Objekt (Grammatik)

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Ein Objekt (traditionell auch Satzergänzung genannt) ist in der Grammatik eine Ergänzung, die vom Prädikat gefordert wird und diesem näher steht als das Subjekt (zumindest normalerweise[1]). Neben den Kategorien Substantiv bzw. Pronomen können auch durch Präpositionen eingeführte Einheiten (Präpositionalphrasen) als Objekt dienen, oder auch satzwertige Einheiten wie Infinitive mit zu oder Gliedsätze.

Bezug der Bezeichnung „Objekt“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Hauptsache bezieht sich der Begriff „Objekt“ auf eine Grammatische Funktion auf der Satzebene, d.h. auf ein Satzglied. Es handelt sich dann um Ergänzungen des Verbs, die folglich vom Verb regiert werden. In einem erweiterten Sinn werden manchmal auch Ergänzungen anderer Wortarten als deren Objekte bezeichnet, vor allem weil dieselben Kasus (Akkusativ, Dativ) an diesen Ergänzungen regiert werden können, d.h. bei Adjektiven oder Präpositionen. Für eine solche Verallgemeinerung kann stattdessen aber auch der Begriff des Komplements benutzt werden. Wenn man die Ergänzung einer Präposition als ihr Objekt bezeichnet, ist zu beachten, dass dieser Sachverhalt vom Begriff des Präpositionalobjekts zu unterscheiden ist. Im vorliegenden Artikel wird die Bezeichnung Objekt im engeren Sinn eines Satzglieds aufgefasst; ansonsten siehe die Stichworte Adjektivphrase, Präpositionalphrase und Komplement (Syntax).

Die Abgrenzung zwischen Subjekt und verschiedenen Arten von Objekten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Subjekt eines Satzes lässt sich im Deutschen als dasjenige Satzglied bestimmen, das Nominativ-Kasus trägt und mit dem die finite Verbform in ihren Merkmalen übereinstimmen muss (Kongruenz). So lassen sich Objekte im Deutschen abgrenzen als die übrigen Ergänzungen des Verbs, die die Verbform nicht beeinflussen und die keinen Nominativ tragen können. Diese Abgrenzung gilt jedoch nicht für alle Sprachen, da sowohl Objektkongruenz als auch Nominativobjekte in manchen Sprachen vorkommen.

Einen Sonderfall stellen Nebensätze dar, die die Funktion von Objekten (ebenso wie auch Subjekten) haben können, zum Beispiel die sogenannten Inhaltssätze, die mit dass oder, als indirekte Fragen, mit ob oder einem anderen Fragewort eingeleitet werden – diese Sätze tragen kein Kasusmerkmal, sie können aber als Objekte erwiesen werden, indem man sie durch ein Pronomen ersetzt:

Ich sah einen großen Vogel          (Akkusativobjekt bei ‚sehen‘)
Ich sah, dass es geregnet hatte     (dass-Satz als Objekt von ‚sehen‘)
Ich habe es auch gesehen.           (Pronomen als Objekt, evtl. als Ersetzung eines Satzes)
Ich kann nicht sehen, ob es regnet. (indirekter Fragesatz als Objekt, ebenfalls durch es ersetzbar).

Unter den Objekten ist eine Unterscheidung zwischen „direkten“ und „indirekten“ Objekten gängig. Im Deutschen wird auch diese Unterscheidung im wesentlichen am Kasus festgemacht: Der Begriff „indirektes Objekt“ ist in der deutschen Grammatik im wesentlichen deckungsgleich mit dem Begriff „Dativobjekt“.[2] Mit dem Begriff „direktes Objekt“ werden Objekte zusammengefasst, die entweder den Akkusativ tragen oder als Objekt-Gliedsätze gar keine Kasusmarkierung haben.[3]

Aspekte der Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Objekt bezeichnet eine grammatische Funktion und ist als solche nicht direkt über eine bestimmte Bedeutung definierbar (ebenso wenig wie Subjekt). Generell lässt sich aber der Zusammenhang feststellen, dass das Objekt eine semantische Rolle trägt, die im Vergleich zum Subjekt desselben Satzes die passivere ist. Typisch für das direkte Objekt ist die Rolle „Patiens“ oder „Thema“, also der Gegenstand, der im Ereignis eine Einwirkung oder Veränderung erfährt.

Daneben können Objekte aber auch Ortsangaben beinhalten (Er verließ den Raum), Gegenstände bezeichnen, die erst im Ereignis entstehen (Er komponierte zwei Opern) oder die gar nicht existieren (Ich vermisse etwas / Er sucht den Stein der Weisen), sowie verschiedene weitere Rollen übernehmen. Treten zwei Objekte auf, so ist das indirekte Objekt dasjenige, das der Handlung weniger stark unterworfen ist (z.B. „Rezipient“).[4] Zum Beispiel ist in dem Satz: „Er schickte seiner Tante eine Postkarte“ eine Postkarte das Akkusativobjekt, weil sie im Ereignis ihren Ort verändert, eine typische Thema-Eigenschaft. Insofern ist die zweite Ergänzung seiner Tante weniger betroffen und erhält den Dativ. (Für weitere Einzelheiten siehe den Artikel Semantische Rolle).

