Pavao Skalić

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Pavao Skalić, Erfinder der Enzyklopädie
Titelseite der Skalićs "Encyclopaediae...", veröffentlicht 1559 in Basel

Pavao Skalić, auch Paul Skalich, Paul Scaliger, lateinisiert:[1] Paulus Scalichius [auch: Scaligius] de Lika, vorgeblicher „Fürst de la Scala“ (1570), „Graf zu Hun und Lycka“ (1571), „Markgraf von Verona“ (* 1534 in Zagreb[1]; † 1575 in Danzig[1]), war ein kroatischer Humanist, Priester und Universalgelehrter.

Außerdem war er ein Anhänger des Ramon Llull und Verfasser des ersten Werkes, in dessen Titel das Wort "Enzyklopädie" in der heutigen Bedeutung vorkommt[1]. Der Namenszusatz „de Lika“ kann bedeuten, dass seine Familie aus der kroatischen Region Lika stammt.

Skalić war Kanonikus in Münster, hatte zusammen mit dem Theologen Johann Funck großen Einfluss auf Herzog Albrecht I. von Brandenburg-Ansbach und wurde dadurch wohlhabend. Intrigen und Meinungsverschiedenheiten über religiöse Themen mit dem König von Polen führten zu Funcks Hinrichtung und zu Skalićs Flucht. Seine Güter wurden konfisziert.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pavao Skalić war der Sohn eines mittellosen Zagreber, der im schulischen Bereich tätig war. Nach dem Studium der Philosophie in Wien und dem Doktorat in Bologna (1552) schlug er sich auf der Grundlage gefälschter Urkunden und gefälschter Titel, unter anderem gab er sich als Graf und Baron aus, beispielsweise "Graf Scaliger" (kroatisch: grof Scaliger) bis auf verschiedene europäische Höfe durch. Er wurde Hofkapellan von Kaiser Ferdinand I.. Nach dieser Tätigkeit ging Pavao nach Tübingen und wechselte hier zum Protestantismus. Als Schützling Christophs von Wittenberg und Ungnads lehrte Skalić an der dortigen Hochschule. Ab 1561 wohnte er in Königsberg, wo Pavao ebenfalls an der hiesigen Universität Theologie dozierte und wurde Berater des Herzogs Albrecht von Preußen. Gezwungen durch die ausgedachten Titel und Genealogien flüchtete er 1566 nach Paris. Nachdem passierte Skalić Münster, kehrte zum Katholizismus zurück und verfasste gegen die Reformation gerichtete Schriften. Er verstarb auf dem Weg nach Preußen, als ihm die Rückkehr erlaubt wurde. [1]

Sein erstes gedrucktes Werk war 1553 Zaključci u svim vrstama znanosti (Conclusiones in omni genere scientiarum…; Deutsch: Schlussfolgerungen in allen Richtungen der Wissenschaft). Mit diesem zeigte Pavao Skalić Ambitionen eines Universalgelehrten.[1]

In der lateinischen Sprache schrieb er eine Reihe unterschiedlichster Inhalte. Diese waren unter anderem theologischer, philosophischer, okkultinistischer, historiographischer, polemischer (usw.) Natur. [1]

Im Titel seiner Arbeit Encyclopaediae seu orbis disciplinarum tam sacrarum quam profanarum epistemon (Znalac enciklopedije ili kruga svetih i svjetovnih disciplina) aus 1559 verwendete er den Begriff "Enzyklopädie" als erster im Zusammenhang mit der heutigen Bedeutung.[1]

Ansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Philosophie vertrat er die Ansicht, dass Gott den Menschen Weisheit schenkte. Ebenfalls sei die Philosophie eine Mysterie (»misterij«). Die Seele ist eine "saubere Handlung" (Kroatisch: čisti čin; lateinisch: actus purus), nichtmateriell und unverkäuflich.[1]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skalićs Encyclopaediae, seu orbis disciplinarum tam sacrarum quam prophanarum epistemon (ungefähr „E., oder Kompendium der theologischen und profanen Wissenschaften“) erschien 1559 in Basel. Weiters verfasste er, neben theologischen und philosophischen Werken, u.a. die musikalische Abhandlung Dialogus de Lyra, Köln 1570.

In seiner Enzyklopädie teilt er die Wissenschaften (disciplinae) zunächst in Philosophie und Theologie ein und unterteilt erstere:
Philosophie:

  1. die übernatürliche, auch Metaphysik oder Erste Philosophie genannt
  2. die natürliche (Naturphilosophie) mit Medizin und Physik
  3. die Mathematik mit Arithmetik, Musik, Geometrie und Sphaerica
    (letztere mit Calculatoria, Geodesia, Canonica, Astrologia, Optica, Mechanica)
  4. die moralische mit Ökonomie und Politik
  5. die rationale mit Grammatik, Geschichte, Dialektik, Rhetorik, Poetik

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerta Krabbel: Paul Skalich : ein Lebensbild aus dem 16. Jahrhundert. Münster: Borgmeyer 1915 (Diss. Univ. Münster)
  • Ulrich Dierse: Enzyklopädie. Bouvier, Bonn 1977, S. 11
  • Pavao Skalić = Paulus Scalichius: Epistemon : latinski i hrvatski. Priredila, uvod i komentare sast. Mihaela Girardi-Karšulin. Inst. za Filozofiju, Zagreb 2004, ISBN 953-7137-00-7
  • Ludwig Theodor ElzeSkalich, Paul. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 34, Duncker & Humblot, Leipzig 1892, S. 443 f.
  • Ludwig von Baczko: Geschichte Preußens. Band 3, Königsberg 1794, S. 270–291, online.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Skalić, Pavao | Hrvatska enciklopedija. Abgerufen am 13. Oktober 2017.