Thomas Henke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Thomas Henke (2017)

Thomas Henke (* 21. August 1972 in Korbach) ist ein deutscher Film-, Video- und Medienkünstler. Im Zentrum seiner künstlerischen Auseinandersetzung steht ein experimenteller Umgang mit dem Format des Video-Porträts.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Henke studierte 1992–1999 Freie Kunst an der Kunstakademie Münster bei Reiner Ruthenbeck (Meisterschüler) und 1999–2001 Medienkunst und Film an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Seit 2009 ist er Professor für Neue Medien an der Fachhochschule Bielefeld. Viele der Filmprojekte entstehen in Zusammenarbeit mit seiner Frau Peggy Henke. Peggy und Thomas Henke haben zwei Töchter.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Henke setzt filmische Medien zur Sichtbarmachung von Lebensentwürfen und Selbstbeschreibungen von Personen ein, die sich in außergewöhnlichen oder besonders prägenden Lebenslagen befinden. Durch die Kameraaufzeichnung erzeugt er eine spezifische Form der Begegnung, Vermittlung und Annäherung zwischen Individuen. Dabei gilt sowohl im Umgang mit dem Medium als auch in Bezug auf die Beteiligung der Porträtierten ein maximaler experimenteller Freiraum. Es werden besonders persönliche und intime Momente der Selbst- und Fremdwahrnehmung hergestellt und gleichzeitig die paradoxen und künstlichen Bedingungen der medialen Beobachtung und des subjektiven Kamerablicks reflektiert. Henke hinterfragt so die Praktiken und Ansprüche traditionellen dokumentarischen Filmens ebenso wie er Bezug zu aktuellen Darstellungsformen in der Populärkultur nimmt.[1] Die Aufgabe der singulären Autorschaft hinsichtlich der Herstellung und Präsentationsweise der Videos durch die Kooperation mit den gezeigten Personen oder anderen Künstlern ist typisch für Henke. Schnitt, Montage und Endfertigung der Filme übernimmt er hingegen selbst.

Filme und Projekte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lass Deinen Schatten springen Lichtbildinstallation in Zusammenarbeit mit Jakob Möhring, 1997
  • Zeitmaschine Videoinstallation im Wewerka Pavillon Münster, 1998
  • Die Zweite Zeit Videoinstallation, Deutschland, 1999
  • SINN – filmisches Archiv, Deutschland, 1999–2002
  • Die Willingshäuser – experimentelle Studie über Menschenbild und Abbildungen von Menschen, in Zusammenarbeit mit Dmitri Sidorow, Deutschland, 2001–2003
  • Rivka und Yoram Dokumentarfilm, in Zusammenarbeit mit Moshe Balmas, Israel, 2000–2003
  • Die Geschichte des Joseph Wolf Experimentalfilm, in Zusammenarbeit mit Dmitri Sidorow und Mario A. Lorenz, Deutschland, 2001
  • DAS FENSTER NEBEN MEINEM Filmprojekt, in Zusammenarbeit mit Sandra Ließmann, unterschiedliche Präsentationsformen u. a. im Oldenburger Kunstverein, 2002–2006
  • Mario, der Zauberer Dokumentarfilm, Deutschland, 2005
  • Film der Antworten[2] – filmische Installation von Peggy und Thomas Henke, Deutschland, 2004–2012
  • erinnere dich jetzt Videoinstallation, Deutschland, 2008
  • Liquid Identities[3] Filmprojekt, Deutschland, 2003–2009
  • Doorman I + II Videoinstallation, mit Installationsbauten von Lorenz Estermann, im Leopold Museum Wien und im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Deutschland / Österreich, 2008
  • White Story Channel Experimentalfilm, in Zusammenarbeit mit Christian Heilig, Deutschland, 2010
  • Social Dogma[4] Filmprojekt, Deutschland, 2010
  • Meta-Porträts Filmprojekt, Deutschland, 2011–2017
  • Richtlinien experimenteller Kurzspielfilm, in Zusammenarbeit mit Oliver Held, Deutschland, 2013
  • Porträts 1.13[5] Filmprojekt, in Zusammenarbeit mit Joachim Hake (mit Corona Bamberg, Wolfgang Büscher, Tomáš Halík, Felicitas Hoppe, Thomas Hürlimann, Thomas Macho), Deutschland, 2014–2016
  • Felicitas Hoppe sagt[6] Videoinstallation, in Zusammenarbeit mit Oliver Held mit und über die Schriftstellerin Felicitas Hoppe, Deutschland / Schweiz, 2017

