Thusnelda Kühl

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Thusnelda Kühl (* 14. August 1872 in Kollmar; † 24. Juli 1935 in Rendsburg, beerdigt in Nortorf; bürgerlich nach ihrer Heirat Thusnelda Petersen) war eine deutsche Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thusnelda Kühl wurde als Tochter des liberalen und sozial engagierten[1] Pastors Carsten Kühl und seiner Frau Wilhelmine, geborene von Oldenburg, geboren. Ihre Mutter war ebenfalls als Schriftstellerin tätig.[2]

Thusnelda Kühls Leben war lange von zahlreichen Ortswechseln geprägt. Ab Herbst 1876 lebte Thusnelda Kühl erstmals in Oldenswort in Eiderstedt. 1886 zog sie nach Lübeck in ein Mädchenpensionat, anschließend nach Flensburg, um eine Mädchenschule zu besuchen. 1888 kehrte sie nach Oldenswort zurück und wurde konfirmiert.[2] Im Folgejahr begann sie eine Lehrerinnenausbildung in Augustenburg auf Alsen. Die dortige Atmosphäre empfand sie als bedrückend.[3] Sie wurde für kurze Zeit Lehrerin in Flensburg und anschließend Erzieherin in Quern. 1894 legte sie die Prüfung für das Lehramt an mittleren und höheren Mädchenschulen ab und arbeitet bis 1895 an einer Mädchenschule in Bad Lauterberg am Harz. Diese Zeit nannte sie später die „Ouvertüre zum Leben“.[3] 1895 wurde sie Vorsteherin des Lehrinstituts in Friedrichstadt, wo sie ihren späteren Mann kennenlernte. Im Folgejahr wurde sie Lehrerin in Oldenswort. In den Jahren bis 1900 war sie unter anderem Erzieherin auf einem Gut in der Altmark. In Braunschweig lernte sie Wilhelm Raabe kennen. Außerdem arbeitete sie als Privatlehrerin in England und Kopenhagen.[3] 1903 verließ sie den Schuldienst, um sich dem Schreiben zu widmen. Sie zog nach Meldorf und 1905 mit den Eltern nach Neumünster. Im selben Jahr heiratete sie Julius Petersen, der Rektor in Nortorf war, wo sie fortan lebten. 1907 und 1913 wurden eine Tochter und ein Sohn geboren. 1923 starb ihr Mann nach langer Krankheit und 1932 ihre Tochter im Alter von 25 Jahren.[2]

1935 starb Thusnelda Kühl an den Folgen einer Operation in Rendsburg.[2]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1900 begann sie als eine von wenigen Frauen zu schreiben, vor allem Romane. Bekannt wurde sie mit dem Roman Der Lehnsmann von Brösum. Ihr Roman Die Leute von Effkebüll porträtiert die Menschen in Oldenswort um die Jahrhundertwende. Diese beiden Romane und der Roman Um Ellwurth spielen in Eiderstedt. Die Biografie Harro Harring, der Friese beschreibt das Leben des Revolutionärs Harro Harring. Sie veröffentlichte zahlreiche kürzere Werke in Zeitungen und verfasste auch Beiträge zu politischen Themen.[4] Thusnelda Kühl wurde als „Dichterin der Marschen“ bekannt.[2] Als ihre literarischen Vorbilder bezeichnete sie Theodor Storm und Wilhelm Raabe.[5]

1924[2] und 1995[6] wurden jeweils sechs Werke Kühls neu aufgelegt.

Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 wurde in Oldenswort die Thusnelda-Kühl-Gesellschaft gegründet, die sich ihrem schriftstellerischen Werk, aber auch der Landschaftsmalerei ihres Bruders Carsten Kühls widmet.[6] Im selben Jahr wurden in Oldenswort und Nortorf Gedenksteine für Thusnelda Kühl aufgestellt. Im „Treffpunkt Oldenswort“ sind Erinnerungsstücke an Thusnelda Kühl ausgestellt.[7]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1900: Am grauen Strand, am grauen Meer. Roman, in zweiter Auflage als Das Pfarrhaus von Herbersfleth erschienen.
  • 1902: Die Reidings. Roman.
  • 1903: Rüm Hart – Klar Kimming. Erzählung.
  • 1904: Der Lehnsmann von Brösum. Roman.
  • 1905: Um Ellwurth. Roman.
  • 1905: Die Leute von Effkebüll. Roman.
  • 1906: Harro Harring, der Friese. Biografie.
  • 1906: Das Haus im Grunde. Erzählungen.
  • 1906: Die Heimatlosen. Roman.
  • 1907: Margaret Wendt. Novelle.
  • 1908: Der Inseldoktor. Erzählung.
  • 1911: Die junge Margarete Haller. Novellen.
  • 1912: Die Töchter von Friedrichsholm. Roman.
  • 1915: Renate Westedt. Roman.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arno Bammé: Thusnelda Kühl – Die Dichterin der Marschen. Profil, München/Wien 1992, ISBN 3-89019-312-9.
  • Hauke Koopmann: Der Marschendichterin Thusnelda Kühl zum 125. Geburtstag. In: Nordfriesischer Verein und Heimatbund Landschaft Eiderstedt (Hrsg.): Zwischen Eider und Wiedau. Heimatkalender Nordfriesland 1998. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum ohne Jahrgang, ISBN 3-88042-839-5, S. 196–201.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ehrung für einen kritischen Geist. In: Husumer Nachrichten vom 16. Juni 2011, abgerufen am 30. November 2012
  2. a b c d e f Lebenslauf Kühls, abgerufen am 1. Dezember 2012
  3. a b c Hauke Koopmann: Der Marschendichterin Thusnelda Kühl zum 125. Geburtstag. In: Nordfriesischer Verein und Heimatbund Landschaft Eiderstedt (Hrsg.): Zwischen Eider und Wiedau. Heimatkalender Nordfriesland 1998. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum ohne Jahrgang, ISBN 3-88042-839-5, S. 198.
  4. Verstreute Veröffentlichungen, abgerufen am 1. Dezember 2012
  5. Selbstbiographie, abgerufen am 1. Dezember 2012
  6. a b Website der Thusnelda-Kühl-Gesellschaft, abgerufen am 1. Dezember 2012
  7. Touristische Website von Eiderstedt, abgerufen am 1. Dezember 2012