Wissembourg

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Wissembourg
Wappen von Wissembourg
Wissembourg (Frankreich)
Wissembourg
Region Grand Est
Département Bas-Rhin
Arrondissement Haguenau-Wissembourg
Kanton Wissembourg (Chef-lieu)
Gemeindeverband Pays de Wissembourg
Koordinaten 49° 2′ N, 7° 57′ OKoordinaten: 49° 2′ N, 7° 57′ O
Höhe 133–527 m
Fläche 48,18 km2
Einwohner 7.738 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 161 Einw./km2
Postleitzahl 67160
INSEE-Code
Website ville-wissembourg.eu

Kirche St. Peter und Paul

Wissembourg [visɑ̃ˈbuʀ] (deutsch Weißenburg, im lokalen südpfälzischen Dialekt Weisseburch[1]) ist eine französische Stadt mit 7738 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) im Département Bas-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass).

Die Stadt Wissembourg ist Hauptort (chef-lieu) des gleichnamigen Kantons und auch Mitglied und Sitz des Gemeindeverbandes Communauté de communes du Pays de Wissembourg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt am Fluss Lauter, der in Deutschland entspringt, an jener Stelle der deutsch-französischen Grenze, an der die Rheinebene in den Pfälzerwald bzw. die Vogesen übergeht. Auf deutscher Seite liegt ihr gegenüber die Ortsgemeinde Schweigen-Rechtenbach (Verbandsgemeinde Bad Bergzabern, Landkreis Südliche Weinstraße, Rheinland-Pfalz). Wissembourg ist die nördlichste Gemeinde des Departements Bas-Rhin.

Stadtteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteile der Stadt sind Altenstadt (etwa 1000 Einwohner, 1974 eingemeindet) sowie Geisberg, Schafbusch, Geitershof, Weiler und Welschdorf.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden von Wissembourg sind Schweigen-Rechtenbach (D) im Norden, Schweighofen (D), Kapsweyer (D) und Steinfeld (D) im Nordosten, Scheibenhardt (D, Berührungspunkt), Salmbach und Schleithal im Südosten, Seebach und Riedseltz im Süden, Steinseltz, Oberhoffen-lès-Wissembourg, Rott und Cleebourg im Südwesten, Climbach im Westen sowie Bobenthal (D) im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weißenburg auf einem Stich aus dem 17. Jahrhundert
Gotischer Kreuzgang des alten Klosters

Die Stadt Weißenburg entwickelte sich aus einer stetig wachsenden Ansiedlung um ein im 7. Jahrhundert gegründetes Kloster, das bald an Bedeutung gewann und zur Abtei wurde. Von 1306 bis 1697 war Weißenburg Reichsstadt. Sie gehörte zum 1354 gegründeten Zehnstädtebund elsässischer Reichsstädte.

Im Jahr 1440 begann der Weißenburger Bürger Eikhart Artzt mit der Niederschrift seiner „cronick“ der Stadt.[2]

Zwischen 1480 und 1503 beschäftigte der Zwist des Klosters mit dem Burgherrn des nahen Berwartstein, Hans von Trotha, nacheinander den Kurfürsten von der Pfalz, Philipp den Aufrichtigen, den römisch-deutschen König und späteren Kaiser Maximilian I. und sogar die Päpste Innozenz VIII. sowie Alexander VI. Höhepunkt der Auseinandersetzung war 1485 die sogenannte Wasserfehde, als Hans von Trotha zunächst Weißenburg das Wasser entzog, indem er die Lauter aufstauen ließ, um dann den Damm einzureißen und der Stadt eine gewaltige Überschwemmung zu bescheren.

Preußen-Ehrenmal Geisberg
Portrait von Joseph Philipp von Stichaner am Denkmal in Wissembourg

1522 wurde die Reformation durch Heinrich Motherer, den Pfarrer der Johanneskirche, und Martin Bucer eingeführt.[3]

Nach dem Westfälischen Frieden 1648 kamen große Teile des Elsass unter französische Herrschaft, ferner wurde Frankreich die Landvogtei über den elsässischen Zehnstädtebund zugesprochen. Jedoch entsandte dieser weiterhin seine Vertreter zum immerwährenden Reichstag nach Regensburg. Mit seiner Reunionspolitik ließ Ludwig XIV. in den Jahren 1673 und 1674 die zehn Städte erobern, ihre Befestigungen schleifen und unterstellte sie der französischen Provinzialverwaltung. Der Frieden von Nimwegen 1679 bestätigte den Verlust des reichsunmittelbaren Status der zehn Städte und besiegelte das Ende der Dekapolis. So gehörten Weißenburg und das pfälzische Landau ebenso wie das gesamte Elsass ab 1680 zu Frankreich.

