Synagoge (Ichenhausen)

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Ehemalige Synagoge in Ichenhausen (Nordseite)
Ehemalige Synagoge in Ichenhausen (Südostecke)

Die Synagoge in Ichenhausen, einer Stadt im schwäbischen Landkreis Günzburg, befindet sich in der Vorderen Ostergasse 22.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die jüdische Gemeinde Ichenhausen errichtete ihre erste Synagoge 1687. Sie wurde 1781 durch einen Neubau ersetzt, der vermutlich von dem Kirchenbaumeister Joseph Dossenberger (1721–1785) entworfen wurde. 1813 wurde sie aufgrund des bayerischen Judenedikts dem Distriktsrabbinat Ichenhausen zugehörig.

1896 wurde die Synagoge renoviert, wobei der Innenraum neu ausgestaltet wurde. Es entstand ein großes Deckenoval mit Stuck und raumdeckender Ausmalung. 1929 wurde eine moderne Dampfheizung eingebaut.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge im Inneren zerstört. Sie diente während des Zweiten Weltkrieges als Lager für die Wehrmacht.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Synagoge in Ichenhausen ist ein längsrechteckiger Bau und steht mit der Längsachse zur Straße. Hohe Rundbogenfenster erhellen das Innere an drei Seiten. Die vier Rundbogenfenster an den Traufseiten werden durch flache Rahmen gegen das Putzmauerwerk abgesetzt. 1781 wurde ebenfalls ein dreigeschossiger Anbau errichtet, in dem eine Schule, eine Rabbinerwohnung und im Keller ein rituelles Bad (Mikwe) untergebracht waren. Über dem Eingang zum Betsaal steht folgende Inschrift: Dies ist die Pforte des Ewigen, Gerechte treten da ein (Psalm 118,20).

Heutiger Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1953 kam die Synagoge in den Besitz der Stadt Ichenhausen und wurde nach Umbauten vom November 1958 bis Sommer 1985 als Feuerwehrhaus zweckentfremdet.

Seit 1980 bemühte sich ein Aktionskreis Synagoge Ichenhausen e. V. um die Renovierung der Synagoge. Schließlich wurde von 1984 bis 1987 das Synagogengebäude wieder komplett in den ursprünglichen Bauzustand zurückversetzt. Am 4. Dezember 1987 konnte das Gebäude als Haus der Begegnung feierlich eröffnet werden. In den oberen Stockwerken befindet sich eine Dauerausstellung über das Landjudentum.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aktionskreis Synagoge Ichenhausen e. V. (Hrsg.): Synagoge Ichenhausen. Festschrift zur Eröffnung der ehemaligen Synagoge von Ichenhausen als Haus der Begegnung am 4. Dezember 1987. Landratsamt, Ichenhausen 1987. [nicht ausgewertet]
  • Klaus-Dieter Alicke: Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum. 3 Bände. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008, ISBN 978-3-579-08035-2.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. Herausgegeben von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit München. Bayerische Verlags-Anstalt, Bamberg 1988, ISBN 3-87052-393-X, S. 243–250.
  • Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I. Hrsg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans Christof Haas und Frank Purrmann. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2007, ISBN 978-3-89870-411-3, S. 478–487.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Synagoge (Ichenhausen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 22′ 14,4″ N, 10° 18′ 21,3″ O