St. Petri (Melle)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ev.-luth. Stadtkirche St. Petri (links)

St. Petri ist die um 1721 erbaute evangelisch-lutherische Innenstadtkirche von Melle. Sie ist zentral am Marktplatz gegenüber dem Rathaus gelegen und ist die evangelische Hauptkirche des Kirchenkreises Melle im Grönegau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Capitulatio perpetua wurden den in Melle lebenden Katholiken die katholische St. Matthäuskirche, die zuvor simultan genutzt wurde, zugesprochen. 1652 entstand demnach, nahe bei der katholischen Kirche gelegen, für die evangelische Gemeinde ein neues Gotteshaus, die St. Petrikirche, die der große Meller Stadtbrand von 1720 vollständig zerstörte. Das Patronat St. Petri ist ein Rückgriff auf das ursprüngliche Patrozinium der um 800 erbauten Meller Kirche, die im 12. Jahrhundert, mit dem Aufkommen der Verehrung des Apostels Matthäus in St. Matthäuskirche umgewidmet worden war.

Bereits 1721, unmittelbar nach dem Stadtbrand, begannen die Bauarbeiten für ein neues größeres Kirchengebäude, das 1723 eingeweiht wurde und mit dem vollständigen Inventar bis 1724 fertiggestellt war. Besonders unterstützte den Bau der damalige Osnabrücker Fürstbischof Ernst August II. von Braunschweig-Lüneburg. Der Steinmetz und Maurermeister Hermann Schmidinger aus Herford war maßgeblich am Neubau beteiligt.[1] Erster evangelischer Pfarrer an St. Petri war der zuvor an der katholischen Meller St.-Matthäuskirche wirkende Pastor Anton Seumenicht.

Architektur und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist eine dreischiffige Hallenkirche in gotisierenden Formen mit feingegliederten Pfeilern und einem Chor in Fünfachtelschluss. Der Westturm hat als Abschluss einen Buckelhelm. Das Kircheninnere ist mit durchlaufenden Emporen und Adelslogen ausgestattet.

Das bemalte Gewölbe ist im Osnabrücker Raum singulär. Die Gewölbemalerei trägt das Wappen des Bauherrn Ernst August II. mit der Herzogswürde von York und Albany, die ihm von seinem Bruder König Georg I. von England verliehen wurde. Das vierpassige Wappen in Kartuschenrahmen mit Blüten und Fruchtgehängen ist von acht Engeln begleitet. Es zeigt den gespaltenen Wappenschild von England, gehalten von dem englischen Löwen und dem schottischen Einhorn. Ein weiteres Wappen im Gewölbe mit einer roten Pflugschar ist das Wappen des Osnabrücker Bischöflichen Geheimen Rats Jobst Itel von Vincke. Er war vom Landesherrn mit dem Wiederaufbau der Stadt Melle und der evangelischen Kirche beauftragt worden.

Der barocke Altar von Ernst Dietrich Bartels (1723) ist in mehrere Zonen gegliedert und trägt im Zentrum das Bild des Abendmahls und der Auferstehung. Er ist mit dem Wappen des Freiherrn auf Schloss Gesmold Christoph Ludolf von Hammerstein und seiner Gattin Johanna Sophia Schenk von Winterstedt zu Diek geschmückt.

Die barocke Kanzel stammt aus dem Jahr 1724. Sie ist mit reichem Figurenwerk ausgestattet. Der Stifter ist Abraham von Arnim zu Boitzenburg und seine Frau Anna Sophia von Oer zu Bruche. Ihre Wappen befinden sich im Kanzeldeckel.

Die Emporenbrüstungen sind mit den Wappen der heimischen Adelsgeschlechter Vincke, Nehem, Hammerstein und dem vierspeichigen Rad, dem Wappen der Stadt Melle, sowie mit Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament versehen.

Zwei bronzene Kronleuchter zieren das Mittelschiff: Sie bestehen aus Spindeln mit 16 Armen und einem Kugelkörper mit aufrecht stehenden Engeln mit hochgestellten Flügeln und einem Doppeladler. Sie sind Schenkungen des Meller Kaufmanns Henrich Borgstede (1726) und des Meller Scharfrichters Georg Ludwig Lohdi (1759).

Christian-Vater-Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian-Vater-Orgel von 1724

Die teilweise erhaltene Barockorgel von Christian Vater wurde 1722 bis 1724 mit ursprünglich 27 Registern erbaut.[2] Sie wurde im Jahr 2000 durch die Orgelbaufirma Bernhardt Edskes grundlegend restauriert. Der aus Hannover stammende Orgelbauer Christian Vater arbeitete 1697 bis 1702 in der Werkstatt von Arp Schnitger. Vaters Œuvre umfasst insgesamt 36 Orgeln. Die Orgel der Petrikirche ist sein größtes Werk in Deutschland. Der auch zeitweise als Organist tätige Orgelbauer war hannoverscher Hof-Orgelbaumeister und betrieb eine Werkstatt in Hannover. Die Petriorgel umfasst insgesamt 37 Register verteilt auf drei Manuale und Pedal.[3]

Oberwerk C–f3
Principal 8′
Quintaden 16′
Spitzfloit 8′
Rohrfloit 8′
Octav 4′
Gemshorn 4′
Quinta 3′
Superoctav 2′
Sexquialter II 22/3
Mixtur V
Trompete 8′
Vox-humana 8′
Rückpositiv C–f3
Principal 4′
Gedact 8′
Quintaden 8′
Spitzfloit 4′
Octav 2′
Waltfloit 2′
Sieffloit 11/2
Scharff IV
Fagott 16′
Dulcian 8′
Brustpositiv C–f3
Holtzgedact 8′
Gedact 4′
Octav 4′
Floit 2′
Quinta 11/2
Sexquialter II 22/3
Cimbal III
Hautbois 8′
Pedalwerk C–f1
Principal 16′
Octav 8′
Octav 4′
Mixtur V
Posaune 16′
Trompete 8′
Schallmey 4′

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landkreis Melle (Hrsg.): Der Grönegau in Vergangenheit und Gegenwart. Heimatbuch des Landkreises Melle. Fromm, Osnabrück 1968.
  • Edgar Schroeder (Hrsg.): Melle in acht Jahrhunderten. Ernst Knoth, Melle 1969.
  • Ludger Stühlmeyer: Die Orgel der St. Petrikirche Melle. In: Uwe Pape: Orgelatlas. Berlin 1980, ISBN 3-921140-22-6.
  • Fritz-Gerd Mittelstädt: Auswirkungen der Reformation in der Stadt Melle. Unveröffentlichtes Manuskript, Vortrag am 12. Mai 2017 in der Stadtkirche St. Petri in Melle im Rahmen der Eröffnung der Wanderausstellung des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e.V. Miteinander leben? Reformation und Konfession im Osnabrücker Land 1500–1700.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fritz-Gerd Mittelstädt, Auswirkungen der Reformation in der Stadt Melle, a.a.O.
  2. Gustav Fock: Arp Schnitger und seine Schule. Ein Beitrag zur Geschichte des Orgelbaues im Nord- und Ostseeküstengebiet. Bärenreiter, Kassel 1974, ISBN 3-7618-0261-7, S. 125.
  3. Geschichte der Christian-Vater-Orgel (Memento vom 17. Februar 2014 im Internet Archive)

Koordinaten: 52° 12′ 9″ N, 8° 20′ 18″ O