Sylvesterkapelle (Bochum)

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Die Ruine der Sylvesterkapelle, Ansicht von Nordosten

Die Sylvesterkapelle ist die ehemalige, katholische Hauskapelle des Herrensitzes Haus Weitmar im gleichnamigen Stadtteil von Bochum. Sie steht im nordwestlichen Bereich des Schlossparks Weitmar. Während der Reformation erfolgte ein Konfessionswechsel zum evangelisch-lutherischen Glauben, und bis zur Fertigstellung der Bochumer Matthäuskirche im Jahr 1868 diente die Kapelle als Kirche der lutherischen Gemeinde. Im Zweiten Weltkrieg wurde das derweil verfallene kleine Gotteshaus – ebenso wie das benachbarte Haus Weitmar – durch Bomben getroffen, sodass es heute nur noch eine Ruine ist. Diese wurde am 26. April 1995 als Baudenkmal unter Denkmalschutz gestellt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das genaue Entstehungsdatum der Kapelle ist nicht bekannt. Sie wird 1397 erstmals urkundlich erwähnt, ist aber wohl um einiges älter.[2] Sie stammt vermutlich aus dem frühen 13. Jahrhundert und stand im Zentrum des Gräftenhofes Weitmar.[3] Namensgeber und ihr Schutzpatron war Papst Silvester I. Während der Zeit Wennemar von Hasenkamps als Besitzer des Hauses Weitmar war die Kapelle Filialkirche der Bochumer Propsteikirche Sankt Peter und Paul.[4] 1471 erhob sie der Bruder des Hausherrn, Pastor Johann von Hasenkamp, am Laurentiustag (10. August) zur selbständigen Kirchspielkirche.[4]

Während der Reformation wurde die Kirche 1543[5] evangelisch und Eigentum der lutherischen Kirchengemeinde. 1572 wurde der erste lutherische Pastor eingestellt, dem alle Befugnisse mit Ausnahme von Taufe und Begräbnis zustanden.[4][6] Die Besitzerfamilie von Haus Weitmar blieb jedoch katholisch und errichtete im 18. Jahrhundert eine neue Hauskapelle.

Die Kapelle Anfang des 20. Jahrhunderts

Die Sylvesterkapelle verfiel im 18. und 19. Jahrhundert allmählich. Schließlich war ihr Verfall derart weit fortgeschritten, dass die Instandsetzung nicht mehr lohnte. Die Kirchengemeinde entschied sich zu einem Neubau an anderer Stelle. Von 1866 bis 1868 entstand deshalb die heutige Matthäuskirche in der Matthäusstraße. Die geschnitzte, barocke Kanzel war bereits 1774 der evangelischen Dorfkirche in Herdecke-Kirchende gestiftet worden, der barocke Altar und die beiden Glocken der Sylvesterkapelle fanden in der neu gebauten Matthäuskirche Wiederverwendung.[7]

1890 verkaufte die evangelische Kirchengemeinde den Besitz mit der Kapellenruine für 1000 Mark[4] an Ludwig von Berswordt-Wallrabe. Der Bau kehrte damit in den Besitz der Eigentümer von Haus Weitmar zurück. Zu jenem Zeitpunkt war er bereits stark verfallen. Bombentreffer bei einem Fliegerangriff am 13. Mai 1943 zerstörten die Kapelle endgültig. Im Zuge einer Neugestaltung des Parks ab 2010 wurde die Ruine restauriert.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss 1907

