The Velvet Underground & Nico

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The Velvet Underground & Nico
Studioalbum von The Velvet Underground
Veröffentlichung 12. März 1967
Aufnahme April 1966November 1966
Label Verve Records
Format LP, CD, MC, SACD, Blu-ray Audio
Genre Artrock, Experimental, Protopunk
Anzahl der Titel 11
Laufzeit 48:51

Besetzung

Produktion Andy Warhol, Tom Wilson

Studios

Chronologie
The Velvet Underground & Nico White Light/White Heat
(1968)

The Velvet Underground & Nico ist das Debütalbum der experimentellen Rockband The Velvet Underground mit der deutschen Sängerin Nico. Es wurde von Andy Warhol produziert und im März 1967 veröffentlicht.

Titelliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis auf die gekennzeichneten Ausnahmen stammen alle Songs aus der Feder von Lou Reed.

Seite 1

  1. Sunday Morning (Reed, Cale) – 2:56
  2. I’m Waiting for the Man – 4:39
  3. Femme Fatale – 2:38
  4. Venus in Furs – 5:12
  5. Run Run Run – 4:22
  6. All Tomorrow’s Parties – 6:00

Seite 2

  1. Heroin – 7:12
  2. There She Goes Again – 2:41
  3. I’ll Be Your Mirror – 2:14
  4. The Black Angel’s Death Song (Reed, Cale) – 3:11
  5. European Son (Reed, Cale, Morrison, Tucker) – 7:46

Stil und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das sogenannte „Bananenalbum“ wurde komplett von Warhol produziert, gestaltet und vermarktet.[Gier 1] Neben The Velvet Underground wirkte auch die Sängerin Nico mit, die eine kurze Liebesbeziehung mit Lou Reed hatte. Es sollte Nicos vorerst letzte Zusammenarbeit mit der Band bleiben. Die limitierte Originalauflage bestand aus einem Siebdruck mit einer schälbaren Banane und dem Hinweis „peel slowly and see“.

Charakteristisch für die Musik sind unter anderem die sogenannten Drones (extrem lang gehaltene, gleich bleibende Töne, welche die Harmonik, also die Akkordwechsel der Songs überlagern), wie sie etwa bei Heroin oder Venus in Furs verwendet werden. Diese Drones wurden von John Cale auf seiner elektronisch verstärkten Viola erzeugt. Er schöpfte dabei aus seinen Erfahrungen mit John Cage, La Monte Young und der Minimal Music. Für die damalige Pop- und Rockmusik war eine solch avantgardistische Symbiose aus E-, U- und F-Musik eine radikale Neuerung. Charakteristisch für den Sound von Velvet Underground ist des Weiteren das unkonventionelle, monotone Schlagzeugspiel von Maureen Tucker, das auf den Einsatz von Becken weitgehend verzichtet und durch bewusste agogische Schwankungen auffällt, wie man sie sonst nur aus der klassischen Musik kennt (besonders augenfällig in Heroin), die häufige Wiederholung minimalistischer Improvisationsmotive und ein mit Verzerrern elektronisch stark verfremdeter Sound.

In den Texten beleuchtet Reed wertfrei und realitätsnah die sogenannten „Schattenseiten“ der modernen Konsumgesellschaft – wie etwa Sadomasochismus in dem Song Venus in Furs, der sich deutlich auf den Text des Romans Venus im Pelz von Leopold von Sacher-Masoch bezieht. Femme Fatale hingegen ist eine Hommage an Edie Sedgwick, eine Stil-Ikone der 60er, die in einigen Live-Auftritten der Velvets mitwirkte und zeitweilig Muse von Andy Warhol war. Außerdem wird Drogensucht in den Songs I’m Waiting for the Man und Heroin thematisiert, mit denen Lou Reed unter anderem auf sich selbst reflektierte (wie auch in seinen späteren Soloalben). Die eindringlichen Texte bilden mit der düsteren, experimentellen Musik eine Symbiose, die wohl dazu beigetragen hat, dass Velvet Underground zu den im Nachhinein meist kopierten Rockgruppen der Musikgeschichte gezählt werden können. Überdies trug Nico mit dem düsteren Timbre ihrer Stimme (in den Titeln Femme Fatale, All Tomorrow’s Parties und I’ll Be Your Mirror) zur Einmaligkeit des Albums bei.

