Objekt-Verb-Subjekt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als OVS-Sprachen (Objekt Verb Subjekt) werden in der Sprachtypologie diejenigen Sprachen bezeichnet, in denen Objekt, Verb und Subjekt im Normalfall – d. h. in pragmatisch unmarkierten Aussagesätzen im Präsens – in dieser Reihenfolge auftreten, in denen diese Wortstellung also dominant (d. h. die Grundwortstellung) ist.

OVS ist neben OSV eine der seltensten der möglichen Satzteilsequenzen. OVS kommt in weniger als 1 % der Sprachen der Welt vor.[1] Sprachen mit dieser Grundwortstellung sind z.B. die indigenen amerikanischen Sprachen Cubeo, Hixkaryána und auch Selk’nam, die ozeanische Sprache Tuvalu, die australischen Sprachen Mangarrayi und Ungarinjin, die nilosaharanische Sprache Päri sowie die künstliche Sprache Klingonisch, die möglichst exotisch klingen sollte. Die meisten Sprachen mit dominanter OVS-Wortstellung werden in Südamerika und dort v.a. im Amazonasbecken gesprochen.

Ein Beispiel für OVS-Wortstellung bietet der folgende Satz aus dem Hixkaryána,[2] einer Karib-Sprache:

toto y-ahosɨ-ye kamara
Mann 3>3[3] -greifen-PRÄT Jaguar
O V S
"Der Jaguar griff den Mann."

Eine OVS-Abfolge ist in vielen Sprachen möglich als Ergebnis einer Topikalisierung, also Voranstellung des Objekts (siehe im verlinkten Artikel das englische Beispiel That pizza, I won't eat!). Als OVS-Sprachen bezeichnet werden jedoch nur solche, wo es sich um die neutrale Grund-Abfolge handelt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthew S. Dryer: Order of Subject, Object and Verb. In: M. Haspelmath, M. S. Dryer, D. Gil, B. Comrie (Hrsg.): The World Atlas of Language Structures Online. Max Planck Digital Library, München 2008, Kapitel 81. (Beschreibung der verschiedenen Wortstellungstypen und Karte mit Ausprägung in verschiedenen Sprachen)

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nur 11 von 1377 Sprachen in der Stichprobe von Dryer (2008) zeigen OVS als Grundwortstellung.
  2. D. C. Derbyshire: Hixkaryana. North-Holland Publ, Amsterdam 1979, S. 87.
  3. 3>3 ist die Verbalkongruenz, das Verb kongruiert mit Objekt und Subjekt, die beide 3. Person sind. Beide Personen werden in einem Morphem zusammengefasst.