Spiegel-Mitarbeiter KG

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Die Spiegel-Mitarbeiter KG ist Eigentümerin von 50,5 Prozent der Anteile des Spiegel-Verlags und stellt damit eine einzigartige Beteiligung der Mitarbeiter des Verlages am eigenen Unternehmen dar. Die Mitarbeiter KG umfasst nicht alle Mitarbeiter automatisch, sondern es besteht eine Beteiligungsmöglichkeit für jeden, der seit mindestens drei Jahren beim Spiegel arbeitet. Derzeit sind rund 760 Personen stimmberechtigt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Spiegel-Mitarbeiter KG erwarb am 8. November 1974 auf Betreiben des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein die Hälfte der Anteile des Spiegel Verlags. Die Mitarbeiter wählen seitdem alle drei Jahre Vertreter, die bei wichtigen Entscheidungen des Verlages ein Mitbestimmungsrecht besitzen. Außerdem steht der Spiegel-Mitarbeiter KG und damit den Mitarbeitern 50 Prozent des Gewinns des Unternehmens zu.[1]

1989 versuchte Rudolf Augstein, die Anteile der Mitarbeiter KG gegen ein Pensionsmodell zu tauschen. Dies wurde jedoch von den Mitarbeitern abgelehnt.[2]

Die Mitarbeiter KG und der Verlag Gruner + Jahr besaßen ein Vorkaufsrecht auf jeweils 0,5 Prozent der Anteile im Falle des Todes von Rudolf Augstein, welches sie 2002 wahrnahmen. Damit stieg der Anteil der Mitarbeiter KG auf 50,5 Prozent.[3][4]

Die 750 bis 800 Mitarbeiter (Wahl 2007: 792 Wahlberechtigte)[5] sind somit „stille Teilhaber“ des Unternehmens und wählen alle drei Jahre die fünf Geschäftsführer der Mitarbeiter KG. Zwei der Geschäftsführer werden dabei von den 250 Redakteuren gewählt, einer durch die 120 Dokumentare und Mitarbeiter des Archivs. Die Verlagsmitarbeiter wählen die restlichen beiden Geschäftsführer.

Bei der Wahl 2007 wurden Armin Mahler, Marianne Wellershoff, Cordelia Freiwald, Thomas Hass und Rainer Buss als Vertreter gewählt.[6] Der Sprecher des Gremiums wurde Armin Mahler.[7] Bei der Wahl im März 2010 wurden alle Vertreter außer Freiwald bestätigt. Für Freiwald, die nicht mehr zur Wahl angetreten ist, rückte Jan Kerbusk in die Mitarbeiter-Vertretung.[8]

2009 wurde die Satzung der KG in einigen Punkten geändert, andere Änderungsvorschläge abgelehnt. Bei dieser Abstimmung nahmen 611 der damals 763 stimmberechtigten teil, das waren 80 Prozent. Da die Satzung eine 2/3-Mehrheit vorsieht, hätten 509 Stimmen gereicht. Unter den Änderungen, die abgelehnt wurden, war der Vorschlag, die Wahlperiode auf vier Jahre zu verlängern.[9]

Seit der konstituierenden Sitzung 2013 wird das Geschäftsführer-Quintett von einem Verlagsmann angeführt, der den neun Jahre amtierenden Wirtschaftsressortleiter Armin Mahler abgelöst hat.[10] Auf der Verlagsseite war die 14. Wahl der KG-Geschichte einfach, es standen nur die beiden Geschäftsführer zur Wiederwahl an, Gegenkandidaten gab es nicht. Für die Dokumentation kam Anne-Sophie Fröhlich neu in das Gremium, sie hatte einen Gegenkandidaten. Bei den Redakteuren musste das Los entscheiden, weil neben dem Spitzenreiter Gunter Latsch zwei Personen für den zweiten Posten die gleiche Stimmenzahl hatten. Das Los entschied gegen Armin Mahler und für Marianne Wellershoff, die seit 2007 im Gremium ist.[11] Damit ist das Gremium wieder fast zur Hälfte mit Frauen besetzt.

Seit der am 21. August verkündeten Zustimmung der Mitarbeiter KG zur Einsetzung von Nikolaus Blome (bisher BILD-Zeitung) ab 1. Dezember 2013 zum Leiter des Hauptstadtbüros und Mitglied der Chefredaktion sammeln die Redakteure Unterschriften, um ihre beiden Vertreter Latsch und Wellershoff zum Rücktritt zu bewegen, weil das Vertrauensverhältnis mehrheitlich[12] gestört ist. Dies wird jedoch nichts an der bereits getroffenen Entscheidung ändern.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Mitarbeiter KG. In: Spiegel Gruppe. Abgerufen am 12. Februar 2009.
  2. Erbstreit im Hause Augstein. In: Die Zeit. Abgerufen am 13. Februar 2009.
  3. Augsteins Nachfolge noch offen. In: Handelsblatt. Abgerufen am 13. Februar 2009.
  4. Flagge zeigen beim "Spiegel". In: Hamburger Abendblatt. Abgerufen am 13. Februar 2009.
  5. Das Wahlergebnis der „Spiegel“-KG und die Folgen. In: Tagesspiegel. Abgerufen am 12. Februar 2009.
  6. Michael Hanfeld: Spiegel Mitarbeiter KG: Niederlage für Steingart und Darnstädt. In: FAZ.NET. 21. März 2007, abgerufen am 12. Februar 2009.
  7. "Spiegel"-Mitarbeiter stärken KG-Führung den Rücken. In: PR-Journal. 24. Mai 2008, abgerufen am 12. Februar 2009.
  8. rp: "Spiegel": Mitarbeiter bestätigen Geschäftsführung ihrer Beteiligungsgesellschaft. In: horizont.net. 9. März 2010, abgerufen am 10. März 2010.
  9. "Spiegel": Mitarbeiter KG gibt sich neue Satzung vom 28. August 2009 auf horizont.net, abgerufen am 1. September 2013
  10. "Spiegel": Vertriebschef Thomas Hass führt Mitarbeiter KG vom 6. März 2013 auf horizont.net, abgerufen am 1. September 2013
  11. "Spiegel": Redakteure wählen langjährigen KG-Geschäftsführer ab vom 20. Februar 2013 auf horizont.net, abgerufen am 1. September 2013
  12. 160 Unterschriften (siehe Quelle) von 250 Redaktions-Mitgliedern der KG (Angabe hier weiter oben) sind 64 %
  13. Der Spiegel: Aufruf zum Rücktritt vom 5. September auf Berliner-Zeitung.de, abgerufen am 9. September 2013