Meldorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Meldorf
Meldorf
Deutschlandkarte, Position der Stadt Meldorf hervorgehoben
Koordinaten: 54° 6′ N, 9° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Dithmarschen
Amt: Mitteldithmarschen
Höhe: 6 m ü. NHN
Fläche: 21,25 km2
Einwohner: 7267 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 342 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 25697–25704
Vorwahl: 04832
Kfz-Kennzeichen: HEI, MED
Gemeindeschlüssel: 01 0 51 074
Adresse der Amtsverwaltung: Hindenburgstraße 18
25704 Meldorf
Webpräsenz: www.meldorf-nordsee.de
Bürgermeisterin: Anke Cornelius-Heide (Bündnis 90/Die Grünen)
Lage der Stadt Meldorf im Kreis Dithmarschen
Karte
Luftbild (Mai 2012)

Meldorf (niederdeutsch: Möldörp bzw. Meldörp) ist eine Stadt im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meldorf liegt an der Miele auf einer ursprünglich ins Wattenmeer hineinreichenden Geestinsel. Durch die Landgewinnung (zuletzt der Speicherkoog) ist sie aber mittlerweile über sechs Kilometer von der Küstenlinie an der Meldorfer Bucht entfernt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn im Norden beginnend die Gemeinden Nordermeldorf, Epenwöhrden, Nordhastedt, Sarzbüttel, Bargenstedt, Nindorf, Wolmersdorf und Elpersbüttel (alle im Kreis Dithmarschen). Im Westen grenzt Meldorf an die Nordsee.

”Mildorp” 1645 im Atlas Maior von Blaeu

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche archäologische Funde belegen eine frühe Besiedlung in der Region. Bekannt geworden ist die so genannte Fibel von Meldorf, eine Gewandspange mit vier Schriftzeichen (Buchstaben) aus dem 1. Jahrhundert, deren Lesung unsicher ist. Von rechts nach links gelesen könnte es sich um die Runeninschrift hiwi handeln, was in urgermanischer Sprache für die zum Haus Gehörige bedeuten dürfte, und damit um einen der ältesten Runenfunde überhaupt, von links nach rechts könnte es aber auch eine lateinische Inschrift sein und Idin, die germanische Form für Ida, heißen.

Bereits 1076 wurde von Adam von Bremen erwähnt, dass die Mutterkirche der Dithmarscher in Meldorf ist. 1265 erhielt Meldorf das Stadtrecht. Meldorf war im Mittelalter (bis zur Verlegung nach Heide) Hauptort von Dithmarschen. 1598 verlor Meldorf das Stadtrecht wieder und wurde zum Flecken. 1870 erhielt Meldorf wieder das Stadtrecht. Meldorf war bis zur Auflösung 1970 Kreisstadt des Kreises Süderdithmarschen. Das ehemalige Kfz-Kennzeichen dieses Kreises, MED, leitet sich aus dem Namen der ehemaligen Kreisstadt ab.

Zum 25. Mai 2008 gab die Stadt ihre Amtsfreiheit auf und bildete mit den Gemeinden der Ämter Kirchspielslandgemeinde Albersdorf und Kirchspielslandgemeinde Meldorf-Land das Amt Mitteldithmarschen.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1935 wurde die ein Jahr zuvor selbständig gewordene Gemeinde Ammerswurth (bis dahin ein Teil der Kirchspielslandgemeinde Südermeldorf-Marsch) eingemeindet.[2] Am 1. Januar 1971 wurde ein Gebietsteil der Gemeinde Wolmersdorf mit damals etwa 20 Einwohnern eingegliedert.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtvertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 19 Sitzen in der Stadtvertretung haben die CDU und die SPD seit der Kommunalwahl 2013 je sechs Sitze, die Wählergemeinschaft WMF hat fünf und die FDP zwei Sitze.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt unterhält Partnerschaften mit Gryfice in Polen und mit Altentreptow in Mecklenburg-Vorpommern.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber auf einem grünen Hügel, durch den sich ein mit fünf roten Sternen belegter silberner Bach schlängelt, eine fünftürmige rote Zinnenburg.“[4]

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Meldorfer Dom St. Johannis im Stadtzentrum ist im Stil der Backsteingotik gehalten.

Zu den Museen zählen das Dithmarscher Landesmuseum, das Dithmarscher Bauernhaus, die Museumsweberei, das Schleswig-Holsteinische Landwirtschaftsmuseum, das in ein Zukunftshaus für nachhaltige Entwicklung umgewidmet werden soll[5], sowie das Dithmarscher Kinder- und Jugendmuseum.

Auf dem Meldorfer Friedhof, 1811 angelegt, befinden sich historisch wertvolle Grab- und Denkmale[6][7]. Die Friedhofskapelle auf dem alten Friedhofsteil wurde 1870 erbaut, nach deren Abriss wurde 1968 auf dem erweiteren Gelände eine neue Kapelle nach einem Entwurf des Architekten Otto Andersen errichtet.

