Deutsche Grammatik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die hauptsächlichen Bereiche der Grammatik (d.h. vor allem Wortarten, Wortbildung und Satzbau) der hochdeutschen Standardsprache (im Unterschied zu den Dialekten des Deutschen).

Das Hochdeutsche gehört innerhalb der Gruppe der germanischen Sprachen zu den kontinental-westgermanischen Sprachen, zusammen mit Niederländisch, Niederdeutsch, sowie den Friesischen Sprachen. Es weist mit diesen grundlegende Gemeinsamkeiten auf, vor allem sehr komplexe Wortstellungsregeln, die auch zwischen Nebensatz und Hauptsatz unterscheiden. Das Deutsche lässt sich keinem der üblichen Wortstellungstypen zuordnen, die in der Sprachtypologie beschrieben werden, sondern stellt den seltenen Fall einer Verbzweitsprache dar.

Die deutsche Sprache hat im Vergleich mit anderen germanischen Sprachen ein reiches System von Wortformen (Flexion) bewahrt, in einem Ausmaß wie sonst nur das Isländische. Deutsch unterscheidet drei Genera (grammatische Geschlechter) bei Substantiven, mit denen die Formen der begleitenden Artikel und Adjektive übereinstimmen müssen, ferner an allen drei Wortarten vier Kasus und zwei Numeri (Einzahl und Mehrzahl). Ungewöhnlich ist die zusätzliche "stark/schwach"-Flexion der Adjektive, die anzeigt, welche Art von Artikel vorausgeht. Deutsch markiert Formen für Tempus, Person und Modus am Verb und nutzt Hilfsverben zum Ausdruck weiterer grammatischer Kategorien. Verben erscheinen mit einem reichen System an Präfixen, Partikeln und anderen Elementen, die zusammengesetzte Verben ergeben. Typisch für das Deutsche ist auch eine hohe Anzahl von Präpositionen und ein reiches Inventar an Abtönungspartikeln (halt, eben, eh).

Das Deutsche zeichnet sich durch eine besonders flexible Wortbildungsfähigkeit aus; als typisch wird der ausgiebige Gebrauch von Komposita empfunden (Haus+tür, Kegel+form, Weihnacht-s+baum+verkäufer).

Im Lautsystem verfügt das Deutsche über 16 Vokale und vier Diphthonge sowie 20 Konsonanten (ohne die Affrikaten pf, ts). Die maximal ausgebaute Silbenstruktur zeigt ein Wort wie strolchst („du strolchst (herum)“ - 2. Person Singular Präsens von „(herum-)strolchen“) mit drei Konsonanten am Anfangsrand (Silbenansatz) und vier am Endrand (Silbenkoda). Die deutsche Orthographie ist nicht lautgetreu (wie z. B. die finnische oder die türkische), sondern nur lautfundiert und bezieht Satzstruktur (Interpunktion), Silbenstruktur (Markierung der Kurzvokale), Wortart (Großschreibung des Substantivs) sowie die Einheit der Wortstämme (Weges, daher auch Weg statt Wek) mit ein.

Das Gebiet der deutschen Grammatik[Bearbeiten]

Systematik[Bearbeiten]

Das Gebiet der Grammatik wird üblicherweise in drei Kerngebiete eingeteilt:

Die Rechtschreibung und Zeichensetzung, die teilweise auf grammatischen Prinzipien fußt, wird in Darstellungen der deutschen Grammatik oft mitbehandelt. Die Rechtschreibung ist jedoch Gegenstand von konventionellen Festlegungen, die sich verändern können auch ohne dass das grammatische System als solches sich dabei gewandelt haben muss. Dieses Gebiet wird, ebenso wie die Lautlehre des Deutschen in folgendem Artikel nicht mitbehandelt.

Hauptartikel: Deutsche Rechtschreibung

Arten von Grammatiken[Bearbeiten]

Je nach Zielsetzung und Tradition wird die deutsche Grammatik aus verchiedenen Blickwinkeln dargestellt, was auch den Inhalt der Darstellung stark beeinflussen kann. In älteren Behandlungen der deutschen Grammatik (z.B. bei Hermann Paul (1916)[1] und Otto Behaghel (1928)[2]) findet sich eine enge Verbindung von Grammatikschreibung und historischer Betrachtung. In dieser Perspektive wird die Entstehung der heutigen grammatischen Formen aus früheren Stufen als Teil einer grammatischen Gesamtschau auf die deutsche Sprache mitbehandelt. In den meisten modernen Grammatiken herrscht hingegen ein synchronischer Ansatz, der darauf zielt, ein Sprachsystem zum (jeweils) gegenwärtigen Zeitpunkt zu beschreiben und damit das aktuelle Wissen der Sprachbenutzer abzubilden, von dem große Teile unbewusst erworbenes Wissen sind, das nicht auf Unterricht beruht.

Hinsichtlich der Zielsetzungen kann man zunächst zwischen normativen und deskriptiven Grammatiken des Deutschen unterscheiden. Eine normative Grammatik verfolgt das Ziel, eine bestimmte Form des Deutschen als verbindlichen Standard zu lehren. Im Gegensatz hierzu ist es der Ansatz der deskriptiven (beschreibenden) Grammatik, das Deutsche so zu beschreiben, wie kompetente Muttersprachler es tatsächlich spontan verwenden (ohne das Gesagte als Versprecher zu empfinden). Es erfolgt in dieser Perspektive dann keine Unterscheidung in "gutes Deutsch" (das verwendet werden soll) und "falsches bzw. schlechtes Deutsch" (als etwas, das vermieden werden soll), sondern strittige grammatische Erscheinungen können ggf. bestimmten Sprechstilen, Textsorten oder sozialen Gruppen als typisch zugeordnet werden, aber ansonsten aus neutraler Warte dokumentiert werden. Ein deskriptiver Ansatz führt also in der Regel dazu, verschiedene Varietäten (Sprachvarianten) anzuerkennen, die durch ihre soziale Bewertung charakterisiert werden können. Der Begriff "grammatisch falsch" reduziert sich dann auf grammatische Erscheinungen, die in keiner Varietät des Deutschen vorkommen. Im erfassten Inhalt müssen sich normative und deskriptive Grammatiken nicht zwingend stark unterscheiden,[3] da auch die Festlegung einer Standardvariante erst einmal ihre Beschreibung voraussetzt. Auch können deskriptive Grammatiken normalerweise nicht die ganze Breite der Variation abdecken, sondern behandeln oft eine idealisierte Form, also eine Standardvariante des Deutschen.

Eine folgenreiche Unterscheidung ist die zwischen "wissenschaftlichen Grammatiken" und "Gebrauchsgrammatiken", wobei zu Gebrauchsgrammatiken insbesondere auch viele didaktische Grammatiken gezählt werden können, also Grammatiken, die dem Sprachunterricht dienen. Kriterien, die an eine wissenschaftliche Grammatik angelegt werden, sind vor allem Vollständigkeit und Widerspruchsfreiheit. Ihre Beschreibungskategorien werden nicht nur danach gewählt, ob sie sich eignen, grammatische Erscheinungen zu benennen, sondern auch danach, ob sie sich in einem allgemeinen System der grammatischen Struktur präzise definieren und systematisch herleiten lassen. Solche Systeme, die auch allgemein genug sind, um Sprachen verschiedenen Typs in einem einheitlichen Raster zu erfassen, werden von der Linguistik untersucht. Wissenschaftliche Arbeiten, die sich auch als "Problemgrammatiken"[4] charakterisieren lassen könnten, haben nicht unbedingt den Anspruch einer vollständigen Beschreibung aller grammatischer Phänomene, sondern untersuchen oft nur ausgewählte Bereiche im Licht einer bestimmten Methodik.[5] In Gebrauchsgrammatiken des Deutschen, z.B. Lehrwerke für Deutsch als Fremdsprache, werden Regeln eher unter der Perspektive formuliert, Lernern bestimmte Lernschritte und die Aneignung bestimmter kommunikativer Fähigkeiten zu vermitteln, und zu einer intuitiven Beherrschung der Sprache anzuleiten. Darstellungen von Regeln der deutschen Grammatik aus Sprachlehrwerken und aus wissenschaftlichen Werken können sich daher teils deutlich unterscheiden.

Substantiv[Bearbeiten]

Substantive (auch Nomen im engeren Sinne oder Hauptwörter) werden stets großgeschrieben. Man unterscheidet die sog. „Gegenstandswörter“ („Konkreta“) - z. B. Tisch, Pferdekutsche - von den sog. „Begriffswörtern“ („Abstrakta“) – z. B. Mut, Veränderung. Ferner unterscheidet man zählbare Substantive - z. B. Pferd, Tisch - von den unzählbaren - z. B. Mut, Frieden. Nur bei zählbaren Substantiven ist die Bildung eines Plurals sinnvoll (z. B. Tische, Pferde); bei unzählbaren Substantiven verwendet man zum Teil mit Hilfskonstruktionen (z. B. Friedenszeiten).

Numerus[Bearbeiten]

Das Deutsche unterscheidet Singular (Einzahl) und Plural (Mehrzahl) in den Formen der Substantive, Adjektive, Artikel und Pronomen. Aus dem Indogermanischen ist ein Dual noch in den veralteten Formen des Wortes für zwei (zween, zwo) erkennbar. In den bairischen Dialekten geht zudem das Personalpronomen der 2. Person Plural (ös/es) auf eine alte Dualform zurück.

Beim Substantiv entspricht der Nominativ Singular stets der Grundform, der Nominativ Plural kann durch

  1. Anhängen eines Suffixes - z. B. das Rohr → die Rohre
  2. die Variation eines Vokals (Umlaut) - z. B. die Mutter → die Mütter
  3. beide Mittel - z. B. der Baum → die Bäume
  4. Belassen der Grundform - z. B. der Lehrer → die Lehrer
  5. eine besondere Pluralendung (meist bei Fremdwörtern) - z. B. der Atlas - die Atlanten

angezeigt werden.

Siehe auch: Plural

Folgende Grundregeln der Pluralbildung gelten für etwa 70 % der Substantive:

  • Maskuline und neutrale Substantive bilden den Plural mit -e (oft mit zusätzlichem Umlaut): Dinge, Bäume Substantive.
  • Feminina bilden den Plural mit -(e)n: Frauen, „Kugeln.
  • Einige Eigennamen, einige Abkürzungen, viele Fremdwörter, Onomatopoetika und Substantive, die in der Grundform auf einen unbetonten Vokal enden, bilden den Plural mit -s: Müllers, Unis, Tests, Autos, Töff-töffs, Omas.

Außerdem sollten folgende Ausnahmeregeln beachtet werden:

  • Einige Maskulina und Neutra bilden den Plural auf „-(e)n“: Bären, Boten.
  • Einige einsilbige Maskulina und Neutra bilden den Plural auf „-er“ (oft mit zusätzlichem Umlaut): Häuser, Kinder, Männer.
  • Einige Feminina bilden den Plural auf „-e“ (immer mit zusätzlichem Umlaut): Bänke, Kühe, Nöte.
  • Wenige Feminina bilden den Plural ohne Suffix, aber mit Umlaut: Mütter, Töchter.
  • Die meisten Maskulina/Neutra auf „-el“, „-en“, „-er“, „-lein“ oder „-chen“ sowie einige Neutra die mit „Ge-“ beginnen und auf „-e“ enden stehen auch im Plural in der Grundform: Mädchen, Wagen, Lehrer, Gebilde.

