Stallbach (Kristeinbach)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Stallbach
Stahlbach, Moosbachl, Bleicherbach; historisch: Espanbach, Thannbach, Lorcher Bach
Daten
Gewässerkennzahl AT: HZB:2-130-018, GGN:957
Lage bei Enns, Oberösterreich
Abfluss über Kristeinbach → Donau → Schwarzes Meer
Flussgebietseinheit Donau unterhalb Jochenstein (DUJ)
Quelle bei Dietach
48° 5′ 59″ N, 14° 25′ 35″ O
Quellhöhe 361 m ü. A. 
Mündung bei LorchKoordinaten: 48° 13′ 39″ N, 14° 28′ 25″ O
48° 13′ 39″ N, 14° 28′ 25″ O
Mündungshöhe 244 m ü. A. 
Höhenunterschied 117 m

Länge ca. 17 km
Einzugsgebiet ca. 20 km²[1]
Gemeinden Dietach, Kronstorf, Hargelsberg

Der Stallbach. auch Stahlbach, abschnittsweise auch Moosbachl, Bleicherbach ist ein kleines Gewässer bei Enns in Oberösterreich.

Lauf und Namengebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der etwa 17 Kilometer lange Bach entwässert die erste Talung des Traun-Enns-Riedellands westlich (donauaufwärts) der Enns.

Der Stallbach[2][3] entspringt zwischen Dietach und Stadlkirchen, wenige Kilometer nördlich von Steyr, und fließt anfangs ostwärts, nach einem knappen Kilometer aber hauptsächlich nordwärts. Er passiert die kleinen Orte Ober- und Unterstallbach, Sieding und Pirchhorn bei Hargelsberg.[2] Bei Thann kommt er dem linken Parallelbach, dem Thannerbach, bis auf 250 Meter nahe, Thann liegt leicht erhöht zwischen den beiden Bächen. Dann fließt er durch die Streusiedlung Moos, hier heißt er auch Moosbachl.[2]

Zwischen Eichberg und ForstbergSchmidberg (Stadtberg von Enns) erreicht der Stallbach das Linzer Feld und rinnt durch Lorch. Hier heißt er auch Bleicherbach[4] oder Lorcher Bach.[3] Etwas nördlich des Orts mündet er von rechts in den Kristeinbach, der selbst bald danach in die Donau mündet.

Hydrographie, Name und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stallbach ist primär der Name am Oberlauf.[2] die Ortslagen Stallbach dort finden sich noch im 18. Jahrhundert dialektal lang Stolbach geschrieben,[5] daher auch die Schreibung Stahlbach. Auch Moosbachl am Mittellauf und alt Thannbach und Lorcherbach beziehen sich auf die jeweiligen Orte Moos, Thann und Lorch. Den zweiten Namen führt verwechselbar auch der westlich benachbarte Thannerbach.[6] Eine Ableitung der alten Schreibung Lŏrahha/Loracha (977) für die Ortslage als Achen-Name zu einem alten Flussnamen Lauro/Lorch (Lorbach, Laurach, „Lorcherbach“) gilt als unzutreffend.[7]

Das Einzugsgebiet von etwa 20 km²[1] erstreckt sich östlich im Raum KronsdorfThaling–Enns bis auf wenige hundert Meter an die Enns heran, die sich dort in die Hochterrasse der Traun-Enns-Platte eingetieft hat, und eine Geländestufe, hierorts Leiten oder Wagram genannt, ausbildet. Der westliche (orograpisch linke) Teil des Einzugsgebiets ist zum Thannerbach hin knapp, steiler und kleinräumig gegliedert.[8] Der Bach hat keine nennenswerten Nebenbäche.

Wesentliche Teile des Wassers versickern in den Schottern des Linzer Feldes, sodass der direkte Eintrag in den Kristeinbach geringer ist als die Wasserführung etwa bei Enns.[9]

Der Bach wurde am Unterlauf schon in der Römerzeit umfangreich umgestaltet, neben der Wasserversorgung von Militär- wie Zivilstadt Lauriacum befüllte er den Wassergraben des Legionslagers.[3] Dieser (nicht präzise rechtwinklig) rechteckige Lagergraben, mit der nach Nordosten weisenden Hauptachse der Anlage, war noch im 18. Jahrhundert teilweise erhalten, und umfriedete das Gelände der Kirche Maria Anger.[10] Die Stadt-Enns-nahe Südostseite diente als Rossschwemme,[3] und später noch als Eisteich.[3][10] Dem Verlauf des Grabens entsprechen heute (ab Osten) Lorcher Straße (stückweise) – TeichwegBahnhofwegRömergraben mit teils direktem Bezug zur Befestigung (die Nordecke des Lagers ist durch die Westbahn abgeschnitten).

