Wissembourg

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Wissembourg
Wappen von Wissembourg
Wissembourg (Frankreich)
Wissembourg
Region Elsass
Département Bas-Rhin
Arrondissement Haguenau-Wissembourg
Kanton Wissembourg (Chef-lieu)
Gemeindeverband Pays de Wissembourg.
Koordinaten 49° 2′ N, 7° 57′ O49.03757.9463888888889157Koordinaten: 49° 2′ N, 7° 57′ O
Höhe 133–527 m
Fläche 48,18 km²
Einwohner 7.757 (1. Jan. 2012)
Bevölkerungsdichte 161 Einw./km²
Postleitzahl 67160
INSEE-Code
Website http://www.ville-wissembourg.eu/

Kirche St. Peter und Paul

Wissembourg [visɑ̃ˈbuʀ] (deutsch Weißenburg, im lokalen südpfälzischen Dialekt Weisseburch[1]) ist eine französische Stadt mit 7757 Einwohnern (Stand 1. Januar 2012) im Département Bas-Rhin in der Region Elsass.

Die Stadt Weißenburg ist Hauptort (chef-lieu) des gleichnamigen Kantons und auch Mitglied und Sitz des Gemeindeverbandes Communauté de communes du Pays de Wissembourg.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Fluss Lauter, an jener Stelle der deutsch-französischen Grenze, an der die Rheinebene in den Pfälzerwald übergeht. Auf deutscher Seite liegt ihr gegenüber die Gemeinde Schweigen-Rechtenbach (Verbandsgemeinde Bad Bergzabern, Landkreis Südliche Weinstraße).

Nachbargemeinden von Wissembourg sind Schweigen-Rechtenbach (D) im Norden, Schweighofen (D), Kapsweyer (D) und Steinfeld (D) im Nordosten, Scheibenhardt (D, Berührungspunkt), Salmbach und Schleithal im Südosten, Seebach und Riedseltz im Süden, Steinseltz, Oberhoffen-lès-Wissembourg, Rott und Cleebourg im Südwesten, Climbach im Westen sowie Bobenthal (D) im Nordwesten.

Stadtteile[Bearbeiten]

Ortsteile der Stadt sind Altenstadt (etwa 1000 Einwohner, 1974 eingemeindet) sowie Geisberg, Schafbusch, Geitershof, Weiler und Welschdorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt Weißenburg entwickelte sich aus einer stetig wachsenden Ansiedlung um ein im 7. Jahrhundert gegründetes Kloster. Von 1306 bis 1697 war sie Reichsstadt. Sie gehörte zum 1354 gegründeten Zehnstädtebund elsässischer Reichsstädte. 1522 wurde die Reformation durch Heinrich Motherer, Pfarrer der Johanneskirche, und Martin Bucer eingeführt.[2]

St. Peter und Paul – Innenraum
Weißenburg auf einem Stich aus dem 17. Jahrhundert
Gotischer Kreuzgang

Nach dem Westfälischen Frieden 1648 kamen große Teile des Elsass unter französische Herrschaft, ferner wurde Frankreich die Landvogtei über den elsässischen Zehnstädtebund zugesprochen. Jedoch entsandten diese weiterhin ihre Vertreter zum immerwährenden Reichstag nach Regensburg. Mit seiner Reunionspolitik ließ Ludwig XIV. in den Jahren 1673 und 1674 die zehn Städte erobern, ihre Befestigungen schleifen und unterstellte sie der französischen Provinzialverwaltung. Der Frieden von Nimwegen 1679 bestätigte den Verlust des reichsunmittelbaren Status der zehn Städte und besiegelte das Ende der Dekapolis. So gehörten Weißenburg, das pfälzische Landau, ebenso wie das gesamte Elsass ab 1680 zu Frankreich.

Mit der Französischen Revolution erfolgte die Einbindung in das moderne Verwaltungs- und Rechtssystem des Landes. Die Stadt Weißenburg war von 1800 bis 2014 Sitz der Unterpräfektur (Sous-préfecture) des Arrondissements Wissembourg im Département Bas-Rhin, bzw der deutschen Kreisdirektion. Seit 1800 ist die Stadt Kantonshauptort, der Kanton wurde im Januar 2015 von 13 auf 44 Gemeinden erweitert.

