Stängelumfassende Taubnessel

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Stängelumfassende Taubnessel
Stängelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule)

Stängelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Taubnesseln (Lamium)
Art: Stängelumfassende Taubnessel
Wissenschaftlicher Name
Lamium amplexicaule
L.

Die Stängelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule) ist eine Pflanzen-Art in der Gattung Taubnessel (Lamium) innerhalb der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blüten der Stängelumfassenden Taubnessel

Die Stängelumfassende Taubnessel ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 25 cm erreicht. Von einem verzweigten Grund steigen in der Regel mehrere Stängel auf.

Es zeichnet sich unter den Taubnesseln durch die halbstängelumfassenden, breiten Tragblätter aus, die im oberen, blütentragenden Teil des Stängels oft sehr dicht sitzen. Die gegenständigen Laubblätter im unteren Stängelteil sind dagegen oft noch gestielt und die Blattspreite hat einen Durchmesser von 2 bis 3 cm.

Die Hauptblütezeit reicht von März bis Mai (in Hochlagen bis August) sowie im Herbst von September bis Oktober. Bei frostfreier Witterung blüht die Stängelumfassende Taubnessel auch im Winter.[1]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[2]

Geöffnete, chasmogame Blüte
Blütenknospe bzw. kleistogame Blüte

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den geöffneten Blüten findet überwiegend Selbstbestäubung statt. Neben diesen normalen Blüten werden bei schlechtem Wetter auch kleinere, geschlossen bleibende, im Kelch verborgene Blüten gebildet; diese öffnen sich nicht und befruchten sich selbst (Kleistogamie); sie bilden einen hohen Fruchtansatz.[3]

Stängelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule)

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet umfasst ganz Eurasien und das nördliche Afrika. Durch den Menschen wurde sie auch in Nordamerika eingeschleppt. Sie ist dort wie auch in Südamerika und in Neuseeland eine Neophyt.[4] Die Stängelumfassende Taubnessel wächst als „Unkraut“ an lehmigen, gerne stickstoffreichen Stellen wie Ackerrändern, Gärten, Weinbergen oder Ruderalstellen. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Polygono-Chenopodietalia.[2]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Stängelumfassenden Taubnessel kann man folgende Unterarten und Varietäten unterscheiden[4]:

  • Lamium amplexicaule var. aleppicum (Boiss. & Hausskn.) Bornm. (Syn.: Lamium aleppicum Boiss. & Hausskn.): Sie kommt von der südöstlichen Türkei bis zum Iran vor.[4]
  • Lamium amplexicaule subsp. amplexicaule: Sie kommt in den gemäßigten Zonen Eurasiens und von Makaronesien bis Äthiopien vor.[4]
  • Lamium amplexicaule var. bornmuelleri Mennema: Sie kommt im Irak, in der Türkei, im Gebiet von Syrien und Libanon und im Iran vor.[4]
  • Lamium amplexicaule var. incisum Boiss.: Sie kommt von Griechenland bis zum nordwestlichen Iran vor.[4]
  • Lamium amplexicaule subsp. mauritanicum (Gand. ex Batt.) Maire (Syn.: Lamium mauritanicum Gand. ex Batt.): Sie kommt in Marokko und in Algerien vor.[4]
  • Lamium amplexicaule var. orientale (Pacz.) Mennema: Sie kommt von der östlichen Ukraine bis zum südlichen und südlich-zentralen europäischen Russland vor.[4]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • Werner Rothmaler: Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Band 2: Gefäßpflanzen. 14. Auflage. Volk und Wissen, Berlin 1988, ISBN 3-060-12539-2.
  • Otto Schmeil, Jost Fitschen, Werner Rauh: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. 84. Auflage. Quelle & Meyer, Heidelberg 1968.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. 2. Auflage. Band V. Teil 4: Angiospermae: Dicotyledones 3 (4) (Labiatae – Solanaceae). Carl Hanser bzw. Paul Parey, München bzw. Berlin/Hamburg 1964, ISBN 3-489-78021-3, S. 2542–2543 (unveränderter Nachdruck von 1927 mit Nachtrag).
  2. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 804.
  3. Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1, S. 435.
  4. a b c d e f g h Rafaël Govaerts (Hrsg.): Lamium amplexicaule - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 17. Februar 2016.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Xi-wen Li, Ian C. Hedge: Lamium. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 17: Verbenaceae through Solanaceae. Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 1994, ISBN 0-915279-24-X, S. 157., online.
  • Dietmar Brandes: Urban flora of Sousse (Tunisia). Braunschweig, 2001, online.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stängelumfassende Taubnessel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien