Siegmar von Schultze-Galléra

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gedenktafel für Schultze-Galléra in der Kirchenruine Granau

Siegmar Baron von Galléra, auch Schultze-Galléra, (* 6. Januar 1865 in Magdeburg; † 15. September 1945 in Nietleben) war ein deutscher Schriftsteller und Heimatforscher.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde als Siegmar Schultze geboren, 1904 von Baron Arthur von Galléra adoptiert. Schultze-Galléra studierte Germanistik, alte Sprachen, Geschichte und Rechtswissenschaften in Halle. Nach Promotion 1887 und Habilitation 1892 war er als Privatdozent an der Universität Halle tätig. 1943 wurde seine Dozentur wegen „nichtarischer Abstammung“ für „erloschen“ erklärt.[1]

Ab etwa 1910 widmete er sich der Heimatgeschichte der Stadt Halle und des Saalkreises. Er verfasste 26 Bücher und ca. 1000 Zeitungsartikel zu heimatgeschichtlichen Themen.

Bedingt durch den namensgeschichtlichen Hintergrund publizierte er unter mehreren Namen. Die Habilitationsurkunde der Universität Halle weist noch den Namen Schultze aus. Später benutzte er sowohl die Namenskombination Schultze-Galléra wie auch Baron von Galléra oder auch das Pseudonym „Aigremont“.

Schultze-Galléra gehört zu den Begründern einer wissenschaftlichen Regionalgeschichte. Obwohl auch heute noch gern aus seinen Werken zitiert wird, sind viele seiner Schriften überholt. Fehlende Quellenangaben ermöglichen es teilweise nicht, die von ihm aufgestellten Hypothesen zu überprüfen. In seinem Tagebuch Aus meinem Leben hielt er fest, zu befürchten, andere Kollegen könnten ihm seine wissenschaftliche Arbeiten streitig machen.[2]

1893 heiratete er Lucia Lözius, die Tochter eines Pferdehändlers, welcher in Halle eine Rennbahn baute, die später zum Walhalla-Theater umgebaut wurde. Der Sohn Karl Siegmar Baron von Galléra war ebenfalls Historiker und „ein nationalsozialistischer Bestsellerautor“.[3]

Schultze-Galléras Grab befindet sich auf dem Friedhof der Wüstung Granau, die heute zu Nietleben, einem Stadtteil von Halle (Saale), gehört.

Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1999 benannte die Stadt Halle ihm zu Ehren im Stadtteil Halle-Nietleben einen Weg.

An der Innenseite der Nordwand der Kirchenruine Granau befindet sich eine Gedenktafel anlässlich des 100. Geburtstages, geschaffen von Martin Wetzel 1967.

Namensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name „Schultze“ geht auf einen sechs Generationen währenden Kampf der Familie um die Rückgabe des Namens zurück, unter dem sie im mitteldeutschen Raum als eine der Saalkreisfamilien bekannt wurde: Aus dem Winckel. Des Namens verlustig ging die Familie im 18. Jahrhundert durch eine politisch und konfessionell nicht akzeptierte Liebesheirat von Christian Wilhelm Freiherrn aus dem Winkel-Schierau und Christine Elisabeth Maria Reichsgräfin von Anhalt. Mit der Adoption durch Arthur Baron von Galléra im Jahre 1904 wurde gemäß dem Familienverständnis das als rechtswidrig empfundene Verbot, den Namen weiter zu führen, beseitigt. Rein namensrechtlich gesehen besteht die Familie heute als „Barone von Galléra“ und „Freiherrn aus dem Winkel-Schierau“ weiter.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionalgeschichte

  • Die Burg Wettin und die Wettiner. 1912.
  • Die Unterburg Giebichenstein, mit Berücksichtigung der Oberburg und der Alten Burg. Otto Hendel Verlag, Halle a. S. 1913.
  • Giebichenstein. Alte Burg, Oberburg und Unterburg. Eine ausführliche Widerlegung des Herrn Rauchfuß nebst neuen Beiträgen. 1914.
  • Wanderungen durch den Saalkreis. 5 Bände, 1913, 1914, 1920, 1921, 1924.
  • Die Juden zu Halle im Mittelalter. 1922.
  • Topographie der Burg Wettin nach neueren Forschungen. In: Kalender für Halle. 1922.
  • 100 Jahre Rittergutsgose. 1924.
  • Das mittelalterliche Halle. 2 Bände, 1925.
  • Die Burg Wettin : Ihre Baugeschichte und ihre Bewohner. Verlag Wilhelm Hendrichs, Halle an der Saale 1926.
  • Die alten und auch neuen Gasthöfe von Halle – Ihre Namen, Wahrzeichen und Geschichte. 1928.
  • Schloß und Bad Seeburg und Umgebung nebst dem ehemaligen Salzigen See. 1928.
  • Die Stadt Halle. Ihre Geschichte und Kultur. Ein Buch für Haus und Schule. 1930.
  • Kurze Geschichte und Beschreibung der Burg Wettin nebst Wettiner Sagen. 1930.
  • Hallisches Dunkel- und Nachtleben im 18. Jahrhundert. 1930.
  • Halle im Rokoko. Ein Stadtkulturbild aus der Zeit Friedrichs des Großen. 1930.
  • Die Häusernamen und Häuserwahrzeichen der Privathäuser, Gasthöfe, Salzsiedehäuser, Apotheken und Logen in Halle. 1931.
  • Der Giebichenstein als Gesamtburg. Alte Burg, Oberburg und Unterburg. 1933.
  • Der Petersberg und sein Augustiner Chorherrenstift. 1933.
  • Die Hallesche Heide einst und jetzt und der Lintbusch als ehemaliger städtischer Besitz. 1933.

Literatur und Nachdichtungen

  • Im Sturm der Zeit. Gedichte. Halle 1904.
  • Im Reiche der Phäaken. Novellen. Halle 1905.
  • Der Antichrist. Ein Traum. Gedicht in fünf Gesängen. Halle 1907.
  • Schön Ännchen von Gottgau. Eine alte Sage aus dem Saalkreise nebst einem Nachwort. 1914.
  • Der Hüttenmeister von Dornitz. Eine Geschichte aus dem Saalkreise zur Zeit des 30jährigen Krieges. Dresden 1915.
  • Die Sagen der Stadt Halle und des Saalkreises. 1922.

Literaturwissenschaft

  • Wege und Ziele deutscher Litteratur und Kunst. Berlin 1892.
  • Der junge Goethe. Ein Bild seiner inneren Entwicklung (1749–1776). Halle 1894.
  • Der Zeitgeist der modernen Litteratur Europas. Einige Kapitel zur vergleichenden Litteraturgeschichte. Halle 1895.
  • Die Zeitseele in der modernen Litteratur und Kunst. Halle 1898.
  • Falk und Goethe. Ihre Beziehungen zu einander nach neuen handschriftlichen Quellen. Halle 1900.
  • Die Erhöhung des Menschen in der modernen Kunst und Litteratur. Ein Beitrag zur Erkenntnis des neuen Zeitgeistes. Halle 1902.
  • Schiller. Vortrag zur Gedenkfeier. Halle 1905.
  • Die Entwicklung des Naturgefühs in der deutschen Litteratur des neunzehnten Jahrhunderts. Halle 1907.

anderes

  • Die Körperkultur der antiken und modernen Menschheit. Ernst Trensinger Verlag, Halle an der Saale 1908.
  • Englands Krieg, Infamie, Gericht. 1914.
  • Auch einer? Ein Dank an meine Freunde. 1920.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Diemann: Schultze-Galléra. Heimatforscher für Halle und den Saalkreis. Werk und Leben. Bürgerverein Lieskau, Salzatal 2017, ISBN 978-3-938642-85-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. catalogus-professorum-halensis
  2. Familienarchiv der Familie von Gallera/Aus dem Winkel. Dieses war bis 1990 vor dem Zugriff durch die DDR-Behörden in Gewölben des Schlosses Burgscheidungen untergebracht und wurde 1990 dem damaligen Chef des Hauses, Herman Gero Baron von Galléra, Enkel von Siegmar Baron von Gallera übergeben.
  3. catalogus-professorum-halensis. So zum Beispiel Adolf Hitlers Weg zur Macht: Deutsche Geschichte vom Sommer 1932 bis Herbst 1933 / Karl Siegmar Baron von Galléra DNB. Weitere Titel vor 1945: Das junge Deutschland und das dritte Reich (1932); Führer und Volk (1933); Deutschlands Schicksalsweg 1919–1939 (1940) und andere.