Formen von Objekten im Deutschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Objekt eines Verbs können Nominalphrasen (Substantivgruppen) bzw. Pronomen, aber auch Nebensätze oder Präpositionalphrasen sein. Diese werden im Folgenden einzeln dargestellt.

Substantivgruppen als Objekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Substantivgruppen bzw. Nominalphrasen spielt der jeweilige Kasus eine wesentliche Rolle für die weitere Einteilung. Zu beachten ist, dass der Kasus ein Merkmal ist, das ein Verb an die gesamte Substantivgruppe zuweist, selbst wenn er nur an einzelnen Wörtern in dieser Gruppe zu sehen ist.

Akkusativobjekt (direktes Objekt)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Akkusativobjekt entspricht das Fragewort „wen oder was?“ In einem engeren Sinn werden nur die Verben als transitive Verben bezeichnet, die (u.a.) ein Akkusativobjekt bei sich haben, während Verben, die nur einen Dativ oder ein andersartiges Objekt bei sich haben, in einem engeren Sinn dann nicht transitiv genannt werden (es gibt jedoch auch eine weiter gefasste Verwendung des Begriffs transitiv, die Ergänzungen auch einschließt, wenn sie anders als mit dem Akkusativ markiert sind).

Beispiele für Akkusativobjekte:

Ich liebe [dich].
Ich glaube dir [das] nicht.
Er gibt mir [das Buch].
Ich gebe dem Haus [einen neuen Anstrich].
Ich schreibe [einen Brief].
Ich streiche [eine Wand] (mit Farbe) an.

Transitive Verben, die ins Passiv gesetzt wurden, haben kein Akkusativobjekt mehr bei sich; sie haben dann als Subjekt die Ergänzung, die im Aktiv direktes Objekt wäre. Hierin unterscheidet sich der Akkusativ vom Dativ, der im Passiv mit werden erhalten bleibt:

Ihm wurde großzügig geholfen
vgl.: Er wurde großzügig unterstützt

Aus diesem Grund wird der Akkusativ bei transitiven Verben als ein struktureller Kasus bezeichnet (im Gegensatz zum Dativ bei helfen, der ein lexikalischer Kasus ist), d.h. es ist ein Kasus, der nicht allein vom Verb abhängt, sondern in dessen Vergabe auch allgemeine grammatische Regeln eingreifen. Diese Eigenschaft hat der (strukturelle)[5] Akkusativ mit dem Nominativ gemeinsam.

Dativobjekt (indirektes Objekt)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dativobjekt antwortet auf die Frage „wem?“ Ein Dativobjekt tritt entweder als einzige Ergänzung oder als zweite Ergänzung neben einem Akkusativ auf.

Beispiele:

Ich schreibe [dir] einen Brief. Frage: „Wem“ schreibe ich einen Brief?
Ich glaube [dir], dass es so war. Frage: „Wem“ glaube ich?
Ein Fremder half [mir].

Da im Deutschen eine Variante des Passivs mit Hilfsverben wie bekommen existiert, die ein Dativobjekt in ein Subjekt umwandeln, gilt der Dativ in solchen Konstruktionen auch als ein struktureller Kasus:

Wir überweisen Ihnen den Betrag.
Sie bekommen den Betrag überwiesen.

Es gibt Verwendungen des Dativs, in denen er frei zusetzbar ist („freier Dativ“); es ist üblich, auch diese unter die Dativobjekte zu zählen,[6] obwohl sie zugleich als Angaben statt als Ergänzungen klassifiziert werden.[7]

Kannst du mir den Müll runtertragen?
         (= für mich)

Genitivobjekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt im Deutschen eine kleine Anzahl von Verben, die eine Ergänzung im Genitiv verlangen; diese Formen sind jedoch auf dem Rückzug und meist nur noch in gehobener Schriftsprache anzutreffen. In den deutschen Dialekten gibt es mit der Ausnahme des Walserdeutschen keine Genitivobjekte mehr. In Österreich, Süddeutschland und der Schweiz (mit Ausnahme des Wallis) fehlen Genitivobjekte auch in der Standard-Umgangssprache komplett:

Beispiele:

Ich gedenke [ihrer].Wessen gedenkt ihr?
Er beschuldigt mich [des Diebstahls].
Wir bedürfen [deiner Hilfe].
Herr erbarme dich [unser].  (unser ist der Genitiv zu wir)
Er erinnerte sich [dessen] nicht.

