Lettin (Halle)

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Wappen von Halle (Saale)
Lettin
Stadtteil von Halle (Saale)
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Über dieses Bild
Koordinaten 51° 31′ 29″ N, 11° 54′ 33″ OKoordinaten: 51° 31′ 29″ N, 11° 54′ 33″ O.
Höhe 89 m ü. NN
Einwohner 1060 (31. Dez. 2018)
Eingemeindung 1. Jul. 1950
Postleitzahl 06120
Vorwahl 0345
Verkehrsanbindung
Bus 21

Die Ortslage Lettin ist neben Heide-Nord/Blumenau ein weiteres Stadtviertel des Stadtteils Lettin, Stadtbezirk West, von Halle (Saale)[1] in Sachsen-Anhalt. Es liegt im Nordwesten der Stadt am Ufer der Saale nördlich des Viertels Heide-Nord/Blumenau und des Stadtteils Dölau. Ende 2018 hatte Lettin 1060 Einwohner.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Lettin im Winter, im Hintergrund der Petersberg

Lettin liegt am Nordrand des Stadtbezirks West der Stadt Halle im südlichen Sachsen Anhalt südlich und westlich der Saale. Im Osten befindet sich der Hafen von Halle und das Industriegebiet Nord mit einem Heizkraftwerk. Durch den Ort führt in einem Bogen der Straßenzug Nordstraße – Schiepziger Straße aus Richtung Kröllwitz und Halle-Neustadt im Süden nach Schiepzig und Salzmünde im Westen. Davon zweigt im Zentrum des Stadtteiles nach Süden die alte Chaussee nach Dölau ab, die jedoch nicht mehr vollständig befahrbar ist und über die man nun in das Stadtviertel Heide-Nord/Blumenau gelangt. Zwischen Nordstraße und Kirchstraße befindet sich die Kirche St. Wenzel, der Friedhof von Lettin liegt ca. 500 m südöstlich davon. Direkt südlich des Friedhofes liegt der Sportplatz des VFB Lettin 07 e.V. Am Blumenauweg in Richtung Heide-Nord liegt die Hauptwerkstadt der Halleschen Behindertenwerkstätten.[3]

Westlich von Lettin lag im Saaletal die Quelle von Bad Neuragoczy, in der wegen der Halle-Störung[4] brom- und eisenhaltiges Wasser zu Tage treten. Im vergangenen Jahrhundert gab es dort eine Heilanstalt mit Parkanlage, später wurde dort Mineralwasser abgefüllt. Als 1988 durch die Landwirtschaft die Nitratbelastungen zu hoch wurden, wurde die Nutzung aufgegeben.[5]

Lettin hatte einst seit 1936 eine Kleingartenanlage im Saaletal im Norden, doch wurde diese wegen wiederkehrender Hochwasserereignisse der Saale, zum Beispiel das Hochwasser 2013, stillgelegt. Anschließend wurde das Gelände geplündert und soll zur landwirtschaftlich genutzten Fläche werden.[6]

Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nördlich des Stadtviertels befinden sich die Brachwitzer Porphyrkuppen, die Franzigmark und das Saaletal. Im Westen von Lettin liegt das Naturschutzgebiet der Lunzberge. In Lettin hat der Haßgraben seinen Ursprung, der über den Hechtgraben der Saale zufließt. Im Südosten von Lettin liegen die Brandberge, ein Naturschutzgebiet mit einer flachen Rhyolith-Kuppe. Etwa einen Kilometer im Süden befindet sich das Waldgebiet der Dölauer Heide.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche St. Wenzel

Zahlreiche Grabhügel belegen eine Besiedlung der Gegend von Lettin bereits im Neolithikum. Bei Dölau gibt es den Menhir der Steinernen Jungfrau.

In einem zwischen 881 und 899 entstandenen Verzeichnis des Zehnten des Klosters Hersfeld wird Lettin als zehntpflichtiger Ort Liudineburg im Friesenfeld erstmals urkundlich erwähnt. In der Umgebung von Lettin gibt es zwei Wüstungen mit dem Namen Motisch.

Lettin gehörte zum Amt Giebichenstein im Saalkreis des Erzstifts Magdeburg.[7] 1680 kam der Ort mit dem Saalkreis zum Herzogtum Magdeburg unter brandenburg-preußischer Herrschaft.