Mit der Französischen Revolution erfolgte die Einbindung in das moderne Verwaltungs- und Rechtssystem des Landes. Die Stadt Wissembourg war von 1800 bis 2014 Sitz der Unterpräfektur (Sous-préfecture) des Arrondissements Wissembourg im Département Bas-Rhin bzw. der deutschen Kreisdirektion. Seit 1800 ist die Stadt Kantonshauptort; der Kanton wurde im Januar 2015 von 13 auf 44 Gemeinden erweitert.

Die heutigen Ortsteile Altenstadt und Weiler waren nach dem Wiener Kongress zunächst pfälzische Gemeinden im Kanton Bergzabern. Am 5. Juli 1825 wurden sie in der Grenzkonvention zwischen Bayern und Frankreich zusammen mit Ober- und Niedersteinbach von Bayern an Frankreich abgetreten.[4] Weißenburg wurde 1816 Grenzort zur bayerischen Pfalz, zu der seit 1815 auch wieder Landau gehörte.

Am 4. August 1870 besiegten in der Schlacht bei Weißenburg preußische Truppen die Franzosen. Zwei gepflegte Denkmäler – eines für die französischen und eines für die deutschen Gefallenen – auf dem Geisberg an der Straße Wissembourg–Riedseltz erinnern an die vielen Gefallenen. Bürger aus Wissembourg kämpften als Soldaten sowohl auf französischer als auch auf deutscher Seite.

Mit dem Frieden von Frankfurt (1871) wurden das Elsass (mit Wissembourg) und Lothringen dem neu gegründeten deutschen Kaiserreich angegliedert. Vom 28. Juni 1871 bis 1918 war die Stadt Teil des Reichslandes Elsaß-Lothringen. Die große Mehrheit der elsass-lothringischen Bevölkerung zeigte sich gegenüber der Annexion ablehnend. Im September 1871 wurde das Militärgouvernement aufgelöst und die deutsche Verwaltung aufgebaut. Wissembourg wurde Sitz einer Kreisdirektion. Das gute Verhältnis des Kreisdirektors Joseph Philipp von Stichaner zu den Bürgern und zur Frankreich treuen Führungsschicht des Kreises stellte im ganzen Elsass eine Ausnahme dar. Ende 1886 wurde Stichaner zum Bezirkspräsidenten in Straßburg ernannt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt zusammen mit dem Elsass erneut Frankreich zugeschlagen. Im Zweiten Weltkrieg von 1940 bis 1944/1945 waren die Stadt und das Land vom Deutschen Reich annektiert. Im März 1945 wurden die Stadt und das Umland im Rahmen der Operation Undertone von US-Truppen erobert.

Seit 1945 gehört die Stadt wieder zu Frankreich. Um die Hoheit über den im Norden von Wissembourg in der Pfalz liegenden Mundatwald wurde bis 1990 verhandelt.

Heute führt eine offene Grenze zu Nachbarschaftshilfen bei Bränden und zur Zusammenarbeit des Notarztdienstes auf beiden Seiten. 1997 wurde die Maximiliansbahn zwischen Wissembourg und Winden in der Pfalz wieder eröffnet.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissembourgs Altstadt ist noch teilweise von Resten der alten Stadtbefestigung umschlossen. Sie ist nördlicher Ausgangspunkt der Romanischen Straße, die im Elsass durch Orte mit Baudenkmälern der Romanik führt. Hier sind es die Abteikirche St. Peter und Paul sowie in Altenstadt die Pfarrkirche aus dem 11./12. Jahrhundert.

