Türband

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Aufbau eines Einbohrbandes

Ein Türband, auch Türangel (veraltet Haspe oder Haspel, hakenförmig)[1] genannt, verbindet die Zarge oder den Blendrahmen mit der Tür und ermöglicht das Öffnen des Türblatts. Im Allgemeinen lässt sich das Türblatt ohne Demontage des Bandes aushängen (was bei einem Scharnier in der Regel nicht der Fall ist). Anzahl, Größe und Konstruktion hängen von Gewicht und Breite des Türblatts sowie von dessen Beanspruchung ab.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steintür mit Zapfen – Grabkammer in einem Tumulus bei Fontenille, Charente

Bei vielen Wohnbauten der Frühzeit stand die Tür tagsüber offen und wurde nur nachts – zum Schutz vor freilaufenden Haustieren oder vor Raubtieren – mit einem oft nur halbhohen versetzbaren Flechtgitter aus Zweigen geschlossen; Fenster waren sowieso unbekannt. In einer späteren Entwicklungsphase wurden die Türen oder Tore mit Zapfen aus Holz oder aus Stein versehen, welche in der Schwelle und im Sturz eingelassen waren. Derartige Zapfenlöcher sind in antiken und mittelalterlichen Tor- und Hausruinen noch ab und an zu sehen. Je nach Größe oder Gewicht konnten derartige Türen oder Tore nur von mehreren Männern geöffnet oder geschlossen werden (z. B. in Burgen, Moscheen oder Palästen).

Türbänder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fitschenband
wird von der Seite her so in einen Schlitz im Türrahmen eingeschoben (eingestemmt), dass nur die Drehrolle (Drehachse) vorsteht, und mit Stiften befestigt
Klobenband
wird von außen sichtbar auf die Tür oder den Fensterladen geschraubt. Der Kloben als L-förmiges Gegenstück wurde meist in die solide Zarge eingeschlagen oder in selteneren Fällen ebenfalls aufgeschraubt. Klobenbänder werden heute fast nur noch an einfachen Bretter- oder Lattentüren, an Fensterläden oder im rustikalen Möbelbau verwendet. Bekannt sind dekorative Klobenbänder von Türen in historischen Gebäuden oder als reich verzierte schmiedeeiserne oder zinnige Beschläge an Antiquitäten.
Pfannenband
lässt sich hervorragend industriell verarbeiten, justieren und ist eine Sonderform des Klobenbandes, das sich durch die Lagerung in einer „Drehpfanne“ vom Klobenband unterscheidet und vor allem für schwere Tore geeignet ist. Wie die oben erwähnten Bänder kommt auch dieses heute nur noch selten zur Anwendung.
Einbohrband
ist die wohl häufigste Art, die heute im Einsatz ist. Die Bolzen dieser Bänder sind mit einem Gewinde versehen, so dass sie sich einfach in Bohrlöcher in Türblatt und Zarge einschrauben und justieren lassen. Aufwändigere Bänder bieten häufig eine Höhenverstellung (3-dimensionale Verstellung).
Paumelle
ist ein Türband, das sich bei stumpf einschlagenden (= flächenbündig im Türrahmen einliegenden) Türen findet. Paumellen gibt es gerade für Bauten mit hoher Beanspruchung auch mit Kugellagern.
Pendeltürband
ist mit zwei federbelasteten Bändern versehen und ermöglicht ein Durchschwingen von Pendeltüren in beide Durchgangsrichtungen. Bekannt sind solche Türen als Saloontüren in Western.
Zapfenband
findet vor allem bei Metalltüren Verwendung. Bei Holztüren am ehesten in Verwendung mit einem Bodentürschließer.
Tresorband
ist ein spezielles, völlig in Rahmen und Türblatt verdeckt angebrachtes Drehgelenk, das die Öffnung einer Tür gewährleistet, wobei im geschlossenen Zustand des Flügels keinerlei Lenker oder Bandteile zwischen Flügel und Rahmen erkennbar bzw. einsehbar sind.[2]

Fensterbänder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fitschenband
wird von der Seite her so in einen Schlitz im Fensterflügel eingeschoben (eingestemmt)
Klobenband
wird von außen auf den Fensterflügel geschraubt; wurde auch in kombinierter Bauform mit Eckwinkel angewendet; heute nur noch bei sehr einfachen oder historischen Fensterkonstruktionen in Verwendung
Einbohrband
wird überwiegend an Fenstern angewendet, die nur über eine Drehfunktion verfügen
Drehkippbeschläge
zeichnen sich dadurch aus, dass Fenster wahlweise vollständig geöffnet oder zum Lüften gekippt werden können; sie werden heute überwiegend als komplexe Verschlußsysteme mit Einhebelbedienung in Kombination mit Fitschenbändern eingesetzt; früher wurde die Funktion auch über einfache Schiebebolzen hergestellt
Hauptartikel: Beschlag#Fensterbeschlag

Möbeltürbänder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fitschenband
wird von der Seite in einen Schlitz in der Möbeltür geschoben (eingestemmt), dass nur die Drehrolle (Drehachse) vorsteht.
Klobenband
findet heute vor allem bei Möbeln Anwendung, bei welchen man gewissen Stilrichtungen folgen will (Antikmöbel).
Zylinderband
ist ein Band, welches für verschiedene Arten von Möbelkonstruktionen einsetzbar ist, da es dieses in verschiedenen Kröpfungen gibt, für gefälzte und stumpfe Möbeltüren.
Zapfenband
wird von oben und unten in die Tür eingelassen. Somit ist der Beschlag weder von außen noch von innen zu sehen. Zapfenbänder sind extrem robust und verschleißen kaum, da ihre Konstruktion sehr einfach ist. Da das Zapfenband, das eine innenliegende Türkonstruktion benötigt, nur handwerklich zu montieren ist, wird es somit heute kaum noch verwendet.
Einbohrband
ist im Möbelbereich heute eher seltener zu finden.
Topfband
Topfband
ist der heute im Möbelbereich wohl häufigste Typ. Der namengebende Topf wird in einer Bohrung in der Möbeltür verschraubt oder verspannt. Über den Gelenkarm wird er mit der Grundplatte an der Korpuswand verbunden (geschraubt oder heute meist eingeklickt). Diese Topfbänder lassen sich meist auch 3-dimensional verstellen. Topfbänder gibt es mit unterschiedlichen Öffnungswinkeln (normal 90 Grad, maximal 180 Grad) und von einzelnen Herstellern auch für spezielle Verwendungszwecke (z. B. für Eckschränke). Oft werden diese Topfbänder auch mit Schnappmechanismus (Feder) verwendet, was das Anbringen eines Zuhaltemagneten oder eines Schnappverschlusses erspart.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Türbänder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm: haspe und haspel
  2. Registerauskunft des DPMA: Tresorband