Fremd- und Fachwörter, die aus dem Lateinischen, einer romanischen Sprache oder dem Griechischen stammen, bilden den Plural manchmal in Anlehnung an die Ursprungssprache:

  • der Atlas → die Atlanten (auch: die Atlasse)
  • der Mechanismus → die Mechanismen
  • die Pizza → die Pizzen (auch: die Pizzas)
  • das Solo → die Soli (auch: die Solos)
  • das Taxi → die Taxen (auch: die Taxis)
  • das Visum → die Visa oder die Visen

Es gibt auch Wörter, bei denen zwei bis zu maximal vier Pluralbildungen vorkommen, wobei die Bedeutung der beiden sich unterscheiden kann:

  • Wort → die Worte (z. B. in Dankesworte), Wörter (z. B. in Wörterbuch)
  • Junge → Jungen, Jungs
  • Mann → Männer, Mannen (z. B. in Etzels Mannen), Mann (z. B. in drei Mann)

Zu erwähnen ist auch, dass Substantive wie Kaufmann/Kauffrau oder Obmann/Obfrau ihren Plural meist geschlechtsneutral durch Anhängen von „-leute“ (anstelle von „-männer“ oder „-frauen“) bilden: Kaufleute, Obleute.

Die Deklination eines Substantivs kann sowohl im Singular als auch im Plural erfolgen, es existiert also z. B. neben dem Dativ Singular auch ein Dativ Plural eines jeden Substantivs. Die unterschiedlichen Pluralendungen sind auch ausschlaggebend für die Einordnung des Substantivs in eine Deklinationsklasse.

Genus[Bearbeiten]

Das Deutsche kennt drei Genera ((Wort-, Sprach-)Geschlechter):

Im Plural verschwindet die Unterscheidung zwischen den Genera (z. B. beim Artikel), im Gegensatz zu den meisten romanischen Sprachen.

Wenngleich keine wirklichen Regeln existieren, lassen sich bezüglich der Wortendungen doch Regelmäßigkeiten in der Zuordnung der Genera beobachten:

  • Maskulinum
Viele typische Endungen für Maskulina bezeichnen Personen, z. B. -är, -and, -ant, -ast, -at, -er, -et, -eur, -ier, -iker, -ikus, -ist, -ling, -ologe, -or. Auch die Endungen -asmus und -ismus deuten auf das männliche Geschlecht hin (der Pleonasmus, der Sozialismus). Das Anhängen der Nachsilbe -in führt meist zur entsprechenden weiblichen Personenbezeichnung (der Millionär → die Millionärin, der Soziologe → die Soziologin).
  • Femininum
Fast alle Substantive, die auf -a enden, sind weiblichen Geschlechts. Auch die auf -e endenden Substantive sind zumeist weiblich, eine größere Ausnahmen bildet jedoch die Gruppe der auf -e endenden Personenbezeichnungen (der Bote, der Schwede, der Rüde) - hier handelt es sich männliche Substantive. Zudem deuten die Endungen -heit, -keit, -schaft und -ung auf weibliches Geschlecht hin. Dafür typische sind auch die Fremdwortendungen -ade, -age, -anz, -ase, -ei, -elle, -enz/-ienz, -ere/-iere, -ette, -ie, -ik, -ion/-tion, -itis, -ive, -ose, -sis, -ur.
  • Neutrum
Die diminuierenden Endsilben -chen und -lein lassen jedes Substantiv - gleich welchen Geschlechts - zum Neutrum werden (der Engel → das Engelein, die Frau → das Frauchen). Auch Sammelbezeichnungen, die mit der Silbe „Ge-“ beginnen, sind sämtlich Neutra (Gebüsch, Gespräch, Getrommel).

Auffallend ist, dass sich Sexus (natürliches Geschlecht) und Genus (grammatikalisches Geschlecht) unterscheiden können, (die Geisel, das Kind, das Mädchen, der Trampel, das Weib, das Pferd).

Zudem gibt bei einigen Substantiven einzig das Geschlecht Auskunft über die jeweilige Bedeutung: So bezeichnet z. B. der Verdienst ein Gehalt oder Einkommen, das Verdienst dagegen die Leistungen einer Person oder Institution (bedeutungsverwandte Substantive). Analog dazu meint das Tau ein Seil, der Tau dagegen eine Form des Niederschlags (nicht bedeutungsverwandte Substantive).

Kasus[Bearbeiten]

Zu unterscheiden sind vier Formen der Kasus (Fälle):

1. Fall: Nominativ
Frage/Erklärung Wer oder was? (Subjekt/Redegegenstand, Prädikativ)
Beispiele Hans ist Bäcker.“ (Hans: Subjekt; Bäcker: Prädikativ zum Verb „sein“; beide Substantive stehen im Nominativ)
Die Nudeln schmecken mir gut.“ (Redegegenstand)
2. Fall: Genitiv
Frage/Erklärung Wessen? (meist attributiv, als Objekt nur bei wenigen Verben auftretend, auch führen einige Präpositionen und Halbpräpositionen den Genitiv mit sich)
Beispiele Claudias Tasche“ (Attribut zur „Tasche“)
„Wir gedenken der Toten.“ (das Verb „gedenken“ erfordert ein Genitivobjekt)
„kraft seines Scharfsinns“ (die Halbpräposition „kraft“ erfordert eine Genitivkonstruktion)
der deutschen Sprache mächtig“ (attributiver Gebrauch)
3. Fall: Dativ
Frage/Erklärung Wem? (von einer Handlung, einem Ereignis oder einem Zustand betroffene Personen oder Dinge)
Beispiele jemandem vertrauen“
„Ich zeige dem Schaffner meine Fahrkarte.“
4. Fall: Akkusativ
Frage/Erklärung Wen oder was? (Objekt oder Person, auf die eine Handlung zielt oder die von einem Prozess erfasst werden)
Beispiele jemanden treffen“
einen Vertrag abschließen“

Bei der Verwendung der nummerierten Bezeichnungen für die Kasus ist Vorsicht geboten: Zwar ist die Reihenfolge Nominativ - Genitiv - Dativ - Akkusativ die meistverwendete, aber auch die Abfolge Nominativ - Akkusativ - Dativ - Genitiv (nach der Häufigkeit des Auftretens) ist gängig.

Einige Kasusendungen sind in der Sprachgeschichte verloren gegangen, so dass der Artikel als eigentlicher Kasusanzeiger dient. Eine gut markierte Endung hat im Singular männlicher und sächlicher Substantive der Genitiv (-„(e)s“) (des Hauses, des Schriftstellers, des Schrank(e)s); im Dativ Singular ist eine spezifische Endung (-„e“) selten geworden (im Falle, dem Manne); im Dativ Plural enden sämtliche Substantive (mit Ausnahme vieler Fremdwörtern) auf -„n“ (von Fremdwörtern, bei Männern, unter Jugendlichen).

Im Gegensatz zu etwa der altgriechischen, lateinischen und polnischen Sprache entspricht im Deutschen der Vokativ (Anredefall) formal dem Nominativ: „Kater, verzieh dich!“ oder „Peter, komm doch endlich zum Essen!“ Ausgenommen sind einige Fremdwörter aus dem Lateinischen (z.B. Jesus → Jesu, Christus → Christe).

Eine umgangssprachliche Alternative des Genitivs ist die Konstruktion Präposition und Dativ:

  • die Freundin meines Bruders → „die Freundin von meinem Bruder“
  • die Freundin meines Bruders → „mein(em) Bruder seine Freundin“ (v.a. in Dialekten)
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung: Bei "trotz" sollte zumindest etwas erwähnt werden wie "trotz dem gilt heutzutage als umgangssprachlich". "trotz dem" findet sich nämlich auch bei Schiller und ist auch zu "trotzdem" verschmolzen, und man könnte womöglich behaupten, daß "trotz des" hyperkorrekt ist (oder ursprünglich war). Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Analog dazu, ebenfalls Beispiele aus der Umgangssprache:

  • dessen Job → „dem sein Job“
  • wegen/trotz des Regens → „wegen/trotz dem Regen“

In der Standardsprache folgt nach wegen und trotz in den meisten Fällen der Genitiv (wegen des Regens, trotz des Regens). Steht nach wegen oder trotz ein stark zu beugendes Substantiv im Singular ohne Artikel und ohne Attribut, kann (im Falle von „wegen“) oder muss (im Falle von „trotz“) die Genitivendung entfallen (wegen Umbaus geschlossen oder wegen Umbau geschlossen bzw. trotz Umbau geöffnet). Der Dativ wird nach wegen verwendet, wenn der Genitiv nicht erkennbar ist (wegen manchem), was vor allem im Genitiv Plural (ohne vorangestelltes deklinierbares Wort) oft der Fall ist (wegen Büchern). Personalpronomina werden wegen häufig vorangestellt und zusammengeschrieben (meinet-, deinet-, seinet-, unseret-, euret-, ihretwegen); heute nur noch sehr selten in Gebrauch sind die bedetungsgleichen Ausdrücke wegen meiner, wegen deiner, wegen ihrer/seiner, wegen unser, wegen eurer, wegen ihrer.

Der Genitiv lebt nach wie vor als Attribut zu Substantiven und nach substantivierten Verben (Verbalstil: die Kirche besichtigen → Nominalstil: die Besichtigung der Kirche) sowie nach den zahlreichen Halbpräpositionen (dank, kraft, aufgrund, …).

Artikel[Bearbeiten]

Das Deutsche kennt grundsätzlich zwei Arten von Artikeln, die sich hinsichtlich der Definitheit unterscheiden: die bestimmten (definiten) Artikel wie „der“, „die“ und „das“ sowie die unbestimmten (indefiniten) Artikel wie „ein“ und „eine“. Die Artikel werden nach Kasus, Numerus und Genus dekliniert. Alle Deklinationsformen der deutschen Artikel finden sich in untenstehender Tabelle.

Der unbestimmte Artikel ist mit dem Zahlwort für die Zahl eins identisch. Im Deutschen hat er - im Gegensatz zum Französischen - keine eigene Pluralform. Manche Grammatiken führen als Plural von „ein“ jedoch „einige“ auf. (Eine Ausnahme bildet die Wendung die einen - die anderen, die auch im Plural dekliniert werden kann, z. B. Mit den einen verstand ich mich gut, mit den anderen nicht so.)

Bestimmte Artikel
Singular Maskulinum Femininum Neutrum Plural
Nominativ der die das die
Genitiv des der des der
Dativ dem der dem den
Akkusativ den die das die
Unbestimmte Artikel
Singular Maskulinum Femininum Neutrum
Nominativ ein eine ein
Genitiv eines einer eines
Dativ einem einer einem
Akkusativ einen eine ein

Die Deklination der männlichen Artikel ist am ausgeprägtesten und unterscheidet sowohl bei bestimmten als auch bei unbestimmten Artikeln deutlich. Die sächlichen Artikel sind in ihrer Deklination mit den männlichen im Genitiv und Dativ identisch. Hingegen besteht im Singular der weiblichen Deklination ein Synkretismus zwischen Nominativ und Akkusativ sowie zwischen Genitiv und Dativ. Die Unterscheidung in grammatikalische Geschlechter fällt im Plural völlig weg, was das Deutsche von allen romanischen Sprachen unterscheidet.

Deklinationsklassen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Deutsche Deklination

Die Flexion der Substantive heißt Deklination. Substantive deklinieren nach Fall (Kasus) und Zahl (Numerus), aber nicht nach dem Geschlecht (Genus), da das Deutsche über kein Differenzialgenus verfügt, sondern das Geschlecht eine inhärente Eigenschaft der Wörter bzw. der Derivationsmorpheme ist. Die Deklinationsklassen korrelieren teilweise mit einem Genus oder zwei Genera, aber in allen Fällen gibt es Ausnahmen.

Die Regeln der deutschen Deklination sind sehr subtil, was die Erlernung der deutschen Sprache am Anfang erschwert. Die deutsche Sprache verfügt u. a. über das Phänomen der „inneren Deklination“, d. h., dass sich nicht nur die Endung beim Deklinieren ändern kann, sondern - insbesondere bei der Pluralbildung - auch der Stamm (der Baum → die Bäume, das Haus → die Häuser) einer Vokalveränderung hin zu einem Umlaut unterliegt.

Im Allgemeinen gelten folgende Grundsätze für die Deklination aller Substantive:

  • Feminina sind im Singular stets unveränderlich.
  • Im Plural sind Nominativ, Genitiv und Akkusativ stets identisch: die Tage, der Tage, die Tage.
  • Bei allen Feminina und Neutra sind, in Singular und Plural, jeweils Nominativ und Akkusativ stets identisch.
  • Die Dativ-Singular-Endung „-(e)“, die in einigen der untensthenden Deklinationsklassen optional ist, wird heute kaum noch verwendet.
  • Es gibt folgende Endungen: „-(e)“, „-(e)n“, „-(e)r“, „-(e)s“. Bei starken Substantiven ist der Dativ Plural am deutlichsten erkennbar, bei Maskulina und Neutra der Genitiv Singular.

Man unterscheidet bei der Deklination:

  • stark zu deklinierende Substantive (Klassen S1 bis S7)
Die Substantive in dieser Klasse besitzen die Genitivendung „-(e)s“ und/oder erhalten bei der Pluralbildung einen Umlaut im Wortstamm. Es werden nur die Vokale a → ä, au → äu, o → ö und u → ü umgelautet. Ist keiner dieser Vokale im Wortstamm vorhanden, so wird nicht umgelautet. Die Umlautung von Doppelvokalen wie erfolgt zu einfachem Umlaut (z. B. Saal → Säle). Ferner sind Nominativ und Akkusativ auch im Singular stets identisch; bei Maskulina und Neutra kann im Dativ Singular die Endung „-(e)“ angefügt werden. Die Endung „-(e)n“ kommt hier ausschließlich im Dativ Plural vor.
  • schwach zu deklinierende Substantive (Klassen W1 und W2)
Die Substantive in dieser Klasse besitzen weder die Genitivendung „-(e)s“ noch erfolgt eine Umlautung. Vielmehr ist hier die Endung „-(e)n“ in diversen Kasus (v. a. im Plural) kennzeichnend. Diese entfällt in der Umgangssprache bisweilen, muss jedoch in der Standardsprache stehen.
  • Mischformen (Klassen M1 und M2)
Die Substantive in dieser Klasse sind ausnahmslos Maskulina und Neutra. Die Flexion erfolgt als Mischung aus starker und schwacher Deklination, d.h. der Singular wird stark dekliniert (Genitivendung „-(e)s“ in M1 bzw. „-(e)ns“ in M2) und der Plural schwach (keine Umlautung, Pluralendung „-(e)n“).
  • besondere Arten der Deklination (Klassen F1 und F2)
Bei Fremdwörtern erfolgt die Deklination oft auf andere Art und Weise, z. B. nach F1 oder F2. Zum Teil ist die Deklination von Fremdwörtern aber auch eingedeutscht, d.h. sie werden nach einer der oben genannten Klassen dekliniert. So werden z. B. zahlreiche Fremdwörter auf „-and“, „-ant“, „-at“, „-ent“, „-et“, „-it“, „-ist“ und „-ot“ nach Klasse W1 flektiert.

Die in den Tabellen aufgelisteten Endungen werden an den Deklinationsstamm des jeweiligen Substantivs angehängt. Das Symbol „⸚“ bedeutet Umlautung im Deklinationsstamm, das Zeichen „-∅“ heißt keine Endung wird angehängt. Die nach dem Namen der Deklinationsklasse angegebenen Endung sind jeweils die des Genitiv Singular und des Nominativ Plural.

Deutsche Deklinationsklassen
Numerus Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ
S1 (m./n.): -(e)s, ⸚e (z. B. der Berg → des Berg(e)s, die Berge ODER der Baum → des Baum(e)s, die Bäume)
Singular -∅ -(e)s -(e) -∅
Plural ⸚e ⸚e ⸚en ⸚e
S2 (m./n.): -(e)s, ⸚er (z. B. das Bild → des Bild(e)s, die Bilder ODER der Wald → des Wald(e)s, die Wälder)
Singular -∅ -(e)s -(e) -∅
Plural ⸚er ⸚er ⸚ern ⸚er
S3 (f.): -∅, ⸚e (z. B. die Kraft → der Kraft, die Kräfte)
Singular -∅ -∅ -∅ -∅
Plural ⸚e ⸚e ⸚en ⸚e
S4 (m./n.): -(e)s, -e (z. B. das Schaf → des Schaf(e)s, die Schafe)
Singular -∅ -(e)s -(e) -∅
Plural -e -e -en -e
S5 (m./n.): -s, ⸚∅ (z. B. der Boden → des Bodens, die Böden)
Singular -∅ -s -∅ -∅
Plural ⸚∅ ⸚∅ ⸚n ⸚∅
S6 (f.): -∅, ⸚∅ (NUR die Mutter → der Mutter, die Mütter UND die Tochter → der Tochter, die Töchter)
Singular -∅ -∅ -∅ -∅
Plural ⸚∅ ⸚∅ ⸚n ⸚∅
S7 (m./n.): -s, -∅ (z. B. der Jäger → des Jägers, die Jäger)
Singular -∅ -s -∅ -∅
Plural -∅ -∅ -n -∅
W1 (m./n.): -(e)n, -(e)n (z. B. der Bär → des Bären, die Bären ODER der Bauer → des Bauern, die Bauern)
Singular -∅ -(e)n -(e)n -(e)n
Plural -(e)n -(e)n -(e)n -(e)n
W2 (f.): -∅, -(e)n (z. B. die Meinung → der Meinung, die Meinungen)
Singular -∅ -∅ -∅ -∅
Plural -(e)n -(e)n -(e)n -(e)n
M1 (m./n.): -(e)s, -(e)n (z. B. der Staat → des Staat(e)s, die Staaten ODER das Auge → des Auges, die Augen)
Singular -∅ -(e)s -(e) -∅
Plural -(e)n -(e)n -(e)n -(e)n
M2 (m./n.): -(e)ns, -(e)n (z. B. der Name → des Namens, die Namen ODER das Herz → des Herzens, die Herzen)
Singular -∅ -(e)ns -(e, en) -(n)
Plural -(e)n -(e)n -(e)n -(e)n
F1 (m./n.): -s, -s (z. B. das Radio → des Radios, die Radios)
Singular -∅ -s -∅ -∅
Plural -s -s -s -s
F2 (f.): -∅, -s (z. B. die Kamera → der Kamera, die Kameras)
Singular -∅ -∅ -∅ -∅
Plural -s -s -s -s

Adjektive[Bearbeiten]

Das Adjektiv wird im Deutschen auch als Eigenschaftswort oder Beiwort bezeichnet. Es kann als Attribut oder als Prädikativum verwendet werden:

  • Attributive Verwendung: Er hatte ein langes und erfülltes Leben.
  • Prädikative Verwendung: Sein Leben war lang und erfüllt.

Attribute beschreiben die Eigenschaften eines Bezugsnomens (hier Leben) genauer; sie stehen im Deutschen immer vor dem Bezugsnomen. Die Deklination folgt unterschiedlichen Mustern, je nachdem, ob das Nomen mit einem bestimmten Artikel eingeleitet wird (das lange Leben) bzw. einem unbestimmten Artikel (ein langes Leben); siehe unten. Prädikativa sind hingegen unveränderlich. Sie entsprechen rein formal den Adverbien, dienen der Vervollständigung der Satzaussage (Prädikat) und beziehen sich somit immer auf ein Verb (sein).

Komparation[Bearbeiten]

Hauptartikel: Komparation

Die meisten Adjektive existieren in drei Komparationsformen (Steigerungsformen):

  • Positiv/Grundform (schön, träge, ein weiter Weg)
  • Komparativ, meist mit Endung „-er“, mit Endung „-r“ für Adjektive mit Grundform auf „-e“ (schöner, träger, einen weiteren Weg, der trägere)
  • Superlativ, meist mit Endung „-st“, mit Endung „-est“ für Adjektive mit Grundform auf -„s“, „-ß“, „-sch“, „-d“, „-t“, „-tz“, „-x“ oder „-z“ (am schönsten, am trägsten, der weiteste Weg)
Positiv (Grundstufe)
Anwendungsfälle (neutrale) Beschreibung von Eigenschaften
Beschreibung gleichwertiger Eigenschaften (so/genauso ... wie)
Beschreibung ungleicher Eigenschaften durch Hilfskonstruktionen
Beispiele „Mein Pferd ist schnell.“ / „Viele Leute besitzen schnelle Rennpferde.“
„Mein Pferd ist genauso schnell wie deines.“ / „Trotz seiner erst sechs Jahre kann er schon so gut rechnen wie seine ältere Schwester.“
„Dein Pferd ist nicht so schnell wie meines.“ / „Das Design ist eher befremdlich als progressiv.
Komparativ (Höherstufe)
Anwendungsfälle Beschreibung ungleicher Eigenschaften (...er als)
Ausdruck kleiner Unterschiede bzw. Understatement durch Verwendung ohne Vergleichswort als (absoluter Komparativ)
Beispiele „Mein Pferd ist schneller als deines.“
„ein älterer Herr“ / „ein Frau reiferen Alters“
Superlativ (Höchststufe)
Anwendungsfälle Beschreibung herausragender Eigenschaften
Beschreibung des sehr hohen Grades einer Eigenschaft unter Verzicht auf am (absoluter Superlativ)
Beispiele „Zu Hause ist es immer noch am schönsten.“ / „Sein Wille ist stets am größten.
„Um uns den Stoff anschaulich zu vermitteln, macht unser Biologielehrer die größten Verrenkungen.“ / „Dieses Projekt hat höchste Priorität.“

Die Steigerung eines Adjektivs ist bisweilen auch durch einen vorangestellten Zusatz möglich, z. B. „eiskalt“, „extragroß“.

Wechsel im Komparativ und Superlativ von a, o, u zu den Umlauten ä, ö, ü, z. B. kalt → kälter → am kältesten, groß → größer → am größten, dumm → dümmer → am dümmsten. Bisweilen ist auch die Steigerung mit und ohne Umlaut möglich, z. B. nass → nässer → am nässesten oder nass → nasser → am nassesten.

Unregelmäßige Steigerungsformen: gut → besser → am besten, viel → mehr → am meisten, gerne → lieber → am liebsten, groß → größer → am größten, hoch → höher → am höchsten, nah → näher → am nächsten, wenig → minder → am mindesten (neben: wenige → weniger → am wenigsten).

Für die Deklination gelten bei allen Steigerungsformen dieselben Regeln. Der Superlativ liegt grundsätzlich immer in der deklinierten Form vor - auch bei Prädikativa („Dieses Outfit ist am ausgefallensten.“).

Deklination[Bearbeiten]

Hauptartikel: Deutsche Deklination

Das attributiv verwendete Adjektiv steht generell in KNG-Kongruenz zu seinem Bezugssubstantiv, d. h. es muss diesem in Kasus, Numerus und Genus angeglichen werden. Die Flexionsendung wird aber nicht nur durch das Bezugssubstantiv festgelegt, sondern auch durch die Definitheit (bestimmt, unbestimmt) des vorangehenden Artikels oder Begleiters.