Meldorf gilt als Kulturhauptstadt des Kreises Dithmarschen. Zahlreiche Veranstaltungen wie die Meldorfer Videotage im Kulturzentrum Ditmarsia bzw. das Inklusions-Festival Meldorf Summer Open Air haben sich etabliert. Eine Theatergruppe besteht, das Meldorfer Kino zeigt Mainstream, Arthaus-Programm und Dokumentarfilm. Im Dom werden Sommerkonzerte veranstaltet, seit 1986 leitet der englische Organist Paul Nancekievill die Chöre der Kirche. Im Rahmen des Dithmarscher Kulturprojektes Kunstgriff finden Aktionen statt. Eine Episode der Fernsehserie Stahlnetz, Das Haus an der Stör, behandelte einen lokalen Kriminalfall in der Nachkriegszeit. Zwei Stolpersteine erinnern an Johann Wilhelm Jasper in der Marschstr. 37 und Friedrich Jansen am Südermarkt 2.

Im Jahr 2000 wurden in Meldorf die XI. Europameisterschaften im Boßeln ausgetragen. Der Verein TuRa Meldorf ist mit etwa 2500 Mitgliedern der größte Sportverein an der Westküste Schleswig-Holsteins. Zusätzlich gibt es eine Ortsgruppe der DLRG, den Boßelverein Mielebund, den Tennisclub Meldorf, die Seglervereine SSV Meldorf und MSV.

Der Ort verfügt über ein Hallen- und Freibad. Das Freibad wird seit einer drohenden Schließung 1997 ehrenamtlich vom Förderverein Meldorfer Freibad (FMF) geführt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meldorf ist an die Bundesstraße 431 und die Bundesstraße 5 angeschlossen. Die nächste Autobahnausfahrt liegt etwa 10 bis 15 Kilometer entfernt an der Bundesautobahn 23. Zudem verfügt Meldorf über einen Bahnhof an der Marschbahn, der Eisenbahnstrecke, die Hamburg/Elmshorn mit der Insel Sylt verbindet. Seit der Eindeichung des Speicherkoog Dithmarschen hat Meldorf einen Segelhafen am Siel der Miele, der Hafen am Stadtrand wurde zugeschüttet.

Große Arbeitgeber sind die Druckerei Evers Druck, die Stiftung Mensch (Werkstatt für Menschen mit Behinderungen), der Fenster- und Türenproduzent Aldra (Unternehmen), die Wurstfabrik Binckebanck und eine Stollenwerk-Konservenfabrik. Stark entwickelt ist das Bauhaupt- und -nebengewerbe mit innovativen Unternehmen, in Meldorf gibt es seit 1991 den ersten Ökobaumarkt Schleswig-Holsteins.

Meldorf belegt aktuell in der Solarbundesliga in der Wettbewerbskategorie der „Kleinstädte“ den 66. Platz. Dies ist die beste Platzierung einer norddeutschen Kleinstadt.

Als ehemaliger Kreissitz beherbergt die Stadt als öffentliche Einrichtungen noch das Amtsgericht Meldorf, die Verwaltung des Amts Mitteldithmarschen ist überwiegend in Meldorf ansässig. Außerdem ist es jeweils der „Südsitz“ von Organisationen, die noch regional aufgespalten sind wie die Kirchenkreise. Meldorf hat eine Stadtbücherei, eine Volkshochschule und sieben öffentliche Schulen:

  • Astrid-Lindgren-Schule (ALS)
  • Berufsbildungszentrum (BBZ) Dithmarschen (weitere Standorte: Heide i. H., Brunsbüttel)
  • Grundschule Meldorf (GSM)
  • Gemeinschaftsschule (GMS) Meldorf
    • Hauptschule Meldorf
    • Realschule Meldorf (zuvor: Meldorfer Mittelschule)
  • Meldorfer Gelehrtenschule (MGS), das 1540 gegründete Gymnasium
  • Christian-Bütje-Schule (Förderschule)

Die evangelische Kirchengemeinde unterhält einen Kindergarten, die Arbeiterwohlfahrt einen Kindergarten am Mielepark und ein Kinderhaus in der Marschkammer.

Im Zuge des Strukturwandels will sich die Stadt stärker als Ort des nachhaltigen und sanften Tourismus profilieren und hat sich deshalb dem internationalen Städtenetzwerk Cittàslow angeschlossen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Meldorf verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich von Zütphen; im Hintergrund die Meldorfer Kirche

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Gille, Schrum Hansen: Meldorf, Bilder einer alten Stadt, Verlag Boyens & Co., Heide 1995, ISBN 3-8042-0688-3 / 3-8042-0688-3
  • Nils Hansen: Meldorf 1900: zum Alltags- und Mentalitätswandel in einer westholsteinischen Kleinstadt unter dem Einfluss der Industrialisierung (1869–1914) (Band 29 von Studien zur Volkskunde und Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins, Verlag K. Wachholtz, Kiel 1993)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Meldorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2015 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Die Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 1867–1970. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel 1972, S. 49.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 181.
  4. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  5. http://zeitungen.boyens-medien.de/aktuelle-nachrichten/zeitung/artikel/zukunftshaus-nimmt-gestalt-an.html
  6. Friedhof Meldorf mit pdf-Übersichtskarte „Sehenswertes auf dem Friedhof“
  7. Friedhof Meldorf: Bilder und Namensliste bei genealogy.net