Steinerne Jungfrau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Steinerne Jungfrau Dölauer Jungfrau, Heidenstein, Langer Stein
Der Menhir „Steinerne Jungfrau“ in Halle-Dölau

Der Menhir „Steinerne Jungfrau“ in Halle-Dölau

Steinerne Jungfrau (Sachsen-Anhalt)
Red pog.svg
Koordinaten 51° 31′ 9″ N, 11° 52′ 46″ OKoordinaten: 51° 31′ 9″ N, 11° 52′ 46″ O
Ort Halle (Saale), Sachsen-Anhalt, Deutschland

Die Steinerne Jungfrau (alternativ auch Dölauer Jungfrau, Heidenstein oder Langer Stein genannt) ist ein vorgeschichtlicher Menhir in Dölau, einem Stadtteil von Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt, Mit einer Höhe von ca. 5,5 m ist sie nach dem Gollenstein bei Blieskastel im Saarland der zweitgrößte Menhir Mitteleuropas. Die Steinerne Jungfrau ist im örtlichen Denkmalverzeichnis als Bodendenkmal eingetragen.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stein befindet sich am nördlichen Ortsrand von Dölau am leicht abfallenden Südosthang einer Geländeerhebung. Er ist über den von der Neuragoczystraße abzweigenden Jungfrauenweg erreichbar und mit einer Informationstafel versehen. In unmittelbarer Nähe des Steins befindet sich die Kleingartenanlage Steinerne Jungfrau, die nach dem Menhir benannt ist.

In der näheren Umgebung gibt es zahlreiche weitere vorgeschichtliche Fundorte. Südöstlich in der Dölauer Heide befinden sich 36 Grabhügel, eine jungsteinzeitliche Siedlung auf der Bischofswiese sowie die Steinkiste am Waldkater. 3 km nordöstlich befindet sich der Menhir von Morl. Ostnordöstlich bei Morl und nördlich bei Brachwitz liegen weitere Grabhügel.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Steinerne Jungfrau mit herabgestürzten Bruchstücken im Vordergrund

Der Menhir besteht aus grauweißem Braunkohlenquarzit, der durch Verschmutzung größtenteils dunkelgrau bis schwarz verfärbt ist. Er hat einen etwa C-förmigen Querschnitt und eine stark zerklüftete Oberfläche. Zudem geht ein deutlich sichtbarer Riss durch den Stein.[2] Seine Breite beträgt 2,6 m und seine Tiefe 1,55 m.[3] Zur Höhe existieren unterschiedliche Angaben. Waldtraut Schrickel gab 1957 5,8 m an[4], in neuerer Literatur, bspw. Bodo Wernhörner/Ralf Schwarz oder Britta Schulze-Thulin sind hingegen nur 5,5 m angegeben.[5][6] Ursprünglich war er wohl noch höher. Christian Keferstein vermutete 1846 eine ursprüngliche Höhe von 25 Fuß (etwa 8 m).[7] Herumliegende Bruchstücke belegen, dass durch Verwitterung immer wieder Teile des Menhirs abgebrochen sind. Zuletzt war dies 1890 der Fall. Da jedoch Johann Christoph von Dreyhaupts Höhenangabe von 8,5 Ellen im Jahr 1755[8] in etwa mit der heutigen Höhe übereinstimmt, scheinen in den letzten Jahrhunderten lediglich von den Seiten des Menhirs Bruchstücke abgebrochen zu sein. Die Abbrüche von seiner Spitze fallen in die Zeit vor den ersten schriftlichen Erwähnungen und seine ursprüngliche Höhe ist damit nicht sicher zu bestimmen.

Unklar ist, ob die Steinerne Jungfrau ursprünglich Teil einer Gruppe von Menhiren war. Auf einer Karte von 1840 werden „drei Steinerne Jungfrauen“ erwähnt.[4] Dreyhaupt nenn hingegen bereits 1755 nur einen Stein.[8]

Funde aus der Umgebung des Menhirs stammen aus Schnurkeramik, der Vollbronzezeit, der Eisenzeit, dem slawischen Frühmittelalter und dem Mittelalter.[4]

Der Menhir in Brauchtum und Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingeschlagener Eisennagel

Im Mittelalter wurde der Menhir als Nagelstein genutzt, wie noch heute eine Reihe Nägel belegen. Zudem gibt es eine Überlieferung, nach der nur bei Platzregen oder Gewitter Nägel eingeschlagen werden können.[4]

Nach einer weiteren Überlieferung mussten die drei Pfarrer der umliegenden Orte abwechselnd einmal jährlich am Menhir eine Messe abhalten, was deutlich dessen besondere lokale Bedeutung belegt.[7]

