatte, ging es in den 1980er-Jahren dazu über, britische Fahrzeuge in Lizenz zu fertigen oder zu kopieren. Die Autos von Sipani wurden nicht exportiert.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Das in der südindischen Stadt Bangalore ansässige Unternehmen wurde 1973 von Danesh Sipani unter der Bezeichnung Sunrise Automotive Industries Ltd. (auch: SAIL[1]) gegründet. Einige Quellen berichten, der britische Automobilhersteller Reliant habe die Gründung finanziell und logistisch unterstützt.[2]

In den ersten Jahren entstanden „sehr einfache“[3] drei- und vierrädrige Kleinstfahrzeuge mit Kunststoffkarosserie, deren Absatz auf den Bundesstaat Karnataka beschränkt blieb.[4] In den frühen 1980er-Jahren wurde das Unternehmen in Sirpani Automobiles umfirmiert; die neue Bezeichnung folgte dem Familiennamen des Unternehmensgründers.[2] Zu dieser Zeit nahm der Betrieb die Lizenzproduktion des Reliant Kitten auf, die nahezu zehn Jahre anhielt, sich aber nicht als wirtschaftlich erfolgreich erwies. Sirpani machte in dieser Zeit regelmäßig Verluste. In den 1990er-Jahren montierte Sipani schließlich kurzfristig britische Mittelklasseautos. Das Unternehmen wurde im Jahr 2000 nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit aufgelöst.

Die einzelnen Modelle[Bearbeiten]

Sunrise Badal[Bearbeiten]

Die ersten beiden Modelle des Unternehmens, die noch unter der Marke Sunrise verkauft wurden, trugen die Modellbezeichnung Badal. Es handelte sich um zwei unterschiedliche Fahrzeuge, die in konstruktiver Hinsicht keine Gemeinsamkeiten hatten.

Badal[Bearbeiten]

Der erste Badal, der 1975 vorgestellt wurde, war ein Dreirad, das über ein gelenktes Vorderrad und über zwei angetriebene Hinterräder verfügte. Das Fahrzeug basierte auf einem Y-förmigen Stahlrahmen, auf dem kombiartige Karosserie montiert war. Als Antrieb diente ein Einzylinder-Zweitaktmotor italienischer Herkunft [5] mit einem Hubraum von 0,2 Litern, der über der Hinterachse montiert war. Seine Leistung betrug 10 PS. Über dem Motor befand sich der Benzintank. Die Bremsen wirkten nur auf die Hinterräder.[5] Der Badal hatte eine dreitürige Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Auf der Fahrerseite befand sich nur eine Tür, auf der Beifahrerseite waren dagegen zwei Türen vorgesehen.[3] Das Leergewicht des 3,1 m langen Autos wurde mit 400 kg angegeben, die Höchstgeschwindigkeit mit 75 km/h.[6] Einige Quellen behaupten, das Auto habe in konstruktiver Hinsicht eine „lose Verwandtschaft“ zum dreirädrigen Reliant Robin gehabt,[2] andere sehen in ihm eine voll verkleidete Version eines indischen Autorikscha.

Der Produktionsumfang des dreirädrigen Badal ist nicht bekannt. Einige Quellen behaupten, er habe am Markt keinen Erfolg gehabt.

Badal 4[Bearbeiten]

Das zweite Modell von Sunrise, der Badal 4, wurde 1981 vorgestellt. Es handelte sich um vierrädriges Fahrzeug mit viertüriger Kunststoffkarosserie. Der Motor – wiederum ein 0,2 Liter großer Einzylinder, der 10 PS leistete – war über der Vorderachse eingebaut; er trieb die Hinterräder an. An den einzeln aufgehängten Vorderrädern wurden Schraubenfedern installiert, hinten verwendete der Badal eine blattgefederte Starrachse. Der eckig gestaltete Aufbau hatte in stilistischer Hinsicht keine Ähnlichkeit mit dem früheren dreirädrigen Modell, das gelegentlich als verschnörkelt beschrieben worden war. Das Leergewicht des Fahrzeugs betrug 500 kg, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 60 km/h.[7]

Auch der vierrädrige Badal verkaufte sich nicht gut. Er blieb nur ein Jahr lang in Produktion.

