Thessalische Eisenbahnen

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Zwei Meterspurtriebwagen auf Dreischienengleisen in Volos, 1995

Die Thessalischen Eisenbahnen (Sidirodromi Thessalias) waren eine private griechische Eisenbahngesellschaft. Sie erbauten und betrieben ein von Volos in Thessalien ausgehendes schmalspuriges Eisenbahnnetz. Zwei meterspurige Strecken führten ursprünglich nach Larisa und Kalambaka, die Pilionbahn in Spurweite 600 mm führte nach Milies auf der Halbinsel Pilion.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museumstriebwagen bei Aerinion

Nach der Unabhängigkeit Thessaliens vom Osmanischen Reich im Jahr 1881 sollte die Erschließung der nun griechischen Provinz vorangetrieben werden. Zu diesem Zweck wurden am 25. Oktober 1882 mit französischem Kapital die Thessalischen Eisenbahnen gegründet. Im September 1883 wurde mit dem Bau der Strecke von Volos, der wichtigsten Hafenstadt Thessaliens, zur damaligen Provinzhauptstadt Larisa begonnen, am 21. April 1884 war diese 61 km lange Strecke fertiggestellt. Die zweite Strecke zweigte in Velestino, 19 km westlich von Volos ab. Sie war 142 km lang wurde in fünf Etappen eröffnet:

  • Velestino–Farsala, 13. November 1884
  • Fartsala–Sofades, 30. Juni 1885
  • Sofades–Karditsa, 3. Oktober 1885
  • Karditsa–Drossero, 9. März 1886
  • Drossero–Kalambaka, 16. Juni 1886

Schmalspuriger Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmalspurbahnsteig im Bahnhof Paleofarsalos
Bahnhof Kalambaka mit den Felsen von Meteora, vor dem Umbau auf Normalspur
Meterspurige Denkmallokomotive in Larissa

Beide Strecken wurden als Schmalspurbahnen mit einer Spurweite von 1000 mm errichtet. Die Lokomotiven wurden hauptsächlich von der Lokomotivfabrik Tubize in Belgien beschafft. 1895 und 1903 erfuhr das Streckennetz der Thessalischen Schmalspurbahnen noch eine Ergänzung durch die in Spurweite 600 mm ausgeführte Pilionbahn. Mit Eröffnung der Bahnstrecke von Athen nach Larisa, heute Bestandteil der Magistrale von Athen nach Thessaloniki, verloren die Thessalischen Schmalspurbahnen ihr Transportmonopol in der Region. An der Kreuzung der Strecke nach Kalambaka mit der Hauptbahn wurde eine kurze Abzweigung aus Richtung Volos zu einem Knotenbahnhof errichtet, der weit abseits nennenswerter Ansiedlungen den Namen Paleofarsalos erhielt. Ein Normalspurgleis zweigte von der Hauptstrecke ebenfalls in Richtung Volos ab, wo beim Bahnhof Enotiki der Schmalspurbahn eine Umladestation für den Güterverkehr geschaffen wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg plante der griechische Staat die Errichtung mehrerer neuer Bahnverbindungen, darunter auch eine normalspurige Strecke von Kalambaka über Kozani nach Veroia und damit auch einen Umbau der Strecke von Volos nach Kalambaka auf Normalspur. 1927 wurden die entsprechenden Beschlüsse gefasst, ab 1928 wurde am Bau der neuen Strecke ab Kalambaka gearbeitet. Doch schon ein Jahr später stand fest, dass das Projekt die veranschlagten Kosten um ein Vielfaches überschreiten würde. 1932 wurden die Bauarbeiten abgebrochen und bis zum heutigen Tag nicht mehr aufgenommen.[1] Bis zu diesem Zeitpunkt waren mehrere Brücken, Tunnels und Bahnhöfe fertiggestellt, Gleise waren auf der ca. 180 km langen Strecke nie verlegt worden. Kozani erhielt 1954 einen normalspurigen, von der Strecke Thessaloniki – Florina abzweigenden Bahnanschluss aus nördlicher Richtung.

Zum Ausgleich der Fahrzeugverluste, die der Zweite Weltkrieg und Griechische Bürgerkrieg hinterlassen hatten, wurden von den Thessalischen Eisenbahnen einige gebrauchte Dampflokomotiven der Schweizer Brünigbahn und ab 1951 sechs neue ölgefeuerte Dampflokomotiven von Jung beschafft. Ebenfalls ab 1951 folgten insgesamt 14 Dieseltriebwagen von Breda in Italien.

