St. Irminen

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Klosterkirche St. Irminen

Das Kloster St. Irminen ist ein ehemaliges Kloster in Trier, das nach der Heiligen Irmina benannt ist. Es befand sich am heutigen Irminenfreihof.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge der Grundmauern reichen bis in die Zeit des Römischen Reiches zurück. Nach dem Untergang Roms gelangten die alten Hafenhallen in fränkischen Königsbesitz. König Dagobert I. schenkte das Gelände dem Trierer Erzbischof Modoald, der hier zunächst ein Benediktinerkloster gründete, das bald jedoch in ein Marienkloster umgewandelt wurde.[1]

Die Abtei wurde 645 als königliches Marienkloster in den Ruinen der römischen Hafenspeicher von Modesta, der ersten Äbtissin, gegründet. Von seiner Lage leitet sich die Bezeichnung „Oeren“ für das Kloster ab (von lateinisch: horrea für die Hafenspeicher). Von 659 bis 704 war nach einigen Angaben die spätere Namensgeberin Irmina die zweite Äbtissin. Von ihr leitete sich auch der Name des Klosters ab.[2][3][4] Es ist nicht geklärt, ob bereits Irmina die Benediktinerregel einführte; belegt ist jedoch, dass sie ab 953 galt.[5] Außerdem ist unklar, ob Irmina tatsächlich selbst Äbtissin im Kloster und maßgeblich an seiner Gründung beteiligt war (siehe unten).[6][7]

Seit der Karolingerzeit war es ein Kloster der Benediktinerinnen. Ab dem Jahr 1000 – nach anderen Quellen bereits 966 – wurde es schließlich dem Erzbischof von Trier unterstellt. Von 1148 bis 1152 wurde es durch Papst Eugen III. gemäß der Augustinerregel grundlegend reformiert. Der Trierer Erzbischof Albero von Montreuil übergab das Kloster daraufhin dem neuen Abt Richard von Springiersbach. Es wurde jedoch 1495 aufgelöst und die Benediktinerregel wieder eingeführt. In diesem Zusammenhang erfolgte ein enger Anschluss an die Benediktinerabtei St. Matthias.[2][5][7]

Im 12. und im 18. Jahrhundert wurde das Kloster in großem Umfang baulich verändert. Dazu gehörte die nach Plänen von Joan Antoin 1768/69 gebaute saalartige Kirche, die nach der heiligen Irmina benannt wurde.[1][3] Im 16. und 17. Jahrhundert wurde das Kloster während Kriegswirren und Seuchen wie viele andere Klöster der Stadt mehrfach in Mitleidenschaft gezogen, zuletzt während der französischen Invasion 1794.[2][5]

Am 9. Juni 1802 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgelöst. 1804 fiel nach einem zweijährigen Leerstand die Entscheidung, das ehemalige Kloster in ein Krankenhaus umzuwandeln. Ab dem 1. April 1811 wurde das Gemäuer in die „Vereinigten Hospitien“ aufgenommen, nachdem hier das erste Konvent der Borromäerinnen in Trier eröffnet worden war.[2][5] Unter der Führung Napoleons bekamen die Gebäude eine neue Bestimmung, teilweise Hospitäler und Altersheime, welche bis heute fortbestehen.[1][8] Zu dieser Zeit wurde auch das Waisenhaus des Klosters St. Afra hierher verlegt.[9]

Am 8. September 1868 wurde die erste eigene Kapelle im Komplex errichtet (St. Katharina).[2][5]

Bei einem Bombenangriff im Dezember 1944 wurde das Kloster fast vollständig zerstört, jedoch ab 1945 wieder aufgebaut.[2] In seiner Funktion als Krankenhaus und. als Teil der „Vereinigten Hospitien“ wird es bis heute genutzt.[5] Seit 1960 ist das Gebäude vor allem Alten- und Pflegeheim.[8]

Gebäude und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heutiger Bestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rokokokirche St. Irminen
Gebäudekomplex, heute Altersheim

Die Reste der historischen römischen Hafenhallen sind in Teilen noch heute im Gebäudekomplex erkennbar. Die Gebäude sind durch Blendarkaden gegliedert. Im Ostteil des Klosters lag die Kreuzung zweier römischer Straßen. Hier wurden zudem die Grundmauern kleinteilig verschachtelter Wohn- und Gewerbebebauung aus der Zeit des ersten bis vierten Jahrhunderts n. Chr. freigelegt und teilweise konserviert.[10]