Dass das Album nur Platz 171 der US-Charts erreichte, war finanziell gesehen ein Desaster. Das Album wurde von Plattenläden und Radiostationen aus dem Programm genommen, da die Texte von brisanten Themen wie Drogenmissbrauch, Prostitution und Sadomasochismus handeln. Die Folge war, dass das Album zur damaligen Zeit kaum wahrgenommen wurde.

Die Originalaufnahme zeichnet in ihren Songtexten ein authentisches Spiegelbild der New Yorker Undergroundszene und skizziert unter anderem das Leben der Factory-Szene um Andy Warhol und seinen Protagonisten, überdies dienten die Stücke des Albums als Untermalung für Warhols Projekt Exploding Plastic Inevitable.[1]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle Bewertung
Allmusic [2]
The Guardian [3]
Pitchfork Media [4]
Laut.de [5]

Von seinem Manager Kenneth Pitt, der kurzfristig in Betracht gezogen haben soll, The Velvet Underground zu managen, erhielt der damals kaum bekannte David Bowie bereits 1966 eine Testpressung des noch unveröffentlichten Albums, das ihn enorm beeinflussen sollte. Er schrieb 2002 dazu: „Alles, was ich wirklich über Rockmusik wissen musste, erschloss sich mir plötzlich durch eine einzige unveröffentlichte Platte. [...] Mit dem Spaß war es nun offensichtlich vorbei. Das hier war von einer Coolness, die ich nie für möglich gehalten hatte, es war überwältigend.“[6]

Die renommierte Musikzeitschrift Rolling Stone führt The Velvet Underground & Nico auf Platz 13 der 500 besten Alben aller Zeiten und auf Platz 5 der 100 besten Debütalben.[7][8] Der New Musical Express wählte das Album auf Platz 5 der 500 besten Alben aller Zeiten.[9] In der Auswahl der 100 besten Alben des Guardians belegt es Platz 8.[10] Mojo setzte es auf Platz 9 der 100 besten Alben.[11] Das Magazin Time nahm The Velvet Underground & Nico in die Auswahl der 100 wichtigsten Alben auf.[12] Pitchfork Media wählte es auf Platz 1 der 200 besten Alben der 1960er Jahre.[13] Außerdem gehört das Erstlingswerk zu den 1001 Albums You Must Hear Before You Die.

The Observer wählte das Debütalbum auf Platz 1 der Liste der Alben, welche die Musik verändert haben.[14]

Das Album wurde 2006 in die Sammlung der US-amerikanischen National Recording Registry aufgenommen.

Cover[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Warhol waren „seine Factory-Assistentin Billy Linich [...], Paul Morris und Nat Finkelstein sowie Acy R. Lehman von der Designabteilung […] des Art Apartments von MGM“[Gier 2] am Cover-Design der aufklappbaren Schallplattenhülle (Single, Album, Cover) beteiligt. „Die Illustration ‚Banana‘ – auf einem Aufkleber das Bild einer Bananenschale sowie die Vorderseite des Covers aufgedruckte Illustration von Fruchtfleisch – wurde von Warhol konzipiert und erschien bereits 1966 als Tafelbild, das als serigrafischer Prototyp für die Cover-Illustration angesehen werden kann.“[Gier 2]

Zu sehen ist auf der Cover-Vorderseite die Abbildung einer schräg aufgerichteten Banane auf weißem Hintergrund. Der Schriftzug „Andy Warhol“ befindet sich am unteren Rand des Albumcovers. Diese und die Information[Gier 3] „Peel Slowly and See“ unten rechts am Bananenstiel sind die einzigen textlichen Informationen. Somit gibt es keine Auskunft über den Titel des Albums sowie die des Interpreten.