Eine Sage berichtet, dass sich einst eine (Riesen-)Jungfrau während eines Unwetters auf dem Heimweg vom Einkauf befand. Um Pfützen und Schlamm zu überqueren, ohne sich zu beschmutzen, beging sie schließlich den Frevel, ein gerade gekauftes Brot in den Schmutz zu werfen, um darüber zu steigen. Sie wurde auf der Stelle zu Stein verwandelt. Eine Variante dieser Sage schreibt den gleichen Frevel einer Mutter mit zwei Kindern zu. In einer weiteren Abwandlung war es ein Mädchen, das nach Lettin zum Tanz wollte.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Jürgen Beier: Die megalithischen, submegalithischen und pseudomegalithischen Bauten sowie die Menhire zwischen Ostsee und Thüringer Wald. Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 1. Wilkau-Haßlau 1991, S. 65.
  • Johann Christoph von Dreyhaupt: Pagus Neletici et Nudzici oder Ausführliche diplomatisch-historische Beschreibung des zum ehemaligen Primat und Erzstift nunmehr aber durch den westphälischen Friedensschluß secularisierten Herzogthum Magdeburg gehörenden Saalkreyses. Band 2, 1755, S. 895 (Online).
  • Johannes Felix, Max Näbe: Über Beziehungen von Steindenkmälern und erratischen Blöcken zum Kultus, zu Sagen und Volksgebräuchen. In: Sitzungsberichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Leipzig. Band 42, 1915, S. 7–8.
  • Klaus Friedrich, Betül Sahin, Manfred Frühauf (Hrsg.): Halle und sein Umland. Geographischer Exkursionsführer. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2002, ISBN 3-89812-167-4.
  • Alfred Götze, Paul Höfer, Paul Zschiesche: Die vor- und frühgeschichtlichen Altertümer Thüringens. Kabitzsch, Würzburg 1909, S. 8 (Online).
  • Johannes Groht: Menhire in Deutschland. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2013, ISBN 978-3-943904-18-5, S. 450.
  • Christian Keferstein: Ansichten über keltische Alterthümer, die Kelten überhaupt und besonders in Teutschland. Band I, Halle 1846, S. 24 (Online).
  • Horst Kirchner: Die Menhire in Mitteleuropa und der Menhirgedanke. Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse, Jahrgang 1955, Nr. 9, Wiesbaden 1955, S. 178.
  • Waldtraut Schrickel: Westeuropäische Elemente im Neolithikum und in der frühen Bronzezeit Mitteldeutschlands. Teil I. Katalog. Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden, Band 5, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1957, S. 38–39.
  • Siegmar Schultze: Die Geschichte des Saalkreises von den ältesten Zeiten ab. Halle 1912, S. 63.
  • Britta Schulze-Thulin: Großsteingräber und Menhire. Sachsen-Anhalt • Thüringen • Sachsen. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2007, ISBN 978-3-89812-428-7, S. 95–96.
  • Bodo Wemhöner: Kleindenkmale im Stadtkreis Halle – Eine Bestandsaufnahme. In: Archäologie in Sachsen-Anhalt. N. F. Band 2, 2004, S. 73–80.
  • Bodo Wernhörner, Ralf Schwarz: Halle und der Saalkreis. Herausgegeben von Harald Meller. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2006, ISBN 3-910010-97-X, (Routen der Archäologie 1).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Steinerne Jungfrau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 25.02.2016 Drucksache 6/4829 (KA 6/9061) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt
  2. Johannes Groht: Menhire in Deutschland. 2013, S. 450.
  3. Waldtraut Schrickel: Westeuropäische Elemente im Neolithikum und in der frühen Bronzezeit Mitteldeutschlands. Teil I. Katalog. S. 38.
  4. a b c d e Waldtraut Schrickel: Westeuropäische Elemente im Neolithikum und in der frühen Bronzezeit Mitteldeutschlands. Teil I. Katalog. S. 39.
  5. Bodo Wernhörner, Ralf Schwarz: Halle und der Saalkreis. 2006, S. 64.
  6. Britta Schulze-Thulin: Großsteingräber und Menhire. Sachsen-Anhalt • Thüringen • Sachsen. 2007, S. 96.
  7. a b Christian Keferstein: Ansichten über keltische Alterthümer, die Kelten überhaupt und besonders in Teutschland. 1846, S. 24.
  8. a b Johann Christoph von Dreyhaupt: Pagus Neletici et Nudzici. Band 2, 1755, S. 895.