Stemme S10

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Stemme S10
Stemme S10-VT
Typ: Motorsegler
Entwurfsland: Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland
Hersteller:

Stemme

Erstflug: 7. Juli 1986
Produktionszeit: 1986–
Stückzahl: 270 (Stand: August 2016)

Die Stemme S10 ist ein eigenstartfähiges Segelflugzeug mit Hilfsmotor des deutschen Herstellers Stemme.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Prototyp der Stemme S10 startete 1986 in Braunschweig zu seinem Erstflug und wurde 1987 auf der AERO in Friedrichshafen in seiner endgültigen Form zum ersten Mal präsentiert. Im Jahr 1990 wurde die Musterzulassung erteilt und die erste Serienversion ausgeliefert. 1994 erhielt die S10-V mit Verstellpropeller ihre Musterzulassung.[1] Im Jahr 1999 nutzte das Mountain Wave Project (MWP) eine Stemme S10-VT für ihre erste Forschungsexpedition in den Anden. Neben zahlreichen Messflügen gelang ein erster Rekordflug bis nach Feuerland (1546 km).[2][3] In den Folgejahren konnten mit der Maschine weitere Weltrekorde im Streckensegelflug erzielt werden. Höhepunkt war ein Flug am 26. November 2000, als Klaus Ohlmann in 14 Stunden eine freie Strecke über drei Wendepunkte von 2463 Kilometern zurücklegte.[4] Im Rahmen einer zweiten MWP-Messkampagne im Jahr 2006 gelangen mit einer zur Forschungsplattform ausgerüsteten S10-VT (BATprobe) über der Tupungato-Aconcagua-Region erste wissenschaftliche Turbulenzmessungen über den Anden bis 12.500 m Höhe.[5] 2014 gelang einem Team des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit der Stemme S10-VT erstmals eine genaue 3D-Kartierung des Mount Everest-Gebietes in Nepal, um Rettungseinsätze zu erleichtern und die Entwicklung der Gletscher besser verfolgen zu können. Weiterhin wurden Aerosol-Messungen, höhenphysiologische Messungen und Datenerhebungen zu Windströmungen durchgeführt.[6] Dazu wurden zwei Stemme mit zwölf Zwischenstopps in 45 Flugstunden über 10.000 Kilometer ohne Zwischenfälle von Berlin nach Kathmandu geflogen. Bei den Flügen in Nepal wurden Höhen bis über 9.200 Meter erreicht [7].

Bis August 2016 wurden etwa 270 dieser Maschinen in den verschiedenen Varianten hergestellt. [8] Die Stemme S 10 gehört als Segelflugzeug in die offene Wettbewerbsklasse und hat einen Index von 110 auf der Segelflug-Indexliste.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem Flugzeug handelt es sich um einen einmotorigen zweisitzigen Schulterdecker in FVK-Bauweise mit konventionellem T-Leitwerk, dessen Tragflächen mit Wölbklappen und Schempp-Hirth-Bremsklappen an der Oberseite und Winglets ausgerüstet und von einer Person faltbar ausgeführt sind. Die Piloten sitzen nebeneinander. Das Hauptfahrwerk ist elektrisch einziehbar, das Spornrad gesteuert. Die Propeller der V und VT Versionen ist elektrisch verstellbar, der Motor der VT -Version verfügt über einen Turbolader.

Der Propeller faltet sich bei Nichtbenutzung unter der auch Propellerdom genannten Bugverkleidung zusammen, die in Längsrichtung verschiebbar gestaltet ist und so einen umlaufenden Spalt für den Propeller freigibt bzw. schließt. Der Propeller wird über eine Fernwelle und ein Untersetzungsgetriebe von einem hinter dem Cockpit eingebauten Verbrennungsmotor angetrieben. Viele Exemplare verfügen über ein Solarzellenfeld zum Nachladen der Avionikbatterie während des Fluges.

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stemme S10-VT des Mountain Wave Project vor dem Vulkan Lanín
  • S10: Basismodell, Limbach-Motor
  • S10-V: mit Verstellpropeller, Limbach-Motor
  • S10-VT (ab 1998): Verstellpropeller, Rotax-Turboladermotor
  • S10-VTX: Luftarbeitsflugzeug auf Basis der S10-VT, auf 980 kg erhöhte zulässige Startmasse; für Forschungs- und Testflüge mit Außenlastbehältern (max. 60 kg je Seite) an der Tragflügelunterseite ausgerüstet
  • S12 Twin Voyager: überarbeitete Version der S10 mit erhöhter Spannweite und Abflugmasse. Die Musterzulassung wurde 2016 erteilt.[9]

In den USA wurde die S10 auch mit dem Beinamen „Chrysalis“ bezeichnet. Zwei als TG-11A bezeichnete Stemme S10V wurden von 1995 bis 2002 von der U.S. Air Force Academy als Streckenflugtrainer und bei Flugschauen eingesetzt. [10] Der ICAO Aircraft Type Designator für alle S10-Versionen ist S10S. [11]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße S10-VT (Herstellerangabe) S12 (Herstellerangabe)
Besatzung 1 + 1 (nebeneinander)
Streckung 28,3 31,5
Länge 8,42 m
Höhe 1,80 m 1,75 m
Spannweite 23,00 m 25,00 m
Spannweite (gefaltet) 11,20 m 11,40 m
Flügelfläche 18,70 m² 19,95 m²
Spurweite 1,15 m
Radstand 5,40 m
Startmasse 850 kg 900 kg
Leermasse 645 kg 690 kg
Gleitzahl 50 bei 107 km/h 53
Geringstes Sinken 0,56 m/s
max. Steiggeschwindigkeit 4,14 m/s 4,21 m/s
Reisegeschwindigkeit 228 km/h auf Meereshöhe
ökonomische Reisegeschwindigkeit 180 km/h
Höchstgeschwindigkeit 270 km/h
Dienstgipfelhöhe 9100 m
max. Reichweite 1720 km 1759 km
Triebwerk 1 × Bombardier-Rotax 914 F 1 × Bombardier-Rotax 914 F2/S1 Turbo
Tankvolumen 2 × 60 Liter
Startleistung 85,8 kW bei 5800/min (5 min) 85 kW
Dauerleistung 82 kW bei 5500/min

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stemme S10 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Situationsanalyse
  2. Aerokurier International 2/2000, S. 76, Von San Martin nach Feuerland
  3. Fliegerrevue 3/2000
  4. Weltrekorde im Segelflug. FAI, abgerufen am 12. September 2009.
  5. Wolf-Dietrich Herold, René Heise: In den Föhnstürmen der Welt – das Mountain Wave Project (MWP) auf den Spuren von Wellen und Rotoren. Deutsche Meteorologische Gesellschaft, abgerufen am 8. Juni 2016 (PDF; 200 kB).
  6. Erstmals Flug mit Motorsegler und 3D-Kamera am Mount Everest. Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, abgerufen am 30. Juni 2017 (HTML; 200 kB).
  7. An der Stirn des Himmels (2014) Jörg Brauchle und Daniel Hein. DLR-Magazin 142, S. 38–42, ISSN 2190-0094
  8. Detlef Klemenz: Weiter im Aufwind. Hrsg.: SVZ.DE. Zeitungsverlag Schwerin GmbH & Co. KG, Schwerin 25. August 2016.
  9. Stemme Twin Voyager S12 receives EASA certification. In: Stemme AG. Abgerufen am 8. Juni 2016.
  10. Internetseiten der US Air Force. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  11. ICAO Dokument 8643 (Aircraft Type Designators). Abgerufen am 8. Juni 2017.