Sture Bergwall

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Thomas Quick (* 26. April 1950 in Korsnäs, Falun, Schweden als Sture Ragnar Bergwall, dies ist seit 2002 wieder sein Name) ist ein schwedischer Bürger, der behauptet hatte, 33 Menschen getötet zu haben. Er wurde verurteilt und widerrief nach dem Erhalt einer Psychotherapie seine Geständnisse. Der Fall löste in Schweden eine Diskussion über die Methoden der Polizei aus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sture Bergwall war seit seiner Jugend abhängig von Schnüffelstoffen. Er verübte mehrere Gewalttaten gegen andere Männer. Mehrfach wurde er in psychiatrische Einrichtungen eingewiesen.

Bei einem Aufenthalt in der Psychiatrischen Anstalt von Säter nach einem Banküberfall erzählte er im Oktober 1992 dem Personal, dass er 1980 einen Elfjährigen umgebracht habe. Zu dieser Zeit ließ er auch seinen Namen in Thomas Quick (dem Geburtsnamen der Mutter) ändern, mit dem er sich eine neue Existenz aufbauen wollte.

In der Folgezeit gestand er weitere, insgesamt 33 bis dahin ungeklärte Morde. Die Tathergänge entnahm er möglicherweise Zeitungsarchiven, die er bei Freigängen in Stockholmer Bibliotheken einsehen konnte. Quick wurde zwischen 1994 und 2001 in unterschiedlichen Verfahren wegen Mordes an insgesamt acht Personen verurteilt. Auch nach den Verurteilungen blieb er in der Anstalt in Säter. Quick erhielt Psychotherapien.[1]

Quick vertraute dem Journalisten Hannes Råstam an, er habe falsche Geständnisse abgelegt, um „eine wichtige Person für die Ärzte und für die anderen Insassen“ zu werden.[2]

Nachdem Bergwall alle Geständnisse widerrufen und Hannes Råstam Ergebnisse eigener Recherchen veröffentlicht hatte, wurden zunächst fünf der acht Urteile aufgehoben und die Wiederaufnahme (schwedisch resning) der anderen Verfahren beantragt und bewilligt. Im Sommer 2013 wurden schließlich alle noch verbleibenden Mordvorwürfe aufgehoben.[3]

Am 19. März 2014 wurde der mittlerweile 63-Jährige entlassen, nachdem er 20 Jahre in geschlossenen psychiatrischen Anstalten verbracht hatte.[4][5]

Der Fall löste in Schweden eine öffentliche Diskussion über die Methoden der Polizei aus, da sie den Umstand, dass er über kein Täterwissen verfügte, hätte erkennen müssen, und sie dem drogenabhängigen Beschuldigten nach seinen Geständnissen „all die Medizin, die er haben wollte“ verschafft hatte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hannes Råstam: Fallet Thomas Quick. Ordfront, 2012 (schwedisch)
    deutsche Ausgabe: Der Fall Thomas Quick: Die Erschaffung eines Serienkillers. Heyne, 2013, übersetzt von Nike Karen Müller
  • Tilman Müller: Trauen Sie diesem Mann 33 Morde zu? In: Stern, Nr. 42, 11. Oktober 2012
  • Elizabeth Day: Thomas Quick: the Swedish serial killer who never was. The Observer, 20. Oktober 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handelsblatt (online)
  2. Hannes Råstam, Fallet Thomas Quick: att skapa en seriemördare, Ordfront, Stockholm, 2012, ISBN 9789170376047
  3. Justizskandal in Schweden: Vermeintlicher Serienmörder ist unschuldig; in: Spiegel Online vom 31. Juli 2013
  4. Sture Bergwall: Swedish 'serial killer' released. BBC News, 19. März 2014, abgerufen am 19. März 2014 (englisch).
  5. Justizskandal in Schweden: Vermeintlicher Serienmörder kommt nach 20 Jahren frei; in: Spiegel Online vom 19. März 2014