Hauptkirche des Klosters ist die Rokokokirche St. Irminen von 1771 – nach anderen Quellen 1768/69 oder 1768–1771 – von Joan Antonin, ein einschiffiger Saalbau mit vierjochigem Langhaus. Nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1944 wurde sie 1964 wieder aufgebaut.[1][3][11] Der Kirchturm geht auf die romanisch Klosterskirche St. Marien aus dem 11. Jahrhundert zurück.[11] Jene war einst so groß wie St. Maximin und St. Matthias. Sie war einschiffig mit halbrunder Apsis und flankierenden Seitenapsiden, die ebenfalls mit einer halbrunden Apsis endeten. Erhalten ist der südöstliche Turm der Kirche.[12][7]

Ein Großteil des Kreuzgänge ist im wiederaufgebauten Zustand erhalten und dient nach wie vor als Altersheim und Krankenhaus.[1][8] Daher sind alle Wege auf dem Gelände inzwischen barrierefrei ausgestaltet.[8]

Zum Gelände zählt auch das Willibrordstift, das nach dem Missionar Willibrord benannt ist.[13] Willibrord war Gründer der Abtei Echternach, mit der das Irminenkloster in engem Austausch stand. Vordem nach ihm benannten Stift steht auch ein ihm gewidmetes Denkmal.[14]

Abgegangene Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche St. Irminen ist nicht mehr in ihrem Ursprungszustand erhalten. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach zum Teil abgebrochen. Auch der barocke Südflügel mit Mittelrisalit wurde nicht wieder aufgebaut.[15]

Im Bereich der Windmühlenstraße existierte früher ein Weingarten, der Irminenwingert, der zum Kloster gehörte. Die Ursprünge des Weingartens gehen bis in römische Zeit zurück. Seither wurde das Gelände immer wieder ausgebaut und erweitert. Der Garten ist heute jedoch komplett verschwunden.[16]

Sonstige Gebäude der Abtei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Besitz der Abtei waren auch einige Gebäude außerhalb des Irminenfreihofs.

Stiftshof in Aach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stiftshof in Aach

Dazu zählt auch der Stiftshof von St. Irminen in Aach von 1752. Es ist ein Parallelhof aus einem straßenseitigen, barocken Wohngebäude, das ehemals mit einer durch eine Tordurchfahrt versehen war und unter anderem als Landwirtschaftsgebäude diente. Der Komplex ist ein herausragendes Beispiel für einen barocken Stiftshof.[17]

Hofgut in Kasel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Hofhaus in Kasel (Ruwertal)

Das ehemalige Hofgut von St. Irminen liegt in Kasel an der Ruwer. Die Streckhofanlage liegt am nördlichen Dorfrand unterhalb des einst da zugehörenden Weinberges. Das Gebäude stammt zwar aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, gründet aber auf einem älteren Kern von 1227. Nach der Säkularisation wurde das Bauwerk 1805 versteigert, und gelangte 1854 in den Besitz der Grafen von Kesselstatt. Seit den 1980er Jahren ist der Komplex dreigeteilt und wurde komplett renoviert und zur reinen Wohnnutzung umgewandelt. Das Wohngebäude, das von der Kelleranlage gesockelt wird, dominiert als markanter, im Obergeschoss mit barocken Stichbogenfenstern ausgestatteter Krüppelwalmdachbau. Es schließt giebelseitig das Kelterhaus an, wobei es sich um einen gestreckter, eingeschossigen Bau unter einem einseitig abgewalmten hohen Satteldach handelt. Das Landwirtschaftsgebäude des Hofgutes stellt sich als breiter, giebelständiger Krüppelwalmdachbau dar. Viele Teile des Umfelds wurden zudem in ihrem historischen Zustand belassen, z. B. die Küche mit dem Takenkamin, die Kelterhalle und die alte Holztreppe.[18]