Die starke Deklination wird angewandt, wenn das Adjektiv ohne Artikel beim Bezugssubstantiv steht, z. B. schwarzer Kaffee, und kommt auch bei manchen Zahladjektiven und Indefinitpronomen zum Einsatz, z. B. viele schöne Stunden.

Die schwache Deklination verwendet man, wenn das Adjektiv nach dem bestimmten Artikel oder einer vergleichbar deklinierenden Wortart (z. B. Demonstrativpronomen) steht (der große Felsen, diesem starken Unwetter). Dies gilt auch, wenn der bestimmte Artikel mit einer Präposition verschmolzen ist wie z. B. in den Kurzwörtern „am“, „ans“ „beim“, „im“, „ins“ „vom“, „zum“, „zur“ (beim großen Felsen, zur neuen Brücke).

Die gemischte Deklination wird gebraucht, wenn das Adjektiv nach dem unbestimmten Artikel oder einer vergleichbar deklinierenden Wortart (z. B. Possessivpronomen) steht (eines alten Gemäuers, mein neues Fahrrad).

Starke Deklination der Adjektive
Singular Maskulinum Femininum Neutrum Plural
Nominativ -er -e -es -e
Genitiv -es -er -es -er
Dativ -em* -er -em* -en
Akkusativ -en -e -es -e
Schwache Deklination der Adjektive
Singular Maskulinum Femininum Neutrum Plural
Nominativ -e -e -e -en
Genitiv -en -en -en -en
Dativ -en -en -en -en
Akkusativ -en -e -e -en
Gemischte Deklination der Adjektive
Singular Maskulinum Femininum Neutrum Plural
Nominativ -er -e -es -en
Genitiv -en -en -en -en
Dativ -en -en -en -en
Akkusativ -en -e -es -en

* Bei mehreren aufeinanderfolgenden, stark deklinierenden Adjektiven braucht nur einmal die starke Endung „-em“ stehen, dann kann auch die schwache Endung „-en“ verwendet werden (in dichtem, hohem Gras oder in dichtem, hohen Gras). Ansonsten gilt: Wenn mehrere hintereinander stehenden Adjektive dekliniert werden sollen, so haben sie die gleichen Endungen („ein dickes, aber gutes und unterhaltsames Buch“).

Des Weiteren wird bei der Flexion einiger weniger Adjektive der Stammes verändert (z. B. „hoch“ → ein hoher Baum, eines hohen Baumes usw.).

Substantiverung von Adjektiven[Bearbeiten]

Häufig findet man im Deutschen eine rein substantivische Verwendung, d. h. Substantivierung des Adjektives. Auch hier gibt es eine starke, schwache und gemischte Deklination, die sich im Wesentlichen nach obenstehenden Regeln richtet. Das substantivierte Adjektiv wird dann großgeschrieben. Beispiel: Der Ältere ist tatsächlich schneller und stabiler als sein Nachfolger. Ein Älterer ist meist nicht so schnell und stabil wie sein Nachfolger.

Oft wird ein attributiv gebrauchtes Adjektiv auch ohne Bezugssubstantiv verwendet, um eine Wiederholung des Substantivs zu vermeiden, z. B. Der ältere Bruder studiert Medizin, der jüngere Jura.. In diesem Fall gilt das Adjektiv jüngere nicht als substantiviert und wird daher auch nicht großgeschrieben.

Verben[Bearbeiten]

Hauptartikel: Verb

Verben teilen sich im Deutschen im Wesentlichen in drei Kategorien:

  • Handlungs- oder Tätigkeitsverben machen den größten Anteil der Verben aus und beschreiben, dass jemand eine bestimmte Handlung oder Tätigkeit vollzieht: „Er sieht fern.“ / „Sie pilgert nach Altötting.“ / „Ich koche Kaffee.“
  • Vorgangsverben beschreiben einen üblichen, länger andauernden Ablauf oder eine sich vollziehende Entwicklung: „Es regnet.“ / „Bäume wachsen.“ / „Schüler lernen ungern.“
  • Zustandsverben beschreiben eine momentane änderbare oder nicht änderbare Lage: „Er ist vierzig Jahre alt.“ / „Der Radius misst fünfzig Millimeter.“ / „Paris liegt an der Seine.“

Wie die alternative deutsche Bezeichnung „Zeitwörter“ zum Ausdruck bringt, können Verben in verschiedenen Zeitformen (Tempi) stehen, und oftmals erschließt sich erst durch diese jeweils die zeitliche Einordnung des Satzinhalts:

„Ich fahre nach Hause.“ – Gegenwart (Präsens)
„Ich fuhr nach Hause.“ – Vergangenheit (hier: Präteritum)
„Ich werde nach Hause fahren.“ – Zukunft (hier: Futur I)

In der sekundären Konjugation unterscheidet das Deutsche drei Personen (1., 2. und 3. Person) und zwei Numeri (Singular und Plural). Das Verb steht in PN-Kongruenz zum Subjekt des Satzes, d. h., Subjekt und Prädikat müssen in Person und Numerus übereinstimmen. Wie in allen germanischen Sprachen ist zudem der Unterschied zwischen starken und schwachen Verben bedeutsam.

Die deutsche Sprache tendiert dazu, den Gebrauch von Hilfsverben gegenüber der synthetischen Flexion vorzuziehen. Während dies beim Passiv und im Futur vollkommen normal ist, vermuten manche das langsame Aussterben der Konjunktive oder sogar des Präteritums.

Verbformen[Bearbeiten]

Infinite Verbformen (unbestimmte Verbformen) können nicht flektiert werden und liefern keine Aussage über Person, Zeit und Zahl des Verbs:

  • Infinitiv (Nennform): laufen, tanzen, essen, … - endet auf „-(e)n“
  • Partizip 1 (Partizip Präsens): laufend, tanzend, essend, … - endet auf „-(e)nd“; sehr selten verwendet
  • Partizip 2 (Partizip Perfekt): gelaufen, getanzt, gegessen, … - beginnt mit „ge-“, endet auf „-(e)t“ oder „-en“

Bei finiten Verbformen (bestimmten Verbformen) ändert sich die Endung des Verbs, wenn es in Personen gesetzt wird. Die so gebildeten Personalformen geben Person, Zeit und Zahl an:

  • gingst: 2. Person/Singular/Indikativ/Präteritum/aktiv
  • kämen: 1. oder 3. Person/Plural/Konjunktiv II (Gleichzeitigkeit)/aktiv

Tempusformen[Bearbeiten]

Das Deutsche kennt nur zwei eigentliche Zeiten, nämlich Präsens und Präteritum, mit deren Hilfe sämtliche Tempus­formen gebildet werden können. Lediglich einige Konjunktiv-II-Formen weichen von der eigentlichen Präteritum-Ableitung ab (siehe unten).

Plusquamperfekt, Futur II und auch Futur I werden eher selten in der gesprochenen Sprache verwendet. Manche Dialekte kennen diese Tempora nicht. Einige Dialekte kennen dafür das Plusplusquamperfekt oder „doppeltes Perfekt“ (z. B. Er hat ihn gesehen gehabt). Süddeutsche Dialekte haben kein Präteritum mit Ausnahme der Modal- und Hilfsverben. Im Schweizerdeutschen gibt es überhaupt kein Präteritum. Das Plattdeutsche kennt dagegen alle sechs Zeitformen, wobei die Futurformen mit sollen (auf Platt: sölen oder schölen [ik sall/schall]) gebildet werden.

Gegenwart[Bearbeiten]

Die zeitliche Gegenwart wird im Deutschen nur durch ein einziges Tempus, das Präsens, ausgedrückt:

  • Es beschreibt eine gegenwärtig passierende Handlung: Ich schreibe ihm. / Er geht spazieren. / Sie können sich nicht einigen.
  • Es kann aber auch als historisches Präsens Präteritum bzw. Perfekt ersetzen und steht oft zusammen mit einem Adverbial der Zeit: 1815 unterliegt Napoleon in Waterloo.
  • V. a. in der Umgangssprache ersetzt es auch das Futur I und steht in solchen Fällen ebenfalls oft zusammen mit einem Adverbial der Zeit: Morgen gehe ich ins Kino.
  • Sprichwörter stehen meist im gnomischen Präsens: Hochmut kommt vor dem Fall.

Vergangenheit[Bearbeiten]

Das Präteritum (nicht Imperfekt!) ist die klassische Erzählvergangenheitsform (episches Präteritum) - eine Handlung beschreibend, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit aktuell war: Ich schrieb ihm. / Er ging spazieren. / Sie konnten sich nicht einigen.

Nach Jacob Grimm ist es die einzige echte Zeitform, die das Deutsche hat. Dabei muss freilich das Präsens als ohnehin gegeben vorausgesetzt werden. In der heutigen Zeit ist allerdings im mittel- und oberdeutschen Sprachraum selbst das Präteritum zugunsten des Perfekts fast verschwunden. Dahingegen wird es in Norddeutschland noch sehr häufig gebraucht, wobei auch hier die Verwendung des Perfekts zunimmt.

Das Perfekt [lat.: „vollendet“] beschreibt Handlungen in der Vergangenheit, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt vollzogen sind: Ich habe ihm geschrieben. / Er ist spazieren gegangen. / Sie haben sich nicht einigen können.

Das Plusquamperfekt beschreibt eine Handlung, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit bereits vollzogen war: Ich hatte ihm geschrieben. / Er war spazieren gegangen. / Sie hatten sich nicht einigen können.

Zukunft[Bearbeiten]

Das Futur I ist die deutlich gängigere Zeitform des Futur und bezieht sich auf Handlungen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft erst aktuell sein werden: Ich werde ihm schreiben. / Er wird spazieren gehen. / Sie werden sich nicht einigen können.

Das Futur II beschreibt Handlungen, die erst zum genannten Zeitpunkt vollzogen sein werden: Ich werde ihm geschrieben haben. / Er wird spazieren gegangen sein. / Sie werden sich nicht einigen haben können.

Bildung der Tempusformen[Bearbeiten]

Die Bildung der Präsens- und Präteritumformen erfolgt durch Anhängen der jeweiligen Endung an den Wortstamm des Verbs - in der Regel der Infinitiv ohne Endung „-(e)n“: ich zittere, du zitterst, er zittert, wir zittern, ihr zittert, sie zittern; ich zitterte, du zittertest, er zitterte, wir zitterten, ihr zittertet, sie zitterten. Wie aus untenstehender Tabelle ersichtlich, ähneln sich die Konjugationsendungen für Präsens und Präteritum stark. Beim Präteritum ist zwischen Stamm und Präsensendung entweder „-t“ oder „-et“ eingefügt. Die 1. und 3. Person Plural Präsens sind bis auf das Verb „sein“ (wir sind, sie sind) immer identisch mit dem Infinitiv.

