Straßenheizung

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Beheizter Gehweg im Winter in Holland, Michigan/USA
Installation einer geothermischen Straßenheizung in Reykjavík, Island

Straßen- oder Fahrbahnheizungen sind eine Technik, um ganze Straßen oder besondere Straßenabschnitte, wie zum Beispiel starke Gefällestrecken oder Brücken, im Winter dauerhaft eisfrei zu halten. Straßenheizungen werden mit elektrischem Strom oder mit Wasser betrieben, das mit Erdwärme erhitzt wird. Zweitgenannte Variante ermöglicht zudem im Sommer eine Kühlung der Straße, wobei die Wärmeenergie gespeichert oder anderweitig genutzt werden kann.[1]

Straßenheizungen werden, wie auch die Rasenheizungen in Sportstätten, zu den Freiflächenheizungen gezählt.

Grundgedanken[Bearbeiten]

Für die dauerhafte Beheizung von Straßen im Winter sprechen neben ökonomischen und ökologischen Grundgedanken auch Ansprüche an die Sicherheit von Straßen:

Straßen werden in der Regel durch den Winterdienst von Schnee befreit und mit Streusalz vor dem Gefrieren bewahrt. Das Streusalz, das mit geschmolzenem Schnee und Eis ins Abwasser und auf an Straßen angrenzende Wald- und Wiesenflächen gespült wird, stellt eine Belastung der Umwelt dar, die mit dem Einsatz von Straßenheizungen reduziert oder ganz vermieden werden kann.[1] Dadurch, dass ein beheizter Straßenabschnitt ständig über dem Gefrierpunkt (0 °C) temperiert ist, wird auch die Entstehung von Blitzeis verhindert, was zu einer deutlichen Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr führt. Ein weiterer Vorteil ist die erhöhte Lebensdauer einer beheizten Straße. Das Beheizen verringert die Instandhaltungskosten, da Frostschäden nicht mehr entstehen können; insbesondere reduziert es die Bildung von Schlaglöchern erheblich.[1][2]

Technische Umsetzung mit Erdwärme[Bearbeiten]

Straßenheizungen funktionieren praktisch genauso wie eine Fußbodenheizung für Wohnungen. In den Asphalt werden in einigen Zentimetern Tiefe Schlauchleitungen in Schleifen verlegt, durch die ein flüssiger Wärmeträger (z. B. Wasser) zirkuliert. Zur Erwärmung des Wassers wird die Geothermie ausgenutzt, die mit mehreren, meist über 100 Meter tiefen Bohrungen erschlossen werden kann.[3] Das Verfahren ist deshalb besonders gut nutzbar in Regionen, in denen Erdwärme bereits in geringerer Tiefe erreichbar ist. Vorteil dieser Technik ist, dass nur die Wasserpumpen elektrischen Strom benötigen und das eigentliche Heizen mit einer erneuerbaren Energie geschieht.

In Skandinavien und besonders auf Island sind Straßenheizungen durch die geologisch bedingt sehr leicht erschließbare Erdwärme schon länger üblich. Hierfür wird auf Island auch Abwasser in Straßenheizungen eingeleitet, da dieses mit 30–40 °C immer noch ausreichend Restwärme hat.[4] In Deutschland wurden bisher erst wenige Pilotprojekte mit Geothermie durchgeführt, die aber erfolgversprechend verlaufen.[2] Im bayerischen Marktredwitz wurde beispielsweise eine 135 m lange Straßenheizung für eine Gefällestrecke entworfen, die sich den Planungen zufolge nach neun Jahren durch die geringeren Unterhaltungskosten der Straße amortisiert haben soll.[3]

Technische Umsetzung mit Strom[Bearbeiten]

Der Betrieb von Straßenheizungen mit elektrischem Strom ist ebenfalls möglich. Dazu werden Heizdrähte ebenfalls in Schleifen im Asphalt verlegt.