Ausstellungen und Präsentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Experimental- und Dokumentarfilme Thomas Henkes wurden auf internationalen Filmfestivals (und im TV) gezeigt und ausgezeichnet. Im Kunstraum waren seine Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Einzelausstellungen u. a. im Leopold Museum Wien, International Art Centre New Delhi, Estonian National Museum Tartu, Kunstmuseum Thurgau, Sprengel Museum Hannover, Kunsthalle Bielefeld, Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, UNESCO Welterbe Zollverein Essen, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Marta Museum Herford, Edith-Ruß-Haus für Medienkunst Oldenburg, Bielefelder Kunstverein, Oldenburger Kunstverein, Westfälischer Kunstverein Münster sowie Galerie Anita Beckers Frankfurt.

Werke in Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesamtwerk im Filmarchiv Thomas Henke, Wolfgang-Bonhage-Museum Korbach

Leopold Museum Wien, Stiftung UNESCO Welterbe Zollverein Essen, Kantonsmuseum Thurgau (CH), Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, Edith-Ruß-Haus für Medienkunst Oldenburg, KULTUMdepot Graz (A), Kunsthalle Bielefeld, Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst Münster, Westfälische Provinzial Versicherung, Sparkassen-Stiftung Hessen-Thüringen, Öffentliche Versicherung Oldenburg, Emschergenossenschaft Essen, Künstlerhaus Hooksiel, Diözesanmuseum Osnabrück, Bistum Essen, Dominikaner Braunschweig, Katholische Akademie Berlin, Abtei Mariendonk Grefrath

Publikationen (Monografien)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2000: Thomas Henke, Hrsg. Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen
  • 2007: Das Fenster neben meinem, Hrsg. Oldenburger Kunstverein, Isensee-Verlag
  • 2008: Erinnere dich jetzt, Hrsg. Wolfgang Bonhage-Museum Korbach, Gardez Verlag, ISBN 978-3-89796-201-9
  • 2008: Liquid Identities (Volume 1 – 3), Hrsg. Fruchthalle Kaiserslautern, Kerber Verlag, ISBN 978-3-86678-203-7
  • 2010: Social Dogma, Hrsg. Kunsthalle Bielefeld, Kehrer Verlag, ISBN 978-3-86828-151-4
  • 2011: Die erste Fremde, zusammen mit Cornelia Giebeler, Hrsg. Bielefelder Kunstverein, Barbara Budrich Verlag, ISBN 978-3-86649-446-6
  • 2012: Liquid Identities (Volume 4 – 7), Hrsg. Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, Kerber Verlag, ISBN 978-3-86678-682-0
  • 2012–2013: Film der Antworten, Hrsg. Welterbe Zollverein Essen, Kunstmuseum Thurgau, Peggy und Thomas Henke, Verlag für moderne Kunst, ISBN 978-3-86984-333-9
  • 2014: Meta-Porträts, Verlag Kettler, ISBN 978-3-86206-375-8

