Terroranschläge auf die Botschaften der Vereinigten Staaten in Daressalam und Nairobi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Schauplatz in Dar es Salaam
Schauplatz in Nairobi
Trümmer der US-Botschaft in Nairobi

Die Terroranschläge auf die Botschaften der Vereinigten Staaten in Daressalam und Nairobi waren eine Serie gleichzeitig gezündeter Autobomben, die am 7. August 1998 in Daressalam, dem tansanischen Regierungssitz, und in der kenianischen Hauptstadt Nairobi gezündet wurden.

Anschläge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. August 1998 um halb elf vormittags brachten vor der US-Botschaft in Nairobi zwei Attentäter einen Tankwagen mit einer aus etwa 1000 kg TNT, Aluminiumnitrat und Aluminiumpulver bestehenden Bombe zur Explosion. Dabei wurde die Fassade des Gebäudes abgerissen und ein Nachbargebäude zum Einsturz gebracht. Bei dem Anschlag starben 213 Menschen, darunter zwölf Amerikaner, 4500 Menschen wurden verletzt.[1] Neun Minuten später explodierte eine weitere Bombe vor der amerikanischen Botschaft in Daressalam. Die Wucht der Explosion wurde von einem zufällig geparkten Wassertankwagen abgemildert. Bei diesem Anschlag starben elf Menschen und 85 wurden verletzt.[2] Die CIA hatte ein knappes Jahr zuvor einen Hinweis auf einen Anschlag auf die US-Botschaft in Nairobi erhalten, hatte den Informanten jedoch als nicht zuverlässig eingeschätzt.[3]

Reaktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Anschläge am 13. August 1998 in Resolution 1189.[4]

Einen Tag nach den Anschlägen erhielt die CIA einen Hinweis, dass sich Osama Bin Laden in einem Ausbildungslager Nahe der ost-afghanischen Stadt Chost aufhalten würde. US-Präsident Clinton gab die Zustimmung zu einem Militärschlag und am 20. August 1998 wurden bei der Operation Infinite Reach 75 Marschflugkörper auf das Ausbildungslager abgefeuert.[5] Mehrere der Marschflugkörper stürzten über pakistanischem Gebiet ab und töteten nach Angaben des ehemaligen ISI-Chefs Hamid Gul zwei Menschen. Die Angaben der Getöteten im afghanischen Ausbildungslager reichen von 6 bis 22 Opfern. Osama Bin Laden verließ mehrere Stunden vor dem Einschlag das Lager, nachdem er möglicherweise zuvor von pakistanischer Seite gewarnt worden war.[6][7]

Zur selben Zeit wurden 13 Marschflugkörper auf die Asch-Schifa-Arzneimittelfabrik in der Nähe der sudanesischen Stadt Khartum abgefeuert, die im Verdacht stand, Chemiewaffen zu produzieren. Die Fabrik wurde dabei völlig zerstört. Die CIA hatte in Bodenproben Spuren von EMPTA gefunden, das ein möglicher Ausgangsstoff bei der Produktion des chemischen Kampfstoffes VX ist und für das es sonst keine bekannte kommerzielle Anwendung gibt. Es stellte sich später jedoch heraus, dass in der Fabrik lediglich Medikamente hergestellt wurden und es wurden keine weiteren Spuren von EMPTA gefunden. [8]

Drei Tage zuvor, am 17. August 1998, hatte Präsident Clinton vor Fernsehkameras eingestanden, eine „unangemessene Beziehung“ zur Praktikantin Monica Lewinsky unterhalten zu haben.[9] Clinton geriet unter Druck und ihm wurde von verschiedenen Seiten vorgeworfen, der Militärschlag diene der Ablenkung von der Lewinsky-Affäre. Zusätzlich angefeuert wurde die Debatte von dem Ende 1997 veröffentlichten Spielfilm Wag the Dog, in dem ein fiktiver US-Präsident einen Krieg mit Albanien vom Zaun bricht, um von innenpolitischen Problemen abzulenken.[10] Vor der 9/11-Kommission sagten die Beteiligten später aus, dass diese Entscheidung auf Basis der bestehenden Beweislage richtig gewesen sei und die 9/11-Kommission fand keinen Grund, an diesen Angaben zu zweifeln.[11]

Strafverfolgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Überlebende Attentäter von Nairobi Mohammed al-Owhali, ein 21-jähriger Bürger Saudi-Arabiens, wurde kurz nach den Anschlägen festgenommen. Mohammed al-Owhali hatte nach dem Anschlag eine Telefonnummer im Jemen angerufen, zu der auch Anrufe von Osama Bin Laden nachgewiesen werden konnten.[12]

Da die Anschläge gegen die Vereinigten Staaten gerichtet waren, wurden dort vier Personen angeklagt. Die afghanische Taliban-Regierung weigerte sich im Mai 2001, den ebenfalls tatverdächtigen Osama bin Laden auszuliefern. Die vier Angeklagten wurden 2001 zu jeweils lebenslanger Freiheitsstrafe ohne die Möglichkeit der Bewährung verurteilt.