Kontroversen und Unklarheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert lässt sich eine Kult- und Legendenbildung um die Figur Irmina in vielfacher Hinsicht feststellen, sodass es um das Alter des Klosters sowie seine Gründung durch Irmina von Oeren verschiedene Kontroversen gibt. Teilweise wird angenommen, dass die Gründungsurkunden aus dem 7. Jahrhundert im späteren Mittelalter gefälscht wurden. Die Existenz jener Gründungsunterlagen ist nämlich erst seit dem 12. Jahrhundert belegt. Umstritten ist auch, ob Irmina gar die Tochter von Dagobert I. war, wie oft behauptet wird. Stimmt die Behauptung, würde dies dem Kloster eine herausragende Stellung verleihen. Doch auch in diesem Fall sind keine Dokumente überliefert, die vor dem 12. Jahrhundert entstanden sind. Die ältesten Handschriften über Irmina reichen nach heutiger Forschung maximal ins 10. Jahrhundert zurück. Ebenfalls ungeklärt ist die Frage, warum die Reliquien von Irmina nicht im Trierer Kloster aufbewahrt wurden, sondern in das elsässische Benediktinerkloster in Weißenburg verlegt wurden, wo sie in einem Hochgrab begraben wurden. Zwar kann dies auf die Weißenburger Dagobert-Tradition zurückgeführt werden, aber ist kein ausschlaggebender Hinweis darauf, warum kein Bezug der Reliquien zum Trierer Kloster besteht.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Irminen (Trier) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Eintrag zu Abtei Sankt Irminen (Ören) in der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier; abgerufen am 4. November 2016.
  2. a b c d e f P. Petrus Becker OSB in: Klöster in Trier von der Spätantike bis zur Gegenwart. Katalog zur Ausstellung der Katholischen Erwachsenenbildung anläßlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt Trier vom 25.3. bis 1.11.1984 im Domkreuzgang. Konzeption: Prof. Dr. Franz J. Ronig
  3. a b c Universität Trier: Studium - Kirchen. In: uni-trier.de. 22. Oktober 2013, abgerufen am 4. November 2016.
  4. Irmina von Trier. In: rheinische-geschichte.lvr.de. 4. November 2016, abgerufen am 4. November 2016.
  5. a b c d e f Christian König: Trier-Oeren - Kloster St. Irminen - regionalgeschichte.net. In: klosterlexikon-rlp.de. Abgerufen am 2. November 2016.
  6. a b Klaus Graf: Irminen-Bilder. In: archivalia.hypotheses.org. 24. Dezember 2015, abgerufen am 4. November 2016 (französisch).
  7. a b c Eintrag von Christoph Jürgens zu Benediktinerinnenabtei Oeren (Abtei St. Irminen, Frauenkloster Oeren) in der Datenbank „KuLaDig“ des Landschaftsverbands Rheinland, abgerufen am 28. September 2017.
  8. a b c d Daniel Paul: Vereinigte Hospitien - Trier. In: vereinigtehospitien.de. Abgerufen am 2. November 2016.
  9. Christian Joericke, Marcus Stoelb: 16 VOR - Nachrichten aus Trier – Kennen Sie … das Kloster St. Afra? » 16 VOR. In: 16vor.de. 1. Dezember 2014, abgerufen am 4. November 2016.
  10. Archäologie zwischen Hunsrück und Eifel - Führer zu den Ausgrabungsstätten des Rheinischen Landesmuseums Trier. 1999. ISBN 3-923319-43-6 (Schriftenreihe des RLM Trier Nr. 15). Online-Shop: www.landesmuseum-trier-shop.de
  11. a b Kirchen in Trier – Kulturreisen Bildungsreisen Studienreisen. In: kulturreise-ideen.de. Abgerufen am 4. November 2016.
  12. Rund um Liebfrauen – die Sakralarchitektur Triers im 13./14. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Bettlerordenskirchen, Dissertation von Elisabeth Kugel (PDF-Datei)
  13. Daniel Paul: Vereinigte Hospitien - Trier. In: vereinigtehospitien.de. Abgerufen am 2. November 2016.
  14. volksfreund.de: Wächter Willibrord - volksfreund.de. (Nicht mehr online verfügbar.) In: volksfreund.de. 29. Januar 2007, ehemals im Original; abgerufen am 1. November 2016.@1@2Vorlage:Toter Link/www.volksfreund.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  15. Helmut Lutz: Verzeichnis der seit 1930 untergegangenen denkmalwerten Bauanlagen. Denkmalpflege in Trier (1975) Hrsg.: Städtische Denkmalpflege
  16. Rudolf Steffens: Der Flurname Wingert und der Simmerner Wingertsberg. Http://www.germanistik.uni-mainz.de/RED/hist_ling/Der-Flurname-Wingert.pdf@1@2Vorlage:Toter Link/www.germanistik.uni-mainz.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  17. Ewald Wegner (Bearb.): Kreis Trier-Saarburg. Verbandsgemeinden Ruwer, Schweich, Trier-Land (= Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 12.2). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1994, ISBN 3-88462-110-6.
  18. Eintrag zu Ehemaliges Hofgut der Abtei Sankt Irminen in der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier; abgerufen am 4. November 2016.