Werksgelände Büsscher & Hoffmann (2005, rechts der noch in Halbschale gelegte Stallbach vor Umleitung)

Der Bach wurde in den 1930er-Jahren hart reguliert.[8] Anders als der Kristeinbach ist der Stallbach aber im Ober- und Mittellauf nicht von Querbauwerken beeinträchtigt. Sein Uferbereich ist stekenweise noch relativ naturnah mit Gehölzsaum.[11] Juni 1996 kam es nach einem Gewitter-Schlagregen zu schwereren Überschwemmungen am Unterlauf.[12] 2015 wurde der Bach in Lorch, am Areal Büsscher & Hoffmann, das erweitert wurde, um dessen Nordrand verlegt und aufwändig mit einer künstlichen Mäanderstrecke und Parkgestaltung revitalisiert.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Universität für Bodenkultur (BOKU), Institut für Wildbach- und Lawinenschutz: Bleicherbach. Endbericht, im Auftrag der Stadtgemeinde Enns, Report 45, o. D. (ca. 1998; pdf, baunat.boku.ac.at).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Durch das flache Gelände schwer ermittelbar; das Flächenverzeichnis gibt 16,4723 km² in vier Detaileinzugsgebieten (online DORIS, s. o.); Lit. BOKU: Bleicherbach, S. 2/3 gibt ca. 26,9 km².
  2. a b c d Die alten Landesaufnahmen gaben keinen Namen; laut Österreichische Karte (BEV) Stallbach am Oberlauf (so auch Schreibung der Orte), Moosbachl am Mittellauf, Unterlauf unbeschriftet; das Flächenverzeichnis (HZB) gibt Moosbachl (im Oberlauf Stallbach); das Wasserbuch (Land Oberösterreich) gibt Stahlbach für das ganze Gewässer (alle online DORIS: Layer Gewässer: Kleine Gewässer respektive Detaileinzugsgebiete; Stand 2018).
  3. a b c d e Wiener Stadt- und Landesarchiv, Ludwig Boltzmann Institut für Stadtgeschichtsforschung (Hrsg.): Oberösterreichischer Städteatlas: Enns: Beschriftung der Karte „Espanbach oder Thannbach, ab dem 16. Jh. Bleicherbach, im Unterlauf nördlich des Legionslagers Lorcher Bach“ (99); mit Erfassung das römischen Wassergrabens und der historischen „Roßschwemme, später Eisteich“ (134) und Lagergraben (112) (online mapire.eu).
  4. Bleicherbach ist ortsüblich; als Adresse findet sich noch die Bleicherbachgasse beim alten Dorfkern Lorch.
  5. Die Josephinische Landesaufnahme (um 1780) gibt Unter und Ober Stolbach; die beiden jüngeren Landesaufnahmen führen schon Stall- (online mapire.eu).
  6. Es gibt noch ein zweites Thann weiter oben am Thannerbach.
  7. Detaillierte Etymologie siehe im Artikel Lorch: Geschichte.
  8. a b Lit. BOKU: Bleicherbach, Kapitel 2.1 Bachbeschreibung, S. 2 f; mit Karte; vergl. Fotobeilage nach S. 19.
  9. Amt der Oö. Landesregierung (Hrsg.): Gewässerschutz Bericht 24/2001: Traun-Enns-Platte. Linz 2001, insb. 4.1.1. Hydrographie: Kristeinerbach, S. 6 und 4.2. Hydrogeologie, S. 7 f (PDF, 88,5 MB; landesmuseum.at).
  10. a b Die Josephinische Landesaufnahme (um 1780) gibt den Graben noch an Nordwest- und teilweise Nordostseite, sowie zwei Eisteiche an der Südecke. (online mapire.eu).
  11. Amt der Oö. Landesregierung, Naturschutzabteilung (Hrsg.): Natur und Landschaft - Leitbilder für Oberösterreich. Band 38: Raumeinheit Traun-Enns-Riedelland. Linz 2007, Kapitel A5.4 Gewässersystem: Kristeinerbach (mit Feilbach, Penkinger Bach, Fällbach, Hagleitenbach, Igelbach, Thanner Bach, Simsenbergerbach und Fuchsbach), S. 21 (PDF, 6,8 MB; land-oberoesterreich.gv.at).
  12. Universität für Bodenkultur (BOKU), Institut für Wildbach- und Lawinenschutz: Bleicherbach/Moosbachl. Gutachten, Untersuchung über die Ursachen der Überschwemmung des Siedlungsgebietes Eichbergstraße / Dr. Adolf-Lenz-Weg in Enns durch den Bleicherbach am 9./10. Juni 1996, Report 31, Wien, Oktober 1996 (pdf, baunat.boku.ac.at).
  13. Spatenstich für die Renaturierung des Bleicherbaches bei Büsscher & Hoffmann. In: Ennser Wirtschaftsportal (ennser-wirtschaft.at), o. D. (2015, abgerufen 14. Juni 2018).