Ludger Stühlmeyer

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Ludger Stühlmeyer (2005)

Ludger Stühlmeyer (* 3. Oktober 1961 in Melle) ist ein deutscher Kantor, Musikwissenschaftler, Dozent und Komponist. Seit 1994 lebt er in der bayerischen Stadt Hof. Sein musikalisches Werk ist beeinflusst von Personanzklängen und der Postmoderne und umfasst Kompositionen für Instrumental- und Vokalmusik.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stühlmeyer stammt aus einer Musikerfamilie und sammelte früh musikalische Erfahrungen in den Kirchen St. Matthäus und St. Petri in Melle. Den ersten Musikunterricht erhielt er von dem Pianisten und Komponisten Musikdirektor Karl Schäfer sowie Kirchenmusikdirektor Karl-Heinz Höne am Konservatorium in Osnabrück. Nach dem Abitur am Gymnasium Melle studierte er Kirchenmusik,[1] u. a. bei Wolfgang Helbich und Winfried Schlepphorst, Alte Musik (Manfred Cordes), Orgel (Harald Vogel) und Gesang (Wolfgang Büssenschütt, Elke Holzmann) an der Hochschule für Künste Bremen.[2]

Kompositionsstudien betrieb er bei Günther Kretzschmar, Karlheinz Stockhausen und Helge Jung. Gregorianische Semiologie belegte er bei Luigi Agustoni, Godehard Joppich und Johannes Berchmans Göschl. Stühlmeyer erhielt ein Stipendium der Studienstiftung des Bistums Osnabrück.[2]

An der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster studierte er Musikwissenschaft (Axel Beer, Klaus Hortschansky, Winfried Schlepphorst), Philosophie (Fernando Inciarte, Berthold Wald) und Theologie (Arnold Angenendt, Klemens Richter). Mit dem Dissertationsthema Curia sonans wurde Stühlmeyer 2010 in Münster zum Doktor der Philosophie promoviert. Die Studie wurde von der Friedrich-Baur-Stiftung,[3] der Oberfrankenstiftung und der Wolfgang-Siegel-Stiftung gefördert.[2]

Von Mai 1980 bis September 1988 war er Kantor im Bistum Osnabrück und von Oktober 1988 bis Oktober 1994 im Bistum Münster. Seit November 1994 ist Stühlmeyer als Stadt- und Dekanatskantor in der Stadt Hof und der Region Hochfranken tätig. Zudem ist er Dozent und Mitarbeiter des Amts für Kirchenmusik in Bamberg.[4] Er ist Mitglied der Internationalen Dieterich-Buxtehude-Gesellschaft, der Internationalen Valentin-Rathgeber-Gesellschaft[5] und der Max-Baumann-Gesellschaft.

Ludger Stühlmeyer ist verheiratet mit der Musikwissenschaftlerin und Theologin Barbara Stühlmeyer und Vater von Lea Stühlmeyer. Der Pastoraltheologe und Pfarrer Thomas Stühlmeyer und der Diakon Klaus Stühlmeyer sind seine Brüder.[6]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludger Stühlmeyer an der Orgel der Dresdner Frauenkirche (2022)

Sein Großvater Heinrich Stühlmeyer, ein „Stiller Held des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus“,[7] der aufgrund seines Einsatzes für die katholische Kirche und Verfolgte des Dritten Reiches 1940 in das KZ-Emslandlager verbracht wurde,[8] war 47 Jahre an der St.-Petrus-Kirche in Gesmold tätig gewesen. Ludger Stühlmeyer folgte ihm im Amte nach. Damit ging die Leitung der St.-Petrus-Kantorei und der Konzertreihe mit Orgelkonzerten, Kantatenaufführungen und Kammermusik einher.[9] In diese Zeit fiel der Bau der neuen Schwalbennestorgel (1982), integriert in die Kuppel der nach dem Vorbild des römischen Pantheon erbauten Kirche.