Regelmäßige Konjugation Präsens
Singular Plural
1. Person -e -(e)n
2. Person -(e)st -(e)t
3. Person -t -(e)n
Regelmäßige Konjugation Präteritum
Singular Plural
1. Person -t-e -t-en
2. Person -(e)te-st -(e)te-t
3. Person -t-e -t-en

Bei unregelmäßigen (starken) Verben weicht die Konjugation in Präsens und Präteritum zum Teil stark von den obigen Tabellen ab. Auch die für andere Zeitformen als Hilfsverb gebrauchten sein und haben weichen von der Norm ab:

sein: ich bin, du bist, er ist, wir sind, ihr seid, sie sind; ich war, du warst, er war, wir waren, ihr wart, sie waren

haben: ich habe, du hast, er hat, wir haben, ihr habt, sie haben; ich hatte, du hattest, er hatte, wir hatten, ihr hattet, sie hatten

Die Formen der Vergangenheitstempora Perfekt und Plusquamperfekt werden mit den konjugierten Hilfsverben haben oder sein und dem Partizip Perfekt (Partizip II) gebildet. Das Hilfsverb steht dabei beim Perfekt selbst im Präsens, beim Plusquamperfekt im Präteritum: ich habe gesucht ↔ ich hatte gesucht, er ist gefahren ↔ er war gefahren. Das Partizip II besteht in der Regel aus „ge-“ + Infinitivstamm + „-(e)t“, bei unregelmäßigen (starken) Verben besitzt es oft auch die Endung „-en“: zittern → gezittert, spielen → gespielt, gehen → gegangen. Bei Verben mit Vorsilbe kann „ge-“ beim Partizip II wegfallen oder innerhalb des Partizips stehen: vergessen → ich hatte es vergessen, verachtet → sie hat ihn verachtet, eingladen → ich habe sie eingeladen.

In der Regel werden Perfekt und Plusquamperfekt mit dem Hilfsverb haben gebildet: ich habe gespielt, er hatte gesucht, wir hatten vergessen, ihr habt gegessen. Das Hilfsverb sein wird hauptsächlich bei Verben der Bewegungsart und -richtung verwendet: ich bin geschwommen, du warst gegangen, ihr wart gekommen, sie sind gefahren.

Charakteristisch für unregelmäßige (starke) Verben ist die Änderung des Stammlauts zwischen Infinitiv, Präteritumformen und Partizip Perfekt. Die Lautveränderungen lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:

  • gleicher Stammlaut in Infinitiv und Partizip Perfekt: essen → aß → gegessen, graben → grub → gegraben, laden → lud → geladen, stoßen → stieß → gestoßen
  • gleicher Stammlaut in Präteritum und Partizip Perferkt: bieten → bot → geboten, gleiten → glitt → geglitten, schreien → schrie → geschrien, verlieren → verlor → verloren
  • unterschiedliche Stammlaute in allen drei Verbformen: bergen → barg → geborgen, bitten → bat → gebeten, hängen → hing → gehangen, zwingen → zwang → gezwungen

Das Futur I wird mit dem konjugierten Hilfsverb werden und dem Infinitiv gebildet: ich werde spielen, es wird regnen, wir werden gehen.

Das Futur II wird mit dem konjugierten Hilfsverb werden, dem Partizip Perfekt (Partizip II) und dem Hilfsverb für Perfekt/Plusquamperferkt (haben bzw. sein nach den gleichen Regeln wie oben) im Inifinitiv gebildet: ich werde gefahren sein, sie wird gespielt haben, ihr werdet gebaut haben.

Diathese/Genus Verbi[Bearbeiten]

Das Deutsche unterscheidet zwischen Aktiv und Passiv. Die bisher behandelten Verbformen stehen allesamt im Aktiv, das den „Täter“ einer Handlung in den Vordergrund stellt. Das Passiv ist dagegen die „Täter“-abgewandte Aussageform des Verbs, auch Leideform genannt. Das Genus Verbi des Mediums, das in einigen indogermanischen Sprachen zu finden war, entspricht formal dem Aktiv oder wird mittels Reflexivpronomen verdeutlicht, und findet sich vereinzelt auch im Deutschen (Das Buch liest sich gut.).

Insbesondere im formalen Deutsch ist das Passiv wichtig. Es wird aus den konjugierten Hilfsverben werden bzw. sein in der jeweiligen Zeitform und dem Partizip Perfekt gebildet und verkehrt die Perspektive des Aktivsatzes. Der Patiens (Unfall) wird Ausgangspunkt, der Agens (Frau) verliert die Subjektrolle und kann auch wegfallen, so dass der „Täter“ (ohne einen Zusatz wie „durch“ oder „von“) unbekannt bleibt: Die Frau beobachtete den Unfall.Der Unfall wurde (von der Frau) beobachtet.

Das Deutsche unterscheidet zwischen dem Vorgangspassiv, das semantisch den Passiva der meisten anderen europäischen Sprachen entspricht und das meist mit dem Hilfsverb werden gebildet wird, und dem Zustandspassiv mit dem Hilfsverb sein. Diese Unterscheidung fehlt in vielen verwandten Sprachen. Während das Vorgangspassiv den Verlauf der Handlung ausdrückt, hebt das Zustandspassiv das Ergebnis der Handlung hervor (vgl. resultativ). Außerdem gibt es das sog. Rezipientenpassiv mit dem Hilfsverb bekommen (bzw. umgangssprachlich kriegen), dessen Status neben dem Vorgangs- und Zustandspassiv allerdings äußerst umstritten ist.

Diathese im Deutschen
Aktiv Vorgangspassiv Zustandspassiv Rezipientenpassiv
Präsens Ich sehe. Ich werde gesehen. Die Tür ist geöffnet. Er bekommt das Buch weggenommen.
Präteritum Ich sah. Ich wurde gesehen. Die Tür war geöffnet Er bekam das Buch weggenommen.
Perfekt Ich habe gesehen. Ich bin gesehen worden. Die Tür ist geöffnet gewesen. Er hat das Buch weggenommen bekommen.
Plusquamperfekt Ich hatte gesehen. Ich war gesehen worden. Die Tür war geöffnet gewesen. Er hatte das Buch weggenommen bekommen.
Futur I Ich werde sehen. Ich werde gesehen werden. Die Tür wird geöffnet sein. Er wird das Buch weggenommen bekommen.
Futur II Ich werde gesehen haben. Ich werde gesehen worden sein. Die Tür wird geöffnet gewesen sein. Er wird das Buch weggenommen bekommen haben.

Modus[Bearbeiten]

Im Deutschen gibt es die folgenden Modi:

  • den Indikativ (Wirklichkeitsform): „Paul kommt.“
  • den Imperativ (Befehlsform): „Paul, komm!“
  • und den Konjunktiv (Möglichkeitsform): „Paul komme. Paul käme. Paul würde kommen.“

Imperativ[Bearbeiten]

Man unterscheidet zwischen „echten“ Imperativ-Formen ohne Personalpronomen (Geh!, Geht!) und Ersatzformen mit Personalpronomen, die ersatzweise für nicht existierende Imperativ-Formen verwendet werden (Gehen wir!, Gehen Sie!). Diese Ersatzformen sind wie die Formen ohne Personalpronomen als Anrede an eine anwesende Person oder Personengruppe zu sehen. Die 1. Person Plural (Gehen wir!) kann linguistisch auch einen Adhortativ darstellen; die Formen mit der mit der höflichen Anrede „Sie“ (Gehen Sie!) richten sich syntaktisch an die 3. Person Plural (Gehen Sie!) und können somit auch als Jussiv interpretiert werden.

Im Singular wird der flektierte Imperativ im Deutschen gebildet, indem man die Verbform der 2. Person Singular Präsens benutzt, aber neben dem Personalpronomen auch die Endung „-st“ weglässt: du arbeitest → Arbeite!, du lernst → Lern! Im Plural wird nur das Personalpronomen der 2. Person Plural Präsens weggelassen: ihr arbeitet → Arbeitet!, ihr lernt → Lernt! Bei starken Verben mit Umlaut in der 2. und 3. Person Singular Präsens entfällt der Vokalwechsel im Imperativ Singular: du läufst → Lauf!. So der Imperativ Singular kein „-e” als Endung aufweist, kann ein solches hinzufügt werden: Lern! oder Lerne!

Sonderregeln:

  • Imperativ-Formen für „sein“ und „wissen“: Sei!/Seid!, Wisse!/Wisst!
  • Starke Verben mit Vokalwechsel im Imperativ können kein -e als Endung bekommen, es heißt nur: Lauf!, Wirf!, Gib!, Iss!
  • Verben wie „rechnen“ oder „atmen“, bei denen aus dem Wortstamm ein e entfällt (im Vergleich zu z. B. „Rechenregel“, „Atemluft“) bilden ihren Imperativ Singular mit der Endung „-e”: Rechne!, Atme!
  • Verben auf „-eln“ und „-ern“ bilden ihren Imperativ Singular ebenfalls mit der Endung „-e”: Wandere!, Sammele!
  • Bei den Verben auf „-eln“ kann außerdem das e im Wortstamm entfallen: Sammele! oder Sammle!

Konjunktiv[Bearbeiten]

Im Allgemeinen bezeichnet der Konjunktiv Unwirkliches: Wünsche, Vermutungen, Möglichkeiten u. Ä. Man unterscheidet zwei Standardformen, in deren Verhältnis zueinander die Tempusdifferenzierung heute keine Rolle mehr spielt:

  • Konjunktiv I
  • Konjunktiv II

Anstelle des Konjunktivs I und II verwendet man – v. a. umgangssprachlich – oft die sogenannte „Konjunktiv-Ersatzform“ (auch „Würde-Form“, „Konditional“[6] oder „Konjunktiv III“[7] u. Ä. genannt).

Man unterscheidet beim Konjunktiv I folgende Formen:

  • Konjunktiv I der Gleichzeitigkeit (auch: Konjunktiv Gegenwart/Präsens)
  • Konjunktiv I der Vorzeitigkeit (auch: Konjunktiv Vergangenheit/Perfekt)
  • Konjunktiv I der Nachzeitigkeit (auch: Konjunktiv Futur) - zwei Varianten: Konjunktiv Futur I und Futur II

Beim Konjunktiv II werden folgende Formen unterschieden:

  • Konjunktiv II der Gleichzeitigkeit (auch: Konjunktiv Präteritum)
  • Konjunktiv II der Vorzeitigkeit (auch: Konjunktiv Plusquamperfekt)
  • Konjunktiv II der Nachzeitigkeit (auch: Konjunktiv Zukunft) - zwei Varianten: Konjunktiv Futur I und Futur II

Sowohl im Konjunktiv I als auch im Konjunktiv II finden die Futur-Formen kaum Verwendung; statt ihrer benutzt man – wie auch im Indikativ gängig – die Präsensform und gegebenenfalls lexikalische Mittel (v. a. Zeitadverbien wie z. morgen, in drei Jahren).

Bildung des Konjunktivs[Bearbeiten]

Der Konjunktiv I wird grundsätzlich vom Infinitivstamm des Verbs abgeleitet (in manchen Erklärungen bezieht man sich auf den Präsensstamm, dann müssen jedoch die Modalverben als Ausnahme gelten), gefolgt vom Suffix „-e-“ und der jeweiligen Personalendung. Bei der 1. und 3. Person Plural vereinen sich Suffix und Endung; bei 1. und 3.&bnsp;Person Singular tritt keine Personalendung auf.

Infinitivwortstamm + e + Personalendung

1. Person Singular komm + e ich komme
2. Person Singular komm + e + st du kommest
3. Person Singular komm + e er komme
1. Person Plural komm + e + en wir kommen
2. Person Plural komm + e + t ihr kommet
3. Person Plural komm + e + en sie kommen

Der Konjunktiv II wird grundsätzlich vom Präteritum Indikativ des Verbs abgeleitet. Bei schwachen Verben stimmt der Konjunktiv II mit dem Präteritum Indikativ formal überein. Bei starken Verben wird er durch die Verbindung des Präteritumwotstammes des Indikativs mit dem Suffix „-e-“ und der jeweiligen Personalendung gebildet (mit denselben Ausnahmen und Verschmelzungen wie beim Präsens Konjunktiv), wobei eine Umlautung - wie bei starken Verben üblich - hinzukommt.