Sipani Dolphin[Bearbeiten]

Sipani Dolphin im Motorsport

Nach der Umbenennung des Unternehmens präsentierte Sipani 1982 ein neues Modell, das ein höheres technisches Niveau erreichte als seine Vorgänger.[8] Der Sipani Dolphin war eine Lizenzproduktion des britischen Reliant Kitten, der seinerseits die vierrädrige Version des Dreirads Robin darstellte. Wie der Kitten, hatte der Dolphin einen Stahlrahmen, auf dem eine zweitürige Kunststoffkarosserie montiert war. Sie glich der des Kitten vollständig. Als Antrieb diente ein 0,8 Liter großer Vierzylindermotor von Reliant, der 39 PS abgab. Der Dolphin hatte weder Scheibenbremsen noch Bremskraftverstärker und galt als technisch veraltet. Die Höchstgeschwindigkeit des Autos betrug 108 km/h.[9]

Der Sipani Dolphin wurde wiederum nur in geringen Stückzahlen produziert.[9] Als Grund für den geringen Erfolg des Wagens sehen Beobachter den Umstand, dass er anfänglich nur als Zweitürer angeboten wurde, während der indische Markt viertürige Autos bevorzugte.[2] Hinzu kam, dass er deutlich teurer war als der größere und leistungsstärkere Padmini von Premier, der eine viertürige Stufenheckkarosserie aufwies.[10]

Sipani Montana[Bearbeiten]

Der 1985 vorgestellte Montana war eine fünftürige Version des Dolphin. Sie wurde nur sehr kurzfristig angeboten.[2]

Sipani Montana D1[Bearbeiten]

Der 1987 vorgestellte Montana D1 war eine Weiterentwicklung des Montana. Das Auto basierte in technischer Hinsicht nach wie vor auf dem britischen Reliant Kitten,[11] hatte aber eine eigenständige Karosserie. Die Frontpartie wurde in bewusster Anlehnung an den in Indien erfolgreichen Daihatsu Charade gestaltet.[2] Als Antrieb stand neben dem bekannten Vierzylinder-Benzinmotor von Reliant nun ein Dreizylinder-Dieselmotor zur Verfügung, der von Mitsubishi bezogen wurde. Das 0,9 Liter große Triebwerk, das ursprünglich für die Verwendung in Kleintraktoren konzipiert worden war, leistete 20 PS. Mit ihm erreichte der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h.[11] Die Produktion des Montana endete 1994.

Montego[Bearbeiten]

Montego Saloon

1995 begann Sipani mit der Produktion des Austin Montego, dessen Fertigung in Großbritannien im Jahr zuvor eingestellt worden war. Es handelte sich um eine Herstellung im CKD-Verfahren: Die Autos wurden in Bangalore aus Teilen zusammengesetzt, die aus Großbritannien angeliefert wurden.[12] Sipani bot sowohl die viertürige Limousine als auch den fünftürigen Kombi an. Als Antrieb diente ausschließlich ein 1,8 Liter großer Dieselmotor mit einer Leistung von 81 PS. Auch dieses Modell war nicht erfolgreich: Sipani stellte 1995 nur 259 Exemplare des Montego her, in den folgenden 15 Monaten kamen lediglich 50 weitere Fahrzeuge hinzu. 1997 endete die Produktion. Sipanis Pläne, auch den Rover 400 und den LandRover in Indien zu fertigen,[12] ließen sich nicht realisieren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Harald Linz und Halwart Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie, United Soft Media Verlag GmbH, München 2008, ISBN 978-3-8032-9876-8

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Harald Linz und Halwart Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie, United Soft Media Verlag GmbH, München 2008, ISBN 978-3-8032-9876-8, S: 304.
  2. a b c d e f Geschichte des Unternehmens auf der Internetseite http:histomobile.com (abgerufen am 12. März 2014).
  3. a b Auto Katalog Nr. 23 (1979/80), S. 88.
  4. Auto Katalog Nr. 25 (1981/82), S. 97.
  5. a b Beschreibung des Badal auf der Internetseite www.3wheelers.com (abgerufen am 12. März 2014).
  6. Auto Katalog Nr. 23 (1978/79), 212 f.
  7. Auto Katalog Nr. 25 (1981/82), S: 88.
  8. Auto Katalog Nr. 27 (1983/84), S. 97.
  9. a b Auto Katalog Nr. 30 (1986/87), S. 104.
  10. Auto Katalog Nr. 28 (1984/85), S. 98.
  11. a b Auto Katalog Nr. 34 (1990/91), S. 113.
  12. a b Auto Katalog Nr. 40 (1996/97), S. 158.