Ludger Stühlmeyers Wirken als Seelsorgebereichskantor im östlichen Münsterland entfaltete sich im Rahmen eines Projektes zur Erprobung dieses zu Beginn der 1990er Jahre neuen musikalischen Berufsprofils im Bistum Münster. Damit verband sich eine breit gefächerte Chorarbeit mit einer aus Kinderchören, einem Jugendchor, einem Chor Junger Erwachsener, Kirchenchor, Vokalensemble sowie einer Choralschola bestehenden Kantorei. Neben der in das pastorale Konzept des Pfarrverbandes eingebundenen musikbasierten Gemeindearbeit initiierte er eine im Monatsturnus stattfindende Konzertreihe sowie regionale Kirchenmusiktage für den östlichen Bezirk des Bistums Münster.[10][11]

Zu Beginn seiner Tätigkeit in Hof begleitete er die von der Bonner Firma Orgelbau Klais durchgeführte Restaurierung der historischen Steinmeyer-Orgel der Stadtkirche St. Marien (1994/95).[12] Besonderen Wert legte er dabei auf eine stilgerechte Restaurierung des als Denkmalorgel eingestuften Instrumentes der deutsch-romantischen Epoche, von denen nur mehr wenige original und unverändert erhalten geblieben sind.

1995 gründete Stühlmeyer eine Konzertreihe, innerhalb derer regelmäßig Werke zeitgenössischer Komponisten uraufgeführt werden.[13] 2007, im 300. Todesjahr Dieterich Buxtehudes, führte er in einem Zyklus von zehn Abendmusiken sämtliche Orgelwerke und Sonaten Buxtehudes auf. Der 2013 von Stühlmeyer gegründete Kammerchor Capella Mariana besteht aus einer internationalen Besetzung von Profimusikern und ambitionierten Laien. Mit der Erarbeitung von Musikwerken des Mittelalters bis zu Aufführungen neu komponierter Kirchenmusik, widmet sich das Ensemble der gesamten Bandbreite sakraler Chorliteratur.[14]

Im Mai 2003 übernahm er von dem damaligen Bamberger Diözesanmusikdirektor und Domkapellmeister Werner Pees die Schriftleitung der Publikationsreihe Kirchenmusik im Erzbistum Bamberg, die er bis 2010 innehatte.[15] Anlässlich der EU-Erweiterung 2004 führte er gemeinsam mit der aus Cheb stammenden tschechischen Musikerin Martina Kólaròva eine Reihe von Konzerten im Rahmen des deutsch-tschechischen Kulturaustausches durch. Bei Rundfunk- und Fernsehsendungen und -übertragungen arbeitet er mit Sendern wie dem Deutschlandfunk, Radio Horeb, dem Bayerischen Rundfunk[16] und dem Zweiten Deutschen Fernsehen zusammen.

Für hervorragende künstlerische und pädagogische Leistungen ernannte ihn der Allgemeine Cäcilien-Verband für Deutschland 2013 zum Musikdirektor ACV. Das Kuratorium des Deutschen Liturgischen Instituts und die Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz schlugen Stühlmeyer 2015 als Kirchenmusikreferent in der Nachfolge von Prof. Matthias Kreuels vor.[17] Die Stelle trat er zugunsten seiner musikalisch künstlerischen Tätigkeit jedoch nicht an. Im Mai 2018 bezeichnete der bayerische Ministerpräsident Markus Söder Ludger Stühlmeyer als „herausragenden Botschafter unserer Heimat“.[18][19]

Stühlmeyer komponiert Werke für Gesang (z. B.: Kantaten, Lieder, Messen, Motetten, Singspiele) und Instrumente. Seine Kompositionstechnik wurzelt in dem Bestreben, den Aspekt der Hörerfahrung als kommunikatives Medium erlebbar zu machen. Dabei folgt er seinem Ziel, das Wesentliche im scheinbar Einfachen fokussierend, die Aussagekraft des auf sich selbst verweisenden Klanges zu öffnen, mit der sich philosophisches Denken ebenso verbindet wie spirituelle Erlebnisfähigkeit. Seine liturgische Musik ist inspiriert von dem Wort-Ton-Verhältnis des Gregorianischen Chorals, der die Komposition als Klangleib des Wortes definiert und umsetzt. In seiner kompositorischen Arbeit realisiert er das im II. Vatikanischen Konzil verankerte Verständnis von liturgischer Musik als innersten und im Sinne des „bis orat qui cantat“[20] intensivierten Grundvollzug des Glaubens.[21]

Seine Kompositionen sind beeinflusst von der musikalischen Avantgarde, Personanz-Klängen und der Postmoderne. Seine für Kinder konzipierten szenischen Werke fördern in der Tradition seines Lehrers Günther Kretzschmar, die Postulate ganzheitlicher Pädagogik aufgreifend, die Erlebnisfähigkeit der Kinder und ihre Freude am Singen und Gestalten. In konzeptionellen Gesprächen mit dem Münsteraner Regionalbischof Friedrich Ostermann schuf er die Grundlage für eine erneuerte Rezeption der Evangelienkantate für Kinder in der Liturgie.[11]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher und Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludger Stühlmeyer auf dem Cover der Zeitschrift Musica sacra (2011)

Kompositionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herausgegebene Musikwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieterich Buxtehude: „Präludium g-Moll für Orgel“, BuxWV 149. Sonat-Verlag Kleinmachnow 2015, ISMN 979-0-50254-032-6.[27]
  • Dieterich Buxtehude: „Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen“, Kantate für Chor SATB, zwei Violinen und B. c., BuxWV 81. Sonat-Verlag Kleinmachnow 2016, ISMN 979-0-50254-064-7.[28]
  • Heinrich Stühlmeyer: „Christ ist erstanden“, dreiteiliger Chorsatz SATB mit Incipits der lateinischen Sequenz Victimae paschali laudes (1938), „Das Banner ist dem Herrn geweiht“, Chorsatz SATB (1938), „Der Satan löscht die Lichter aus“, Chorsatz SATB (1938), „Ist das der Leib, Herr Jesus Christ“, Chorsatz SATB (1938), herausgegeben 2018.[29]

Tonträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Hofer Königspaar. Die Orgeln in St. Marien und St. Michaelis. Rondeau Production Leipzig 2012.[30][31]
  • Zum Engel der letzten Stunde. Jean Paul – Ludger Stühlmeyer. Zenė Kružikaitė (Alt), Jens Wilckens (Violine), Eva Gräbner (Orgel). Balderschwang 2013.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorothea Weiler: Den Glauben der Gemeinde in Musik umsetzen (Porträt), in: Heinrichsblatt, Katholische Wochenzeitung des Erzbistums Bamberg Nr. 24, Heinrichsverlag, Bamberg 15. Juni 1997.
  • Gert Böhm: Prägende Jahre zwischen Oper, Schiffshupen und Benediktinern (Porträt), in: Frankenpost, Hof 14. Mai 2005.
  • Lukas Spranger: Musik in Hof – eine Erfolgsgeschichte. Das gab es noch nie: Kantor Ludger Stühlmeyer erzählt die vollständige Musikgeschichte der Stadt, in: Frankenpost, Hof 28. August 2010.
  • Barbara Stühlmeyer: Den richtigen Ton treffen – Betrachtung über das Lied „Es sahn drei weise Könige“ von Rolf Krenzer und Ludger Stühlmeyer, in: Heinrichsblatt, Katholische Wochenzeitung des Erzbistums Bamberg Nr. 1, Heinrichsverlag, Bamberg 2. Januar 2011.
  • Beate Franck: Musiker für den Wohlklang des Gotteslobes, in: Frankenpost, Hof 31. Juli 2011.
  • Christoph Plass: Stühlmeyer wird Musikdirektor, in: Frankenpost, Hof 29. April 2013.
  • Andreas Kuschbert: Großer Einsatz für neue Musik, in: Heinrichsblatt, Katholische Wochenzeitung des Erzbistums Bamberg Nr. 21, Heinrichsverlag, Bamberg 26. Mai 2013.
  • Theresa E. Ryen: Gotteslob in dunkler Zeit. Ein neues Lied von Ludger Stühlmeyer zum 70. Todestag des seligen Bernhard Lichtenberg, in: Heinrichsblatt, Katholische Wochenzeitung des Erzbistums Bamberg Nr. 43, Heinrichsverlag, Bamberg Oktober 2013.
  • Maria Palmer: Wegweiser wahrnehmen. Das Dreikönigslied „Seht den Stern, den wir euch bringen“ von Peter Gerloff und Ludger Stühlmeyer, in: Heinrichsblatt, Katholische Wochenzeitung des Erzbistums Bamberg Nr. 1, Bamberg 1. Januar 2017, S. 13.
  • Maria Palmer: Hoffnungsklänge in der Krise. Kreativität statt verstummen, in: Die Tagespost, Würzburg 7. Mai 2020, S. 15.
  • Ruth Franke: Klingende Rituale. Ein Porträt des Kantors und Komponisten Ludger Stühlmeyer, in: Tagespost, Würzburg 27. März 2022, S. 31 abgerufen am 28. März 2022.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ludger Stühlmeyer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abschluss „mit Auszeichnung“ in den Fächern Chorleitung, Gregorianik, Gesang und Klavier.