Im November 2010 wurde der Tansanier Ahmad Chalfan al-Ghailani von einem US-Zivilgericht verurteilt. Er wurde der „Verschwörung zur Zerstörung von US-Eigentum“ von den Geschworenen für schuldig befunden. In weiteren 285 Anklagepunkten, darunter Verschwörung zur Ermordung von US-Bürgern, Verschwörung zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen und Mord, wurde er freigesprochen.[13]

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete ihn als einen der Drahtzieher und warfen ihm enge Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida vor. Demnach kaufte er den bei dem Attentat in Tansania eingesetzten Lastwagen und Sprengstoff. Die Verteidigung argumentierte, er habe nicht gewusst, was er kaufte. Er sei von al-Qaida getäuscht worden. Er hätte keine direkten Kenntnisse über die Anschläge gehabt. Zudem sei er nach seiner Festnahme von CIA-Agenten gefoltert worden.[14]

Er wurde am 25. Januar 2011 zu lebenslanger Haft ohne Chance auf Begnadigung verurteilt.[15]

Ein mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge und al-Qaida-Anführer, Anas al-Liby (eigentlich Nazih Abd al Hamid al-Ruqhay) wurde am 5. Oktober 2013 in Tripolis in einer gemeinsamen Aktion von US-Militär (Delta Force[16]), CIA und FBI aufgegriffen und befindet sich in amerikanischem Gewahrsam; er soll vor ein amerikanisches Gericht gestellt werden.[17] Die libysche Regierung äußerte in einer Stellungnahme, von der Operation nichts gewusst und ihr nicht zugestimmt zu haben, zudem soll al-Liby vor ein libysches Gericht gestellt werden.[18] Nach Angabe hochrangiger, anonymer amerikanischer Regierungsmitarbeiter habe die libysche Regierung der Operation Wochen zuvor prinzipiell zugestimmt.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lawrence Wright: Der Tod wird euch finden. Al-Qaida und der Weg zum 11. September. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2008, ISBN 978-3-442-12986-7, S. 364.
  2. Lawrence Wright: Der Tod wird euch finden. Al-Qaida und der Weg zum 11. September. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2008, ISBN 978-3-442-12986-7, S. 366.
  3. Lawrence Wright: Der Tod wird euch finden. Al-Qaida und der Weg zum 11. September. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2008, ISBN 978-3-442-12986-7, S. 370.
  4. Resolution 1189 (1998). UN-Sicherheitsrat, 13. August 1998, abgerufen am 2. April 2018.
  5. Steve Coll: Ghost Wars. The Secret History of the CIA, Afghanistan, and bin Laden, from the Soviet Invasion to September 10, 2001. Penguin Books, New York 2005, ISBN 978-0-14-303466-7, S. 409.
  6. Steve Coll: Ghost Wars. The Secret History of the CIA, Afghanistan, and bin Laden, from the Soviet Invasion to September 10, 2001. Penguin Books, New York 2005, ISBN 978-0-14-303466-7, S. 410.
  7. Staff Statement No. 6, The Military. National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States, 23. März 2004, abgerufen am 1. April 2018.
  8. Lawrence Wright: Der Tod wird euch finden. Al-Qaida und der Weg zum 11. September. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2008, ISBN 978-3-442-12986-7, S. 380.
  9. Steve Coll: Ghost Wars. The Secret History of the CIA, Afghanistan, and bin Laden, from the Soviet Invasion to September 10, 2001. Penguin Books, New York 2005, ISBN 978-0-14-303466-7, S. 408.
  10. Steve Coll: Ghost Wars. The Secret History of the CIA, Afghanistan, and bin Laden, from the Soviet Invasion to September 10, 2001. Penguin Books, New York 2005, ISBN 978-0-14-303466-7, S. 412.
  11. Responses to Al Qaeda's inital assaults. National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States, 22. Juli 2004, abgerufen am 2. April 2018.
  12. Lawrence Wright: Der Tod wird euch finden. Al-Qaida und der Weg zum 11. September. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2008, ISBN 978-3-442-12986-7, S. 374.
  13. Erster Guantánamo-Zivilprozess: Freispruch in den meisten Punkten in: Tages-Anzeiger vom 18. November 2010.
  14. Guantánamo-Häftling muss lebenslang ins Gefängnis in: NZZ Online vom 25. Januar 2011
  15. Lebenslange Haft für Ex-Guantanamo-Häftling in: Spiegel Online vom 25. Januar 2011
  16. Kimberly Dozier, Abdi Guled, Jason Straziuso, Associated Press: US Forces Hit Extremists Behind E. Africa Attacks. ABC News, 5. Oktober 2013, abgerufen am 6. Oktober 2013.
  17. David D. Kirkpatrick: Man Sought in ’98 Attacks on Embassies Is Seized. The New York Times, 5. Oktober 2013, abgerufen am 5. Oktober 2013.
  18. بيان صحفى بشأن اختطاف أحد المواطنين الليبيين (Memento des Originals vom 9. Oktober 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pm.gov.ly
  19. Michael S. Schmidt und Eric Schmitt: U.S. Officials Say Libya Approved Commando Raids. The New York Times, 9. Oktober 2013, abgerufen am 10. Oktober 2013.