Stiftung Juliusspital Würzburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 1. April 2013 um 00:02 Uhr durch KLBot2 (Diskussion | Beiträge) (Bot: 1 Interwiki-Link(s) nach Wikidata (d:Q2349038) migriert). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Statue des Julius Echter in Würzburg, gegenüber dem Juliusspital an der Juliuspromenade
Eingang des Juliusspitals an der Juliuspromenade

Die Stiftung Juliusspital Würzburg ist eine Gründung des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn. Kernstück der Stiftung ist das Juliusspital, ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit 365 Betten. Außerdem gehören zu ihr ein Seniorenstift mit 150 Bewohnern, das Weingut Juliusspital, das zweitgrößte Weingut Deutschlands, und das Kloster Vogelsburg mit seinen Weingütern an der Volkacher Mainschleife.

Gründungsgeschichte

Als Julius Echter 1573 zum Bischof von Würzburg gewählt wurde, war er vom Erzbistum Mainz dem Würzburger Domkapitel empfohlen und gezielt auf seine Aufgabe vorbereitet worden. Das Bistum steckte in den religiösen Wirren der Reformation, und der fränkische Adel war überwiegend zum Protestantismus übergetreten. Damit nicht gemäß dem Spruch „Cuius regio, eius religio“ auch ein Großteil der fränkischen Bevölkerung zum Protestantismus wechselte, wollte man einen durchsetzungsstarken Fürstbischof.

Julius erkannte bald das Fehlen weiterer Armen- und Krankenhäusern in seiner Residenzstadt Würzburg (das Bürgerspital zum Hl. Geist existierte schon seit 1316, gegründet durch Johann von Steren, einem Würzburger Patrizier).

Julius Echter stiftete das Spital mit seinem Privatvermögen. Er kaufte Gärten und Lagerplätze auf, ließ aber auch noch den Judenfriedhof dazu einebnen, den die Jüdische Gemeinde auf ewige Zeiten gekauft hatte. Der Grundstein für den Spitalbau wurde am 12. März 1576 gelegt. Damit begann die Spitalgeschichte. Im Stiftungsbrief vom 12. März 1579 sicherte der Fürstbischof den Unterhalt der Anlage durch Überschreibung von Grundbesitz wie Äcker, Weinberge und Wälder, die bis heute ihren Wert nicht verloren haben.

Stiftung

Die Stiftung hat über 3300 Hektar Wald, rund 1100 Hektar landwirtschaftliche Güter und 172 Hektar Weinberge[1]. Sie ist gemeinnützig und unterhält aus ihren Erlösen ein Krankenhaus sowie ein Senioren-, Pflege- und Pfründenerstift.
Das Juliusspital ist mit seiner Kirche St. Kilian eine eigenständige Pfarrei in Würzburg.

Krankenhaus

Krankenhausneubau (Koellikerbau)
Gartenpavillon

Aufnahme finden sollten Arme, Kranke, Waisen und Pilger: „allerhand Sorten Arme, Kranke unvermugliche, auch schadhafte Leut, die Wund- und anderer Arznei notdürftig sein, desgleichen Waysen und dann füruberziehende Pilgram und dörftige Personen“ (Quelle: Stiftungsurkunde von 1579). In der „Alten Anatomie“, dem als Sommerschlösschen errichteten Gartenpavillon, wirkten die Ärzte und Wissenschaftler Siebold, Kölliker und Virchow. Heute finden im Gartenpavillon Konzerte und Tagungen statt. Die Figuren in den Fassadennischen des Pavillons schuf 1787 der Würzburger Hofbildhauer Johann Peter Wagner.