Diese Art von Straßenheizung weist jedoch, im Vergleich zu einer geothermischen Heizung, eine schlechte Umweltbilanz auf, insbesondere wenn der Strom nicht aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. So existiert in Berlin eine elektrische Gehwegheizung am Kurfürstendamm mit einer Grundfläche von etwa 600 m², wobei die Heizleistung 400 Watt pro Quadratmeter beträgt, was zu einer Gesamtleistung von ca. 240 kW führt. An einem schneereichen Tag entsteht somit für die Heizung ein Strombedarf von 5760 kWh, was dem Jahresstrombedarf zweier Familien entspricht. Legt man den Strommix des in Berlin tätigen Grundversorgers Vattenfall zugrunde, werden durch den Betrieb der Heizung pro Tag ca. 3 Tonnen Kohlenstoffdioxid freigesetzt. Insgesamt läuft diese Anlage pro Jahr ca. 250 Stunden.[5]

Heiztechnik für andere Verkehrsträger[Bearbeiten]

Luftfahrt[Bearbeiten]

Mit den Techniken der Straßenheizungen wäre es prinzipiell möglich, auch die Start- und Landebahnen, sowie das Vorfeld von Flughäfen eisfrei zu halten. In den 1930er Jahren wurde eine Startbahnheizung für den Landeplatz der Hugo-Junkers-Werke errichtet. Auf modernen Flughäfen werden solche Heizungen allerdings nicht verbaut, vor allem da die Größe der zu beheizenden Fläche zu Investitionskosten in Milliardenhöhe führen würde.[6]

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Hauptartikel: Weichenheizung

Im Schienenverkehr sind Weichenheizungen weit verbreitet, um die beweglichen Teile einer Eisenbahnweiche auch bei Frost vor dem Vereisen zu schützen. Anders als im Straßenverkehr gibt es für Weichen nur begrenzt zuverlässige Alternativen, sodass Anfang 2011 ca. 72 Prozent der rund 69.000 Weichen im Netz der DB mit einer Weichenheizung ausgerüstet waren.[7] 2008 wurden 90 Prozent dieser Heizungen elektrisch betrieben,[8] wobei die Heizleistung elektrischer Weichenheizungen von etwa fünf Kilowatt (für kleine Gleisradien) bis etwa 50 Kilowatt bei Schnellfahrweichen reicht.[9]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Straßenheizung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Studie des Landes NRW zu Machbarkeit, Kosten und Nutzen von geothermischen Straßenheizungen mit internationalen Vergleichsprojekten. Juni 2005, abgerufen am 10. August 2013 (PDF; ca. 9,1 MB).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Geothermie sorgt für Verkehrssicherheit. Studie. Ministerium für Verkehr, Energie und Landesplanung des Landes Nordrhein-Westfalen, 16. Juni 2005, abgerufen am 10. August 2013 (PDF; ca. 9,1 MB).
  2. a b Erste deutsche Straßenheizung gegen Eis und Schnee. welt.de, 15. März 2012, abgerufen am 27. Juli 2013.
  3. a b Machbarkeitsstudie gibt grünes Licht für geothermische Straßenheizung. Bundesverband Geothermie, 16. März 2012, abgerufen am 27. Juli 2013.
  4. Ursula Spitzbart: Zwischen Licht und Dunkel. Dryas Verlag 2010, S. 115.
  5. Stromfresser am Kurfürstendamm. Beheizter Gehweg: Schöner Luxus oder Verschwendung? Tagesspiegel, 16. Januar 2013, abgerufen am 31. Juli 2013.
  6. Warum es keine Landebahn-Heizung gibt. handelsblatt.com, 21. Dezember 2010, abgerufen am 4. August 2013.
  7. Zahl des Monats. In: DB Welt, Heft 2/2011, S. 10.
  8. So will die DB Schnee und Eis Paroli bieten. In: DB Welt, Ausgabe Dezember 2010, S. 5.
  9. Weichenheizungen bei der Deutschen Bahn AG. In: Deine Bahn, Heft 1/2010, S. 51–56, ISSN 0948-7263.