Steely Dan

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Steely Dan
Steely Dan in Luzern (2007)
Steely Dan in Luzern (2007)
Allgemeine Informationen
Herkunft Los Angeles, Vereinigte Staaten
Genre(s) Jazz-Rock, Pop-Rock
Gründung 1972, 1993
Auflösung 1981
Website www.steelydan.com
Aktuelle Besetzung
Donald Fagen (seit 1972)
Ehemalige Mitglieder
Walter Becker (1972–2017; † 2017)
Denny Dias (1972–1980)
Jeff „Skunk“ Baxter (1972–1974)
Jim Hodder (1972–1974) († 1990)[1]
David Palmer (1972–1973)[1]

Steely Dan ist eine 1972 von Walter Becker und Donald Fagen in Los Angeles gegründete Band, die in den 1970er Jahren mit der Veröffentlichung von sieben Studioalben ihre größten Erfolge hatte. Die Band tourte bis 1974 und wurde danach zeitweilig zur reinen Studioband.[1]

Ihre Musik verbindet Elemente aus Rock, Funk, R&B, Jazz und Pop.[1] Die Songtexte zeichnen sich oft durch Ironie und Sarkasmus aus.[2] Der Name der Band wurde William S. Burroughs’ Roman Naked Lunch entliehen und bezeichnet dort einen stählernen Dildo.

Steely Dan hat bis heute über 30 Millionen Tonträger verkauft und wurde 2001 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.[3] Zu den bekannten Songs der Band gehören Do It Again, Rikki Don’t Lose That Number, Peg und Hey Nineteen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Becker und Donald Fagen hatten sich Ende der 1960er-Jahre am Bard College in New York kennengelernt und bemerkten schnell ihre Übereinstimmungen, was die Musik betraf. Sie entwickelten einen sehr eigenen, anspruchsvollen Stil mit Elementen aus Rock, Funk und Blues (unter anderem amerikanisches Songwriting der 1930er- und 40er-Jahre). Auch ein ausgeprägter Jazzeinfluss ist zu hören, etwa im Stück Rikki Don’t Lose That Number (1974), das im Intro den Pianisten Horace Silver zitiert. Im Stück Parker’s Band nahmen Steely Dan explizit Bezug auf Charlie Parker. Fast alle Songs sind von Walter Becker und Donald Fagen als Duo geschrieben worden.

Nachdem Becker und Fagen zwischen 1968 und 1971 zahlreiche Demo-Aufnahmen von Eigenkompositionen – teilweise auch unter Beteiligung von Denny Dias – eingespielt hatten, formierte sich Steely Dan im Jahr 1972 mit folgender Besetzung: Donald Fagen (Gesang und Keyboards), Walter Becker (Bass), Denny Dias (Gitarre), Jeff „Skunk“ Baxter (Gitarre), Jim Hodder (Schlagzeug, Gesang) und David Palmer (Gesang). Auf ihrem ersten Album Can’t Buy a Thrill wirkte Elliott Randall als Gastgitarrist mit. 1974 ging die Band auf Tournee. Verstärkt wurde sie hierbei von Michael McDonald (Gesang, Keyboards), Jeff Porcaro (Schlagzeug) und Royce Jones (Gesang und Percussion).

Hauptphase und Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1974 wurde nach der Support-Tour für Pretzel Logic das Projekt Steely Dan von Fagen und Becker als Duo nur noch im Studio fortgesetzt, wobei sie von einer zunehmenden Anzahl von Studiomusikern bei der Einspielung ihrer Alben unterstützt wurden. Aus der alten Band wurde lediglich Denny Dias gelegentlich als bezahlter Studiomusiker eingesetzt. Auch McDonald und Porcaro wirkten noch vereinzelt mit. McDonald folgte deshalb Baxter zu den Doobie Brothers, Porcaro wurde 1977 neben David Paich, der auch Steely-Dan-Songs mit eingespielt hatte, einer der Mitbegründer von Toto. Von 1975 bis 1980 produzierte Steely Dan vier von der Kritik hoch bewertete Alben.[4] Nach der Veröffentlichung des Albums „Gaucho“ im Jahr 1980 lösten Becker und Fagen Steely Dan vorerst auf.

Trennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeit an Gaucho war von schweren Problemen Fagens und Beckers überschattet. Die Freundin Beckers starb an einer Drogenüberdosis, was ihm zur Last gelegt wurde, und auch er hatte mit seiner Heroinabhängigkeit zu kämpfen. Zudem hatte Becker einen schweren Verkehrsunfall, bei dem er sich einen mehrfachen Beinbruch zuzog und wochenlang auf Krücken angewiesen war. Walter Becker zog nach Hawaii, wo er sich im Laufe der nächsten Jahre von seinen Drogenproblemen befreien konnte.

Zudem beabsichtigten die beiden, die Plattenfirma zu wechseln, was ihr altes Plattenlabel jedoch juristisch verhinderte. Donald Fagen begann daher mit Solo-Aufnahmen.

Wiedervereinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1993 waren Steely Dan wieder vereint und tourten durch die USA (Alive In America). 1996 folgte die erste Welttournee, die sie auch nach Deutschland (Alive in Germany) führte. Im Jahr 2000 veröffentlichten Steely Dan ihr erstes Studioalbum nach zwanzig Jahren. Two Against Nature erhielt im Februar 2001 vier Grammys und war damit ein Überraschungserfolg. Es gewann in den Kategorien „Best engineered album non-classical“, „Best pop vocal album“, „Best performance by a duo or group with vocal“ für den Song Cousin Dupree, sowie „Best album of the year“.

2001 wurden Steely Dan in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.[5] Im Juni 2003 schließlich erschien das Album Everything Must Go. 2006 tourten Steely Dan in den USA zusammen mit Michael McDonald. 2007 kam es erstmals seit 2000 wieder zu einer großen Welttournee durch Amerika, Europa und Japan. Am 3. September 2017 starb Walter Becker; bis kurz vor seinem Tod war die Band noch auf Tournee gewesen. Am 13. Oktober 2017 setzte Fagen mit seiner Liveband die Tour von Steely Dan fort.[6]

Produktionsstil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gitarrist Dean Parks bezeichnete in der Fernsehserie Classic Albums den Produktionsstil des Albums Aja von Steely Dan als „one step beyond perfection“: Man arrangiert einen Titel bis zur absoluten Perfektion, um ihn dann nochmals zur Gänze von vorne einzuspielen, um es ein wenig aufzulockern („to loosen it up a little bit“). Es kam nicht selten vor, dass Gastmusiker, auch aufgrund der oft harten Kritik von Becker und Fagen, entnervt das Studio verließen. Sämtliche Steely-Dan-Alben von 1972 bis 1980 wurden gemeinsam mit dem Produzenten Gary Katz produziert.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Steely Dan/Diskografie

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[7][8] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US
1972 Can’t Buy a Thrill
300! 38 Silber
(1 Wo.)
17 Platin
(59 Wo.)
Erstveröffentlichung: Oktober 1972
Charteintritt in UK erst im September 1975
Produzent: Gary Katz
1973 Countdown to Ecstasy
300! 300! 35 Gold
(34 Wo.)
Erstveröffentlichung: Juli 1973
Produzent: Gary Katz
1974 Pretzel Logic
300! 37 Silber
(2 Wo.)
8 Platin
(36 Wo.)
Erstveröffentlichung: März 1974
Produzent: Gary Katz
1975 Katy Lied
300! 13 Silber
(6 Wo.)
13 Platin
(26 Wo.)
Erstveröffentlichung: März 1975
Produzent: Gary Katz
1976 The Royal Scam
300! 11
(13 Wo.)
15 Platin
(29 Wo.)
Erstveröffentlichung: Mai 1976
Produzent: Gary Katz
1977 Aja
300! 5 Silber
(10 Wo.)
3 Doppelplatin
(60 Wo.)
Erstveröffentlichung: September 1977
Produzent: Gary Katz
1980 Gaucho
57
(2 Wo.)
27
(12 Wo.)
9 Platin
(36 Wo.)
Erstveröffentlichung: 21. November 1980
Produzent: Gary Katz
2000 Two Against Nature
11
(8 Wo.)
11 Silber
(6 Wo.)
6 Platin
(30 Wo.)
Erstveröffentlichung: 29. Februar 2000
Grammys (Album des Jahres + Bestes Popalbum)
Produzenten: Donald Fagen, Walter Becker
2003 Everything Must Go
29
(7 Wo.)
21
(3 Wo.)
9
(12 Wo.)
Erstveröffentlichung: 10. Juni 2003
Produzenten: Donald Fagen, Walter Becker

