Gruft

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gruft (Begriffsklärung) aufgeführt.
Deckplatte zur Gruft einer Adelsfamilie in der Michaelerkirche Wien

Eine Gruft (von griech. Krypta: unterirdischer Kirchenraum) ist eine Räumlichkeit, welche zur Bestattung von Särgen, Sarkophagen und Urnen von Verstorbenen dient. Der wesentliche Unterschied zwischen der Gruft- und der Erdbestattung besteht in der Tatsache, dass der Sarg bei der Gruftbestattung nicht direkt der Erde übergeben, sondern in einem eigens dafür bestimmten Raum abgestellt wird.[1] Die Definition der Städtischen Friedhofsverwaltung Wien lautet „Grüfte sind ausgemauerte Gräber.“[2]

Kulturgeschichte[Bearbeiten]

Kapuzinergruft in Wien, Bestattung in freistehenden Metallsärgen: Kaiserin Elisabeth, Kaiser Franz Joseph I., Kronprinz Rudolf
Kloster Kostanjevica (Görz), Bestattung in freistehenden Steinsarkophagen: Ludwig XIX. und Karl X. von Frankreich
Grüfte auf einem kalabrischen Friedhof
Blick in eine der Grüfte auf dem Friedhof Prazeres in Lissabon

In weiten Teilen Europas, so im Gebiet des Heiligen Römischen Reiches, erfolgte die Gruftbestattung zunächst meist im Inneren von Kirchen. Seit dem Mittelalter war diese Bestattungsform im Wesentlichen einem exklusiven Personenkreis vorbehalten, zu dem etwa Monarchen, Bischöfe, Adelige und bedeutende Einzelpersönlichkeiten zählten. Tote aus dem einfachen Volk wurden auf Friedhöfen der Erde übergeben. Für die Toten aus höher gestellten Gesellschaftsschichten wurden oft Sarkophage genutzt, die mitunter aufwändig ausgeführt sein konnten. die Aufstellung erfolgte in unterirdischen Kirchenräumen auf, so lag der Tote (anforderungsgemäß) in einem Sarg und war nicht der Erde übergeben. In diesem Sinne ermöglichte eine Gruftbestattung die „unversehrte Lagerung“ des Leibes des Verstorbenen bis zum Jüngsten Gericht. Oft waren diese Bestattungsräume für die Öffentlichkeit zugänglich, so dass sie in die Repräsentation und das rituelle Totengedenken (Memorialwesen) einbezogen wurden. Viele Grabstätten europäischer Monarchen sind als Gruft angelegt.[3]

Zum Ende des 18. Jahrhunderts vollzog sich in Deutschland und Österreich in Folge der Aufklärung und neuer Vorstellungen zur Hygiene ein allmählicher Wandel. Die Erdbestattung begann die Gruftbestattung zu verdrängen, weil die Erde den besten Schutz vor dem verwesenden Körper darstellte.[1] Im Jahr 1784 wurde unter Kaiser Joseph II. ein Bestattungsverbot im Kircheninneren eingeführt[3], wobei nur für Bischöfe Ausnahmen gestattet wurden. Die Grüfte wurden stattdessen auf die Friedhöfe verlegt und wurden zum Gegenstand der Regulierung durch Friedhofsordnungen.

Der wirtschaftliche und politische Aufstieg des Bürgertums zu Beginn des 19. Jahrhunderts und der damit verbundene Wunsch nach Repräsentation führte dazu, dass Grüfte und Mausoleen weiterhin als monumentale Form der Grabstätte errichtet wurden. Auf den meisten Friedhöfen war die Planung und Errichtung einer Gruftanlage nach Prüfung und Genehmigung der eingereichten Bauzeichnungen möglich und ein Zugang über eine Treppe wurde bei ausreichender Größe des Grabgewölbes meist gestattet. Obwohl dieser stets geschlossen zu sein hatte, war es den Angehörigen so möglich, in die unmittelbare Nähe des Sarges zu gelangen. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde das freie Aufstellen der Särge in den Gruftgewölben zunehmend untersagt, und die Särge mussten in Wandnischen oder verschlossenen Kammern innerhalb der eigentlichen Gruft beigesetzt werden.[1] Neben den als Grabstätten genutzten Grüften existierten auf vielen Friedhöfen städtische Grüfte zur übergangsweisen Aufnahme von Leichen, die erst zu späteren Zeitpunkten beerdigt werden sollten. Diese Anlagen konnten gegen eine Gebühr in Anspruch genommen werden, wobei die Toten dort mehrere Monate gelagert werden konnten.[1]

