St. Servatii (Münster)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
St. Servatii in Münster.

St. Servatii in der westfälischen Stadt Münster, unter dem Patrozinium und benannt nach dem heiligen Servatius von Tongern, ist eine historische Kirche aus der Zeit um das Jahr 1230. Damit ist sie eine der ältesten Kirchen der Stadt.[1] Mehr als 700 Jahre war sie eine selbstständige Pfarrei, bis sie ein Teil der Lamberti-Gemeinde wurde.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung im Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erfuhr Münster eine Erweiterung seines Stadtgebietes vor allem im südlichen und östlichen Bereich. Wohl durch die planerische Hand der Bischöfe zu Münster wurden im Südwesten die Pfarre St. Aegidii, im Süden St. Ludgeri, im Südosten St. Servatii und im Nordosten St. Martini gegründet. Alle neu entstandenen Pfarreien waren reine Stadtpfarreien.

St. Servatii soll bereits im Jahr 1200 als Holzkapelle erbaut worden sein.[1] Aus einer Evangelienhandschrift des Überwasserklosters geht hervor, dass die Kapelle bereits zu dieser Zeit, wie auch der Nachfolgebau 1383, einen Brand überstand.[1] Der Holzbau wich im 13. Jahrhundert einem Steinbau.[1] Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche mit einem fünfseitigen gotischen Chor mit Maßwerkfenstern versehen.[1]

Täuferzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Zeit der Täufer wurden im 16. Jahrhundert die westliche Hälfte des Langhauses, der Turm sowie die Fundamente verwüstet.[1] Steine der Kirche und Erde des Friedhof wurden zur Befestigung der Stadt verwendet. Im Jahr 1537 wurde die Kirche wieder aufgebaut.[1] Dabei wurde auch ein Westturm gebaut. Um die Langhauswände zu stabilisieren, wurden diese um das Jahr 1700 mit klobigen Strebepfeilern verstärkt.[1] Zudem begann die Kirche, um die herum sich ein Friedhof befand, durch die anhaltenden Beisetzungen, durch die sich das Erdreich hob, abzusacken.[1] Um diesem entgegenzuwirken, wurde zunächst der Fußbodenbelag des Kirchbaus wiederholt aufgefüllt, wodurch jedoch Pfeiler und Säulen zusehends verdeckt wurden.[1]

18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. November 1729 fand in St. Servatii die Hochzeit von Heinrich Wilhelm Droste zu Hülshoff mit Brigitte Anna Droste zu Vischering (1708–1750) statt, einer Tochter des Erbdrosten Maximilian Heidenreich Droste zu Vischering. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor, u. a. Clemens August I. von Droste zu Hülshoff, der Großvater der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, ferner der General und Gouverneur von Münster Heinrich-Johann von Droste zu Hülshoff sowie die Patentante der Dichterin, die Äbtissin des Stifts Metelen Anna Elisabeth Droste zu Hülshoff (1733–1805). Zwei Söhne Droste zu Hülshoff wurden Geistliche: Ernst Constanz Domherr in Osnabrück und Ferdinand Dechant in Coesfeld.

Instandsetzung im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ersten Hälfte des Jahres 1932 wurde die Kirche daher instand gesetzt.[1] Am 28. Oktober 1933 (Christkönigsfest) wurde die Kirche als erste bischöfliche Amtshandlung durch Clemens August Graf von Galen in einem Pontifikalamt erneut für die Öffentlichkeit zugänglich.[1] Die Pfarre, welche gegen Ende des 12. Jahrhunderts von St. Lamberti getrennt worden war, wurde 1935 wieder mit dieser vereinigt.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Luftangriffen auf Münster im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bis auf eine einzige Säule grundlegend zerstört.[1] Der Prälat Joseph Leufkens äußerte sich mit den Worten: „Wir kletterten über die Trümmerhaufen zur Kirche. Von Altar und Tabernakel war nichts mehr zu finden. Auf den Mauerresten zündeten wir eine Kerze als das letzte ewige Licht an, zum letzten Mal beteten wir das Tantum ergo. Sankt Servatii war nicht mehr.“[1]

Aufbau und Wiedereröffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1947 wurde das Chor wieder errichtet, so dass erste Gottesdienste gefeiert werden konnten, während das Kirchengewölbe noch fehlte und im Kirchenraum die Säulen wie Stümpfe aufragten.[1] Am 26. Oktober (erneut Christkönigsfest) 1952 wurde die Kirche am wiedereröffnet.[1] Infolge des Wiederaufbaus wurde an die Stelle des ehemaligen Westturms ein moderner Rundturm gesetzt.