Präteritumwortstamm + e + Personalendung

1. Person Singular kam + e (+ Umlaut) ich käme
2. Person Singular kam + e + st (+ Umlaut) du kämest
3. Person Singular kam + e (+ Umlaut) er käme
1. Person Plural kam + e + en (+ Umlaut) wir kämen
2. Person Plural kam + e + t (+ Umlaut) ihr kämet
3. Person Plural kam + e + en (+ Umlaut) sie kämen

Die zusammengesetzten Zeitformen (formal dem Indikativ Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II entsprechend) „versetzt“ man dadurch in den Konjunktiv I oder II, dass man das Hilfsverb (haben/sein/werden) gemäß der Grundregel (Ableitung vom Infinitiv bzw. Präsensstamm oder von der Präteritumform) umbildet.

3. Person Singular Konjunktiv I Perfekt er sei gekommen
3. Person Singular Konjunktiv I Futur I er werde kommen
3. Person Singular Konjunktiv I Futur II er werde gekommen sein
3. Person Singular Konjunktiv II Plusquamperfekt er wäre gekommen
3. Person Singular Konjunktiv II Futur I er würde kommen
3. Person Singular Konjunktiv II Futur II er würde gekommen sein

Bei Gleichklang des Konjunktiv II mit einer anderen Form desselben (oder auch eines anderen) Verbs kann der Stamm aufgrund der Verwechslungsgefahr verändert werden; diese besonderen Formen halten sich jedoch meist nicht an bestimmte Bildungsregeln. Beispiele hierfür sind:

  • „helfen“: Präteritum (ich) half → „eigentlicher“ Konjunktiv II (ich) hälfe → Gleichklang mit der 1. Person Singular Präsens des Verbs (ich helfe) → Konjunktiv II (ich) hülfe
  • „schelten“: Präteritum (ich) schalt → „eigentlicher“ Konjunktiv II (ich) schälte → Gleichklang mit 1. und 3. Person Singular Präteritum von „schälen“ (ich schälte, er schälte) → Konjunktiv II (ich) schölte

Dabei sind in einigen Fällen jedoch beide Formen möglich (so z. B. bei „stehen“: „(ich) stände“ oder „(ich) stünde“).

Wie beim Indikativ neigen viele Deutsche dazu, für die Zukunft die jeweiligen Präsensformen zu benutzen, sodass der Konjunktiv II Futur I quasi bedeutungsfrei wurde und zur sogenannten „Konjunktiv-Ersatzform“ (Würde-Form, Konjunktiv III, Konditional) „umfunktioniert“ werden konnte: Ich würde kommen. / Er würde mitgehen.

Verwendung des Konjunktivs[Bearbeiten]

Der Konjunktiv I wird grundsätzlich gebraucht zur Wiedergabe von:

  • indirekter Rede, insbesondere um die Mittelbarkeit des Gesagten zu verdeutlichen
    • „Die Bundeskanzlerin sagte, es gebe keine weiteren Steuererhöhungen.“ (= Sie hat das zwar gesagt, aber es muss nicht unbedingt richtig sein und/oder der Meinung des Verfassers entsprechen.)
  • eigenen, zuvor bereits geäußerten Meinungen, Ansichten und Gedanken
    • „Ich sagte doch bereits, dass ich fertig sei.
  • Meinungen, Ansichten und Gedanken anderer Personen
    • „Sie war der Meinung, auch Männer seien zur Miarbeit im Haushalt verpflichtet.
  • erfüllbaren Wünschen in gehobener Rede
    • „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“
  • Aufforderungen an eine dritte Person, insbesondere in Verbindung mit der höflichen Anrede „Sie“ in der 3. Person Plural
    • „Gott schütze den König!“
    • Seien Sie so gut, gehen Sie schon einmal voraus!“
  • (selten) Anweisungen in Anleitungen u. Ä.
    • „Man nehme vier Eier, ein Pfund Mehl …“

Der Konjunktiv II drückt grundsätzlich folgendes aus:

  • Wiedergabe indirekter Rede, wenn der Konjunktiv I nicht vom Indikativ zu unterscheiden ist
    • „Peter sagte, die Kinder kämen um 6 Uhr nach Hause.“ (statt kommen, das mit dem Indikativ Präsens identisch ist)
  • Wiedergabe indirekter Rede, wenn Zweifel am Inhalt des Berichteten ausgedrückt werden soll
    • „Hitler war der Meinung, das internationale Judentum wäre schuld am Ausbruch des Weltkriegs.“
  • unwirkliche, bedingt mögliche oder spekulative Sachverhalte
    • „Ich wäre bereits früher da gewesen, wenn ich nicht im Stau gestanden hätte.
  • irreale, nicht umsetzbare Pläne oder Wünsche
    • „Wenn ich mehr Geld hätte, könnte ich mir ein Haus kaufen.“

Ersatzformen unterschiedlichster Art ersetzen den Konjunktiv I und II zunehmend in der Umgangssprache, aber auch mehr oder weniger stark in der Schriftsprache (mitunter ist das eine individuelle Frage bzw. eine Frage der Stilebene):

  • Der Konjunktiv I wird ersetzt durch seine Entsprechungen im Indikativ (evtl. unter Hinzufügung lexikalischer Mittel wie angeblich, vermutlich, eventuell) oder durch die „Würde-Form“
    • „Er hat gehört, ich sei immer nett gewesen.“ → „Er hat gehört, ich bin angeblich immer nett gewesen.“ → „Er hat gehört, ich würde nett sein.“
  • Der Konjunktiv II wird ersetzt durch die „Würde-Form“
    • „Er sagte, sie schriebe das.“ → „Er sagte, sie würde das schreiben.“

Außerdem werden viele alte Konjunktivformen durch die „Würde-Form“ verdrängt, insbesondere bei:

  • formaler Gleichheit von Konjunktiv- und Indikativform (Konjunktiv II der schwachen Verben)
    • „ich sagte“ (Indikativ = Konjunktiv) → „ich würde sagen
  • Vorhandensein paralleler und/oder veralteter Formen des Konjunktivs II (die auf veraltete Präteritumformen dieser Verben zurückgehen)
    • „ich wärfe“ ↔ „ich würfe“ → „ich würde werfen

Am stärksten halten sich synthetische Konjunktivformen noch bei solchen starken Verben, bei denen der Konjunktiv II durch Umlautung noch in allen Personen zweifelsfrei zu erkennen ist (z. B. ich käme, du kämest, er käme usw.).

Der Status der „Würde-Form“ ist in der Sprachwissenschaft umstritten. Während ihn manche als allzu „volkstümlich“ ablehnen und nur sehr begrenzt akzeptieren, betrachten andere ihn als „Nebenform“ (innerhalb des Konjunktivs II) und wiederum andere als eigenständige „moderne Form“, die Schritt für Schritt die alten Formen (bis auf feste Wendungen) ersetzen werde. Ähnliches vollzog und/oder vollzieht sich in einigen Schwestersprachen des Deutschen, z. B. im Dänischen und Englischen.

Adverbien[Bearbeiten]

Im Deutschen werden Adverbien schlicht durch die Grundform der Adjektive gebildet, nicht durch Adverbialmorpheme. Selten benutzte Ausnahme ist das Adverb wohl zum Adjektiv gut (das ist wohl getan, ich fühle mich wohl). Des Weiteren gibt es auch morphologisch eigenständige Adverbien. Allerdings leiten sich diese Adverbien manchmal durch gewisse Suffixe von Adjektiven oder anderen Wortarten ab, so z. B. „abend-s“, „samstag-s“, „glücklicher-weise“, „umstände-halber“, „verletzungs-bedingt“.

Die Einteilung von Adverbien erfolgt grob in folgende Kategorien:

  • Lokaladverbien (Ortsangaben): hier, dort, hierher, dorthin, herauf, hinab, dort, links, rechts, hinten, vorne, innen, draußen, irgendwo, nirgends etc.
  • Temporaladverbien (Zeitangaben): jetzt, nun, gerade, damals, nachher, gestern, heute, morgen, abends, täglich, samstags, bisher, einstweilen, häufig, einmal, siebenmal, immer, nie etc.
  • Modaladverbien (Angabe von Art und Weise): flugs, gerne, kurzerhand, glücklicherweise, leidenschaftlich, äußerst, einmal, dreimal etc. sowie mit Adjektiven in der Grundform identische Adverbien (z. B. schnell, verständlich, leidenschaftlich)
  • Kausaladverbien (Angabe von Gründen): also, folglich, somit, demnach, deshalb, daher, nämlich, sonst etc.
  • Kommentaradverbien/Satzadverbien (Wertung des Gesagten): wahrscheinlich, vielleicht, unglücklicherweise, einigermaßen etc.
  • Adverbien, die keiner dieser Gruppen zuzuordnen sind: auch, besonders, je, desto, etwa, fast, nur, sehr, sogar etc.

Adverbien können entweder - analog zu den prädikativen Adjektiven - dem Prädikat zugeordnet sein („Er fährt schnell.“), was vor allem die Modaladverbien betrifft, oder eigenständige Satzglieder bilden, sog. Adverbialbestimmungen („Heute fing er hier zu arbeiten an.“).

Adverbien gehören zu den nicht flektierbaren Wortarten, sie können also im Gegensatz zu den Adjektiven grundsätzlich nicht gesteigert werden. Es gibt jedoch zwei Ausnahmen:

  • Zu manchen Adverbien gibt es Ersatzformen, die einen Grad oder eine Intensität zu Ausdruck bringen und deshalb ein Adverb steigern können: bald - eher - am ehesten, gern - lieber - am liebsten, oft - öfter - am häufigsten
  • Prädikative Adverbien, die der Grundform eines Adjektivs identisch sind, können genauso gesteigert werden wie das Adjektiv: „Er fährt schnell, sie fährt schneller, ich fahre am schnellsten.

Pronomen[Bearbeiten]

In der deutschen Grammatik werden Pronomen (Fürwörter) üblicherweise in sieben Kategorien eingeteilt: Personalpronomen, Possessivpronomen, Relativpronomen, Reflexivpronomen, Demonstrativpronomen, Indefinitpronomen und Interrogativpronomen. Pronomen stehen anstelle von Substantiven, z. B. um deren Wiederholung zu vermeiden. Aus diesem Grunde werden sie meist auch dekliniert. Eine Eigenheit der deutschen (wie z. B. auch der griechischen) Sprache ist es, dass man anstelle von Nomen nicht nur „echte“ Pronomen, sondern auch dem Artikel in der Form teilweise ähnliche Ausdrücke wie die Objektzeigwörter/Objektdeixeis (der, dieser) verwenden kann: Der spinnt doch! / Woher kenne ich die bloß?

Personalpronomen[Bearbeiten]

Personalpronomen (persönliche Fürworte stehen für Personen und Dinge, z. B. ich, ihm, euch.

Deklination der deutschen Personalpronomen
1. Pers. Sg. 2. Pers. Sg. 3. Pers. Sg. 1. Pers. Pl. 2. Pers. Pl. 3. Pers. Pl. natürlich: 2. Pers. (Sg. & Pl.)
grammatisch: 3. Pers. Pl.
Nominativ ich du er/sie/es wir ihr sie Sie
Genitiv meiner deiner seiner/ihrer/seiner unser euer ihrer Ihrer
Dativ mir dir ihm/ihr/ihm uns euch ihnen Ihnen
Akkusativ mich dich ihn/sie/es uns euch sie Sie

Possessivpronomen[Bearbeiten]

Possessivpronomen (besitzanzeigende Fürwörter) drücken ein Zugehörigkeits-, Eigentums- oder Besitzverhältnis aus und stehen in der Regel als Begleiter eines Nomens, z. B. mein Haus, ihrer Katze, eurem Auto, seinen Hund.