  2. a b c Ein Hofer Königspaar. Rondeau Produktion 2012, Booklet S. 18.
  3. Förderstiftung für Forschungsprojekte
  4. Ludger Stühlmeyer auf der Website des Amts für Kirchenmusik Bamberg
  5. Ludger Stühlmeyer auf der Website der Valentin-Rathgeber-Gesellschaft.
  6. Vita von Ludger Stühlmeyer auf der Website der Marienkirche.
  7. Zitiert nach: Bundespräsident Johannes Rau, Berlin im April 2001.
  8. Die Macht der leisen Töne oder: Ein stiller Held aus Gesmold. Heimatverein Gesmold (Herausgeber), Nr. 134, März 2010.
  9. Franz Nieweg, Klaus Rahe, Maria Winkelmann: GESMOLD GESTERN UND HEUTE. In Bildern-Berichten-Gedichten, Gesmold 1986.
  10. Kirchenmusik aktuell, Dekanat Warendorf, Heft 5 November 1991
  11. a b Ludger Stühlmeyer: Neue Wege mit Musik, in: Themenhefte 7. Bergmoser + Höller Verlag Aachen 1991, S. 40–41, ISSN 0937-8766.
  12. Restaurierte Hofer Steinmeyer-Orgel Website der Firma Orgelbau Klais.
  13. Bericht über das Konzert „Zeitsprünge“ (Memento vom 19. Oktober 2013 im Internet Archive).
  14. Kammerchor Capella Mariana
  15. Kirchenmusik im Erzbistum Bamberg, Eintrag in der DNB.
  16. Sendung mit Ludger Stühlmeyer über Bernhard Lichtenberg am 31. Oktober und 3. November 2013 im BR.
  17. Quelle: Ernennungsurkunde des Deutschen Liturgischen Instituts vom 18. Mai 2015.
  18. „Mit großer Leidenschaft setzen Sie sich für zahlreiche kulturelle und gesellschaftliche Projekte ein und sind ein herausragender Botschafter unserer Heimat.“ Quelle: Schreiben des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder vom 5. Mai 2018 aus der Bayerischen Staatskanzlei in München.
  19. a b Botschafter unserer Heimat, in: Heinrichsblatt, Katholische Wochenzeitung des Erzbistums Bamberg Nr. 28, Bamberg 12. Juli 2020.
  20. „Doppelt betet, wer singt“ (Augustinus von Hippo)
  21. Ein Hofer Königspaar. Rondeau Produktion 2012, Booklet S. 19.
  22. Augustinus: Afrikanitaet Universalitaet. Stiftsbibliothek St. Gallen, 20. April – 20. Mai. Spolia, Journal of mediaval studies.
  23. Jean-Paul-Jubiläum auf der Website des Bayerischen Rundfunks.
  24. Maria Palmer: Die Klangspur des Leidens. Ein Streifzung durch die Geschichte der Passionsvertonungen, in: Die Tagespost, Würzburg 19. März 2016, S. 12, Kultur.
  25. Klangräume für sakrale Musik unserer Tage schaffen, in: Die Tagespost, 15. Oktober 2015, S. 10 Kultur.
  26. Bernhard-Lichtenberg-Vesper (Memento vom 23. Februar 2019 im Internet Archive) auf der Website des St. Michaelsbunds München.
  27. Website des Sonat-Verlags
  28. Website des Sonat-Verlags
  29. Bereitgestellt in der Deutschen Nationalbibliothek
  30. Besprechung in der Frankenpost Christoph Plass, 8. Dezember 2012.
  31. Sendung über Ein Hofer Königspaar im französischen Rundfunk „Radio Courtoisie“ am 9. Juni 2013, 10.00–11.00 Uhr.
  32. Personalien, in: Kirchenmusik im Erzbistum Bamberg Heft 39. Amt für Kirchenmusik im Erzbistum Bamberg (Hg.), Bamberg 2005, S. 37–38.
  33. Verleihung der Johann-Christian-Reinhart-Plakette, in: Frankenpost, Hof 15. Juli 2011.
  34. Einsatz für neue Musik und multiplikatorische Fähigkeiten, in: Musica sacra, Bärenreiter-Verlag Kassel, 134. Jg., Nr. 3, Kassel 1. Juni 2013, S. 172.
  35. Bernhard Kuhn: Seit 40 Jahren Musik zu Ehren Gottes, in: Frankenpost Hof am 1. Juli 2020.