Gruftbestattungen erfolgen heute in Deutschland und Österreich nur noch vergleichsweise selten. Jedoch kommt diese Bestattungsart in romanischen Ländern, dem Tessin und in der französischen Schweiz noch häufig vor. Der Verstorbene wird in einem Sarg mit Zinkeinlage und Druckluftfilter eingesargt und findet seine Ruhe in einer Gruft.[4]

Arten von Grüften (Auswahl)[Bearbeiten]

Eine Gruft ist eine gemauerte Grabstelle, in der der Sarg in einem Hohlraum steht. Der Zugang kann durch eine Gruftplatte verschlossen sein. Je nach baulicher Gestaltung und Nutzung können verschiedene Arten von Grüften unterschieden werden.

In den meisten Fällen sind Grüfte unterirdisch angelegt, daneben existieren oberirdische Grüfte. Der Übergang zu Sargwandnischen[2], Hochgräbern und Mausoleen ist fließend. So kann sich eine Gruft in einem Mausoleum befinden. In den meisten Fällen wird die Gruft so angelegt, dass Platz für spätere weitere Bestattungen vorhanden ist.

Üblich ist für Gruftbestattungen die Verwendung von Metallsärgen, von Holzsärgen mit Zinkeinsätzen oder von abgedichteten Steinsarkophagen vorgeschrieben. In vielen Fällen erfolgt vor der Bestattung eine Einbalsamierung des Leichnams. Zudem können Urnen in einer Gruft beigesetzt werden.

Allgemein wird das für die Aufnahme des Sarges ausgehobene „Erdloch“ ebenfalls als Gruft bezeichnet. Diese Bezeichnung für die Aushebung im Erdreich ohne eine zusätzliche Ausmauerung entspricht der vereinfachten Art der Sargbestattung ohne das sich der Begriff änderte. Entsprechend steht für die Tätigkeit des Aushebens auf Friedhöfen nach wie vor der Begriff „gruften“.

Familiengrüfte[Bearbeiten]

Als Mausoleum gestaltete Familiengruft in Berggießhübel (Sachsen)

In vielen Fällen werden Grüfte aufgrund ihres repräsentativen Charakters als Erbbegräbnis oder Grablege einer Familie oder eines Geschlechtes genutzt. Unter einer Familiengruft versteht man eine als Gruft angelegte Grabstätte, bei der eine Familie das dauerhafte Recht auf Nutzung zur Bestattung der Überreste ihrer verstorbenen Mitglieder hat.[5] Der Begriff bezieht sich dabei auf die Funktion einer Gruft als Familiengrabstätte, nicht jedoch auf die bauliche Gestaltung. In manchen Fällen sind Familiengrüfte als Mausoleen gestaltet. Die Särge können je nach Bauweise und Rechtslage frei aufgestellt oder in Sargwandnischen untergebracht sein. Im Allgemeinen werden dort über einen langen Zeitraum hinweg Särge und/oder Urnen einer oder weniger Familien beigesetzt.

Analog zu Familiengrüften, die den Mitgliedern einer Familie vorbehalten sind, existieren Bischofsgrüfte für verstorbene geistliche Würdenträger, Fürstengrüfte als Ruhestätte für Mitglieder (ehemaliger) fürstlicher Geschlechter oder, auf dem Wiener Zentralfriedhof eine Gruft der österreichischen Bundespräsidenten.

Gemeinschaftsgrüfte[Bearbeiten]

Gemeinschaftsgruft: „Kassengewölbe“ auf dem Jacobsfriedhof Weimar

Auf vielen Friedhöfen existierten privat organisierte Grüfte, die nicht einer Familie vorbehalten waren, sondern in denen adlige und bürgerliche Verstorbene bestattet werden konnten, die über kein eigenes Erbbegräbnis verfügten.