1955 wurden die Thessalischen Eisenbahnen verstaatlicht und in die Staatsbahngesellschaft SEK (Sidirodromoi Ellinikou Kratos), einem Vorläufer der heutigen OSE, aufgenommen. Bis 1960 wurde die Strecke Larisa – Velestino auf Regelspur umgebaut, zwischen Velestino und Volos eine vollständig neue Regelspurstrecke errichtet, die etwas abseits der verbleibenden Schmalspurstrecke angelegt wurde. In Volos wurden die Gleisanlagen teilweise zu Dreischienengleisen für Fahrzeuge beider Spurweiten umgebaut. Darüber hinaus auch Ausgangspunkt der Pilionbahn, war Volos nun zu einem Bahnhof für Bahnen dreier unterschiedlicher Spurweiten geworden. Die Verbindung zum Hafen wurde zu einem Vierschienengleis für drei Spurweiten umgebaut. Bis ca. 1980 wurden noch Güterzüge und gelegentlich Sonderzüge für Eisenbahnfreunde mit Dampflokomotiven geführt. Bis zur Anschaffung von fünf neuen MAN-Triebwagen noch Anfang der 1990er Jahre kamen immer wieder alte, noch brauchbare Fahrzeuge der Peloponnes-Schmalspurbahnen nach Thessalien. Bei diesen mussten dann jedoch die Zug- und Stoßvorrichtungen umgebaut werden, da die Fahrzeuge der Thessalischen Schmalspurbahn vergleichbar mit tunesischen Meterspurfahrzeugen mit Seitenpuffern ausgestattet waren. Die meterspurigen MAN-Regionalverkehrstriebwagen der späteren Reihe 6521 wurden schließlich vom Hersteller mit Aufnahmen für Puffer und Kupplungen nach thessalischer und Peloponnisosnorm geliefert.

Umspurung auf Normalspur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bf Kalambaka nach Umspurung, 2005

Nach der Umspurung der Strecke Larisa–Volos 1960 kam die Modernisierung der thessalischen Schmalspurbahnen zunächst zum Erliegen. Ab den 1980er-Jahren war die Umspurung der verbliebenen Meterspurstrecke mit finanzieller Unterstützung der EU wieder im Gespräch. Nach geringfügigen Vorarbeiten wurde 1998 der Gesamtverkehr zwischen Volos und Kalambaka eingestellt und als Vorarbeit die Gleise im Abschnitt Paleofarsalos–Kalambaka abgetragen, da aus finanziellen Gründen nunmehr nur noch dieser Abschnitt umgespurt werden sollte. Eine Nutzung der Bahn als Zufuhrstrecke für die Umbauarbeiten war nicht vorgesehen. Die Meterspurstrecke zwischen Volos und Paleofarsalos wurde komplett eingestellt, die modernen Triebwagen auf den Peloponnes gebracht.

Im April 2000 wurde der erste umgebaute Abschnitt von Paleofarsalos bis Karditsa in Betrieb genommen. Verzögert durch Bürgerproteste, hauptsächlich die Lage von Bahnübergängen in Trikala betreffend, folgte im Januar 2001 die restliche Strecke bis Kalambaka.[2] Mit der Umspurung war nun die Führung direkter Züge nach Athen und Thessaloniki möglich, einige Direktverbindungen von Kalambaka nach Volos wurden im Umweg über Larisa angeboten. Neben der Erhöhung der Streckenhöchstgeschwindigkeit durch Neutrassierung enger Gleisbögen wurden die Verkürzung der Fahrzeiten auch durch die Schließung kleinerer Bahnhöfe und Stationen erzielt, der sehr personalintensive Betrieb der verbleibenden Bahnhöfe blieb jedoch weitgehend unverändert.

Ab 2001 wurden die Meterspurgleise im Bahnhof Volos abgetragen. Einige historische Fahrzeuge wurden nach Velestino gebracht, wo Eisenbahnfreunde auf den verbliebenen Schmalspurgleisen in Richtung Paleofarsalos gelegentlich Sonderfahrten mit einem Dieseltriebwagen veranstalten.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alexandros C. Gregoriou The Kalambaka - Kozani - Veroia railway 1928 - 1932 (Kopie im Internet Archive) (Memento vom 1. April 2009 im Internet Archive)
  2. Dimitrios Koffas Mit der Bahn in Thessalien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Bernhard Schönborn: Schmalspurbahnen in Griechenland, Edition Ergasias, 1997, ISBN 3-909221-32-7
  • Peter Wegenstein (Hrsg.): Bahn im Bild. Band 107, Die Eisenbahnen Griechenlands, Verlag Peter Pospischil, Wien 1986

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]