„Die Textaufschrift ‚Langsam schälen und sehen‘ fordert auf, den als Lasche fungierenden Papier-Bananenstiel zum Abziehen der leicht klebenden ‚Banana‘-Illustration zu benutzen“.[Gier 3] Beim Abziehen kommt das Fruchtfleisch der Banane als weitere Illustration zum Vorschein und ist im Gegensatz zur natürlichen Fruchtfleischfarbe doppeldeutig in Farbtonwerten zwischen Dunkelrot und Pink gehalten.[Gier 3]

Warhols Name als Credit der Vorderseite der Schallplattenhülle wurde verwendet, um eine zielgerechte Funktion zu erfüllen, und zwar die Assoziation oder „die Vermittlung einer Information bezüglich Warhols und des Albums“ zu fördern.[Gier 4]

Das Textelement „Peel Slowly and See“ bezog sich dagegen hauptsächlich auf die Illustration der Banane. Um eventuelle Rückschlüsse auf das Velvet-Underground-Album und seinen Inhalt zu ziehen, mussten dem Rezipienten der Hinweis auf „Andy Warhol“ als erste Information genügen. „Warhol vermarktete sein Produkt mit seinem Namen. Denn das Album, inklusive Cover, ist im unmittelbaren Kontext seiner medialen Projekte von ihm unter Mitarbeit seiner Factory-Mitglieder konzipiert und produziert worden. Den Creditvermerk ‚Andy Warhol‘ richtet er insofern präzise auf seine Urheber- und Produzenten-Position des Albums aus“.[Gier 4]

Die Rückseite wurde in Bild- und Textgestaltung streng symmetrisch gestaltet. „Das obere Flächenviertel ist als Textbereich angelegt. Analog zu einer herkömmlichen Cover-Vorderseite erscheint dort der Album-Titel, der in diesem Fall identisch mit dem Gruppennamen ist, und der farblich abgesetzte und ebenso in großen Lettern gleichwertig erscheinende Namenszug Warhols mit der Angabe seines Produzenten-Status1.“ Das Prinzip, die primären Credits auf der Rückseite zu positionieren, findet sich ansonsten ausschließlich bei einem „Credit Free Cover.“ Ebenso zeigt die Rückseite eine Portrait-Serie der Gruppenmitglieder als Fotografie in einer Live-Szenerie. Diese stehen im Zusammenhang zu den Filmen Warhols, die zu seiner Multimedia-Performance E.P.I. gehören, was an den Licht-, Form und Farbeffekten zu erkennen ist.

Die Portrait-Serie auf der Cover-Rückseite zeigt die Gruppenmitglieder als Fotografie in einer Live-Szenerie. Diese sind in Licht-, Farb- und Formeffekten abgelichtet und stehen im Zusammenhang zu den Filmen Warhols, die zu E.P.I. gehörten. Alle nicht anders gekennzeichneten Songs hat Lou Reed geschrieben.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstveröffentlichung 1967[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Album erschien erstmals im März 1967 auf Schallplatte über das Label Verve Records.

Erstveröffentlichungen auf CD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine CD-Version wurde 1986 von Verve und remastered 1996 von Polydor Records veröffentlicht. Beide Editionen führen die gleiche Titelliste wie die Erstveröffentlichung auf LP.

45th Anniversary Edition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 45. Jubiläum des Albums erschienen im Oktober 2012 mehrere erneut remasterte Neuauflagen des Albums. Die Veröffentlichung erfolgte über Polydor Records und die Universal Music Group.

The Velvet Underground and Nico (45th Anniversary)

Die Liste der Stücke ist identisch mit der Erstveröffentlichung.

The Velvet Underground and Nico (45th Anniversary Deluxe Edition)

Die Doppel-CD enthält die Stereoversion des Originalalbums sowie fünf alternative Abmischungen einzelner Stücke.

  1. Sunday Morning (2:55)
  2. I’m Waiting For The Man (4:39)
  3. Femme Fatale (Album Version (Stereo)) (2:39)
  4. Venus In Furs (Album Version (Stereo)) (5:12)
  5. Run Run Run (Album Version (Stereo)) (4:22)
  6. All Tomorrow’s Parties (Album Version (Stereo)) (5:59)
  7. Heroin (Album Version (Stereo)) (7:13)
  8. There She Goes Again (Album Version (Stereo)) (2:41)
  9. I’ll Be Your Mirror (Album Version (Stereo)) (2:14)
  10. Black Angel’s Death Song (Album Version (Stereo)) (3:12)
  11. European Son (Album Version (Stereo)) (7:47)
  12. All Tomorrow’s Parties (Alternate Single Voice Version) (5:57)
  13. European Son (Alternate Version) (9:06)
  14. Heroin (Alternate Version) (6:17)
  15. All Tomorrow’s Parties (Alternate Instrumental Mix) (5:52)
  16. I’ll Be Your Mirror (Alternate Mix) (2:20)

The Velvet Underground and Nico (45th Anniversary Super Deluxe Edition)

Auf insgesamt sechs CDs sind in dieser Version neben dem Originalalbum in der Stereo- und Monofassung auch Nicos Debütalbum „Chelsea Girl“ sowie seltene Aufnahmen von 1966 enthalten.[15]

High Resolution Audio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 veröffentlichte Universal The Velvet Underground & Nico auf SACD in Japan. 2013 brachten Verve und Universal das Album in hochauflösender Tonqualität („High Fidelity Pure Audio“) auf Blu-Ray Disc auf den Markt. Das Album ist zudem im verlustfreien FLAC-Format als Download erhältlich.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Gier: Andy Warhols Record- und Cover Design: Studien zur grafischen und formgegenständlichen Gestaltung von Schallplatten und Schallplattenverpackungen durch Andy Warhol am Beispiel „The Velvet Underground & Nico“ und „Sticky Fingers“. P. Lang, Frankfurt am Main, New York 2001, ISBN 978-3-631-37418-4.
  2. a b Ebd.Seite 88
  3. a b c Ebd.Seite 108
  4. a b Ebd.Seite 129
  • Sonstige Belege
  1. Stephen Shore, Lynne Tillman: The Velvet Years. Warhol’s Factory 1965–67
  2. Review von Mark Deming auf Allmusic.com (abgerufen am 2. August 2017)
  3. Review von Alexis Petridis auf TheGuardian.com (abgerufen am 2. August 2017)
  4. Review von Miles Raymer auf Pitchfork.com (abgerufen am 2. August 2017)
  5. Ulf Kubanke: Die Mutter aller Indie-Alben auf laut.de (abgerufen am 2. August 2017)
  6. Marc Spitz: David Bowie. Die Biografie, 2010, ISBN 9783941378872, S. 110–111
  7. The 500 greatest albums of all time (2012) auf rollingstone.com, abgerufen am 2. August 2017
  8. The 100 greatest debut albums of all time (2013) auf rollingstone.com, abgerufen am 2. August 2017
  9. The 500 greatest albums of all time auf nme.com, abgerufen am 2. August 2017
  10. The Guardian 100 Best Albums Ever auf discogs.com, abgerufen am 2. August 2017
  11. 100 Greatest Albums of All Time by Mojo (1995) auf besteveralbums.com, abgerufen am 2. August 2017
  12. All-TIME 100 albums auf time.com
  13. The 200 Best Albums of the 1960s auf pitchfork.com, abgerufen am 12. September 2017
  14. The 50 albums that changed music (The Observer)
  15. Liste der enthaltenen Stücke: Olivier Landemaine: The Velvet Underground – CD Box Sets: The Velvet Underground & Nico – 45th Anniversary Super Deluxe Edition. Abgerufen am 13. Februar 2013.