Tichon von Sadonsk

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Tichon von Sadonsk (russisch Тихон Задонский/Tichon Sadonski; bürgerlicher Name Тимофей Савельевич Соколов/Timofei Saweljewitsch Sokolow; * 1724 in Korozko; † 13. Augustjul./ 24. August 1783greg. in Sadonsk) war von 1763 bis 1767 Bischof von Woronesch. Er ist ein Heiliger der Russischen Orthodoxen Kirche (Gedenktag 13. Augustjul./ 26. Augustgreg.).

Leben[Bearbeiten]

Timofei wurde 1724 in Korozko (Kreis Waldai) geboren. Als Familiennamen wurde in der ältesten Quelle „Sokolow“ angegeben.[1] Sein Vater, Saweli Kirillow, war Kirchensänger, seine Mutter hieß Domnika. Timofei hatte drei Brüder und zwei Schwestern. Der Vater starb früh; daher lebte die Familie in großer Armut. Timofeis Begabung wurde gefördert. Er konnte das 1740 gegründete Geistliche Seminar in Weliki Nowgorod besuchen.[2] Im Juli 1754 schloss er das Studium ab und wurde Dozent für Rhetorik am Seminar. Am 10. April 1758 wurde er Mönch und erhielt den Namen Tichon. Sein Namenspatron war der hl. Tychon von Amathus (Zypern), welcher der Überlieferung nach um 340 bis 403 lebte. Am 27. August 1758 wurde Tichon Dozent für Philosophie und am 13. Januar 1759 Präfekt des Seminars. Am 26. August 1759 wurde er Rektor des geistlichen Seminars in Twer und Dozent für Theologie. Am 13. Mai 1761 wurde er in Sankt Petersburg zum Bischof von Kexholm und Ladoga geweiht. Er war Vikarbischof von Nowgorod. Am 3. Februar 1763 wurde er Bischof von Woronesch und Jelez. Aus gesundheitlichen Gründen erbat Tichon Mitte 1767 die Versetzung in den Ruhestand.[3] 1768 lebte er im Erlöser-Verklärungs-Kloster Tolschew. Im März 1769 siedelte er in das Gottesgebärerinkloster Teschewsk über, das 1779 in Sadonsk, d.h. Ort jenseits des Flusses Don, umbenannt wurde. Tichon wurde bekannt durch seinen Einsatz für Gefangene, arme Familien und Obdachlose.

Tichon-Ikone

Es gelang Tichon, seine Anliegen (die Bekämpfung der Sünde, die Buße und die Askese) dem einfachen Volk ebenso wie den Gebildeten zu vermitteln. In seinen Predigten geißelte er soziale Ungerechtigkeit.[4] Er war zugleich ein ausgezeichneter Schriftsteller und verfasste eine Reihe von Werken, die sich auf Anregungen aus dem Werk von Johann Arndt stützen.[5] Der russische Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski gestaltete die Figur des Starzen Sosima in seinem Roman Die Brüder Karamasow in Anlehnung an Aussagen und Werk Tichons.[6] Dieser starb 1783 in Sadonsk. Seine Gebeine fanden ihre letzte Ruhe in der Wladimir-Kathedrale des Sadonsker Klosters, welches sich nach seiner Heiligsprechung 1861[7] zu einem bedeutenden Wallfahrtsort entwickelte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Vgl. W.I.Tschebotarew, Sapiski (Aufzeichnungen), in: Tworenija Tichona Sadonskago, Bd. 5, Moskau 51889, Anhang 2, Seite 47, Anmerkung. Jüngere Werke, z.B. Ioann (Maslow), geben „Sokolowski“ an. Die folgenden Daten entstammen ebenfalls der Anmerkung auf Seite 47 des genannten Werkes.
  2. Vgl. P.W.Snamenskij, Duchownye schkoly w Rossii do reformy 1808 goda, Kasan 1881, 168.
  3. Vgl. W.I.Tschebotarew, Sapiski, in: Tworenija Tichona Sadonskago, Bd. 5, Moskau 51889, Anhang 2, Seite 53, Anmerkung.
  4. Vgl. Tichon von Sadonsk, Predigt 9 und 10, in: Tworenija Tichona Sadonskago, Bd. 1, Moskau 51889, besonders die Seiten 68 und 73.
  5. Vgl. H.M.Knechten, Evangelische Spiritualität bei Tichon von Zadonsk, Waltrop 2006, 10.
  6. Vgl. Fjodor Michailowitsch Dostojewski, Bratja Karamasowy, Sobranie sotschinenij, Bd. 9, Moskau 1958, 354-406 (Russkij inok).
  7. Vgl. E.Golubinskij, Istorija kanonisazija swjatych w Russkoj Zerkwi, Moskau 21903, 179-182.

Werke[Bearbeiten]

  • Isbrannye trudy. Pisma. Materialy, hg. v. W.Worobew, Russkaja bogoslowskaja biblioteka, Moskau 2004, ISBN 5-7429-0049-X.
  • Swjatitel Tichon Sadonski. Swjatootetscheskoe nasledie, 5 Bde., Moskau 2003.
  • Sotschinenija preoswjaschtschennago Tichona, episkopa Woroneschskago i Jelezkago, 15 Bde., St. Petersburg 1825-1826.
  • Tworenija ische wo swjatych otza naschego Tichona Sadonskago, 5 Bde., Moskau 51889.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ioann (Maslow), Simfonija po tworenijam swjatitelja Tichona Sadonskogo, Moskau 2003, ISBN 5-98106-004-2.
  • Ioann (Maslow), Swjatitel Tichon Sadonskij i ego utschenie o spasenii. Stati rasnych let, Moskau 21995, ISBN 5-900937-03-8.
  • Nadejda Gorodetzky, Tichon von Sadonsk. Anreger Dostojewskijs, Übers. v. G. u. K.Bambauer, Wesel 1987.
  • Wolfgang Heller: Tichon von Sadonsk. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 17, Bautz, Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8, Sp. 1375–1376.
  • Heinrich Michael Knechten, Evangelische Spiritualität bei Tichon von Zadonsk, Studien zur russischen Spiritualität 2, Waltrop 2006, ISBN 3-89991-052-4.
  • Iwan Kologriwow, Das andere Rußland, München 1958, 288-326 (Der heilige Tichon von Sadonsk).
  • Stefan Reichelt, Johann Arndts »Vier Bücher von wahrem Christentum« in Russland. Vorboten eines neuzeitlichen interkulturellen Dialogs, Leipzig 2011, 454-464 (Der hl. Tichon von Zadonsk), ISBN 978-3-374-02863-4.
  • Igor Smolitsch, Russisches Mönchtum, Würzburg 1953, 516-520 (Der hl. Tichon von Sadonsk).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tichon von Sadonsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien