Steinpapier

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Steinpapier ist ein Bedruckstoff, der aus ca. 80 % Kalziumkarbonat (Kalkstein) und 20 % Bio-Polyethylen-Harz (HDPE) als Bindemittel hergestellt wird.[1] Als Ausgangsstoff für die Herstellung werden normalerweise nicht verwertbare Kalksteinpartien aus bestehenden Kalksteinbrüchen verwendet, die zu einem feinen Pulver aufgemahlen werden. Aufgrund der Zusammensetzung ist die Dichte etwa 60 % höher als die von Papier. In Druckereien wird Steinpapier gewöhnlich in der 144 und 420 g/m2 Grammatur verwendet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge der Verwendung mineralischer Werkstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verwendung von mineralischen Werkstoffen zur Herstellung von Druckerzeugnissen geht auf Alois Senefelder zurück, der 1819 ein Patent für ein „Steinpapier“ erhielt, das er oberflächlich mit Gips- und Kalkmehl, Ton, Ölen und Metalloxiden vergütete. Dieses Papier erwies sich als wenig alltagstauglich. Ende des 19. Jahrhunderts wurden mehrere Patente für Steinpapiere verliehen, bei denen Karton mit einer Mischung aus Gelatine, Glycerin, Zinkweiß und Wasser bestrichen und mit einer Alaunlösung oder Formaldehyd fixiert wurde. In einem geringen Umfang wurden derartige Papiere als Umdruck- und Lithografie-Platten verwendet.[2]

Moderne Steinpapiere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produktion von modernem Steinpapier, das völlig auf den Einsatz von pflanzlichen Faserstoffen verzichtet, begann in den späten 1990ern und wurde in über 40 Ländern patentiert. Entwickelt wurde es von der Lung Meng Tech Co., in Taiwan und wird unter Bezeichnungen wie Parax Paper, Terraskin, ViaStone, Kampier, EmanaGreen und RockStock vertrieben. In Deutschland wird Steinpapier seit 2010 vermarktet und wird vorwiegend für den Druck von Visitenkarten, Flyern und Speisekarten verwendet.

Eigenschaften und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinpapier hat eine Reihe von Vorteilen gegenüber herkömmlichem Papier. Es ist öl- und wasserresistent, lebensmittelecht, antistatisch, schwer entflammbar, nicht körnig und reißfest.[3] Es verbrennt mit sauberer Flamme ohne zu rußen zu Kalziumkarbonat. Steinpapier besitzt eine glatte Oberfläche, welche eher die Eigenschaften von beschichtetem Papier hat und daher gut für den Einsatz im Offset-, UV-Offset- und Digitaldruck geeignet ist.[4]

Es eignet sich für Tintenstrahl- und Festtintendrucker. Aufgrund des Anteils von Bio-Polyethylen beginnt sich das Papier ab 65 °C thermisch zu deformieren. Die hohen Temperaturen in den Fixiereinheiten von Laserdruckern/-kopieren stellen demzufolge ein Problem dar, und Steinpapiere sind derzeit nicht für diesen Einsatz geeignet.[5]

Obwohl es nicht direkt biologisch abbaubar ist, zersetzt es sich unter UV-Einfluss z. B. durch Sonnenlicht im Laufe der Zeit. Die Ökobilanz wird von verschiedenen Quellen unterschiedlich bewertet; größenordnungsmäßig wird bei der Herstellung von Steinpapier nur die Hälfte an Kohlendioxid freigesetzt und Energie benötigt.[6] Die Produktion von Steinpapier wird als wichtige nachhaltige Innovation in der regionalen Kreislaufwirtschaft angesehen.[7] Der Verband Deutscher Papierfabriken sieht den Einsatz von Steinpapier kritisch. Da das Material vom Verbraucher durch die irreführende Bezeichnung Papier nach Gebrauch teilweise über die Altpapiertonne und nicht über die gelbe Tonne entsorgt wird, kommt es durch Eintrag der Polyethylen-Folien zu einer Störung des Recyclingkreislaufs.

Aufgrund seiner Eigenschaften wird Steinpapier für die Herstellung von wasserresistenten Land- und Spezialkarten, Notizbüchern, Werbebannern und Plakaten verwendet. Aufgrund der Reißfestigkeit eignet es sich für stabile Verpackungen, Tragetaschen und Müllsäcke. Darüber hinaus wird Steinpapier zur Herstellung von mechanisch stark beanspruchten Katalogen, Speisekarten und Handbüchern eingesetzt.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Interview mit dem Stein-Papier-Vertriebspartner Peter Schmitz. Planet Wissen, abgerufen am 21. Juni 2013.
  2. Otto Lueger (Hrsg.): Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften. Band 8, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart/ Leipzig 1910, S. 288.
  3. Eigenschaften von Steinpapier, abgerufen am 24. Juni 2013.
  4. xposeprint: Produktbeschreibung Steinpapier, abgerufen am 24. Juni 2013.
  5. Paper Made From Stone. Kampier.com, 30. November 2005, abgerufen am 16. März 2013.
  6. SP-Stonepaper.net: Ökobilanz-Kalkulator, abgerufen am 24. Juni 2013.
  7. Gunter Pauli: Die Welt mit Ideen retten - Hochschultage: Blue Economy-Erfinder Gunther Pauli über nachhaltige Innovationen. auf: mainpost.de, 23. Juni 2013, abgerufen am 24. Juni 2013.
  8. http://www.taiwanlm.com/page005_eng.php