Substanz P

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Substanz P
Substanz P
Eigenschaften des menschlichen Proteins
Masse/Länge Primärstruktur 11 AS; 1348 Da
Präkursor Protachykinin-1 (110 AS; 12910 Da)
Bezeichner
Gen-Name TAC1
Externe IDs

Substanz P ist ein Neuropeptid aus elf Aminosäuren (Primärstruktur: Arg−Pro−Lys−Pro−Gln−Gln−Phe−Phe−Gly−Leu−Met−NH2).[1] Es gehört zur Gruppe der Neurokinine (früher auch als Tachykinine bezeichnet) und wird von Nervenzellen, aber auch von Leukozyten gebildet. Der Buchstabe P stand ursprünglich für engl. powder, weil die Substanz als Pulver vorlag, heute wird das P als pain (für engl. Schmerz) interpretiert.

Substanz P wurde zunächst als Neurotransmitter bei Schmerzrezeptoren (Nozizeptor) und schmerzleitenden C-Fasern angesehen. Wird ein solcher Rezeptor stärker erregt, setzt er Substanz P frei. Sie spielt aber auch als Modulator bei Entzündungen eine Rolle. Bei lokalen Entzündungen wird sie von den afferenten Neuronen der Spinalnerven und in Projektionsbahnen der Rückenmarksbahnen gebildet.

Substanz P bewirkt eine starke Erweiterung der Blutgefäße und steigert die Durchlässigkeit der Gefäßwand. Zudem bewirkt sie eine Steigerung der Sensitivität der Schmerzneurone im Rückenmark. Substanz P reguliert auch die zielgerichtete Einwanderung von Leukozyten (Chemotaxis). Leukozyten exprimieren sowohl Substanz P als auch den Substanz P-Rezeptor (Neurokinin-1 Rezeptor, NK-1R).

Substanz P-Antagonisten sind augenblicklich stark im Fokus der wissenschaftlichen Forschung, z. B. für Schmerztherapie und als Antidepressivum. Ein Überschuss an Substanz P wird als eine mögliche Ursache der Fibromyalgie diskutiert. Außerdem kann Substanz P über die Aktivierung der Neurokinin-Rezeptoren Erbrechen auslösen. Ein entsprechender Antagonist, der zur Verhütung von akuter und verzögerter Übelkeit und Erbrechen angewendet wird, ist Aprepitant.

Capsaicin, eine Substanz aus Paprika (insbesondere Chilis, den scharfen Vertretern der Paprika), aktiviert die Hitzerezeptoren in der Mundschleimhaut, was zur Ausschüttung von Substanz P ins Gewebe und zu schmerzartigen Empfindungen führt. Bei regelmäßiger Verwendung von Capsaicin gewöhnt sich der Körper daran und die Menge an ausgeschütteter Substanz P wird geringer. Dies wird mit einer vermehrten Ausschüttung körpereigener Opioide, der Endorphine und Enkephaline erklärt.

Innerhalb der Säugetiere fehlt Substanz P beim Nacktmull, der damit vermutlich eine gewisse Schmerzresistenz aufweist.

Substanz P ist wahrscheinlich ein „key responder“ bei der Einwirkung der meisten Stressoren - mit dem Ziel die Homöostase des Organismus zu gewährleisten. Deshalb wird SP auch als ein regulatorisches Peptid charakterisiert.[2][3][4]

Umfangreiche Untersuchungen existieren zur Interaktion von Substanz P mit dem aminergen System des Nebenierenmarks. Dadurch könnte SP über eine Homöstasesicherung des aminergen Systems zur Bewältigung von Stresssituationen beitragen.[5][6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. UniProt P20366
  2. Hecht, K., P. Oehme and M. Poppei: Action of Substance P on neurotic-hypertensive rats. In: Pharmazie, 34, 654-657, 1979.
  3. Oehme, P., K. Hecht, L. Piesche, H. Hilse, E. Morgenstern and M. Poppei: Substance P as a modulator of physiological and pathological processes. In: Marsan, C. A., W. Z. Traczyk and U. S. v. Euler (Hrsg.): Neuropeptides and neural transmission. International brain organization monograph series 7, S. 73–84, Raven Press, New York 1980.
  4. Oehme, P. and W. A. Krivoy: Substance P - a peptide with unusual features. In: Trend in Pharmacological Sciences, 4, S. 521–523, 1983.
  5. Cheung, N. S., P. Karlsson. J-X. Wang, M. Bienert, P. Oehme and B. C. Livett: Functional studies with Substance P analogues: effects of N-terminal, C-terminal and C-terminus-extended analogues of Substance P on nicotine-induced secretion and desensitization in cultured bovine adrenal chromaffine cells. In: J. Neurochemistry 62, S. 2246–2253, 1994.
  6. Peter Oehme, Karl Hecht: Reflektionen zur Substanz P-Forschung; Reflections on Substance P Research (mit 50 Literaturstellen). Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, 2017. https://leibnizsozietaet.de/ergaenzende-wissenschaftliche-mitteilung-zur-substanz-p-forschung-von-peter-oehme-mls-und-karl-hecht/

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]