Die heutigen Ortsteile Altenstadt und Weiler waren nach dem Wiener Kongress zunächst pfälzische Gemeinden im Kanton Bergzabern. Am 5. Juli 1825 wurden sie in der Grenzkonvention zwischen Bayern und Frankreich zusammen mit Ober- und Niedersteinbach von Bayern an Frankreich abgetreten.[3] Weißenburg wurde 1816 Grenzort zur bayerischen Pfalz, zu der seit 1815 auch wieder Landau gehörte.

Am 4. August 1870 besiegten in der Schlacht bei Weißenburg preußische Truppen die Franzosen. Zwei gepflegte Denkmäler (eines für die französischen und eines für die deutschen Gefallenen) auf dem Geisberg, an der Straße Weißenburg–Riedseltz, gedenken der vielen Gefallenen. Weißenburger kämpften als Soldaten sowohl auf französischer als auch auf deutscher Seite.

Portrait von Joseph Philipp von Stichaner am Denkmal in Wissembourg

Mit dem Frieden von Frankfurt wurden Weißenburg, das Elsass und Lothringen dem neu gegründeten deutschen Kaiserreich, angegliedert. Vom 28. Juni 1871 bis 1918 war die Stadt Teil des Reichslandes Elsaß-Lothringen. Die große Mehrheit der elsass-lothringischen Bevölkerung zeigte sich gegenüber der Annexion ablehnend. Im September 1871 wurde das Militärgouvernement aufgelöst und die deutsche Verwaltung aufgebaut. Weißenburg wurde Sitz einer Kreisdirektion. Das gute Verhältnis des Kreisdirektors Joseph Philipp von Stichaner zu den Bürgern und zur Frankreich treuen Führungsschicht des Kreises stellte im ganzen Elsass eine Ausnahme dar. Ende 1886 wurde Stichaner zum Bezirkspräsidenten in Straßburg ernannt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt zusammen mit dem Elsass erneut Frankreich zugeschlagen, und im Zweiten Weltkrieg von 1940 bis 1944/1945 waren die Stadt und das Land vom Deutschen Reich annektiert. Im März 1945 wurden die Stadt und das Umland im Rahmen der Operation Undertone von US-Truppen erobert.

Seit 1945 gehört die Stadt wieder zu Frankreich. Um die Hoheit über den im Norden von Weißenburg in der Pfalz liegenden Mundatwald wurde bis 1990 verhandelt.

Heute führt eine offene Grenze zu Nachbarschaftshilfen bei Bränden und zur Zusammenarbeit des Notarztdienstes auf beiden Seiten. 1997 wurde die Maximiliansbahn zwischen Wissembourg und Winden in der Pfalz wieder eröffnet.

Wappen[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Weißenburg ist eine der architektonisch interessantesten Städte des nördlichen Elsass. Die Altstadt ist heute noch teilweise von Resten der alten Stadtbefestigung umschlossen. Sie ist nördlicher Ausgangspunkt der Romanischen Straße, die im Elsass durch Orte mit Baudenkmälern der Romanik führt. Hier sind es die Abteikirche St. Peter und Paul sowie in Altenstadt die Pfarrkirche aus dem 11./12. Jahrhundert.

Die Abteikirche Saints-Pierre-et-Paul (St. Peter und Paul) ist eine der größten Kirchen des Bas-Rhin außerhalb von Straßburg. Das vorwiegend gotische Gebäude weist noch einen romanischen Glockenturm vom Vorgängerbau (11. Jahrhundert) auf. Im Innern finden sich bemerkenswerte Glasfenster und Wandmalereien aus dem 14./15. Jahrhundert, unter anderem eine elf Meter hohe Darstellung des heiligen Christophorus, sowie eine original erhaltene Orgel von 1766 in einem der prachtvollsten Gehäuse des Elsass. Vom alten Kloster Weißenburg, an dem der Mönch Otfrid von Weißenburg wirkte, ist lediglich ein unvollendeter hochgotischer Kreuzgang übrig geblieben, der als einer der schönsten des Oberrheins gilt. Angegliedert an diesen ist ein ehemaliger romanischer Kapitelsaal, der heutzutage als Seitenkapelle dient.