Bekannte Beispiele für Gemeinschaftsgrüfte sind das Kassengewölbe auf dem Jacobsfriedhof Weimar, in dem unter anderem 1805 Friedrich Schiller beigesetzt wurde, oder die Commungruft auf dem Petersfriedhof Salzburg, in der unter anderem Mozarts Schwester Nannerl und sein Freund Michael Haydn beigesetzt wurden.

Sargwandnischen[Bearbeiten]

Gruftnischen im Münchner Frauendom (Grab König Ludwigs III. und anderer Wittelsbacher)

Bei einer Sargwandnische handelt es sich um eine Bestattungsort, der im Aussehen einem Kolumbarium ähnelt, aufgrund seiner größeren Dimensionierung jedoch für die Aufnahme von Särgen geeignet ist. Sargwandnischen können sich in einer Krypta, einem Mausoleum oder als eigenständige Bauwerke auf Friedhöfen finden. In Fällen, in denen das freie Aufstellen der Särge in einem Gruftgewölbe nicht gestattet ist, werden die Särge innerhalb der Gruft ebenfalls in derartigen Wandnischen beigesetzt.[1]

So sind etwa in der Münchner Frauenkirche die Särge zahlreicher in der Domkrypta beigesetzter Wittelsbacher in solchen Wandnischen hinter Grabplatten eingemauert. Der Bronzesarg Marilyn Monroes im Westwood Village Memorial Park Cemetery in Los Angeles ist ebenso in einer Sargwandnische beigesetzt wie derjenige von Franz Josef Strauß in der Familiengruft in Rott am Inn.[6] Salvador Dalís Grab im „Teatre-Museu Dalí“ in Figueres ist in Form einer Sargwandnische angelegt.

Gruftartige Gräber[Bearbeiten]

Gruftartiges Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Curd Jürgens)

Gruftartige Gräber sind Erdgräber, bei denen die Grabstelle durch Anbringung einer Deckplatte aus Stein ein gruftartiges Aussehen erhält.[7] Abgeleitet davon werden in einigen Regionen, vor allem dem Rheinland, große (Familien-) Erdgräber ebenfalls als „Gruft“ bezeichnet, ohne ausgemauert und daher Grüfte im eigentlichen Sinne zu sein. Ein wesentlicher Unterschied zwischen gruftartig gestalteten Gräbern und ausgemauerten Grüften besteht in den Kosten. Friedhofsverwaltungen erheben meist für ausgemauerte Grüfte wesentlich höhere Gebühren als für das Anbringen von steinernen Deckplatten auf Erdgräbern.

Auf manchen Friedhöfen existieren gruftartige Gräber eines anderen Typs, bei denen die aus der Erde ausgehobenen Gräber zunächst ausgemauert, nach der Beisetzung des Sarges wieder mit Erde aufgefüllt werden. Verschlossen werden Grabstätten dieses Typs ebenfalls mit einer Deckplatte aus Stein.

Oft ist lediglich dem Grabbesitzer und der Friedhofsverwaltung bekannt, ob es sich bei einer Grabstätte mit Deckplatte aus Stein tatsächlich um eine ausgemauerte Gruft oder lediglich um ein gruftartig gestaltetes Erdgrab handelt. Gruftartige Gräber existieren für Urnen.[8]

Erdgrüfte in Nordamerika[Bearbeiten]

Zur Bestattung vorbereitete Erdgruft

In Nordamerika ist es verbreitet, teilweise empfohlen oder gar gefordert, den Sarg nicht direkt im Erdreich zu bestatten, sondern mit einem Überbehältnis zu versehen: einer Erdgruft.