Deklination der deutschen Possessivpronomen
1. Pers. Sg. 2. Pers. Sg. 3. Pers. Sg. 1. Pers. Pl. 2. Pers. Pl. 3. Pers. Pl. natürlich: 2. Pers. (Sg. & Pl.)
grammatisch: 3. Pers. Pl.
Nominativ mein/meine/mein dein/deine/dein sein/seine/sein
ihr/ihre/ihr
unser/unsere/unser euer/eure/euer ihr/ihre/ihr Ihr/Ihre/Ihr
Genitiv meines/meiner/meines deines/deiner/deines seines/seiner/seines
ihres/ihrer/ihres
unseres/unserer/unseres eures/eurer/eures ihres/ihrer/ihres Ihres/Ihrer/Ihres
Dativ meinem/meiner/meinem deinem/deiner/deinem seinem/seiner/seinem
ihrem/ihrer/ihrem
unserem/unserer/unserem eurem/eurer/eurem ihrem/ihrer/ihrem Ihrem/Ihrer/Ihrem
Akkusativ meinen/meine/mein deinen/deine/dein seinen/seine/sein
ihren/ihre/ihr
unseren/unsere/unser euren/eure/euer ihren/ihre/ihr Ihren/Ihre/Ihr

Die in den einzelnen Feldern der Tabelle eingetragen Pronomen stehen in der Reihenfolge Maskulinum - Femininum - Neutrum (Geschlecht des Bezugssubstantivs). In der 3. Person Singular sind sowohl die männlichen als auch die weiblichen Possessivpronomen angegeben.

Relativpronomen[Bearbeiten]

Relativpronomen (bezügliche Fürwörter) leiten Relativsätze ein und stehen für das im Hauptsatz befindliche Bezugsnomen des Relativsatzes. Man unterscheidet die Relativpronomen der, die, das von den etwas förmlicheren, nur in der Schriftsprache gebrauchten welcher, welche, welches, z. B. die Person, die er beobachtete ↔ die Person, welche er beobachtete.

Dekliantion der Relativpronomen der, die, das
Singular Maskulinum Femininum Neutrum Plural
Nominativ der die das die
Genitiv dessen deren dessen deren
Dativ dem der dem denen
Akkusativ den die das die
Deklination der Relativpronomen welcher, welche, welches
Singular Maskulinum Femininum Neutrum Plural
Nominativ welcher welche welches welche
Genitiv (dessen) (deren) (dessen) (deren)
Dativ welchem welcher welchem welchen
Akkusativ welchen welche welches welche

Die Relativpronomen welcher, welche, welches kennen keinen Genitiv; stattdessen kann der Genitiv der Relativpronomen der, die, das verwendet werden.

Reflexivpronomen[Bearbeiten]

Reflexivpronomen (rückbezügliche Fürwörter) beziehen sich auf das Subjekt eines Satzes zurück und werden meist in Kombination mit reflexiven Verben verwendet, z. B. sich freuen, sich überlegen, sich zutrauen.

Deklination der deutschen Reflexivpronomen
1. Pers. Sg. 2. Pers. Sg. 3. Pers. Sg. 1. Pers. Pl. 2. Pers. Pl. 3. Pers. Pl.
Nominativ - - - - - -
Genitiv meiner deiner seiner/ihrer unser euer ihrer
Dativ mir dir sich uns euch sich
Akkusativ mich dich sich uns euch sich

Reflexivpronomen können im Genitiv, Dativ und Akkusativ stehen (nicht im Nominativ, da sie sich stets auf das Subjekt beziehen), wobei die Genitivformen in aller Regel veraltet sind:

  • Genitiv: „Du spottest meiner.
  • Dativ: „Das nutzt dir doch.“
  • Akkusativ: „Wie ich mich freue über die Blumen!“

Das Reflexivpronomen kann auch in Verbindung mit einer Präposition stehen, z. B. „Man sollte nicht immer nur an sich denken.“

Demonstrativpronomen[Bearbeiten]

Demonstrativpronomen (hinweisende Fürwörter) stehen - ähnlich den Possessivpronomen - meist als Begleiter eines Substantivs, z. B. diese Autobahn, jener Weg, dieselbe Straße.

Wichtige Gruppen von Demonstrativpronomen sind der, die, das, dieser, diese, dieses und jener, jene, jenes sowie derjenige, diejenige, dasjenige und derselbe, dieselbe, dasselbe.

Dekliantion der Demonstrativpronomen
dieser, diese, dieses
Singular Maskulinum Femininum Neutrum Plural
Nominativ dieser diese dieses diese
Genitiv dieses dieser dieses dieser
Dativ diesem dieser diesem diesen
Akkusativ diesen diese dieses diese
Deklination der Demonstrativpronomen
derjenige, diejenige, dasjenige
Singular Maskulinum Femininum Neutrum Plural
Nominativ derjenige diejenige dasjenige diejenigen
Genitiv desjenigen derjenigen desjenigen derjenigen
Dativ demjenigen derjenigen demjenigen denjenigen
Akkusativ denjenigen diejenige dasjenige diejenigen

Die Deklination der Demonstrativpronomen der, die, das erfolgt analog zu den gleichlautenden Relativpronomen. Jener, jene, jenes werden wie dieser, diese, dieses dekliniert, derselbe, dieselbe, dasselbe wie derjenige, diejenige, dasjenige.

Indefinitpronomen[Bearbeiten]

Indefinitpronomen (unbestimmte Fürwörter) dienen der Beschreibung von unbestimmbaren oder allgemeinen Gruppen von Personen oder Dingen („Viele Leute haben Angst vor Spinnen.“) und dem Ausdruck von unbestimmten Maß- und Mengenangaben („etwas Zucker“).

Die Indefinitpronomen jemand/niemand, man, einer/eine/eines stehen ausschließend stellvertretend für Substantive, z. B. „Das soll einer verstehen!“. Die meisten anderen Indefinitpronomen (jeder/jedermann/jeglicher, alle/sämtliche, kein/keiner, etwas/nichts, ein bisschen/ein wenig/ein paar) können stellvertretend für einen Substantiv und als Begleiter eines Substantives auftreten, z B. „Er hat etwas bemerkt.“ oder „Ich trinke meinen Kaffee stets mit etwas Milch und Zucker.“

Interrogativpronomen[Bearbeiten]

Interrogativpronomen (Fragefürwörter) leiten die klassischen „w-Fragen“ ein. Darunter sind z. B. wer, wessen, wem, wen, was, welcher, wo, wie, warum, woran, wofür, woher.

Satzformen[Bearbeiten]

Syntax (Satzstellung)[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung: Schwere Qualitätsmängel: keine Belege, Darstellung ist Theoriefindung, und auch noch vielfach falsch. Keine Verbindung zu anderen Wikipedia-Stichworten zur Syntax Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Deutsch gilt als eine flektierende Sprache, d. h. die grammatischen Beziehungen zwischen den Wörtern werden mit Hilfe von Affixen und teilweise durch Wurzelflexion ausgedrückt. Dadurch sind im Vergleich zu nichtflektierenden Sprachen (Chinesisch) sehr flexible Stellungen im Satz möglich:

  • „Der Junge hat seinem Bruder die CD mitgebracht.“
  • „Der Junge hat die CD seinem Bruder mitgebracht.“
  • „Seinem Bruder hat der Junge die CD mitgebracht.“
  • „Die CD hat der Junge seinem Bruder mitgebracht.“

Der flektierte Prädikatsteil kann an erster (Befehlssatz, Entscheidungsfragesatz), zweiter (Aussagesatz, w-Fragesatz) oder letzter Position (Nebensatz) realisiert werden:

  • „Bring mir die CD mit!“
  • „Bringst du mir die CD mit?“
  • „Ich bringe dir die CD mit!“
  • „Wer bringt mir die CD mit?“
  • „… weil ich dir die CD mitgebracht habe.“

Wenn etwas betont werden soll, wird die Satzstellung verändert:

  • „Ich habe die CD deinem Bruder mitgebracht.“
  • „Ich habe deinem Bruder die CD mitgebracht.“
  • Deinem Bruder habe ich die CD mitgebracht.“

Typisch für den deutschen Satzbau ist die Satzklammer, die aus dem flektierten und dem unflektierten Verbteil besteht. Finiter und infiniter Teil der Verbform treten auseinander:

  • Hat er dich eigentlich gestern besucht?“
  • Stellte das Computerprogramm die ursprüngliche Version wieder her?“

Die Satzstellung des Deutschen ist weitgehend festgelegt: Es gibt etwa drei Satzschablonen, die nicht sehr viele Möglichkeiten einräumen (verglichen z. B. mit dem Lateinischen). Es gibt dabei die Möglichkeit, das Objekt des Satzes oder ein einzelnes Adverb an den Satzanfang zu rücken; mehrere Adverbien unterschiedlicher Art am Satzanfang sind ungebräuchlich. Die Adverbien untereinander oder das Objekt mit einem Adverbteil können teilweise getauscht werden:

  • übliche Satzstellung: „Der Direktor betrat gestern um 10 Uhr mit einem Schirm in der Hand sein Büro“
Kein Satzteil wird besonders hervorgehoben.
  • Vorangestelltes Objekt: „Sein Büro betrat der Direktor gestern um 10 Uhr mit einem Schirm in der Hand“.
Das Objekt „sein Büro“ wird hierbei hervorgehoben, es könnte im folgenden Satz näher erläutert werden.
  • Vorangestelltes Adverb: „Gestern betrat der Direktor um 10 Uhr mit einem Schirm in der Hand sein Büro“.
Das zweite Zeitadverb, „um 10 Uhr“, erfährt eine leichte Betonung.
  • Vorangestellte Zeit-Adverbien: „Gestern um 10 Uhr betrat der Direktor mit einem Schirm in der Hand sein Büro“.
Die Zeitangabe „gestern um 10 Uhr“ wird hervorgehoben.
  • Getauschte Adverbien: „Der Direktor betrat mit einem Schirm in der Hand gestern um 10 Uhr sein Büro“.
Der Satzteil „mit einem Schirm in der Hand“ wird hervorgehoben.
  • Getauschtes Objekt: „Der Direktor betrat gestern um 10 Uhr sein Büro mit einem Schirm in der Hand“.
Die Zeitangabe und das Objekt „sein Büro“ werden leicht betont.

Die niederländische Syntax entspricht in dieser Hinsicht weitestgehend der deutschen, während im Englischen, Französischen usw. die Verbteile stets zusammenstehen – und zwar an zweiter Position, direkt vor dem Objekt/der Verbergänzung. Dies ist aufgrund der verlorengegangenen Flexionsmöglichkeiten der englischen Sprache für das Verständnis notwendig.

1. Satzbauplan – Hauptsatz[Bearbeiten]

Der 1. Satzbauplan hat die Reihenfolge

Subjekt – finitives Prädikat – indirektes Objekt – direktes Objekt – Adverbien – Prädikatrest
Die Satzverneinung steht vor dem Prädikatrest.

Beispiel: „der Verkäufer – hatte – seinem Kunden – das Buch – gestern – in seinem Laden – (nicht) – gegeben.“

Häufige Abweichungen:

  • Das Zeitadverb steht vor dem direkten Objekt.
  • Eine Umstellung von indirektem und direktem Objekt bewirkt eine leichte Betonung des indirekten Objekts.