Weitere Verben, nach denen Genitivobjekte stehen bzw. stehen können, sind besinnen, harren und bezichtigen sowie das veraltete Verb zeihen (= bezichtigen, beschuldigen). Der allgemeine Rückgang des Genitivs in der deutschen Sprache betrifft insbesondere die Genitivobjekte. Früher standen auch die Objekte der Verben warten und vergessen (noch im Blumennamen Vergissmeinnicht) im Genitiv, ebenso die Objekte der Verben steuern, pflegen und warnen.

Zu unterscheiden sind diese Genitive von Genitiven im Inneren eines Satzgliedes, wo sie dann nicht vom Verb regiert sind; beispielsweise ist in dem Satz „Ich gehe durch die Straßen [der Stadt]“ der Ausdruck [der Stadt] ein Attribut, da er nur vom Substantiv Straßen abhängt.

Präpositionalobjekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Präpositionalobjekt ist ein Objekt, das durch eine spezielle, vom Verb verlangte Präposition eingeführt wird, statt durch einen Kasus bezeichnet zu werden. Ein Beispiel ist die Verbindung „auf etwas warten“. Präpositionalobjekte können auch neben direkten Objekten vorkommen, z.B. Er zwang den Fahrer zu einem Ausweichmanöver.

Einzelheiten zum Präpositionalobjekt und zur Abgrenzung zwischen Präpositionalobjekt und Adverbialen mit Präposition befinden sich im Artikel Adverbiale Bestimmung unter Adverbial und Objekt.

Nebensätze als Objekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Arten von Nebensätzen kommen als direkte Objekte von Verben vor:

Manche Nebensätze entsprechen hingegen einem Präpositionalobjekt, ohne dass dies immer direkt sichtbar ist, weil die Präposition beim Nebensatz wegfallen kann. Der Status eines solchen Objektsatzes zeigt sich dann erst bei der Ersetzung durch ein Pronomen deutlich. Beispiel: Er zwang seine Tochter (dazu), den Fabrikantensohn zu heiraten. = Er zwang seine Tochter zu dieser Ehe.

Objektsätze haben die syntaktische Besonderheit, dass sie meistens nicht im Satzinneren (d.h. im Mittelfeld) stehen können, sondern am Ende des Hauptsatzes, nach der Endposition des Verbs (rechte Satzklammer) folgen. Hierin unterscheiden sie sich von Adverbialsätzen, die nicht unbedingt nachgestellt werden müssen, und von Akkusativobjekten, die diese Endstellung nie erlauben.[8]

Anna hatte nicht erwartet, [diese Antwort zu bekommen]
= Anna hatte nicht erwartet, [dass sie diese Antwort bekommen würde]

Jedoch nicht:

 * Anna hatte erwartet [diese Antwort]

sowie oft weniger akzeptabel

? Anna hatte [dass sie diese Antwort bekommen würde] nicht erwartet.

Objekte im Englischen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Im Englischen wird bei der Klassifizierung von Objekten grundsätzlich anders vorgegangen als im Deutschen. Als Ursache hierfür ist vor allem das Fehlen typischer Kasusendungen zu sehen. Daher kennt das Englische nur drei Typen von Objekten: das direkte (direct), das indirekte (indirect) und das präpositionale (prepositional) Objekt. Ist nur ein einziges Objekt in einem Satz vorhanden, so ist dieses Objekt automatisch ein direktes Objekt. Bei zwei Objekten ist immer der „Empfänger“ (recipient) einer Handlung das indirekte Objekt, das andere Objekt (patient) wird zum direkten Objekt erklärt. Beispiele:

(1) I gave her (recipient, indirektes Objekt) the apple (patient, direktes Objekt).
(2) I asked my mother (recipient) a question (patient).

Ein Objekt, welches mit Hilfe einer Präposition eingeführt wird, wird insgesamt als Präpositionalobjekt (prepositional object) bezeichnet. Die Präposition wird hierbei durch das Verb bedingt.

Beispiele:

(1) They robbed him (direktes Objekt) of his ring (präpositionales Objekt).
(2) I protected him (direktes Objekt) from falling (präpositionales Objekt).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Objekt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Für Ausnahmen siehe: Subjekt (Grammatik)#Subjekte, die nicht hierarchisch höchste Ergänzung des Verbs sind
  2. Duden. Die Grammatik. 8. Aufl., 2009, S. 817.
  3. Duden. Die Grammatik. 8. Aufl., 2009, S. 814.
  4. Christa Dürscheid: Syntax. Grundlagen und Theorie. 4. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2077, ISBN 3-525-26546-8, S. 36.
  5. Zu beachten ist, dass es nicht-strukturelle Arten des Akkusativs gibt, etwa als Adverbialkasus.
  6. Duden. Die Grammatik. 8. Aufl. 2009. S. 819.
  7. Duden. Die Grammatik. 8. Aufl. 2009. S. 780.
  8. Duden. Die Grammatik. 8. Auflage 2009, S. 1052 f.