Die Ruine steht im nordwestlichen Bereich des Schlossparks Weitmar und weist überwiegend gotische Elemente auf. Der kleine Friedhof neben der Kapelle zeugt davon, dass das Gotteshaus jahrhundertelang die Kirche der evangelischen Kirchengemeinde war. Teile ihres quadratischen Westturms zeigen noch romanische Formen. Der Turm besitzt ein rundbogiges Portal mit darüberliegendem Ochsenauge. Im Obergeschoss sind noch die unteren Teile von ehemals rundbogigen Fenstern erhalten. Ein Rundbogendurchgang führt in das Langhaus, unter dem eine nicht zugängliche Gruft liegt. Die Krypta wurde 2016 freigelegt, um eine Skulptur aus der Kunstsammlung Situation Kunst (für Max Imdahl) aufzunehmen, die durch eine Glastür betrachtet werden kann. Früher sollen dort nach dem Bericht eines Weitmarer Pfarrers Mitglieder der Besitzerfamilien von Haus Weitmar und Haus Bärendorf bestattet worden sein.[4] Die Südmauer des Langhauses ist noch bis zur Höhe der Fensterbänke erhalten, die Nordmauer ist aber nur noch im Sockelbereich vorhanden. An der Ostseite führt eine Spitzbogenöffnung in den spätgotischen Chor, der drei Stufen höher liegt als das Langhaus. Der quadratische Bereich besitzt einen 3/8-Schluss und Öffnungen für Spitzbogenfenster. Die Konsolen für das einstige Chorgewölbe sind noch erhalten. An der Nordseite findet sich eine spätgotische Tabernakelnische mit bekrönendem Wimperg. Dieser gegenüber liegt eine dreieckige Lavabonische.

In der Ruine stehen drei Grabplatten. Sie stammen aus dem Umfeld der Kapelle und wurden dort in den 1970er Jahren aufgestellt.[8] Auf ihnen finden sich die Sterbejahre 1625, 1705 und 1765.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elfie Laschober: Sylvesterkapelle Weitmar. In: Norbert Humberg (Hrsg.): Lebensraum Kirche. Pfarrei St. Franziskus Bochum. Pfarrei St. Franziskus, Bochum 2013, ISBN 978-3-00-043834-9, S. 8–19.
  • Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Bochum-Land (= Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Band 23). Schöningh, Münster 1907, S. 49–50 (Digitalisat).
  • Stefan Pätzold: Haus Weitmar. In: Kai Niederhöfer (Red.): Burgen AufRuhr. Unterwegs zu 100 Burgen, Schlössern und Herrensitzen in der Ruhrregion. Klartext, Essen 2010, ISBN 978-3-8375-0234-3, S. 27–31.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sylvesterkapelle (Bochum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag der Sylvesterkapelle in der Denkmalliste der Stadt Bochum unter A336 (PDF; 812 kB)
  2. S. Pätzold: Haus Weitmar. 2010, S. 28.
  3. Wolfram Wintzer, Cornelia Kneppe: Ein bewegtes Schicksal: zur Geschichte von Haus Weitmar in Bochum. In: LWL-Archäologie in Westfalen, Altertumskommission für Westfalen (Hrsg.): Archäologie in Westfalen-Lippe 2009. Beier & Beran, Langenweißbach 2010, ISBN 978-3-941171-42-8, S. 101 (PDF; 715 kB). Einige Veröffentlichungen datieren den Bau der Kapelle aufgrund der romanischen Formen des Westturms sogar in das 11. Jahrhundert. Vergleiche zum Beispiel Hans H. Hanke: Haus Weitmar – Kunstvolle Romantik.
  4. a b c d e f Hans H. Hanke: Haus Weitmar – Kunstvolle Romantik, Zugriff am 8. März 2016.
  5. S. Pätzold: Haus Weitmar. 2010, S. 29.
  6. Willi Berneiser: Haus Weitmar. In: Vereinigung für Heimatkunde Bochum (Hrsg.): Bochum. Heimatbuch. Band 7. Schürmann & Klagges, Bochum 1958, S. 93–97
  7. S. Pätzold: Haus Weitmar. 2010, S. 29–30
  8. S. Pätzold: Haus Weitmar. 2010, S. 30

Koordinaten: 51° 26′ 52,6″ N, 7° 11′ 19,3″ O