Staatstrauer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Staatstrauer, früher auch Landestrauer, ist eine staatlich angeordnete Manifestation der Trauer und damit Teil der Sepulkralkultur. Sie findet je nach Staat und Ereignis ein oder mehrere Tage statt, üblich sind drei und sieben Tage. Die Staatstrauer wird häufig nach dem Tod wichtiger oder vieler Personen angeordnet. Als Ausdruck der Staatstrauer wird die Trauerbeflaggung angeordnet und öffentliche Feiern werden meist abgesagt. Von der Staatstrauer ist der Staatsakt zu unterscheiden, der eine Veranstaltung bezeichnet.

In Deutschland ist der Bundespräsident als Staatsoberhaupt im Einvernehmen mit der Bundesregierung bevollmächtigt, die Staatstrauer anzuordnen. Eine in vielen Staaten der Welt praktizierte Staatstrauer, die über die Trauerbeflaggung hinausgeht und das öffentliche Leben zum Erliegen bringt, kann der Bundespräsident wegen seiner Kompetenzgrenzen in der föderalen Struktur Deutschlands, insbesondere infolge der in Art. 30 des Grundgesetzes verankerten Eigenstaatlichkeit und Kulturhoheit der Länder, nicht anordnen.[1]

Staatstrauer wird beispielsweise bei dem Tod prominenter Persönlichkeiten eines Staats angeordnet. Dies können Politiker wie Franz Josef Strauß oder Johannes Rau sein, für die jeweils eine dreitägige Staatstrauer in Deutschland stattfand. Eine hunderttägige Staatstrauer in Thailand für Galyani Vadhana, die einzige Schwester von König Bhumibol Adulyadej, endete am 10. April 2008. Auch für die Kultur eines Landes bedeutende Personen wie die portugiesische Sängerin Amália Rodrigues, der hawaiische Sänger Israel Kamakawiwoʻole oder der brasilianische Rennfahrer Ayrton Senna können mit einer Staatstrauer geehrt werden.

Nach dem Tod Zayid bin Sultan Al Nahyans im Jahr 2004, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten seit der Gründung des Landes 1971 ununterbrochen das Amt des Staatspräsidenten ausübte, wurde nicht nur in seinem Heimatland, sondern auch in den arabischen Staaten, fast allen moslemischen Ländern im Nahen Osten und Nordafrika sowie Indien eine Staatstrauer angeordnet.

Auch nach Naturkatastrophen und Unglücken, wie dem ICE-Unglück von Eschede im Jahr 1998 und dem Erdbeben in Sichuan 2008, können Staatstrauern im eigenen Land angeordnet werden. Besonders schwere Katastrophen wie das Seebeben im Indischen Ozean im Jahr 2004 sind häufig darüber hinaus Anlass für Staatstrauern in nicht betroffenen Staaten.

Die Madrider Zuganschläge im März 2004 führten zu Staatstrauern in Portugal und Spanien.

Beim Flugzeugabsturz bei Smolensk im Jahr 2010, bei dem auch der polnische Staatspräsident Lech Kaczyński an Bord war, wurde in Russland ein Tag Staatstrauer angeordnet, weil das Unglück in Russland geschah. Die Staatstrauer wurde auch in Brasilien (3 Tage), Bulgarien (1 Tag), Deutschland (1 Tag – am 18. April 2010), Estland (1 Tag), Georgien (1 Tag), Kanada (1 Tag), Kap Verde (1 Tag), Kroatien (1 Tag), Lettland (1 Tag), Litauen (4 Tage), Malediven, Moldawien (1 Tag), Montenegro (1 Tag), Rumänien (1 Tag), Serbien (1 Tag), Slowakei (1 Tag), Spanien (1 Tag), Tschechien (2 Tage), Türkei (1 Tag), Ukraine (1 Tag) und Ungarn (1 Tag) verfügt. In Polen wurde eine neuntägige Staatstrauer angeordnet.[2] Beim Tod des Sozialisten und Staatspräsidenten von Venezuela Hugo Chávez am 5. März 2013 verhängten ebenfalls mehrere süd- und mittelamerikanische Staaten eine mehrtägige Staatstrauer.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Staatstrauer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Protokoll Inland der Bundesregierung. Website Staatsakte des Bundesministeriums des Innern im Portal protokoll-inland.de, abgerufen am 27. September 2012
  2. http://www.bz-berlin.de/archiv/angesichts-eines-solchen-dramas-ist-unsere-nation-geeint-article803677.html