Der 1. Satzbauplan steht in Hauptsätzen und vor Nebensätzen.

In einigen Fällen ist eine Satzverneinung nicht direkt möglich, „nicht“ steht dann vor einem anderen Adverb:

  1. „Der Verkäufer hatte seinem Kunden das Buch NICHT sogleich in eine Tüte gepackt“
„nicht sogleich“ lautet hier die Verneinung.
  1. „Der Verkäufer hatte seinem Kunden das Buch gestern NICHT in eine Tüte gepackt“
„nicht in eine Tüte packen“ lautet hier die Verneinung.

Siehe aber auch die etwas ungebräuchlichen Formulierungen:

  1. „Mitnichten hatte der Verkäufer seinem Kunden das Buch sogleich/gestern in eine Tüte gepackt“

2. Satzbauplan – Inversion[Bearbeiten]

Bei der Inversion werden das finitive Prädikat und das Subjekt ausgetauscht. Dies geschieht dann, wenn einer der folgenden Teile an den Satzanfang gestellt wird:

  1. Objekt: „die Sturmwarnung sahen wir im Wetterbericht“, „mir hat er es nicht geglaubt“
  2. Prädikatsadjektiv: „Verloren ist die Schönheit der Jugend!“
  3. Ein oder mehrere Adverbien: „In jeder Lüge schlummert ein bisschen Wahrheit“, „Gestern ist in Köln ein Zug entgleist“
  4. Ein (untergeordneter) Nebensatz: „Weil es schon spät wurde, beeilte er sich, nach Hause zu kommen“
  5. In Entscheidungsfragen: „Hast du dir das auch wirklich gut überlegt?“
  6. In Fragesätzen treten Interrogativpronomen an den Satzanfang, auch hier kann Inversion auftreten, solange das Pronomen nicht Subjekt ist: „Wen hast du getroffen?“, „Wann bist du gekommen?“. Subjekt „Was liegt da?“, Objekt: „Was liest du da?“

Der Satzbauplan ist dann:

XXX – finitives Prädikat – Subjekt – (indir. Objekt) – (dir. Objekt) – Adverbien – Prädikatrest
Die Satzverneinung steht vor dem Prädikatrest.

Beispiel: „seinem Kunden – hatte – der Verkäufer – das Buch – gestern – in seinem Laden – (nicht) – gegeben.“

3. Satzbauplan – Nebensätze[Bearbeiten]

Nebensätze werden durch unterordnende Konjunktionen (Subjunktionen) eingeleitet, zum Beispiel dass, sodass, falls, ob, wohingegen, obwohl … In Nebensätzen gilt folgendes Muster. Ein Nebensatz beginnt mit der Subjunktion und endet mit dem kompletten Prädikat:

Subjekt – (indir. Objekt) – (dir. Objekt) – Adverbien – Prädikatrest – finitives Prädikat
Die Satzverneinung steht vor dem Prädikatrest. Das finitive Prädikat rückt also ans Satzende.

Beispiel: „Weil – der Verkäufer – seinem Kunden – das Buch – gestern – in seinem Laden – (nicht) – gegeben – hatte“

Reihenfolge innerhalb der Satzteile[Bearbeiten]

Im Allgemeinen gilt: Erst Zeit, dann Ort, dann der Rest.

Beispiel: „Der Verkäufer hatte seinem Kunden das Buch gestern in seinem Laden persönlich mit seinen Händen überreicht“.

Für den Prädikatrest gilt: 1) Vollverb – 2) Hilfsverb – 3) lassen 4) Modalverb

Beispiele:

  • „ich werde ihn 1) gesehen 2) haben“
  • „ich hätte ihn 1) sehen 4) können“
  • „ich wollte dich es 1) sehen 3) lassen“
  • Und, um das Modell aufs Äußerste zu strapazieren: „ich würde ihn dich 1) sehen 2) werden 3) lassen 4) können“

Besondere Reihenfolgen[Bearbeiten]

Im bloßen Infinitiv gilt der 3. Satzbauplan: „jemanden nicht sehen wollen“. Das Objekt steht also vor dem Verb.

Im Relativsatz gilt:

  • Nominativisch: indir. Objekt – Adverb – dir. Objekt – Prädikat:
„der Reisende, der gestern die Heimreise angetreten hat, hat sich beschwert.“
  • Genitivisch: Subjekt – Adverb – indir. Objekt – dir. Objekt – Prädikat:
„die Frau, deren Hund soeben die Katze jagen wollte, wurde sehr wütend.“
  • Dativisch: Subjekt – Adverb – dir. Objekt – Prädikat:
„der Hund, dem er gestern etwas zu essen gegeben hat, kam heute wieder.“
  • Akkusativisch: Subjekt – Adverb – indir. Objekt – Prädikat:
„der Vogel, den die Katze auf dem Baum fangen wollte, flog davon.“

Bildet ein Verb mit trennbarer Vorsilbe alleine das Prädikat, so tritt die Vorsilbe ganz an das Ende des Satzes:

  • „Gestern machten sie zu Ehren des Bürgermeisters ein Fass auf.“
Mit Hilfsverben: Gestern haben sie zu Ehren des Bürgermeisters ein Fass aufgemacht.

Abtönungspartikeln/Modalpartikeln[Bearbeiten]

Charakteristisch für die deutsche Sprache sind Abtönungspartikeln (manchmal auch ‚Modalpartikeln‘ genannt) wie zum Beispiel aber, auch, denn, doch, eben, eh, etwa, halt, ja, mal. Sie haben keine selbstständige lexikalische Bedeutung, sondern qualifizieren die Bedeutung der Äußerung, in der sie vorkommen. Ihre Funktion ist nur schwer zu beschreiben. Sie wurden früher als überflüssig betrachtet und daher als Füllwörter bezeichnet. In der Regel kommen die Ausdrucksformen auch in anderen Wortklassen vor (z. B. ‚denn‘ als Konjunktor). Die meisten Sprachen haben keine direkten Äquivalente (z. B. Englisch), man findet Abtönungspartikeln schon im Gotischen, im Altgriechischen, Schwedischen, Niederländischen – vor allem also in germanischen Sprachen.

  • „Da hast du aber Glück gehabt.“
  • „Das ist ja gut.“
  • „Das kann doch nicht wahr sein!“
  • „Was machst du eigentlich gerade?“
  • „Ich habe den Zug gerade noch mal eben so erwischt.“
  • „Du willst doch nicht etwa noch ein Stück Kuchen!“

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

 Wikisource: Grammatiken – Quellen und Volltexte

Historische Grammatiken[Bearbeiten]

  •  Valentin Ickelsamer: Teutsche Grammatica. Augsburg 1534.
  •  Johannes Clajus: Grammatica Germanicae Linguae. 1578.
  •  Justus Georg Schottelius: Ausführliche Arbeit von der teutschen Haubtsprache. Braunschweig 1663 (Nachdruck: Tübingen 1967). Digitalisat
  •  Johann Christoph Gottsched: Vollständigere und Neuerläuterte Deutsche Sprachkunst - Nach den Mustern der besten Schriftsteller des vorigen und itzigen Jahrhunderts abgefasset und bey dieser fünften Auflage merklich verbessert. Leipzig 1762.
  •  Johann Christoph Adelung: Umständliches Lehrgebäude der Deutschen Sprache zur Erläuterung der Deutschen Sprachlehre für Schulen. Bd. 1, Leipzig 1782.
  •  Jacob Grimm: Deutsche Grammatik. 4 Bde., Göttingen 1819-1837.

Moderne Grammatiken[Bearbeiten]

  •  H. Brinkmann: Die Deutsche Sprache. Schwann, Düsseldorf 1962.
  •  G. Drosdowski u. a. (Hrsg.): Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. Duden, Mannheim 1986.
  •  Peter Eisenberg: Grundriss der deutschen Grammatik. Das Wort (Bd. 1), Der Satz (Bd. 2), Metzler, Stuttgart 2006.
  •  U. Engel: Deutsche Grammatik. Groos, Heidelberg 1988.
  •  Helmut Frosch / Roman Schneider / Bruno Strecker: Bibliographie zur deutschen Grammatik (= Studien zur deutschen Grammatik. Band 84). Stauffenburg, Tübingen 2013.
  •  Peter Gallmann / Horst Sitta: Deutsche Grammatik. nach neuer Rechtschreibung. 4. Auflage. Lehrmittelverlag des Kantons Zürich, Zürich 2004, ISBN 3-906718-54-9.
  •  Hans Glinz: Die innere Form des Deutschen - Eine neue deutsche Grammatik. Francke (Bibliotheca Germanica), Bern 1952.
  •  K. E. Heidolph / W. Flämig / W. Motsch u. a.: Grundzüge einer deutschen Grammatik. Akademie, Berlin 1981.
  •  Gerhard Helbig / J. Buscha: Deutsche Grammatik. 6. Auflage. Langenscheidt, Berlin 2007, ISBN 978-3-468-49493-2.
  •  E. Hentschel / H. Weydt: Handbuch der deutschen Grammatik. 3. Auflage. de Gruyter, Berlin/New York 2003.
  •  H. J. Heringer: Lesen lehren lernen: Eine rezeptive Grammatik des Deutschen. Niemeyer, Tübingen 1988.
  •  Ludger Hoffmann: Deutsche Grammatik. Grundlagen für Lehrerausbildung, Schule, Deutsch als Zweitsprache und Deutsch als Fremdsprache. Berlin 2014 (zweite, neu bearbeitete und erweiterte Auflage). Erich Schmidt, Berlin 2014.
  •  Hermann Paul: Deutsche Grammatik. Band I–V, Niemeyer, Tübingen 1920.
  •  F.-J. Regh: Grammatik & Zeichensetzung – leicht erklärt. Lern-Wolf, Mechernich 2009.
  •  Roland Schäfer: Einführung in die grammatische Beschreibung des Deutschen. Language Science Press, Berlin 2015, ISBN 978-3-944675-53-4 (http://langsci-press.org/catalog/book/46).
  •  Harald Weinrich: Textgrammatik der deutschen Sprache. Duden, Mannheim 1993.
  •  G. Zifonun, L. Hoffmann, B. Strecker u. a.: Grammatik der deutschen Sprache. de Gruyter, Berlin/New York 1997.

Grammatikgeschichte[Bearbeiten]

  •  Otto Behagel: Deutsche Syntax - Eine geschichtliche Darstellung. 4 Bde., Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, Heidelberg 1923-1932.
  •  Werner Besch u. a. (Hrsg.): Sprachgeschichte: Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache. de Gruyter, 1998, ISBN 3-11-011257-4.
  •  Andreas Gardt: Geschichte der Sprachwissenschaft in Deutschland. de Gruyter, 1999, ISBN 3-11-015788-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hermann Paul: Deutsche Grammatik" Halle: Niemeyer, 1916. 5 Bände. Online: http://archive.org/details/deutschegrammati01pauluoft
  2. Otto Behaghel: Deutsche Syntax. Bd. I-IV, Winter, Heidelberg 1928
  3. G. Helbig: "Arten und Typen von Grammatiken" In ders. (ed.)(2001): Deutsch als Fremdsprache, S. 176
  4. Helbig 2001, S.176
  5. Ein Beispiel für eine Untersuchung der deutschen Syntax im Modell der generativen Grammatik ist z.B. Haider 2010
  6. M. G. Arssenjewa, I. A. Zyganowa: Grammatik der deutschen Sprache. Verlag «Sojuz», Sankt Petersburg 2002, S. 178 ff.
  7. H. Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar 2005, S. 338.