Die Abteikirche Saints-Pierre-et-Paul (St. Peter und Paul) ist eine der größten Kirchen des Bas-Rhin außerhalb von Straßburg. Das vorwiegend gotische Gebäude weist noch einen romanischen Glockenturm vom Vorgängerbau (11. Jahrhundert) auf. Im Innern finden sich Glasfenster und Wandmalereien aus dem 14./15. Jahrhundert, unter anderem eine elf Meter hohe Darstellung des heiligen Christophorus, sowie eine original erhaltene Orgel von 1766, die eines der prachtvollsten Gehäuse im Elsass aufweist. Vom alten Kloster Weißenburg, an dem der Mönch Otfrid von Weißenburg wirkte, ist lediglich ein unvollendeter hochgotischer Kreuzgang übrig geblieben, der als einer der schönsten im Oberrhein­gebiet gilt. Daran angegliedert ist ein ehemaliger romanischer Kapitelsaal, der heute als Seitenkapelle dient.

Die protestantische Pfarrkirche Saint Jean ist ein schlichtes gotisches Gebäude aus dem 15. Jahrhundert im Stile der Bettelorden­architektur.

Zu den sehenswertesten Gebäuden der Stadt zählen das Salzhaus aus dem 15. Jahrhundert mit seinem auffallenden Dach, das Maison de l’ami Fritz (um 1550, Ort der Dreharbeiten der Romanverfilmung L’ami Fritz) mit seinem aufwändigen Erker und das klassizistische Rathaus (erbaut 1741 bis 1752), ein Hauptwerk des Straßburger Stadtarchitekten Joseph Massol. Das Haus Vogelsberger mit seinem Renaissanceportal stammt aus dem Jahre 1540. In dem Haus am Quai Anselmann lebte der Ordensgründer Charles de Foucauld als Kind für einige Jahre.

Im Musée Westercamp werden archäologische Funde aus der Gegend, mittelalterliche Kunstwerke sowie Dokumente zur Stadtgeschichte und Heimatkunde ausgestellt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Wissembourg ist Endpunkt einer von Haguenau im Süden kommenden Bahnlinie, die von TER Alsace, einer Regionaltochter der SNCF, betrieben wird, und der von Norden, aus Rheinland-Pfalz, heranführenden Bahnstrecke Neustadt–Wissembourg. Aus dieser Richtung haben Ausflügler am Wochenende und an Feiertagen von Ende April bis Ende Oktober eine Direktverbindung ab Mainz mit dem RE Elsass-Express und ab Koblenz mit dem Weinstraßenexpress. Wissembourg liegt im deutschen Verkehrsverbund Rhein-Neckar und im Karlsruher Verkehrsverbund.

Der Straßenverkehr ist nach Norden mit der Bundesstraße 38 über Bad Bergzabern und Landau in der Pfalz (A 65) an das deutsche Fernstraßennetz angebunden. Nach Süden verbindet die Départementsstraße D 263 Wissembourg mit Haguenau. Die D 3 verläuft parallel zur deutschen Grenze von Lauterburg (Autoroute A35) im Osten über Wissembourg nach Bitsch im Westen.

Wissembourg ist sehr gut an das touristische Radwegenetz im Elsass angeschlossen.[5] Der deutsch-französische Pamina-Radweg Lautertal verbindet Wissembourg über den Wasgau mit dem pfälzischen Radwegenetz[6] und über den Bienwald mit der Veloroute Rhein.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Stadt verbundene Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hannes Wader hat Wissembourg das Lied Kleine Stadt gewidmet. Darin beschreibt er die Atmosphäre, die Mentalität der ansässigen Bewohner und die Schönheit der Stadt.[7] Eine französische Version Petite Ville spielte er ebenfalls ein.[8] Privat trifft er sich regelmäßig mindestens einmal im Jahr mit Freunden im Restaurant Au Cygne, um dort zu singen.

Altstadt von Wissembourg: Häuserreihe entlang der Lauter (verdeckt) mit altem Salzhaus (rechts)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wissembourg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Wissembourg – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der französische Name ist gleichwohl hergeleitet aus der im überwiegenden Teil des Elsass gebräuchlichen alemannischen Lautung wiss für weiß.
  2. Peter Johanek: Artzt, Eikhart. In: Verfasserlexikon. Band I, Sp. 503 f.
  3. Für Weißenburg und die elsässische Dekapolis ist im Jahre 1529 keine formale Zustimmung für die Protestation zu Speyer nachweisbar.
  4. Google Books.
  5. Radwege im nördlichen Elsass (französisch).
  6. Radwege in Rheinland-Pfalz.
  7. Duklas Frisch: Hannes Wader, Wünsche, (abgerufen am 13. Juni 2015) Liedtext.
  8. Hannes Wader: Kommentare (zu) den Liedern der neuen CD, abgerufen am 13. Juni 2015.