Susanne Beyer (Publizistin)
Susanne Beyer (* 20. Juni 1969 in Balige, Indonesien) ist eine deutsche Journalistin und Publizistin. Sie ist seit 1996 für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel tätig, wo sie unter anderem stellvertretende Chefredakteurin (2015–2018) war. Seit 2022 arbeitet sie ressortübergreifend als Autorin der Chefredaktion. Als Buchautorin trat sie mit einer Biografie über Gret Palucca (2009) und dem Sachbuch Kornblumenblau (2025) hervor.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beyer wurde 1969 in Balige auf der indonesischen Insel Sumatra geboren. Ihre Schulzeit verbrachte sie in Wuppertal und Bielefeld.
Nach dem Schulabschluss studierte sie Germanistik, Geschichte und Journalistik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg sowie an der Universität Wien. Im Anschluss an ihr Diplom absolvierte sie eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München.[1]
Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Journalistische Tätigkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beyer arbeitete zunächst beim Bayerischen Rundfunk und als freie Autorin für das Magazin der Süddeutschen Zeitung. Weitere Stationen umfassten Tageszeitungen und eine Nachrichtenagentur.
Im Oktober 1996 begann Beyer ihre Laufbahn beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel als Redakteurin im Kulturressort, dem sie 18 Jahre angehörte. Im Januar 2014 wurde sie dessen stellvertretende Leiterin. Im Februar 2015 wechselte sie in die Chefredaktion und war bis Dezember 2018 stellvertretende Chefredakteurin des Magazins. Sie war die erste Frau in dieser Position.[2]
Seit Januar 2019 ist sie als Autorin und Reporterin tätig, unter anderem für das Hauptstadtbüro und die Chefredaktion.[3] 2023 übernahm sie vertretungsweise die Leitung des Wissenschaftsressorts.[4]
Beyer ist Dozentin der Deutschen Journalistenschule (DJS).
Publizistisches Engagement
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Beyers literarischem Werk lassen sich mehrere wiederkehrende thematische Schwerpunkte identifizieren. Ein zentrales Thema ist der Feminismus und die weibliche Lebensrealität. 2009 veröffentlichte sie eine Biografie über die Tänzerin Gret Palucca.[5] In ihrem Sachbuch Die Glücklichen (2021) thematisierte sie anhand von Porträts die weibliche Lebensmitte und widersprach gängigen Altersstereotypen.
Ein wiederkehrendes Thema ist die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit.[6] 2015 gab sie mit Martin Doerry den Band Mich hat Auschwitz nie verlassen heraus, der Berichte von Überlebenden des Konzentrationslagers enthält. 2025 folgte Kornblumenblau, eine persönliche Spurensuche, in dem sie die Ermordung ihres Großvaters, eines Chemikers im Reichsamt für Wirtschaftsausbau, zur Zeit des Nationalsozialismus untersucht und exemplarisch aufzeigt, wie Nachkommen Recherchen zur NS-Zeit vornehmen können.
Eng verknüpft mit ihrem publizistischen Engagement ist das Interesse an der Debattenkultur und gesellschaftlicher Polarisierung. Sie gehörte zu den Erstunterzeichnern der Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union und war Fellow am Thomas Mann House in Los Angeles, wo sie zur Anwendbarkeit von Mediationskonzepten im Journalismus forschte.
Beyer zählt zu den renommiertesten deutschen Autorinnen. Sie war Mitglied in den Jurys des Geschwister-Scholl-Preises (2009–2014) und des Deutschen Sachbuchpreises (2020).[7]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2018: „Journalistin des Jahres“ (Kategorie Kultur) durch das Medium Magazin für ihre Recherche zur #MeToo-Debatte in der Medienbranche
- 2025: Shortlist des NDR Sachbuchpreises für Kornblumenblau zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit ihres Großvaters
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Autorin
- Palucca. Die Biografie. AvivA, Berlin 2009, ISBN 978-3-932338-35-9.
- Die Glücklichen. Warum Frauen die Mitte des Lebens so großartig finden. Blessing, München 2021, ISBN 978-3-89667-680-1.
- Kornblumenblau. Der geheimnisvolle Tod meines Großvaters 1945 und die Frage, was er mit den Nazis zu tun hatte. Eine Spurensuche. DVA, München 2025, ISBN 978-3-421-07042-5.
Als Herausgeberin
- Das Spiegel-Haus in der Hafencity Hamburg (mit Martin Doerry). DVA, München; Spiegel-Buchverlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-421-03861-6.
- „Mich hat Auschwitz nie verlassen“. Überlebende des Konzentrationslagers berichten (mit Martin Doerry). DVA, München 2015, ISBN 978-3-421-04714-4.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von Susanne Beyer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Susanne Beyer bei Perlentaucher
- Beiträge von Susanne Beyer auf der Website des Spiegel
- Gespräch mit Susanne Beyer für hr2-Kultur
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Alumni: Susanne Beyer. Deutsche Journalistenschule, abgerufen am 12. Januar 2026.
- ↑ „Frauen waren eine Irritation“. In: Der Spiegel. 8. Januar 2022, S. 64–67.
- ↑ Impressum. In: Der Spiegel. 9. Januar 2026, S. 114.
- ↑ Kayhan Özgenc, Tobias Fuchs: „UN-Blauhelmmission“ beim „Spiegel“: Neuer Chefredakteur schickt Vertraute in verfeindetes Wissenschaftsressort. In: Business Insider. 26. Juli 2023, abgerufen am 12. Januar 2026.
- ↑ Gabriele Gorgas: Susanne Beyers detaillierte Biografie über Palucca. In: Leipziger-Volkszeitung. 10. März 2009, S. 9.
- ↑ Oliver Pfohlmann: Das Nazi-Geheimnis des Grossvaters. In: Neue Zürcher Zeitung. 3. Juli 2025, S. 31.
- ↑ Susane Beyer. Villa Aurora & Thomas Mann House, abgerufen am 12. Januar 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Beyer, Susanne |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Journalistin und Publizistin |
| GEBURTSDATUM | 20. Juni 1969 |
| GEBURTSORT | Balige, Indonesien |