Steinschmückel

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Steinschmückel
Steinschmückel (Petrocallis pyrenaica)

Steinschmückel (Petrocallis pyrenaica)

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Gattung: Petrocallis
Art: Steinschmückel
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Petrocallis
W.T.Aiton
Wissenschaftlicher Name der Art
Petrocallis pyrenaica
(L.) R.Br.

Der Steinschmückel (Petrocallis pyrenaica), auch Pyrenäen-Steinschmückel[1] genannt, ist die einzige Art der Pflanzengattung Petrocallis innerhalb der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Sie gedeiht in den europäischen Gebirgen den Pyrenäen, den Alpen und den Karpaten.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Atlas der Alpenflora
Habitus und Blüten

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Steinschmückel ist eine ausdauernde krautige Pflanze und bildet ein 2 bis 8 Zentimeter hohes so genanntes »Hohlkugelkissen«, eine Sonderform des Polsterwuchses. Ein holziges Stämmchen steckt in Felsspalten oder Geröll, von dort gehen strahlig angeordnete, bis zu 12 Zentimeter lange, wurzelnde Äste aus. Die harte „Rinde“ bietet ausgezeichneten Schutz gegen Winddürre, Sand- und Schneegebläse. Das Innere des Hohlkissens kann Feuchtigkeit speichern. Gestauchte Partien mit rosettigen Blättern und gestreckte Partien wechseln sich ab. Die Blattscheiden bleiben nach dem Verwittern erhalten, so dass das Polster außen von einer dichten Rinde bedeckt wird, innen aber hohl, von dünnen Stämmchen durchzogen ist.

Die in einer grundständigen Rosette angeordneten Laubblätter sind bei einer Länge von 4 bis 8 Millimetern keilförmig. Sie sind drei- bis fünfgeteilt und am Rand bewimpert.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli. Die Blüten stehen gedrängt in einem doppeltraubigen Blütenstand zusammen. Die zwittrigen Blüten besitzen eine doppelte Blütenhüllte. Der hautrandige Kelch ist rötlich. Die vier freien, rosa- bis lilafarbenen oder hellvioletten Kronblätter sind mit einer Länge von 4 bis 5 Millimetern eiförmig und etwa doppelt so lang wie der Kelch.

Die kahlen Schötchen sind elliptisch.

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 7; es liegt Diploidie vor mit der Chromosomenzahl 2n = 14.[2][3]

Vorkommen und Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Steinschmückel kommt in den Ländern Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Slowenien, der Slowakei und Kroatien vor. Beispielsweise ist der Steinschmückel in den nördlichen und südlichen Kalkalpen sowie in den Pyrenäen verbreitet. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Nunatakker-Pflanze, deshalb fehlt sie in den damals vergletscherten Tälern der Zentralalpen. Sie kommt in Deutschland nur sehr lokal und selten in hochgelegenen Standorten in den Alpen vor und es gibt adventive Einzelfunde in anderen Gebieten Deutschlands.[4]

Die ausgesprochene hochalpine Pflanzenart ist kalk- und felsenstet und wächst in Höhenlagen von 1700 bis 3400 Metern. Sie ist eine Charakterart des Verbands Potentillion caulescentis, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Thlasion rotundifolii oder im Caricetum firmae des Verbands Seslerion vor.[2]

Sie wird 1996 in Deutschland nicht als gefährdet angesehen.[1] Sie ist in Bayern nach der Roten Liste Bayern 2003 in Kategorie 3 = „gefährdet“ eingeordnet und gilt dort als selten.[4][5] Nur die wild lebende Populationen sind nach Bundesnaturschutzgesetz in Deutschland seit 1980 streng bzw. besonders geschützt.[6] Diese sehr seltene Pflanzenart ist in Österreich geschützt. Sie wird in der Schweiz als „Near Threatened“ = „potenziell gefährdet“ bewertet.[7]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Draba pyrenaica durch Carl von Linné. Die Gattung Petrocallis wurde 1812 durch William Townsend Aiton aufgestellt. Die Neukombination zu Petrocallis pyrenaica (L.) R.Br. wurde 1812 durch Robert Brown veröffentlicht.[8] Das Artepitheton pyrenaica bedeutet „aus den Pyrenäen“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Jacob Sturm: Deutschlands Flora in Abbildungen ...Petrocallis pyrenaica R. Br. Pyrenäisches Steinschmückel, Nürnberg, 1797–1862: Eingescannte Seite.
  • Hermann Wagner: Illustrierte deutsche Flora, Verlag Hoffmann, 1831: Steinschmückel Petrocallis auf S. 68 in der Google-Buchsuche

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Petrocallis pyrenaica (L.) R. Br., Pyrenäen-Steinschmückel. In: FloraWeb.de.
  2. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 455.
  3. Petrocallis pyrenaica bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  4. a b Michael Hassler, Bernd Schmitt: Datenblatt bei Flora von Deutschland - Eine Bilder-Datenbank, Version 3.40.
  5. Steckbrief und Verbreitungskarte für Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns.
  6. Datenblatt bei WISIA des BfN.
  7. Petrocallis pyrenaica (L.) R. Br. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 26. August 2017.
  8. Petrocallis pyrenaica bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 27. Oktober 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Steinschmückel (Petrocallis pyrenaica) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien