Sivananda Yoga

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Swami Sivananda
Swami Vishnudevananda im Lotussitz
Swami Vishnudevananda – Der fliegende Swami vor einer seiner Friedensmissionen

Die Internationalen Sivananda Yoga Vedanta Zentren sind eine weltweite Organisation benannt nach dem Yoga-Guru Sivananda (Kuppuswami) und gegründet von dessen Schüler Vishnudevananda (Kuttan Nair) im Jahr 1957.

In einem weltweiten Netzwerk mit elf Ashrams in acht Ländern und 71 Zentren in 26 Ländern wird Sivananda Yoga gelehrt. Die Verbreitung der Yogalehre sowie die Yoga-Lehrerausbildungen bilden das Herzstück der Organisation. In Deutschland ist Sivananda Yoga ein eingetragener Verein mit 350 Mitgliedern sowie Seminarhäusern in München und Berlin.[1] Mehr als 37.000 Yogalehrer haben seit 1969 die Internationale Sivananda-Yoga-Lehrerausbildung absolviert.

Die fünf Punkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vishnudevananda fasste das klassische Yoga in fünf Grundprinzipien für körperliche und geistige Gesundheit zusammen, die jeder innerhalb seines eigenen Lebensstils anwenden könne. Alle Aktivitäten der Internationalen Sivananda-Yoga-Vedanta-Zentren sind auf diesen fünf Prinzipien aufgebaut.

  1. Richtige Körperübungen (Asana) sollen die Gelenke und Muskeln geschmeidig halten und das Herz-Kreislauf-System aktivieren. Neben unzähligen positiven Wirkungen für die Gesundheit sollen Asanas auch Konzentration und Meditation entwickeln.
  2. Die richtige Atmung (Pranayama) soll den Körper mit dem Solarplexus verbinden, in dem ein enormes Energiepotenzial gespeichert sei. Durch besondere Atemtechniken soll diese Energie freigesetzt werden, was umfassende physische und geistige Erneuerung ermöglichen soll.
  3. Richtige Entspannung (Savasana) sei besonders wichtig, um Körper und Geist gesund zu halten. Yoga lehrt drei Entspannungsebenen – physisch, geistig und spirituell.
  4. Richtige Ernährung (vegetarisch) bedeutet, bewusst zu essen. Als Yogi wähle man die Nahrungsmittel, die die beste Wirkung auf Körper und Geist haben und den wenigsten Schaden an der Umwelt anrichten.
  5. Positives Denken und Meditation (Vedanta und Dhyana) sollen Stress lindern und neue Energie eröffnen. Meditation soll die Konzentration verbessern, zu geistigem Frieden und spiritueller Kraft führen. Meditation sei besonders hilfreich für Menschen mit einem hektischen und stressreichen Leben.

Um diese fünf Punkte anschaulich zu erklären, nutzte der Yogameister eine bildhafte Gleichsetzung zwischen dem menschlichen Körper und dem Auto. Beide benötigten genau fünf Dinge, um reibungslos zu laufen: Auto wie Körper müssten regelmäßig geschmiert/geölt werden (Asanas); beide brauchten eine Batterie (Yoga-Atemübungen, um den Körper mit Energie aufzuladen). Unverzichtbar seien auch Treibstoff (richtige Ernährung) und Kühlung (Entspannung). Damit seien das Auto wie auch der menschliche Körper „fahrtüchtig“. Was jetzt noch fehle, sei der intelligente und umsichtige Fahrer (Geist, der via Meditation und positivem Denken gelenkt wird).

Die vier Pfade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sivananda erklärte, dass jeder Mensch sich mit einem der Elemente Intellekt, Herz, Körper oder Geist mehr identifiziere. Daher riet er jedem, bestimmte Techniken aus den vier Pfaden des Yoga zu praktizieren – auch genannt das Yoga der Synthese:

Anschuldigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2019 kam es aufgrund eines Facebook-Posts von Julie Salter, Swami Vishnudevandas Assistentin, die ihn bis zu seinem Tod 1993 gepflegt hatte, zu einer MeToo-Bewegung.[2] Sie beschuldigte ihn, sie emotional ausgebeutet und nicht immer einvernehmlichen Sex mit ihr gehabt zu haben.[1] Problematisch war hier jedoch die Aufklärung, da Swami Vishnudevananda zur Zeit des Vorwurfes bereits seit 25 Jahren verstorben war. Der Vorstand bedauerte öffentlich die Vorwürfe und sein fehlendes Vertrauen in Salter in vorherigen Treffen und kündigte eine unabhängige Untersuchung an.[3] In Salters Thread erhoben zwei weitere Frauen die Beschuldigung, von Vishnudevananda sexuell belästigt worden zu sein.[4] Viele der Sivananda Schüler vertrauten dem Vorgehen des Vorstandes nicht, organisierten sich in einer Facebook Gruppe „Projekt Satya“ und stießen eine weitere Untersuchung an, finanziert durch Crowdfunding.[5] Hier wurden Beschuldigungen gegen zwei weitere Yogalehrer wegen sexueller Belästigung ausgesprochen, darunter ein Swami (Mönch in der yogischen Tradition), der ein Zölibats-Gelübde abgelegt hatte und ein verheirateter Mitarbeiter, der zwischen 2015 und 2020 Teil des Sivananda Vorstandes war.[6]

Nachdem Sivananda wegen der Corona-Krise die unabhängige Untersuchung zum Fall Vishnudevananda eingestellt hatte, verstärkte sich die Kritik am Vorgehen des Vorstandes und es kam zu verschiedenen Medienberichten im In- und Ausland.[7] Die Hauptkritik lag am jahrelangen Verschweigen der Vorwürfe, die seit 1999 offen ausgesprochen wurden.[2] Konsequenzen von Seiten der Sivananda Organisation waren aufklärende Gespräche mit allen Mitarbeitern und eine überarbeitete und strenge Antimissbrauchs-Agenda.[8] Eine öffentliche Stellungnahme fehlt bis heute.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sivananda Yoga Zentrum: Besser Leben mit Yoga. Doring Kindersley, München 2010, ISBN 978-3-8310-1710-2.
  • Sivananda Yoga Zentrum: Einführung in Yoga. Kompletter Basiskurs. Mangalam, Lautersheim 2009, ISBN 978-3-922477-10-5.
  • Swami Sivananda: Göttliche Erkenntnis. Mangalam, Lautersheim 2012, ISBN 3-922477-00-3.
  • Swami Vishnudevananda: Das große illustrierte Yoga-Buch. 10. Auflage. Aurum, Braunschweig 2007, ISBN 978-3-89901-183-8.
  • Sivananda Yoga Zentrum: Yoga. Mangalam, Lautersheim 2003, ISBN 3-922477-40-2.
  • Swami Sivananda: Sadhana. Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit. Mangalam, Lautersheim 1998, ISBN 3-922477-07-0.
  • Swami Sivananda: Licht, Kraft und Weisheit. 2. Auflage. Schwab, Argenbühl-Eglofstal 2007, ISBN 978-3-7964-0228-9.
  • Swami Sivananda: Shrimad Bhagavad Gita. Mangalam, Lautersheim 2003, ISBN 3-922477-06-2.
  • Marlene Halser: Was ans Licht kam. In: Süddeutsche Zeitung Magazin. 45/2020, 5. November 2020.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Marlene Halser: Sexuelle Übergriffe: Sein Konterfei wird weiter verehrt. Der Gründer einer großen Yogaschule soll drei Frauen sexuell missbraucht haben. Jetzt wird der Fall aufgearbeitet. Zu spät und zu langsam, finden Mitglieder weltweit. In: Die Zeit. 11. Juni 2020, abgerufen am 21. November 2021.
  2. a b Matthew Remski: How a #MeToo Facebook Post Toppled a Yoga Icon. In: Medium. 27. Januar 2020, abgerufen am 21. November 2021.
  3. Statement 6. In: sivananda.org. 24. Februar 2020, abgerufen am 6. Juni 2021.
  4. Julie Salter Facebook Page. In: facebook.de. Abgerufen am 5. November 2021.
  5. Projekt Satya. In: projectsatya.org. Abgerufen am 8. November 2021.
  6. Project Satya. In: facebook.com. Abgerufen am 12. November 2021.
  7. Z. B. Marlene Halser: Sexuelle Übergriffe: Sein Konterfei wird weiter verehrt. Der Gründer einer großen Yogaschule soll drei Frauen sexuell missbraucht haben. Jetzt wird der Fall aufgearbeitet. Zu spät und zu langsam, finden Mitglieder weltweit. In: Die Zeit. 11. Juni 2020, abgerufen am 21. November 2021.
  8. Anti Missbrauchs-Agenda. In: sivananda.eu. Sivananda Yoga Vedanta Zentrum e. V., abgerufen am 12. November 2021.