Die protestantische Pfarrkirche Saint Jean ist ein schlichtes gotisches Gebäude aus dem 15. Jahrhundert im Stile der Bettelordenarchitektur.

Zu den sehenswertesten Gebäuden der Stadt zählen das „Salzhaus“ (15. Jahrhundert) mit seinem auffallenden Dach, das Maison de l'ami Fritz (um 1550, Ort der Dreharbeiten der Romanverfilmung L’ami Fritz) mit seinem aufwändigen Erker und das klassizistische Rathaus (erbaut 1741 bis 1752), ein Hauptwerk des Straßburger Stadtarchitekten Joseph Massol. Das Haus Vogelsberger mit seinem Renaissanceportal stammt aus dem Jahre 1540. In dem Haus am Quai Anselmann lebte der Ordensgründer Charles de Foucauld als Kind für einige Jahre.

Im Musée Westercamp werden archäologische Funde aus der Gegend, mittelalterliche Kunstwerke sowie Dokumente zur Stadtgeschichte und Heimatkunde ausgestellt.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Elsass-Express im Bahnhof Wissembourg nach Ankunft von Mainz

Der Bahnhof Wissembourg ist Endpunkt einer von Haguenau kommenden Bahnlinie (betrieben von TER Alsace, einer Regionaltochter der SNCF) und der Bahnstrecke Neustadt–Wissembourg. Am Wochenende und an Feiertagen besteht von Ende April bis Ende Oktober für Ausflügler eine Direktverbindung ab Mainz (RE Elsass-Express) und ab Koblenz mit dem „Weinstraßenexpress“. Die Stadt liegt im deutschen Verkehrsverbund Rhein-Neckar und im Karlsruher Verkehrsverbund.

Im Straßenverkehr besteht nach Norden mit der Bundesstraße 38 über Bad Bergzabern und Landau in der Pfalz (A 65) eine Anbindung an das Fernstraßennetz. Nach Süden ist die Stadt durch die Départementsstraße D 263 mit Haguenau verbunden. Die Straße D 3, welche parallel zur Grenze mit Deutschland verläuft, verbindet in östlicher Richtung Lauterburg (Autoroute A35) und in westlicher Richtung Bitsch mit Weißenburg.

Weißenburg ist sehr gut an das touristische Radwegenetz im Elsass angeschlossen.[4] Der deutsch-französische Pamina-Radweg Lautertal verbindet Weißenburg über den Wasgau mit dem pfälzischen Radwegenetz[5] und über den Bienwald mit der Veloroute Rhein.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Mit der Stadt verbundene Personen[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Hannes Wader hat Wissembourg das Lied Kleine Stadt gewidmet. In diesem beschreibt er die Atmosphäre, die Mentalität der ansässigen Bewohner und die Schönheit der Stadt.[6]. Eine französische Version Petite Ville spielte er ebenfalls ein.[7]

Altstadt von Wissembourg: Häuserreihe entlang der Lauter (verdeckt) mit altem Salzhaus (rechts)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wissembourg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Wissembourg – Reiseführer

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Der französische Name ist gleichwohl hergeleitet aus der im überwiegenden Teil des Elsasses gebräuchlichen alemannischen Form wiss für weiß
  2. Für Weißenburg und die elsässische Dekapolis ist im Jahre 1529 keine formale Zustimmung für die Protestation zu Speyer nachweisbar.
  3. Google Books
  4. Radwege im nördlichen Elsass (französisch)
  5. Radwege in Rheinland-Pfalz
  6. Duklas Frisch: Hannes Wader, Wünsche, (abgerufen 13. Juni 2015). Liedtext
  7. Hannes Wader: Kommentare (zu) den Liedern der neuen CD (abgerufen 13. Juni 2015)