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Film der Antworten. Eine filmische Installation von Peggy und Thomas Henke, Ausst.-Kat. Welterbe Zollverein Essen u. a. (mit Beiträgen von Peggy und Thomas Henke, Reinhard Hoeps, Markus Landert, Fabian Lasarzik, Thomas Macho, Susanne Neubauer, Mutter Christiana Reemts, Gerhard Stamer). Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2012. ISBN 978-3-86984-333-9
  • Liquid Identities (Volume IV–VII). Thomas Henke, Ausst.-Kat. Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen (mit Beiträgen von Justus Jonas, Susanne Neubauer, Miriam Oesterreich und Reinhard Spieler). Kerber Verlag, Bielefeld 2012. ISBN 978-3-86678-682-0
  • Die erste Fremde. Kleinstkinder im Übergang von der Familie in die Kindertagesstätte (zusammen mit Cornelia Giebeler). Verlag Barbara Budrich, Opladen 2011. ISBN 978-3-86649-446-6
  • Social Dogma. Ein Filmprojekt von Thomas Henke, Ausst.-Kat. Kunstverein Bielefeld (mit Beiträgen von Elisabeth Fritz, Thomas Kellein, Susanne Knaller, Susanne Neubauer, Gerhard Stamer und einem Interview mit Thomas Henke von Matthias Albrecht). Kehrer Verlag, Heidelberg 2010. ISBN 978-3-86828-151-4
  • Thomas Henke. Liquid Identities (Volume I–III), Ausst.-Kat. Fruchthalle Kaiserslautern (mit Beiträgen von Andrea Edel, Justus Jonas, Susanne Neubauer, Annette Reich, Philipp Wolf und einem Interview mit Thomas Henke von Andrea Edel). Kerber Verlag, Bielefeld 2008. ISBN 978-3-86678-203-7
  • erinnere dich jetzt. remember now, Ausst.-Kat. Wolfgang-Bonhage-Museum Korbach (mit Beiträgen von Andreas Steffens, Paula von Sydow und Philipp Wolf). Gardez! Verlag, Remscheid 2009. ISBN 978-3-89796-201-9
  • Das Fenster neben meinem (2002–2006). Ein Filmprojekt von Thomas Henke, Ausst.-Kat. Oldenburger Kunstverein (mit Beiträgen von Peter H. Forster, Corinna Otto und Andreas Steffens). Isensee-Verlag, Oldenburg 2007. ISBN 3-89995-370-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elisabeth Fritz: ‘So wie ihr mich gerade erlebt – so bin ich immer, eigentlich.‘ Zur medialen Generierung von sozialer Erfahrung und Selbstinszenierung in Thomas Henkes Social Dogma. In: Social Dogma, Ausst.-Kat. Kunsthalle Bielefeld. Kehrer Verlag, Heidelberg 2010, S. 56–85.
  2. Film der Antworten. Eine filmische Installation von Peggy und Thomas Henke, Ausst.-Kat. Welterbe Zollverein Essen u. a. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2012. Homepage Film der Antworten. Abgerufen am 23. Juni 2017.
  3. Liquid Identities (Volume IV–VII). Thomas Henke, Ausst.-Kat. Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen. Kerber Verlag, Bielefeld 2012. Thomas Henke. Liquid Identities (Volume I–III), Ausst. Kat. Fruchthalle Kaiserslautern. Kerber Verlag, Bielefeld 2008.
  4. Social Dogma. Ein Filmprojekt von Thomas Henke, Ausst.-Kat. Kunstverein Bielefeld. Kehrer Verlag, Heidelberg 2010. Homepage Social Dogma. Abgerufen am 23. Juni 2017.
  5. Porträts 1.13. Ein Filmprojekt von Joachim Hake und Thomas Henke (Regie), Porträts 1.13, unterschiedliche Präsentationsformen, Deutschland, 2014–2016. Homepage Porträts 1.13. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  6. Felicitas Hoppe sagt. Ein Film von Oliver Held und Thomas Henke, Videoinstallation, 79 Min. (3 Kanäle), Deutschland /Schweiz, 2017. Homepage Felicitas Hoppe sagt. Abgerufen am 11. Juni 2017.