Baugeschichte

Das Julius-Spital um 1700
In den Arkaden des Juliusspitals

Die Ur-Anlage entstand um 1585 nach Plänen von Georg Robin als rechteckiger, um einen Hof angeordneter Komplex nördlich außerhalb der inneren Stadt und war der erste moderne Hospitalbau in Deutschland. Ein Kupferstich von Johann Leypold aus dem Jahre 1603 gibt das damalige Aussehen wieder. Anstelle des 1699 durch einen Brand zerstörten Nordflügels errichtete Antonio Petrini (1620/21–1701) einen Neubau (Fürstenbau), der nach seinem Tode durch Joseph Greising (1664–1721) bis 1714 vollendet wurde. 1785 bis 1793 wurden die straßenseitigen drei Flügel durch einen Neubau ersetzt.

Die Anlage wurde 1945 durch den Krieg zerstört und bis 1955 wieder aufgebaut.

Weingut Juliusspital

Innenhof Juliusspital
Arkadenbau Juliusspital

Es ist ein Spitzenweingut und gehört zum Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter. Vom Gault Millau Deutschland, Weinguide wurde es mit vier Trauben klassifiziert. Es verfügt über Rebland in allen Spitzenlagen von Franken: so zum Beispiel am Würzburger Stein, Randersackerer Pfülben, Iphöfer Julius-Echter-Berg, Rödelseer Küchenmeister, Escherndorfer Lump. Es produziert 60 verschiedene Weine. Die vorherrschende Rebsorte ist traditionell der Silvaner. Stark vertreten sind daneben Riesling und Müller-Thurgau. Vier Große Gewächse entstehen unter besonders strengen Anforderungen. Die Erträge des Weingutes fließen in die Stiftung Juliusspital ein. Die Bocksbeutel-Flaschen des Juliusspitals haben als Kennzeichen eine Schulterwappen-Prägung mit dem Amtssiegel des Stifters. Unter dem Fürstenbau des Juliusspitals befindet sich der 250 Meter lange Holzfasskeller mit 220 Fässern und Flaschenlager. Bei der Krönung von Königin Elisabeth II. wurde eine 1950er Riesling Auslese aus der Lage Iphöfer Julius-Echter-Berg ausgeschenkt.

Wie die beiden anderen großen Würzburger Weingüter – der Staatliche Hofkeller und das Bürgerspital zum Heiligen Geist – bietet das Weingut Juliusspital Führungen durch das weitläufige Stiftungsareal und den Weinkeller an. Einen Direktverkauf für private Kunden gibt es in der Vinothek Weineck Julius Echter in der Koellikerstraße.

Literatur

  • Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg (Hrsg.): Das Juliusspital Würzburg in Vergangenheit und Gegenwart: Festschrift aus Anlaß der Einweihung der wiederaufgebauten Pfarrkirche des Juliusspitals am 16. Juli 1953. Würzburg: Fränkische Gesellschaftsdruckerei 1953.
  • Ludwig Weiss (Bearb.), Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg (Hrsg.): 400 Jahre Pfarrkirche St. Kilian im Juliusspital zu Würzburg. Würzburg 1980.
  • Johanna Bleker (Hrsg.): Kranke und Krankheiten im Juliusspital zu Würzburg 1819 – 1829: zur frühen Geschichte des allgemeinen Krankenhauses in Deutschland. In: Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, 72. Husum: Matthiesen, 1995, ISBN 3-7868-4072-5.
  • Andreas Mettenleiter: Die Anatomenskulpturen von Johann Peter Wagner an der Fassade des juliusspitälischen Gartenpavillons in Würzburg. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen, 18. Königshausen & Neumann, Würzburg 1999.
  • Robert Wagner: Wein- und Fleischzeichen des Juliusspital zu Würzburg. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst, 25 (= 96), 1973, S. 145–149.

Filme

  • Das Würzburger Juliusspital. Film von Hiltrud Reiter, BR 2007, gezeigt am 27. September 2009 in BR-alpha um 18:00 – 18:45 Uhr. (Gemeinnützige Stiftung im Weinbau, Landwirtschaft, Forstwesen, Gesundheitswesen).

Einzelnachweise

  1. Weingut Juliusspital

Koordinaten: 49° 47′ 51,3″ N, 9° 55′ 53,2″ O