Tauteich

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Ein Tauteich mit drei Maultieren im albanischen Lunxhërisë-Gebirge

Tauteiche, auch Himmelsteiche genannt, dienen der Süßwasserversorgung in Gebieten ohne nutzbare Quellen, oberflächennahes Grundwasser oder sonstige Gewässer, wie z. B. in Küstenregionen und Karstgebieten.

Tauteiche gibt es unter anderem auf den Warften der Halligen (Fething) in Schleswig-Holstein und in Ostfriesland, sowie in England („dew pond“, „cloud pond“, „mist pond“) und z. B. auch in Albanien.

Generell beruht die Funktionsweise eines Tauteiches auf der Bildung von Tau, der sich durch Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht an der Vegetation niederschlägt und in Tauteichen gesammelt werden kann. Aufgrund dieser Temperaturwechsel sammelt sich in der Nacht mehr Tauwasser an, als am Tag verdunstet. Die Wirkungsweise lässt sich auch noch heute an vorhandenen Tauteichen aus historischer Zeit studieren.

An dem Tauteich Helmfleeth in der Gemeinde Poppenbüll (Halbinsel Eiderstedt in Schleswig-Holstein, Deutschland) wurden In-situ-Messungen der Evaporation und Kondensation durchgeführt. Hierbei kamen meteorologische Messgeräte und ein schwimmender Verdunstungskessel nach Brockamp & Werner (1970)[1] zum Einsatz. Die Messungen erbrachten einen eindeutigen Nachweis der Taubildung auf Grund der Temperaturunterschiede und der Wetterlage.[2][3] Der Tauteich Helmfleeth ist Teil der Wasserversorgung von Marschengebieten und wird bis heute genutzt.[4]

Meteorologische Messinstrumente zur Verdunstungsmessung im Tauteich Helmfleeth

Historische Tauteiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die historischen Tauteiche weisen meist einen ellipsenförmigen Umriss mit flacher Sohle und steiler Böschung auf. Nach dem Ausheben der Mulde wurde diese mit einer ausreichend dicken, wasserundurchlässigen Tonschicht verkleidet. Darauf folgte eine Wärmedämmschicht aus Schilf, Stroh, Moos oder Torf und eine zweite Lage Ton zur oberen Abdichtung. Zur Stabilisierung des Tons wurde gelegentlich noch eine Schicht Steine aufgebracht.

Die Wärmedämmung aus pflanzlichem Material gegenüber dem Erdreich soll bewirken, dass sich das Teichwasser in klaren Nächten durch Wärmeabstrahlung schneller abkühlt als das den Teich umgebende Erdreich. Hierdurch setzt die Taubildung früher ein. Infolge der nächtlichen Abkühlung kondensiert die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit auf dem Wasserspiegel oder am Rand des Gewässers und fließt diesem zu. Uferbewuchs kann die Taubildung erhöhen (sog. Nebelfänger).[5] Wurde die Wärmedämmschicht feucht, weil die obere oder die untere Tonschicht undicht wurden, so ging die Isolierwirkung zurück. Die Technik wurde bereits in der Jungsteinzeit angewandt.[6]

Nachbauten historischer Tauteiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Nachbauten von Tauteichen in Ostfriesland wurde  2014 die althergebrachte Technik mittels moderner Baumaterialien verifiziert. Hierzu wurden in zwei Erdkuhlen verschiedene Techniken ausprobiert. Zur Abdichtung dienten handelsübliche PVC-Folien, zur Isolierung wurde Glasschaumschotter verwandt. Der Bau wurde von freiwilligen Handwerkern, die klimatologischen Untersuchungen von Werner und Coldewey durchgeführt.[7]

Schematischer Schnitt eines Tauteich-Nachbaus mit modernen Materialien

Generelle Anforderungen an einen Tauteich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Abdichtung der Dämmschicht nach oben und unten z. B. durch Ton bzw. Folie ist notwendig um die Dämmwirkung zu gewährleisten und einen Austritt des Wassers in den Untergrund zu verhindern. Eine Umrandung aus Gehölzen, die einen Windschutz bieten und zusätzlich eine geringe Beschattung verursachen, ist nützlich. Des Weiteren ist eine Tiefe von mindestens 1,5 m und eine Gesamtfläche von mehr als 500 m² empfehlenswert. Eine direkte Nutzung des Teiches durch große Weidetiere ist wegen der Sedimentaufwirbelung und der damit verbundenen Erhöhung der Temperatur durch Sonneneinwirkung zu vermeiden. Außerdem können die Hufe der Weidetiere eine Beschädigung der Abdichtung verursachen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. B. Brockamp, J. Werner: Ein weiterentwickeltes Verdunstungsmeßgerät für Kleingewässer (als Beitrag der hydrologischen Dekade der UNESCO). In: Meteorol. Rdsch. Band 23, Nr. 2. Borntraeger, Stuttgart 1970, S. 53 - 56.
  2. W. G. Coldewey, J. Werner, C. Wallmeyer, G. Fischer: Das Geheimnis der Himmelsteiche - Physikalische Grundlagen einer historischen Wasserversorgung im Küstenraum. In: Christoph Ohlig (Hrsg.): Schriften der DWhG. Band 20, Nr. 2. Siegburg 2012, S. 315 - 329.
  3. J. Werner, W. G. Coldewey, C. Wallmeyer, G. Fischer: Der Tauteich Helmfleeth im St. Johannis-Koog, Gemeinde Poppenbüll - Messungen und Berechnungen des Wasserhaushalts 2010. In: Jb. "Zwischen Eider und Wiedau" (Heimatkalender Nordfriesland). Husum 2013, S. 1 - 10.
  4. D. Meier, W. G. Coldewey: Wasserversorgung in den Nordseemarschen von der römischen Kaiserzeit bis zur frühen Neuzeit. In: Christoph Ohlig (Hrsg.): 10 Jahre DWhG, Schriften der DWhG. Band 20, Nr. 1. Siegburg 2012, S. 249 - 260.
  5. Stefan Siegert: Tut der Seele gut, Sendungsscript bei dradio.de
  6. Arthur John Hubbard, George Hubbard: Neolithic Dew-ponds and Cattle-ways, American Anthropologist, Juli–September 1907, Vol.7, Ausgabe 3, S. 529–531.
  7. J. Werner, W. G. Coldewey, D. Wesche, H. Schütte, F. Schütte, H. Fähnders, R. Neumann: Studien der Wasserbilanz an zwei modernen Nachbauten historischer Tauteiche an der Nordseeküste. In: Christoph Ohlig (Hrsg.): Schriften der DWhG. Band 25. Siegburg 2016, S. 349 - 369.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]