Mit dem Frieden von Tilsit wurde Lettin im Jahr 1807 dem Königreich Westphalen angegliedert und dem Distrikt Halle im Departement der Saale zugeordnet. Der Ort gehörte zum Kanton Halle-Land.[8] Nach der Niederlage Napoleons und dem Ende des Königreichs Westphalen erreichten die verbündeten Gegner Napoleons Anfang Oktober 1813 den Saalkreis. Bei der politischen Neuordnung nach dem Wiener Kongress 1815 wurde der Ort im Jahr 1816 dem Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen angeschlossen und dem Saalkreis zugeordnet.[9]

1858 entstand die Porzellanmanufaktur Heinrich Baensch, die einfaches Tafelgeschirr und dekorierte Einzelstücke herstellte. 1990 wurde die Produktion eingestellt. Die Marke Lettiner Porzellan für Kleinplastiken und Medaillen verschiedener Künstler wurde 2008 wiederbelebt.[10]

Am 1. Juli 1950 wurde Lettin nach Halle (Saale) eingemeindet.[11]

Am Abend des 7. Juli 2015 zog ein schweres Unwetter über Lettin. Dabei wurden Dächer abgedeckt und Bäume entwurzelt. Besonders schlimm traf es die Sea-Horse-Ranch, deren Gebäude verwüstet wurden und deren Pferde ums Leben kamen. Manche Anwohner berichteten von einem Tornado.[12]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erschlossen wird Lettin durch die Busse der Hallesche Verkehrs-AG, im Stadtviertel existieren vier Haltestellenpaare. Die dort verkehrende Linie 21 verbindet Lettin mit der Endhaltestelle Kröllwitz in der einen Richtung und Halle-Neustadt in der anderen Richtung.[13]

Westlich von Lettin soll mit der Bundesautobahn 143 eine Abfahrt namens Salzmünde entstehen, die auch Lettin anbindet. Der Bau dieser Autobahn wird jedoch seit Jahren vom NABU Halle erfolgreich verhindert.[14]

Flächen für eine mögliche Südumfahrung Lettins sowie eine mögliche Straßenbahnstrecke von Lettin zur Endhaltestelle Kröllwitz werden im Flächennutzungsplan der Stadt Halle freigehalten.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lettin (Halle) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • https://halle.de – Das Stadtviertel Ortslage Lettin auf der Website der Stadt Halle.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Halle (Saale): Stadtviertel (Online). Zugriff am 23. April 2019.
  2. Stadt Halle (Saale), Fachbereich Einwohnerwesen: Halle in Zahlen 2018. Online veröffentlicht unter https://halle.de im Jahr 2019.
  3. Website der Halleschen Behindertenwerkstätten (Online). Zugriff am 23. April 2019.
  4. Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB): Tektonische Übersichtskarte (Online). Zugriff am 23. April 2019.
  5. Kornelia Privenau: Historie Lohntüten-Ball in Neuragoczy. Online veröffentlicht auf https://mz-web.de am 12. Juli 2010.
  6. Oliver Müller-Lorey: Gartentraum in Trümmern Kleingartenanlage in Lettin ist zerstört und geplündert. Online veröffentlicht auf https://mz-web.de am 11. Mai 2016.
  7. Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. 1. Teil, 5. Band. (Volltext Online), S. 125, Schwickertscher Verlag, Leipzig 1808.
  8. Rolf Willmanns: Das Saaledepartement. Veröffentlicht online auf https://www.willmanns.ch, 2009.
  9. Uli Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900, auf seiner Website http://www.gemeindeverzeichnis.de. Zugriff am 23. April 2019.
  10. Thomas Steuber: https://lettiner-porzellan.de, abgerufen am 6. Oktober 2017.
  11. Verein für Computergenealogie (CompGen) e. V.: Halle (Saale). Online verfügbar auf https://gov.genealogy.net, Zugriff am 23. April 2019.
  12. MZ-Redaktion: Unwetter über Halle Das war der Tag nach dem Sturm. Online veröffentlicht auf https://mz-web.de am 8. Juli 2015.
  13. Stadtwerke Halle, HAVAG: Liniennetz- und Tarifzonenplan (Online), Zugriff am 23. April 2019.
  14. NABU Regionalverband Halle/ Saalkreis e.V.: Für den Erhalt des Unteren Saaletals ohne Autobahn. (Online), Zugriff am 23. April 2019.
  15. Stadt Halle (Saale): Flächennutzungsplan (Online), Zugriff am 23. April 2019.