Subjekt-Verb-Objekt

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In der Sprachtypologie sind SVO-Sprachen (Subjekt-Verb-Objekt) diejenigen Sprachen, in denen Subjekt, Verb und Objekt im Normalfall in dieser Reihenfolge auftreten. Die Bezeichnung bezieht sich auf das Modell eines möglichst einfachen Satzes, der als Prädikat nur ein einzelnes Verb enthält (deswegen wird hier „Verb“ erwähnt und nicht „Prädikat“).

Ein Beispiel einer solchen Sprache ist das Englische. Das Deutsche zählt, auch wenn die Reihenfolge Subjekt-Verb-Objekt in einfachen Sätzen oft anzutreffen ist, nicht zu den SVO-Sprachen, weil andere Varianten, vor allem Adverb-V-S-O, ebenso normale („unmarkierte“) Sätze darstellen.[1] Eine SVO-Sprache liegt erst vor, wenn Abweichungen vom SVO-Schema ganz fehlen oder als eingeschränkte („markierte“) Fälle zu erweisen sind.

Beispielsweise kann in der SVO-Sprache Englisch im Prinzip manchmal ein Objekt vor dem Subjekt erscheinen, dies jedoch nur unter der Einschränkung, dass es sich bei dem Objekt um ein Fragepronomen handelt oder um eine im Kontext besonders hervorgehobene Einheit:

I omitted this part. (keine Hervorhebungseffekte)
This part I omitted. (Topikalisierung von this part)

Sätze in der zweiten Form (O-S-V) sind also im Englischen nicht nur wesentlich seltener als die SVO-Abfolge, sondern vor allem erfüllen sie ihr gegenüber eine besondere Funktion. Daher ist die SVO-Folge diejenige, die für den Wortstellungstyp des Englischen ausschlaggebend ist.[2]

SVO ist einer der zwei häufigsten Wortstellungs­typen überhaupt (neben SOV); in der Stichprobe des World Atlas of Language Structures zeigen 35 % aller Sprachen diesen Typ in Reinform (weitere 3,6 % schwanken zwischen SVO und einem anderen Typ).[3] SVO-Sprachen sind nach dieser Stichprobe besonders häufig und vorherrschender Typ in Europa, dem südlichen Afrika und Südostasien. In den indigenen Sprachen Süd-, Mittel- und Nordasiens sowie Nordamerikas ist dieser Typ hingegen ausgesprochen selten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In der typologischen Datenbank WALS wird Deutsch als Sprache „ohne feste Grundwortstellung“ geführt, siehe Feature 81A: Order of Subject, Object and Verb. The World Atlas of Language Structures ONLINE (WALS).
  2. Siehe Matthew S. Dryer: Word Order. In: T. Shopen (ed.): Clause Structure (= Language Typology and Syntactic Description, Vol. 1). Cambridge University Press, 2007 (insbesondere Abschnitt 2).
  3. Matthew S. Dryer: Chapter Order of Subject, Object and Verb. The World Atlas of Language Structures ONLINE (WALS).