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der britische Buchautor Ricky Rooksby hat in seinem Lehrbuch für Songwriting How to write a song on guitar (auch auf Deutsch erschienen) ein kurzes Fagen-Zitat aufgenommen, in dem Fagen selbst zu einem Akkordtyp Stellung nimmt, der den Bandnamen trägt: der „Steely-Dan-Akkord“. Dieser Akkord besteht aus dem Grundton, der kleinen Septime sowie zwei über diese geschichteten Quarten: (None, Quinte und Grundton eines gedachten Dur-Akkords, zum Beispiel E-D-G-C). Nur ganz wenige Akkorde in der Musikgeschichte überhaupt bekamen eigene Namen, darunter der „So-What-Akkord“ von Miles Davis des gleichnamigen Jazzstandards, „Tristan-Akkord“ aus Richard Wagners Oper Tristan und Isolde und der „Prometheus-Akkord“ (auch Mystischer Akkord genannt) des Komponisten Aleksandr Skrijabin. Der Name „Steely-Dan-Akkord“ ist aber weder allgemein bekannt noch musikwissenschaftlich fundiert. Er repräsentiert lediglich ein Akkordklangbild (sogenanntes Voicing), das Donald Fagen bevorzugt benutzt hat. Mit einer chromatischen Sequenz und diesem Voicing an jeder zweiten Position beginnen gleich zwei Stücke des Albums Aja: Peg und Deacon Blues.
  • 1978 entwickelte Steely Dans langjähriger Toningenieur Roger Nichols speziell für die Produktion von Gaucho den WENDEL, einen digitalen Drumcomputer – er gilt als der erste Sampler, der je auf einer Schallplatte verewigt wurde. Auslöser dafür war der Perfektionsdrang Beckers und Fagens, die mit der Präzision menschlicher Schlagzeuger nicht zufrieden waren. Das Gerät ist ein Einzelstück und niemals offiziell in den Handel gelangt. Allerdings gab es eine weiterentwickelte Version, die als Kleinserie aufgelegt wurde und heute hohe Preise erzielt.[10]
  • In Folge 4 der zweiten Staffel von Breaking Bad wird deutlich, dass die Hauptfigur Walter White ein großer Steely-Dan-Fan ist.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Stephen Thomas Erlewine: All Music Guide - Steely Dan: Biography. Abgerufen am 10. Mai 2011.
  2. Steely Dan – laut.de – Band
  3. Rock and Roll Hall of Fame: Inductees
  4. von der Kritik hoch bewertete Alben Allmusic, 29. Januar 2012
  5. Rock and Roll Hall of Fame: Steely Dan in der Rock and Roll Hall of Fame
  6. Steely Dan Announce Tour Following Walter Becker's Death auf rollingstone.com, abgerufen am 18. Oktober 2017
  7. Chartquellen: Singles Alben DE UK US2
  8. Gold-/Platin-Datenbanken: DE AT CH UK US
  9. Yacht Rock auf channel101.com
  10. Wendel: The Amazing Drum Machine

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Irwin Stambler: The Encyclopedia Of Pop, Rock And Soul. 3. überarbeitete Auflage, St. Martin’s Press, New York 1989, ISBN 0-312-02573-4, S. 643–645.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]