Die modernen Friedhöfe in Nordamerika sind oft Wiesen ohne Grabeinfassungen, mit meist einfacher Belegung, flachen Grabplatten oder niederen Kopfsteinen, selten mit größeren Grabdenkmälern. Die Umhüllung oder Überdeckung soll vor allem ein Einsinken oder Einbrechen des Bodens durch Zersetzung des Sarges, Druck der umgebenden Erde, der darauf gehenden Besucher und fahrenden oder abstützenden Maschinen verhindern. Es dient damit der Optik und vereinfacht die Instandhaltung des Friedhofs. Das heutige Bestattungsgewerbe und die üblichen Bestattungstechniken entwickelten sich nach dem Sezessionskrieg (1861–1865). Zu dieser Zeit wurde mit Ziegelsteinen gearbeitet. Ab den späten 1880er Jahren wurden zweiteilige Betonumhüllungen verwendet. Seit den späten 1920er Jahren wurden diese mit Asphalt überzogen, um den Sarg gegen Feuchtigkeit zu schützen. 1930 wurde The National Concrete Burial Vault Association (NCBVA) als Branchenvereinigung gegründet, der heute (2009) 350 Mitgliedsbetriebe angehören.

Funktionell handelt es sich bei der im nordamerikanischen Bestattungswesen üblichen Erdgruft (burial vault, „Erdbestattungs-Gruft“ oder burial container, „Erdbestattungs-Behälter“) oder einer preisgünstigeren Überdeckung (burial liner, „Erdbestattungs-Decke“ oder grave liner, „Grab-Decke“) um eine mit Erde überdeckte Einzelgruft. In den ausgehobenen Erdschacht wird das Unterteil des Behälters eingesetzt, nach dem Einbringen des Sarges wird der Deckel aufgelegt und der Erdschacht wieder verfüllt. Die alternativ verwendete Überdeckung wird dem in den Erdschacht hinabgelassenen Sarg übergestülpt, sie besitzt kein Unterteil. Erst mit der vollständigen Verfüllung des Erdschachts ist die Bestattung abgeschlossen.

Neben Erdgrüften aus Beton oder Stein gibt es heute Hersteller, die mit Stahl, Fiberglas oder Kunststoff arbeiten. Bei Überschwemmungen, wenn Erdreich weggeschwemmt wird, bleibt der Sarg meist umhüllt und Betonumhüllungen wie -überdeckungen bleiben mit dem Sarg im Grab und schwimmen nicht auf (wie in manchen Katastrophen- oder Horrorfilmen gezeigt). Sarg und Leichnam bleiben länger erhalten, besonders bei kompletten Umhüllungen, von denen einzelne abgedichtet werden können. Sie sind nicht dafür konstruiert, einen Zerfall der sterblichen Überreste zu verhindern. Zumindest als Verkaufsargument bei bestimmten geschlossenen Behältnissen kommen – zumindest angedeutet – das Grundwasser und die meist chemisch einbalsamierten Leichen zum tragen. Für Beerdigungsinstitute ist es unethisch fälschlich zu behaupten der Behälter schützt vor Wasser, Schmutz oder Staub.[9] Vereinzelt und auf eigenen Flächen, gibt es die Möglichkeit von green oder natural burial (grüner oder natürlicher Erdbestattung) wobei keine Einbalsamierung vorgenommen wird, ein sich zersetzender Sarg und keine Umhüllung, teilweise kein Grabstein oder Gemeinschaftssteine verwendet werden. In Kanada wurde die erste Stelle 2008 geschaffen.[10]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Gruft – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Wolfgang Stöcker: Die letzten Räume. Sterbe- und Bestattungskultur im Rheinland seit dem späten 18. Jahrhundert, Köln 2006, S. 83–84 (online)
  2. a b Friedhöfe Wien: Gräber zur Bestattung von Särgen und Urnen, Zugriff am 25. Januar 2013
  3. a b Christopher R. Seddon: Die inschriftlichen Denkmäler der Herren und Freiherren von Hackledt im Rahmen der Deutschen Inschriften. Wien 2002, S. 48 ff.
  4. Bestattungsarten bei .bestatter.ch
  5. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 5, Leipzig, 1906, S. 887.
  6. Foto vom Strauß-Grab
  7. Friedhöfe Wien: Arten von Gräbern, Zugriff am 25. Januar 2013
  8. Friedhöfe Wien: Friedhofsordnung der Stadt Wien, Zugriff am 28. Januar 2013
  9. A Consumer Guide To Funerals, J. J. Patterson & Sons
  10. Simply Cremations: Green Burial, Senior Living