Sudelbuch

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Dieser Artikel behandelt Tucholskys Sudelbuch. Zu Lichtenbergs gleichnamigen Werken siehe Sudelbücher.
Tucholskys letzter Eintrag in sein Sudelbuch, 1935.

Sudelbuch ist der Titel eines literarischen Notizbuchs, das der Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky (1890–1935) von 1928 bis zu seinem Tod führte. Dort sammelte der Autor Aphorismen, kurze sprachliche Einfälle und Wendungen, Witze und Zoten sowie Anmerkungen zum Handwerk des Schriftstellers.

Tucholsky hatte schon auf der ersten Seite dieser Aufzeichnungen verfügt, dass sie nach seinem Tod seiner zweiten Frau – Mary Gerold-Tucholsky – übergeben werden sollten. Der vollständige Inhalt blieb lange unbekannt, abgesehen von jenen Aphorismen, die Tucholsky selbst bereits als seine letzten Beiträge (die Schnipsel) in der Zeitschrift Weltbühne veröffentlicht hatte.[1]

Erst 1993, sechs Jahre nach dem Tod Mary Gerolds und fast 60 Jahre nach dem Ableben des Verfassers, wurde das Sudelbuch postum veröffentlicht.[2]

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sudelbuch war ursprünglich, synonym zu Kladde oder Strazze, eine Bezeichnung der Kaufmannssprache für ein Notizbuch, in das flüchtig und ungeordnet die Feststellungen zum Tagesgeschäft eingetragen wurden, die später sorgfältig in die Buchhaltung zu übertragen waren.[3]

Tucholskys berühmtes Vorbild dafür, aphoristische Notizen unter diesem Titel zu sammeln, sind die Sudelbücher des Mathematikers, Physikers und Aphoristikers Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799).[2]

„Die Kaufleute haben ihr Waste book (Sudelbuch, Klitterbuch glaube ich im Deutschen), darin tragen sie von Tag zu Tag alles ein, was sie verkaufen und kaufen, alles durcheinander ohne Ordnung.“

Georg Christoph Lichtenberg: Sudelbücher[4]

Ausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unter dem Titel „Schnipsel“ veröffentlichte Mary Gerold-Tucholsky im Rowohlt-Verlag erstmals 1973 die Weltbühne-Aphorismen Tucholskys in Buchform (vgl. Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek); seither regelmäßige Neuauflagen, ISBN 3-499-11669-3.
  2. a b Christof Siemes: Es war nicht viel. Tucholskys „Sudelbuch“ – auch eine Lebensbilanz. In: Die Zeit 41/1993, 8. Oktober 1993, abgerufen 11. Dezember 2014.
  3. Sudelbuch. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1961 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).
  4. Georg Christoph Lichtenberg: Aphorismen (Sudelbücher). In: Projekt Gutenberg-DE.