Architektur, Ausstattung und Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rückseite
Seitenansicht

Bei 15 Metern Breite und 27 Metern Länge (davon 12 Meter Chor) ist St. Servatii die kleinste der sechs Pfarrkirchen des mittelalterlichen Münsters und vereinigt Stilelemente der Spätromanik und der Frühgotik. Gestiftet wurde sie von den Kaufleuten der Stadt und um 1225/50 als Pfarrkirche erbaut. Der Chor stammt aus der Zeit um 1500. Der im Grundriss noch romanisch geprägte Raum mit je zwei Gewölbefeldern zu Seiten der beiden mittleren Joche zeigt im Aufbau den Übergang zu Gotik. Die in der Höhe gestufte Halle mit dem Wechsel von Pfeilern und Säulen zählt als eine der schönsten Kirchen der Stadt zu einer Sonderform der frühen westfälischen Hallenkirche. Der Rundturm im Westen ist Resultat des Wiederaufbaus, strukturell mit dem Originalturm jedoch nicht identisch. Im Vergleich zu den umgebenden Gebäuden wirkt die Kirche leicht eingesunken, da sie im Gegensatz zu den anderen Gebäuden noch auf dem alten, mittelalterlichen Bodenniveau steht.

Im Inneren des als Baudenkmal eingestuften Gebäudes steht ein spätgotischer Flügelaltar aus der Zeit um das Jahr 1500, der Szenen aus dem Marienleben zeigt. Ein Bild mit Gedenktafel verweist auf die selige Schwester Euthymia, welche im Clemenskloster in der Nähe der Kirche wohnte, arbeitete und häufig in St. Servatii betete. Ein weiteres Bild stellt die selige Maria Gräfin Droste zu Vischering dar, welche in St. Servatii getauft wurde und 1899 in Porto, Portugal starb.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel der Servatii-Kirche wurde 1974 durch den Orgelbauer Matthias Kreienbrink in Osnabrück erbaut. Das Instrument wurde 1984 um zwei Zungenregister auf einer separaten Windlade erweitert (Kropftrompete 8′ im Positiv, Fagott 16′ im Pedal), die jedoch im Zuge einer Überarbeitung des Instruments im Jahre 2002 wieder entfernt wurden. Dafür wurde ein Tremulant für beide Manualwerke eingebaut. Das Schleifladen-Instrument hat heute 9 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind mechanisch.

I Hauptwerk C–f3
1. Hohlflöte 8′
2. Prinzipal 4′
3. Mixtur III 1′
II Positiv C–f3
4. Stillgedackt 8′
5. Rohrflöte 4′
6. Prinzipal 2′
7. Sesquialter III 223
Pedal C–f1
8. Subbass 16′
9. Pommer 4′

Glocke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Westturm der Servatiikirche zerstört und nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut. Er beherbergte drei Glocken. Die Glocke aus dem Jahr 1833 musste im Ersten Weltkrieg abgegeben werden. Die beiden Glocken aus dem Jahr 1749 überstanden den Zweiten Weltkrieg unbeschadet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf der Nordseite ein kleiner Turm gebaut, der diese beiden Glocken nicht aufnehmen konnte. Die beiden historischen Glocken wurden daher zunächst an die Gemeinde St. Barbara in Duisburg[3] und an die Kirche der Universitätsklinik Münster ausgeliehen und schließlich an diese verkauft, und eine kleine Glocke aus dem Jahre 1951 in den neuen Turm gehängt.[4]

Name Gussjahr Gießer Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
1951 Feldmann & Marschel, Münster 650 d2

Seit 1934 dient St. Servatii als Ort der Anbetung der Eucharistie. Dieser Zweck wurde seit 1932 diskutiert und mit der Amtsübernahme von Clemens August Graf von Galen umgesetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Gruna: Servatiikirche, In: St. Lamberti. Münster. 12. Auflage. Regensburg: Schnell & Steiner 2016.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p Münstersche Zeitung: Von einem Trümmerhaufen zur Insel des Friedens: St. Servatii vor 60 Jahren wieder eingeweiht, Münster Nachrichten, Martina Meißner, 26. Oktober 2012
  2. Münstersche Zeitung: Die Geschichte der St.-Servatii-Kirche, Münster/Nachrichten, 26. November 2012
  3. Trinitatisglocke aus St. Servatii in St. Barbara (Duisburg). Abgerufen am 21. Februar 2017.
  4. Informationen zu den Glocken (Memento des Originals vom 21. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.muenster.org (PDF-Datei; 90 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: St. Servatii (Münster) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 57′ 36,8″ N, 7° 37′ 56,5″ O